Fast niemand übersteht die Examensvorbereitung ohne einen herben Schlag, eine mittelschwere Sinnkrise oder eine niedergeschlagene Phase. Unsere Autorin Carla erzählt in diesem Beitrag, wie sie mit Rückschlägen umgegangen ist und wieso es wichtig ist, dass du nicht aufgibst.
Ich erinnere mich noch sehr genau an einen Tiefpunkt meines Examensvorbereitung. Es war Frühling und ich hatte gerade mein Probeexamen geschrieben. Ich war mir schon währenddessen sicher, dass meine Ergebnisse nicht besonders gut sein konnten, aber die tatsächlichen Resultate waren ein Schlag ins Gesicht.
Selbst in meinen besseren Fächern hatte ich für mich enttäuschende Ergebnisse erzielt. Zu Hause las ich die Kommentare meiner KorrektorInnen und wurde von meinen Emotionen überrollt. Ich hatte die letzten Monate so viel gelernt, so viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt und nun das. War ich nicht klug genug? Hatte ich die falschen Inhalte gelernt? Hatte mein Korrektor schlechte Laune? Sollte ich das Examen überhaupt antreten?
Ich hatte mir zu Beginn meines Studiums vorgenommen, nie wegen der Uni zu weinen, doch nun stand ich hier und mir lief eine Träne die Wange herunter. Wozu tat ich mir dieses Studium eigentlich an?
Die Vorstellung, dass ich genau ein Jahr später glücklich und gelöst mein Zeugnis entgegennehmen würde, erschien mir fernliegend und unwahrscheinlich.
Leider bringt das Staatsexamen viele Studierende an ihre Belastungsgrenzen. (Wie so viele, bin ich davon überzeugt, dass das Examen zwingend reformbedürftig ist.)
Dennoch braucht jeder Examenskandidat und jede Kandidatin irgendeine Strategie, diese anstrengende Phase glimpflich zu überstehen. Einige suchen den Ausgleich im Sport, andere tauschen sich offen und ehrlich mit ihren FreundInnen aus.
Mir half daneben – und es ist mir ein bisschen peinlich das einzugestehen – der Podcast vom amerikanischen Self-Help-Guru Mel Robbins. Inzwischen sehe ich einige ihrer Aussagen und psychologischen Binsenweisheiten etwas kritischer. Dennoch gab es eine Folge, die mich durch den Tiefpunkt meiner Examensvorbereitung gebracht hat.
Darin erzählt die Podcastern die Geschichte der Sängerin Victoria Monet, die nach Jahrzehnten harter Arbeit für andere KünstlerInnen einen Grammy für Ihre eigene Musik gewann. Die Sängerin nutzt darin die Metapher einer Pflanze, die Stück für Stück wächst, bis ihre Zeit zur Blüte kommt. Etwas kitschig, ich weiß.
Aber es half mir, auch in den schwereren Zeiten mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Vielleicht hilft dir die Podcastfolge ja auch (oder eine andere Metapher, ein Bild, ein Gedicht, ein Gebet, ein Zitat), dich wieder zu motivieren.
Zum Abschluss möchte ich dir umkommentiert ein paar Dinge nennen, die du dir immer wieder vor Augen führen solltest:
Ein verpatztes Examen ist noch lange kein verpatzter Lebensweg
Eine Prüfung ist immer nur eine Momentaufnahme, lass dich nicht von ihr definieren
Eine verpatzte Klausur sagt nichts über deine Skills oder deine Intelligenz aus
Fehler, die du im Voraus machst, passieren dir im Examen nicht mehr
Alle ExamenskandidatInnen – wirklich alle – denken, sie müssten mehr lernen
Es gibt nicht „die eine“ oder „die richtige“ Examensvorbereitung – du machst das schon gut
Es lohnt sich nicht, die schönen Dinge des Lebens dauerhaft hinten anzustellen. Lebe dein Leben auch während der Examensvorbereitung. Reise, triff deine Liebsten, genieße freie Zeit und tu Dinge, die du gerne machst.
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Juristinnen und Juristen sagt man einige seltsame Verhaltensweisen und Eigenheiten nach. Unser Autor Robert hat sich gefragt, woher diese stammen und ob sich der Charakter während des Studiums verändert.
Es gibt diese Momente im Leben jeder Juristin und jedes Juristen, in denen man sich fragt: „War ich eigentlich schon vorher so? Oder hat das Studium mich dazu gemacht?“ Etwa wenn man beim WG-Streit über den Putzplan plötzlich erwägt, ob eine konkludente Einigung über die Intervalle der Badreinigung vorliegt. Oder wenn man beim sich beim Feiern richtig komisch findet seinen Leuten zu erklären, dass die 20 € für die Getränke nicht „geliehen“ sind, sondern ein „zinsloses Sachdarlehen“. Spätestens dann drängt sich die Frage auf: Welche Charaktere zieht Jura an? Und welche Charaktere produziert es?
Die wenigsten kommen zum Recht, weil sie besonders gern Zitate einpflegen oder Freude an Meinungsstreitigkeiten über den Verwaltungsakt mit Drittwirkung haben. Auch wenn Diskussionsfreude häufig zu der Empfehlung einer juristischen Laufbahn aus dem Bekanntenkreis führen dürfte. Oft steckt in der Fachauswahl eher der Wunsch, die Welt zu verstehen: Warum darf der Staat etwas? Wann darf er es nicht? Was hält eine Gesellschaft zusammen? Wer entscheidet eigentlich, was gerecht ist? Jura verspricht, die für viele schwer nachvollziehbaren Regeln des Zusammenlebens zu entschlüsseln. Ein gesellschaftliches Interesse dürfte damit der kleinste gemeinsame Nenner sein. Außer du gehörtest zu dem Schlag Mensch, der bereits gezeugt wurde um die elterliche Kanzlei zu übernehmen und dessen Höhepunkt im Studium dann „Geld hat man zu haben“ war. Wobei das zumindest nach meiner Erfahrung weit überwiegend ein Klischee ist.
Zum gesellschaftlichen Interesse passt, dass Jura oft Menschen anzieht, die eine ausgeprägte Sensibilität für Autorität haben. Manche wollen Macht kontrollieren (ob aus Erfahrungen mit strengen Eltern oder dem Staat heraus), andere wollen Teil einer vermeintlich mächtigen Oberschicht werden. Wer sich für Jura entscheidet, akzeptiert jedenfalls, dass Normen nicht bloß abstrakte Regeln sind, sondern gesellschaftliche Steuerungsinstrumente. Das kann idealistisch sein: Grundrechte schützen, Willkür begrenzen, Schwächere verteidigen. Es kann aber auch eher karriereorientiert sein: Staatsexamen mit Prädikat, und dann in die Großkanzlei oder ins sichere und anerkannte Richteramt.
Die Vorauswahl
Die juristische Ausbildung ist in Deutschland lang, risikoreich durch die Examina und stark von Notenlogiken geprägt. Genau diese Struktur wird auch in der Debatte um soziale Selektion und Reformbedürftigkeit kritisiert. Ein Beitrag auf dem Verfassungsblog[1] beschreibt das Jurastudium etwa als System, das wegen Länge, Kosten und unsicherer Erfolgsaussichten nicht für alle gleichermaßen zugänglich ist. Denn über sieben Jahre Ausbildung, davon zwei Jahre im Referendariat mit einem (für Mitte 20 vergleichsweise mediokren) Einkommen muss man entweder mit Entbehrungen erdulden oder sich familiär leisten können. Hierbei sind meist unbezahlte Praktika und die ungefragte Habersacknachlieferung noch nicht mal berücksichtigt. Entsprechend sind in meinem juristischen Bekanntenkreis nur sehr vereinzelt Menschen anzutreffen, deren Elternhaus nicht zumindest der bürgerlichen Mittelschicht zuzuordnen wäre.
Die Ausbildung: Another Brick in the Wall?
Aber auch die Ausbildung an sich verändert Menschen. Das Bild, dass im Studium mitunter von Professor*innen gestützt wird ist oft: Idealistisch fangen alle an, bestehen tun am Ende die knallharten Pragmatiker („Man schaue nach links, man schaue nach rechts…“). Ganz falsch ist das nicht. Das Jurastudium belohnt nicht unbedingt diejenigen, die die gerechteste Intuition haben, sondern diejenigen, die lange durchhalten, Frustration aushalten und lernen, ihre Gedanken in verwertbare Prüfungsschemata zu pressen. Kreativität ist oft erst wieder zur Seminararbeit gefragt. Zeit für einen Blumenstrauß an Ehrenämtern bietet das Studium auch nur bedingt, sodass erfahrungsgemäß einige Hobbies und Interessen über die Jahre verkümmern. Dies begünstigt eine Selektion hin zu stereotypen Jurist*innen.
Wer jahrelang lernt, dass am Ende sechs Klausuren über die eigene berufliche Zukunft entscheiden können, entwickelt zwangsläufig bestimmte Überlebensstrategien. Die meisten werden diszipliniert. Aus dem anfänglichen „Ich will Gerechtigkeit“ wird dann schnell ein „vertretbar, aber problematisch“ oder ein intellektuell resigniertes „einfach der h.M. anschließen“. Das ist in der Arbeitspraxis nicht zwingend schlecht. Juristisches Denken braucht Distanz und Sicherheit. Man muss auch Positionen vertreten können, die man persönlich nicht sympathisch findet. Niemandem ist mit einem Urteil nach Bauchgefühl[2] oder einem illoyalen Rechtsbeistand geholfen, der juristischen Karriere am aller wenigsten. Man muss Sachverhalte sortieren, Emotionen herausrechnen und trotzdem verstehen, warum sie für die Beteiligten wichtig sind. Hierdurch besteht aber eine ernsthafte Gefahr dann, wenn aus Distanz Gleichgültigkeit wird.
Hier liegt wahrscheinlich der wahre Kern des Klischees von spießigen, normtreuen Juristen*innen. Diese sind am Ende ihrer Ausbildung darauf trainiert, die Welt nicht zuerst nach Schönheit, Zweckmäßigkeit oder menschlicher Wärme zu betrachten, sondern nach Zuständigkeit, Tatbestand und Rechtsfolge. Das wirkt auf Außenstehende manchmal absurd realitätsfern und emotional abgestumpft. Während andere offen fragen: „Wie lösen wir das Problem?“, fragen Sprösslinge einer juristischen Fakultät: „Auf welcher Rechtsgrundlage?“ Das kann nerven. Es ist aber für die Rolle der Jurist*innen in der Gesellschaft auch ziemlich wichtig. Denn gerade der Sinn für Form, Verfahren und Zuständigkeit schützt davor, dass am Ende einfach der Lauteste, Reichste oder Schnellste gewinnt. Das Denken in Subsumtionsschritten versperrt mitunter den direkten Blick auf das Problem, ist aber in komplexen Gemengelagen unschätzbar hilfreich, Probleme zu identifizieren und zu lösen. Und das ist im Kern wohl das, was sog. Dritte von unserem Berufsstand erwarten.
Sonstige juristische Erscheinungsformen
Ähnlich breit wie die juristischen Berufsbilder ist innerhalb der Jurist*innen das Typenspektrum, die diese beruflichen Nischen aufsuchen. Einige von Haus aus konfliktscheuen Persönlichkeiten finden ihr Glück eher in der akribischen Schriftsatzarbeit. Wer dagegen seine Stärke in der Mediation sieht, findet sich später eher auf der Richterbank oder in Bereichen wieder, in denen es um den menschlichen Interessenausgleich geht. Von den fachlichen Rechtsbereichen mit ihren jeweiligen Facetten sei dabei noch gar nicht angefangen. Nichtsdestotrotz bleiben verbindende Elemente.
Da auch der Arbeitsmarkt an möglichst treffenden Zielgruppenanalysen interessiert ist, sind charakterliche Zuschreibungen an Jurist*innen nicht nur Stammtischpsychologie. Für Juristen gibt es immer wieder Versuche, bestimmte Muster zu beschreiben. Ein LTO-Beitrag[3] zu Persönlichkeitsmerkmalen von Anwälten verweist etwa auf Untersuchungen, nach denen Anwälte besonders skeptisch, eigenständig und unter hohem Handlungsdruck seien. Zugleich wird betont, dass Nachwuchsjurist*innen offenbar weniger stark dem alten Bild vom misstrauischen Einzelkämpfer entsprechen. Eine gewisse Skepsis und Veränderungswille bleibt gleich, allerdings steigt die soziale Kompetenz zulasten des Konkurrenzdenkens. Was bleibt, ist eine oft fehlende Kritikfähigkeit. Jura zieht also Menschen an, die genau hinschauen, Fehler finden und sich ungern mit der ersten Antwort zufriedengeben. Diese Fähigkeiten sind im Recht Gold wert – im Privatleben manchmal eher anstrengend.
Dazu kommt der Druck. Die psychische Belastung im Jurastudium ist kein bloßes Meme. In einem beck-aktuell-Interview[4] wird auf mehrere neuere deutsche Studien verwiesen, nach denen die Belastung von Jurastudierenden auffällig hoch ist. Dies dürfte der allgemeinen Erfahrung entsprechen. Genannt werden unter anderem Stress, Prüfungsangst und depressive Symptomatik. Auch eine Auswertung zur Befragung des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften nennt als zentrale Stressfaktoren die Angst, nicht zu bestehen, Examensvorbereitung, Sorge, nicht genug zu lernen, und das Notensystem. Wer Jura studiert, wird also nicht nur fachlich sozialisiert, sondern auch emotional konditioniert: Vergleichen, leisten, zweifeln, durchsetzen.
Fazit
Vielleicht lautet die Antwort deshalb: Jura zieht bestimmte Charaktere an. Der Mensch am Median eines Spektrums der juristischen Erstis ist ein sprachlich begabter, sozial aufgeschlossener Mensch aus bürgerlichem Elternhaus. Die lange Ausbildung verengt dieses Spektrum auf Kommiliton*innen mit dem nötigen Maß an Leistungs- und Leidensfähigkeit und schafft gerade wegen diverser Zumutungen ein gewisses Status- und Anspruchsdenken, weil man diesen langen Weg geschafft hat. Auf dem Arbeitsmarkt heraus kommen dann in diesem Spektrum aber Idealist*innen, Menschen mit Sicherheitsbedürfnis, Statusorientierte, theoretisch Forschende, gesellschaftsstützende Amtsträger*innen und generell Leute, die einfach nicht Mathe studieren wollten. Denn grundsätzliche persönliche Veranlagungen und die Begeisterungsfähigkeit für gewissen Themen gehen uns nach all den Klausuren trotzdem nicht verloren. Das Studium macht aus ihnen keine einheitliche Spezies. Aber es bringt ihnen eine gemeinsame Sprache bei: Zweifel, Struktur, Argument, Gegenargument und den Glauben, dass all das gehört werden wird.
Juristinnen und Juristen glauben irgendwann nicht mehr sofort an einfache Antworten. Gerade diese Pluralität bei gleicher Arbeitsweise und ähnlichen prägenden Erfahrungen ist der große Mehrwert von Juristinnen für die Gesellschaft. Denn wer gelernt hat, Macht zu begründen, Regeln zu hinterfragen und Konflikte in eine Sprache zu übersetzen bringt bei allem Wettbewerbsdenken untereinander letztlich jeder Interessengemeinschaft ein hohes Gut: Rechtsfrieden.
[2] Rechtstheoretischer Exkurs: Zu dieser Auffassung vertritt der sog. Rechtsrealismus (Legal Realism) eine gegenteilige Annahme: Am Anfang jeder Entscheidung stünde eine aus der Sozialisierung des/der Urteilenden entstandene Wertentscheidung, welche erst ex post juristisch rationalisiert und als notwendiger Schluss dargestellt wird. Zugegeben stammt diese Strömung aus dem common law und ist nur teilweise auf das deutsche Rechtswesen übertragbar.
Wir alle kennen die unausgesprochene Erwartung: Praktika in Kanzleien, Mitarbeit am Lehrstuhl, wissenschaftliche Hilfskraft – möglichst früh möglichst nah am Recht. Wer Karriere machen möchte, soll bereits neben dem Studium juristische Erfahrung sammeln. Aber ist das wirklich immer der beste Weg?Unsere Autorin Sophia beantwortet das mit einem klaren Nein! und verrät in diesem Beitrag, warum.
1. Du lernst eben nicht alles imm Studium
Das Jurastudium vermittelt analytisches Denken, strukturiertes Argumentieren und stärkt die Frustrationstoleranz. Was dabei häufig auf der Strecke bleibt, ist der Umgang mit Menschen außerhalb der juristischen Bubble.
Wer im Café arbeitet, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder im Kundenservice tätig ist, erwirbt soziale Kompetenzen, die später in der juristischen Praxis enorm wertvoll werden: Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Zeit- und Stressmanagement, so wie souveränes Auftreten unter Druck.
JuristInnen arbeiten schließlich nicht nur mit Normen, sondern vor allem mit Menschen.
MandantInnen sind selten klar strukturiert wie eine Examensklausur. Sie sind aufgeregt, emotional, unsicher oder wütend. Wer gelernt hat, schwierige Gespräche zu führen oder in stressigen Situationen ruhig zu bleiben, bringt dafür bereits eine wichtige Grundlage mit.
2. Der Kopf braucht Ablenkung von Jura
Viele Jurastudierende verbringen ihre Tage zwischen Vorlesungen, Lernplan, Karteikarten und schlechtem Gewissen.
Ein Nebenjob außerhalb der juristischen Fakultät kann dabei überraschend entlastend wirken.
Das klingt zunächst paradox, denn wie soll mehr Arbeit soll entlasten? Aber gemeint ist etwas anderes. Wer nach mehreren Stunden Gutachtenstil noch drei Stunden in einem Café arbeitet oder im Fitnessstudio an der Rezeption sitzt, beschäftigt den Kopf anders. Statt weiterer Definitionen geht es um konkrete Aufgaben, echte Menschen und unmittelbare Ergebnisse.
Diese mentale Abwechslung kann helfen, Abstand zu gewinnen und langfristig motivierter zu bleiben.
Denn gerade im Jurastudium ist Durchhaltevermögen oft wichtiger als kurzfristige Produktivität.
3. Weil du die Jura-Bubble auch mal verlassen darfst
Jurastudierende verbringen viel Zeit mit anderen Jurastudierenden. Da kommt man nicht drum herum, ist aber manchmal auch einfach anstrengend.
Notenvergleiche, Examensdruck, Diskussionen über Schwerpunktbereiche oder die Frage, wer schon wo sein Praktikum gemacht hat. All das kann ungewollt zusätzlichen Leistungsdruck erzeugen.
Ein Nebenjob außerhalb der juristischen Welt schafft einen Gegenpol.
Dort interessiert es meistens niemanden, ob du gerade Deliktsrecht lernst oder im Öffentlichen Recht hinterherhängst. Menschen definieren dich nicht über deine Punktzahl, sondern darüber, ob du zuverlässig bist, freundlich kommunizierst und Verantwortung übernimmst.
Das kann erstaunlich erdend sein.
4. Weil gute JuristInnen Lebensrealitäten verstehen sollten
Juristische Arbeit bedeutet oft, Entscheidungen über Konflikte, Verträge oder existenzielle Probleme anderer Menschen einzuordnen.
Wer ausschließlich in akademischen Räumen unterwegs ist, verliert manchmal den Blick dafür, wie unterschiedlich Lebenswirklichkeiten aussehen.
Ein Nebenjob im Service, im Einzelhandel oder in sozialen Bereichen bringt dich mit Menschen in Kontakt, deren Perspektiven sich stark von der eigenen unterscheiden. Das fördert Empathie, aber auch juristische Sensibilität.
Spätestens wenn einem im Sitzungsdienst in der Strafstation des Refs der oder die erste Angeklagte gegenübersitzt, merkt man, wie sehr die unterschiedlichsten Lebensrealitäten auseinander fallen können.
Gute JuristInnen müssen nicht nur dogmatisch sauber argumentieren, sondern auch die praktischen Auswirkungen von Anträgen und Entscheidungen verstehen.
5. Weil dein Lebenslauf kein Wettbewerb sein muss
Ein Gedanke, der viele Jurastudierende begleitet: „Sieht das gut im Lebenslauf aus?“
Die Wahrheit ist: Dein Lebenslauf muss nicht aussehen wie eine Checkliste aus Großkanzlei-Praktika.
Natürlich können juristische Nebentätigkeiten sehr sinnvoll sein. Wer wissenschaftlich arbeiten möchte oder früh Praxiserfahrung sucht, profitiert davon und auch künftige Arbeitgeber werden dies bestimmt honorieren.
Aber ein Nebenjob im Café, Einzelhandel oder Veranstaltungsbereich macht deinen Lebenslauf nicht schlechter.
Im Gegenteil: Er kann zeigen, dass du organisiert bist, eigenverantwortlich arbeiten kannst und neben einem anspruchsvollen Studium Belastbarkeit bewiesen hast.
Viele Arbeitgeber, insbesondere auch die Justiz achten längst nicht mehr nur auf klassische Stationen, sondern schauen vor allem auch auf Persönlichkeit und soziale Kompetenzen.
Fazit: Vielleicht muss nicht alles nach Jura aussehen
Es gibt nicht den einen Nebenjob für Jurastudierende. Ein juristischer Nebenjob kann sinnvoll sein. Ein nicht juristischer Nebenjob aber ebenso – manchmal sogar viel mehr.
Wenn er dir finanzielle Stabilität gibt, mentale Abwechslung schafft, soziale Kompetenzen stärkt und dich aus der Jura-Bubble herausholt, ist das keine Ablenkung, sondern eine wertvolle Ergänzung.
Vielleicht ist die bessere Frage also nicht: „Passt dieser Job perfekt zum Jurastudium?“, sondern: „Hilft mir dieser Job dabei, langfristig eine gute und belastbare Juristin zu werden?“
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Juhu, wir freuen uns, euch zu verkünden, dass es eine neue Kategorie auf dem Blog gibt: Die Selbsthilfegruppe. In dieser teilen unsere AutorInnen mit euch ihre besten Tipps zu einem eher persönlichen Thema. Kurz und ehrlich geben wir euch Antworten, die wir selbst früher gerne bekommen hätten.
Heute gehen wir der Frage auf den Grund, wie man in einem fordernden und von Vergleichen geprägten und anspruchsvollen Umfeld wie der juristischen Ausbildung Selbstvertrauen gewinnt.
Kennst du eine der folgenden Situationen? Die Professorin stellt dir eine Frage in der Vorlesung und dir bleibt vor Schreck die Stimme weg. Dein erster Praktikumstag steht bevor und dir ist schon am Morgen ganz flau im Magen, weil du nicht weißt was dich erwartet. Oder: Eine wichtige mündliche Prüfung steht an und du würdest lieber im Erdboden versinken, als durch die Tür zu gehen und dich deinen PrüferInnen gegenüber zu stellen.
Das alles ist ganz normal – Aufregung gehört schließlich dazu. Allerdings willst du im Studium und Berufseinstieg sicher irgendwann Selbstvertrauen gewinnen. Du willst dich schwierigen Situationen stellen und dich diesen gewachsen fühlen, Prüfungssituationen betreten und denken: „Hier bin ich und ich habe juristisch einiges drauf.“
Das sind die Tipps unserer AutorInnen, damit du diesem Ziel etwas näher kommst:
Gute Vorbereitung spart eine Menge Nerven
Je besser ich vorbereitet bin, desto sicherer fühle ich mich. Wenn ich jede Situation schon einmal durchdacht habe, kann ich besser und schneller reagieren. Auf Dauer wird das sicher zu zeitintensiv, aber mit der Routine vergehen auch die Selbstzweifel.
Ansonsten mache ich mir auch gerne klar, wo meine Stärken liegen. Nicht jeder ist unglaublich extrovertiert – und das ist auch gut so. Man kann (manchmal) auch durch Zurückhaltung glänzen ;).
Stine, Referendarin und Goldwaageautorin
Finde deine Leute
Umgib dich mit Menschen, die dir auf Augenhöhe begegnen!
Leichter gesagt als getan (gerade unter JuristInnen 😉), denn oft kannst du dir deine ProfessorInnen, AG-LeiterInnen und AusbilderInnen ja nicht selbst aussuchen.
Aber bei den KommilitonInnen fängt es schon an. Suche dir eine Lerngruppe, in der ihr euch gegenseitig supportet und nicht bloß über Noten profiliert.
Und spätestens im Ref wirst du merken: wenn du hier auf VolljuristInnen triffst, die dir auf Augenhöhe begegnen, die dich als JuristIn wahrnehmen und nicht als kleinen, unerfahrenen Anfänger, fördert das das Selbstvertrauen enorm. Es kann so einfach sein, denn jeder fängt doch irgendwo mal an oder nicht?
Genau mit dieser Einstellung solltest du vielleicht auch später an die Jobsuche herangehen. Beziehe die Menschen, mit denen du künftig zusammenarbeiten sollst, als Kriterium mit ein. Suche dir ein Arbeitsumfeld, in welchem du für das was du tust geschätzt und wahrgenommen wirst und achte vielleicht nicht nur auf’s Einstiegsgehalt. Ich sage dir: Selbstbewusstseins-Boost incoming!
„Eine gesunde Portion „fake it til you make it“-Einstellung hilft über viele anfängliche Unsicherheiten hinweg. – Bis du plötzlich feststellst dass du du gar nichts vortäuschen musst, um mit diesen Situationen umgehen zu können.“
Lea, Doktorandin und Goldwaageautorin
Du kannst mehr, als du dir zugestehst
Erinnere dich daran: Du kannst sehr wohl schon einiges – und es ist noch kein Meister oder keine Meisterin vom Himmel gefallen.
Gerade, wenn du (wie ich) dich oft wie ein Impostor fühlst mache dir klar, dass du nicht durch Zufall hier gelandet bist. Du hast schon einiges geschafft und bist nicht auf den Kopf gefallen – was soll dir denn schon passieren?
Carla, Doktorandin und Goldwaageautorin
Merke dir, wer du außerhalb von Jura bist
Man lernt als Kind, das man Menschen nicht vergleichen soll. Im Jurastudium wird einem das regelmäßig wieder aberzogen. Beginnend mit ProfessorInnen wir einem regelmäßig gesagt, wie wenige das Studium überhaupt schaffen werden. Und die, die es schaffen, dürfen sich dann anhören, dass trotz eines soliden befriedigend im Examen viele Jobs für sie bereits nicht mehr offen stehen.
So fängt man an, sich selbst im permanenten Vergleich an täglichen Lernzeiten, der Note der Zwischenprüfung oder dem letzten Praktikum mit anderen zu vergleichen. Damit stresst man sich nicht nur, sondern reiht sich auch selbst ein in die Reihe „JuristInnen als austauschbare Subsumtionsmaschinen“.
Deshalb mein Hot Take: Behaltet eure nichtjuristischen Interessen und Hobbys bei. Denn die Erinnerungen und FreundInnen, die ihr darüber habt, kann euch auch eine schlechte Klausur nicht nehmen. Und bestenfalls sind das genau die Fähigkeiten, die euch später nicht nur auf dem Arbeitsmarkt von anderen abheben, sondern auch Spaß bei eurer zukünftigen Tätigkeit, die über die bestmögliche Normauslegung hinaus geht.
Wie so viele Studierende in Deutschland stellt sich unsere Autorin Carla gerne vor, wie es wohl wäre an einer Elite-Uni wie Harvard oder Oxford zu studieren. Also hat Sie einen Tag lang den Lernplan eines Harvard Studenten befolgt. Spoiler: Es war gar nicht so leicht.
Hand aufs Herz: Hast du nicht schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre in Oxford, Cambridge oder Harvard zu studieren? Hattest du Tagträume, wie du durch die altehrwürdigen Hallen schlenderst, in historischen Bibliotheken lernst oder an Vorlesungen im Stil des sokratischen Dialog teilnimmst? Ich schon. (Wobei seit der zweiten Präsidentschaft Donald Trump mein Interesse eher englischen Unis gilt…)
Mit diesem Promt habe ich die KI gebeten, mit einen Lernplan zu erstellen
Um mich ein wenig in das Gefühl hineinzuversetzen (und auch ein wenig, um aus einem Motivationstief auszubrechen) habe ich mir von KI einen Lernplan erstellen lassen – und diesen auch so gut es ging befolgt.
Das war der Promt, den ich der KI Claude gegeben habe:
„Stelle dir vor du bist ein Student der Harvard Law School an einem gewöhnlichen Lerntag. Plane einen Tag (mit Uhrzeit und Tätigkeit) an dem allerdings keine Vorlesungen stattfinden. Der Einzige feste Termin ist eine Ballettstunde um 18.00- 19.10“.
Der Vormittag:
Der Tagesplan begann zwar etwas eher als ich es gewohnt bin (normalerweise stehe ich zwischen 07.00 und 07.30 auf). Allerdings war ich motiviert, meinen Tag etwas eher zu beginnen. Blöd nur, dass ich am Abend zuvor erst gegen Mitternacht im Bett und dadurch hundemüde war.
Aber als der Wecker klingelte stand ich auf, kochte etwa einen Liter Kaffee, bereitete mein Frühstück vor und hörte parallel einen Podcast der New York Times.
Um 07.15 begann mein erster Lernblock. In den zwei Stunden widmete ich mich statt der Case Readings, die mir die KI vorgeschlagen hatte, Literatur für meine Dissertation.
Meine Konzentrationsfähigkeit war zwar mittelmäßig, aber es fühlte sich ziemlich gut an, bereits so früh am Morgen zwei Stunden gelesen zu haben.
Im Anschluss an die erste Session packte ich meine Sachen und fuhr in die Bibliothek. Dort widmete ich mich meiner zweiten Lerneinheit und spätestens jetzt holte mich die Müdigkeit endgültig ein. Aber ich hielt noch bis zum Mittag durch und genehmigte mir ein Essen in der Cafeteria.
Der Mittag (bzw. das erste mal Schummeln)
Nach meiner Mittagspause sah mein Plan einen Zeitslot von 45 Minuten vor, um mich organisatorischen Dingen zu widmen. Ich schrieb eine einzige Mail uns stellte dann fest, dass es gar nichts zu organisieren gab. Ich nutzte die Gunst der Stunde, um wieder mit dem Rad nach Hause zu fahren und einen kurzen Mittagsschlaf zu machen.
Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der Mittagsschlaf meinen Tag rettete. Nach dem Nap setzte ich mich für den Lernblock 3 wieder an meinen heimischen Schreibtisch – und war endlich wach und wirklich konzentriert.
Auf den Lernblock 3 folgte eine Kaffeepause (die ich zugegebenermaßen nicht in der Bibliothek-Lounge sondern auf dem Sofa mit einer Folge Sex and the City verbrachte). Im Anschluss kostete es mich etwas Überwindung, mich für den Lernblock 4 noch einmal an den Schreibtisch zu setzen – aber da dieser nur 45 Minuten lang war, konnte ich mich überwinden.
Danach ging es zum Ballett .
Der Abend
Mein Abendplan sah nach dem Sport und Abendessen eine weitere einstündige Lerneinheit vor. Diese schwänzte ich – möchte aber zu meiner Verteidigung sagen, dass höhere Mächte im Spiel waren. Denn in Meiner Wohnung gab es am zweiten Tag in Folge kein warmes Wasser, sodass ich zum Duschen zu einer Freundin fahren musste. Das brachte den Abendplan gehörig durcheinander und als ich um kurz vor neun zu Hause war, entschied ich, schon zum letzten Punkt des Planes überzugehen: Entspannen und schlafen.
Mein Fazit
Der Tag war vor allem eins: abwechslungsreich. Die vielen kürzeren Lernsessions haben mir wirklich geholfen, mich zu konzentrieren und ich von Anzahl der Stunden nicht überwältigen zu lassen. Auch der erste frühe Lernblock trug dazu bei, dass ich mich motiviert fühlt und das Gefühl hatte, bereits früh am Morgen etwas geschafft zu haben. Ohne den Mittagsschlaf hätte ich den Tag allerdings nur halb so produktiv nutzen können.
Eine Routine für jeden Tag ist das in meinem Fall allerdings nicht – wir sind ja schließlich nicht in Harvard. Ein erfolgreicher Lerntag kann auch zwei Stunden später und mit einem etwas gemütlicherem Pensum stattfinden.
Disclaimer: Wir bei Goldwaage werden nicht müde zu betonen, dass eine gesunde Balance zwischen Studium und Freizeit für ein erfolgreiches Studium essentiell sind – und dass für die meisten Menschen die Konzentrations nach 4-6 Stunden erheblich nachlässt. Ein solcher Tagesplan passt da nicht wirklich rein. Dennoch finden wir es interessant, diese Art von Belastung einmal auszuprobieren.
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Newsletter versprechen, dich auf dem Laufenden zu halten und dir kurz und knapp wichtiges juristisches Wissen zu vermitteln. Aber wie sinnvoll sind diese Mails und Push-Benachrichtigungen wirklich – und ab wann werden sie zur Dauerbeschallung? Unser Autor Robert hat es analysiert.
Es gibt diese kleinen Leerlaufmomente im Alltag: Die Bahn hat mal wieder Verspätung, man sitzt im Wartezimmer oder überbrückt zehn Minuten vor der nächsten Vorlesung. Vor zehn Jahren hätte man einfach aus dem Fenster geschaut oder gleich einen Roman mitgenommen. Heute öffnet man das Handy und zack: „BGH stärkt Mieterrechte“, „Entscheidung des BVerfG zur Abgrenzung privater und öffentlicher Äußerungen“, „Examensrelevanter Literaturhinweis zu § 823 BGB“. Willkommen in der Welt der Jura-Newsletter.
Up to date auch ohne Bibliothek
Für Jurastudierende, Referendar:innen und junge Jurist:innen allgemein können solche Newsletter ein echter Gewinn sein. Sie bringen aktuelle Rechtsprechung, Debatten und Literaturimpulse direkt in den Alltag. Man muss nicht aktiv suchen oder drei Zeitschriften abonnieren und sichten, sondern bekommt kuratierte Hinweise geliefert. Gerade im Jura-Studium, wo man schnell das Gefühl hat hinterherzuhinken, kann das beruhigend sein. Man bleibt am Ball, auch wenn man es gerade vielleicht mal einige Tage nicht in die Bibliothek geschafft hat.
Rechtsprechung und Gesetzgebung sind mitunter einem dynamischen Wandel unterworfen. Lehrbücher sind wichtig für die Klausurpraxis, aber sie bilden naturgemäß nicht immer den neuesten Stand ab. Newsletter können diese Lücke schließen.
Für die Examensvorbereitung ist das nicht automatisch Gold wert. Nicht jede tagesaktuelle Entscheidung ist klausurrelevant, die Stoffmenge scheint ohnehin überwältigend. Aber Newsletter können helfen, ein juristisches Gespür zu entwickeln. Man merkt, welche Streitfragen nicht nur im Skript, sondern auch in der Praxis gerade Konjunktur haben. Das macht Jura zum einen weniger abstrakt. Aus „Rechtsprechung lernen“ wird dann nicht nur das Auswendiglernen von Leitsätzen, sondern ein Gefühl dafür, welche Probleme im Wege der Normauslegung gerade tatsächlich gelöst werden.
Zum anderen haben „Grundsatzentscheidungen“ mit hoher Aufmerksamkeit in der Fachpresse traditionell ein hohes Potential, ein-zwei Jahre nach ihrem Erscheinen als Examenssachverhalt abgewandelt zu laufen. Die Lösung des Obergerichtes zu kennen ist zwar keine Bestehensvoraussetzung, aber zu Wissen welche Auslegung die Rechtsprechung teilt oder wo die Schwerpunkte des Falls liegen, hat noch niemandem geschadet.
Eine kleine Auswahl
Der Klassiker unter den Newslettern bleibt die E-Mail. Der LTO Daily Newsletter [1] etwa verspricht eine tägliche Zusammenfassung der wichtigsten Rechtsnachrichten um 18 Uhr. Der beck-aktuell-Newsletter[2] liefert werktäglich Nachrichten aus Recht, Rechtspolitik, Rechtsmarkt und Justiz.
Aber auch Literaturimpulse sind nicht zu unterschätzen. Ein guter Newsletter kann wie ein freundlicher Hinweis deines Study-Buddys wirken: „Schau dir diesen Aufsatz vielleicht mal an.“ Natürlich liest man nicht alles sofort. Aber man sammelt Anknüpfungspunkte. Für Seminararbeiten, Schwerpunktbereiche oder mündliche Prüfungen kann das nützlich sein. Manchmal reicht schon ein kurzer Hinweis, um später eine gute Fundstelle zu haben.
Der Verfassungsblog [3] eignet sich vor allem für alle, die öffentlich-rechtliche, verfassungsrechtliche und europarechtliche Debatten mögen. Der Newsletter erscheint freitags und enthält unter anderem Kommentare zu aktuellen Verfassungslagen (auch international und auf Englisch) sowie einen Rückblick auf Blogbeiträge. Inhaltlich ist das häufig anspruchsvoller als etwa die LTO-News, dafür aber sehr anregend und mit gratis Beiträgen, die sich regelmäßig vor der NVwZ nicht zu verstecken brauchen.
Ein entsprechendes zivilrechtliches Äquivalent ist mit leider nicht bekannt. Eine interessante Sammlung zu Zivilprozessrecht findet sich aber etwa bei Otto Schmidt. [4]
Ein persönlicher Favorit ist zudem der Newsletter von C.F. Müller [5]. Dieser verweist zwar nur auf die verlagseigenen Veröffentlichungen, wartet aber neben Gratis-Ebooks und Studi-Tipps vor allem auch mit studierendenfreundlichen Rezeptideen auf. Und wenn wir ehrlich sind: Was einem in der Klausurenphase am meisten hilft, ist keine Literatur, sondern schnelles Soulfood mit 500 kcal.
Weiterhin gibt es viele dieser Angebote auch als Instagram-Format, wer sein E-Mails lieber für wirklich wichtige Nachrichten vorbehält. Fachspezifisch bieten zudem viele Kanzleien und andere Institutionen Newsletter an, die sich ggf. ohnehin mit diversen Praktika und Messebesuchen in euren Postfächern sammeln.
Der Charme liegt auch bei diesen Newslettern in der Niedrigschwelligkeit. Während man auf die Bahn wartet, liest man keine 40-seitige Abhandlung. Aber eine kurze Zusammenfassung, eine Rezension oder ein Hinweis auf eine neue Zeitschrift passen genau in solche Zwischenräume. Jura-Newsletter machen aus toter Zeit kleine Lernfenster.
Und die Jura-Live-Balance?
Aber genau hier beginnt das Problem.
Denn wenn jeder Zwischenraum zum Lernfenster wird, bleibt irgendwann kein Raum mehr frei. Und plötzlich verschwimmt die Grenze zwischen Lernen und Freizeit.
Man sitzt abends auf dem Sofa, will eigentlich abschalten, liest aber „nur kurz“ noch die Presseschau. Aus fünf Minuten werden zwanzig. Könnte der Aufsatz doch die Lösung für die Hausarbeit sein?
Danach fühlt man sich nicht unbedingt klüger, sondern eher wieder an alles erinnert, was man noch nicht kann. Jura hat ohnehin die unangenehme Eigenschaft, sich in den ganzen Alltag auszubreiten. Newsletter können diesen Effekt verstärken. Das Postfach wird zum kleinen Prüfungsamt. Das Handy vibriert. Und irgendwo im Kopf meldet sich das schlechte Gewissen.
Gerade deshalb braucht man einen bewussten Umgang. Newsletter sollten Werkzeuge sein, keine dauerhafte Hintergrundbeschallung. Es kann helfen, sie nicht sofort bei Eingang zu lesen, sondern feste Zeitfenster zu setzen: etwa morgens beim Kaffee oder einmal gesammelt am Freitag. Ebenso sinnvoll ist es, radikal auszusortieren. Drei gute Newsletter bringen mehr als zehn halb gelesene. Wer merkt, dass ein Newsletter eher Stress als Mehrwert erzeugt, darf ihn abbestellen. Das ist keine intellektuelle Kapitulation, sondern digitale Hygiene.
Am Ende sind Jura-Newsletter ein bisschen wie Kaffee: Richtig dosiert sehr hilfreich, überdosiert nervös machend. Sie können Wartezeiten sinnvoll füllen, aktuelle Impulse liefern und das juristische Denken auch in den Semesterferien lebendig halten. Aber sie ersetzen keine konzentrierte Arbeit. Und erst recht keine Erholung.
Eine der wichtigsten Lernstrategien im Jurastudium betrifft nicht Karteikarten, Lernpläne oder die perfekte Klausurtaktik. Sie betrifft den Umgang mit Leistungs- und insbesondere Notendruck, mit der Stoffmenge, der langen Studiendauer und natürlich mit der Unvorhersehbarkeit der Examensklausuren und der mündlichen Prüfung. In diesem Beitrag erklärt die unserer Autorin Lea, wie das geht.
Die Bedeutung, die der Examensnote für den späteren beruflichen Weg zugeschrieben wird, ist im Vergleich zu vielen anderen Studiengängen immens. Das erzeugt Druck kann motivierend sein, wirkt oft aber auch belastend. Gleichzeitig braucht niemand Juristinnen und Juristen, die noch vor dem eigentlichen Berufsstart kurz vor dem Burnout stehen.
Natürlich wird psychische Belastbarkeit später Teil des Berufsalltags sein und das Studium bereitet darauf in gewisser Weise auch vor. Trotzdem ist es wichtig, sich frühzeitig mit Strategien auseinanderzusetzen, wie man auf die eigene psychische Gesundheit achtet. Denn mentale Gesundheit ist nichts, was man mal eben für 1,5 Jahre Examensvorbereitung „hintenanstellt“ und danach problemlos wieder hervorholt.
Hier sind drei Dinge, die dabei helfen können, selbstachtsamer durchs Jurastudium zu gehen:
Hab Mitgefühl mit dir selbst
Viele Studierende sind ihr eigener härtester Kritiker. Vielleicht kennst di das ja auch: Man setzt sich selbst Maßstäbe, die man vermutlich nie an Freunde oder Familie anlegen würde. Läuft eine Klausur schlecht oder versteht man ein Thema nicht sofort, werden häufig direkt die eigenen Fähigkeiten infrage gestellt.
Dabei hilft es oft, bewusst einen Schritt zurückzutreten. Würdest du mit einer befreundeten Person genauso sprechen, wie du gerade mit dir selbst sprichst? Vermutlich nicht. Gerade wenn etwas nicht gelingt, sollte man versuchen, nicht zu hart mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Manchmal hilft es auch, sich aktiv Rückmeldung von nahestehenden Personen einzuholen, weil die eigene Wahrnehmung unter Stress oft deutlich negativer ausfällt als die Realität.
Plane aktiv Auszeiten ein
Kaum jemand ist dauerhaft leistungsfähig, und selbst wenn, ist die Frage, wie erstrebenswert das eigentlich wäre. Pausen sind kein Zeichen von Faulheit, sondern notwendig für ein funktionierendes Ressourcenmanagement.
Immer wieder heißt es, das Jurastudium sei ein Marathon. Und wie bei einem Marathon kann man nicht dauerhaft sprinten, ohne irgendwann an Geschwindigkeit zu verlieren. Deshalb sind längere lernfreie Zeiten wichtig: Urlaub, freie Wochenenden oder einfach Tage, an denen man bewusst nicht lernt. Nicht nur zur Erholung, sondern auch, damit Wissen sich setzen kann und das Gehirn überhaupt die Möglichkeit hat, Verbindungen zu bilden.
Auch im Alltag sind unrealistische Erwartungen oft eher kontraproduktiv. Aktive Lernzeiten von acht oder mehr Stunden täglich sind für die wenigsten langfristig realistisch. Entsprechend bringt es wenig, sich einen Lernplan zu schreiben, der schon beim Erstellen kaum erfüllbar wirkt und am Ende nur Frust auslöst, weil die Stoffmenge nicht schaffbar war.
Hilfreicher ist meist eine individuelle Planung, die sich an den eigenen produktiven Lernzeiten orientiert und genügend Abwechslung enthält: Wiederholung, Auffrischung, Falltraining, aber eben auch Zeit für eine entspannte Mittagspause oder ein Kaltgetränk am Abend mit Freunden. Gerade in der Examensvorbereitung kann das helfen, Studium und Sozialleben zumindest ansatzweise miteinander zu vereinen, ohne dass man wochenlang nur noch zwischen Bibliothek und Schreibtisch existiert.
Hinterfrage Lernroutinen -was hilft dir wirklich?
Nicht jede Lernmethode funktioniert für jede Person gleich gut. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich regelmäßig zu fragen: Was stresst mich eigentlich konkret und gibt es Möglichkeiten, das zu verändern?
Vielleicht merkst du, dass dir Lerngruppen nicht guttun, weil ihr mehr redet als arbeitet und du dadurch unzufrieden nach Hause gehst. Dann kann eine andere Gruppendynamik helfen. Oder vielleicht funktioniert Lernen allein für dich tatsächlich besser. Andersherum kann es aber auch sein, dass dir gerade der Austausch fehlt und das Lernen als „Einzelkämpfer“ in der eigenen Wohnung auf Dauer eher belastend als produktiv ist.
Das Schwierige am Jurastudium ist auch, dass es die eine perfekte Lernmethode nicht gibt. Einerseits ist das beängstigend, weil es keine allgemeingültige Anleitung zum Erfolg gibt. Andererseits liegt genau darin auch eine Freiheit. Du kannst lernen, wie es für dich funktioniert. Diese Flexibilität werden viele später im Berufsleben vermutlich nicht mehr in gleichem Maße haben.
Und genau deshalb darfst und solltest du Dinge verändern. Gefällt dir ein Repetitor nicht, kannst du den Anbieter wechseln oder später einen anderen Kurs besuchen. Merkst du, dass du zwar von morgens bis abends in der Bib sitzt, aber trotzdem kaum etwas schaffst, liegt das möglicherweise nicht an mangelnder Disziplin, sondern an einem unrealistischen Lernplan oder daran, dass du mehr Pausen brauchst, als du dir zugestehst.
Gleichzeitig gehört es auch dazu, eigene Grenzen anzuerkennen. Nicht nur zeitlich, sondern auch fachlich. Es ist kaum möglich, jedes Rechtsgebiet gleich gut zu beherrschen und ist wahrscheinlich auch gar nicht der Anspruch. Sich wochenlang an einem Thema festzubeißen, das man in diesem Moment einfach nicht versteht, kann mental enorm belastend sein und gleichzeitig wertvolle Zeit kosten. Zu erkennen, dass man an einem Punkt gerade nicht weiterkommt und später nochmal darauf zurückkommen muss, ist keine Schwäche, sondern oft die sinnvollere Entscheidung. Man ist mehr als das Studium. Und eine einzelne Wissenslücke wird einem nicht das Examen kosten.
Die psychische Gesundheit wirkt weit über das Studium hinaus. Sie beeinflusst unser Wohlbefinden, unsere Beziehungen und letztlich auch unsere Lebensqualität. Gerade deshalb ist es wichtig, selbstachtsames Lernen nicht als „Luxus“, sondern als festen Bestandteil des Studiums zu begreifen. Denn am Ende sollte man nicht nur das Examen bestehen, sondern auch noch etwas von dem Leben danach haben.
Worauf achtet ihr, um eure psychische Gesundheit auch in stressigen Phasen auf einem guten Level zu halten?
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Im Jurastudium brauchen wir vor allem eins: Konzentration – und insbesondere in der Examensvorbereitung ganz schön viel davon. Blöd nur, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne in Zeiten von Social Media oftmals nicht mal mehr länger als 30 Sekunden reicht. In diesem Beitrag geht unsere Autorin Sophia den vier größten Konzentrationskillern auf den Grund. Und ja, du wirst dich wahrscheinlich in (fast) jedem dieser Punkte wieder erkennen.
Du wolltest nur mal kurz auf die Uhr schauen oder nur eben diese eine Nachricht beantworten? Eine halbe Stunde später weißt du, was deine ehemalige Schulfreundin heute morgen gefrühstückt hat und was irgendeine Influencerin gestern bei dm gekauft hat, weißt aber immer noch nicht, was ein Verwaltungsakt ist.
Das Problem ist nicht das Smartphone an sich. Das Problem ist, dass unser Gehirn dieses kurzfristige Dopamin mehr liebt als das Auswendiglernen von Definitionen.
Die Lösung: Schalte dein Smartphone in den Flugmodus oder sogar ganz aus, lege es in einen anderen Raum oder lösche Instagram und co. temporär von deinem Handy. Glaub mir – all das habe ich schon durch. Es hilft aber tatsächlich. Du musst es nur tun (und du wirst es überleben).
2. „Ich mach kurz Pause“
Die klassische Lüge: „Ich lerne noch diesen Abschnitt und mache dann fünf Minuten Pause.“ Aus fünf Minuten werden 45, aus 45 Minuten wird ein Kaffee und ein Snack, dazu dann eine kurze Folge der Lieblingsserie und plötzlich ist eigentlich schon wieder Zeit für’s Abendbrot.
Pausen sind extrem wichtig. Aber unkontrollierte Pausen sind getarnte Prokrastination. Besonders gefährlich werden sie, wenn du von Zuhause aus lernst. Wenn du feststellst, dass du immer wieder in diese Falle tappst, probiere es doch zumindest mal aus, in der Bib zu lernen.
3. Perfektionismus – der heimliche Produktivitätskiller
„Ich fange erst an, wenn ich alles perfekt vorbereitet habe.“
Der Arbeitsplatz muss ordentlich sein, die krakeligen Mitschriften aus der Vorlesung müssen nochmal in Schönschrift abgeschrieben werden, der Lernplan muss zu 100 % eingehalten werden, sonst kannst du wieder von vorne anfangen. Spoiler: all diese vermeintlichen Vorbereitungshandlungen fühlen sich zwar produktiv an, gelernt hast du aber immer noch nicht.
Denk immer daran: nicht alles perfekt sein. Der eine Tag läuft besser, der andere schlechter aber sei nicht so hart zu dir selbst. Auch mit krakeligen Mitschriften kann man lernen und dein Lernplan muss auch noch nicht bis zum letzten Tag vor der ersten Examensklausur genau durchgeplant sein.
4. Müdigkeit – nicht zu unterschätzen
Insbesondere in der Examensvorbereitung denken wir ständig, wir machen viel zu wenig und müssten eigentlich gerade am Schreibtisch sitzen. Wenn du aber übermüdet bist, bringt dir auch der beste Lernplan nichts. Im Jurastudium geht es darum, das Gelernte zu verstehen und anzuwenden. Das funktioniert nicht mit drei Stunden Schlaf und dem vierten Energy.
Solltest du an diesem Punkt sein und dir die Frage stellen, ob du früh aufstehen solltest, um weiter zu lernen oder lieber ein paar Stunden länger liegen bleibst: Bleib liegen. Diese Zeit mag sich wie verschwendete Lernzeit anfühlen, kommt dir und deiner Konzentration am Ende jedoch bloß zugute.
Fazit: Konzentration ist kein Zufall
Die schlechte Nachricht zuerst: All diese Konzentrationskiller verschwinden nicht von allein. Du musst selbst aktiv werden und etwas ändern.
Die gute Nachricht: Du kannst sie ziemlich gut kontrollieren, wenn du sie erst einmal erkannt hast. Manchmal reicht es schon, das Handy auszuschalten, einen klaren (aber nicht zu perfekten) Plan zu haben und sich realistische Lernziele zu setzen. Und plötzlich läuft es besser, als du gedacht hättest.
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Kaum ein Thema ist umstrittener im Studium: Wie viel Zeit sollte man mit lernen verbringen? Und wie viel ist zu wenig? Unsere Autorin Stine geht in diesem Beitrag den Mythen rund um die richte Lernzeit auf den Grund.
Du kennst ihn doch auch. Diesen einen Typen in der Bib.
Er sitzt schon da, wenn du kommst. Und ist immer noch da, wenn du gehst.
Aber du bist nach 5 Stunden nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Ganz egal, wie wichtig die kommende Prüfung oder das Examen ist.
Und der eine Typ in der Bib kämpft höchstwahrscheinlich mit dem gleichen Problem, würde es nur nie zugeben.
Daher stellt sich die Frage: Wie viel Lernzeit ist wirklich effektiv?
Irgendwann ist die Aufnahmekapazität einfach aufgebraucht. Und zwar nicht nach 12 Stunden, sondern bei den meisten deutlich früher.
Allgemeingültige Aussagen lassen sich zwar nicht treffen, aber Forschungen zur Lern- und Aufmerksamkeitsleistung deuten darauf hin, dass eine effektive Lernzeit bei einem durchschnittlichen Menschen eher im Bereich von 4 bis 6 Stunden netto pro Tag liegt.
Warum nur vier bis sechs Stunden?
Das hat unter anderem einen biologischen Hintergrund. Das menschliche Gehirn arbeitet nicht linear, sondern unterliegt natürlichen Schwankungen in Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit.
In der Psychologie spricht man von kognitiver Ermüdung. Ein Zustand, in dem deine mentale Leistungsfähigkeit messbar sinkt.
Mehr Zeit bedeutet also nicht automatisch mehr Wissen. Oft bedeutet es einfach nur, dass du länger arbeitest, aber weniger effizient aufnimmst.
Je anspruchsvoller die Aufgabe, desto schneller tritt dieser Effekt ein. Das Wiederholen von Karteikarten ermüdet also weniger stark als das Erarbeiten von neuem Stoff. Das sollte man bei seiner Zeitplanung immer beachten.
Was wirklich funktioniert
Viel wichtiger als die Lernzeit ist das Wie des Lernens.
Forschende zeigen, dass bewusstes, fokussiertes Üben in klar abgegrenzten Zeitblöcken deutlich effektiver ist als stundenlanges, halbkonzentriertes Arbeiten.
Auch aus der Forschung des Psychologen Anders Ericsson wird deutlich, dass hohe Leistungsfähigkeit vor allem durch gezieltes, strukturiertes Training entsteht, nicht durch möglichst lange Anwesenheit am Schreibtisch.
Pausen sind kein Luxus
Pausen fühlen sich oft wie verlorene Zeit an.
Sind sie aber nicht!
Studien zeigen, dass das Gehirn Informationen gerade in Ruhephasen verarbeitet und festigt. Ohne Pausen sinkt daher nicht nur die Konzentration und Motivation, sondern auch die langfristige Speicherung im Gedächtnis, also genau das, worauf es in Prüfungen und letztlich dem Examen ankommt.
Stunden zählen bringt wenig
Daraus folgt, dass das reine Zählen von Lernstunden nur bedingt aussagekräftig ist und in vielen Fällen sogar kontraproduktiv sein kann.
Entscheidend ist nicht die Quantität der Zeit, sondern die Qualität der kognitiven Verarbeitung innerhalb dieser Zeit.
Sinnvoller ist es daher, in klar definierten Lernintervallen zu arbeiten, insbesondere für Aufgaben mit offenem Ende. Methoden wie die Pomodoro-Technik sind so beliebt, weil sie Struktur, Fokus und regelmäßige Pausen fördern. Bei dieser Technik lernst du in festen Intervallen, beispielsweise 25 Minuten und machst im Anschluss fünf Minuten Pause.
Realistisch planen statt vergleichen
Um effektiv zu lernen, ist es von zentraler Bedeutung, die eigene kognitive Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. e
Nur wenn du weißt, wo deine individuelle Aufnahmekapazität liegt, kannst du deine Lernzeit sinnvoll strukturieren.
Auch der Vergleich mit anderen bringt selten viel. Von außen lässt sich nicht beurteilen, ob tatsächlich produktiv gearbeitet wird oder ob lediglich Zeit verbracht wird. Außerdem ist jeder Mensch individuell, für alle funktioniert etwas anderes am besten.
Fazit
Effektives Lernen bedeutet nicht, möglichst lange durchzuhalten. Es heißt die eigene Energie sinnvoll einzusetzen.
Gerade für das 1. Staatsexamen muss das Erlernte auch im Langzeitgedächtnis bleiben, abgesessene Stunden reichen also nicht. Durchgemachte Nächte funktionieren also spätestens in der Examensvorbereitung nicht mehr.
Also organisiere deine Lernalltage anhand deiner individuellen Möglichkeiten und lass dich nicht beirren von dem Typen der vielleicht auch einfach seit acht Stunden Block Blast spielt.
Wie gehst du mit langen Lerntagen um?
Was funktioniert bei dir und was gar nicht?
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Ericsson, K. A., Krampe, R. T., & Tesch-Römer, C. (1993). The Role of Deliberate Practice in the Acquisition of Expert Performance. Psychological Review.
Pashler, H. et al. (2007). Organizing Instruction and Study to Improve Student Learning. Psychological Science in the Public Interest.
Boksem, M. A. S., & Tops, M. (2008). Mental fatigue: costs and benefits. Brain Research Reviews.
Cepeda, N. J. et al. (2006). Distributed Practice in Verbal Recall Tasks. Psychological Bulletin.
Bist du gerade zum ersten Mal durch eine Klausur oder hast Prüfungsergebnisse bekommen, die dich ganz und gar nicht glücklich machen? Dann ist dieser Beitrag für dich! Hierin erklärt dir unsere Autorin Lea, warum negative Erfahrungen zum Jurastudium dazugehören und wie du sie verarbeitest.
Im Studium hört man häufiger von denen, die mit Prädikat abschließen und scheinbar geradlinig durchs Studium gekommen sind. Deutlich seltener – und meist eher im eigenen Freundeskreis – erfährt man von denjenigen, die sich gerade so durchgekämpft haben, mit einem „4 gewinnt“ bestehen oder gar durchgefallen sind. Das sorgt für ein verzerrtes Bild und damit auch für verzerrte Erwartungen.
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Es klingt abgedroschen, trifft aber dennoch zu: Man wächst an seinen Herausforderungen – und an seinen Niederlagen oft noch mehr. Im Jurastudium ist das nicht einfach nur ein Spruch, sondern Alltag. Klausuren und Hausarbeiten sind dazu da, dich auf das vorzubereiten, was später kommt: unvorhersehbare Fallkonstellationen, Zeitdruck und Unsicherheiten. Häufig sind es gerade die absurdesten Fälle, bei denen man denkt, sie seien frei erfunden, die es tatsächlich so oder ähnlich gab.
Die eigentliche Herausforderung liegt dann nicht darin, sofort die „richtige“ Lösung zu finden – die es bei Jura ohnehin oft nicht in dieser Eindeutigkeit gibt. Sie liegt vielmehr darin, überhaupt einen Zugang zu entwickeln. Wer schon einmal vor einer Klausur saß und schlicht keinen Ansatz hatte, kennt dieses Gefühl: Frust, Unsicherheit und das Gefühl, gescheitert zu sein. Kommt dann noch eine schlechte Woche dazu, hinterfragt man schnell mal seine gesamten Lebensentscheidungen [Been there, done that]. Doch genau solche Situationen trainieren den Umgang mit unbekanntem Terrain. Du lernst, trotz Unsicherheit strukturiert zu denken, weiterzumachen und darauf zu vertrauen, dass aus der bisherigen Studienzeit mehr hängen geblieben ist, als es sich im Moment anfühlt.
Häufig ist es doch auch so, dass man sich gerade den Stoff besonders intensiv anschaut, durch den man einmal durchgefallen ist oder für den man wenige Punkte bzw. niederschmetternde Korrekturanmerkungen bekommen hat. Und mit etwas Glück wird genau das später nochmal abgeprüft. Doch selbst wenn nicht, fällt eine einzelne schlechte Klausur oder Hausarbeit im Gesamtbild höchstens marginal ins Gewicht.
Gleichzeitig ist die Studienzeit mehr als nur eine Ansammlung von Wissen oder die Summe deiner Noten. Sie ist auch dazu da, sich auszuprobieren, Interessen zu entwickeln und weiterzuverfolgen. Die Balance zwischen Hausarbeit, Praktikum, Klausurenstress, Wiederholen, Nebenjob, Urlaub und dem Versuch, das Privatleben nicht vollständig zu vernachlässigen, fällt dabei nicht immer leicht. Im ungünstigsten Fall muss man die Hausarbeit dann in drei Tagen herunter schreiben, geht unvorbereitet in eine Klausur oder wiederholt sogar am Strand oder Pool noch Karteikarten. Diese Entscheidungen zu treffen und rückblickend zu merken, dass du eine Priorität „falsch“ gesetzt hast und dadurch nicht die eigene Bestleistung erbracht hast, ist Teil des Studium.
Das Jurastudium verläuft typischerweise nicht linear. Es ist ein persönlicher Entwicklungsprozess mit Hürden und Zweifeln. Für den einen bedeutet eine schlechte Note zu scheitern, für den anderen ein langes Studium und für den nächsten vielleicht, die Zeit außerhalb der Uni nicht ausreichend genutzt zu haben. „Scheitern“ ist relativ und bedeutet für jeden etwas anderes.
Die entscheidende Frage ist also nicht, ob du scheiterst. Sondern was du daraus machst.
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