Effizienter studieren durch digitales Lernen (Teil 1/2)

Ein Beitrag von Aurelio Diamanti

In Jahr 2022 haben wir Studierenden technologische Möglichkeiten, auf die unsere Vorgänger in ihren kühnsten Träumen nicht gekommen wären. In meinen Augen sind diese technologischen Möglichkeiten aber gerade für Studierende der Rechtswissenschaften notwendig. Denn mit jedem Jahr wächst der Stoff, der Examenskandidat*innen in Klausuren über den Weg laufen kann.

Es ärgert mich immer wieder, wenn ich mit frustrierten Kommiliton*innen spreche, die ihre Papierkarteikarten verloren, Rückenschmerzen von schweren Ringordnern bekommen oder Sehnenscheidenentzündungen vom Schreiben ewig langer handschriftlicher Zusammenfassungen bekommen haben. Da denke ich mir immer: Es geht auch anders, vor allem digital! Bisher habe ich gemeinsam mit unserem Gründungsmitglied Lena Weißkopf im Herbst einen Workshop zum digitalen Lernen organisiert, freue mich jetzt aber, euch mit diesem einen Überblick über die Thematik zu geben. Der Beitrag wird in zwei Teile aufgeteilt, wobei der zweite Teil im Verlauf der kommenden Wochen erscheint. Folgt also Goldwaage und disrUPt auf Instagram, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Was bedeutet eigentlich digitales Lernen?

„Digitalisierung“ ist ein Buzzword schlechthin! Alle wollen „digitaler“ sein und das Wort ist zu einem Synonym für Aufbruch und Erneuerung geworden. Wenn man jedoch durch die gekonnten Marketingstrategien hindurch schaut, merkt man, dass die „Digitalisierung“ deutlich weniger mystisch ist, als man denkt: Aus Brief wird E-Mail, aus Aktenablage ein digitaler Cloud-Speicher, händisch eingetippte Bestellungen werden automatisiert ausgefüllt oder Meetings, die vorher aufgenommen wurden, werden durch von den Teilnehmenden aufgenommene Kurzvideos ersetzt.

Und wie sieht es im Bereich digitales Lernen aus?

In meinen Augen sehr ähnlich: Lehrbücher werden nicht mehr händisch herumgetragen und mit Textmarkern markiert, sondern am Laptop oder Tablet durch ein PDF-Tool bearbeitet. Karteikarten schreibt man nicht mehr auf kleine Papierkärtchen, sondern tippt diese digital am Laptop. Und Zusammenfassungen werden nicht mehr mühsam handschriftlich geschrieben, sondern mit einem anständigen Texteditor geschrieben. Und Lernpläne und -tabellen, die vorher mühsam aus 8 DIN-A4 Zetteln zusammengeklebt und an eine Wand montiert wurden, werden durch smarte Tabellen und Datenbanken angefertigt.

Die Vorteile sind evident: Man muss nicht kiloweise Papier mehr herumschleppen, Dateien werden sicher in einer Cloud abgelegt und stehen auf diversen Geräten zu Verfügung und das eine Stichwort, was man sucht, findet man durch eine gekonnte Suche im Dokument in Windeseile.

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Zwei Prinzipien des digitalen Lernens

Bevor wir in die Materie selber einsteigen, gibt es in meinen Augen zwei Prinzipien, die man beachten sollte, wenn man vom Papierdschungel zur Tastatur wechseln möchte.

Weniger ist meistens mehr!

Viele Menschen, die sich mit digitaler Produktivität auseinandersetzen, sind zunächst überwältigt: komplexe Anwendungen, Dashboards, der Wahn nach ästhetischen Zusammenfassungen und zehnstündige Tutorials und vieles mehr erwecken den Eindruck, dass die analoge Welt deutlich effektiver ist als die digitale. Hier gilt es: Abstand nehmen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Meistens reicht es schon, analoge Prozesse digital abzubilden, um in den Genuss diverser Vorteile zu kommen. Weniger ist, wie so häufig, mehr!

Papier als gesunde Abwechslung

Ca. 90% meiner Lerntätigkeit findet digital statt. Umso mehr genieße ich es, hin und wieder einen Aufsatz in einer Zeitschrift zu lesen oder meine Gedanken auf einem Blatt Papier aufzuschreiben. Bei digital und analog handelt es sich nicht um ein „entweder oder“. Wenn ihr also auf digitales Lernen umsteigen wollt, Lehrbücher aber weiterhin gerne in Papierform lest, ist das überhaupt nicht schlimm!

Digitales Lernen in der Anwendung

Im Folgenden werden wir nun schrittweise verschiedene Aspekte und Anwendungen des digitalen Lernens anhand eines klassischen Lernflusses beleuchten. Dabei werden wir nicht nur die „essentialia“ eines jeden digitales Set-Ups aufzeigen, sondern auch konkrete Anwendungsbeispiele aus unserer Erfahrung aufzeigen. Der Beitrag wird sich anhand folgender sechs Ratschläge orientieren, die man in meinen Augen auch so chronologisch durchgehen sollte:

  1. Benutzt einen Cloudspeicher
  2. Habt eine digitale Inbox
  3. Organisiert euch mit Tabellen/Notion
  4. Benutzt Apps zur Visualisierung
  5. Führt ein digitales Fallbuch
  6. Benutzt nicht zu wenige und nicht zu viele Apps

Der Cloudspeicher als Rückgrat

Als ich meiner Familie und meinen Freunden mitteilte, dass ich Jura studieren möchte, wurde mir zunächst entgegen geworfen: Mensch, da wirst du eine große Menge an Büchern und Papier mit dir rumtragen müssen!

Hinsichtlich der Gesetzestexte, die ich im Rahmen meiner Examensvorbereitung von A nach B tragen muss, hat sich diese Aussage leider bewahrheitet. Hierbei handelt es sich aber um ein anderes Thema. Was jedoch allgemein Skripte, Lehrbücher, Fälle und sonstige Materialien angeht, bin ich weitestgehend von Papier und Rückenschmerzen befreit. Das hat einen simplen Grund: Soweit möglich, speichere ich alle Dokumente als PDF ab bzw. scanne sie ein und speichere sie digital in der Cloud. Dies hat folgende Vorteile: 1) Ich kann auf allen meinen Geräten über die Cloud jederzeit auf die Dokumente zugreifen und 2) durch Backups kann ich meine Dateien langfristig gut sichern. Während meiner Hausarbeitsphasen habe ich alle Dokumente, die ich benötigt habe, direkt digital abgespeichert. So konnte ich immer überall auf diese zugreifen und musste nicht fürchten, bei der finalen Literaturkontrolle Inhalte nicht wieder zu finden.

Deshalb ist mein erster (und wahrscheinlich auch zentralster Ratschlag): Legt euch einen Cloudspeicher zu! Hier gibt es diverse Angebote von den großen Unternehmen wie Apple, Google oder Microsoft. Gerade Google bietet mit Drive auch großzügige 15 GB kostenlosen Speicher an, was für die meisten als Ablage für Dokumente fürs Erste reichen sollte. Ich wünschte, ich hätte seit dem ersten Semester (mit der Cloud habe ich selbst erst im dritten Semester gestartet) diszipliniert alle meine Dokumente aufbewahrt, um jetzt im Rahmen der Examensvorbereitung auf diese zugreifen zu können. Daher mein Ratschlag an euch: Legt eure Dokumente digital ab! Hierdurch habt ihr auch den weiteren großen Vorteil: Die Dokumente werden in der Cloud suchbar. Sofern ihr also ein spezielles Dokument (bspw. einen Schuldrecht AT Fall mit Schwerpunkt im Leistungsstörungsrecht) sucht, könnt ihr diesen einfach suchen und finden. Viele Cloudanwendungen machen auch den Inhalt eines Dokumentes maschinenlesbar, wodurch ihr auch Inhalte innerhalb von Dokumenten suchen könnt.

Die digitale Inbox

Ich vermute, die meisten habe diese Situation schon erlebt: Man schreibt an einem Skript, löst einen Fall oder ist in der Privatrecht AG und plötzlich taucht eine wichtige Aufgabe auf oder man hat eine geniale Idee. Hier bietet es sich an, eine digitale Ablage/Inbox zu führen, in der man schnell diese Eingebungen ablegen kann. Es gilt: Je schneller und einfacher, desto besser! Vor allem Anwendungen wie Todoist oder Things 3 bieten die Möglichkeit, über Keyboard Shortcuts schnell und effizient Aufgaben abzulegen. Selbstverständlich kann man hier auch auf Stickynotes oder ein Notizbuch zurückgreifen. Digitale Anwendungen haben jedoch den Vorteil, dass die Aufgaben dann über mehrere Geräte abrufbar sind und man nicht Gefahr läuft, wie bei einer Stickynote, diese zu verlieren.

Hier seht ihr das Eingabefenster, was ich über ein Tastaturkurzbefehl schnell systemweit in der App Things 3 öffnen kann.

Der Beitrag wird an dieser Stelle beendet und nächste Woche weitergeführt.

Jede*r kann Coden lernen

Jennifer und Lena von disrUPt law e.V. berichten über ihre Erfahrungen mit dem Coding Kurs von SheCodes

(Werbung wegen Markennennung, Jennifer und Lena haben den Kurs jedoch aus eigenem Interesse gestartet und selbst bezahlt)

Im Moment sind lediglich 25 % der Arbeitsplätze im Bereich Programmierung mit Frauen besetzt. Nach dem Start-up SheCodes ist das deutlich zu wenig. Sie haben sich deswegen zum Ziel gesetzt mehr Frauen zum Schritt in die Programmierbranche zu ermutigen, indem sie das für den technologisierten Arbeitsmarkt erforderliche Wissen auf einfachstem Weg vermitteln. Konkret bietet SheCodes Online Coding Workshops an, die unkompliziert und flexibel von zuhause absolviert werden können. Die Inhalte werden durch eine Mischung von aufgezeichneten Lektionen, Hausaufgaben und Live-Unterstützung bereitgestellt.

Warum ausgerechnet SheCodes? Auf SheCodes aufmerksam geworden, sind wir durch personalisierte Werbung auf Youtube. Zuvor hatten wir beiden noch nicht von SheCodes gehört. Von ihrer Mission direkt angetan, meldeten wir uns zum nächstmöglichen Starttermin an. Dafür ist zu wissen, dass SheCodes vier Kurse mit jeweils unterschiedlicher Zeitdauer anbietet. Die Kosten sind entsprechend gestaffelt. Wir entschieden uns, für den Basis Kurs mit einer Länge von drei Wochen. Der Basis Kurs erschien uns perfekt, denn er richtet sich an absolute Anfänger, so wie wir es waren. Es werden Grundlagen in HTML, CSS und Javascript vermittelt, sowie der Umgang Visual Studio Code, einem bekannten Coding Editor.

So funktioniert das Programm Alle für den Workshop erforderlichen Materialien finden sich auf der Online-Plattform von SheCodes. Die Lektionen im Videoformat können je nach Lust und Zeit bearbeitet werden. Zu beachten sind nur die Deadlines zum Ende der Woche. Denn jede Woche schließt mit einer Hausaufgabe ab, die die gesammelten Erkenntnisse zusammenführt. Die Hausaufgaben müssen bis zum Ablauf der Deadline auf der SheCodes Online-Plattform hochgeladen werden. Sie werden dann vom SheCodes Team auf ihre Richtigkeit überprüft. Erhält man eine positive Rückmeldung werden die Lektionen für die nächste Woche freigeschalten. Unabhängig davon, ist jede einzelne Videolektion mit einer kleinen Challenge verbunden, die es zu meistern gilt. Mit einer bereitgestellten Lösung kann sofort überprüft werden, ob man den Inhalt der Lektion verstanden hat. Gleichzeitig grenzt sich SheCodes hier zu anderen Workshops ab, die Wissen nur auditiv vermitteln.

Hier sieht man, wie eine Hausaufgabe, editiert in VSCode, von SheCodes aussehen kann.

Während des gesamten Kurses hatten wir beide nie das Gefühl der Überforderung. In den Videos wird darauf geachtet, immer nur auf bereits Gelerntes aufzubauen. Sollte dennoch eine Frage aufkommen, war die Kommunikation mit dem Team von SheCodes über Slack problemlos möglich. Auch wir Kursteilnehmerinnen untereinander konnten uns im Rahmen von Slack austauschen und bei Problemen unterstützen. Die Community setzt sich aus Frauen von überall auf der Welt zusammen.

So sieht die Lernoberfläche von SheCodes aus.

Das Abschlussprojekt Zum Ende der dritten Woche galt es für uns ein Abschlussprojekt einzureichen, womit der Kurs auch enden sollte. Aufgabe war es eine Seite zu programmieren, die alles Gelernte in sich vereint. Und tatsächlich, konnten wir beide eine eigens programmierte Landing page vorweisen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel man in drei Wochen lernen kann! Die Abschlussprojekte werden mit der gesamten Community geteilt, sodass man sehen kann, was andere Kursteilnehmerinnen entwickelt haben. Es gibt auch die Möglichkeit Feedback zu geben. Nach einem erfolgreichen Abschlussprojekt bekommt man ein Zertifikat von SheCodes, welches man direkt mit seinem LinkedIn Profil verbinden kann. Wichtig zu erwähnen ist, dass man auch nach Abschluss des Kurses weiterhin auf alle Unterlagen zugreifen kann.

Fazit Für uns, hat sich der Kurs in allem Fall gelohnt. Wir haben hierdurch eine gute Grundlage geschaffen, um weiter in das Thema einzusteigen. Trotzdem haben wir uns beide dafür entschieden, unsere Kenntnisse eigens zu vertiefen und, zumindest im Moment, keinen Aufbaukurs von SheCodes zu besuchen. Einerseits, sind die Aufbaukurse nicht günstig und damit eher für Personen geeignet, die das Programmieren als Teil ihrer beruflichen Zukunft sehen. Andererseits war selbst der Basis Kurs durchaus zeitintensiv. Hierfür ist zu wissen, dass wir ihn in einem Zeitraum ohne universitäre Klausuren absolviert haben. Die angegebenen 7 Stunden pro Woche sind aus unserer Perspektive nicht ganz realistisch. Gerade, wenn man keine Vorkenntnisse hat, wird manche Videolektionen mehrmals bzw. langsamer schauen müssen, um das neu Gelernte zu verarbeiten und zu verinnerlichen.

Insgesamt hat der Coding Kurs spannende Einblicke in ein, für uns, ganz neues Themenfeld gewährt. Vor allem eins hat er deutlich gezeigt: Jede*r kann coden lernen! Daher würden wir den Basis Kurs jedem empfehlen, der einen Einstieg in das Coden sucht.

Fazit

Hier könnt ihr euch die Abschlussprojekte angucken:

Jenny: https://www.shecodes.io/workshops/shecodes-basics-6d9ccdc4-eeda-4d48-ba36-3d0d14341104/projects/629551

Lena: https://www.shecodes.io/workshops/shecodes-basics-061bca36-b02c-4653-83d9-0b2c01b169df/projects/625360

So findest du einen Einstieg ins Thema „Legal Tech“

Ein Beitrag von Aurelio Diamanti und Carla Blecke

Seit einigen Jahren ist das Wort “Legal Tech” in aller Munde – nur was ist das eigentlich genau?

Zusammen mit dem Studierendenverein “disrUPt law e.V.” möchten wir euch in den nächsten Tagen genau das näher bringen. In der Themenwoche “Legal Tech und Recht der Digitalisierung” erklären wir euch deshalb, was Legal Tech überhaupt ist, warum es uns so begeistert und wie wir in unserem Alltag davon profitieren.  

Was ist Legal Tech? Unter Legal Tech versteht man, vereinfacht gesagt, die Schnittstelle von Jura und technischer Innovation. Es geht darum, juristische Arbeitstechniken durch die Vorteile der Digitalisierung zu verbessern, zu vereinfachen und besser zugänglich zu machen.

Wir können innerhalb einer Woche natürlich nur begrenzt über “Legal Tech” informieren. Deswegen haben wir euch in diesem Post eine Übersicht zusammengestellt, mit Büchern, Podcasts, Vorlesungen, die uns persönlich überzeugt haben und die wir euch wärmstens empfehlen können, wenn ihr euch vertieft mit dem Thema beschäftigen möchtet. 

1.Beiträge zu Legal Tech und Legal Innovation

Martin Fries Vorlesung zu „Legal Tech Prof. Dr. Martin Fries hat als einer der ersten Professor*innen Deutschlands nicht nur eine umfangreiche Vorlesung zum Thema Legal Tech entwickelt, sondern diese auch komplett kostenlos auf YouTube und gängigen Podcast-Plattformen für alle Interessierte zur Verfügung gestellt. Angefangen bei der automatischen Subsumtion, über die Digitale Streitbeilegung und Online-Klagen bis hin zur digitalen Beweisaufnahme und Zwangsvollstreckung findet ihr mit der Vorlesung einen umfangreichen und hochqualitativen Einstieg in den Bereich Legal Tech.

Zeitschrift „REthinking: Law“ Die „REthinking: Law“ ist eine Zeitschrift, die sich dem technologischen Wandel der Rechtsbranche widmet. In lehrreichen und abwechslungsreichen Beiträgen erhaltet ihr Einblicke in die aktuellsten technologischen Entwicklungen der Rechtsbranche.

Aufsätze aus der „JuS“ Im folgenden haben wir einen Kurzüberblick über interessante Artikel aus der bekannten Ausbildungszeitschrift „JuS“:

  • Legal Tech – Rechtsanwendung durch Menschen als Auslaufmodell?, Hähnchen/Schrader/Weiler/Wischmeyer, JuS 2020, 625
  • Legal Tech – Chancen und Risiken der digitalen Rechtsanwendung, Buchholz, JuS 2017, 955
  • Was ist eigentlich … ein Smart Contract?, Paulus, JuS 2020, 107

Die Events und Interviews von disrUPt law Die Mitglieder von disrUPt law arbeiten mit großer Leidenschaft daran, anderen Studierenden Möglichkeiten zu geben, sich in den Bereichen Legal Tech, Legal Innovation & Entrepreneurship weiterzubilden. Hierfür organisieren sie Vorträge, Workshop und Akademien zu größeren Themen (zuletzt „KI & Recht“). Zukünftig startet disrUPt auch ein regelmäßiges Interviewformat. Die Veranstaltungen sollen auch vermehrt aufgenommen werden, damit Studierende diese nachträglich noch anschauen können.

Podcasts Es gibt sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch eine Fülle spannender Podcasts zum Thema Legal Tech. Das Team von Legal Tech Lab Cologne veröffentlicht zwei Mal im Monat im Podcast “Talking Legal Tech” ausführliche Interviews mit spannenden Gästen. Kurze und bündige Folgen liefert der Podcast “How to Legal Tech” von eLegal, in denen Grundlegende Fragen rund um das Thema sehr verständlich aufgearbeitet werden. 

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2. Beiträge zur technischen Entwicklung im Allgemeinen

Die Herausforderungen der Digitalisierung und der Forschung rund um künstliche Intelligenz, Machine Learning, etc. betreffen natürlich nicht nur den juristischen Bereich. Hier sind deshalb einige allgemeinere Empfehlungen: 

Bücher Mit seinen Büchern “Homo Deus” und “21 Lektionen für das 21. Jahrhundert” hat mich [Carla] der Autor Yuval Harari in seinen Bann gezogen. Sehr gut verständlich beschreibt er mögliche Zukunftsszenarien in einer hoch-technologischen Welt. Obwohl er nicht speziell auf juristische Fragestellungen eingeht, sind beide Bücher für Jurastudierende absolut interessant. Denn in Hararis Entwürfen von einer digitalen Zukunft schwingen unglaublich viele rechtliche und ethische Fragen mit. 

Für eine dystopischere Betrachtung der Zukunft kann ich [Aurelio] die beiden Bücher „AI Superpowers“ und „Weapons of Math Destruction“ empfehlen. Ersteres überzeugt durch eine historische Analyse der technologischen Entwicklung Chinas, die in eine gestochen scharfe Prognose über die zukünftige Entwicklung des Landes und seiner Stellung im Weltgefüge übergeht. Das Buch ist auch von niemand anderem als Kai Fu Lee, einem der führenden Tech & KI Experten der Welt, geschrieben. „Weapons of Math Destruction“, geschrieben von Cathy O‘Neil, zeigt in einer umfangreichen Analyse auf, inwiefern Algorithmen unseren Alltag prägen und wir Menschen dies teilweise garnicht mehr mitbekommen.

Podcasts Im Podcast “Alles gesagt” von der ZEIT entscheiden die Gäste, wie lange sie ein Interview führen. In der Folge “Richard Socher, was denken Maschinen?”  unterhalten sich deswegen beide Moderatoren acht (!) Stunden lang mit Richard Socher, einem Pionier in der KI-Forschung, über sein spannendes Leben und seine Forschung. Außerdem erklärt Socher sehr laienfreundlich einige Grundlagen des Machine Learning. 

Mai Think X Show “Künstliche Intelligenz”  Eine Folge ihrer ZDF Neo Show “MaiThinkX” hat Mai Thi Nguyen-Kim dem Thema Künstliche Intelligenz gewidmet. Kurz und bündig geht sie darin auf Chancen und Risiken von künstlicher Intelligenz ein und gibt viele Impulse, die zum Nachdenken anregen. 

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann schreib uns gerne auf Instagram @disrupt_law und @goldwaage.jura.

Wie ich meine Hausarbeit in Notion organisiere (+free Template)

*unbeauftragte Werbung wegen Nennung des Programms

Letztes Semester hatte ich endgültig genug. Es war Hausarbeitssaison und wieder einmal fand ich mich in der Bibliothek mit einem Ordner voller loser Notizen, Kopien von Altklausuren und Ausdrucken wichtiger Aufsätze wieder. Mein Desktophintergrund war vor lauter Word-Dokumente kaum noch zu erkennen und mein Browser war mit über 20 geöffneten Tabs überfüllt.

„Das muss doch auch anders gehen“, dachte ich und suchte nach einer Lösung. Also bastelte ich mir in der Planer-App Notion ein Template, das mir ermöglichte, alle wichtigen Dokumente geordnet auf meinem Laptop zu verwalten und auch noch relativ * ästhetisch * war.

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Das war ein wahrer Game-Changer für mich, den ich in diesem Beitrag gerne mit dir teilen möchte.

Falls du mein Template benutzen möchtest, kannst du es dir sehr gerne kostenlos hier herunterladen. Notion ist eine gratis App, von der ich persönlich ziemlich begeistert bin. Wenn dir diese App nicht gefällt, gibt es im Netz übrigens einige Alternativen wie Evernote, OneNote und viele weitere.

Das Template ist relativ intuitiv benutzbar und selbsterklärend und du kannst es selbstverständlich an deine eigenen Bedürfnisse anpassen.

Falls dich dennoch interessiert, wie ich Notion nutze, lies gerne weiter…

Die Hauptseite des Templates
  1. Lösungsskizze

Zunächst nutze ich eine Seite, auf der ich die Lösungsskizze notiere. Hier schreibe ich das Schema auf und mache mir Stichpunkten zu den Schwerpunkten und Problemfeldern des Sachverhalts.

2. Literaturverzeichnis

Auf der nächsten Seite habe ich eine Tabelle für das Literaturverzeichnis angelegt. Hier trage ich direkt alle zitierten Aufsätze und Bücher ein, um nicht Gefahr zu laufen, diese später zu vergessen.

3. Notizen: Literatur (Tabelle)

Noch eine Tabelle für Literatur? Ja genau! In dieser Tabelle sammle ich alle Notizen, die ich mir während des Lesens eines Aufsatzes mache. Die Aufsätze nummeriere ich durch und speichere sie in einem Ordner auf meinem Laptop.

So fliegen nicht mehr dutzende handbeschriebene Notizzettel durch meine Unitasche. Stattdessen habe ich alle Gedanken, die ich mir beim Lesen mache, gebündelt und sortiert in einem Dokument. Außerdem finde ich Aufsätze schneller wieder und muss keine Tabs offen lassen – ich weiß ja, wo alles steht. Das ist nicht nur übersichtlich, sondern spart auch noch Zeit.

Wie erspare ich mir unzählige offene Tabs?

4. Allgemeine Notizen

Auf der letzten Seite ist Platz für Notizen. Hier schreibe ich z.B. Besonderheiten des Sachverhaltes rein oder notiere mir gute Tipps von KomilitonInnen, usw.

5. To-Do-Liste

Das Template enthält außerdem eine kleine To-Do-Liste. Hier notiere ich mir gerne, wo ich beim nächsten Mal weiter machen möchte, um einen einfacheren Einstieg zu finden.

6. Kalender und Sachverhalt

Zu guter letzt habe ich in das Template einen Kalender eingebaut, in dem ich wesentliche Fristen, etc. eintrage. Außerdem ist darunter Platz, den Sachverhalt einzufügen, um diesen jederzeit verfügbar zu haben und nicht ständig einen neuen Tab aufrufen zu müssen.

Die eigentliche Hausarbeit schreibe ich übrigens nicht in Notion, sondern ganz gewöhnlich in Word, um die Formatvorgaben einzuhalten.

TEMPLATE: HAUSARBEIT

Was hältst du von Notion als Organisationstool? Ist das für dich eine Hilfe oder bleibst du lieber beim guten alten Notizblock? Schreibe es uns gerne per Mail goldwaage.jura@gmail.com oder auf Instagram @goldwaage.jura.

Interview: Psychotherapeutin Anna Lübberding

Depressionen im Jurastudium

Anna Lübberding ist Psychotherapeutin und Coach und betreibt eine Praxis in Hamburg. Im Interview hat sie mit uns darüber gesprochen, wie man eine Depression erkennt, wann und wo man sich Hilfe suchen sollte und ob eine Therapie die juristische Karriere negativ beeinflussen kann.

Psychotherapeutin Anna Lübberding

Goldwaage: Das Wort “Depression” wird seit einigen Jahren vermehrt inflationär gebraucht. Woran kann ich erkennen, ob ich selbst eine Depression habe? Und was ist der Unterschied zwischen ein paar “schlechten Tagen” und einer klinischen Depression?

Anna Lübberding: Eine Depression geht eben deutlich über ein paar schlechte Tage mit Traurigkeit hinaus. Es müssen verschiedene Kriterien erfüllt und auch ein gewisser Zeitaspekt vorhanden sein, um von einer Depression sprechen zu können. Depression drückt sich bei Menschen unterschiedlich aus: ein Patient von mir beschrieb es mal, als würde man durch ein verregnetes Fenster auf den grauen Himmel schauen, eine Patientin sagte sie fühle sich wie abgeschirmt von der Umgebung; eine andere, dass ihr alles irreal und sinnlos vorkomme. Auch wenn eine Depression viele Gesichter hat, sind die Symptome einer Depression klar definiert (zu finden im ICD-10 der WHO). Es zeigt sich, dass sich eine Depression sowohl psychisch, körperlich als auch emotional bemerkbar macht. Es gibt drei Hauptsymptome:

  • gedrückte Stimmung/Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, manchmal auch Gefühlslosigkeit
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Verminderter Antrieb mit erhöhter Ermüdbarkeit

Dann gibt es noch eine Reihe an Zusatzsymptome wie verminderte Konzentration, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Schlafstörungen und/oder verminderter Appetit (in selteneren Fällen auch erhöhter Appetit.) Bei Frauen sind Menstruationsbeschwerden keine Seltenheit, bei Männern leidet oft die Libido und damit die Erektionsfähigkeit.

Aufgrund der Vielfalt der individuellen Variationen wird eine Depression manchmal als solche verkannt. Wenn du eine Kombination dieser Symptome über mindestens 14 Tage oder länger bei dir feststellst, sollte das als Anlass dienen, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Goldwaage: Jura ist ein Studiengang, in dem hoher Druck herrscht. Viele psychisch gesunde Studierende stoßen in der Examensvorbereitung an ihre Grenzen und berichten beispielsweise von Angst und chronischem Stress. Als depressive Person ist es ja möglich, diese Erfahrungen wesentlich intensiver wahrzunehmen. Worauf sollte ich also achten, wenn ich trotz Diagnose ein sehr forderndes Studium wähle?

Es ergibt Sinn, sich einmal genauer die Ursachen einer Depression anzuschauen, um diese Frage zu beantworten. Es spielen sowohl innere als auch äußere Faktoren zusammen – genetische als auch psychosoziale Faktoren. Gegen genetische Faktoren wie z.B. ein erhöhtes Risiko an Depression zu erkranken, wenn jemand in der Familie erkrankt ist, können wir wenig machen. Worauf wir allerdings einen Einfluss haben, ist sich frühzeitig behandeln zu lassen – denn je eher wir handeln, desto besser die Heilungschancen.

Um die Faktoren einer Depression besser zu verstehen, hilft es sich das „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“ näher anzusehen. Das besagt, dass alle Menschen psychisch erkranken können, wenn eine gewisse Belastungsgrenze erreicht ist. Man kann sich das wie ein Fass vorstellen, das unterschiedlich schnell zum Überlaufen gebracht werden kann. Manchmal passt viel Wasser hinein (Klausuren, privater Stress, Trennung, Einsamkeit), manchmal weniger. Jeder Mensch ein hat unterschiedliches Fassungsvermögen („Anfälligkeit/Vulnerabilität“), ist also unterschiedlich belastbar. Um die eigene mentale Gesundheit nun bei einem sehr schweren und stressigen Studium, in dem hoher Druck herrscht, zu schützen, gilt es drauf zu achten dieses Fass nicht zum Überlaufen zu bringen.

Hier hilft es den „Energieräubern“ (Belastungen) „Energiegebern“ (Ressourcen) gegenüber zustellen: kurze Mittagspausen mit Freunden, 10 Minuten Meditieren am Tag, kleine Auszeiten, wie ein schneller Spaziergang um den Block, generell Sport (übrigens das beste Antidepressivum, was es auf dem Markt gibt), Auszeiten, Selbstfürsorge etc.

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Oftmals höre ich dann „Ich habe so viel Stress, wie soll ich das noch mit in den Alltag einbringen?“ und dazu erzähle ich immer folgende Geschichte:

Es war einmal ein Holzfäller, der bei einer Holzgesellschaft um Arbeit vorsprach. Das Gehalt war in Ordnung, die Arbeitsbedingungen verlockend, also wollte der Holzfäller einen guten Eindruck hinterlassen. Am ersten Tag meldete er sich beim Vorarbeiter, der ihm eine Axt gab und ihm einen bestimmten Bereich im Wald zuwies. Begeistert machte sich der Holzfäller an die Arbeit. An einem einzigen Tag fällte er achtzehn Bäume. »Herzlichen Glückwunsch«, sagte der Vorarbeiter. »Weiter so.« Angestachelt von den Worten des Vorarbeiters, beschloss der Holzfäller, am nächsten Tag das Ergebnis seiner Arbeit noch zu übertreffen. Also legte er sich in dieser Nacht früh ins Bett.

Am nächsten Morgen stand er vor allen anderen auf und ging in den Wald. Trotz aller Anstrengung gelang es ihm aber nicht, mehr als fünfzehn Bäume zu fällen. »Ich muss müde sein«, dachte er. Und beschloss, an diesem Tag gleich nach Sonnenuntergang schlafen zu gehen. Im Morgengrauen erwachte er mit dem festen Entschluss, heute seine Marke von achtzehn Bäumen zu übertreffen. Er schaffte noch nicht einmal die Hälfte.

Am nächsten Tag waren es nur sieben Bäume, und am übernächsten fünf. Seinen letzten Tag verbrachte er fast vollständig damit, einen zweiten Baum zu fällen. In Sorge darüber, was wohl der Vorarbeiter dazu sagen würde, trat der Holzfäller vor ihn hin, erzählte, was passiert war, und schwor Stein und Bein, dass er geschuftet hatte bis zum Umfallen.

Der Vorarbeiter fragte ihn: »Wann hast du denn deine Axt das letzte Mal geschärft?« »Die Axt schärfen? Dazu hatte ich keine Zeit, ich war zu sehr damit beschäftigt, Bäume zu fällen.«

Das heißt Energie aufladen ist kein „Nice to have“, sondern ein Muss und steigert sowohl unser Wohlbefinden als auch die Effizienz.

Goldwaage: Was kann ich tun, wenn ich von Schuldgefühlen geplagt werde, weil ich z.B. das Gefühl habe, nicht genug zu lernen?

Schuld ist evolutionstechnisch gesehen ein sehr sinnvolles Gefühl. Wir fühlen uns schuldig, wenn wir denken, etwas nicht gemacht zu haben, obwohl wir es machen sollen. Oder wenn wir etwas getan oder gesagt haben, aber glauben, dass wir es nicht tun oder sagen hätten sollen. Wenn wir also, wie in eurem Beispiel, zu wenig gelernt haben, kann die Schuld uns antreiben, mehr für die Uni zu tun – eine Art Wiedergutmachung zu leisten, was für das Studium förderlich ist.

Wenn die Schuld allerdings zum ständigen Begleiter wird, wird es problematisch, denn dann wirkt das Gedankenkarussell blockierend. Es führt dazu, dass wir die Freizeit nicht mehr entspannend erleben, und kann zu Schlafstörungen führen.

Ich finde es in dieser Situation hilfreich festzulegen, was „genug gelernt“ bedeuten soll. D.h. einen klaren Lernplan zu schreiben, der realistisch und machbar ist, in dem Pausen und Puffertage vorkommen, in dem das zu lernende Themengebiet über Wochen aufgeteilt ist und hier Schwerpunkte gesetzt werden. Was ist das nötigste und was würde ich noch lernen falls ich „gut durchkomme“? Klarheit hilft nämlich bei diffusen, unbegründeten Schuldgefühlen Abhilfe zu leisten.

Des Weiteren kann es helfen, mit anderen darüber zu sprechen, um einen kurzen Stopp im Gedankenkarussell einzulegen und sich nicht weiter in quälenden Schuldgedanken zu verfangen. Sei gnädig mit dir, wir sind keine Maschinen, die ständig auf 110 Prozent laufen. Manchmal kommt man eben gut durch, und manchmal nicht.

„Sei gnädig mit dir, wir sind keine Maschinen, die ständig auf 110 Prozent laufen.“

Psychotherapeutin Anna Lübberding

Ich erlebe es auch als hilfreich, sich klar zu machen, dass wir eben verschiedene Bedürfnisse haben, was auch gut und gesund ist. Das kann dann eben bedeuten, dass wir statt zu lernen doch mal mit ins Café fahren – und das darf auch so sein.

Goldwaage: Wie kann ich lernen, mit Niederlagen im Studium umzugehen und resilienter zu werden?

Du hast etwas ausprobiert und es hat nicht geklappt – das passiert eben. Manchmal mühen wir uns ab und dennoch bestehen wir die Klausur nicht. Das kann das Selbstwertgefühl mit voller Wucht treffen.

Ich finde es hilfreich, es anzunehmen und genau zu schauen, woran es gelegen hat. Blackout? Zu wenig gelernt? Das „falsche“ gelernt? Momentan viele andere private Themen? Und je nachdem kann man dann handeln. Wenn du beispielswiese gerade eine Trennung hinter dir hast, dann ergibt es keinen Sinn, sich auch noch wegen einer verpatzen Klausur zu geißeln. Oder vielleicht bist du gerade erst neu in die Stadt gezogen und brauchtest deine Energie, um dich zurecht zu finden und neue Freundschaften aufzubauen. Deine Priorität ist eben nicht immer und nur das Studium. Akzeptanz ist hier das Stichwort.

Es kann auch helfen, sich Erfolge und Stärken aufzuschreiben, um sich noch einmal vor Augen zu führen, dass wir so viel mehr sind als nur diese eine verpatzte Klausur.

Goldwaage: Wenn ich als Studierender vermute, dass ich an Depressionen leide, an welche Stellen kann ich mich wenden?

Die psychologischen Beratungsstellen der Uni sind eine gute Anlaufstelle, um eine erste Orientierung zu bekommen und sind ein kostenfreies Angebot der Universitäten. Alternativ kann man sich auch an andere Beratungsstellen der Diakonie beispielsweise, den sozialen Krisendienst oder an PsychotherapeutInnen wenden.

Goldwaage: Einige Studierende befürchten, Nachteile (z.B. bei Krankenkassen oder im Beruf) zu erhalten, wenn sie sich in Therapie begeben. Was würden Sie diesen Studierenden raten?

Die „Nachteile“ werden bei weiten überschätzt. PsychotherapeutInnen unterliegen der Schweigeplicht. Das bedeutet, dass wir nur Auskunft geben dürfen, wenn wir von dem Hilfesuchenden von der Schweigepflicht entbunden werden, weswegen einige auf Selbstzahlerbasis anfangen. Gesetzlich Versicherte haben keinen Nachteil zu erwarten, da die Krankenkasse niemanden aufgrund von Krankheit ausschließen darf. Des Weiteren sind den Krankenkassen auch nicht die Inhalte der Therapie bekannt, sondern lediglich die Diagnose.

Nachteile kann es manchmal bei dem Wechsel in eine private Krankenkasse geben (Risikozuschlag) oder bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Dabei wird von privaten Krankenversicherungen bei den Gesundheitsfragen ein Zeitraum von 5 bis 10 Jahren abgefragt. Wenn also ein Wechsel in die private Krankenkasse ansteht, ergibt es Sinn, diesen abzuwarten oder eben einen Risikozuschlag zu zahlen. Letzterer sollte eher in Kauf genommen werden, anstatt eine psychische Erkrankung weiter chronifizieren zu lassen.

Bei der Verbeamtung gibt es glücklicherweise seit einigen Jahren eine Beweislastumkehr – man muss also dem Amtsarzt/Ärztin nicht beweisen, dass man arbeitsfähig ist, sondern dieser müsste beweisen, dass die Person aufgrund von einer z.B. depressiven Episode, die vor Jahren geheilt wurde, nicht verbeamtet werden könne. Das ist sehr unwahrscheinlich.

Wir danken Frau Lübberding ganz herzlich, dass sie sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen zu beantworten. Falls ihr mehr von ihr sehen möchtet, schaut unbedingt einmal auf ihrem Instagram Kanal @frag_die_psychotherapeutin_ vorbei.

Klausurtaktik: So bewahrst du einen kühlen Kopf

Mit der richtigen Strategie bestmögliche Ergebnisse erzielen (Teil 2/3)

In Teil 1 dieser Serie rund um eine gelungene Juraklausur haben wir uns damit beschäftigt, wie du dich optimal auf eine Klausur vorbereiten kannst. Heute soll es daher darum gehen, wie du die Klausur am besten schreibst. 

1.Die Zeit davor

Idealerweise sitzt du wach und aufmerksam, nicht aber panisch vor Angst oder komplett übermüdet von kurzfristigem Nachtlernen in der Klausur. Am Abend vor einer Klausur bietet es sich also an, früh schlafen zu gehen. Außerdem kannst du am Abend davor deine Tasche packen, um dir am nächsten Tag einige Minuten zu sparen. Im Regelfall benötigst du in der Klausur deine Gesetze, Klausurpapier und Schmierblätter, Stifte und deinen Studierendenausweis.

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2.In der Klausur selbst

Überlege dir zu Beginn deiner Klausur einen groben Zeitplan für die Bearbeitung. In den zweistündigen Anfängerklausuren habe ich mir meistens 30 Minuten Zeit für die Erstellung einer Lösungsskizze genommen und die übrigen 90 Minuten für die Verschriftlichung genutzt.

Ich persönlich bin in den ersten 30 Minuten immer wie folgt vorgegangen:

  1. Den Sachverhalt lesen, Probleme markieren und Stichworte an den Rand schreiben.
  2. Ordnung in meine ersten Überlegungen bringen und eine Lösungsskizze erstellen.
  3. Die Streitstände grob notieren und wichtige Fachwörter aufschreiben, damit ich sie im Eifer des Gefechtes nicht vergesse.
  4. Zuletzt überprüfe ich: Habe ich alle Beteiligten erwähnt? Habe ich alle Aufgaben beachtet (Rückseite!)? Waren bestimmte Dinge vielleicht gar nicht gefragt (ist durch die Fallfrage die Bearbeitung einer Person oder eines Deliktes ausgeschlossen?)

Diese Routine hat mir auch geholfen, nicht zu nervös zu werden und z.B. stressbedingte Fehler und Blackouts zu vermeiden. Denn ich wusste zu Beginn jeder Klausur ganz genau, was ich als erstes machen würde und war dadurch gelassener.

Dann ist es Zeit für die Ausformulierung. Hierbei gilt natürlich, möglichst sauber zu schreiben, die Seitenzahlen nicht zu vergessen und Formulierungen wie „da“, oder „weil“ unbedingt zu vermeiden.

Falls du einmal in Zeitnot geraten solltest, nutze die letzten Minuten deiner Bearbeitung noch, um stichpunktartig die übrigen Paragrafen zu prüfen. Viele Korrektoren lassen auch das in ihre Bewertung einfließen.

Es ist übrigens keine Schande, eine Klausur vorzeitig zu verlassen. Solltest du einmal früher mit der Bearbeitung fertig sein, oder merken, dass du eine bestimmte Klausur auf keinen Fall bestehen kannst, kannst du den Hörsaal einfach verlassen. Dir ist nicht damit geholfen, zwei Stunden lang auf ein leeres Blatt zu starren.

3.Nach der Klausur

Nach Abgabe der Klausur beginnt oft ein ebenfalls stressiger Part: Die Auswertung durch andere Studierende. Natürlich schadet es nicht, sich auszutauschen. Lass dich im Zweifel aber davon nicht nervös machen.

Relevanter ist die Besprechung mit dem Professor, zu der ich stets empfehlen würde, hinzugehen. Denn sie kann dabei helfen, typische Fehler zu erkennen und zukünftig zu vermeiden.

Was sind deine Tipps für eine gelungene Klausur? Teile sie gerne mit uns auf Instagram @goldwaage.jura.

Vielleicht interessiert dich auch, wie man es schafft ein Prädikatsexamen zu schreiben? Dann ist vielleicht unser Interview mit Arian etwas für dich.

In vier Schritten zur gelungenen Anfängerklausur

Mit der richtigen Strategie bestmögliche Ergebnisse erzielen (Teil 1/3)

Ich bin durch meine allererste Klausur im Studium durchgefallen. Rückblickend war das kein Wunder. Obwohl ich damals der Meinung war, top vorbereitet gewesen zu sein, machte ich vieles falsch. Ich lernte ohne Plan einige Schemata und Definitionen auswendig und hoffte auf das Beste.

Inzwischen bin ich einige Semester weiter und habe eine Strategie entwickelt, mit der ich den relevanten Stoff in der Vorbereitung ausreichend vertieft lerne und meine persönlichen Bestleistungen erzielen konnte.

In diesem Beitrag habe ich probiert, die für mich wesentlichen Bestandteile der Klausurvorbereitung, sowie ein paar Literaturtipps zu sammeln. Der Beitrag soll vor allem die Vorbereitung auf Anfängerklausuren abdecken, ein weiterer Post zum Lernen für Fortgeschrittenenklausuren, sowie dem Klausurschreiben selbst wird in Kürze folgen.

*Disclaimer: Lernen ist ein sehr individueller Prozess. Daher deckt der Blogpost meine eigenen persönlichen Erfahrungen ab, die selbstverständlich von Erfahrungen anderer abweichen können.

Schritt 1: Mache dich mit dem Stoff vertraut

Zunächst solltest du dich mit dem relevanten Stoff auseinander setzen. Für einen guten Einstieg ins Thema bieten sich natürlich die Vorlesungen deiner Uni an. Falls du Vorlesungen verpasst hast oder dir der Lehrstil deiner Dozierenden nicht gefallen sollte, gibt es glücklicherweise auch tolle Angebote online. So findest du z.B. von Prof. Martin Fries ganze Vorlesungsreihen im Privatrecht kostenlos auf Youtube. Noch dazu gibt es eine Fülle an hilfreichen Podcasts online.

Falls Zuhören nicht dein Ding ist, kannst du dich auch ins Thema einlesen. Besonders in den ersten Semestern würde ich persönlich jedoch nicht empfehlen, nur mit Literatur zu lernen. Lehrbücher sind in der Regel extrem umfangreich und machen es schwer, die richtigen Schwerpunkte in der Vorbereitung zu setzen. Hilfreich sind Lehrbücher, wenn sie gezielt genutzt werden, dich vertieft mit einem Thema auseinander zu setzen.

Photo by Julia M Cameron on Pexels.com

Schritt 2: Erstelle dir einen Plan

Nimm dir im nächsten Schritt Zeit, einen Lernplan, oder zumindest eine Übersicht mit den relevanten Klausurthemen zu erstellen. Das kostet im ersten Moment etwas Zeit, wird sich im Nachhinein auszahlen, wenn du nicht ins Blaue hinein lernst, sondern strukturiert vorgehen kannst.

In einem älteren Beitrag habe ich bereits erklärt, wie ich für die Anfängerklausuren gelernt habe. Für die Fortgeschrittenenklausuren habe ich meinen Lernplan auf Excel erstellt, um dort meinen Lernfortschritt farblich zu markieren. Einer derartige Planung ist aber wirklich kein Muss, sondern lediglich meine Art, mich vorzubereiten. Vielen Studierenden genügt auch eine ganz normale To-Do-Liste.

Schritt 3: Verschriftliche das Wichtigste

Eine meiner Lehrerinnen sage früher immer „Von der Hand in den Verstand“, wenn wir etwas abschreiben mussten. Damals nervte mich dieser Satz, heute weiß ich, das es stimmt: Was ich einmal aufgeschrieben habe, vergesse ich so schnell nicht mehr. Deswegen würde ich immer empfehlen, dir in einer Art, die dir gefällt, Notizen zu machen. Dabei ist es egal, ob du die nur das wichtigste auf Karteikarten notierst, oder dir eigene ausführlichere Skripte schreibst, Mindmaps erstellst, usw… Hauptsache ist, dass du am Ende eine schriftliche Übersicht über das Thema hast.

Meine Mindmaps für Privatrecht

Schritt 4: Übe was das Zeug hält

Dann heißt es: Üben! All das Zuhören und Aufschreiben hat wenig Sinn, wenn du nicht selbst das Gelernte reproduzierst. Denn das menschliche Gehirn lernt am Besten, wenn wir etwas selbst wiedergeben. In Jura bietet es sich an, Fälle zu lösen.

Es gibt eine Fülle an Fallbüchern. Besonders in den ersten Semestern kann ich empfehlen, kürzere Fälle zu lösen, anstatt sich gleich an langen, schweren Fällen die Zähne auszubeißen. Der Vorteil: Du kannst in kleinen Schritten die wichtigsten Grundlagen und Probleme lernen und dich Stück für Stück an ausführliche Lösungen herantasten.

Buchempfehlung zum Üben [unbeauftragte Werbung]: Die Reihe „Die Fälle“ vom „Fall Fallag“ bietet zu fast jedem Rechtsgebiet Fallbücher. Anhand kleiner Fälle kann man so alle wesentlichen Probleme und Schemata üben und hat ständig kleine Erfolgserlebnisse. Die Bücher richten sich wegen ihres Umfangs besonders an Studierende in niedrigen Semestern, sind aus meiner Erfahrung aber wirklich ein guter Einstieg. Ein weiterer Klassiker der leicht zugänglichen Fallbüchern sind die Bücher von Winfried Schwabe. Diese sind etwas ausführlicher als „Die Fälle“, aber in einem leicht verständlichen Stil gehalten. Sie eignen sich auch für Klausuren in späteren Semestern.

Andere Wiederholungsmöglichkeiten, wie das Karteikartenabfragen, Fälle in Lerngruppen zu besprechen, etc. sind ebenfalls tolle Optionen – aber nicht zwingend notwendig. In der Klausur wird schließlich nur eins erwartet: Dass du im sauberen Gutachtenstil einen Fall löst. Deswegen sollte ein Großteil deiner Vorbereitung der Schritt Nr. 4 sein.

Hat dir der Beitrag geholfen? Dann folge uns gerne auch auf Instagram @goldwaage.jura.

Das könnte dich auch interessieren: „Die richtige Gliederung für die Jurahausarbeit“Sechs Hacks für die Jurahausarbeit“

Warum wir toxische Ehrlichkeit in 2021 lassen sollten

Toxische Ehrlichkeit..? Vielleicht fragt ihr euch, was das nun wieder für eine neumodische Erfindung sein soll. Neumodisch ist daran höchstens die Verwendung des Wortes „toxisch“. Als toxisch – also giftig – werden heutzutage viele Dinge bezeichnet, die als besonders destruktiv wahrgenommen werden.

Das, wovon ich euch jetzt erzähle, ist ein Paradebeispiel für toxisches Verhalten. Gemeint sind Menschen, die unter dem Deckmantel der Ehrlichkeit alle möglichen grausigen Äußerungen von sich geben. Hier ein paar Beispiele, die ich genau so schon gehört habe:

„Du würdest es ja nicht einen Tag lang in dem Beruf aushalten, dir fehlt die Disziplin dafür.“

„Eurer Instagram-Seite werden spätestens nach Weihnachten sowieso alle wieder entfolgen.“

„Du brauchst dich auf die Stelle nicht zu bewerben, da gibt es einen viel besseren Kandidaten, habe ich gehört. Das einzige, was du ihm voraus hättest, ist, dass du eine Frau bist und der Frauenanteil an dem Lehrstuhl bei Null liegt.“

on pexels.com by Anna Shvets

Wenn ich so etwas höre, ist meine intuitive Reaktion immer die Schockstarre. Ich versuche zu begreifen, wie man es sich erlauben kann, so etwas von sich zu geben. Wie soll man überhaupt auf Kritik reagieren, die einem gar keine Chance auf Verbesserung einräumt, sondern nur zusammenfasst, dass man eh versagen und es zu nichts bringen wird?

Reagiert man entsetzt oder gar wütend, schützen sich solche Menschen mit den Worten „Ich bin doch nur ehrlich. Das war doch nicht böse gemeint.“ oder in feinster Gaslighting-Manier mit „Das war doch nur ein Scherz. Sei mal nicht so zartbesaitet. Ich kann nichts dafür, wenn du so ein Sensibelchen bist“.

Äußerst hilfreich soll außerdem folgende Gegenfrage sein „Mit welchem Ziel teilst du mir das mit?“. Sie wirkt zum einen wie ein Spiegel und zum anderen hat sie durchaus das Potenzial dazu, einen Menschen zu entlarven. Die Reflektierten unter den Dreisten werden nach dieser Frage ins Stottern kommen und vielleicht Einsicht zeigen; mit dem Rest braucht man nicht zu diskutieren.

In vielen Fällen glaube ich sogar, dass die Aussage nicht primär böse gemeint war. Einige Menschen setzen sich zu wenig mit ihren unbewussten Impulsen auseinander und hinterfragen zu selten, warum genau sie sich so gefühlt oder so etwas gesagt haben. Wenn man lange genug nach der Ursache sucht, findet man sie auch. Vielleicht war es Frust, vielleicht war es Missgunst, weil man selbst in letzter Zeit nicht zufrieden mit sich selbst war. Oder vielleicht war es ja wirklich nur gut gemeint und man hat es unglücklich formuliert.

Heute bereue ich, mich damals tatsächlich von der dritten Aussage verunsichern lassen zu haben und mich nicht beworben zu haben. Nicht, weil ich so gerne dort gearbeitet hätte, sondern aus Prinzip. Ich möchte nicht Teil einer Gesellschaft sein, die anderen Menschen Steine in den Weg legt und sie in ihrer Entwicklung ausbremst. Ich möchte nicht in zwei Jahren eine der Ursachen dafür sein, dass jemand ein Projekt nicht begonnen hat, weil ich die Person entmutigt habe.

Das, was ich als wahr und ehrlich erachte, kann aus einem anderen Standpunkt heraus gesehen auch vollkommener Unsinn sein.

Aber wie soll man denn nun seine Meinung äußern dürfen, ohne dass sie als „toxisch ehrlich“ gilt? Zunächst könnte man sich fragen, welche Reaktion man sich auf die Aussage eigentlich erhofft. Möchte man wirklich nur helfen und einen kleinen Tipp geben? Dann kann man diesen auch freundlich und aufgeschlossen formulieren und idealerweise auch gute Aspekte nennen, bevor man jemanden mit zu viel Kritik erschlägt. Aber auch dann sollte man immer im Blick haben, dass nicht alles, was gedacht wird, auch gesagt werden muss.

In den meisten Fällen möchten Menschen nämlich gar nicht die Meinung anderer hören. Und wenn doch, dann fragen sie danach.

Abschließen will ich mit einem alten, aber dennoch hochaktuellen Zitat aus dem Kinderfilm „Bambi“:

„Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man den Mund halten.“

Der große Goldwaage.jura Jahresrückblick

Diese Themen haben euch und uns beschäftigt

Was. Für. Ein. Jahr.

Mit dem Ende des Jahres 2021 ist auch das erste Jahr von Goldwaagejura.com vorbei. Und – das müssen wir an der Stelle natürlich sagen – wir können gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. 

So vieles ist in diesem Jahr auf dem Blog passiert. Deswegen haben wir für euch ein paar Highlights (und ein Lowlight) in diesem Beitrag gesammelt. 

Am meisten geklickt wurde unser Beitrag “Jura abbrechen – Ja oder Nein”, direkt gefolgt von “Die richtigen Quellen für eine Jura Hausarbeit”. Unser Blog wird übrigens von Google als erstes gelistet, wenn man “Jura abbrechen?” sucht. Wir sind uns nicht sicher, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Da wir beide aber nach wie vor Jura studieren, nehmen wir das einfach positiv.

2021 hatten wir außerdem die Ehre, unser allererstes Interview auf Goldwaagejura.com zu führen. Und zwar mit den tollen Anwältinnen der Kanzlei Köslich und Dunker.

Danach haben wir noch mehr Lust auf Interviews mit spannenden JuristInnen bekommen, und promt Arian ausgefragt, wie er ein Prädikatsexamen geschrieben hat, Aurelio zum Thema “Legal Tech” gelöchert, uns bei Max und Daniel zu ihrer Gründung von Lexoni erkundet und die Gründerinnen von Legally Female zu ihrem Netzwerk für Frauenförderung interviewt.

Das meist gelikte Bild auf Instagram war, abgesehen von den Gewinnspielen, die sich großer Beliebtheit erfreut haben, der Beitrag “Sechs Mindsets gegen Prüfungsangst”.

Sehr haben wir uns auch darüber gefreut, dass auch einige GastautorInnen 2021 bei uns etwas veröffentlicht haben. 

Robert hat uns erklärt, wie spannend die Arbeit bei einer studentischen Law Review ist, Friederike hat von ihren Erfahrungen bei einem MootCourt berichtet, Ida hat uns von ihren Erfahrungen aus dem ersten Semester Jura erzählt und Erik hat für uns eine Rezension im Legal Bookclub geschrieben.

Zum Ende des Jahres wurden wir von der lieben Feli (@beyourbestlawstudent) in ihren Podcast eingeladen und haben mit ihr über mentale Gesundheit im Studium gequatscht. Wir waren zugegeben etwas aufgeregt und noch dazu ohne Mikrofon unterwegs, aber vielleicht habt ihr ja trotzdem Lust, mal reinzuhören.

In unserer Rubrik “Legal Bookclub” hat euch am meisten “Inside Strafverteidigung – Advokaten des Bösen” von Burkhard Benecken und Hans Reinhardt interessiert.

Wo wir gerade beim Legal Bookclub sind. Am wenigsten interessiert hat euch 2021 der Beitrag “Thinking like a lawyer”. Es ist zugegeben auch trockene Materie und noch aus dem Jahr 2020 – also haben wir dafür vollstes Verständnis …

Natürlich interessiert uns auch 2022 eure Meinung. Was fandet ihr bisher auf dem Blog gut? Wovon würdet ihr mehr lesen und was könnten wir auch getrost sein lassen? Schreibt uns gerne eine Mail oder auf Instagram @goldwaage.jura .

Interview: Legally Female

Den Monat Dezember nutzen wir dazu, euch neue StartUps und Vereine im juristischen Bereich vorzustellen. Heute freuen wir uns darüber, euch Legally Female zu präsentieren.

Legally Female wurde von Ann-Kathrin Ludwig, Marcelina Puchalski und Felicitas Famulla ins Leben gerufen. Die drei haben sich zum Ziel gesetzt, ein Netzwerk für angehende Juristinnen zu gründen, in dem der vorurteilsfreie Austausch über das Studium und Karriereoptionen im Vordergrund steht.

Goldwaage: Wer steckt hinter Legally Female und wie kamt ihr auf die Idee, das Netzwerk zu gründen?

Legally Female: Wir sind drei Gründerinnen – Ann-Kathrin Ludwig, Marcelina Puchalski und Felicitas Famulla. Ann-Kathrin hatte seit Jahren den Wunsch, Legally Female zu gründen und hierbei andere Juristinnen auf dem Weg zum Erfolg zu unterstützen. Hierbei hat sie sich Marcelina Puchalski, die bereits zweifach erfolgreich gegründet hat und Felicitas Famulla, welche seit Jahren neben ihrer juristischen Tätigkeit im Social Media Bereich tätig ist, ins Boot geholt.

Die Idee kam aus der langjährigen beruflichen Erfahrung in diversen Kanzleien und anderen juristischen Tätigkeiten, wo wir gemerkt haben, wie sehr wir selbst dazu neigen, uns zu wenig zuzutrauen und unsere Leistungen nicht objektiv zu bewerten und dass Förderung meistens erst dann ermöglicht wird, wenn man bereits objektive Kriterien für diese aufweist.  

Marcelina Puchalski, Ann-Kathrin Ludwig und Felicitas Famulla

Goldwaage: Was sind die Hauptziele eures Projekts?

Gemeinsam wollen wir die Förderung angehender Juristinnen ohne Wenn und Aber ermöglichen. Wir glauben fest daran, dass die Rechtswissenschaft starke Juristinnen braucht und wollen den juristischen weiblichen Nachwuchs ermutigen, ihr Potential vollkommen auszuschöpfen. 

Natürlich ist es beeindruckend, wenn juristischer Nachwuchs gute Noten, spannende Lebensläufe und beeindruckende Praktika und erste Berufserfahrungen aufweisen kann. Wir wollen von diesen objektiven Kriterien jedoch nicht die Förderungsmöglichkeit abhängig machen und für die Bildungsgleichheit kämpfen. Es ist für uns gerade nicht Voraussetzung, einen beeindruckenden Lebenslauf und herausragende Noten aufweisen zu können, sondern wir wollen mit der Förderung frühzeitig beginnen – ab dem ersten Semester. Dadurch soll kein Potential verloren gehen und dem entstehenden Förderbedarf Rechnung getragen werden. 

Goldwaage: Wie sieht eine Förderung durch euch konkret aus? Angenommen man ist Jurastudentin im ersten Semester und meldet sich bei euch – wie geht es dann weiter? 

Unsere Förderung beruht auf drei Grundsäulen.

Die Hauptsäule ist das LF (Legally Female) Mentoring.
Zunächst bewirbt sich eine potentielle Mentee bei uns per E-Mail. Daraufhin wird ein kurzes, unbürokratisches Vorstellungsgespräch geführt, um zu schauen, ob eine etwaige Zusammenarbeit persönlich passt. Das Grundkonzept von Legally Female ist kostenlos und unbürokratisch. Durch die Informationen aus dem Bewerbungsverfahren führen wir ein passendes Pairing mit einer geeigneten Mentorin durch und geben beiden einen Mentoring-Leitfaden mit an die Hand. Zudem veranstalten wir eine Einführungsveranstaltung – sowohl für Mentorinnen als auch Mentees, damit die Eckpfeiler des Programms transparent umrissen werden. Aus der persönlichen Mentorin-Mentee-Beziehung halten wir uns aber natürlich heraus, um ein Safe-Space-Networking zu gewährleisten. Sollte es aus irgendeinem Grund Probleme geben, stehen wir natürlich immer als Ansprechpartner parat.

Ansonsten wird es noch das LF Developing und LF Networking geben.

Im Rahmen des LF Networking bieten wir einen Safe-Networking-Space im Rahmen einer geschlossenen Linked-In Gruppe, wo ein vertrauensvoller Austausch über sensible Themen und ein regelmäßiger Austausch mit inspirierenden Persönlichkeiten stattfindet.

Im Rahmen des LF Developing veranstalten wir – teils kostenpflichtige – Workshops mit spannenden Speakern, die nicht nur Mentorinnen und Mentees, sondern allen offensteht.

Goldwaage: Wie schafft ihr es, jeweils euren Hauptberuf und eure Firma unter einen Hut zu bringen? 

Bisher klappt das noch ganz gut,  weil wir alles auf die Wochenenden, frühen Morgenstunden und späten Abendstunden legen. Unsere Hauptjobs sind nicht von Legally Female betroffen, obwohl wir durch unsere Arbeitgeber sehr viel Unterstützung erfahren.

Goldwaage: Durch die gemeinsame Arbeit an Goldwaage wissen wir, dass es manchmal kompliziert ist, bei allen Abläufen Rücksprache zu halten und immer die Meinung des anderen einzuholen. Wie koordiniert ihr euer Unternehmen zu dritt? Habt ihr fest zugewiesene Arbeitsbereiche?

Da wir noch ganz am Anfang stehen, läuft das Ganze bisher ausschließlich unter uns dreien durch E-Mails und Whatsapp ab. Dadurch stehen wir täglich in engem Austausch und sind auch privat eng verbunden.  

Goldwaage: Wo seht ihr Legally Female in der Zukunft?

Legally Female soll die Rolle der Frau in der Rechtswissenschaft stärken und einen umfassenden Überblick über die möglichen Berufsbilder in der Juristerei bieten. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt und bereiten uns bereits auf die ersten Präsenzveranstaltungen und -workshops vor.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Ann-Kathrin, Marcelina und Felicitas bedanken und wünschen ihnen noch viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Visionen in der Zukunft.

Falls ihr Legally Female weiter mitverfolgen wollt, gelangt ihr hier zum dazugehörigen Instagram-Account.