KI kann man in fast jedem Kontext benutzen. Auch im Rahmen vom wissenschaftlichen Arbeiten lässt sie sich an verschiedenen Stellen einsetzen. Neben dem klassischen Optimieren von Formulieren, könnte man sie auch im Schritt davor – der Gliederung – verwenden. In diesem Beitrag zeigt dir unsere Autorin Lea, wie das geht.
Wissenschaftliches Arbeiten setzt neben der Themensuche (oder bei Seminararbeiten dem schon vorgegebenen Thema) voraus, dass man das Thema logisch aufbaut und den roten Faden durch die Arbeit laufen lässt. Neben der Materialsuche ist die Gliederung somit der zentrale Schritt, auf dem das Ergebnis aufbaut.
Nicht verwunderlich ist es daher, dass man gerade beim Gliederungsprozess an die ein oder andere Grenze stößt oder mit Unsicherheiten zu kämpfen hat. Typische Fragen können dabei sein: ziehe ich einen allgemeinen Punkt vor die Klammer (also in den Grundlagenteil); habe ich alle relevanten Aspekte bedacht; wie vermeide ich unnötige Wiederholungen und viele mehr.
Der Einsatz von KI kann daher – in geeignetem Maße – sinnvoll sein. Im Folgenden stelle ich ein paar Einsatzfelder vor mit einer Einschätzung, was gut funktioniert und wo die KI an Grenzen stößt.

1. Themenüberblick verschaffen und Material sammeln
Steht man noch ganz am Anfang seiner Arbeit, hat sein Forschungsfeld aber bereits gefunden, möchte und muss man nun die inhaltliche Ausrichtung näher konkretisieren. Dazu bietet es sich an, zunächst einmal selbst ohne großen fachlichen Hintergrund, ganz klassisch zu brainstormen z.B. in Mindmaps oder Tabellen. Anschließend kann man die Fragen, die man sich selbst gestellt hat, auch der KI stellen. Hier geht es eher darum möglichst viele Ideen zu sammeln und dafür auch gern auf das Wissen aus allen möglichen Quellen und Datenbanken zugreifen zu können.
Runter gebrochen könnte man es damit vergleichen, als würde man in einer größeren Gruppe Ideen sammeln, anstatt die KI zu fragen. Man setzt also auf Schwarmintelligenz.
2. Material sortieren
Im nächsten Schritt muss man sich mit den gesammelten Ideen auseinandersetzen. Nicht jeder Vorschlag, den die KI macht ist sinnvoll oder gar direkt verständlich. Die Aufgabe ist es dann also, für sich zu entscheiden, welche Vorschläge Teil der Materialsammlung werden und welche nicht. Dazu bedarf es meist einer kurzen Recherche und Einordnung in das Themenfeld. Und diese Einordnung führt weiter in die grobe Unterteilung der Hauptkapitel der wissenschaftlichen Arbeit. Dazu werden im nächsten Schritt durch die KI Oberbegriffe und zentrale Aspekte aus dem gesammelten Material bildet. Auch hier bieten sich visuellen Darstellung, welche die KI erstellen kann, ganz gut an.
3. Erstellung der Gliederung aus der Materialsammlung
3.1. KI-gestützte Gliederungserstellung
Ist man an diesem Punkt anbekommt, lässt man sich gern dazu verleiten, die KI nun auch die Gliederung erstellen zu lassen (unter Hinweis darauf den roten Faden zu beachten). KI denkt jedoch (noch) nicht selbstständig und basiert die Ergebnisse auf Wahrscheinlichkeiten. Eine wissenschaftliche Arbeit sollte aber gut durchdacht sein. Die von der KI vorgeschlagene Gliederung sollte daher höchstens als Ausgangspunkt betrachtet werden. Trügerisch ist hier häufig, dass das Ergebnis der KI auf den ersten Blick gut aussieht. Doch spätestens dann, wenn man die Überschriften mit Inhalt füllen muss, stößt man an Grenzen. Bis zu dieser Erkenntnis hat man aber wertvolle Zeit verloren, die gerade bei den Seminararbeiten besonders kostbar ist.
Hilfreich kann es daher sein, die Vorschläge der KI immer weiter zu verfeinern. Das kann gelingen, indem man die Gliederung der KI selbst durchdenkt und immer gezieltere Fragen stellt. Vielen fällt es leichter Bestehendes zu verbessern, anstatt selbst von Null Neues zu schaffen. Das wird durch den Einsatz von KI möglich. Wichtig ist aber auch hier, dass man im Hinterkopf behält, dass man selbst die höheren Kompetenzen als die KI hat und gegebenenfalls auch alles Vorgeschlagene unbrauchbar verwerfen muss.
3.2. KI als Sparringspartner
Neben der Möglichkeit, dass KI grundsätzlich die Gliederung erstellt, besteht natürlich auch der traditionelle Weg, es selbst zu machen. Wie anfangs gesagt, kann es aber passieren, dass man irgendwann auf Grenzen und Unsicherheiten stößt. Nach der Sichtung von Literatur z.B. hat man häufig viel Wissen und steht dann vor dem Problem es zu ordnen. Hier kann es hilfreich sein, der KI den eigenen Knoten im Kopf darzustellen. Das hilft zum einen, die eigenen Gedanken zu sortieren, weil man sie verschriftlicht und dadurch teils der Knoten schon gelockert oder gelöst wird. Und zum anderen, indem die KI die Gedanken für einen sortiert. Auch hier kann man dann immer genauer sein Störgefühl beschreiben oder kleinteiliger Nachfragen. Nach der Methode erstellt man die Gliederung zu größerem Teil selbst und nimmt nur ausgewählte von der KI eingebrachte Element mit auf.

4. Erstellung von Überschriften
Ein wichtiger Aspekt der Gliederung – neben dem roten Faden – sind prägnante Überschriften. Gemeint sind damit solche, die verständlich auf den Punkt bringen, worum es im kommenden Abschnitt geht und somit den roten Faden der Arbeit erkennen lassen. Fehlt einem die nötige Kreativität, kann es auch hier sinnvoll sein, seine eigenen Überschriften von der KI optimieren zu lassen. Damit jedoch der angestrebte Zweck erreicht werden kann, ist es meist notwendig, der KI kurz zu beschreiben, worum es in dem Abschnitt gehen wird. Teils werden auch hier mehrfache Nachfragen und Verfeinerungen notwendig sein.
5. Tücken
Wirklich tückisch kann es sein, dass man zu Beginn schon zu stark auf die KI baut. Entweder um Zeit zu sparen oder aus Unsicherheiten und deshalb direkt auf die KI zurückgreift. Die Gefahr ist dann groß, dass man sich nicht intensiv genug mit seinem Thema auseinandersetzt und daher gar nicht so recht weiß, worüber man überhaupt schreibt oder wesentliche Aspekte übersieht. Um dieses Gefühl zu vermeiden, bietet es sich an, dass man zunächst eine ganz simple Ideensammlung ohne Einsatz von KI macht, dann in die Literaturrecherche startet. Während man überblicksartig liest, Themenfelder ausmacht und diese festhält. Und anschließend erst die KI mit einbezieht.
6. Fazit
Gliedern ist eine Fertigkeit und bedarf viel Übung. Studium und Promotion sind als Qualifikationsphasen gerade dazu da, diese zu erwerben. Deshalb ist ein Rückgriff auf die KI immer mit Bedacht zu wählen. Es wäre jedoch auch nicht sonderlich zukunftsgewandt, würde man sich den Möglichkeiten, die KI mit sich bringt, verwehren. In unterstützender Funktion, z.B. als Gedankenanstoß oder zur Verfeinerung der eigenen Ideen kann der Einsatz von KI daher sehr sinnvoll sein und den Gliederungsprozess effizienter gestalten.
Hast du KI schon mal zum Gliedern von Seminararbeiten, Aufsätzen, etc. genutzt? Teile gern deine Erfahrungen mit uns und der Community auf Goldwaage.jura bei Instagram.
