Wie du die erste Klausur im Strafrecht mit Prädikat meisterst

(unbezahlte Werbung wegen Büchernennung)

Wie wohl vielen von euch, war mir die erste Strafrechtsklausur suspekt. Die Menge des neuen Stoffes und die neue Klausurtechnik machten mich nervös. Umso überraschter war ich dann, als mein Ergebnis 11 Punkte waren. In diesem Beitrag möchte ich meine Lernmethoden und Tipps vorstellen, mit denen auch du es schaffen kannst.

Disclaimer: Ein Prädikat sollte nicht immer das Ziel sein. Denk daran, dass ein nicht unerheblicher Anteil deiner Bewertung von deiner Tagesform und der individuellen Bewertung jedes Korrektors / jeder Korrektorin abhängt. Mit diesen Tipps wirst du aber bereits eine solide Basis aufbauen können, mit der dann alles möglich sein wird.

Zuallererst empfehle ich, einen Lernplan zu erstellen, in den du alle wesentlichen Gebiete des Strafrechts integrierst und genug Zeit für Puffer- und Pausentage lässt. Je nach Vorwissen und Fertigkeiten empfehle ich eine Vorbereitungszeit von ca. 4-6 Wochen. So kannst du relativ entspannt step by step alles Nötige ausarbeiten, wiederholen und festigen.

1. Das richtige Skript

Vielleicht stehst du vor der Frage, ob du mit einem Lehrbuch oder mit einem Skript lernen möchtest. Da ich ein Lerntyp bin, der gerne kompakt das wichtigste vermittelt haben möchte, entschied ich mich für das „Strafrecht AT Skript“ von niederle media. Es ist vergleichsweise kurz, sodass du nach ein paar Tagen einen Überblick darüber hast, was du alles wissen musst. Falls du bereits gute Grundkenntnisse besitzt, kann es vielleicht als kleines Nachschlagewerk dienen. Dieses Skript kannst du entweder „durcharbeiten“, also z.B. auf Karteikarten das wichtigste festhalten, oder nur darin markieren und später damit lernen.

2. Die Fallbücher

Der wichtigste Teil der Vorbereitung für die 1. Strafrechtsklausur besteht in einer umfangreichen Fallbearbeitung. Die für mich beste Methode bestand aus der Kombination zweier (sehr guter) Fallbücher: „Strafrecht AT“ von Winfried Schwabe und der „Klausurenkurs im Strafrecht I“ von Werner Beulke

Hierzu habe ich zuerst die Fälle im Schwabe gelöst, da diese einen super Einstieg für den Anfang bieten. Mit detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitungen werden in einfacher, unkomplizierter Sprache alle Basics vermittelt. 

Nach dem Schwabe arbeitete ich den Klausurenkurs von Beulke durch, der es schon eher in sich hatte. Ich kann nur sagen: es lohnt sich! Der Beulke Klausurenkurs erweist sich als anspruchsvoll und umfangreich, hat aber sehr viele Vorzüge. Zum einen bietet er zusätzlich zum ausführlichen Gutachten auch sehr knappe Lösungsskizzen an, sodass man schnell abgleichen kann, was aus der eigenen Skizze mit dieser übereinstimmt. Weiterhin werden im Anhang noch einmal alle Definitionen des Falles festgehalten. Im hinteren Teil des Buches befindet sich auch eine umfangreiche Definitionssammlung. Dort sind auch kurze Zusammenfassungen aller Problemschwerpunkte im Strafrecht AT verortet, inklusive Aufbauschemata. Eines der nützlichsten Features des Fallbuchs ist jedoch die Sammlung von Altklausuren und Hausarbeiten in juristischen Zeitschriften, welche nach Themen geordnet ist und somit auch für jede Hausarbeit oder Recherche eine richtige Goldgrube darstellt! 

Für beide Fallbücher gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung – ohne sie hätte ich sicher schlechter abgeschnitten. 

Die Definitionen und Streitstände aus den Fallbüchern habe ich auf Karteikarten notiert, um später eine vollumfängliche kurze Wiederholung vor Augen zu haben.

Weiterhin empfehle ich euch, die Fälle aus euren vorlesungsbegleitenden Kolloquien oder AGs noch einmal zu lösen und auf den Aufbau/Stil eurer AG-Leiter zu achten. Teilweise ergeben sich von Universität zu Universität einige Unterschiede in den Anforderungen an eine Falllösung.

3. Das Karteikartensystem

Wie bereits angedeutet, habe ich mit Karteikarten gelernt. Diese habe ich in 4 Stapel aufgeteilt: Theorie, Schemata, Definitionen, Streitstände. Damit konnte ich separat alle Gebiete wiederholen, was auch gut funktioniert hat. Die Streitstände notierte ich so, dass ich jede Meinung stichpunktartig zusammenfasste und dann kurz die Pro- bzw. Contra-Argumente zu jeder Meinung aufschrieb. Wenn man alle Streitstände gut sortiert hat und ständig wiederholt, merkt man sich irgendwann automatisch die Argumente und ist in der Klausur nicht aufgeschmissen. 

Die vorangegangenen Lernmethoden nutzte ich teilweise parallel mit den Karteikarten, sodass sie sich am Ende wie ein Puzzle zusammengesetzt haben.

4. Ein „ordentlicher“ Stil

Unter einer meiner ersten korrigierten Klausuren erhielt ich das Feedback „Ihr Stil ist ordentlich“ und wusste erst einmal nichts damit anzufangen. Heute weiß ich: ein ordentlicher Stil ist unerlässlich für jede Klausur, nicht nur im Strafrecht. Die Besonderheiten des Gutachtenstils im Strafrecht kannst du z.B. im Schwabe nachvollziehen, weil dort kurze, aber gehaltvolle Gutachten zur Lösung angeboten werden, die man sich durchlesen sollte, um sich die gängigsten Formulierungen einzuprägen. Ansonsten empfiehlt es sich, ein paar Altklausuren (z.B. aus der Sammlung des Beulke) anzuschauen.

5. Fazit

Diese vielen Einzelbestandteile des Lernens mögen auf den ein oder anderen verwirrend oder überfordernd wirken, weshalb man auf jeden Fall auf seinen eigenen Lerntypen achten sollte. Außerdem lässt sich sagen, dass all die Ausarbeitung und Systematisierung nicht zielführend sein wird, wenn man sich nicht genug Zeit für die Wiederholung und das Auswendiglernen lässt. Das ist nämlich der große Vorteil im Strafrecht: man kann einen Großteil dessen, was gefordert wird, auswendig lernen, wodurch man für Fleiß in den Klausuren belohnt wird. Ein weiterer Tipp von mir ist es, in der Klausur die Uhr im Blick zu behalten. Nicht selten passiert es im Strafrecht, dass derart viele Tatbestände geprüft werden müssen, dass man sich irgendwo bei der Hälfte verliert und die Zeit nicht ausreicht. Hier sollte man schwerpunktmäßig das wichtigste zuerst abarbeiten und idealerweise viel Vorwissen und Übung haben, um Zeit zu sparen. 

Abschließend möchte ich wiederholen, dass ein Prädikat natürlich nicht das Maß aller Dinge ist, sondern dass ich nur meinen Weg dahin darlegen wollte. Lass dich bitte nicht davon demotivieren, wenn es beim Erstversuch nicht klappt und übe einfach weiter. Am Ende des Studiums fragt niemand nach der Anfängerklausur im Strafrecht, also mache dir bitte nicht zu viel Druck und genieße das Studium. Hoffentlich konnte dir der ein oder andere Tipp weiterhelfen.

Jura abbrechen: Ja oder Nein?

Vermutlich haben sich viele in einer Klausurenphase oder kurz vor Abgabe einer Hausarbeit schon einmal gefragt: „Sag mal, will ich das überhaupt noch?“ Kleine Motivationstiefs und anstrengende Episoden gehören zu jedem Studium dazu. Doch was, wenn daraus mehr wird: Eine nicht enden wollende Grübelei, existenzielle Krisen und Zweifel? Ich gebe dir hier sechs Tipps, mit denen du dir Klarheit verschaffen kannst.

Zuvor gilt noch zu sagen: Abbrechen ist kein Zeichen von Schwäche oder mangelndem Durchhaltevermögen- vielleicht gibt es einfach Berufe außerhalb von Jura, die besser zu dir passen.

Außerdem gilt es besonders in stressigen Zeiten, Ruhe zu bewahren und dir wenn möglich, ein paar Tage zu nehmen, in denen du abschaltest und nichts mit Jura zu tun hast. Wenn das nichts bringt und du immer noch mit dem Gedanken spielst, abzubrechen, helfen dir eventuell ein paar dieser Denkanstöße. Vielleicht hilft es dir ja auch, dir während des Lesens deine wichtigsten Gedanken aufzuschreiben.

  1. Interesse

Frage dich selbst: habe ich ehrliches Interesse an Jura? Gibt es zumindest ein Rechtsgebiet, bei dem es mir Spaß bereitet, Neues zu erlernen und die Zusammenhänge zu erschließen? Hierzu muss gesagt werden, dass Jura am Anfang des Studiums noch nicht so viel Sinn zu ergeben scheint. Der wirkliche Spaß besteht für viele darin, die Zusammenhänge zwischen Rechtsgebieten im Laufe der Zeit zu erschließen. Es lohnt sich, eine Weile dranzubleiben und kontinuierlich zu lernen. Vielleicht kommt mit dem Verständnis der Logik hinter Jura ja auch das weitergehende Interesse. 

2. Zukunft

Kannst du dir konkret vorstellen, später in einem bestimmten Beruf als JuristIn zu arbeiten? Gibt es Arbeitsfelder, die dich reizen und dir spannend vorkommen? Informiere dich über die vielfältigen Berufsmöglichkeiten und überlege, ob du in Zukunft einen dieser Berufe ausüben willst.

3. Alternativen

Hast du einen Plan B? Wie sieht er konkret aus? Klingt dieser nur in deiner Fantasie gut oder ist dies wirklich langfristig ein erfüllender Job, der dir je nach deinen Bedürfnissen z.B. Einkommen, Aufstiegschancen und Sicherheit bietet?

4. Leidensdruck

Wie fühlst du dich seelisch? Bist du andauernd frustriert, deprimiert und unzufrieden? Und liegt dies wirklich ausschließlich am Jurastudium oder fließen dort auch Zukunftsängste und eine Art Druck mit hinein? Wenn du den Störfaktor, z.B. eine unbändige Angst vorm Examen, in Gedanken greifst und für einen Moment so betrachtest, als wäre die Angst nicht da – geht es dir dann besser in Bezug auf das Studium? Mit anderen Worten: Versuche der Ursache für deinen Leidensdruck auf den Grund zu gehen und festzustellen, ob dieser wirklich dem Studium oder anderen – vielleicht nur gedanklichen – Hürden geschuldet ist.

5. Noten

Wie sahen deine bisherigen Noten aus? Dieses Fazit zieht man am besten erst nach ein paar Semestern und nicht gleich nach der ersten Prüfung. Falls deine Noten bisher überdurchschnittlich gut waren und du ein Prädikat nach dem anderen erzielst, scheint dir Jura wirklich zu liegen. Sollten aber nur die Noten stimmen und die restlichen Aspekte des Studiums für dich unzumutbar sein, wird auch dies allein dich im weiteren Verlauf des Studiums nicht mehr motivieren können. Andererseits: Wenn du öfter Prüfungen wiederholen musst, du dir ansonsten aber sicher bist mit Jura, solltest du weiter dranbleiben. Wo ein Wille ist, ist schließlich ein Weg. Natürlich sollte ein gesunder Realismus definitiv beibehalten werden. Wenn dir bereits die anfänglichen Rechtsgebiete absolut nicht einleuchten möchten und du stets und ständig vor der Zwangs-Exmatrikulation stehst, solltest du zumindest deine Lernmethoden hinterfragen oder einen Plan B für den Notfall bereithalten.

6. Der „innere Schweinehund“

Dies ist ein sehr persönlicher Punkt, an dem ich selbst tagtäglich zu knabbern habe. Angenommen, man hat in der Schule mit geringem Aufwand gute Noten erzielt und nie so richtig gelernt, intensiv zu lernen – was passiert dann? Logisch, im Jurastudium wird man erst einmal ins kalte Wasser geschmissen. Spätestens im Examen können sich 95% der faulen EinserschülerInnen aus Schulzeiten nicht mehr retten, denn jetzt müssen alle lernen. Wenn man dazu noch ein gemütlicher Mensch ist, der ungern stundenlang vor den Büchern sitzt und sich nur schwer motivieren kann, ist es leicht, am Sinn des Studiums zu zweifeln. Schnell wird auch die Menge des Stoffs überwältigend. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass der Stoff einem nicht mehr unzugänglich und trocken vorkommt, sobald man ihn einmal durchdrungen hat. Die eigene mangelnde Motivation kann jedoch überwunden werden; sie ist kein guter Grund, ein Studium zu beenden. Harte Arbeit und auch Dinge zu tun, auf die man nicht unbedingt Lust hat, gehören leider zu fast jeder Ausbildung und jedem späteren Beruf dazu.

Wenn dir also, so wie mir oftmals, lediglich die Bequemlichkeit im Wege steht, solltest du definitiv noch einmal versuchen, dich wirklich auf das Studium einzulassen. 

Kennst du noch weitere Gründe, ein Studium abzubrechen oder auf jeden Fall dabei zu bleiben? Kommentiere gerne unseren neuen Post zu diesem Artikel auf Instagram @goldwaage.jura.