Effizienter studieren durch digitales Lernen (Teil 1/2)

Ein Beitrag von Aurelio Diamanti

In Jahr 2022 haben wir Studierenden technologische Möglichkeiten, auf die unsere Vorgänger in ihren kühnsten Träumen nicht gekommen wären. In meinen Augen sind diese technologischen Möglichkeiten aber gerade für Studierende der Rechtswissenschaften notwendig. Denn mit jedem Jahr wächst der Stoff, der Examenskandidat*innen in Klausuren über den Weg laufen kann.

Es ärgert mich immer wieder, wenn ich mit frustrierten Kommiliton*innen spreche, die ihre Papierkarteikarten verloren, Rückenschmerzen von schweren Ringordnern bekommen oder Sehnenscheidenentzündungen vom Schreiben ewig langer handschriftlicher Zusammenfassungen bekommen haben. Da denke ich mir immer: Es geht auch anders, vor allem digital! Bisher habe ich gemeinsam mit unserem Gründungsmitglied Lena Weißkopf im Herbst einen Workshop zum digitalen Lernen organisiert, freue mich jetzt aber, euch mit diesem einen Überblick über die Thematik zu geben. Der Beitrag wird in zwei Teile aufgeteilt, wobei der zweite Teil im Verlauf der kommenden Wochen erscheint. Folgt also Goldwaage und disrUPt auf Instagram, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Was bedeutet eigentlich digitales Lernen?

„Digitalisierung“ ist ein Buzzword schlechthin! Alle wollen „digitaler“ sein und das Wort ist zu einem Synonym für Aufbruch und Erneuerung geworden. Wenn man jedoch durch die gekonnten Marketingstrategien hindurch schaut, merkt man, dass die „Digitalisierung“ deutlich weniger mystisch ist, als man denkt: Aus Brief wird E-Mail, aus Aktenablage ein digitaler Cloud-Speicher, händisch eingetippte Bestellungen werden automatisiert ausgefüllt oder Meetings, die vorher aufgenommen wurden, werden durch von den Teilnehmenden aufgenommene Kurzvideos ersetzt.

Und wie sieht es im Bereich digitales Lernen aus?

In meinen Augen sehr ähnlich: Lehrbücher werden nicht mehr händisch herumgetragen und mit Textmarkern markiert, sondern am Laptop oder Tablet durch ein PDF-Tool bearbeitet. Karteikarten schreibt man nicht mehr auf kleine Papierkärtchen, sondern tippt diese digital am Laptop. Und Zusammenfassungen werden nicht mehr mühsam handschriftlich geschrieben, sondern mit einem anständigen Texteditor geschrieben. Und Lernpläne und -tabellen, die vorher mühsam aus 8 DIN-A4 Zetteln zusammengeklebt und an eine Wand montiert wurden, werden durch smarte Tabellen und Datenbanken angefertigt.

Die Vorteile sind evident: Man muss nicht kiloweise Papier mehr herumschleppen, Dateien werden sicher in einer Cloud abgelegt und stehen auf diversen Geräten zu Verfügung und das eine Stichwort, was man sucht, findet man durch eine gekonnte Suche im Dokument in Windeseile.

Photo by Cup of Couple on Pexels.com

Zwei Prinzipien des digitalen Lernens

Bevor wir in die Materie selber einsteigen, gibt es in meinen Augen zwei Prinzipien, die man beachten sollte, wenn man vom Papierdschungel zur Tastatur wechseln möchte.

Weniger ist meistens mehr!

Viele Menschen, die sich mit digitaler Produktivität auseinandersetzen, sind zunächst überwältigt: komplexe Anwendungen, Dashboards, der Wahn nach ästhetischen Zusammenfassungen und zehnstündige Tutorials und vieles mehr erwecken den Eindruck, dass die analoge Welt deutlich effektiver ist als die digitale. Hier gilt es: Abstand nehmen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Meistens reicht es schon, analoge Prozesse digital abzubilden, um in den Genuss diverser Vorteile zu kommen. Weniger ist, wie so häufig, mehr!

Papier als gesunde Abwechslung

Ca. 90% meiner Lerntätigkeit findet digital statt. Umso mehr genieße ich es, hin und wieder einen Aufsatz in einer Zeitschrift zu lesen oder meine Gedanken auf einem Blatt Papier aufzuschreiben. Bei digital und analog handelt es sich nicht um ein „entweder oder“. Wenn ihr also auf digitales Lernen umsteigen wollt, Lehrbücher aber weiterhin gerne in Papierform lest, ist das überhaupt nicht schlimm!

Digitales Lernen in der Anwendung

Im Folgenden werden wir nun schrittweise verschiedene Aspekte und Anwendungen des digitalen Lernens anhand eines klassischen Lernflusses beleuchten. Dabei werden wir nicht nur die „essentialia“ eines jeden digitales Set-Ups aufzeigen, sondern auch konkrete Anwendungsbeispiele aus unserer Erfahrung aufzeigen. Der Beitrag wird sich anhand folgender sechs Ratschläge orientieren, die man in meinen Augen auch so chronologisch durchgehen sollte:

  1. Benutzt einen Cloudspeicher
  2. Habt eine digitale Inbox
  3. Organisiert euch mit Tabellen/Notion
  4. Benutzt Apps zur Visualisierung
  5. Führt ein digitales Fallbuch
  6. Benutzt nicht zu wenige und nicht zu viele Apps

Der Cloudspeicher als Rückgrat

Als ich meiner Familie und meinen Freunden mitteilte, dass ich Jura studieren möchte, wurde mir zunächst entgegen geworfen: Mensch, da wirst du eine große Menge an Büchern und Papier mit dir rumtragen müssen!

Hinsichtlich der Gesetzestexte, die ich im Rahmen meiner Examensvorbereitung von A nach B tragen muss, hat sich diese Aussage leider bewahrheitet. Hierbei handelt es sich aber um ein anderes Thema. Was jedoch allgemein Skripte, Lehrbücher, Fälle und sonstige Materialien angeht, bin ich weitestgehend von Papier und Rückenschmerzen befreit. Das hat einen simplen Grund: Soweit möglich, speichere ich alle Dokumente als PDF ab bzw. scanne sie ein und speichere sie digital in der Cloud. Dies hat folgende Vorteile: 1) Ich kann auf allen meinen Geräten über die Cloud jederzeit auf die Dokumente zugreifen und 2) durch Backups kann ich meine Dateien langfristig gut sichern. Während meiner Hausarbeitsphasen habe ich alle Dokumente, die ich benötigt habe, direkt digital abgespeichert. So konnte ich immer überall auf diese zugreifen und musste nicht fürchten, bei der finalen Literaturkontrolle Inhalte nicht wieder zu finden.

Deshalb ist mein erster (und wahrscheinlich auch zentralster Ratschlag): Legt euch einen Cloudspeicher zu! Hier gibt es diverse Angebote von den großen Unternehmen wie Apple, Google oder Microsoft. Gerade Google bietet mit Drive auch großzügige 15 GB kostenlosen Speicher an, was für die meisten als Ablage für Dokumente fürs Erste reichen sollte. Ich wünschte, ich hätte seit dem ersten Semester (mit der Cloud habe ich selbst erst im dritten Semester gestartet) diszipliniert alle meine Dokumente aufbewahrt, um jetzt im Rahmen der Examensvorbereitung auf diese zugreifen zu können. Daher mein Ratschlag an euch: Legt eure Dokumente digital ab! Hierdurch habt ihr auch den weiteren großen Vorteil: Die Dokumente werden in der Cloud suchbar. Sofern ihr also ein spezielles Dokument (bspw. einen Schuldrecht AT Fall mit Schwerpunkt im Leistungsstörungsrecht) sucht, könnt ihr diesen einfach suchen und finden. Viele Cloudanwendungen machen auch den Inhalt eines Dokumentes maschinenlesbar, wodurch ihr auch Inhalte innerhalb von Dokumenten suchen könnt.

Die digitale Inbox

Ich vermute, die meisten habe diese Situation schon erlebt: Man schreibt an einem Skript, löst einen Fall oder ist in der Privatrecht AG und plötzlich taucht eine wichtige Aufgabe auf oder man hat eine geniale Idee. Hier bietet es sich an, eine digitale Ablage/Inbox zu führen, in der man schnell diese Eingebungen ablegen kann. Es gilt: Je schneller und einfacher, desto besser! Vor allem Anwendungen wie Todoist oder Things 3 bieten die Möglichkeit, über Keyboard Shortcuts schnell und effizient Aufgaben abzulegen. Selbstverständlich kann man hier auch auf Stickynotes oder ein Notizbuch zurückgreifen. Digitale Anwendungen haben jedoch den Vorteil, dass die Aufgaben dann über mehrere Geräte abrufbar sind und man nicht Gefahr läuft, wie bei einer Stickynote, diese zu verlieren.

Hier seht ihr das Eingabefenster, was ich über ein Tastaturkurzbefehl schnell systemweit in der App Things 3 öffnen kann.

Der Beitrag wird an dieser Stelle beendet und nächste Woche weitergeführt.

Interview: Martin Fries über die Chancen von Legal Tech

Professor Martin Fries war einer der ersten, der in Deutschland eine Vorlesungsreihe zum Thema Legal Tech ins Leben gerufen hat. Neben seiner Lehrtätigkeit veröffentlicht er monatlich den Podcast #Fussnote und hat außerdem mit „Jura-Podcast“ eine Lernplattform geschaffen, mithilfe derer Studierende online ihr Wissen im Privatrecht vertiefen können. Wir haben ihm fünf Fragen rund ums Thema Legal Tech gestellt.

1. In Ihrem Podcast #Fußnote greifen Sie das Thema Legal Tech und Digitalisierung regelmäßig auf. Überdies haben Sie dem Thema Legal Tech eine eigene Vorlesung gewidmet, welche unter anderem auf YouTube verfügbar ist. Woher kommt Ihre Begeisterung dafür?

Ich bin überzeugt, dass uns die Digitalisierung in der Rechtspflege voranbringt. Der Zugang zum Recht wird einfacher, und es gibt eine große Chance, auch die Qualität von Rechtsberatung und Streitentscheidung zu verbessern. Dazu braucht es natürlich geeignete Rahmenbedingungen, über die wir diskutieren müssen: Wo können uns Algorithmen wertvolle Hilfe leisten und wo lassen sie das notwendige Augenmaß vermissen? Spannende Fragen, wie ich finde…

2. Viele Studierende können mit dem Begriff “Legal Tech” bisher nicht besonders viel anfangen. Warum ist das Thema auch für uns Studierende relevant?

In einem modernen Krankenhaus ist der Einsatz von Software bei der Anamnese, Diagnose und Therapie schwerer Krankheiten schon der absolute Standard. Wir Schwarzkittel sind vielleicht noch etwas skeptischer als die Weißkittel, aber die Algorithmen drängen natürlich auch in unsere juristischen Berufe herein. Vertragsgeneratoren, Textanalysesoftware und digitale Subsumtionsassistenten werden in absehbarer Zeit zur juristischen Standardklaviatur gehören. Wer heute Jura studiert, wird diese Helferlein bald mit derselben Selbstverständlichkeit nutzen, wie die Studierenden der letzten Generation heute bei Juris oder Beck Online unterwegs sind. Man kann also abwarten und Tee trinken – oder sich schon mal neugierig anschauen, was es da am Horizont Neues zu entdecken gibt.

Prof. Martin Fries: „Ich denke, dass uns die Digitalisierung von monotonen,
repetitiven und damit auch ein Stück weit langweiligen Aufgaben befreit.“

3. Welche Chancen und Risiken sehen Sie in einer zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt, insbesondere für Jurist*innen?

Ich denke, dass uns die Digitalisierung von monotonen, repetitiven und damit auch ein Stück weit langweiligen Aufgaben befreit. Die Zeit einer hochspezialisierten Anwältin scheint mir zu kostbar, um zigtausende Dokumentenseiten nach bestimmten Klauseln zu durchsuchen oder das Formular für ein Testament oder einen Gesellschaftsvertrag zum 200. Mal händisch auszufüllen. Wenn man diese Tätigkeiten in einem Algorithmus abbildet und einer Software anvertraut, bleibt mehr Zeit dafür, der Mandantin zuzuhören und über kreative Lösungen nachzudenken. Natürlich bringt die schöne neue Welt auch neue Herausforderungen mit: Werden wir den Algorithmus eines digitalen Assistenten ernsthaft zu verstehen versuchen? Und selbst wenn wir das tun, werden wir uns die Mühe machen, das vorläufige Prüfungsergebnis der Software noch kritisch zu hinterfragen? Oder werden wir uns faktisch mit einer halbhohen Trefferwahrscheinlichkeit abfinden?

4. Nutzen Sie in Ihrem Alltag bereits Errungenschaften von Legal Tech?

Die Tätigkeit eines Wissenschaftlers ist etwas anders gelagert als die eines Anwalts oder einer Richterin. Während sich in der Rechtspflege die Fälle häufig so oder so ähnlich wiederholen, sucht die Wissenschaft gerade das Neuartige und setzt es in Beziehung zum geltenden Recht. Insofern sind Algorithmen für mich eher Gegenstand meiner Untersuchungen als ein Arbeitsmittel. Juristische Suchmaschinen nutze ich aber natürlich auch.

5. Wenn ich als Studierender einen Einstieg in das Thema finden möchte, wo kann ich mich informieren?

Wer schon im Studium einen Einstieg in das Thema Legal Tech sucht, findet dazu ganz vielfältige Möglichkeiten. Meine Legal-Tech-Vorlesung auf YouTube haben Sie ja freundlicherweise schon erwähnt; die geht übrigens im Sommersemester 2022 in die dritte Auflage. Aber es gibt auch vor Ort an den Unis viele Veranstaltungen zu dem Thema. An jeder zweiten juristischen Fakultät hat sich im Laufe der letzten Jahre eine Legal-Tech-Studierendenvereinigung gegründet. Schaut einfach mal, welche Veranstaltungen die anbieten, da ist wirklich einiges los!

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Fries für das Interview.

Hier geht es zur Lernplattform „Jura-Podcast“

Hier geht zum Podcast #Fussnote:

Jede*r kann Coden lernen

Jennifer und Lena von disrUPt law e.V. berichten über ihre Erfahrungen mit dem Coding Kurs von SheCodes

(Werbung wegen Markennennung, Jennifer und Lena haben den Kurs jedoch aus eigenem Interesse gestartet und selbst bezahlt)

Im Moment sind lediglich 25 % der Arbeitsplätze im Bereich Programmierung mit Frauen besetzt. Nach dem Start-up SheCodes ist das deutlich zu wenig. Sie haben sich deswegen zum Ziel gesetzt mehr Frauen zum Schritt in die Programmierbranche zu ermutigen, indem sie das für den technologisierten Arbeitsmarkt erforderliche Wissen auf einfachstem Weg vermitteln. Konkret bietet SheCodes Online Coding Workshops an, die unkompliziert und flexibel von zuhause absolviert werden können. Die Inhalte werden durch eine Mischung von aufgezeichneten Lektionen, Hausaufgaben und Live-Unterstützung bereitgestellt.

Warum ausgerechnet SheCodes? Auf SheCodes aufmerksam geworden, sind wir durch personalisierte Werbung auf Youtube. Zuvor hatten wir beiden noch nicht von SheCodes gehört. Von ihrer Mission direkt angetan, meldeten wir uns zum nächstmöglichen Starttermin an. Dafür ist zu wissen, dass SheCodes vier Kurse mit jeweils unterschiedlicher Zeitdauer anbietet. Die Kosten sind entsprechend gestaffelt. Wir entschieden uns, für den Basis Kurs mit einer Länge von drei Wochen. Der Basis Kurs erschien uns perfekt, denn er richtet sich an absolute Anfänger, so wie wir es waren. Es werden Grundlagen in HTML, CSS und Javascript vermittelt, sowie der Umgang Visual Studio Code, einem bekannten Coding Editor.

So funktioniert das Programm Alle für den Workshop erforderlichen Materialien finden sich auf der Online-Plattform von SheCodes. Die Lektionen im Videoformat können je nach Lust und Zeit bearbeitet werden. Zu beachten sind nur die Deadlines zum Ende der Woche. Denn jede Woche schließt mit einer Hausaufgabe ab, die die gesammelten Erkenntnisse zusammenführt. Die Hausaufgaben müssen bis zum Ablauf der Deadline auf der SheCodes Online-Plattform hochgeladen werden. Sie werden dann vom SheCodes Team auf ihre Richtigkeit überprüft. Erhält man eine positive Rückmeldung werden die Lektionen für die nächste Woche freigeschalten. Unabhängig davon, ist jede einzelne Videolektion mit einer kleinen Challenge verbunden, die es zu meistern gilt. Mit einer bereitgestellten Lösung kann sofort überprüft werden, ob man den Inhalt der Lektion verstanden hat. Gleichzeitig grenzt sich SheCodes hier zu anderen Workshops ab, die Wissen nur auditiv vermitteln.

Hier sieht man, wie eine Hausaufgabe, editiert in VSCode, von SheCodes aussehen kann.

Während des gesamten Kurses hatten wir beide nie das Gefühl der Überforderung. In den Videos wird darauf geachtet, immer nur auf bereits Gelerntes aufzubauen. Sollte dennoch eine Frage aufkommen, war die Kommunikation mit dem Team von SheCodes über Slack problemlos möglich. Auch wir Kursteilnehmerinnen untereinander konnten uns im Rahmen von Slack austauschen und bei Problemen unterstützen. Die Community setzt sich aus Frauen von überall auf der Welt zusammen.

So sieht die Lernoberfläche von SheCodes aus.

Das Abschlussprojekt Zum Ende der dritten Woche galt es für uns ein Abschlussprojekt einzureichen, womit der Kurs auch enden sollte. Aufgabe war es eine Seite zu programmieren, die alles Gelernte in sich vereint. Und tatsächlich, konnten wir beide eine eigens programmierte Landing page vorweisen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel man in drei Wochen lernen kann! Die Abschlussprojekte werden mit der gesamten Community geteilt, sodass man sehen kann, was andere Kursteilnehmerinnen entwickelt haben. Es gibt auch die Möglichkeit Feedback zu geben. Nach einem erfolgreichen Abschlussprojekt bekommt man ein Zertifikat von SheCodes, welches man direkt mit seinem LinkedIn Profil verbinden kann. Wichtig zu erwähnen ist, dass man auch nach Abschluss des Kurses weiterhin auf alle Unterlagen zugreifen kann.

Fazit Für uns, hat sich der Kurs in allem Fall gelohnt. Wir haben hierdurch eine gute Grundlage geschaffen, um weiter in das Thema einzusteigen. Trotzdem haben wir uns beide dafür entschieden, unsere Kenntnisse eigens zu vertiefen und, zumindest im Moment, keinen Aufbaukurs von SheCodes zu besuchen. Einerseits, sind die Aufbaukurse nicht günstig und damit eher für Personen geeignet, die das Programmieren als Teil ihrer beruflichen Zukunft sehen. Andererseits war selbst der Basis Kurs durchaus zeitintensiv. Hierfür ist zu wissen, dass wir ihn in einem Zeitraum ohne universitäre Klausuren absolviert haben. Die angegebenen 7 Stunden pro Woche sind aus unserer Perspektive nicht ganz realistisch. Gerade, wenn man keine Vorkenntnisse hat, wird manche Videolektionen mehrmals bzw. langsamer schauen müssen, um das neu Gelernte zu verarbeiten und zu verinnerlichen.

Insgesamt hat der Coding Kurs spannende Einblicke in ein, für uns, ganz neues Themenfeld gewährt. Vor allem eins hat er deutlich gezeigt: Jede*r kann coden lernen! Daher würden wir den Basis Kurs jedem empfehlen, der einen Einstieg in das Coden sucht.

Fazit

Hier könnt ihr euch die Abschlussprojekte angucken:

Jenny: https://www.shecodes.io/workshops/shecodes-basics-6d9ccdc4-eeda-4d48-ba36-3d0d14341104/projects/629551

Lena: https://www.shecodes.io/workshops/shecodes-basics-061bca36-b02c-4653-83d9-0b2c01b169df/projects/625360

So findest du einen Einstieg ins Thema „Legal Tech“

Ein Beitrag von Aurelio Diamanti und Carla Blecke

Seit einigen Jahren ist das Wort “Legal Tech” in aller Munde – nur was ist das eigentlich genau?

Zusammen mit dem Studierendenverein “disrUPt law e.V.” möchten wir euch in den nächsten Tagen genau das näher bringen. In der Themenwoche “Legal Tech und Recht der Digitalisierung” erklären wir euch deshalb, was Legal Tech überhaupt ist, warum es uns so begeistert und wie wir in unserem Alltag davon profitieren.  

Was ist Legal Tech? Unter Legal Tech versteht man, vereinfacht gesagt, die Schnittstelle von Jura und technischer Innovation. Es geht darum, juristische Arbeitstechniken durch die Vorteile der Digitalisierung zu verbessern, zu vereinfachen und besser zugänglich zu machen.

Wir können innerhalb einer Woche natürlich nur begrenzt über “Legal Tech” informieren. Deswegen haben wir euch in diesem Post eine Übersicht zusammengestellt, mit Büchern, Podcasts, Vorlesungen, die uns persönlich überzeugt haben und die wir euch wärmstens empfehlen können, wenn ihr euch vertieft mit dem Thema beschäftigen möchtet. 

1.Beiträge zu Legal Tech und Legal Innovation

Martin Fries Vorlesung zu „Legal Tech Prof. Dr. Martin Fries hat als einer der ersten Professor*innen Deutschlands nicht nur eine umfangreiche Vorlesung zum Thema Legal Tech entwickelt, sondern diese auch komplett kostenlos auf YouTube und gängigen Podcast-Plattformen für alle Interessierte zur Verfügung gestellt. Angefangen bei der automatischen Subsumtion, über die Digitale Streitbeilegung und Online-Klagen bis hin zur digitalen Beweisaufnahme und Zwangsvollstreckung findet ihr mit der Vorlesung einen umfangreichen und hochqualitativen Einstieg in den Bereich Legal Tech.

Zeitschrift „REthinking: Law“ Die „REthinking: Law“ ist eine Zeitschrift, die sich dem technologischen Wandel der Rechtsbranche widmet. In lehrreichen und abwechslungsreichen Beiträgen erhaltet ihr Einblicke in die aktuellsten technologischen Entwicklungen der Rechtsbranche.

Aufsätze aus der „JuS“ Im folgenden haben wir einen Kurzüberblick über interessante Artikel aus der bekannten Ausbildungszeitschrift „JuS“:

  • Legal Tech – Rechtsanwendung durch Menschen als Auslaufmodell?, Hähnchen/Schrader/Weiler/Wischmeyer, JuS 2020, 625
  • Legal Tech – Chancen und Risiken der digitalen Rechtsanwendung, Buchholz, JuS 2017, 955
  • Was ist eigentlich … ein Smart Contract?, Paulus, JuS 2020, 107

Die Events und Interviews von disrUPt law Die Mitglieder von disrUPt law arbeiten mit großer Leidenschaft daran, anderen Studierenden Möglichkeiten zu geben, sich in den Bereichen Legal Tech, Legal Innovation & Entrepreneurship weiterzubilden. Hierfür organisieren sie Vorträge, Workshop und Akademien zu größeren Themen (zuletzt „KI & Recht“). Zukünftig startet disrUPt auch ein regelmäßiges Interviewformat. Die Veranstaltungen sollen auch vermehrt aufgenommen werden, damit Studierende diese nachträglich noch anschauen können.

Podcasts Es gibt sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch eine Fülle spannender Podcasts zum Thema Legal Tech. Das Team von Legal Tech Lab Cologne veröffentlicht zwei Mal im Monat im Podcast “Talking Legal Tech” ausführliche Interviews mit spannenden Gästen. Kurze und bündige Folgen liefert der Podcast “How to Legal Tech” von eLegal, in denen Grundlegende Fragen rund um das Thema sehr verständlich aufgearbeitet werden. 

Photo by Tara Winstead on Pexels.com

2. Beiträge zur technischen Entwicklung im Allgemeinen

Die Herausforderungen der Digitalisierung und der Forschung rund um künstliche Intelligenz, Machine Learning, etc. betreffen natürlich nicht nur den juristischen Bereich. Hier sind deshalb einige allgemeinere Empfehlungen: 

Bücher Mit seinen Büchern “Homo Deus” und “21 Lektionen für das 21. Jahrhundert” hat mich [Carla] der Autor Yuval Harari in seinen Bann gezogen. Sehr gut verständlich beschreibt er mögliche Zukunftsszenarien in einer hoch-technologischen Welt. Obwohl er nicht speziell auf juristische Fragestellungen eingeht, sind beide Bücher für Jurastudierende absolut interessant. Denn in Hararis Entwürfen von einer digitalen Zukunft schwingen unglaublich viele rechtliche und ethische Fragen mit. 

Für eine dystopischere Betrachtung der Zukunft kann ich [Aurelio] die beiden Bücher „AI Superpowers“ und „Weapons of Math Destruction“ empfehlen. Ersteres überzeugt durch eine historische Analyse der technologischen Entwicklung Chinas, die in eine gestochen scharfe Prognose über die zukünftige Entwicklung des Landes und seiner Stellung im Weltgefüge übergeht. Das Buch ist auch von niemand anderem als Kai Fu Lee, einem der führenden Tech & KI Experten der Welt, geschrieben. „Weapons of Math Destruction“, geschrieben von Cathy O‘Neil, zeigt in einer umfangreichen Analyse auf, inwiefern Algorithmen unseren Alltag prägen und wir Menschen dies teilweise garnicht mehr mitbekommen.

Podcasts Im Podcast “Alles gesagt” von der ZEIT entscheiden die Gäste, wie lange sie ein Interview führen. In der Folge “Richard Socher, was denken Maschinen?”  unterhalten sich deswegen beide Moderatoren acht (!) Stunden lang mit Richard Socher, einem Pionier in der KI-Forschung, über sein spannendes Leben und seine Forschung. Außerdem erklärt Socher sehr laienfreundlich einige Grundlagen des Machine Learning. 

Mai Think X Show “Künstliche Intelligenz”  Eine Folge ihrer ZDF Neo Show “MaiThinkX” hat Mai Thi Nguyen-Kim dem Thema Künstliche Intelligenz gewidmet. Kurz und bündig geht sie darin auf Chancen und Risiken von künstlicher Intelligenz ein und gibt viele Impulse, die zum Nachdenken anregen. 

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann schreib uns gerne auf Instagram @disrupt_law und @goldwaage.jura.

21 Dinge die helfen, die Motivation im Jurastudium wiederzufinden

Vor einiger Zeit haben wir auf Instagram eine Umfrage gemacht. Wir wollten wissen, was euch auf dem Blog interessiert und worüber ihr mehr lesen möchtet. Eine Antwort kam ganz besonders oft von euch: Beiträge zum Thema Motivation.

Ich finde das Thema derzeit sehr passend. Denn ich befinde mich selbst gerade in einem ziemlichen Motivationstief. Und wenn ich mich so umhöre, geht das wirklich einigen aktuell so. 

Es ist ja auch eigentlich kein Wunder. Die politischen Ereignisse überschlagen sich geradezu. Es ist mehr als verständlich, dass dich die Nachrichten gerade mehr interessieren als, sagen wir, die gestörte Gesamtschuld. Außerdem hängen wir seit Jahren in einer Pandemie fest und die wenigsten von uns haben die Uni in den letzten Monaten von innen gesehen.

Wen überrascht es also, dass derzeit viele Studierende Mühe haben, sich hochmotiviert an den Schreibtisch zu setzen? 

Um dem ein bisschen entgegenzuwirken habe ich mithilfe der Insta-Community einige Dinge gesammelt, die helfen, die eigene Motivation wiederzufinden. 

Hier sind unsere 21 Tipps:

1.Anerkennen, dass man Motivation nicht immer braucht, sondern auch etwas langsamer und unmotivierter als sonst arbeiten kann

2. In die Bibliothek gehen, bzw. das Lernumfeld wechseln 

3. Freunde treffen 

4. Eine Auszeit nehmen 

5. Sport treiben

Photo by Pixabay on Pexels.com

6. Mit Familien und Freunden über Antriebslosigkeit reden 

7. Die eigenen Ansprüche etwas herunterschrauben 

8. Die Lernzeit tracken 

9. Die Pomodoro-Technik benutzen 

10. Sich die eigenen Ziele wieder vor Augen führen 

11. Study-Playlists hören 

Photo by Pixabay on Pexels.com

12. Etappenziele festlegen und auch kleinere Erfolge feiern. 

13. Neue Anreize schaffen, zum Beispiel durch spannende Podcasts, Bücher oder Serien

14. Sich ein Vision-Board erstellen oder inspirierende Fotos als Desktophintergrund festlegen 

15. Eine kreative Auszeit nehmen und etwas malen, Musik machen, ins Kino gehen,… 

Photo by olia danilevich on Pexels.com

16. Den Schreibtisch aufräumen und neu dekorieren 

17. Die Lernzeiten ändern, also beispielsweise wesentlich früher oder später als gewöhnlich mit dem Lernen beginnen 

18. Ansprechende Lernutensilien kaufen (und dann auch benutzen) 

19. Sich selbst kleine Challenges setzen, z.B. die nächsten fünf Tage zu nutzen, unliebsame Tätigkeiten zu erledigen

20. Akzeptieren, dass es an manchen Tagen nicht geht und am nächsten Tag weiter machen

21. In die Natur gehen und die Sonne genießen

Was hilft dir, deine Motivation wieder zu finden? Schreib uns gerne auf Instagram @goldwaage.jura. 

Wie ich meine Hausarbeit in Notion organisiere (+free Template)

*unbeauftragte Werbung wegen Nennung des Programms

Letztes Semester hatte ich endgültig genug. Es war Hausarbeitssaison und wieder einmal fand ich mich in der Bibliothek mit einem Ordner voller loser Notizen, Kopien von Altklausuren und Ausdrucken wichtiger Aufsätze wieder. Mein Desktophintergrund war vor lauter Word-Dokumente kaum noch zu erkennen und mein Browser war mit über 20 geöffneten Tabs überfüllt.

„Das muss doch auch anders gehen“, dachte ich und suchte nach einer Lösung. Also bastelte ich mir in der Planer-App Notion ein Template, das mir ermöglichte, alle wichtigen Dokumente geordnet auf meinem Laptop zu verwalten und auch noch relativ * ästhetisch * war.

Photo by Anete Lusina on Pexels.com

Das war ein wahrer Game-Changer für mich, den ich in diesem Beitrag gerne mit dir teilen möchte.

Falls du mein Template benutzen möchtest, kannst du es dir sehr gerne kostenlos hier herunterladen. Notion ist eine gratis App, von der ich persönlich ziemlich begeistert bin. Wenn dir diese App nicht gefällt, gibt es im Netz übrigens einige Alternativen wie Evernote, OneNote und viele weitere.

Das Template ist relativ intuitiv benutzbar und selbsterklärend und du kannst es selbstverständlich an deine eigenen Bedürfnisse anpassen.

Falls dich dennoch interessiert, wie ich Notion nutze, lies gerne weiter…

Die Hauptseite des Templates
  1. Lösungsskizze

Zunächst nutze ich eine Seite, auf der ich die Lösungsskizze notiere. Hier schreibe ich das Schema auf und mache mir Stichpunkten zu den Schwerpunkten und Problemfeldern des Sachverhalts.

2. Literaturverzeichnis

Auf der nächsten Seite habe ich eine Tabelle für das Literaturverzeichnis angelegt. Hier trage ich direkt alle zitierten Aufsätze und Bücher ein, um nicht Gefahr zu laufen, diese später zu vergessen.

3. Notizen: Literatur (Tabelle)

Noch eine Tabelle für Literatur? Ja genau! In dieser Tabelle sammle ich alle Notizen, die ich mir während des Lesens eines Aufsatzes mache. Die Aufsätze nummeriere ich durch und speichere sie in einem Ordner auf meinem Laptop.

So fliegen nicht mehr dutzende handbeschriebene Notizzettel durch meine Unitasche. Stattdessen habe ich alle Gedanken, die ich mir beim Lesen mache, gebündelt und sortiert in einem Dokument. Außerdem finde ich Aufsätze schneller wieder und muss keine Tabs offen lassen – ich weiß ja, wo alles steht. Das ist nicht nur übersichtlich, sondern spart auch noch Zeit.

Wie erspare ich mir unzählige offene Tabs?

4. Allgemeine Notizen

Auf der letzten Seite ist Platz für Notizen. Hier schreibe ich z.B. Besonderheiten des Sachverhaltes rein oder notiere mir gute Tipps von KomilitonInnen, usw.

5. To-Do-Liste

Das Template enthält außerdem eine kleine To-Do-Liste. Hier notiere ich mir gerne, wo ich beim nächsten Mal weiter machen möchte, um einen einfacheren Einstieg zu finden.

6. Kalender und Sachverhalt

Zu guter letzt habe ich in das Template einen Kalender eingebaut, in dem ich wesentliche Fristen, etc. eintrage. Außerdem ist darunter Platz, den Sachverhalt einzufügen, um diesen jederzeit verfügbar zu haben und nicht ständig einen neuen Tab aufrufen zu müssen.

Die eigentliche Hausarbeit schreibe ich übrigens nicht in Notion, sondern ganz gewöhnlich in Word, um die Formatvorgaben einzuhalten.

TEMPLATE: HAUSARBEIT

Was hältst du von Notion als Organisationstool? Ist das für dich eine Hilfe oder bleibst du lieber beim guten alten Notizblock? Schreibe es uns gerne per Mail goldwaage.jura@gmail.com oder auf Instagram @goldwaage.jura.

Legal Bookclub: Gott

ein Theaterstück von Ferdinand von Schirach

Unsere liebe Freundin und erfolgreiche Studygrammerin Céline vom Instagram-Account @cc.and.law hat für uns eine Gastrezension zu „Gott“ von Ferdinand von Schirach verfasst. Wir freuen uns sehr darüber, ihre Gedanken mit euch teilen zu dürfen.

_

Richard Gärtner, 78, ein körperlich und geistig gesunder Mann, will seit dem Tod seiner Frau nicht mehr weiterleben. Er verlangt nach einem Medikament, das ihn tötet. Mediziner, Juristen, Pfarrer, Ethiker, Politiker und Teile der Gesellschaft zweifeln, ob Ärzte ihm bei seinem Suizid helfen dürfen. Die Ethikkommission diskutiert den Fall.

Das 2020 erschienene Buch von Ferdinand von Schirach erinnert im ersten Moment an eines seiner bekanntesten Bücher: „Terror“. Auch „Gott“ ist in Form eines Theaterstücks verfasst, das den Leser sofort mitten in die Geschichte katapultiert. 

In der Geschichte wird vor dem Ethikrat die Frage eines assistieren Suizids thematisiert. Besonders geht es um die Frage, ob Mediziner und in gewisser Weise der Staat dazu verpflichtet sein sollen, Sterbewilligen bei deren freiwilligem Suizid zu helfen. 

Dabei werden aus staatsrechtlicher, medizinischer und religiöser Sicht verschiedene Aspekte und Argumente diskutiert. 

Das Ende des Buches ist ebenso wie „Terror“ sehr offen gestaltet und jeder Leser kann zu einem eigenen Ergebnis kommen. 

Besonders überzeugend wurde diese Spielart im TV-Experiment bei der Erstausstrahlung am 23. November 2020 umgesetzt, bei dem die Zuschauer selbst an der Entscheidung beteiligt wurden und die entscheidende Frage per Abstimmung entscheiden durften. 

Das Buch ist für jeden Jura-Studenten eine gute Möglichkeit, um neben dem kurzen Kapitel, in dem man die Sterbehilfe und den assistieren Suizid im Strafrecht behandelt, die Problematik noch aus anderen Perspektiven zu betrachten. Während man im Studium doch häufig schnell der herrschenden Meinung oder der Ansicht des Dozenten folgt und nicht die Zeit oder Motivation hat, jedes Thema tiefgehend zu recherchieren und sich damit auseinanderzusetzen, bekommt man hier einen Einblick, der sich nicht nur auf die juristische Sichtweise beschränkt. 

Aber auch für jeden Anderen ist dieses Buch von Schirach eine klare Empfehlung. Es erklärt die Problematik, die hinter dem assistieren Suizid steckt und vielen vielleicht gar nicht bewusst ist, wenn sie damit in ihrem Alltag nicht zu tun haben. Den ersten Kontakt haben viele dann meist über die Medien oder im privaten Umfeld und es ist in der Regel nicht mehr so einfach möglich, das Thema differenziert und unvoreingenommen zu betrachten. Dafür bietet sich dieses Buch sehr gut an.

Es liest sich angenehm und ist durch die Gestaltung als Theaterstück auch sehr prägnant und wird an keiner Stelle langatmig. Dadurch kann man es auch leicht an einem Abend durchlesen. 

Ergänzt wird es am Ende durch Aufsätze von drei Experten, die das Thema losgelöst von der Geschichte, die Schirach geschaffen hat, noch einmal erläutern. 

Insgesamt fand ich das Buch sehr gut und hab es an zwei Abenden durchgelesen! 

Beim Schreiben der Rezension habe ich dann erst herausgefunden, dass das Buch auch schon seit 2020 verfilmt ist und mir den Film direkt angesehenen und kann ihn auch als Ergänzung zum Buch empfehlen. Das Buch mochte ich tatsächlich lieber, weil ich teilweise das Gefühl hatte, dass der Film nicht so neutral wie das Buch gestaltet war und den Zuschauer mehr von einer bestimmten Position überzeugen möchte.

Leider habe ich nicht an dem TV-Experiment teilnehmen können, aber meinen Standpunkt zu dem Thema konnte ich trotzdem noch einmal überdenken und hatte interessante Einblicke.

Klausurtaktik: So bewahrst du einen kühlen Kopf

Mit der richtigen Strategie bestmögliche Ergebnisse erzielen (Teil 2/3)

In Teil 1 dieser Serie rund um eine gelungene Juraklausur haben wir uns damit beschäftigt, wie du dich optimal auf eine Klausur vorbereiten kannst. Heute soll es daher darum gehen, wie du die Klausur am besten schreibst. 

1.Die Zeit davor

Idealerweise sitzt du wach und aufmerksam, nicht aber panisch vor Angst oder komplett übermüdet von kurzfristigem Nachtlernen in der Klausur. Am Abend vor einer Klausur bietet es sich also an, früh schlafen zu gehen. Außerdem kannst du am Abend davor deine Tasche packen, um dir am nächsten Tag einige Minuten zu sparen. Im Regelfall benötigst du in der Klausur deine Gesetze, Klausurpapier und Schmierblätter, Stifte und deinen Studierendenausweis.

Photo by Louis Bauer on Pexels.com

2.In der Klausur selbst

Überlege dir zu Beginn deiner Klausur einen groben Zeitplan für die Bearbeitung. In den zweistündigen Anfängerklausuren habe ich mir meistens 30 Minuten Zeit für die Erstellung einer Lösungsskizze genommen und die übrigen 90 Minuten für die Verschriftlichung genutzt.

Ich persönlich bin in den ersten 30 Minuten immer wie folgt vorgegangen:

  1. Den Sachverhalt lesen, Probleme markieren und Stichworte an den Rand schreiben.
  2. Ordnung in meine ersten Überlegungen bringen und eine Lösungsskizze erstellen.
  3. Die Streitstände grob notieren und wichtige Fachwörter aufschreiben, damit ich sie im Eifer des Gefechtes nicht vergesse.
  4. Zuletzt überprüfe ich: Habe ich alle Beteiligten erwähnt? Habe ich alle Aufgaben beachtet (Rückseite!)? Waren bestimmte Dinge vielleicht gar nicht gefragt (ist durch die Fallfrage die Bearbeitung einer Person oder eines Deliktes ausgeschlossen?)

Diese Routine hat mir auch geholfen, nicht zu nervös zu werden und z.B. stressbedingte Fehler und Blackouts zu vermeiden. Denn ich wusste zu Beginn jeder Klausur ganz genau, was ich als erstes machen würde und war dadurch gelassener.

Dann ist es Zeit für die Ausformulierung. Hierbei gilt natürlich, möglichst sauber zu schreiben, die Seitenzahlen nicht zu vergessen und Formulierungen wie „da“, oder „weil“ unbedingt zu vermeiden.

Falls du einmal in Zeitnot geraten solltest, nutze die letzten Minuten deiner Bearbeitung noch, um stichpunktartig die übrigen Paragrafen zu prüfen. Viele Korrektoren lassen auch das in ihre Bewertung einfließen.

Es ist übrigens keine Schande, eine Klausur vorzeitig zu verlassen. Solltest du einmal früher mit der Bearbeitung fertig sein, oder merken, dass du eine bestimmte Klausur auf keinen Fall bestehen kannst, kannst du den Hörsaal einfach verlassen. Dir ist nicht damit geholfen, zwei Stunden lang auf ein leeres Blatt zu starren.

3.Nach der Klausur

Nach Abgabe der Klausur beginnt oft ein ebenfalls stressiger Part: Die Auswertung durch andere Studierende. Natürlich schadet es nicht, sich auszutauschen. Lass dich im Zweifel aber davon nicht nervös machen.

Relevanter ist die Besprechung mit dem Professor, zu der ich stets empfehlen würde, hinzugehen. Denn sie kann dabei helfen, typische Fehler zu erkennen und zukünftig zu vermeiden.

Was sind deine Tipps für eine gelungene Klausur? Teile sie gerne mit uns auf Instagram @goldwaage.jura.

Vielleicht interessiert dich auch, wie man es schafft ein Prädikatsexamen zu schreiben? Dann ist vielleicht unser Interview mit Arian etwas für dich.

In vier Schritten zur gelungenen Anfängerklausur

Mit der richtigen Strategie bestmögliche Ergebnisse erzielen (Teil 1/3)

Ich bin durch meine allererste Klausur im Studium durchgefallen. Rückblickend war das kein Wunder. Obwohl ich damals der Meinung war, top vorbereitet gewesen zu sein, machte ich vieles falsch. Ich lernte ohne Plan einige Schemata und Definitionen auswendig und hoffte auf das Beste.

Inzwischen bin ich einige Semester weiter und habe eine Strategie entwickelt, mit der ich den relevanten Stoff in der Vorbereitung ausreichend vertieft lerne und meine persönlichen Bestleistungen erzielen konnte.

In diesem Beitrag habe ich probiert, die für mich wesentlichen Bestandteile der Klausurvorbereitung, sowie ein paar Literaturtipps zu sammeln. Der Beitrag soll vor allem die Vorbereitung auf Anfängerklausuren abdecken, ein weiterer Post zum Lernen für Fortgeschrittenenklausuren, sowie dem Klausurschreiben selbst wird in Kürze folgen.

*Disclaimer: Lernen ist ein sehr individueller Prozess. Daher deckt der Blogpost meine eigenen persönlichen Erfahrungen ab, die selbstverständlich von Erfahrungen anderer abweichen können.

Schritt 1: Mache dich mit dem Stoff vertraut

Zunächst solltest du dich mit dem relevanten Stoff auseinander setzen. Für einen guten Einstieg ins Thema bieten sich natürlich die Vorlesungen deiner Uni an. Falls du Vorlesungen verpasst hast oder dir der Lehrstil deiner Dozierenden nicht gefallen sollte, gibt es glücklicherweise auch tolle Angebote online. So findest du z.B. von Prof. Martin Fries ganze Vorlesungsreihen im Privatrecht kostenlos auf Youtube. Noch dazu gibt es eine Fülle an hilfreichen Podcasts online.

Falls Zuhören nicht dein Ding ist, kannst du dich auch ins Thema einlesen. Besonders in den ersten Semestern würde ich persönlich jedoch nicht empfehlen, nur mit Literatur zu lernen. Lehrbücher sind in der Regel extrem umfangreich und machen es schwer, die richtigen Schwerpunkte in der Vorbereitung zu setzen. Hilfreich sind Lehrbücher, wenn sie gezielt genutzt werden, dich vertieft mit einem Thema auseinander zu setzen.

Photo by Julia M Cameron on Pexels.com

Schritt 2: Erstelle dir einen Plan

Nimm dir im nächsten Schritt Zeit, einen Lernplan, oder zumindest eine Übersicht mit den relevanten Klausurthemen zu erstellen. Das kostet im ersten Moment etwas Zeit, wird sich im Nachhinein auszahlen, wenn du nicht ins Blaue hinein lernst, sondern strukturiert vorgehen kannst.

In einem älteren Beitrag habe ich bereits erklärt, wie ich für die Anfängerklausuren gelernt habe. Für die Fortgeschrittenenklausuren habe ich meinen Lernplan auf Excel erstellt, um dort meinen Lernfortschritt farblich zu markieren. Einer derartige Planung ist aber wirklich kein Muss, sondern lediglich meine Art, mich vorzubereiten. Vielen Studierenden genügt auch eine ganz normale To-Do-Liste.

Schritt 3: Verschriftliche das Wichtigste

Eine meiner Lehrerinnen sage früher immer „Von der Hand in den Verstand“, wenn wir etwas abschreiben mussten. Damals nervte mich dieser Satz, heute weiß ich, das es stimmt: Was ich einmal aufgeschrieben habe, vergesse ich so schnell nicht mehr. Deswegen würde ich immer empfehlen, dir in einer Art, die dir gefällt, Notizen zu machen. Dabei ist es egal, ob du die nur das wichtigste auf Karteikarten notierst, oder dir eigene ausführlichere Skripte schreibst, Mindmaps erstellst, usw… Hauptsache ist, dass du am Ende eine schriftliche Übersicht über das Thema hast.

Meine Mindmaps für Privatrecht

Schritt 4: Übe was das Zeug hält

Dann heißt es: Üben! All das Zuhören und Aufschreiben hat wenig Sinn, wenn du nicht selbst das Gelernte reproduzierst. Denn das menschliche Gehirn lernt am Besten, wenn wir etwas selbst wiedergeben. In Jura bietet es sich an, Fälle zu lösen.

Es gibt eine Fülle an Fallbüchern. Besonders in den ersten Semestern kann ich empfehlen, kürzere Fälle zu lösen, anstatt sich gleich an langen, schweren Fällen die Zähne auszubeißen. Der Vorteil: Du kannst in kleinen Schritten die wichtigsten Grundlagen und Probleme lernen und dich Stück für Stück an ausführliche Lösungen herantasten.

Buchempfehlung zum Üben [unbeauftragte Werbung]: Die Reihe „Die Fälle“ vom „Fall Fallag“ bietet zu fast jedem Rechtsgebiet Fallbücher. Anhand kleiner Fälle kann man so alle wesentlichen Probleme und Schemata üben und hat ständig kleine Erfolgserlebnisse. Die Bücher richten sich wegen ihres Umfangs besonders an Studierende in niedrigen Semestern, sind aus meiner Erfahrung aber wirklich ein guter Einstieg. Ein weiterer Klassiker der leicht zugänglichen Fallbüchern sind die Bücher von Winfried Schwabe. Diese sind etwas ausführlicher als „Die Fälle“, aber in einem leicht verständlichen Stil gehalten. Sie eignen sich auch für Klausuren in späteren Semestern.

Andere Wiederholungsmöglichkeiten, wie das Karteikartenabfragen, Fälle in Lerngruppen zu besprechen, etc. sind ebenfalls tolle Optionen – aber nicht zwingend notwendig. In der Klausur wird schließlich nur eins erwartet: Dass du im sauberen Gutachtenstil einen Fall löst. Deswegen sollte ein Großteil deiner Vorbereitung der Schritt Nr. 4 sein.

Hat dir der Beitrag geholfen? Dann folge uns gerne auch auf Instagram @goldwaage.jura.

Das könnte dich auch interessieren: „Die richtige Gliederung für die Jurahausarbeit“Sechs Hacks für die Jurahausarbeit“

Warum wir toxische Ehrlichkeit in 2021 lassen sollten

Toxische Ehrlichkeit..? Vielleicht fragt ihr euch, was das nun wieder für eine neumodische Erfindung sein soll. Neumodisch ist daran höchstens die Verwendung des Wortes „toxisch“. Als toxisch – also giftig – werden heutzutage viele Dinge bezeichnet, die als besonders destruktiv wahrgenommen werden.

Das, wovon ich euch jetzt erzähle, ist ein Paradebeispiel für toxisches Verhalten. Gemeint sind Menschen, die unter dem Deckmantel der Ehrlichkeit alle möglichen grausigen Äußerungen von sich geben. Hier ein paar Beispiele, die ich genau so schon gehört habe:

„Du würdest es ja nicht einen Tag lang in dem Beruf aushalten, dir fehlt die Disziplin dafür.“

„Eurer Instagram-Seite werden spätestens nach Weihnachten sowieso alle wieder entfolgen.“

„Du brauchst dich auf die Stelle nicht zu bewerben, da gibt es einen viel besseren Kandidaten, habe ich gehört. Das einzige, was du ihm voraus hättest, ist, dass du eine Frau bist und der Frauenanteil an dem Lehrstuhl bei Null liegt.“

on pexels.com by Anna Shvets

Wenn ich so etwas höre, ist meine intuitive Reaktion immer die Schockstarre. Ich versuche zu begreifen, wie man es sich erlauben kann, so etwas von sich zu geben. Wie soll man überhaupt auf Kritik reagieren, die einem gar keine Chance auf Verbesserung einräumt, sondern nur zusammenfasst, dass man eh versagen und es zu nichts bringen wird?

Reagiert man entsetzt oder gar wütend, schützen sich solche Menschen mit den Worten „Ich bin doch nur ehrlich. Das war doch nicht böse gemeint.“ oder in feinster Gaslighting-Manier mit „Das war doch nur ein Scherz. Sei mal nicht so zartbesaitet. Ich kann nichts dafür, wenn du so ein Sensibelchen bist“.

Äußerst hilfreich soll außerdem folgende Gegenfrage sein „Mit welchem Ziel teilst du mir das mit?“. Sie wirkt zum einen wie ein Spiegel und zum anderen hat sie durchaus das Potenzial dazu, einen Menschen zu entlarven. Die Reflektierten unter den Dreisten werden nach dieser Frage ins Stottern kommen und vielleicht Einsicht zeigen; mit dem Rest braucht man nicht zu diskutieren.

In vielen Fällen glaube ich sogar, dass die Aussage nicht primär böse gemeint war. Einige Menschen setzen sich zu wenig mit ihren unbewussten Impulsen auseinander und hinterfragen zu selten, warum genau sie sich so gefühlt oder so etwas gesagt haben. Wenn man lange genug nach der Ursache sucht, findet man sie auch. Vielleicht war es Frust, vielleicht war es Missgunst, weil man selbst in letzter Zeit nicht zufrieden mit sich selbst war. Oder vielleicht war es ja wirklich nur gut gemeint und man hat es unglücklich formuliert.

Heute bereue ich, mich damals tatsächlich von der dritten Aussage verunsichern lassen zu haben und mich nicht beworben zu haben. Nicht, weil ich so gerne dort gearbeitet hätte, sondern aus Prinzip. Ich möchte nicht Teil einer Gesellschaft sein, die anderen Menschen Steine in den Weg legt und sie in ihrer Entwicklung ausbremst. Ich möchte nicht in zwei Jahren eine der Ursachen dafür sein, dass jemand ein Projekt nicht begonnen hat, weil ich die Person entmutigt habe.

Das, was ich als wahr und ehrlich erachte, kann aus einem anderen Standpunkt heraus gesehen auch vollkommener Unsinn sein.

Aber wie soll man denn nun seine Meinung äußern dürfen, ohne dass sie als „toxisch ehrlich“ gilt? Zunächst könnte man sich fragen, welche Reaktion man sich auf die Aussage eigentlich erhofft. Möchte man wirklich nur helfen und einen kleinen Tipp geben? Dann kann man diesen auch freundlich und aufgeschlossen formulieren und idealerweise auch gute Aspekte nennen, bevor man jemanden mit zu viel Kritik erschlägt. Aber auch dann sollte man immer im Blick haben, dass nicht alles, was gedacht wird, auch gesagt werden muss.

In den meisten Fällen möchten Menschen nämlich gar nicht die Meinung anderer hören. Und wenn doch, dann fragen sie danach.

Abschließen will ich mit einem alten, aber dennoch hochaktuellen Zitat aus dem Kinderfilm „Bambi“:

„Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man den Mund halten.“