Interview: Aurelio Diamanti von DisrUPt Law e.V.

Aurelio Diamanti ist Jurastudent in Heidelberg und hat sich schon zu Beginn seines Studiums für technische Innovationen im juristischen Bereich interessiert. Im Sommer 2020 gründete er den Verein DisrUPt Law e.V., um ein Angebot zu schaffen, bei dem sich Studierende zum Thema Legal Tech austauschen und weiterbilden können.

Wir haben mit ihm über Digitalisierung, die Gründung eines studentischen Vereins und die Zukunft des Rechts geredet.

Goldwaage: DisrUPt Law ist ein studentischer Verein, der sich mit Legal Tech beschäftigt. Was ist denn eigentlich Legal Tech? Aurelio: Legal Tech per se ist noch nicht richtig definiert. Wir schließen uns der gängigsten Definition an, dass es darum geht, juristische Arbeitsprozesse durch Nutzung der Digitalisierung und moderner Technologien zu rationalisieren und der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen.

Das kann so aussehen, dass ich als Anwalt die Digitalisierung nutze, um meine Dienstleistungen der Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen. Das geht zum Beispiel, indem ich einen Vertragsgenerator erstelle. Oder mithilfe von Chatbots, die MandantInnen nutzen können, um erste Fragen abzuklären und ein besseres Bild zu bekommen. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist FlightRight

Legal Tech kann auch so aussehen, dass eine Großkanzlei große Mengen an Vertragsdaten analysiert, um die besten Klauseln für künftige Verträge zu finden. Legal Tech ist also die Digitalisierung der juristischen Arbeit selber.

Wie bist du darauf gekommen, den Verein zu gründen? Ich habe schon früh im Studium gemerkt, dass Apps und ein gewisses Verständnis von Technik den Studienalltag unheimlich vereinfachen können. So habe ich schon 2019 Kommilitonen gezeigt, wie man digital lernen kann, zum Beispiel mit digitalen Karteikarten. Zeitgleich war ich bei einem Legal Tech Start-Up in in Heidelberg für ein Praktikum. Dort habe ich sehr viel zu Legal Tech mitbekommen, da auch der Gründer sehr aktiv in der Szene ist. Insgesamt habe ich gemerkt, dass im Bereich der Digitalisierung allgemein und im Legal Tech-Bereich sehr viel passiert.

Die Digitalisierung birgt viel Potenzial für Studierende: Sowohl für das Studium als auch für die beruflich Zukunft. Aber es gibt im juristischen Studium eigentlich kaum etwas dazu.

Im Februar 2020 habe ich dann gesehen, dass es Legal Tech Initiativen an anderen Unis gibt. Da dachten einige Kommilitonen und ich: warum nehmen wir das als Studierende nicht einfach selbst in die Hand und schaffen einen Rahmen, in dem sich Jurastudierende mit der Digitalisierung auseinandersetzen können?

Was genau macht ihr bei DisrUPt law? DisrUPt law ist eine Vereinigung von Studierenden jeglichen Wissenstands im Bereich Digitalisierung, die selber mehr über die Digitalsierung (des Rechts) lernen wollen, erlangtes Wissen schon im Studium anwenden möchten und andere Studierende für die Themen der Zukunft begeistern möchten. Es war von Anfang an klar, dass wir sowohl Leute abholen wollen, die schon viel Wissen mitbringen wollen, als auch Leute, die gar kein Hintergrundwissen mitbringen. 

Dort können Studenten sich einerseits fachlich mit der Materie der Digitalisierung im Recht allgemein auseinandersetzen, aber auch mit der sich verändernden Rechtspraxis, in der sich die Sachverhalte mehr und mehr ändern. Vor allem wollen wir durch Veranstaltungen Studierenden die Möglichkeit geben, sich mit der Digitalisierung und Legal Tech auseinander zu setzen und sich in dem Bereich aktiv weiterzubilden. 

Hierdurch schließen wir die Lücke, die momentan zwischen juristischer Praxis und einer immer digitaler werdender Gesellschaft auf der einen Seite und der juristischen Ausbildung auf der anderen Seite besteht. Denn durch disrUPt können (Jura-)Studierende sich schon im Studium in der Digitalisierung des Rechts weiterbilden, ohne irgendwo Mitglied sein zu müssen oder Geld zu bezahlen.

Ihr sitzt in Heidelberg. Kann man bei euch auch mitmachen, wenn man woanders studiert?  Der Stamm und die meisten Mitglieder sitzen in Heidelberg. Aber wir arbeiten digital, einige unserer Mitglieder sind derzeit auch im Ausland oder leben außerhalb von Heidelberg. Deshalb ist unser Credo: Jeder in ganz Deutschland kann mitmachen. Das geht ja dank der Digitalisierung. Wir haben vereinzelt Präsenzveranstaltungen, bei denen wir versuchen, dass die Mitglieder von außerhalb in Heidelberg untergebracht werden. Wir sehen das als Bereicherung, dass Mitglieder dabei sind, die nicht aus Heidelberg kommen. Hierdurch können alle den eigenen Horizont erweitern.

Wo siehst du DisrUPt law in der Zukunft? Wir haben es in den letzten Jahren schon ganz gut etabliert, Wissen an Studierende heranzutragen. Ein Meilenstein war unsere erste “Akademie” mit dem Oberthema “Alternative Karrierewege für Juristen und Juristinnen”, bei der es verschiedenen Seminare gab, um tiefgreifendes Wissen im Bereich Unternehmertum, Gründung von (Legal Tech) Start-Ups und der Arbeit als Legal Engineer zu vermitteln. Im Zentrum stand die Frage, welche Möglichkeiten für Juristinnen außerhalb des klassischen Anwaltsberufes gibt. Die AbsolventInnen erhalten auch ein Zertifikat, auf dem die Experten, die wir eingeladen haben, die Teilnahme bestätigen.

Unser nächstes Ziel ist, neben der Wissensvermittlung – die kostenlos und für alle zugänglich bleiben soll – das Gelernte auch aktiv anzuwenden. Hier erarbeiten wir gerade ein Konzept mit Unterstützung aus der Praxis, von dem ich aber noch nicht zu viel berichten darf.

Und wo siehst du die Zukunft des Legal Techs Ich bin der Auffassung, dass wir noch ganz am Anfang sind, auch wenn Legal Tech sehr viele Fortschritte macht. Obwohl es schon viele Initiativen dazu deutschlandweit gibt, merkt man, diplomatisch ausgedrückt, eine gewisse Technologie-Ferne, die gerade noch im juristischen Studium und juristischen Berufen besteht. 

„Bisher merkt man die Tendenz noch sehr stark: Jurastudierende – Buch, Stift, Papier, andere Studierende – Laptop und moderne Apps.“

Aurelio Diamanti

Bisher merkt man die Tendenz noch sehr stark: Jurastudierende – Buch, Stift, Papier, andere Studentierende – Laptop und moderne Apps. Selbstverständlich bringen andere Studiengänge auch andere Herausforderungen als das Jurastudium mit sich, die technologischer Lösungen bedürfen. Aber auch der klassiche Jurastudierende kann von Technik profitieren. 

Deshalb sehe ich in den nächsten Jahren einen großen Mentalitätsshift, einfach durch die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bringt. 

Dazu kommt eine gewisse Öffnung in der Rechtsausbildung, indem zum Beispiel mehr Materialien gut zugänglich sind. Dadurch wird das Rechtswissen der Allgemeinheit und auch den Studierenden besser zugänglich, was ich sehr begrüße. Aber ich sehe auch eine große Entwicklung, dass schon existierende Rechtspraktiker sich sehr viel weiterbilden müssen, um die komplexen Probleme der Zukunft zu verstehen. Um zum Beispiel künstliche Intelligenz, Blockchain und alles was damit einhergeht zu verstehen, reicht es nicht nur, Grundlagenwissen zu haben. Dafür wird es Juristen brauchen, die sich tief mit Technologie auskennen und einerseits das Recht anwenden können und andererseits das Recht schaffen können, um den Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden. 

Auch im Rechtsmarkt sehe ich einiges an Wandel. Aus meiner subjektiven Perspektive gibt es eine junge Generation an heranwachsenden AbsolventInnen, die einen gewissen Schwung in die Praxis bringen werden. 

Zusammenfassend sehe ich einen ganz großen Transformationsprozess in unsere Gesellschaft und auch speziell im juristischen Bereich. Und dieser Transformationsprozess birgt natürlich für jeden Jurastudierenden eine Chance. Deshalb würde ich auch jeden Jurastudierenden ermutigen, sich mehr mit Technologie und Digitalem auseinandersetzen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Aurelio für das spannende Interview. Mehr zu DisrUpt Law findet ihr auf der Website und auf Instagram @disrupt_law.

Planlos? Wie du ab dem ersten Semester den Durchblick behältst

Das erste Semester ist für alle ein Sprung ins kalte Wasser. In diesem Beitrag möchte ich dir meinen Nummer eins Tipp verraten, der mich bisher reibungslos durch das Studium gebracht hat: Plane dein Studium!

1.Warum solltest du dein Studium planen? Es gibt in meinen Augen drei Hauptgründe, sich bereits früh mit der Planung des Studiums zu befassen. 

Du bekommst erstens einen richtig guten Überblick, was dich in den nächsten Jahren so erwartet.

Zweitens hilft ein Plan bei der Einhaltung von Fristen. Viele Praktika und Auslandssemester erfordern eine recht lange Vorbereitungszeit. Mit einem Plan vergisst du diese nicht.

Der dritte Vorteil: Du hast immer dein nächstes Ziel vor Augen. Statt überwältigt davon zu sein, was du noch alles unter einen Hut bringen musst, kannst du viele To-Dos ganz entspannt auf die späteren Semester vertagen. So bist du mit voller Konzentration im Hier und Jetzt.

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2. Wie solltest du bei der Planung vorgehen?  Generell gilt: Der Plan im ersten Semester ist natürlich nicht in den Stein gemeißelt und wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch einmal ändern. Das ist auch gut so, denn viele Möglichkeiten werden sich erst im Verlauf deines Studiums ergeben. Vielmehr soll dir der Plan dabei helfen, nicht blindlings ins Studium zu stolpern und am Ende womöglich wichtige Fristen etc. zu verpassen. 

Ich persönlich habe meinen Studienverlauf bisher immer so geplant: 

a) Orientiere dich am Musterstudienplan Zuerst kannst du dir den Musterstudienplan der Uni ausdrucken. Diesen findest du auf der Website der juristischen Fakultät deiner Uni. Nicht erschrecken: Diese Pläne sind meistens sehr ehrgeizig angelegt und stopfen den gesamten Stoff in sechs Semester. Du musst dich nicht immer daran halten; bis zur Zwischenprüfung würde ich diesen Plan jedoch ziemlich strikt befolgen. 

Dem Plan kannst du entnehmen, welche Fächer du ungefähr in welchem Semester belegen solltest und wann du welche Prüfungsleistungen erbringen musst. 

b) Entwirf deinen optimalen Studienverlauf Überlege dir zunächst grundlegend, wie du dir dein Wunschstudium vorstellst. Möchtest du in wenigen Semestern und ohne große Umschweife zum Ziel? Oder möchtest du viel erleben, ins Ausland gehen, dich studentisch engagieren,…?  Hier gibt es selbstverständlich weder richtig noch falsch – es kommt allein auf deine Vorstellung eines gelungenen Studiums an. 

c) Individualisiere deinen Musterstudienplan  Wenn du dir einen Überblick über den grundlegenden Aufbau gemacht hast, ist es Zeit, den Plan mit Leben zu befüllen. 

Folgende Faktoren kannst du dabei berücksichtigen 

  • Klausuren
  • Hausarbeiten
  • Praktika
  • Auslandsaufenthalte
  • Schwerpunktsemester
  • Nebenaktivitäten mit Jurabezug
  • Nebenjob

Nimm dir Zeit nach spannenden Aktivitäten, Praktika, Auslandssemestern, etc. zu recherchieren. So vermeidest du, zu spät auf tolle Angebote deiner Uni aufmerksam zu werden. Falls du dazu Inspirationen suchst, guck doch mal in unserer Rubrik Aktivitäten neben dem Studium vorbei.

Jetzt schnappst du dir deinen Musterstudienplan (oder malst dir einen eigenen) und notierst alle angestrebten Aktivitäten in die Zeile des jeweiligen Semesters.

Was du dabei beachten solltest: Deine Planung sollte sich auch auf die Semesterferien erstrecken. Das ist der Zeitpunkt, an dem Hausarbeiten geschrieben und Praktika absolviert werden müssen. 

Wenn du ausrechnen möchtest, wann du frühestens dein Examen schreiben möchtest, beachte, dass man sich in der Regel ca. ein Jahr darauf vorbereitet.

Besonders heiß umkämpfte Praktika und Auslandssemester haben oft einen Bewerbungszeitraum von einem Jahr im Voraus. Es hilft also, diese Frist auch mit in deinen Plan einzutragen.

Als Daumenregel würde ich dir empfehlen, pro Semester nicht mehr als eine Nebentätigkeit einzuplanen. So hast du trotzdem genug Freizeit.

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Mit „Model United Nations“ in New York – meine abenteuerlichste Studienerfahrung

Plötzlich stand ich im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York – und konnte mein Glück kaum fassen. Zusammen mit knapp 20 Delegierten meiner Uni hatte ich die Reise angetreten, um an der Internationalen MUN-Konferenz im Big Apple teilzunehmen und mit Studierenden aus aller Welt die Vereinten Nationen besser zu verstehen.

Aber von vorne.

Was ist Model United Nations?

Model United Nations (kurz MUN) ist ein Planspiel, bei dem sich SchülerInnen und StudentInnen treffen und die Arbeitsweise der Vereinten Nationen (UN) zu simulieren.

Dabei übernimmt jedes Team die Rolle eines Diplomaten bzw. einer Diplomatin aus einem anderem Mitgliedsland.

In meiner MUN-Zeit übernahm ich so z.B. einmal die Rolle einer Diplomatin aus Singapur und Ruanda.

Die Treffen von MUN gibt es weltweit. Dabei gibt es sowohl lokale Gruppen, beispielsweise von Partneruniversitäten in Deutschland, es gibt aber auch internationale Treffen, wie zum Beispiel das in New York, bei dem ich teilgenommen haben.

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Wie läuft Model United Nations ab?

Zu einem MUN Treffen gehört eine Menge Vorbereitung. In der Konferenz vertritt jedes Team ein Land. Das bedeutet, dass es sich in der Vorbereitung intensiv mit der politischen und wirtschaftlichen Lage sowie auch der Geschichte der Nation auseinandersetzt.

Neben der Recherche bereitet jedes Team außerdem Reden und Ideen für sogenannte „position Papers“ und Resolutionen vor, in denen die politischen Ideen und Forderungen des vertretenen Landes enthalten sind.

Auf den Konferenzen versuchen die Teams dann, diese Forderungen und Ideen einzubringen. Die Konferenzen sind den Arbeitsgruppen der Vereinten Nationen nachempfunden. So gibt es z.B. Konferenzen, die die Arbeitsweise des UN-Sicherheitsrates, oder bestimmter Komitees (ECOSOC, Ausschluss für Menschenrechte, …) nachempfinden.

Wie bereitet man sich vor?

In der Vorbereitung auf das große Treffen in New York war es an meiner Uni Pflicht, an zwei internen, kleineren Konferenzen teilzunehmen. Zusätzlich dazu fand jede Woche ein Seminar statt, bei dem die erforderlichen Grundkenntnisse vermittelt wurden. Da die Konferenzen originalgetreu auf Englisch stattfinden, wurden auch die Vorbereitungsseminare auf Englisch abgehalten.

Im Rahmen der Vorbereitung belegten wir außerdem einen kurzen Business-Englischkurs und bekamen regelmäßig kleine Hausaufgaben, in denen wir z.B. üben mussten, Resolutionen zu verfassen.

Tja. Und nach einem halben Jahr der Vorbereitung war es dann soweit. Das Team meiner Uni trat die Reise nach New York an. Während der Zeit der Konferenz schliefen wir alle in dem Hotel, in dem das Treffen abgehalten wurde. Im Voraus buchten einige von uns sich jedoch bereits ein Apartment, um die Chance zu nutzen und uns in der Stadt einige Tage umzusehen. Was folgte waren einige aufregende, abenteuerreiche Tage.

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Fazit

MUN ist eine unglaublich eindrückliche Erfahrung, die ich allen Studierenden ans Herz legen möchte.

Zwar ist der zeitliche Aufwand in der Vorbereitung nicht zu unterschätzen, aber er zahlt sich aus. Ich persönlich habe durch meine Teilnahme nicht nur meine Redegewandtheit, mein Business-Englisch und mein politisches Wissen enorm erweitert. Daneben habe ich die USA besucht, war zu Besuch im Hauptquartier der Vereinten Nationen, habe neue Menschen von überall auf der Welt kennengelernt (und einen nicht unbeachtlichen Preisnachlass für die Reise bekommen, die der Uni-Verein uns gewährte).

 Wie kannst du teilnehmen?

Der wohl einfachste Weg ist die Teilnahme über einen Studierendenverein. MUN-Vereine gibt es an so gut wie jeder Uni in Deutschland. Hier wirst du solide auf die Konferenzen vorbereitet und kannst dich auch noch nach deiner Teilnahme an einer internationalen Konferenz ehrenamtlich engagieren.

Die Seminare beginnen üblicherweise zum Wintersemester und sind im Regelfall offen für Studierende aus jedem Fach und jedem Semester (es ist also noch nicht zu spät für eine Teilnahme, selbst wenn du schon fortgeschritten im Studium bist).

Hast du selbst Erfahrungen mit MUN gesammelt? Berichte uns gerne davon auf Instagram @goldwaage.jura .

Endlich wissenschaftlich publizieren – Arbeit bei einer studentische Law Review

Ein Gastbeitrag von Robert Riep

Robert arbeitet seit einigen Semester für die juristische Zeitschrift „GreifRecht“ der Universität Greifswald. Wie er dazu gekommen ist und was genau er dort macht, schildert er in diesem Beitrag.

Für Menschen mit einem Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten – meine persönliche Definition eines Akademikers bzw. einer Akademikerin – ist es vermutlich einer der größten Erfolge, eigene Erkenntnisse durch Veröffentlichung einem größeren Publikum zugänglich zu machen. In der Praxis ist die Hürde zu einem seriösen Medium jedoch regelmäßig nur für promovierte Personen zu nehmen. Genau hier stellen Law Reviews ein „Sprungbrett“ für fortgeschrittene Studierende dar.

Was ist eine studentische Law Review?

Als Autor neigt man gern zu einer Überschätzung der Bekanntheit des eigenen Mediums. Im Fall der GreifRecht erreichen wir mit einer Auflage von 700 Exemplaren wohl nicht einmal die Hälfte der Greifswalder Fachschaft. Deshalb vorweg: Studentische Law Reviews sind von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden herausgegebene Rechtszeitschriften. Die Inspiration dazu kam aus den amerikanischen Fakultäten und hat in den letzten 20 Jahren an einigen deutschen Fachschaften Fuß gefasst. Die Beiträge variieren bei den einzelnen Magazinen. Die GreifRecht beispielsweise setzt sich aus kurzen Hinweisen auf relevante Urteile und Aufsätze des letzten Semesters, professoralen Aufsätzen, guten studentischen Prüfungsleistungen und kurzen Anmerkungen der Redaktion zu prüfungsrelevanten Rechtsproblemen zusammen. Die fachliche Qualität studentischer Beiträge wird im Zweifelsfall von einem professoralen Beiratsmitglied sichergestellt.

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Bei der GreifRecht landete ich, als ich mich nach dem Erhalt meiner ersten zweistelligen Hausarbeit ermutigt fühlte, mir ein juristisches Hobby zu suchen. Auch wenn ich sehr gerne recherchiere, fiel es mir lange schwer, in meiner Freizeit weitere Aufsätze und Urteile zu lesen. Ich erhoffte mir, durch den Austausch mit Gleichgesinnten mehr Motivation zu finden. Nach einigem Suchen in der Fakultät traf ich dann auf unseren damaligen Vereinsvorsitzenden, einen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Dieser lud mich auch direkt zur nächsten Redaktionssitzung ein.

Die GreifRecht heißt offiziell Greifswalder Halbjahresschrift für Rechtswissenschaft, d.h. sie erscheint einmal pro Semester. In der Regel läuft die Entstehung einer neuen Ausgabe folgendermaßen ab: Unsere Redaktionsleitung bemüht sich um professorale Ausätze und organisiert den Eingang studentischer Prüfungsleistungen. Natürlich steht es jedem Redaktionsmitglied frei, interessante Kontakte um die Zusendung juristischer Aufsätze zu bitten. So durften wir uns in der letzten Ausgabe über ein Grußwort der Justizministerin Mecklenburg Vorpommerns freuen.

Wie arbeitet eine Redaktion?

Die eigentliche Redaktionsarbeit beginnt dann zum Ende der Vorlesungszeit: Zum einen diskutieren wir in mehreren Sitzungen die eingegangenen Texte unter fachlichen Aspekten und der Relevanz für die Studierendenschaft. Per Mehrheitsbeschluss wird dann über einen Abdruck entschieden. Zudem werden folglich unter den Redaktionsmitgliedern die Redaktionsbeiträge, also Anmerkungen und Abstracts zu Urteilen und Aufsätzen, verteilt. Letzteres ist meist mit einer eingehenden Recherche zu den Veröffentlichungen des letzten Semesters in den bekannten juristischen Zeitschriften verbunden, von denen etwa je 15 Stück auf wenigen Zeilen beschrieben werden. Die gelungensten Abstracts werden am sog. „Abstract-Tag“ von der gesamten Redaktion ausgewählt.

Nachdem dann die Beiträge für das neue Heft beisammen sind, finden zwei Korrekturläufe der Texte statt. Ist dies getan, gehen die Beiträge an unseren Setzer, der die Zeitung im Druckformat zusammenstellt. Diese Fassung wird ebenfalls noch einmal in Teilen von einzelnen Redaktionsmitgliedern auf technische Fehler wie falsche Zeilenumbrüche oder verrutschte Fußnoten kontrolliert.

Wenn wir endlich das neue Heft gedruckt in den Händen halten, steht natürlich noch der Vertrieb an. Neben dem Greifswalder Buchhandel und unseren postalischen AbonnentInnen in ganz Deutschland verkaufen wir die meisten Hefte durch kurze Vorstellungen in den Übungen des neuen Semesters, welche uns die ProfessorInnen dankenswerterweise ermöglichen.

Wie kannst du mitmachen?

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass sich die Reaktionsarbeit auf jeden Fall positiv auf die schriftlichen Fähigkeiten im Studium auswirkt. Der sperrige, für den juristischen Laien schwer zugängliche Ausdruck in der Rechtswissenschaft ist oft nicht unabdingbar. Und über mehr Klarheit in der Sprache freuen sich sicherlich nicht nur Studierende. Zudem bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was von Korrigierenden gern gesehen wird und auch, wie man gute Seminararbeiten aufbaut. Damit einher geht ein guter Kontakt zu einigen wissenschaftlichen Mitarbeitenden, die einem auch den einen oder anderen guten Tipp für das Studium mitgeben können. Kurzum: Wer gerne schreibt und Lust hat, das eigene juristische Verständnis über den Pflichtstoff hinaus zu erweitern, kann in der Redaktion einer studentischen Rechtszeitschrift viele schöne Erfahrungen sammeln.

Sollte dieser kurze Einblick euer Interesse an Reaktionsarbeit geweckt haben, meldet euch gern bei redaktion@greifrecht.de! Wir freuen uns immer über neue Gesichter mit Interesse an der Entwicklung der Rechtswissenschaft.

Plötzlich Staatsanwältin: Was du lernst, wenn du an einem Moot Court teilnimmst

Ein Gastbeitrag von Friederike Krüger

Friederike hat in ihrem fünften Semester an einem deutschlandweiten Moot Court teilgenommen. In diesem Beitrag berichtet sie von ihren Erfahrungen.

„Du studierst Jura? Das ist doch so trocken, oder?“. Sätze wie dieser sind meist die ersten, die ich höre, wenn ich erzähle, dass ich Jura studiere. Das Studium hat den Ruf, trocken und nicht praxisbezogen zu sein.

Aus meiner Perspektive stimmt dieses Vorurteil überhaupt nicht. Denn wenn einem Jura Spaß macht, kommt es einem nicht trocken vor, sondern begeistert. Auch für den Praxisbezug gibt es immer mehr Angebote von Unis, diesen herzustellen. So zum Beispiel durch Moot Courts.

Was ist ein Moot Court?

Ein Moot Court ist ein Wettbewerb zwischen Universitäten, bei denen eine Gerichtsverhandlung simuliert werden soll. Ich selbst habe an einem Moot Court für Strafrecht teilgenommen. Dieser war so aufgebaut, dass jede Uni zwei StaatsanwältInnen und zwei AnwältInnen stellte, die jeweils gegen die gegnerischen Unis antraten, um einen Fall zu verhandeln.

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Nationaler Strafrechts Moot Court 2020

Von Freunden aus höheren Semestern hatte ich zuvor bereits von Moot Courts gehört und war von Anfang an von der Idee begeistert. Als dann der Aufruf kam, sich für das Greifswalder Team zu bewerben, musste ich nicht lange überlegen und habe mich, in der Hoffnung mehr über die praktische Arbeit vor Gericht zu erfahren und mit gleichgesinnten Leuten zusammenzuarbeiten, angemeldet. So kam es, dass ich am deutschlandweiten Strafrechts Moot Court 2020 teilnahm. Ursprünglich sollte dieser in Köln stattfinden. Aufgrund der aktuellen Lage musste er allerdings online abgehalten werden.

Schnell war auch das Greifswalder Team gefunden; bestehend aus fünf motivierten Studierenden aus dem dritten bis fünften Semestern. Betreut wurden wir von einem Strafrechtsprofessor und dessen Wissenschaftlichem Mitarbeiter.

Ich übernahm zusammen mit einer Freundin die Rollen der Staatsanwältinnen.

In Vorbereitung auf die Verhandlung befassten wir uns mit dem von der Uni Köln gestellten Fall, sowohl materiell- als auch prozessrechtlich. Bei der Vorbereitung bemerkten wir, dass an dem Satz „Zwei Juristen, drei Meinungen“ im Gegensatz zu dem „Jura ist trocken“ sogar einiges dran ist. Der Fall war so gestellt, dass man an vielen Stellen auf unterschiedlichste Art und Weise argumentieren konnte. Dieser Aspekt machte die Aufarbeitung besonders spannend, da StaatsanwältInnen und AnwältInnen gut lernten, gegeneinander zu argumentieren. In der weiteren Vorbereitung verfassten wir Plädoyers und probten unseren Vortrag.

Was habe ich gelernt?

Eine besondere Herausforderung war aus meiner Sicht, das Handwerkliche zu erlernen. Sprich, wie man ein Plädoyer schreibt, wie emotional oder sachlich das Auftreten vor Gericht sein sollte und auch zu erkennen, dass Staatsanwälte die neutralste Behörde sein sollten und deshalb persönliche Ansichten außen vor lassen sollten.

In einer letzen Generalprobe hielten wir unsere Plädoyers auch vor einigen Zuschauern – die uns wertvolle Tipps für unseren Auftritt gaben.

Der Wettbewerb fand schließlich im Januar 2021 statt – dank Corona musste er von 2020 ins Jahr 2021 verschoben werden. Die Jury bestand aus hochkarätigen JuristInnen, unter anderem drei Richtern des BHGs. Neben uns nahmen noch neun weitere Unis teil. Spannend war es zu sehen, wie unterschiedlich die anderen TeilnehmerInnen den Fall aufgearbeitet hatten.

Am Ende belegten wir den siebten Platz. Dies war nicht ganz die Platzierung, die wir uns erhofft hatten. Am Ende spielte es aber für mich keine so große Rolle, da die mitgenommenen Erfahrungen wesentlich überwogen.

Fazit

Ich würde jedem empfehlen, an einem Moot Court teilzunehmen.

Durch die Teilnahme habe ich noch einmal eine ganz neue Sicht auf das Fach bekommen und dadurch eine größere Motivation, mein Studium gut abzuschließen.

Ich habe nicht nur gelernt, an Probleme neu heranzugehen. Ich habe auch neue Strategien für den mündlichen Vortrag erarbeitet, welche sich in Hinsicht auf die mündliche Prüfung bestimmt als hilfreich erweisen werden.

Des weiteren ist der Moot Court eine tollte Möglichkeit, mit erfahrenen JuristInnen Kontakte zu knüpfen. Es bietet sich einem schließlich nicht oft die Gelegenheit, für RichterInnen des BGH ein Plädoyer zu halten oder mit ProfesorInnen der Uni so eng zusammen zu arbeiten.

Hätte ich die Möglichkeit, noch einmal an einem Moot Court teilzunehmen, würde ich dies sofort tun.

Wie ein juristisches Hobby dein Studium bereichert

Ich bin davon überzeugt, dass eine Aktivität neben deinem Studium, die etwas mit Jura zu tun hat, dich wirklich weiterbringen wird.

Vielleicht denkst du dir gerade: Das Studium ist doch schon zeitintensiv genug – wieso sollte ich mich noch in meiner Freizeit juristischen Themen widmen? 

Genau das habe ich mir in meinem ersten Semester auch gedacht. 

Dann habe ich bei einer “Model United Nations” Aktion teilgenommen – und seitdem kann ich mir mein Studium ohne Nebenaktivitäten nicht mehr vorstellen. Über die Jahre habe ich die verschiedensten juristischen „Hobbys“ ausprobiert – und habe folgendes dabei gelernt:

1.Neue Inhalte

Die Auswahl an juristischen Nebentätigkeiten ist groß. Je nachdem, wofür du dich interessierst und was deine Uni anbietet, kannst du dir etwas aussuchen. Klassische Angebote sind:

  • Moot Courts (simulierten Gerichtsverhandlungen)
  • Debattierclubs
  • Studentische Rechtsberatung
  • Model United Nations (simulierte Verhandlung der Vereinten Nationen)
  • Sprachkurse für JuristInnen
  • Auslandssemester
  • Mitwirkung an einer juristischen Zeitschrift
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2.Neue Leute 

Bei diesen Aktivitäten triffst du natürlich neue Leute und kommst ins Gespräch mit KommilitonInnen, die du sonst nur flüchtig aus dem Hörsaal kennst. Das ist nicht nur eine ideale Grundlage neue FreundInnen zu finden, sondern auch Leidensgenossen aus höheren Semestern, die den ein oder anderen Tipp für dich und dein Studium haben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viele der studentischen Vereine auch über ihre Veranstaltungen hinaus Kontakt pflegen und zusammen feiern gehen, Ausflüge machen, etc.

3.Neue Kontakte 

Neben den Teilnehmern an derartigen Veranstaltungen, die meistens StudentInnen sind, gibt es die LeiterInnen – und das sind nicht selten ProfessorInnen oder erfahrene AnwältInnen. Zu denen einen guten Draht zu haben, ist aus vielerlei Gründen vorteilhaft. Oft geben sie in Randbemerkungen wertvolle Tipps für Klausuren, oder Hinweise für Praktika und Nebenjobs.

4. Vorteile im Lebenslauf

Das Nebenaktivitäten bei Bewerbungen gut ankommen, habe ich inzwischen von mehreren ProfessorInnen und ArbeitgeberInnen gehört. Es ergibt ja auch Sinn: Denn ganz gute Noten haben viele Studierende – aber wer sich auch noch nach der Uni mit Jura beschäftigt zeigt, dass er/ sie Durchhaltevermögen hat und sich wirklich interessiert. Noch dazu stichst du natürlich unter anderen BewerberInnen hinaus, wenn du bereits Praxiserfahrungen sammeln konntest oder eine Fremdsprache beherrschst.

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5.Neue Erfahrungen 

Nicht zuletzt machen diese Nebenaktivitäten einfach Spaß und ermöglichen dir neue Einblicke, die du sonst vielleicht nicht bekommen hättest. Ich selbst war im Rahmen von Model United Nations in New York City, habe mir die Stadt angesehen, habe an einer Debatte mit Studierenden aus der ganzen Welt teilgenommen, war im Hauptquartier der Vereinten Nationen, – kurzum, ich hatte eine tolle Zeit.

Solche und andere eindrucksvolle Gelegenheiten gibt es für Jurastudierende vielfach, dennoch trauen sich viele nicht, sie wahrzunehmen. Dabei ist die Teilnahme oft leicht und weniger arbeitsintensiv als gedacht. Fast jede Uni in Deutschland bietet die genannten Aktivitäten für angehende JuristInnen an – alles was du tun musst, ist, zu den Kennlern-Treffen zu gehen

Das Beste an diesen Hobbys ist: Du kannst sie frei gestalten. Du kannst dir selbst überlegen, wie viel Zeit du dem Ganzen einräumst, wie intensiv du arbeitest und vor allem, was du machst.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Du erwirbst bei Nebenaktivitäten nicht nur beeindruckende Zertifikate, sondern ganz viel zusätzliches Wissen, ohne aktiv zu lernen. Das steigert die Motivation im Studium ungemein!

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag ein wenig von meiner Begeisterung teilen. Vielleicht ziehst du es ja in Erwägung, selbst an einer derartigen Aktivität teilzunehmen – zum Glück ist so etwas nie verpflichtend. Du kannst also auch in die verschiedenen Bereiche reinschnuppern und ausprobieren, ob das etwas für dich ist.