Plötzlich Staatsanwältin: Was du lernst, wenn du an einem Moot Court teilnimmst

Ein Gastbeitrag von Friederike Krüger

Friederike hat in ihrem fünften Semester an einem deutschlandweiten Moot Court teilgenommen. In diesem Beitrag berichtet sie von ihren Erfahrungen.

„Du studierst Jura? Das ist doch so trocken, oder?“. Sätze wie dieser sind meist die ersten, die ich höre, wenn ich erzähle, dass ich Jura studiere. Das Studium hat den Ruf, trocken und nicht praxisbezogen zu sein.

Aus meiner Perspektive stimmt dieses Vorurteil überhaupt nicht. Denn wenn einem Jura Spaß macht, kommt es einem nicht trocken vor, sondern begeistert. Auch für den Praxisbezug gibt es immer mehr Angebote von Unis, diesen herzustellen. So zum Beispiel durch Moot Courts.

Was ist ein Moot Court?

Ein Moot Court ist ein Wettbewerb zwischen Universitäten, bei denen eine Gerichtsverhandlung simuliert werden soll. Ich selbst habe an einem Moot Court für Strafrecht teilgenommen. Dieser war so aufgebaut, dass jede Uni zwei StaatsanwältInnen und zwei AnwältInnen stellte, die jeweils gegen die gegnerischen Unis antraten, um einen Fall zu verhandeln.

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Nationaler Strafrechts Moot Court 2020

Von Freunden aus höheren Semestern hatte ich zuvor bereits von Moot Courts gehört und war von Anfang an von der Idee begeistert. Als dann der Aufruf kam, sich für das Greifswalder Team zu bewerben, musste ich nicht lange überlegen und habe mich, in der Hoffnung mehr über die praktische Arbeit vor Gericht zu erfahren und mit gleichgesinnten Leuten zusammenzuarbeiten, angemeldet. So kam es, dass ich am deutschlandweiten Strafrechts Moot Court 2020 teilnahm. Ursprünglich sollte dieser in Köln stattfinden. Aufgrund der aktuellen Lage musste er allerdings online abgehalten werden.

Schnell war auch das Greifswalder Team gefunden; bestehend aus fünf motivierten Studierenden aus dem dritten bis fünften Semestern. Betreut wurden wir von einem Strafrechtsprofessor und dessen Wissenschaftlichem Mitarbeiter.

Ich übernahm zusammen mit einer Freundin die Rollen der Staatsanwältinnen.

In Vorbereitung auf die Verhandlung befassten wir uns mit dem von der Uni Köln gestellten Fall, sowohl materiell- als auch prozessrechtlich. Bei der Vorbereitung bemerkten wir, dass an dem Satz „Zwei Juristen, drei Meinungen“ im Gegensatz zu dem „Jura ist trocken“ sogar einiges dran ist. Der Fall war so gestellt, dass man an vielen Stellen auf unterschiedlichste Art und Weise argumentieren konnte. Dieser Aspekt machte die Aufarbeitung besonders spannend, da StaatsanwältInnen und AnwältInnen gut lernten, gegeneinander zu argumentieren. In der weiteren Vorbereitung verfassten wir Plädoyers und probten unseren Vortrag.

Was habe ich gelernt?

Eine besondere Herausforderung war aus meiner Sicht, das Handwerkliche zu erlernen. Sprich, wie man ein Plädoyer schreibt, wie emotional oder sachlich das Auftreten vor Gericht sein sollte und auch zu erkennen, dass Staatsanwälte die neutralste Behörde sein sollten und deshalb persönliche Ansichten außen vor lassen sollten.

In einer letzen Generalprobe hielten wir unsere Plädoyers auch vor einigen Zuschauern – die uns wertvolle Tipps für unseren Auftritt gaben.

Der Wettbewerb fand schließlich im Januar 2021 statt – dank Corona musste er von 2020 ins Jahr 2021 verschoben werden. Die Jury bestand aus hochkarätigen JuristInnen, unter anderem drei Richtern des BHGs. Neben uns nahmen noch neun weitere Unis teil. Spannend war es zu sehen, wie unterschiedlich die anderen TeilnehmerInnen den Fall aufgearbeitet hatten.

Am Ende belegten wir den siebten Platz. Dies war nicht ganz die Platzierung, die wir uns erhofft hatten. Am Ende spielte es aber für mich keine so große Rolle, da die mitgenommenen Erfahrungen wesentlich überwogen.

Fazit

Ich würde jedem empfehlen, an einem Moot Court teilzunehmen.

Durch die Teilnahme habe ich noch einmal eine ganz neue Sicht auf das Fach bekommen und dadurch eine größere Motivation, mein Studium gut abzuschließen.

Ich habe nicht nur gelernt, an Probleme neu heranzugehen. Ich habe auch neue Strategien für den mündlichen Vortrag erarbeitet, welche sich in Hinsicht auf die mündliche Prüfung bestimmt als hilfreich erweisen werden.

Des weiteren ist der Moot Court eine tollte Möglichkeit, mit erfahrenen JuristInnen Kontakte zu knüpfen. Es bietet sich einem schließlich nicht oft die Gelegenheit, für RichterInnen des BGH ein Plädoyer zu halten oder mit ProfesorInnen der Uni so eng zusammen zu arbeiten.

Hätte ich die Möglichkeit, noch einmal an einem Moot Court teilzunehmen, würde ich dies sofort tun.

Wie ein juristisches Hobby dein Studium bereichert

Ich bin davon überzeugt, dass eine Aktivität neben deinem Studium, die etwas mit Jura zu tun hat, dich wirklich weiterbringen wird.

Vielleicht denkst du dir gerade: Das Studium ist doch schon zeitintensiv genug – wieso sollte ich mich noch in meiner Freizeit juristischen Themen widmen? 

Genau das habe ich mir in meinem ersten Semester auch gedacht. 

Dann habe ich bei einer “Model United Nations” Aktion teilgenommen – und seitdem kann ich mir mein Studium ohne Nebenaktivitäten nicht mehr vorstellen. Über die Jahre habe ich die verschiedensten juristischen „Hobbys“ ausprobiert – und habe folgendes dabei gelernt:

1.Neue Inhalte

Die Auswahl an juristischen Nebentätigkeiten ist groß. Je nachdem, wofür du dich interessierst und was deine Uni anbietet, kannst du dir etwas aussuchen. Klassische Angebote sind:

  • Moot Courts (simulierten Gerichtsverhandlungen)
  • Debattierclubs
  • Studentische Rechtsberatung
  • Model United Nations (simulierte Verhandlung der Vereinten Nationen)
  • Sprachkurse für JuristInnen
  • Auslandssemester
  • Mitwirkung an einer juristischen Zeitschrift
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2.Neue Leute 

Bei diesen Aktivitäten triffst du natürlich neue Leute und kommst ins Gespräch mit KommilitonInnen, die du sonst nur flüchtig aus dem Hörsaal kennst. Das ist nicht nur eine ideale Grundlage neue FreundInnen zu finden, sondern auch Leidensgenossen aus höheren Semestern, die den ein oder anderen Tipp für dich und dein Studium haben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viele der studentischen Vereine auch über ihre Veranstaltungen hinaus Kontakt pflegen und zusammen feiern gehen, Ausflüge machen, etc.

3.Neue Kontakte 

Neben den Teilnehmern an derartigen Veranstaltungen, die meistens StudentInnen sind, gibt es die LeiterInnen – und das sind nicht selten ProfessorInnen oder erfahrene AnwältInnen. Zu denen einen guten Draht zu haben, ist aus vielerlei Gründen vorteilhaft. Oft geben sie in Randbemerkungen wertvolle Tipps für Klausuren, oder Hinweise für Praktika und Nebenjobs.

4. Vorteile im Lebenslauf

Das Nebenaktivitäten bei Bewerbungen gut ankommen, habe ich inzwischen von mehreren ProfessorInnen und ArbeitgeberInnen gehört. Es ergibt ja auch Sinn: Denn ganz gute Noten haben viele Studierende – aber wer sich auch noch nach der Uni mit Jura beschäftigt zeigt, dass er/ sie Durchhaltevermögen hat und sich wirklich interessiert. Noch dazu stichst du natürlich unter anderen BewerberInnen hinaus, wenn du bereits Praxiserfahrungen sammeln konntest oder eine Fremdsprache beherrschst.

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5.Neue Erfahrungen 

Nicht zuletzt machen diese Nebenaktivitäten einfach Spaß und ermöglichen dir neue Einblicke, die du sonst vielleicht nicht bekommen hättest. Ich selbst war im Rahmen von Model United Nations in New York City, habe mir die Stadt angesehen, habe an einer Debatte mit Studierenden aus der ganzen Welt teilgenommen, war im Hauptquartier der Vereinten Nationen, – kurzum, ich hatte eine tolle Zeit.

Solche und andere eindrucksvolle Gelegenheiten gibt es für Jurastudierende vielfach, dennoch trauen sich viele nicht, sie wahrzunehmen. Dabei ist die Teilnahme oft leicht und weniger arbeitsintensiv als gedacht. Fast jede Uni in Deutschland bietet die genannten Aktivitäten für angehende JuristInnen an – alles was du tun musst, ist, zu den Kennlern-Treffen zu gehen

Das Beste an diesen Hobbys ist: Du kannst sie frei gestalten. Du kannst dir selbst überlegen, wie viel Zeit du dem Ganzen einräumst, wie intensiv du arbeitest und vor allem, was du machst.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Du erwirbst bei Nebenaktivitäten nicht nur beeindruckende Zertifikate, sondern ganz viel zusätzliches Wissen, ohne aktiv zu lernen. Das steigert die Motivation im Studium ungemein!

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag ein wenig von meiner Begeisterung teilen. Vielleicht ziehst du es ja in Erwägung, selbst an einer derartigen Aktivität teilzunehmen – zum Glück ist so etwas nie verpflichtend. Du kannst also auch in die verschiedenen Bereiche reinschnuppern und ausprobieren, ob das etwas für dich ist.

Sechs Strategien, dich wieder für Jura zu begeistern

Kennst du das: Du findest Jura eigentlich interessant, aber fühlst dich festgefahren? Du hast tagelang nicht die geringste Lust, zu lernen oder überhaupt an die Uni zu denken? Kein Problem! In diesem Beitrag möchte ich dir sechs Strategien vorstellen, mit denen du dich aus einem Motivationstief befreien kannst.

1. PhilosophIn Stell dir die eine große Frage. Frage dich „Warum?“. Warum studierst du Jura? Was hat dich damals dazu bewogen, das Studium aufzunehmen? Welche Jobaussicht motiviert dich, dein Staatsexamen zu absolvieren? Was interessiert dich an den Rechtswissenschaften? Nimm dir Zeit, die Fragen für dich genau zu beantworten und schreibe sie vielleicht in ein Notizbuch – so vergisst du dein „Warum“ nicht mehr.

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2.AbenteurerIn Plane dein nächstes Jura-Abenteuer. Buche einen Auslandsaufenthalt an einer fremden Uni, bewirb dich für ein richtig spannendes Praktikum, schicke endlich die Bewerbung für die Stelle als studentische Hilfskraft an deine/n Prof oder werde Mitglied bei der studentischen Rechtsberatung. Ganz egal was – finde etwas, das den trockenen Jurastoff mit dem Alltag verbindet. Der Motivationsschub ist vorprogrammiert!

3.Nerd Werde zum Nerd: Höre Podcasts, schau Dokumentationen oder lies Bücher mit Jurabezug und lasse dich für ein Thema begeistern. Das ist deine Chance, dich in einem Bereich schlau zu machen, der in der Uni nicht behandelt wird. Ganz automatisch wird deine Motivation steigen, wenn du den ein oder anderen Fakt kennst, der dir beim gewöhnlichen Lernen verborgen geblieben wäre.

4.Studygrammer Manchmal reicht schon eine kleine Veränderung im Außen, um wieder Spaß am Studienfach zu finden. Vielleicht lässt du dich von einem der vielen Study accounts im Netz inspirieren und richtest dir eine gemütliche Lernecke zu Hause ein. Wie wäre es, mal den Schreibtisch umzustellen, die Schubladen neu zu sortieren, den Desktop am Computer wieder aufzuräumen oder die Lernecke durch etwas Dekoration zu verschönern?

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5.TeamsportlerIn Geteiltes Leid ist halbes Leid. Widersetze dich dem Stereotyp des Einzelkämpfers im Jurastudium und gründe eine Lerngruppe. Wer anderen den Studienstoff erklären kann, lernt nicht nur effektiver, sondern hat auch viel mehr Spaß. Vielleicht hast du ja KommilitonInnen, die auch Lust hätten regelmäßig zusammen zu lernen.

6.Zen-Mönch Vielleicht brauchst du einfach eine Auszeit. Ein paar Tage weg vom Schreibtisch und ganz ohne Jura, um alles wieder auf null zu setzen. Genieße deine freie Zeit, besuche Freunde oder Familie und mache etwas, das seit langem zu kurz kommt: einen Ausflug, Filmeabend, Spa-Tag, etwas kreatives, etc…

Welcher der Motivationstypen bist du? Teile es uns gerne auf Instagram @goldwaage.jura mit.

Das erste Semester Jura – eine Bilanz

Ein Gastbeitrag von Ida Kottmann

Unsere Gastautorin Ida hat sich nach längerem Überlegen doch für ein Jurastudium entschieden – und es nicht bereut. In diesem Beitrag teilt sie Gedanken und Erfahrungen, die sie auf dem Weg bisher begleitet haben.

„Du wirst es später bereuen!“ Ein Satz, den ich vor dem Ende meiner Schulzeit zu oft gehört habe. „Deine Abiturnoten entscheiden darüber, ob du dir dein Studienfach später aussuchen kannst bzw. welche Grenzen dir gesetzt werden.“ Meiner Meinung nach ist das alles Unsinn! Es ist alles eine Frage des Wollens (außer natürlich, wenn es um Medizin geht). Auch mit einem mittelmäßigen Abitur kann man sich sein Studium aussuchen – nur vielleicht nicht den Studienort. Oft bringt aber genau das frischen Wind in deinen neuen Lebensabschnitt!

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Vorurteile rund ums Studium

Um das Fach „Jura“ rankt sich der Mythos, dass nur die Oberstreber, die ganz fleißigen Bienchen und schlauen Köpfe für dieses Studium gemacht sind. Da ist natürlich etwas dran, aber ganz so dramatisch ist es auch nicht. Was du auf jeden Fall mitbringen solltest: Freude am Schreiben. Denn am Anfang ist das Einzige, das hilft: Schreiben, schreiben, schreiben. Du musst keine Romane in deiner Freizeit verfassen, jedoch ist es ein großer Vorteil, besonders zu Beginn des Studiums, wenn du ein gutes Sprachgefühl besitzt. Strebsamkeit und Selbstvertrauen sind ebenfalls hilfreich, um sich am Anfang durchzukämpfen; aber man lernt schnell dazu. Die Stoffmenge, die es zu lernen gibt, sollte nicht klein geredet werden. Ja, es ist viel, aber der Weg ist das Ziel! Man findet sich zurecht und lernt nette Leute kennen, denen es genauso geht. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Meiner Erfahrung nach bekommt man vor der Wahl seines Studiums mehr Gründe zu hören, sich nicht für Jura zu entscheiden, als unterstützende, aufmunternde Worte. Die Menschen um einen herum machen dies nicht mit Absicht, doch der Respekt vor dieser „trockenen Wissenschaft“ ist einfach sehr groß.

Aber: Jedes Jahr gibt es mehr als 15.000 Studienanfänger für das Fach Rechtswissenschaften. Warum solltest du nicht 1 von 15.000 in diesem Jahr sein? Wenn du die Motivation dafür in dir hast, gib dem ganzen eine Chance! Nichts ist in Stein gemeißelt und meistens weiß man selber am besten, was für einen gut ist. Und noch ein kleiner Tipp: Lass dich nicht davon einschüchtern, wenn jemand aus der älteren Generation behauptet, man bräuchte ein Latinum für ein erfolgreiches Studium. Jeder erfahrene Jurastudierende, den ich bis jetzt dazu befragt habe, hat darüber nur herzlich lachen können.

Solltest du Jura studieren? So findest du es heraus

Ist Jura das richtige Studienfach für dich? Wir haben in diesem Post allerhand Möglichkeiten zusammengetragen, anhand derer du das herausfinden kannst.

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Selbsttests 

Viele Universitäten bieten online Tests an, anhand derer du abgleichen kannst, ob deine Vorstellung von einem Jurastudium mit der Realität übereinstimmt. Diese Angebote sind im kostenlos und enthalten Informationen zum Aufbau und Ablauf des Studiums, Anschauungsstundenpläne und Beispiele für die juristische Arbeitsweise. Ich selbst habe vor meinem Studium mehrere solcher Tests gemacht und fand sie wirklich gut, um ein Bild vom Studiengang zu bekommen. Hier findest du:

Vorlesungen

Hilfreich ist es auch, sich einmal eine Vorlesung anzuhören. Normalerweise ist es möglich, sich einfach in einen Hörsaal hineinzusetzen. Während der Pandemie finden jedoch die Vorlesungen online statt. Zum Glück gibt es im Internet einige Aufzeichnungen, die ebenfalls ein gutes Bild vermitteln. Es ist durchaus sinnvoll, sich mal einige Minuten davon anzuhören – nur mach dir keine Sorgen, falls der Stoff für dich anfangs nicht super einleuchtend erscheint. Richtig lernen, sollst du ja erst ab dem ersten Semester.

YouTube

Dank YouTube kannst du dir auch von erfahrenen Juristen erklären lassen, warum sie Jura studiert haben und was für sie der Schlüssel zu einem erfolgreichen Studium war.

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Werde dir deiner Motivation klar

Du kannst dich zwar im Voraus schon viel informieren – aber das Jurastudium ist laaang. Mit großer Wahrscheinlichkeit wirst du an einen Punkt stoßen, an dem du mal an deiner Studienwahl zweifelst. Deshalb ist es gut, dich schon früh zu fragen, was dich antreibt? Hier ein paar Fragen, die du dir selbst stellen kannst:

-Warum ausgerechnet Jura? Wird es in deiner Familie von dir erwartet? Machst du es wegen der Jobaussichten? Aus politischem Interesse? Gibt es andere Studienfächer die dich auch, bzw. mehr interessieren? (Keine der Antworten ist gut oder schlecht – du solltest dir nur im Klaren darüber sein)

-Wie stellst du dir deinen Studienalltag vor? Bist du bereit in den Semesterferien Praktika zu absolvieren und Hausarbeiten zu schreiben? Kannst du mit der oft sehr strengen Bewertung von Prüfungen leben?

-Bist du bereit, dich einzuarbeiten? Gehst du gerne mit Sprache um? Bist du bereit, dich intensiv in neue Themen einzulesen und lange Texte im Gutachtenstil zu schreiben?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Sich im Voraus schlau machen ist sinnvoll. Aber kein Testergebnis, kein Reinschnuppern in eine Vorlesung kann ein echtes Jurastudium simulieren. Ich habe eine Freundin, die sich seit Kindheitstagen sicher war: Sie wird Juristin. In allen Tests der Berufsberatung waren ihre Ergebnisse überragend. Wir waren uns sicher, dass Jura genau ihr Ding ist. Nach zwei Semestern an der Uni hat sie abgebrochen – es hat ihr einfach nicht gefallen. Jetzt studiert sie etwas anderes und ist sehr glücklich.

Bei mir war es genau andersherum. Viele in meinem Bekanntenkreis schlugen mir nach dem Abi vor: Mach doch Jura. Und mein Standardspruch war „Ich studiere alles außer Medizin, BWL und Rechtswissenschaften.“ Tja- nach zwei Semestern Sprachstudium gestand ich mir dann ein: Ich will doch Jura studieren. Eigentlich schon die ganze Zeit. Ich habe mich schließlich für Rechtswissenschaften an meiner Uni eingeschrieben und es seither keine Sekunde bereut.

Was ich damit sagen will ist: Mach dich im Voraus nicht verrückt. Wenn du Lust hast, Jura zu studieren, probiere es aus. Du kannst daraus so oder so nur lernen.

Mehr zu dem Thema: Das erste Semester Jura: Das erwartet dich

Wie ist das Jurastudium aufgebaut?

Du hast dich schon immer gefragt, warum das Jurastudium so lang ist? Das wollen wir dir in diesem Beitrag, anhand des genauen Aufbau des Studiums, erklären. 

Vorweg muss angemerkt werden: Die Ausbildung unterscheidet sich teilweise stark von Bundesland zu Bundesland. Das betrifft nicht nur die Fächer, sondern auch den Ablauf des Studiums. Wir möchten dir hier die Grundbausteine, aus denen das Studium besteht, erläutern. Falls du genaue Angaben suchst, wirf mal einen Blick in die JAPO (Juristenausbildungs- und Prüfungsordnung) deines Bundeslandes. Dort steht alles im Detail. 

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Die ersten Semester an der Uni  Wie jeder Studiengang beginnt auch das Jurastudium mit Semestern an der Uni. In Vorlesungen und kleineren Unterrichtseinheiten lernst du die Grundlagen der deutschen Rechtswissenschaft. In einigen deiner Semesterferien musst du zudem Pflichtpraktika absolvieren. 

Die Zwischenprüfung  Nach einigen Semestern (an den meisten Unis ab dem vierten Semester) trittst du deine Zwischenprüfung an. Dafür musst du Klausuren und Hausarbeiten in den Grundlagenfächern bestehen. Der Zeitraum, diese Prüfungen abzulegen, ist oftmals begrenzt. Wenn du die Prüfung bestanden hast, geht dein Studium mit den Vorlesungen für Fortgeschrittene weiter. 

Der Schwerpunkt  Ab ca. dem fünften Semester kannst du beginnen, Vorlesungen zu einem Schwerpunkt deiner Wahl zu hören und Prüfungen zu schreiben. Jede Uni bietet verschiedene Schwerpunkte an, dazu gehören beispielsweise Kriminologie, Europarecht oder Medienrecht. Einige Studierende wechseln extra für ihren Schwerpunkt noch einmal die Uni. Andere entscheiden sich, den Schwerpunktbereich nach dem ersten Staatsexamen zu absolvieren. 

Das Repetitorium  Wenn du alle Grundlagen- und Fortgeschrittenenübungen bestanden hast, kannst du mit der intensiven Vorbereitung auf das Examen beginnen. Viele Studierende besuchen hierfür ein sogenanntes Repetitorium, bei dem sie den Examensstoff wiederholen, Probeklausuren schreiben und sehr viel lernen. Die meisten Studierenden bereiten sich sechs bis 18 Monate auf die Examina vor. 

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Der Freischuss  Wenn du schnell genug mit dem Studium fertig bist, kannst du den sogenannten “Freischuss” antreten. Dabei handelt es sich um einen zusätzlichen Examensversuch. Im Regelfall hat jeder Studierende zwei Versuche, mit dem Freischuss jedoch einen Versuch mehr. Falls du diesen nicht bestehen solltest, kannst du deine weiteren zwei Versuche noch antreten, ohne dass dem ersten Versuch weitere Beachtung geschenkt wird. In vielen Bundesländern muss der Freischuss bis zum zehnten Semester geschrieben werden. Jedoch werden Auslandsaufenthalte davon abgezogen und Engagement, wie Arbeit beim Fachschaftsrat, Teilnahmen am Mootcourt u.ä. werden mit einem Extrasemester vergütet. 

Das erste Staatsexamen  Dann ist es soweit. Das erste Examen steht an. Dieses setzt sich aus sechs bis sieben schriftlichen Klausuren und einer mündlichen Prüfung zusammen. Wenn du es bestanden hast, kannst du den praktischen Teil der Juraausbildung beginnen. 

Das Referendariat  Im Referendariat beginnst du nun endlich, als Jurist zu arbeiten – und wirst dafür auch bezahlt. Das Referendariat erstreckt sich über zwei Jahre, die du an verschiedenen Stationen (in der Regel Zivilrecht-, Strafrecht-, Verwaltungsrecht und Wahlstation) verbringst. 

Das zweite Staatsexamen  Um VolljuristIn zu werden und als AnwältIn, RichterIn oder StaatsanwältIn zu arbeiten, musst du auch noch ein zweites Staatsexamen absolvieren. Dieses besteht ebenfalls aus sieben Klausuren und einer mündlichen Prüfung. Danach hast du es (endlich) geschafft und bist Volljurist. 

Du siehst – nicht nur der Aufbau, sondern auch die Länge des Studiums kann stark variieren. Du selbst kannst auch Einfluss darauf nehmen und entscheiden, so schnell wie möglich alle Prüfungen zu absolvieren und dich ins Berufsleben zu stürzen – oder dir Zeit zu lassen, eventuell einen Auslandsaufenthalt oder andere Aktivitäten in dein Studium einzubauen und die Studienzeit dadurch verlängern.

Das erste Semester Jura: Das erwartet dich

Du hast dich bei einer Uni für den Studiengang „Rechtswissenschaften“ eingeschrieben, aber weißt gar nicht genau, was jetzt auf dich zukommt? Kein Problem! In diesem Beitrag erklären wir es dir, anhand der wichtigsten Bausteile, aus denen sich das Studium zusammensetzt.

Vorlesungen Ganz klassisch besteht das Jurastudium zu einem Großteil aus Vorlesungen. Im ersten Semester wirst du dir wahrscheinlich einen Überblick über die drei Rechtsgebiete Strafrecht, Privatrecht und Öffentliches Recht verschaffen und lernen mit den vorerst wichtigsten Gesetzen (dem StGB, dem BGB und dem Grundgesetz) umzugehen. Zusätzlich besuchst du im ersten Semester sogenannte Grundlagenvorlesungen zu Fächern wie Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte oder Recht und Wirtschaft. 

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AG/ Seminare/ VKs Diese Begriffe meinen dasselbe, werden nur von Uni zu Uni verschieden angewandt. Eine AG erinnert ein wenig an den Unterricht in der Schule. Zusammen mit einer Lehrperson geht ihr hier in einer kleineren Gruppe Fälle durch und wendet den theoretischen Stoff aus den Vorlesungen an. An einigen Unis ist die Anwesenheit in solchen Veranstaltungen Pflicht. 

Fälle In den AGs oder VKs wirst du das, was du in der Vorlesung an Theorie gelernt hast, an Fällen üben. Hierbei sollst du lernen, den Gutachtenstil richtig anzuwenden und dein Wissen praktisch umsetzen. 

Ein Fall im Privatrecht kann zum Beispiel so aussehen:  Person A sieht in einem Schaufenster ein Handy liegen. Auf einem kleinen Schild darunter steht „Handy: Kaufpreis 400 Euro“. A betritt den Laden und möchte von B, dem Verkäufer, das Handy kaufen. Dieser weigert sich jedoch und sagt, das Handy sei nur zu einem Preis von 500 Euro erhältlich. Hat A Ansprüche gegen den B?

Hausarbeit Im Regelfall schreibst du bereits nach dem ersten Semester, in deiner vorlesungsfreien Zeit, deine erste Hausarbeit. Die Hausarbeit ist ein Aufsatz, bei dem du auf 15-25 Seiten (je nach Semester und Uni) einen juristischen Fall löst. Dabei sollst du beweisen, dass du die Grundlagen des Gutachtenstils drauf hast und mit juristischer Literatur arbeiten kannst. 

Klausuren Neben einer Hausarbeit schreibst du im Regelfall bereits am Ende des ersten Semesters eine Klausur in einem der Grundlagenfächer (z.B. Rechtsphilosophie). Je nach Uni, wird möglicherweise auch von dir erwartet, eine Klausur in einem der Rechtsgebiete zu schreiben. An vielen Universitäten folgt dies aber erst im zweiten Semester.  

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Musterstudienplan Sehr hilfreich, um dir einen Überblick zu verschaffen, sind sogenannte Musterstudienpläne. Diese findest du auf der Website deiner Fakultät. Hier wird genau aufgeschlüsselt, welche Kurse du in welchem Semester belegen kannst, um in der Regelstudienzeit dein Studium zu absolvieren. Es lohnt sich besonders in den ersten Semestern daran zu halten – es ist allerdings nicht verpflichtend. 

Andere Notengebung Vielleicht hast du schon davon gehört: Die Notenskala im Jurastudium ist gänzlich anders als die im Bachelor-System. Die Skala reicht von 0 bis 18 Punkten. Mit vier Punkten ist eine Prüfung bestanden, ab neun Punkten spricht man von einem “Prädikat”, was für viele Studierende das Äquivalent zu einer richtig guten Note ist – denn 18 oder auch nur über 10 Punkte zu erreichen, ist wirklich schwer und definitiv nicht der Durchschnitt. 

Was musst du vor dem Jurastudium tun? Gar nichts! Du kannst dir Vorlesungen oder Jurapodcasts online anhören und dir ein Bild davon verschaffen, ob das etwas für dich ist. Du kannst dir überlegen, was deine Motivation ist und was du machst, falls es dir doch nicht gefällt. Aber mach dich nicht verrückt. Alle fangen im ersten Semester bei Null an und du gehst zur Uni, um dort zu lernen – nicht, weil du schon so viel Verständnis von den Rechtswissenschaften hast. 

Keine Sorge, das hört sich zuerst viel auf einmal an – aber wir versprechen, es bleibt bei alledem noch genug Zeit, neue Freunde zu finden, Spaß außerhalb der Uni zu haben und sich langsam an die neuen Studienfächer heranzutasten.

Neun Empfehlungen Jura zu lernen, ohne zu lernen

Du willst dich neben deinem Studium noch über juristische Themen auf dem Laufenden halten? In diesem Post stellen wir dir neun Möglichkeiten vor, bei denen du etwas lernst, ohne an den Schreibtisch gefesselt zu sein. 

I. Jura zum Hören

Sprechen wir über Mord?!

In Sprechen wir über Mord von SWR2 bespricht Journalist Holger Schmidt, zusammen mit Prof. Thomas Fischer – ganz genau, der ehemalige Richter am BGH – Kriminalfälle aus Deutschland. Das Tolle: Hier trifft sorgfältige Recherche auf eine juristische Expertenmeinung. Thomas Fischer erklärt sehr verständlich komplexe strafrechtliche Themen und gewährt spannende Einblicke in den Richteralltag.

Kurzerklärt

Was passiert, wenn ein Jurastudent und Wirtschaftsstudent einen Podcast aufnehmen? Genau das haben sich wohl auch Basti und Kourosh gefragt – heraus kam Kurzerklärt. Ein Podcast, in dem die beiden sehr konkrete Studieninhalte erklären, spannende Interviews führen und auch mal über eigene Prüfungserfahrungen quatschen. Dadurch, dass die beiden verschiedene Fächer studiert haben, ist der Podcast besonders interessant – denn so sind die beiden gezwungen, dem Gegenüber abstrakte Themen möglichst einfach zu erklären, was das Hören nicht nur einfach, sondern wirklich unterhaltsam macht. 

#Fußnote

Prof. Martien Fries, der derzeit in München lehrt und Anwalt Dr. Dominik Herzog beantworten in #Fußnote Fragen rund ums Studium. Dabei schaffen es die beiden, ihre Begeisterung für die Rechtswissenschaften zu teilen, wichtige Tipps zu geben – und das ganze auch noch ziemlich humorvoll. Am Ende jeder Folge stellt Prof. Martin Fries außerdem zwei aktuelle Gerichtsentscheidungen aus dem Zivilrecht vor, sodass man auch fachlich etwas für sich mitnehmen kann. 

FAZ Einspruch

Die Redakteure Constantin van Lijnden und Corinna Budras haben beide selbst Jura studiert und sprechen im wöchentlichen Podcast FAZ Einspruch über aktuellste Gerichtsentscheidungen. In regelmäßigen Abständen laden sie Interview-Gäste ein und befragen hochrangige Juristen zu viel-diskutierten Themen.

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II. Jura zum Lesen

Legal Tribune Online (LTO)

LTO ist ein Online-Magazin, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, über aktuelle politische und juristische Nachrichten Bericht zu erstatten. Zudem findest du hier regelmäßig Beiträge zu Karriere, Beruf und Jurastudium

FAZ Einspruch

Neben dem Podcast gibt es FAZ Einspruch auch noch als Print, beziehungsweise Online-Medium. Auch hier gibt es aktuelle Berichterstattung rund um die Justiz, sowie Beiträge zu Beruf und Ausbildung. 

Jurios 

Du suchst nach ein wenig Abwechslung zwischen den ernsten Jura-Nachrichten? Dann schau mal auf der Website von JURios vorbei. JURios ist ein Online-Magazin, dass über kuriose, skurrile und brisante Meldungen aus der Justiz berichtet. Wusstest du zum Beispiel, dass einem Mieter das Mietverhältnis fristlos gekündigt werden kann, wenn er in Verdacht steht, den Vermieter getötet zu haben? Wir wissen es jetzt – dank JURios.

Newsletter des BGH und BVerfG 

Wenn du Informationen aus erster Hand suchst, kannst du auch die Newsletter des BGH oder des BVerfG abonnieren, um immer die aktuellsten Pressemitteilungen direkt per E-Mail zu erhalten. 

The Hip-Hop-Law Journal

Hiphop und Jura zusammen? Das geht, beweisen die Blogger von The Hip-Hop-Law-Journal. Auf ihrem Blog berichten sie von Nachrichten aus der Rap und Jura-Welt und greifen dabei zB Themen wie den Strafprozess des Rappers Bushido auf. Besonderes Highlight: Auf ihrem Instagram Kanal teilen sie regelmäßig Eselsbrücken, die juristische Streitstände durch Songtexte erklären.

Du suchst nach Literatur, die mit Jura zu tun hat? Du willst Klassiker lesen, die keine Lehrbücher sind? Dann schau mal in unserer Rubrik Legal Bookclub vorbei.

Legal Bookclub: Was ist Gerechtigkeit?

Ein Aufsatz von Hans Kelsen

Nachdem ungefähr vier Profs wiederholt auf diesen Aufsatz verwiesen haben („Das müssen Sie gelesen haben!”) habe ich mich diesen Monat entschieden “Was ist Gerechtigkeit?”  von Hans Kelsen zu lesen. 

“Was ist Gerechtigkeit” ist ein Standardwerk, das theoretische und philosophische Antworten auf die uralte Frage nach Gerechtigkeit sucht.  

„Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist des Menschen ewige Sehnsucht nach Glück. Da er dieses Glück nicht als isoliertes Individuum finden kann, sucht er es in der Gesellschaft.“

Hans Kelsen

Kelsen, der als einer der bedeutendsten Rechtstheoretiker des vergangenen Jahrhunderts gilt, macht darin einen Querschlag durch verschiedene Philosophien und Weltanschauungen und erklärt, wie diese Gerechtigkeit definieren. 

Besonders auf den letzten Seiten nimmt Kelsen Fahrt auf und kommt zu seinem eigenen Fazit: Er selbst kenne keine ultimative Antwort auf die große Frage – aber eine Annäherung. Diese läge immer in der Toleranz. 

Ich kann das Lesen des Aufsatzes wirklich empfehlen. Ich bin selbst oft gehemmt, theoretische Bücher oder “schwere Kost” zu lesen – aber genau das ist der Aufsatz nicht. Kelsen schafft es, große Gedanken verständlich wiederzugeben, und das auf weniger als 100 Seiten. 

Eine Ausgabe des Aufsatzes gibt es im Reclam Verlag für 4,80€. (Keine Werbung)

Der größte Trugschluss im Studium

Oder: Wie Druck deine Leistung killt

Wir glauben an einen Trugschluss. Viele von uns so sehr, dass sie lieber im Burn-Out enden würden, als ihn zu hinterfragen. Der Gedankengang, von dem ich spreche, lässt sich in eine einfache Formel herunterbrechen: Mehr Stress/Druck = bessere Leistung.

Dass diese Rechnung nicht unbedingt aufgeht, habe ich, wie viele andere, schon selbst erfahren – und ertappe mich dennoch immer wieder dabei, selbst unglaublichen Druck auf mich auszuüben.

Jeder von uns kennt Sätze wie: “Ich kann nur unter Stress gut arbeiten.” 

Tatsächlich gibt es viele wissenschaftliche Studien, die den Zusammenhang von zu viel Druck und schlechten Leistungen beweisen. Eine davon hat meine Einstellung zu Leistungsdruck extrem verändert. 

Es handelt sich dabei um das Yerkes-Dodson-Gesetz. (Einen sehr ausführlichen Beitrag dazu habe ich beim Blog Motiviert Studiert gefunden). Vereinfacht gesagt, haben die Forscher entdeckt, dass Leistung mit zunehmendem Druck nicht immer besser wird, sondern ab einem bestimmten Punkt stetig wieder abnimmt. Die Idee ”Mehr Stress = mehr Leistung” ist also nur bis zu einem bestimmten Punkt wahr – ab dann bewirkt mehr Druck genau das Gegenteil: Nämlich weniger Leistung.

Unsere Aufgabe ist es also, die richtige Balance zu finden. Ein Mindset, das uns gerade so viel stresst, dass es uns anspornt, aber niemals zur Überforderung führt. 

Bei mir persönlich löst der Gedanke an eine Klausur noch keinen Stress aus. Erst wenn ich anfange, extreme Maßstäbe an mich zu setzen (“Das muss ein Prädikat werden”…), entsteht bei mir übermäßiger Druck. Ich weiß also, wie ich das umgehen kann: Statt meinen Fokus auf die Endnote zu setzen, probiere ich mich bestmöglich vorzubereiten. Sodass ich weiß, dass ich alles verstanden haben. Das gibt eine unheimliche Ruhe. Umgekehrt spornt es mich an, zu wissen, dass bald eine Klausur vor der Tür steht. Es motiviert mich, zu lernen und am Ball zu bleiben – ohne jedoch starken Druck auf mich auszuüben.

Falls du also merkst, dass du bereits an einem Punkt bist, an dem der Druck dich nicht mehr anspornt, sondern lähmt, unternimm etwas dagegen! Gönne dir eine Pause, hinterfrage die Ursachen für deinen Druck, mache etwas, das dir Spaß macht – bis du das Gefühl hast, dass der Druck sinkt.