Warum „Scheitern“ im Jurastudium dazugehört

Bist du gerade zum ersten Mal durch eine Klausur oder hast Prüfungsergebnisse bekommen, die dich ganz und gar nicht glücklich machen? Dann ist dieser Beitrag für dich! Hierin erklärt dir unsere Autorin Lea, warum negative Erfahrungen zum Jurastudium dazugehören und wie du sie verarbeitest.

Im Studium hört man häufiger von denen, die mit Prädikat abschließen und scheinbar geradlinig durchs Studium gekommen sind. Deutlich seltener – und meist eher im eigenen Freundeskreis – erfährt man von denjenigen, die sich gerade so durchgekämpft haben, mit einem „4 gewinnt“ bestehen oder gar durchgefallen sind. Das sorgt für ein verzerrtes Bild und damit auch für verzerrte Erwartungen.

Photo by Ana Dolidze on

Es klingt abgedroschen, trifft aber dennoch zu: Man wächst an seinen Herausforderungen – und an seinen Niederlagen oft noch mehr. Im Jurastudium ist das nicht einfach nur ein Spruch, sondern Alltag. Klausuren und Hausarbeiten sind dazu da, dich auf das vorzubereiten, was später kommt: unvorhersehbare Fallkonstellationen, Zeitdruck und Unsicherheiten. Häufig sind es gerade die absurdesten Fälle, bei denen man denkt, sie seien frei erfunden, die es tatsächlich so oder ähnlich gab.

Die eigentliche Herausforderung liegt dann nicht darin, sofort die „richtige“ Lösung zu finden – die es bei Jura ohnehin oft nicht in dieser Eindeutigkeit gibt. Sie liegt vielmehr darin, überhaupt einen Zugang zu entwickeln. Wer schon einmal vor einer Klausur saß und schlicht keinen Ansatz hatte, kennt dieses Gefühl: Frust, Unsicherheit und das Gefühl, gescheitert zu sein. Kommt dann noch eine schlechte Woche dazu, hinterfragt man schnell mal seine gesamten Lebensentscheidungen [Been there, done that].
Doch genau solche Situationen trainieren den Umgang mit unbekanntem Terrain. Du lernst, trotz Unsicherheit strukturiert zu denken, weiterzumachen und darauf zu vertrauen, dass aus der bisherigen Studienzeit mehr hängen geblieben ist, als es sich im Moment anfühlt.

Häufig ist es doch auch so, dass man sich gerade den Stoff besonders intensiv anschaut, durch den man einmal durchgefallen ist oder für den man wenige Punkte bzw. niederschmetternde Korrekturanmerkungen bekommen hat. Und mit etwas Glück wird genau das später nochmal abgeprüft. Doch selbst wenn nicht, fällt eine einzelne schlechte Klausur oder Hausarbeit im Gesamtbild höchstens marginal ins Gewicht.

Gleichzeitig ist die Studienzeit mehr als nur eine Ansammlung von Wissen oder die Summe deiner Noten. Sie ist auch dazu da, sich auszuprobieren, Interessen zu entwickeln und weiterzuverfolgen. Die Balance zwischen Hausarbeit, Praktikum, Klausurenstress, Wiederholen, Nebenjob, Urlaub und dem Versuch, das Privatleben nicht vollständig zu vernachlässigen, fällt dabei nicht immer leicht. Im ungünstigsten Fall muss man die Hausarbeit dann in drei Tagen herunter schreiben, geht unvorbereitet in eine Klausur oder wiederholt sogar am Strand oder Pool noch Karteikarten.
Diese Entscheidungen zu treffen und rückblickend zu merken, dass du eine Priorität „falsch“ gesetzt hast und dadurch nicht die eigene Bestleistung erbracht hast, ist Teil des Studium.

Photo by Brett Jordan on Pexels.com

Das Jurastudium verläuft typischerweise nicht linear. Es ist ein persönlicher Entwicklungsprozess mit Hürden und Zweifeln. Für den einen bedeutet eine schlechte Note zu scheitern, für den anderen ein langes Studium und für den nächsten vielleicht, die Zeit außerhalb der Uni nicht ausreichend genutzt zu haben. „Scheitern“ ist relativ und bedeutet für jeden etwas anderes.

Die entscheidende Frage ist also nicht, ob du scheiterst. Sondern was du daraus machst.

Teile gern deine Erfahrungen auf Instagram @goldwaage.jura.

10 Dinge, die dir im Jurastudium niemand sagt (aber im Berufsalltag entscheidend sind)

Photo by Jeswin Thomas on Pexels.com

Du glaubst, im (gefühlt endlosen) Jurastudium alles Wichtige für den Berufsalltag als Jurist zu lernen?

Dann muss ich dich enttäuschen. Hier kommen 10 Dinge, die im späteren Berufsalltag als Jurist/in überraschend viel wichtiger sind, als es im Jurastudium den Anschein hat. Und dazu für den Alltag zweifelsohne nützlicher sind, als zu wissen viele Verträge an der Kasse geschlossen werden. 

1. Prozessrecht

Die Ausschnitte, die man für das Staatsexamen im Zivilrecht, Strafrecht oder Verwaltungsrecht lernt, sind oft oberflächlich. Ohne solide Kenntnisse des Prozessrechts bist du im Berufsalltag schnell verloren. Egal ob als Anwalt, Richterin oder Staatsanwalt. 

2. Mathe

Du hast Jura studiert, um nie wieder rechnen zu müssen? Schlechte Nachrichten: Kostenfestsetzung, Gebührenberechnung oder Buchhaltung. Mathe ist Bestandteil des juristischen Alltages. Und zwar häufiger, als man denkt. 

3. Kommunikation

Nach Jahren im Jura Studium könnte man annehmen, man kommt auch ohne große Kommunikation aus. Die Realität sieht anders aus. Egal ob Mandantengespräch, Verhandlung oder Verständigung. Kommunikation ist im Berufsalltag als Jurist oder Juristin zentral. Ohne klare Kommunikation scheitert es schnell. 

4. Selbstbewusstsein

Sehr viel häufiger, als man denkt, hat man keine Ahnung und muss trotzdem überzeugend wirken. Ob in der Sitzungsvertretung oder im Mandantengespräch. Es darf nur niemand merken. Das Auftreten ist mindestens genauso wichtig Wissen. 

5. Spontanität

Im Studium bestimmst du deinen Tagesablauf selbst. Der Berufsalltag hängt aber von unzähligen Menschen ab, denen ständig was dazwischenkommt. Flexibilität ist also Voraussetzung, um trotzdem produktiv zu sein.

6. Entscheidungen

Im Jurastudium wägt man seitenlang ab. Im juristischen Alltag musst du schnelle Entscheidungen ohne perfekte Informationslage treffen. 

7. Sicherheit

Wenn du im „echten“ Leben so lange sucht, bis eine 100% richtige juristische Lösung hast, suchst du für immer. Es gibt fast immer mehrere vertretbare Ansichten. Es zählt nicht mehr die Meinung des Professors, sondern deine (solange der BGH keine hat). 

8. Steuern und Finanzen

Im Studium spielt das Steuerrecht doch nur sehr selten eine Rolle. Im Alltag schon häufiger. Einkommenssteuer, Selbstständigkeit, Abrechnungen, über all das verliert im Jurastudium niemand ein Wort.

9. Sozialkompetenz

Das Studium bringt dir viel bei, aber garantiert keine Sozialkompetenz. Dabei arbeitest du ständig mit Menschen. Und es hilft enorm, wenn nicht alle innerlich die Augen verdrehen, sobald dein Name auf dem Display erscheint. 

10. Stress

Spaß. Stresserprobt ist man. Es heißt nicht umsonst: „das Staatsexamen ist ein Stresstest“

Das bedeutet aber auch, dass es für den Berufsalltag als Jurist nicht nur auf die Noten aus dem 1. Staatsexamen ankommt. 

Die Hoffnung besteht, also auch ohne 18 Punkte Examen mit den richtigen Fähigkeiten (hervorragende Mathekenntnissen und ausgezeichneten Sozialkompetenzen) deinen Job mehr als nur befriedigend zu erledigen. 

Welche Kompetenz fehlt deiner Meinung nach im Jurastudium? 

Für mehr Einblicke folge @Goldwaage auf Instagram.

Zwei-Klassen-Verwaltung? So (un-)fair ist die Beratung im Verwaltungsrecht

Unser Autor Robert arbeitet seit kurzem als Anwalt im Verwaltungsrecht – und wurde bei seinem Berufseinstig schnell desillusioniert. Statt klarer Rechtsanwendung stößt er auf ungenaue Normen, überlastete Behörden und die ein oder andere Ungleichbehandlung.

Idealismus trifft harte Realität

Viele Jurastudierende beginnen ihr Studium mit einem gewissen Idealismus: Dem Wunsch, „für Gerechtigkeit zu sorgen“, den Rechtsstaat in der Justiz zu stärken und insbesondere im öffentlichen Recht das Gemeinwohl durch eine gute Verwaltung zu fördern. In der Eingriffsverwaltung (der klassischen polizeilichen Verfügung etwa) entscheidet sich, wie staatliche Macht konkret ausgeübt wird.

Doch dieser Idealismus kollidiert in der Praxis häufig mit strukturellen Problemen: Überlasteten Behörden, komplexen Normgefügen und einem System, das nicht immer die gleiche Qualität für alle gewährleistet.

Überregulierung und Personalmangel – Ein strukturelles Problem

Die EU allgemein und Deutschland im Besonderen gelten als hochgradig reguliert. Zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften durchziehen nahezu jeden Lebensbereich. Vom Baurecht mit seinen kleinen Geschwistern wie Umwelt- und Denkmalschutzrecht, über Sozialleistungen bis hin zur kommunalen Gestaltungssatzung und der Kurtaxe am Strand. Diese Normendichte ist Ausdruck eines vorausschauenden Rechtsstaats. Sie führt aber gleichzeitig zu erheblicher Komplexität und Alltagssituationen, in dem Laien nicht klar ist, ob Sie sich rechtskonform verhalten.

Mehrere Studien und Berichte weisen darauf hin, dass die Verwaltung mit dieser Komplexität personell oft nicht Schritt halten kann:

  • Der Normenkontrollrat (NKR) als Beratungsgremium der Bundesregierung hat wiederholt auf eine Überlastung der Verwaltung durch Bürokratie und steigende Regelungsdichte hingewiesen.[1]
  • Laut Berichten des Deutschen Beamtenbundes (dbb) fehlen zehntausende Fachkräfte im öffentlichen Dienst, insbesondere in spezialisierten Bereichen.[2]

Die Folge: Verfahren dauern sehr lange und aufgrund der hohen Fallzahl entstehen Fehler und Missverständnisse.

In Alltagsbeispiel: Denkmalschutz beim Immobilienkauf

In der Praxis berichten etwa Erwerber alter Immobilien von langwierigen Auseinandersetzungen mit Denkmalschutzbehörden. Das Denkmalschutzrecht ist geprägt durch ein Spannungsverhältnis zwischen Eigentumsgarantie und Gemeinwohlinteresse am Kulturerhalt. Das führt zu erheblichen Unsicherheiten für Eigentümer.

Behörden verfügen über weite Ermessensspielräume, sodass Anforderungen an technisch notwendige Sanierungen oder mögliche Nutzungen oft erst im Einzelfall konkretisiert werden. Vielen Erwerbern ist oft nicht klar, welche Maßnahmen angemessen sind, obwohl diese das Bauvorhaben oft verzögern und verteuern und eine sinnvolle Nutzung alter Gebäude vermeintlich im allgemeinen Interesse zu liegen scheint. Einheitliche Maßstäbe für notwendigen Denkmalschutz fehlen häufig und sind so individuell wie die Gebäude.

Besonders problematisch ist die Frage der wirtschaftlichen Zumutbarkeit: Ob Maßnahmen finanziell tragbar sind, hängt von komplexen und teils uneinheitlichen Bewertungsmethoden ab. Für Privatpersonen entsteht dadurch ein erhebliches Risiko auf dem Weg zum Eigenheim, der schnell Existenzbedrohend werden kann.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Der Bebauungsplan

In der Bauleitplanung zeigt sich eine entsprechenden Probleme besonders deutlich beim Vergleich zwischen vorhabenbezogenen Bebauungsplänen (§ 12 BauGB) und der klassischen Bauleitplanung im Interesse der Gemeinde. Beide schaffen die Grundlage für entsprechende Bebauungen und damit Sicherheit für Bauherren und AnwohnerInnen, die bei einer festgestellten Unwirksamkeit nach § 47 VwGO auf dem Spiel steht.

Bei vorhabenbezogenen B-Plänen treten regelmäßig InvestorInnen auf, die spezialisierte Kanzleien mit der Begleitung des Vorhabens beauftragen, obwohl diese Arbeit grundsätzlich durch die Gemeinde erfolgen könnte und sollte. Diese liefern der Gemeinde nicht nur umfassende Planungsunterlagen, sondern häufig auch bereits rechtlich durchstrukturierte Abwägungsvorschläge. Die Verwaltung wird dadurch erheblich entlastet und kann auf eine fachlich wie juristisch „vorbereitete“ Entscheidungsgrundlage zurückgreifen. Ob dies immer im Interesse der Öffentlichkeit ist, bleibt offen.

Demgegenüber stehen klassische Bauleitplanungen durch die Gemeinde. Hier fehlt eine solche externe Vorarbeit. Soweit die Gemeinde sich hier nicht externer Hilfe bedient, entsteht der Plan mit den begrenzten Kapazitäten des Bauamtes, in kleineren Gemeinden häufig durch nichtjuristische Verwaltungsangestellte. Gerade in komplexen Abwägungssituationen besteht daher das Risiko, dass einzelne Belange nicht mit derselben Tiefe erfasst und gewichtet werden wie in investorengetriebenen Verfahren. Etwaige Abwägungsfehler und Unklarheiten können aber später der Grund sein, aus dem der gesamte Bebauungsplan wegen formeller Fehler gerichtlich für Unwirksam erklärt wird.

Professionelle Beratung: Ein erheblicher Vorteil?

Während Privatpersonen oft unvorbereitet und erst nach behördlicher Aufforderung mit der Verwaltung interagieren, verfügen Unternehmen regelmäßig über spezialisierte anwaltliche Unterstützung. Insbesondere im Verwaltungsrecht zeigt sich hier ein deutlicher Unterschied:

  • Vorstrukturierte Verfahren: Anwälte bereiten Genehmigungsanträge so auf, dass sie den rechtlichen Anforderungen bereits weitgehend entsprechen und schnell bearbeitet statt aufwändig nachgebessert werden müssen.
  • Rechtliche Einordnung: Sie ordnen komplexe Normen und Ermessensspielräume systematisch ein und präsentieren der Behörde eine juristisch durchdachte Lösung im Sinne Ihres Mandanten.
  • Kommunikation auf Augenhöhe: Behörden treffen auf professionell argumentierende Vertreter, was die Entscheidungsfindung ohne Einbindung unverständiger Laien und umfangreichen Erklärungen beschleunigt.

In der Praxis bedeutet das oft, dass die Behörde vermeintlich weniger „ermitteln“ muss und so schneller eine Entscheidung zugunsten der aus zeit- und ressourcengründen nur zu gern übernommenen anwaltlichen Rechtsauffassungen trifft. Nicht selten kommt es vor, dass anwaltliche Schriftsätze der Verwaltung überhaupt erst die maßgeblichen Normen oder aktuelle Rechtsprechung vollständig darlegen, schlicht, weil SachbearbeiterInnen angesichts der Vielzahl paralleler Verfahren nicht jedes Detail präsent haben können wie eine nach Stunden bezahlte Anwaltskanzlei.

Das führt zu dem Effekt, dass wer bereits rechtlich umfangreich und vorauseilend vorträgt, eine Genehmigung schneller erhält, als der, der durch die Behörde geführt nur die unbedingt notwendigen Unterlagen einreicht.

Zwei Klassen im Verwaltungsverfahren?

Hier stellt sich dem/der idealistischen JuristIn die Frage: Ist dieses System fair?

Auf der einen Seite ist es legitim, dass sich BürgerInnen und Unternehmen rechtlich beraten lassen. Der Zugang zu anwaltlicher Unterstützung ist Teil des Rechtsstaats. Auf der anderen Seite entsteht faktisch eine Ungleichheit zwischen dem Anspruch an Gleichbehandlung durch Behörden nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit:

  • Finanzielle Ressourcen: Unternehmen können spezialisierte Kanzleien mit entsprechenden Stundensätzen beauftragen. Privatpersonen werden dagegen etwa beim ersten Hauskauf kaum die Gelder haben, vorbereitende Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen.
  • Komplexität des Rechts: Ohne juristische Expertise ist es für Laien kaum möglich, komplexe Verwaltungsverfahren vollständig zu durchdringen. Schlechte Kommunikation durch Behörden und ein fehlendes Verständnis für die Notwendigkeit störenden Auflagen sorgen für Verbitterung und schlimmstenfalls demokratiegefährdender Entfremdung vom Staat.
  • Begrenzte Spezialisierung: In Deutschland gibt es nur etwa 1.500 Fachanwälte für Verwaltungsrecht – eine relativ geringe Zahl gemessen an der Breite des Rechtsgebiets, und entsprechend mit einer gewissen Marktmacht ausgestattet, sich auf Wirtschaftsmandate beschränken zu können.

Das Ergebnis ist überspitzt eine Zweiklassenstruktur:
Wer sich professionelle Beratung leisten kann, hat bessere Chancen auf effiziente und rechtlich fundierte Verfahren. Wer darauf angewiesen ist, allein mit der Verwaltung zu interagieren, läuft eher Gefahr, Fehler oder Verzögerungen zu erleben. Ansätze wie öffentliche Rechtsberatung, etwa die ÖRA in Hamburg oder der Bürgerbeauftragte in MV, sind mit Ihren Kapazitäten und geringer Bekanntheit nur bedingt geeignet, hier Abhilfe zu schaffen.

Denn die deutsche Verwaltung steht vor einem strukturellen Spannungsfeld: Sie soll hochkomplexe (Tendenz weiterhin steigend) Rechtsmaterien präzise anwenden, verfügt aber oft nicht über die personellen Ressourcen, um jedem Einzelfall die notwendige Tiefe zu widmen und ggf. schmerzhafte Entscheidungen in der notwendigen Tiefe zu begründen. In diesem Kontext gewinnen anwaltliche Beratungsleistungen erheblich an Bedeutung und verschieben die Ausgangsbedingungen zwischen verschiedenen Beteiligten.

Soweit nicht die KI das Wunder der bürgernahen Verwaltung zeitnah gewährleistet, scheint jedoch klar: Solange Normendichte und Personalmangel bestehen bleiben, wird die Rolle spezialisierter Beratung weiter wachsen – und mit ihr die Diskussion um Fairness im Verwaltungsverfahren.


[1] https://rsw.beck.de/aktuell/daily/meldung/detail/jahresbericht-belastung-durch-buerokratie-so-hoch-wie-nie

[2] https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/dbb-fachkraefte-oeffentlicher-dienst-100.html

Jura, mein Leben oder Jura und mein Leben? Warum eine gesunde Work-Life-Balance kein Luxus, sondern notwendig ist 

„Jura ist kein Studium, sondern ein Lebensstil“ – Sätze wie diesen hört man oft bereits in den ersten Wochen des Studiums. Gesetzestexte, Hausarbeiten, Praktika, Klausurenphasen und das allgegenwärtige Staatsexamen scheinen schnell den gesamten Alltag einzunehmen. Doch genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Ist Jura mein Leben – oder ist Jura ein Teil meines Lebens? Dieser Frage geht unsere Autorin Sophia im heutigen Blogpost auf den Grund.

Photo by Anastasia Shuraeva on Pexels.com

Als ich vor ein paar Tagen wieder einmal dabei war, mir meine tägliche Dosis Social Media Content abzuholen, scrollte ich durch Instagram und das erste Reel, das mir vorgeschlagen wurde startete mit den Worten: „Wisst ihr, was im Jurastudium wirklich underrated ist? Normale Leute, mit denen man eine normale Unterhaltung führen kann, bei der es nicht nur um Jura geht.“ Und irgendwie habe ich mich dabei ertappt, diesen Gedanken auch schon mal gehabt zu haben. Manchmal ist man beim Mittagessen in der Mensa oder bei der Houseparty mit Kommilitoninnen einfach nur dankbar dafür, wenn es mal nicht um Jura geht und ich glaube, so geht es Vielen.

Wenn Jura das ganze Leben bestimmt

Das Jurastudium ist anspruchsvoll und zeitintensiv. Klausuren, Hausarbeiten und das Hinarbeiten aufs Staatsexamen können schnell den gesamten Alltag einnehmen. Freizeit fühlt sich dann wie verlorene Zeit an, Pausen machen permanent ein schlechtes Gewissen, soziale Kontakte und Hobbys geraten in den Hintergrund. Auf Dauer führt dieser Druck jedoch oft zu Erschöpfung und sinkender Motivation, was sich ironischerweise dann eher negativ auf die Lernleistung auswirkt.

Jura UND mein Leben – ein gesunder Ansatz

Eine gesunde Work-Life-Balance bedeutet nicht, weniger engagiert zu sein. Sie bedeutet vielmehr, Jura als wichtigen Teil des Lebens zu sehen, vielleicht sogar als Leidenschaft, aber eben nicht als den einzigen Teil des Lebens. Erfolg im Studium und im Beruf entstehen nicht nur durch lange Lernzeiten, sondern auch durch Konzentration, mentale Stärke und Ausgleich.

Wer regelmäßig Pausen einplant, Sport treibt, Freundschaften pflegt und Zeit für sich selbst nimmt, schafft die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit. Ein Spaziergang, ein Abend mit Freunden oder ein Wochenende ohne Gesetzestexte sind keine verlorene Zeit. Auch auf Urlaube sollte man nicht verzichten, nur weil man Jura studiert. All das sind Investitionen in die eigene Energie und Motivation.

Die Illusion der ständigen Produktivität

In der juristischen Ausbildung herrscht oft das Gefühl, man müsse 24/7 produktiv sein. Lernpläne, Repetitorien und der ständige Vergleich verstärken diese Wahrnehmung. Doch wer kann schon dauerhaft auf Höchstleistung arbeiten? Superhelden vielleicht. Aber das sind wir nicht (auch, wenn manch ein Jurist sich als Superheld sehen mag).

Man sollte sich bewusst machen: Qualität ist wichtiger als Quantität. Vier konzentrierte Lernstunden können oft wertvoller sein als zehn Stunden am Schreibtisch ohne Fokus. Eine strukturierte Planung mit festen Lernzeiten und klar definierten Pausen hilft dabei, produktiv zu bleiben und gleichzeitig gesund zu leben. Und Gesundheit ist meiner Meinung nach das A und O. Das habe ich zum Glück aus meiner Vorbereitung auf’s erste Examen mitgenommen: Ich würde nie wieder Jura über meine Gesundheit stellen. Wenn mein Körper gerade nicht kann, dann zwinge ich ihn auch nicht, nur weil ein Staatsexamen kurz bevor steht.

Grenzen setzen lernen

Ein wichtiger Schritt zu einer gesunden Work-Life-Balance ist es, sich selbst Grenzen setzen zu können. Das bedeutet zum Beispiel:

– feste Lernzeiten statt rund um die Uhr Lernen  

– bewusste Freizeit ohne schlechtes Gewissen  

– realistische Ziele statt Perfektionismus  

– Zeit für Familie, Freunde und Hobbys  

– ausreichend Schlaf und Bewegung  

Grenzen zu setzen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstmanagement und Verantwortung gegenüber der eigenen Gesundheit.

Warum eine Work-Life-Balance gerade für Juristen so wichtig ist

Der juristische Beruf (angefangen mit der Ausbildung) ist langfristig anspruchsvoll – egal ob in Kanzlei, Unternehmen, Verwaltung oder Justiz. Wer schon im Studium lernt, auf sich selbst zu achten, entwickelt wichtige Fähigkeiten für das spätere Berufsleben: Stressmanagement, Belastbarkeit, Zeitmanagement und Selbstfürsorge (und neben der Examensnote werden diese Fähigkeiten für Arbeitgeber immer relevanter).

Eine gesunde Balance sorgt nicht nur für bessere Leistungen, sondern auch für mehr Zufriedenheit und langfristige Motivation. Jura kann ein erfüllender und spannender Lebensweg sein – aber nur, wenn genügend Raum für das eigene Leben bleibt.

Fazit: Jura ist ein Teil deines Lebens – nicht dein ganzes Leben

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob Jura wichtig ist, sondern welchen Platz Jura im eigenen Leben einnehmen soll.  Jura darf fordern, aber es sollte nicht alles bestimmen. Erfolg entsteht nicht durch Selbstaufgabe, sondern durch Balance.

Jura mein Leben oder Jura und mein Leben? Meine Antwort ist klar: Jura und mein Leben. Denn nur wer auch lebt (und ab und zu mal eine Unterhaltung führt, bei der es nicht um Jura geht), bleibt im Jurastudium als auch im Beruf langfristig erfolgreich.

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit deinen KommilitonInnen und folge uns auch auf Instagram @Goldwaage .

Die füllenswerte Lücke – Mythos oder Maßstab der Promotion?

Hat man sich einmal für eine Promotion entschieden und eine Betreuung gefunden, steht meist schon grob das Rechtsgebiet fest – manchmal sogar eine erste thematische Richtung. Doch wie beginnt man mit der konkreten Themensuche? Und woran erkennt man, ob sich ein Thema für eine Dissertation eignet?

Das Beruhigende ist: Anders als bei einer Seminararbeit steht dir eine erfahrene Betreuungsperson zur Seite. Auch wenn sie sich typischerweise nicht im Detail mit deinem konkreten Thema auskennt, kann sie doch einschätzen, ob sich daraus wissenschaftlicher Mehrwert gewinnen lässt. Ebenso hilft sie dabei, das Themas so zuzuspitzen, dass es weder zu weit ausholt noch am Ende nur Stoff für einen Aufsatz bietet.

Photo by AXP Photography on Pexels.com

Zugänge zur Themensuche

Die Wege zur Themenfindung sind so vielfältig wie die Themen selbst.

Ein klassischer Ansatz ist der Blick in Zeitschriften und Kommentare. Dort finden sich immer wieder Hinweise auf ungelöste Probleme oder offene Meinungsstreitigkeiten. Im zweiten Schritt ist allerdings zu schauen, ob das Thema nicht bereits zur Genüge ausgeschöpft ist, weil der Streit schon seit Jahren oder Jahrzehnten bestehen und eher als „akademischer Natur“ bezeichnet werden könnte.

Hat man im Rahmen von Praktika, beruflicher Tätigkeiten, Ehrenamt etc. Einblicke in die praktische Rechtsanwendung und trifft so auf ein Anwendungsproblem, kann sich aus diesem konkreten Beispiel eine tolle Möglichkeit für die Auseinandersetzung mit einem größeren, dahinterstehenden Problem ergeben. 

Auch aus persönlichen Gesprächen mit etwa deiner Betreuungsperson, anderen DoktorandInnen, PraktikerInnen oder FreundInnen können Impulse für das Thema kommen. Oder aber ein Bereich deiner Seminararbeit, auf das du gestoßen warst, ist noch nicht erforscht und bietet sich als Thema an.

Die „füllenswerte Lücke“

Ausgehend von diesen Zugängen stellt sich irgendwann die zentrale Frage: Was soll die Dissertation eigentlich leisten?

Im Idealfall stellt sich eine konkrete übergeordnete Frage, für die man eine Hypothese aufstellen kann und die als Grundlage der Dissertation dient.  Und genau hier taucht sie wieder auf: die berühmte „Lücke“, die es zu füllen gilt.

In der Vorstellung soll diese Lücke etwas sein, das wissenschaftlich relevant, noch nicht entdeckt, gedacht oder bearbeitet wurde. Fehlt sie, wirkt das eigene Thema schnell unzureichend.

Doch mit Blick auf unser gewachsenes und gelebtes Rechtssystem, zeigt sich schnell ein anderes Bild. Kaum ein Bereich ist wirklich unbearbeitet. In Aufsätzen, Kommentaren, Sammelwerken , etc. wurde bereits vieles diskutiert, eingeordnet oder zumindest angedeutet. Manche Fragen sind durch Rechtsprechung oder Gesetzgebung längst weiterentwickelt worden.

Die große, offensichtlich offene Lücke, die nur darauf wartet, endlich geschlossen zu werden, ist wohl eher ein Mythos.

Was stattdessen zählt

Was stattdessen erwartet wird, ist oft weniger spektakulär – und gleichzeitig anspruchsvoller: ein Thema aus einer eigenen Perspektive zu betrachten.

Das kann bedeuten, Zusammenhänge neu herzustellen, bekannte Probleme konsequent weiterzudenken oder unterschiedliche Diskussionsstränge miteinander zu verknüpfen. Häufig geht es nicht darum, etwas völlig Neues zu „erfinden“, sondern Bestehendes neu zu durchdringen und in einen anderen Kontext zu stellen.

Gerade in der Phase der Literaturrecherche und bei der Erstellung eines Exposés oder einer Gliederung entsteht dabei oft ein unangenehmes Gefühl: das Gefühl, nichts Neues mehr beitragen zu können.

Auch mir geht es regelmäßig so. Beim Lesen denke ich oft, dass andere das Thema bereits präziser, klarer und umfassender formuliert haben. Dass ich eigentlich zu spät dran bin. Und vielleicht ist dieses Gefühl auch wenig überraschend – schließlich stammen viele Beiträge von Personen, die sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte mit genau diesem Thema beschäftigt haben und als Koryphäen auf ihrem Gebiet gelten.

Photo by Salvatore De Lellis on Pexels.de

Fazit

Vielleicht muss man die „füllenswerte Lücke“ also ein Stück weit entzaubern.

Sie ist nichts, was man während der Recherche plötzlich findet wie einen verborgenen Schatz. Vielmehr entsteht der wissenschaftliche Mehrwert einer Dissertation durch den eigenen Zugriff auf das Thema mittels des gewählten Zuschnitts, der Perspektive und der Art der Auseinandersetzung.

Die Leistung besteht daher nicht zwingend darin, eine offensichtlich leere Stelle zu füllen. Sondern viel mehr darin, as Thema mit einen neuen Zugriff zu durchdringen.

Die besten Geschenkideen für JurastudentInnen – für jeden Anlass

Du suchst ein Geschenk für einen Jurastudierenden oder eine/n frisch gebackenen Juristen/in? Kein Problem! In diesem Post haben wir die besten Geschenkideen gesammelt.

(Disclaimer: Werbung wegen Markennennung. Alle Produkte wurden ohne Gegenleistung von uns empfohlen)

Kleine Aufmerksamkeiten

1. Care-Pakete (Insbesondere in Prüfungsphasen)

Eine unkomplizierte und günstige Geschenkidee ist ein kleines Care-Paket. Kaufe dem Beschenkten einfach ein paar leckere Snacks, vielleicht etwas Kosmetik, schreib eine kurze Karte und zack – hast du ein Geschenk, das jedem Empfänger ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. 

2. Belletristik

Vielen Studis vergeht – vor allem in der Examensvorbereitung – irgendwann die Lust am Lesen in der Freizeit. Für die, die dennoch gerne mal ein wenig schmökern, gibt es jedoch eine riesige Auswahl an Literatur mit Jurabezug. 

Klassiker sind unter anderem: Bernhard Schlink, Der Vorleser. Die verschiedenen Bücher von Ferdinand von Schirach, John Grisham, und viele weitere. 

3. Kalender / Notizbücher

Natürlich lässt sich heutzutage alles digital organisieren. Viele Studis freuen sich jedoch auch über schöne Kalender oder Notizbücher um zu planen.

Hübsche Artikel gibt es zB von odernichtoderdoch und Ein guter Plan. Wer es besonders schick mag, kann auch zum Filofax greifen.

Für wen ist das geeignet? Mit netten Aufmerksamkeiten, die an den Charakter der beschenkten Person angepasst sind, macht man nie etwas falsch! Das gute an kleinen – nicht ganz auf Jura bezogenen Aufmerksamkeiten- ist, dass du nicht Gefahr läufst etwas zu schenken, das die Person nicht gebrauchen kann. 

Photo by Pixabay on Pexels.com

Witzige Geschenke

1. Jura-Merchandise

In den letzten Jahren hat sich ein richtiger Markt für Jura-Merchandise etabliert. Inzwischen gibt es Tassen, Bekleidung, Schmuck und Zubehör wie zB. Taschen für große Gesetzestexte.

2. Merchandise aus Serien 

Auch Fanartikel aus Suits, How to get away with murder oder anderen Anwaltsserien erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Einem großen Fan kann man damit sicher eine Freude machen. 

Für wen ist das geeignet? Diese Art von Geschenk eignet sich meines Erachtens nach nicht für jeden Studi. Denn nicht jeder möchte auf dem Campus direkt anhand seiner Accessoires als JuristIn oder Jurastudi ausgemacht werden. Für alle anderen ist es eine nette Aufmerksamkeit.

Nützliche Geschenke

Studienmaterialien sind irre teuer. Wer nicht unbedingt ein kreatives, dafür aber sehr nützliches Geschenk machen möchte, kann zB Lernmaterialien schenken. Für Studis, die ja häufig nicht auf besonders große Ersparnisse zurückgreifen können, sind Lernunterlagen häufig kein schlechtes Geschenk. 

Ideen sind beispielsweise Lehr- oder Gesetzbücher (unbedingt mit dem Studi nach Bedarf absprechen) Karteikarten oder Anki-Sets, Materialien wie Stifte, Klebezettel, Notizhefte oder einem rückenschonenden Rucksack.

Nach dem Abschluss

1. Andenken an die Uni

Wohl kaum ein Student wird seine Studienzeit als durchgehend schön in Erinnerung haben. Leistungsdruck, Stress, Unzufriedenheit mit Ergebnissen gehören leider zum Studium genauso dazu wie die schönen ersten Frühlingstage auf dem Campus und die ein oder andere geschwänzte Vorlesung. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – bleiben viele Studis ihrer Alma Mater für immer verbunden. Ein Artikel aus dem Souvenirshop der Uni kann daher ein schönes Andenken an die Studienzeiten sein.

2. Das bestandene Examen feiern

Das Staatsexamen und den Übergang ins Berufsleben wollen die meisten Studis gebührend feiern, ganz egal ob durch Anstoßen nach der letzten Prüfung, eine richtige Party oder ein schönes Dinner im Restaurant.

Viele Absolventinnen bekommen von Ihren Angehörigen richtig großzügige Geschenke. Aber auch eine kleine Aufmerksamkeit kann wirklich eine Menge bedeuten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem selbstgebackenen Examens-Kuchen? Oder einer Einweg-Kamera, auf der die Momente nach der mündlichen Prüfung oder der Zeugnisverleihung festgehalten werden?

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne und folge uns auf Instagram @goldwaage.jura.

Examensbaukasten: So gestaltest du eine Routine fürs 1. StEx, die zu dir passt

Du hast gerade deine Examensvorbereitung begonnen und kriegst ständig ungefragte Ratschläge, wie eine Vorbereitung auszusehen hat? Wir sind der Meinung, dass nur du am besten weißt, welche Lernroutine zu dir passt. Deshalb stellen wir dir heute zehn Lernmöglichkeiten vor, aus denen du dir deine eigene Examensvorbereitung zusammenstellen kannst.

Kurz vorab noch etwas zur Routine:

Lernen ist höchst individuell. Es bringt wenig, sich ständig mit anderen ExamenskandidatInnen zu vergleichen (auch wenn es natürlich schwer ist, sich ganz davon frei zu machen).

Allerdings sind besonders die Parameter, hinsichtlich derer man sich vergleicht, wenig aussagekräftig. Möglicherweise verbringen andere Personen mehr Zeit in der Bibliothek als du – aber das heißt ja nicht, dass sie diese Zeit effizient nutzen.

Frag dich selbst diese 5 Dinge

Es ist vor allem hilfreich, seine eigenen Fähigkeiten zu kennen und eine Routine darum zu bauen. Hilfreich sind folgende Fragen:

  • Wie viele Stunden am Tag kannst du dich wirklich konzentrieren?
  • Zu welcher Uhrzeit bist du am fokussiertesten?
  • Lernst du lieber zu Hause oder in der Bibliothek?
  • Lernst du lieber alleine oder in der Gruppe?
  • Brauchst du eine rigide Routine oder nur einen losen Plan?

So erkennst du, ob deine Routine etwas taugt

Du erkennst eine gute Routine an drei Dingen:

  1. Sie überfordert dich nicht.
  2. Sie ist (auch an schlechten Tagen) einfach zu befolgen.
  3. Sie bietet so viel Abwechslung, dass sie dich nicht langweilt, aber so viel Regelmäßigkeit, dass du messbare Fortschritte erzielst.
Photo by Pixabay on Pexels.com

10 Inspirationen, für deine Lernroutine

1. Lernplan

    Von allen Methoden, die ich heute vorstelle, ist der Lernplan die einzige, die ich zwingend empfehle. Bei einer monate- bzw. jahrelangen Vorbereitung brauchst du einen roten Faden, an dem du dich orientierst. Das bedeutet keinesfalls, dass du einen rigoros getakteten Plan brauchst, der für jeden Tag eine Lerneinheit vorsieht – im Gegenteil. Was du aber brauchst ist eine Übersicht mit allen examensrelevanten Fächern, in dem die wichtigsten Themen aufgelistet sind. So hast du einen Überblick darüber, wie weit du schon gekommen bist und was noch vor dir liegt. Es lohnt sich zudem, Themen, die du dir kurz vor dem Examen noch einmal ansehen willst, rot zu markieren.

    Du kannst dir den Plan selbst erstellen, oder aber auf Listen anderer zurückgreifend. Ich persönlich habe den Lernplan von Repetitorium Hofmann als sehr hilfreich empfunden.

    2. Kurse

    Die meisten Studierenden besuchen ein kommerzielles oder universitäres Repetitorium. Einerseits erklären dir dort Profis noch einmal den examensrelevanten Stoff, andererseits hast du dadurch schon eine Struktur an der Hand, mit der du einzelne Fächer wiederholst. 

    3. Karteikarten-Apps

    Mittlerweile ist es wirklich kein Geheimtipp mehr: Aber spaced repetition, also regelmäßiges Wiederholen durch Abfragen, ist so ziemlich die effektivste Lernmethode. Dafür gibt es einige Karteikarten-Apps. Die wohl gängigste ist die Plattform “Anki”, für die verschiedene Anbieter bereits fertige Jura-Pakete anbieten. Das ist zwar nicht ganz billig, spart aber eine Menge Zeit in der Vorbereitung. 

    4. Karteikarten auf Papier

    Neben digitalen Angeboten kann es auch hilfreich sein, einige Karteikarten schriftlich anzufertigen und z.B. unterwegs zu lernen. Mir persönlich hat es geholfen, die wichtigsten Schemata aller Fächer auf Karteikarten zu notieren und am Ende jedes Lerntages zwei, drei davon zu wiederholen. 

    5. Lernzettel und Mindmaps

    Um gelerntes festzuhalten, kannst du dir Lernzettel oder Mindmaps erstellen. Mit der Hilfe von KI geht das inzwischen sogar ohne großen Zeitaufwand. 

    6. Klausuren schreiben

    Hier dran führt in einer sinnvollen Examensvorbereitung (leider) kein Weg vorbei. Denn obwohl ich es ungerne zugebe: Probeklausren zu schreiben ist unglaublich effektiv. Du wendest den gelernten Stoff an, erschließt dir noch fremde Themen und bekommst vor allem eine Idee dafür, wie die 5 Stunden so ablaufen. Du wirst einen enormen Fortschritt verzeichnen, wenn regelmäßig, d.h. idealerweise wöchentlich, Klausuren schreibst. 

    7. Lerngruppe

    Vielen Studierenden hilft es, in der Gruppe zu lernen. Im besten Fall trefft ihr euch zu zweit oder maximal zu viert und sprecht Fälle durch oder fragt euch den Stoff ab. Wichtig ist nur, dass ihr euch untereinander gut versteht und kein unnötiger Wettbewerb entsteht. Sobald sich jeder traut, auch mal eine “dumme” Frage zu stellen, habt ihr ein gutes Gruppenklima erreicht. 

    8. Podcasts

    Als gute Ergänzung zu einem Lerntag bietet es sich an, Podcasts zu hören. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an spannend aufbereiteten Rechtsprechungs- und Lernpodcasts auf Spotify und Co. Dank KI kannst du dir jedoch auch zu deinem Wunschthema einen Podcast erstellen und so dein Wissen vertiefen. 

    9. Zeitungsartikel

    Um bezüglich der Rechtsprechung auf dem neusten Stand zu bleiben, lohnt sich ab und an ein Blick in eine juristische Ausbildungszeitschrift. Diese stehen in der Regel über die Uni digital und analog zur Verfügung.

    10. Abfragen lassen (von KI)

    Du kannst deinen Lerntag abwechslungsreicher gestalten, indem du dich Gelerntes abfragen lässt. Wenn dir das unangenehm ist, besteht auch die Möglichkeit, dir von KI ein Quiz erstellen zu lassen und so dein Wissen zu testen. 

    Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit deinen Kommilitoninnen und folge uns auf Instagram @goldwaage.jura.

    Wir wünschen dir viel Erfolg und starke Nerven für die Examensvorbereitung!

    Mein Anwalt, die KI?! So beeinflusst AI schon jetzt den juristischen Arbeitsalltag

    Unser Autor Robert ist gerade Anwalt geworden und im Alltag mit den neuen Möglichkeiten von KI konfrontiert. In diesem Beitrag geht er den Chancen und Risiken auf den Grund – und verrät auch, welche fatalen Folgen der falsche Einsatz von KI haben kann.

    Wer aktuell in Kanzleien als BerufseinsteigerIn anfängt, hat eine gute Chance, in seinen ersten Tagen das Folgende so oder so ähnlich zu hören:

    „Du bist hier, um nachzudenken, denn recherchieren und zusammenschreiben kann ja bald auch die KI.“

    Warum dann trotzdem noch junge AnwältInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen eingestellt werden, scheint vor diesem Hintergrund mysteriös.

    Was jedoch allgemein feststeht: Künstliche Intelligenz verändert juristische Arbeitsprozesse. Potentielle Anwendungen reichen inzwischen von automatisierter Dokumentenanalyse über Vertragsprüfung und Recherche bis hin zu ersten Ansätzen von Entscheidungsentwürfen. Während internationale Großkanzleien KI-Systeme bereits produktiv einsetzen oder sogar selbst entwickeln, stehen Behörden und kleinere Kanzleien noch am Anfang dieser Transformation. Die Debatte wird häufig von Effizienzversprechen dominiert. Tatsächlich wirft der Einsatz von KI jedoch komplexe datenschutzrechtliche Fragen auf, die die Verbreitung in der Arbeitswelt hemmen.

    Foto von John Diez von Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/notizbuch-buro-mauer-wand-7578202/

    Pssst! Nicht die Geheimhaltung vergessen

    Im juristischen Umfeld berührt der Einsatz KI-gestützter Systeme unmittelbar einen Kern anwaltlicher Berufsausübung, die Verschwiegenheitspflicht. Nach § 43a Abs. 2 BRAO sowie § 203 Abs. 1 Nr. 3 StGB sind Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zur strikten Geheimhaltung mandatsbezogener Informationen verpflichtet. Sobald sensible Sachverhalte in cloudbasierte KI-Systeme von Drittanbietern eingegeben werden, stellt sich die Frage, ob eine unzulässige Offenbarung gegenüber Dritten vorliegt.

    Besonders problematisch sind Konstellationen, in denen Daten auf Servern außerhalb der Europäischen Union verarbeitet werden oder unklar bleibt, ob eine Nutzung zu Trainingszwecken erfolgt. Schnell mal die chaotischen 40 Seiten unsortierter Informationen des Mandanten über den privaten ChatGPT-Account auswerten lassen, dürfte bei Bekanntwerden zu erheblichen berufsrechtlichen Folgen und Haftungen führen. Auch wenn bisher keine entsprechenden Haftungsfälle in Deutschland allgemein bekannt sind, führt dieses Risiko zumindest bei größeren Kanzleien dazu, dass oftmals strikte Verbote der Nutzung privater Chatbots, sog. Large Language Models (LLMs) bestehen. Dies verhindert eine faktische Nutzung zwar nicht unbedingt, wälzt aber zumindest die Verantwortung auf die ArbeitnehmerInnen ab.

    Hinzu kommt, dass juristische Tätigkeit regelmäßig besondere Kategorien personenbezogener Daten im Sinne von Art. 9 DSGVO betrifft – etwa Gesundheitsdaten, strafrechtliche Vorwürfe oder finanzielle Informationen. Und welche Hürden der Umgang mit Datenschutz allgemein bereitet, ist mittlerweile auch juristischen Laien bekannt.

    Peinliche Halluzinationen – Von Urteilen, die es nicht gibt

    Ein weiteres, mittlerweile auch der Rechtsprechung angelangtes, Problem sind sogenannte „Halluzinationen“ generativer KI-Systeme. Diese können überzeugend formulierte, aber inhaltlich falsche Rechtsprechungsnachweise oder Normverweise produzieren. Jüngst führte dies sogar beim LG Frankfurt dazu, dass eine Berufung zurückgenommen wurde, weil die diese tragenden vermeintlichen BGH-Urteile nicht mit diesem Inhalt existierten.[1]

    Die Verantwortung für die Richtigkeit eines Schriftsatzes liegt stets bei der unterzeichnenden Person. KI ist ein Werkzeug, berufsrechtlich belangt wird aber am Ende eine Richterin oder ein Anwalt, der seine Quellen nicht kontrolliert hat.

    Unfairer Wettkampf – KI in kleinen Kanzleien oder Behörden

    Während große Wirtschaftskanzleien über eigene IT-Abteilungen, Innovationsbudgets und spezialisierte Legal-Tech-Teams verfügen, um eigene datenschutzkonforme KI-Systeme zu entwickeln und implementieren[2], ist die Situation in Behörden und kleineren Kanzleien strukturell anders gelagert.

    Behörden sind in komplexe Vorgaben des Bundes- und Landesdatenschutzrechts eingebunden. Jede größere Softwareanschaffung erfordert Ausschreibungen, Sicherheitsprüfungen und häufig Zertifizierungen nach BSI-Standards, da hier regelmäßig Daten von nationaler Relevanz verarbeitet werden. Hinzu treten haushaltsrechtliche Restriktionen und Mitbestimmungsrechte von Personalvertretungen. Entscheidungsprozesse sind daher zwangsläufig langsamer und stärker formalisiert. Der Einsatz selbstlernender Systeme, deren Funktionsweise nicht vollständig nachvollziehbar ist, kollidiert zudem mit dem verwaltungsrechtlichen Gebot der Nachvollziehbarkeit und Begründbarkeit von Entscheidungen. Dies sind zumindest einige der Gründe, die neben fehlenden personellen Kapazitäten und finanziellen Ressourcen zur Lizenzierung bestehender Modelle angeführt werden.

    Kleinere Kanzleien sehen sich ähnlichen wirtschaftlichen und organisatorischen Hürden gegenüber. Oft fehlt es an technischer Infrastruktur und an Ressourcen für die Integration entsprechender Systeme. Ein Rückgriff auf allgemeine Systeme wie ChatGPT zur umfassenden Arbeit mit mandantenbezogenen Daten ist aus den oben stehenden Gründen ausgeschlossen. Was aber aus eigener Erfahrung regelmäßig stattfindet, ist der Einsatz von Privataccounts zu LLMs beispielsweise für die Recherche von Normen oder Gesetzesbegründungen auf den Servern des Bundestages, die über Google nur mit erheblichem Aufwand zu finden sind. Ein solcher Umgang wird kanzleiseitig oft geduldet, wenn keine Mandatsdaten preisgegeben werden und bisher keine lizenzierten Systeme hausintern zur Verfügung stehen.

    Wie jedoch in diesem Beitrag bereits erwähnt, hat jede/r mit einem Beck-Online-Zugang mittlerweile Zugriff auf den Beck-Chat. Dieser ermöglicht die Recherche nach Urteilen und Aufsätzen, auf die ChatGPT und Co. aufgrund der umfassenden Paywall des Beck-Verlages keinen Zugriff haben. Auch hier scheint die Nutzung im Kreis der Anwältinnen und Anwälte nach meinem persönlichen Eindruck bisher überschaubar.

    Aus der Vogelperspektive zeichnet sich hier aber die Gefahr einer technologischen Divergenz im Rechtsmarkt ab.  Großkanzleien steigern Effizienz in der Recherche und Skalierbarkeit in Form von riesigen Schriftsätzen oder weitgehend automatisierten Massenverfahren wie bei den sog. „Dieselklagen“ gegen VW, während kleinere Einheiten Gefahr laufen, strukturell zurückzufallen. Das Problem, von einer KI „über den Haufen geschrieben“ zu werden stellt sich jedoch insbesondere auf staatlicher Seite. Denn ohne digitale Waffengleichheit droht hier insbesondere der ohnehin belasteten Justiz eine Überwältigung durch Verfahren, die ohne Sortierung durch KI kaum zu überblicken sind.[4]

    KI nimmt dir den Job weg? Auswirkungen auf Berufseinsteiger

    Besonders sensibel ist die Frage nach den Konsequenzen am Arbeitsmarkt. Traditionell beginnen juristische Karrieren mit den Eingangs erwähnten Tätigkeiten: Aktenauswertung, Literatur- und Rechtsprechungsrecherche, Entwurf einfacher Schriftsätze oder Teile von Due-Diligence-Prüfungen. Genau diese in der Herangehensweise standardisierten Tätigkeiten sind durch KI besonders gut automatisierbar.

    Neben den drohenden Kommentaren an NeueinsteigerInnen, dass Sie sich ja freuen könnten, trotz KI noch angestellt worden zu sein, zeigt sich bisher auf dem Arbeitsmarkt keine signifikante Veränderung der Einstellungszahlen von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Associates. Dies gilt im Übrigen für große und kleine Kanzleien wie auch den öffentlichen Dienst. Vielfach wird dies jedoch zurückgeführt auf eben jene schleppende Etablierung umfassend einsetzbarer KI-Systeme in Kanzleien und für die Zukunft eine Reduzierung des „Unterbaus“ an NachwuchsjuristInnen prognostiziert.[5]

    Langfristig entstünde dabei jedoch ein Ausbildungsparadox. Die routinemäßige Fallbearbeitung bildet neben zwischenmenschlichen Kompetenzen traditionell das Fundament juristischer Expertise. Wird diese Phase der Routinearbeit teilweise automatisiert, besteht die Gefahr, dass praktische Erfahrungswerte fehlen. Diese sind aber für komplexe Mandate oder auch als Erfahrungspool für richterliche Entscheidungen unerlässlich.

    Es spricht also vieles dafür, dass es weniger zu einer Verdrängung als vielmehr zu einer Qualifikationsverschiebung kommen wird. Gefragt sein werden junge Juristinnen und Juristen, die neben den originär menschlichen Fähigkeiten wie Beweiswürdigung und Mandatsakquise auch technologische Werkzeuge souverän einsetzen, ihre Grenzen erkennen und regulatorische Rahmenbedingungen mitgestalten können. Und hierfür seid ihr als Lesende nach dieser KI-Themenwoche schon solide aufgestellt!

    Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne und folge uns auf Instagram @goldwaage.jura.


    [1] LG Frankfurt a. M., Beschluss vom 25.9.2025 – 2-13 S 56/24.

    [2]  https://cms.law/de/deu/news-information/launch-der-europaeischen-rechts-ki-noxtua

    [3] https://goldwaagejura.com/2026/02/23/3-geniale-alternativen-zu-chatgpt-furs-jurastudium/

    [4] https://www.lto.de/recht/justiz/j/warum-wir-mehr-richter-staatsanwaelte-brauchen-justiz-ueberlastung-ki-gerichte-arbeit

    [5] https://rsw.beck.de/aktuell/daily/meldung/detail/nachwuchs-jura-branche-ki-kanzleien-arbeitswelt

    So hast du KI noch nie genutzt – 5 Funktionen, die dir das Jurastudium extrem erleichtern 

    Auch, wenn die Nutzung von künstlicher Intelligenz beim Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten oder bei der juristischen Recherche ihre Schwachpunkte hat, gibt es viele tolle Funktionen, die dir das Lernen echt erleichtern können. Unsere Autorin Sophia stellt dir in diesem Beitrag fünf KI-Funktionen vor, mit denen du beim Lernen viel Zeit sparen kannst. 

    Photo by cottonbro studio on Pexels.com

    1. Podcasts

    Du hörst in deiner Freizeit gerne Laber-Podcasts? Warum nicht auch zum Lernen?

    Wie wir alle wissen, kann es helfen beim Lernen nicht nur ein Skript oder Lehrbuch nach dem anderen zu lesen, sondern auch mal mit jemandem über die Lerninhalte zu sprechen oder sie sich von jemandem erklären zu lassen. Im Zeitalter der KI gibt es sogar die Möglichkeit, sich ein Podcast-Skript erstellen zu lassen und dies in einen Podcast umwandeln zu lassen. Beispielsweise kannst du ChatGPT1 bitten, dir ein Skript zum Thema Vertragsschluss zu erstellen oder du nimmst direkt das Skript aus der BGB AT – Vorlesung. Dies kannst du dann zum Beispiel mit NotebookLM2 in einen Podcast umwandeln lassen. Dann kannst du ganz ohne schlechtes Gewissen deinen Schreibtisch verlassen, dir deine Kopfhörer schnappen und bei einem Spaziergang in der Sonne, auf dem Laufband im Gym oder auf der Picknickdecke im Park deinen persönlichen Lernpodcast hören. 

    2. Karteikarten

    Du bist der Lerntyp, der stundenlang Karteikarten schreibt und nach dem Schreiben dann keine Zeit mehr für den wichtigen Part – das eigentliche Lernen hat?

    Dann lass dir aus deinen Mitschriften oder den Unterlagen der Vorlesung doch einfach digital Karteikarten erstellen. Bestimmt hast du schon mal von Anki gehört. Bei Anki kannst du dir selbst Karteikarten erstellen, die du dann systematisch in Stapeln lernen kannst oder bereits erstellte Stapel käuflich erwerben. Nun gibt es z.B. den sogenannten AnkiBuddy3. Hier kannst du ganz einfach eine Datei, wie z.B. die Powerpoint der Vorlesung Sachenrecht hochladen und die KI erstellt dir hieraus in Sekundenschnelle personalisierte Karteikarten nach deinen Vorstellungen.

    3. Lernpläne

    Du startest in die Examensvorbereitung und brauchst einen Lernplan, der auf dich, deinen Kalender und deinen Lerntyp abgestimmt ist?

    Die Lernpläne, die im Internet existieren, sind um ehrlich zu sein teilweise sehr erschlagend, unübersichtlich und nicht besonders realistisch, wenn man neben dem Studium noch ein Sozialleben haben möchte. Auch hier kann dir die KI helfen. Bitte die KI deiner Wahl, dir einen Lernplan pro Woche, pro Monat oder für die gesamte Zeit deiner Examensvorbereitung zu erstellen. Gib an, an welchen Tagen und zu welchen Tageszeiten du lernen möchtest, wann du Probeklausuren schreiben möchtest und lade den Pflichtfachstoff deines Bundeslandes hoch. Zusätzlich kannst du der KI deines Vertrauens verraten, was für ein Lerntyp du bist und mit welchen Methoden du am effektivsten lernst. Dann bekommst du vielleicht sogar noch ein paar wertvolle Tipps mit auf den Weg und schon hast du einen Erfolgsplan bis zum 1. Staatsexamen. Den musst du dann im Optimalfall nur noch einhalten – dabei kann dir die KI noch nicht helfen…

    4. Korrekturlesen

    Du hast eine Hausarbeit oder eine Seminararbeit geschrieben und bist dir unsicher, was Rechtschreibung und Formulierungen angeht?

    Nicht jeder hat eine Lehrerin als Mutter, so wie ich, die damals in meiner allerersten Anfängerhausarbeit beim Korrekturlesen sogar Rechtschreibfehler im Sachverhalt markierte oder an den Rand schrieb: „das ist kein Deutsch“. Ich musste ihr dann erstmal erklären, dass der Sachverhalt nicht von mir, sondern vom zuständigen Lehrstuhl stammt und, dass wir Juristen das nun mal so sagen… naja, Lehrer halt. Mittlerweile müssen wir zu Glück, nicht mehr das eigene Umfeld 30 Seiten juristischer Sprache quälen, sondern können ganz einfach die KI unsere Texte auf Grammatikfehler überprüfen lassen. Hierzu gibt es zahlreiche KI-tools, die ich hier jetzt nicht alle aufzählen werde. 

    5. Zusammenfassungen

    Dein Prof oder AG-Leiter haben dir zum „Nachlesen bei einem Glas Wein“, so wie es mein ehemaliger Repititor zu sagen pflegte einen 50-Seiten langen Aufsatz mitgegeben und du willst bei dem Glas Wein lieber die neueste Folge Trash-TV gucken anstatt tiefer ins Gesellschaftsrecht einzutauchen?

    Dann lass dir den Aufsatz doch einfach mithilfe von KI zusammenfassen und du bist trotzdem in der nächsten AG-Stunde bestens informiert. Auch YouTube-Videos lassen sich mittlerweile mithilfe von KI-tools zusammenfassen. Selbst in meinem Mail-Programm kann ich mir seit neuestem meine eingegangenen Mails zusammenfassen lassen. Auch, wenn ich das etwas übertrieben finde. Wer schreibt schon Mails im Umfang eines 50-seitigen Aufsatzes? Und mal ehrlich: ein kleines bisschen Eigeninitiative wird von uns trotz all der Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz immer noch erwartet. 

    Lernst du schon mithilfe von KI? Wenn die der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit KomillitonInnen und folge Goldwaage auf Instagram. 

    1. https://use.ai/de ↩︎
    2. https://notebooklm.google ↩︎
    3. https://ankibuddy.com/ ↩︎



    Struktur auf Knopfdruck? Gliedern wissenschaftlicher Texte im Zeitalter von KI

    KI kann man in fast jedem Kontext benutzen. Auch im Rahmen vom wissenschaftlichen Arbeiten lässt sie sich an verschiedenen Stellen einsetzen. Neben dem klassischen Optimieren von Formulieren, könnte man sie auch im Schritt davor – der Gliederung – verwenden. In diesem Beitrag zeigt dir unsere Autorin Lea, wie das geht.

    Wissenschaftliches Arbeiten setzt neben der Themensuche (oder bei Seminararbeiten dem schon vorgegebenen Thema) voraus, dass man das Thema logisch aufbaut und den roten Faden durch die Arbeit laufen lässt. Neben der Materialsuche ist die Gliederung somit der zentrale Schritt, auf dem das Ergebnis aufbaut. 

    Nicht verwunderlich ist es daher, dass man gerade beim Gliederungsprozess an die ein oder andere Grenze stößt oder mit Unsicherheiten zu kämpfen hat. Typische Fragen können dabei sein: ziehe ich einen allgemeinen Punkt vor die Klammer (also in den Grundlagenteil); habe ich alle relevanten Aspekte bedacht; wie vermeide ich unnötige Wiederholungen und viele mehr.

    Der Einsatz von KI kann daher – in geeignetem Maße – sinnvoll sein. Im Folgenden stelle ich ein paar Einsatzfelder vor mit einer Einschätzung, was gut funktioniert und wo die KI an Grenzen stößt.

    Photo by Google DeepMind on Pexels.com

    1. Themenüberblick verschaffen und Material sammeln

    Steht man noch ganz am Anfang seiner Arbeit, hat sein Forschungsfeld aber bereits gefunden, möchte und muss man nun die inhaltliche Ausrichtung näher konkretisieren. Dazu bietet es sich an, zunächst einmal selbst ohne großen fachlichen Hintergrund, ganz klassisch zu brainstormen z.B. in Mindmaps oder Tabellen. Anschließend kann man die Fragen, die man sich selbst gestellt hat, auch der KI stellen. Hier geht es eher darum möglichst viele Ideen zu sammeln und dafür auch gern auf das Wissen aus allen möglichen Quellen und Datenbanken zugreifen zu können.

    Runter gebrochen könnte man es damit vergleichen, als würde man in einer größeren Gruppe Ideen sammeln, anstatt die KI zu fragen. Man setzt also auf Schwarmintelligenz.

    2. Material sortieren

    Im nächsten Schritt muss man sich mit den gesammelten Ideen auseinandersetzen. Nicht jeder Vorschlag, den die KI macht ist sinnvoll oder gar direkt verständlich. Die Aufgabe ist es dann also, für sich zu entscheiden, welche Vorschläge Teil der Materialsammlung werden und welche nicht. Dazu bedarf es meist einer kurzen Recherche und Einordnung in das Themenfeld. Und diese Einordnung führt weiter in die grobe Unterteilung der Hauptkapitel der wissenschaftlichen Arbeit. Dazu werden im nächsten Schritt durch die KI Oberbegriffe und zentrale Aspekte aus dem gesammelten Material bildet. Auch hier bieten sich visuellen Darstellung, welche die KI erstellen kann, ganz gut an.

    3. Erstellung der Gliederung aus der Materialsammlung

    3.1. KI-gestützte Gliederungserstellung

    Ist man an diesem Punkt anbekommt, lässt man sich gern dazu verleiten, die KI nun auch die Gliederung erstellen zu lassen (unter Hinweis darauf den roten Faden zu beachten). KI denkt jedoch (noch) nicht selbstständig und basiert die Ergebnisse auf Wahrscheinlichkeiten. Eine wissenschaftliche Arbeit sollte aber gut durchdacht sein. Die von der KI vorgeschlagene Gliederung sollte daher höchstens als Ausgangspunkt betrachtet werden. Trügerisch ist hier häufig, dass das Ergebnis der KI auf den ersten Blick gut aussieht. Doch spätestens dann, wenn man die Überschriften mit Inhalt füllen muss, stößt man an Grenzen. Bis zu dieser Erkenntnis hat man aber wertvolle Zeit verloren, die gerade bei den Seminararbeiten besonders kostbar ist.

    Hilfreich kann es daher sein, die Vorschläge der KI immer weiter zu verfeinern. Das kann gelingen, indem man die Gliederung der KI selbst durchdenkt und immer gezieltere Fragen stellt. Vielen fällt es leichter Bestehendes zu verbessern, anstatt selbst von Null Neues zu schaffen. Das wird durch den Einsatz von KI möglich. Wichtig ist aber auch hier, dass man im Hinterkopf behält, dass man selbst die höheren Kompetenzen als die KI hat und gegebenenfalls auch alles Vorgeschlagene unbrauchbar verwerfen muss.

    3.2. KI als Sparringspartner

    Neben der Möglichkeit, dass KI grundsätzlich die Gliederung erstellt, besteht natürlich auch der traditionelle Weg, es selbst zu machen. Wie anfangs gesagt, kann es aber passieren, dass man irgendwann auf Grenzen und Unsicherheiten stößt. Nach der Sichtung von Literatur z.B. hat man häufig viel Wissen und steht dann vor dem Problem es zu ordnen. Hier kann es hilfreich sein, der KI den eigenen Knoten im Kopf darzustellen. Das hilft zum einen, die eigenen Gedanken zu sortieren, weil man sie verschriftlicht und dadurch teils der Knoten schon gelockert oder gelöst wird. Und zum anderen, indem die KI die Gedanken für einen sortiert. Auch hier kann man dann immer genauer sein Störgefühl beschreiben oder kleinteiliger Nachfragen. Nach der Methode erstellt man die Gliederung zu größerem Teil selbst und nimmt nur ausgewählte von der KI eingebrachte Element mit auf.

    Photo by Walls.io on Pexels.com

    4. Erstellung von Überschriften

    Ein wichtiger Aspekt der Gliederung – neben dem roten Faden – sind prägnante Überschriften. Gemeint sind damit solche, die verständlich auf den Punkt bringen, worum es im kommenden Abschnitt geht und somit den roten Faden der Arbeit erkennen lassen. Fehlt einem die nötige Kreativität, kann es auch hier sinnvoll sein, seine eigenen Überschriften von der KI optimieren zu lassen. Damit jedoch der angestrebte Zweck erreicht werden kann, ist es meist notwendig, der KI kurz zu beschreiben, worum es in dem Abschnitt gehen wird. Teils werden auch hier mehrfache Nachfragen und Verfeinerungen notwendig sein.

    5. Tücken 

    Wirklich tückisch kann es sein, dass man zu Beginn schon zu stark auf die KI baut. Entweder um Zeit zu sparen oder aus Unsicherheiten und deshalb direkt auf die KI zurückgreift. Die Gefahr ist dann groß, dass man sich nicht intensiv genug mit seinem Thema auseinandersetzt und daher gar nicht so recht weiß, worüber man überhaupt schreibt oder wesentliche Aspekte übersieht. Um dieses Gefühl zu vermeiden, bietet es sich an, dass man zunächst eine ganz simple Ideensammlung ohne Einsatz von KI macht, dann in die Literaturrecherche startet. Während man überblicksartig liest, Themenfelder ausmacht und diese festhält. Und anschließend erst die KI mit einbezieht.

    6. Fazit

    Gliedern ist eine Fertigkeit und bedarf viel Übung. Studium und Promotion sind als Qualifikationsphasen gerade dazu da, diese zu erwerben. Deshalb ist ein Rückgriff auf die KI immer mit Bedacht zu wählen. Es wäre jedoch auch nicht sonderlich zukunftsgewandt, würde man sich den Möglichkeiten, die KI mit sich bringt, verwehren. In unterstützender Funktion, z.B. als Gedankenanstoß oder zur Verfeinerung der eigenen Ideen kann der Einsatz von KI daher sehr sinnvoll sein und den Gliederungsprozess effizienter gestalten.

    Hast du KI schon mal zum Gliedern von Seminararbeiten, Aufsätzen, etc. genutzt? Teile gern deine Erfahrungen mit uns und der Community auf Goldwaage.jura bei Instagram.