Legal Bookclub: Elemente einer Theorie der Menschenrechte

Ein Aufsatz von Amartya Sen

Ein theoretisches Konzept für Menschenrechte entwickeln – das ist das Ziel, das der Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen in seinem Aufsatz anstrebt.

Sen sieht Menschenrechte als moralische Forderungen nach bestimmten, grundsätzlichen Freiheiten. Seinen Ansatz begründet Sen auch durch Bezugnahme auf andere Philosophen wie Adam Smith, John Rawls, Karl Marx und vielen andere.

„Eine Theorie der Menschenrechte lässt sich vernünftigerweise nicht auf das juristische Modell beschränken, in das es oft gepresst wird“

Amartya Sen

Sens Text ist dank seiner wissenschaftlichen Tiefe keine leichte Lektüre – aber dennoch sehr lesenswert. Der Autor regt zu einem rationalen bzw. „vernünftigen öffentlichen“ Diskurs an. Er ermutigt die Lesenden, möglichst objektiv über Menschenrechte nachzudenken und angesichts der globalen Herausforderungen weder zu resignieren, noch sich für alles verantwortlich zu fühlen.

Für seine Forschung wurde Sen 1998 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

Legal Bookclub: Der Prozess

Ein Roman von Franz Kafka (Unbezahlte Werbung)

Im August stellen wir euch Kafkas „Der Prozess“ für den Legal Bookclub vor. 

Der Bankangestellte Josef K. wird eines Morgens von Wächtern in seinem Haus geweckt, die ihm verkünden, dass er von nun an verhaftet sei und ein Strafprozess gegen ihn laufen würde. K. versucht daraufhin angestrengt, herauszufinden, auf welcher Grundlage er verhaftet wurde und wie er einer Verurteilung entkommen kann. Trotz seiner Verhaftung bleibt K. auf freiem Fuß und erlebt allerlei sonderbare Momente auf dem Weg zur Wahrheitsfindung. 

Dieser Roman ist anders als die bisher von uns vorgestellten, da er sich gewissermaßen in einer Parallelwelt abspielt, die LeserInnen sowohl verwirrt als auch nachdenklich stimmt.

Oft bleibt das Gefühl zurück, dass Kafka mehr Fragen aufwirft, als er beantworten kann. Sein Roman lebt von dem Unausgesprochenen und dem Mysterium, das Kafka hinterlässt.

Faszinierend fand ich die sprachliche und kulturelle Reise in die Vergangenheit, auf die man sich beim Lesen dieses mehr als einhundert Jahre alten Buches begibt. „Der Prozess“ lebt von der Interpretation jeder lesenden Person – ob man das Werk als Gesellschaftskritik oder als ein sehr persönlich, fast schon autobiografisch angelehntes Werk Kafkas verstehen möchte. 

„Das Gericht will nichts von dir. Es nimmt dich auf, wenn du kommst, und es entlässt dich, wenn du gehst.“

Zitat aus „Der Prozess“, Kapitel 9

Legal Bookclub: Der Richter und sein Henker

Ein Kriminalroman von Friedrich Dürrenmatt [Unbezahlte Werbung]

Die Geschichte spielt, anders als der Titel vermuten lässt, nicht in einem Gerichtssaal, sondern rund um ein Polizeirevier in Bern in der Schweiz.

Als dort ein junger Polizist tot aufgefunden wird, macht sich der Kriminalkommissar Bärlach auf die Suche nach dem Täter, zusammen mit seinem Kollegen Tschanz.

Die Geschichte nimmt eine unvorhergesehene Wendung, als die beiden auf einen Geschäftsmann namens Gastmann stoßen, denn viele Spuren deuten auf ihn als Täter hin. Doch nichts ist so eindeutig in “Der Richter und sein Henker”, wie es auf den ersten Blick scheint und die Trennlinie zwischen Tätern und Opfern wird immer unschärfer.

Dürrenmatt behandelt in dieser kurzen Geschichte mit seinem prägnanten und manchmal fast minimalistischen Stil verschiedenste Themen. Neben der Jagd nach Verbrechern geht es um alte Rivalitäten, Krankheit und Selbstjustiz.

„Dann waren Sie der Richter, und ich der Henker“, keuchte der andere.

„Es ist so“, sagte der Alte.

„Und ich, der ich nur Ihren Willen ausführte, ob ich wollte oder nicht, bin nun ein Verbrecher, ein Mensch, den man jagen wird!“

Friedrich Dürrenmatt in „Der Richter und sein Henker“

Ich persönlich habe mich etwas von dem Titel des Buchs leiten lassen und mit einer weitaus Jura-lastigeren Geschichte gerechnet. Dennoch hat mich die kurze Erzählung zum Nachdenken gebracht: Geht es bei Bestrafungen von Verbrechern um den Schutz der Bevölkerung, oder vielmehr um das eigene, sehr subjektive Gefühl von Gerechtigkeit?!  

Legal Bookclub: Jeder Mensch

Ein Buch von Ferdinand von Schirach [unbezahlte Werbung]

Für den Monat Juni habe ich mich dafür entschieden, das erst im April 2021 erschienene Büchlein „Jeder Mensch“ von Ferdinand von Schirach zu lesen.

Es beginnt zunächst mit einer historischen Einführung in die Menschenrechte und erläutert deren Ursprünge anhand der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und wichtiger Protagonisten dieser Zeit wie z.B. Thomas Jefferson, Benjamin Franklin und Marie-Joseph Motier, Marquis de Lafayette.

Nach der geschichtlichen Einordnung folgen die sechs Artikel: Sechs Grundrechte, um die von Schirach die Charta der Grundrechte der Europäischen Union erweitern möchte.

[Sechs neue] Grundrechte, die einfach sind, naiv und Ihnen utopisch erscheinen mögen. Aber genau darin könnte ihre Kraft liegen.

Ferdinand von Schirach

Der Autor ist der Meinung, dass unser Grundgesetz den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft nicht gerecht wird und somit einiger Ergänzungen bedarf. Regelungen zu Bereichen wie Globalisierung oder Künstliche Intelligenz seien nicht hinreichend bestimmt vom Grundgesetz abgedeckt, obwohl sie doch so wichtig für unsere sich ständig weiterentwickelnde Gesellschaft sind.

Von Schirach bietet auch Nicht-JuristInnen eine ganz neue – juristische -Perspektive auf die Fragen, die wir uns bereits seit Jahren stellen und auf deren Antworten wir gespannt warten. Wie wird in Zukunft mit unserer digitalen Selbstbestimmung verfahren? Wie weit darf Künstliche Intelligenz gehen? Wie lange kann die zur Ermöglichung westlichen Luxus‘ erfolgende Ausbeutung von Menschen und unserer Umwelt noch erfolgen?

Am Ende des Buches befindet sich ein QR-Code, über den man für diesen neuen Entwurf von Grundrechten in Form einer Petition unterschreiben kann. Ich habe es bereits getan.

Legal Bookclub: Der Vorleser

Ein Roman von Bernhard Schlink [unbezahlte Werbung]

Diesen Monat habe ich ein etwas anderes Buch für den Legal Bookclub gelesen. „Der Vorleser“ beginnt zunächst mit einer verbotenen Liebe, entpuppt sich jedoch rasch als ernstes Werk, das sich auch mit den Schicksalen der Opfer und Täter des Nationalsozialismus auseinandersetzt.

Der Autor Bernhard Schlink analysiert als ehemaliger Richter und Professor für Öffentliches Recht, aber vor allem als sehr genauer Beobachter, einen NS-Prozess mit seinen emotionalen und juristischen Facetten.

„Daß einige wenige verurteilt und bestraft und daß wir, die nachfolgende Generation, in Entsetzen, Scham und Schuld verstummen würden – das sollte es sein?“

Bernhard Schlink über die Erinnerungskultur und den Generationenkonflikt
Eine Geschichte über Liebe, Schuld, Verantwortung und Gerechtigkeit

Am meisten fasziniert hat mich die ungewöhnlich tiefe und unerschütterliche Liebe des Protagonisten zu seiner Partnerin. Eine Verbindung, die sich keiner Zeit, keinem Ort und keiner Lebenslage beugt.

Insgesamt ist der Roman keine leichte Lektüre, aber eine, die zum Nachdenken anregt, an Verdrängtes erinnert und an Bestehendem zweifeln lässt.

„SA

Legal Bookclub: Was ist Gerechtigkeit?

Ein Aufsatz von Hans Kelsen [unbezahlte Werbung]

Nachdem ungefähr vier Profs wiederholt auf diesen Aufsatz verwiesen haben („Das müssen Sie gelesen haben!”) habe ich mich diesen Monat entschieden “Was ist Gerechtigkeit?”  von Hans Kelsen zu lesen. 

“Was ist Gerechtigkeit” ist ein Standardwerk, das theoretische und philosophische Antworten auf die uralte Frage nach Gerechtigkeit sucht.  

„Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist des Menschen ewige Sehnsucht nach Glück. Da er dieses Glück nicht als isoliertes Individuum finden kann, sucht er es in der Gesellschaft.“

Hans Kelsen

Kelsen, der als einer der bedeutendsten Rechtstheoretiker des vergangenen Jahrhunderts gilt, macht darin einen Querschlag durch verschiedene Philosophien und Weltanschauungen und erklärt, wie diese Gerechtigkeit definieren. 

Besonders auf den letzten Seiten nimmt Kelsen Fahrt auf und kommt zu seinem eigenen Fazit: Er selbst kenne keine ultimative Antwort auf die große Frage – aber eine Annäherung. Diese läge immer in der Toleranz. 

Ich kann das Lesen des Aufsatzes wirklich empfehlen. Ich bin selbst oft gehemmt, theoretische Bücher oder “schwere Kost” zu lesen – aber genau das ist der Aufsatz nicht. Kelsen schafft es, große Gedanken verständlich wiederzugeben, und das auf weniger als 100 Seiten. 

Eine Ausgabe des Aufsatzes gibt es im Reclam Verlag für 4,80€. (Keine Werbung)

Legal Bookclub: Der Fall Collini

Ein Roman von Ferdinand von Schirach [unbezahlte Werbung]

“Der Fall Collini” zieht einen schnell in seinen Bann. Der Protagonist,Caspar Leinen, ein junger Anwalt aus Berlin, übernimmt ein Mandat und ahnt noch gar nicht, welche Abgründe sich in dessen Verlauf auftun werden.

Sein Mandant, Fabrizio Collini, schein vollkommen willkürliche einen alten Geschäftsmann ermordet zu haben. Der Anwalt und die Staatsanwaltschaft können sich aus den Beweggründen für die Tat keinen Reim machen, bis Leinen seine Recherche beginnt. Dabei stößt er auf die dramatische Vergangenheit seines Mandanten, die seine Tat in einem ganz anderen Licht dastehen lassen, 

“Jahrelang hatte er seinen Professoren zugehört, er hatte Gesetze und ihr Auslegung gelernt, er hatte versucht, den Strafprozess zu begreifen – aber erst heute, erst bei seinem eigenen Antrag begriff er, dass es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes ging: den geschundenen Menschen” 

Ferdinand von Schirach in „Der Fall Collini“

Das Buch streift nicht nur dramatische Entwicklungen der deutschen (bzw. nationalsozialistischen) Rechtsgeschichte, sondern thematisiert auch auf unaufdringliche Weise den Verlauf eines Strafprozess. Von Schirachs Schreibstil ist schlicht und markant. Der Autor schafft es, komplette strafrechtliche Themen in eine packende Geschichte zu bauen. 

Ferdinand von Schirachs Bücher gehören wohl zu den Klassikern der Romane mit Jurabezug – und das zu Recht. Das Buch ist lesenswert und definitiv nicht nur spannend für Jurastudierende. 2019 erschien die Verfilmung des Buches mit Elyas M’Barek in der Hauptrolle.

„Der Fall Collini“ erscheint im btb-Verlag und kostet 10,00 Euro.

Legal Bookclub: Stress yourself (law)less

Ein E-Book von Felicitas Famulla [unbezahlte Werbung]

In Ihrem E-Book “Stress yourself (law)less” plaudert die Rechtsreferendarin Felicitas aus dem Nähkästchen und erklärt, wie Stress und Ängste im Studium und der Examensvorbereitung verringert werden können.

Felicitas gibt in dem E-Book nicht nur Tipps, sondern regt in Form von Aufgaben dazu an, diese direkt umzusetzen. Vor allem erzählt sie aber von ihren Erfahrungen und gibt ehrliche Einblicke in das oftmals nicht perfekt laufende Studium. Durch ihre eigenen Eindrücke kann sie so vor allem angehenden ExamenskandidatInnen in vielerlei Hinsicht die Angst nehmen.

„Ich wollte mein Prädikatsexamen aus mir selbst heraus (…) Nicht um anderen zu gefallen, um es meinen Eltern, Freunden oder Bekannten zu beweisen, sondern weil ich es (…) selbst wollte“

Felicitas Famulla

In dem Buch werden neben der inneren Einstellung, Zielsetzung und Planung auch gesundheitliche Themen angesprochen, wie ein gesunder Lebensstil, genügend Schlaf, Sport und mentale Gesundheit. Jedes Kapitel endet mit Aufgaben und Denkanstößen, mithilfe derer reflektiert werden kann. 

Alles in allem ist „Stress yourself (law)less“ ein kompaktes, sehr ästhetisch gestaltetes E-Book, perfekt geeignet für alle, die neue Inspiration im Studium brauchen oder ihre Stressbewältigung im Studium verbessern möchten. Felicitas schafft es, anzuregen, die eigene Jura-Life-Balance zu überdenken. Uns gefällt dabei besonders ihre Ehrlichkeit. Sie gibt zu, dass weder im Studium noch im Alltag immer alles glatt läuft und motiviert zu kleinen und größeren Veränderungen, ohne jedoch utopische Maßstäbe anzulegen.

Das Buch kann über die Plattform „digistore24.com“ zu einem Preis von 12 Euro erworben werden.

Legal Bookclub: Thinking like a lawyer

Thinking like a lawyer: A new introduction to legal reasoning“ [unbezahlte Werbung]

Ein Buch von Frederick Schauer 

Diesen Monat habe ich “Thinking like a lawyer” von Frederick Schauer gelesen- ein Klassiker unter den Büchern für Studierende in den USA. 

Der Autor beschreibt darin in zwölf Kapiteln, was denn eigentlich einen guten Juristen ausmacht und vor allem, was das juristische Denken vom “alltäglichen” unterscheidet. Dabei geht er auf US-Amerikanische Konzepte wie “Precedent”, “Analogies” und die Grundlagen der Common Law Rechtsordnung ein. Er erläutert Fälle, die das amerikanische Rechtsdenken geprägt haben und geht im Kapitel “The Challenge of Legal Realism” auch auf einige Bewegungen der amerikanischen Rechtsphilosophie ein. 

Das Buch ist in einem sehr wissenschaftlichen Stil gehalten, dennoch probiert Schauer dem Leser die Themen durch viele anschauliche Beispiele zu verdeutlichen. 

„As the world continues to throw the unexpected at us, law will find itself repeatedly forced to go outside of the existing rules in order to serve the society in which it exists.“

Fazit: Wer wie ich eine seichte Abhandlung über das juristische Denken erwartet, wird enttäuscht- vielmehr ist “Thinking like a lawyer” ein detailliertes Sachbuch. Dafür eignet es sich aber perfekt, um einen Einblick in die amerikanische Rechtsordnung und das Common Law zu bekommen. Viele der beschriebenen Grundsätze lassen sich selbstverständlich auch im deutschen Recht wiederfinden. Obwohl das Buch sehr theoretisch ist, macht es Spaß es zu lesen. 

Das Buch gibt es bisher nur auf Englisch und es kostet rund 17€. 

Kleiner Tipp: Da es ein Sachbuch ist, gibt es das Buch oft in der Uni-Bibliothek oder in den Online Datenbanken der Uni (das ist auch der Grund dafür, warum ich es auf dem Ipad gelesen habe.)