Interview: Aurelio Diamanti von DisrUPt Law e.V.

Aurelio Diamanti ist Jurastudent in Heidelberg und hat sich schon zu Beginn seines Studiums für technische Innovationen im juristischen Bereich interessiert. Im Sommer 2020 gründete er den Verein DisrUPt Law e.V., um ein Angebot zu schaffen, bei dem sich Studierende zum Thema Legal Tech austauschen und weiterbilden können.

Wir haben mit ihm über Digitalisierung, die Gründung eines studentischen Vereins und die Zukunft des Rechts geredet.

Goldwaage: DisrUPt Law ist ein studentischer Verein, der sich mit Legal Tech beschäftigt. Was ist denn eigentlich Legal Tech? Aurelio: Legal Tech per se ist noch nicht richtig definiert. Wir schließen uns der gängigsten Definition an, dass es darum geht, juristische Arbeitsprozesse durch Nutzung der Digitalisierung und moderner Technologien zu rationalisieren und der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen.

Das kann so aussehen, dass ich als Anwalt die Digitalisierung nutze, um meine Dienstleistungen der Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen. Das geht zum Beispiel, indem ich einen Vertragsgenerator erstelle. Oder mithilfe von Chatbots, die MandantInnen nutzen können, um erste Fragen abzuklären und ein besseres Bild zu bekommen. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist FlightRight

Legal Tech kann auch so aussehen, dass eine Großkanzlei große Mengen an Vertragsdaten analysiert, um die besten Klauseln für künftige Verträge zu finden. Legal Tech ist also die Digitalisierung der juristischen Arbeit selber.

Wie bist du darauf gekommen, den Verein zu gründen? Ich habe schon früh im Studium gemerkt, dass Apps und ein gewisses Verständnis von Technik den Studienalltag unheimlich vereinfachen können. So habe ich schon 2019 Kommilitonen gezeigt, wie man digital lernen kann, zum Beispiel mit digitalen Karteikarten. Zeitgleich war ich bei einem Legal Tech Start-Up in in Heidelberg für ein Praktikum. Dort habe ich sehr viel zu Legal Tech mitbekommen, da auch der Gründer sehr aktiv in der Szene ist. Insgesamt habe ich gemerkt, dass im Bereich der Digitalisierung allgemein und im Legal Tech-Bereich sehr viel passiert.

Die Digitalisierung birgt viel Potenzial für Studierende: Sowohl für das Studium als auch für die beruflich Zukunft. Aber es gibt im juristischen Studium eigentlich kaum etwas dazu.

Im Februar 2020 habe ich dann gesehen, dass es Legal Tech Initiativen an anderen Unis gibt. Da dachten einige Kommilitonen und ich: warum nehmen wir das als Studierende nicht einfach selbst in die Hand und schaffen einen Rahmen, in dem sich Jurastudierende mit der Digitalisierung auseinandersetzen können?

Was genau macht ihr bei DisrUPt law? DisrUPt law ist eine Vereinigung von Studierenden jeglichen Wissenstands im Bereich Digitalisierung, die selber mehr über die Digitalsierung (des Rechts) lernen wollen, erlangtes Wissen schon im Studium anwenden möchten und andere Studierende für die Themen der Zukunft begeistern möchten. Es war von Anfang an klar, dass wir sowohl Leute abholen wollen, die schon viel Wissen mitbringen wollen, als auch Leute, die gar kein Hintergrundwissen mitbringen. 

Dort können Studenten sich einerseits fachlich mit der Materie der Digitalisierung im Recht allgemein auseinandersetzen, aber auch mit der sich verändernden Rechtspraxis, in der sich die Sachverhalte mehr und mehr ändern. Vor allem wollen wir durch Veranstaltungen Studierenden die Möglichkeit geben, sich mit der Digitalisierung und Legal Tech auseinander zu setzen und sich in dem Bereich aktiv weiterzubilden. 

Hierdurch schließen wir die Lücke, die momentan zwischen juristischer Praxis und einer immer digitaler werdender Gesellschaft auf der einen Seite und der juristischen Ausbildung auf der anderen Seite besteht. Denn durch disrUPt können (Jura-)Studierende sich schon im Studium in der Digitalisierung des Rechts weiterbilden, ohne irgendwo Mitglied sein zu müssen oder Geld zu bezahlen.

Ihr sitzt in Heidelberg. Kann man bei euch auch mitmachen, wenn man woanders studiert?  Der Stamm und die meisten Mitglieder sitzen in Heidelberg. Aber wir arbeiten digital, einige unserer Mitglieder sind derzeit auch im Ausland oder leben außerhalb von Heidelberg. Deshalb ist unser Credo: Jeder in ganz Deutschland kann mitmachen. Das geht ja dank der Digitalisierung. Wir haben vereinzelt Präsenzveranstaltungen, bei denen wir versuchen, dass die Mitglieder von außerhalb in Heidelberg untergebracht werden. Wir sehen das als Bereicherung, dass Mitglieder dabei sind, die nicht aus Heidelberg kommen. Hierdurch können alle den eigenen Horizont erweitern.

Wo siehst du DisrUPt law in der Zukunft? Wir haben es in den letzten Jahren schon ganz gut etabliert, Wissen an Studierende heranzutragen. Ein Meilenstein war unsere erste “Akademie” mit dem Oberthema “Alternative Karrierewege für Juristen und Juristinnen”, bei der es verschiedenen Seminare gab, um tiefgreifendes Wissen im Bereich Unternehmertum, Gründung von (Legal Tech) Start-Ups und der Arbeit als Legal Engineer zu vermitteln. Im Zentrum stand die Frage, welche Möglichkeiten für Juristinnen außerhalb des klassischen Anwaltsberufes gibt. Die AbsolventInnen erhalten auch ein Zertifikat, auf dem die Experten, die wir eingeladen haben, die Teilnahme bestätigen.

Unser nächstes Ziel ist, neben der Wissensvermittlung – die kostenlos und für alle zugänglich bleiben soll – das Gelernte auch aktiv anzuwenden. Hier erarbeiten wir gerade ein Konzept mit Unterstützung aus der Praxis, von dem ich aber noch nicht zu viel berichten darf.

Und wo siehst du die Zukunft des Legal Techs Ich bin der Auffassung, dass wir noch ganz am Anfang sind, auch wenn Legal Tech sehr viele Fortschritte macht. Obwohl es schon viele Initiativen dazu deutschlandweit gibt, merkt man, diplomatisch ausgedrückt, eine gewisse Technologie-Ferne, die gerade noch im juristischen Studium und juristischen Berufen besteht. 

„Bisher merkt man die Tendenz noch sehr stark: Jurastudierende – Buch, Stift, Papier, andere Studierende – Laptop und moderne Apps.“

Aurelio Diamanti

Bisher merkt man die Tendenz noch sehr stark: Jurastudierende – Buch, Stift, Papier, andere Studentierende – Laptop und moderne Apps. Selbstverständlich bringen andere Studiengänge auch andere Herausforderungen als das Jurastudium mit sich, die technologischer Lösungen bedürfen. Aber auch der klassiche Jurastudierende kann von Technik profitieren. 

Deshalb sehe ich in den nächsten Jahren einen großen Mentalitätsshift, einfach durch die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bringt. 

Dazu kommt eine gewisse Öffnung in der Rechtsausbildung, indem zum Beispiel mehr Materialien gut zugänglich sind. Dadurch wird das Rechtswissen der Allgemeinheit und auch den Studierenden besser zugänglich, was ich sehr begrüße. Aber ich sehe auch eine große Entwicklung, dass schon existierende Rechtspraktiker sich sehr viel weiterbilden müssen, um die komplexen Probleme der Zukunft zu verstehen. Um zum Beispiel künstliche Intelligenz, Blockchain und alles was damit einhergeht zu verstehen, reicht es nicht nur, Grundlagenwissen zu haben. Dafür wird es Juristen brauchen, die sich tief mit Technologie auskennen und einerseits das Recht anwenden können und andererseits das Recht schaffen können, um den Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden. 

Auch im Rechtsmarkt sehe ich einiges an Wandel. Aus meiner subjektiven Perspektive gibt es eine junge Generation an heranwachsenden AbsolventInnen, die einen gewissen Schwung in die Praxis bringen werden. 

Zusammenfassend sehe ich einen ganz großen Transformationsprozess in unsere Gesellschaft und auch speziell im juristischen Bereich. Und dieser Transformationsprozess birgt natürlich für jeden Jurastudierenden eine Chance. Deshalb würde ich auch jeden Jurastudierenden ermutigen, sich mehr mit Technologie und Digitalem auseinandersetzen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Aurelio für das spannende Interview. Mehr zu DisrUpt Law findet ihr auf der Website und auf Instagram @disrupt_law.

Wie schreibe ich ein Prädikatsexamen?

Ein Interview mit Arian Birth

Diesen Monat hatten wir die Chance, Arian Birth zu interviewen.

Er ist 23 Jahre alt, kommt aus Stralsund und hat sein Jurastudium an der Universität Greifswald mit einer zweistelligen Note abgeschlossen.[1] Seinen Schwerpunkt legte er in „Europarecht und Rechtsvergleichung“ ab und absolvierte zusätzlich ein Auslandssemester in Lund, Schweden.

Wir sind sehr froh darüber, dass wir ihm eure vielen Fragen zu seinem Examen stellen durften, die ihr uns über Instagram zukommen lassen habt. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Arian, vielleicht fangen wir ganz vorne an: wie kamst du überhaupt dazu, Jura zu studieren?

Ich habe tatsächlich vor dem Jurastudium ein Semester lang BWL studiert, aber das war mir zu mathelastig. Danach musste ich mich umorientieren und habe überlegt „Eigentlich interessierst du dich sehr für gesellschaftliche Themen, Politik, Wirtschaft.“ Ich wollte etwas studieren, bei dem ich das Gefühl hatte, das größere Ganze überblicken zu können und da schien mir Jura eine gute Wahl zu sein. Außerdem fand ich Jura sehr praxisbezogen, da man von Tag eins an Dinge lernt, die man auch in seinem Alltag gut gebrauchen kann.

Wie waren deine Noten im Studium?

Am Anfang mittelmäßig. In meiner ersten Hausarbeit hatte ich 4 Punkte. Bis zur Zwischenprüfung hatte ich so meine Startschwierigkeiten. Je mehr ich aber gelernt und verstanden habe, desto besser wurden auch die Noten.  

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, abzubrechen?

Ich glaube jeder von uns hat sich diese Frage schon gestellt, und nicht nur ein Mal (lacht). Es gab häufiger Zeiten, gerade in Richtung der großen Scheine, in denen ich mich überfordert gefühlt habe und mich gefragt habe „Warum mache ich das hier überhaupt?“. Auch in der Examensvorbereitung gab es Momente, die schwierig waren, aber ich bin einfach drangeblieben. Das war auch sehr gut so, denn irgendwann kommt immer eine gute Note in einer Probeklausur, die einen weiter motiviert. 

Hast du in Regelstudienzeit studiert?

Ja, ich habe nach neun Semestern mein Examen geschrieben. Ich hatte Glück, dass ich relativ schnell durch die Übungen kam und nichts wiederholen musste. Dazu muss ich aber auch sagen, dass meine Examensvorbereitung vergleichsweise kurz war. 

Wie lang war deine Examensvorbereitung?

Ich kam damals aus dem Auslandssemester und wollte gerne möglichst schnell fertig werden, da das permanente Lernen schon sehr anstrengend war. Ich habe mir deshalb einen Examenstermin herausgesucht, der für mich machbar wirkte und das war dann der für April 2021. Ich habe mir quasi bis Weihnachten eine Frist gesetzt, bis zu der ich mich endgültig entscheiden musste, ob ich zum Examen antrete und wollte diese Entscheidung dann von den Ergebnissen der Probeklausuren abhängig machen. Im Endeffekt habe ich mich acht Monate lang intensiv auf das Examen vorbereitet. Dazu muss ich sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon vieles ausgearbeitet hatte und fast die gesamte Zeit nur zum Lernen nutzen konnte. Ich habe versucht, mir so viel wie möglich während der großen Übungen an Wissen anzueignen, um dann später eine gute Grundlage für die Examensvorbereitung zu haben.

Hast du digitale oder analoge Notizen benutzt?

Ich habe alles auf eigenen Karteikarten notiert. Im ersten Semester hatte mir eine Seminarleiterin zu Karteikarten geraten und diesen Rat habe ich dann befolgt. Dazu hatte ich noch extra Definitionskarteikarten, das müssten allein schon mindestens 350 gewesen sein… 

Digitale Notizen waren nicht meins, da ich die Karteikarten gerne in der Hand halte beim Lernen. 

Wie war deine Lernroutine im Examen? 

Ich habe morgens mit 20 Minuten Definitionenlernen angefangen. Danach habe ich eine Lösungsskizze für einen Fall erstellt und die Skizze dann mit der Musterlösung abgeglichen. Den Rest des Tages bin ich dann meine Karteikarten durchgegangen: also Schemata, Streitstände, etc. Insgesamt habe ich pro Tag ca. acht Stunden lang gelernt, mit zwischenzeitlichen Pausen.

Hattest du einen Lernplan?

Die Lernpläne, die ich z.B. im Internet gefunden habe, waren alle nicht auf die kurze Zeitspanne ausgelegt, in der ich mich vorbereitet habe. Daher habe ich mir als eigenen Lernplan festgelegt, dass ich jede Woche alle Stoffgebiete bearbeite, sodass ich im Stoff bleibe. Zwei bis zweieinhalb Tage die Woche habe ich mich mit Zivilrecht beschäftigt, dann zwei Tage mit öffentlichem Recht und ca. einen Tag mit Strafrecht. Samstags habe ich Probeklausuren im Examensklausurenkurs meiner Universität geschrieben, insgesamt waren es vielleicht 15 Probeklausuren.

An einem Tag in der Woche war ich beim Öffrecht-Repetitorium meiner Uni, aber ich habe kein privates Repetitorium besucht. Öffentliches Recht war eigentlich nie meine Stärke, daher brauchte ich da mehr Input als in den anderen Fächern. Den Rest des Stoffs habe ich mir über Bücher mehr oder weniger selbst beigebracht, da ich nicht der Typ für Vorlesungen war. Einen Tag in der Woche habe ich mir komplett frei genommen.

Eine Lerngruppe hatte ich nur für den Schwerpunkt, aber nicht für das Examen selbst.

Ich habe inhaltlich in der Examensvorbereitung ganz bewusst mit BGB AT gestartet und habe nicht erst bei den Spezialgebieten angefangen zu lernen, um die Themen wirklich von Grund auf zu verstehen. 

Was Lernpläne angeht, muss man da wirklich schauen, dass man für sich einen individuellen Lernplan erstellt und nicht danach schaut, was von irgendjemand anderem vorgegeben wurde.

Welche Materialien kannst du empfehlen (Bücher, Zeitschriften, Skripte)?

Ich habe viel mit den Übungsklausuren der JuS gearbeitet, die haben mir gefallen. Mit dem Klausurenfinder habe ich mir dann speziell Klausuren zu den Themengebieten herausgesucht, die ich gerade bearbeitet habe. Die ZJS fand ich auch sehr gut, die Zeitschrift ist online frei abrufbar. Dort sind wirklich extrem anspruchsvolle Klausuren dabei – wer die gut lösen kann, braucht vor dem Examen wirklich keine Angst zu haben. Was Bücher angeht, habe ich viel mit den Büchern aus dem Nomos-Verlag gearbeitet. Das Nomos-Lehrbuch von Faust zum BGB AT kann ich z.B. sehr empfehlen. 

Spezielle Probleme habe ich in der Examensvorbereitung gerne im Kommentar nachgelesen, am liebsten im Beck-Onlinekommentar, da er sehr verständlich geschrieben ist und man darauf so einfach zugreifen konnte.

Was war dein Lieblingsrechtsgebiet?

Ich habe sehr gerne Europarecht gemacht. Ansonsten war Zivilrecht mein Lieblingsgebiet. 

Was würdest du im Rückblick anders machen und was hat gut funktioniert?

Rückblickend hätte ich vielleicht ein bis zwei Monate länger für das Examen lernen können, da es schon eine stressige Zeit war. Insgesamt war aber meine Lernstrategie auf mich persönlich optimal zugeschnitten und ich war mit dem Ergebnis so weit zufrieden.

Was aber gut funktioniert hat, war es, mir ca. alle fünf bis sechs Wochen die gesamten Karteikarten in dem jeweiligen Rechtsgebiet anzuschauen und zu wiederholen. Wenn man das nicht tut, vergisst man den Stoff leider sehr schnell.

Wie waren die letzten Wochen vor dem Examen für dich?

In den letzten zwei Wochen habe ich versucht, nichts mehr für Jura zu machen und mir die Dinge nur noch einmal im Kopf zurechtzulegen und zu ordnen. Ich war kaputt und hatte das Gefühl, dass wenn ich mir nicht endlich mal die Zeit nehme, um runterzukommen und mich mental auf die Situation vorzubereiten, dass es dann schiefgeht. Ich glaube, wenn man bis zum letzten Tag noch lernt, ist man zu nervös und im Kopf nicht frei genug für die Klausur. Ich habe mich dann mit ein paar Freunden getroffen, habe ausgeschlafen und Netflix geschaut. Das hat mir wirklich sehr geholfen. 

Hattest du die Erwartungshaltung, ein Prädikatsexamen zu schreiben?

Natürlich wünscht man sich das… Ich wollte das gerne schaffen. Ich hatte auch ein paar gute Probeklausuren geschrieben. Dadurch wusste ich, dass es theoretisch möglich wäre, so ein Ergebnis zu erzielen. Ich wusste aber auch, dass meine Vorbereitung sehr kurz war und viel an Normalität und Präsenz an der Uni durch Corona weggefallen war. So ca. acht Punkte insgesamt waren vorher mein Ziel. Hätte ich das nicht geschafft, hätte ich vermutlich die Möglichkeit genutzt, mich zu verbessern, da das ja mein Freiversuch war. 

Mit welchem Gefühl bist du in die Examensklausuren reingegangen?

Vor der ersten Klausur waren wir natürlich alle sehr nervös. Ich habe mir gedacht „Oh Gott, wie wird das hier wohl heute?“. Man kennt die Situation einfach nicht und kann sie auch im Kopf vorher nicht durchspielen. Letztendlich versteht man erst, wie es ist, wenn man selbst dort gesessen hat. Ich habe versucht, mich darauf zu besinnen, dass meine Probeklausuren ganz gut gelaufen sind und dass ich sehr viel gelernt habe. Ich hatte eine ganze Zeit lang vor der endgültigen Anmeldung zum Examen das Gefühl „Ich weiß nicht genug. Das wird jetzt nichts…“ – das war eigentlich das viel schlimmere Gefühl. Als ich mich dann dazu entschieden hatte, anzutreten, war ich relativ entschlossen, dass das jetzt irgendwie klappen muss. Ich wollte einfach nur noch, dass es endlich losgeht.

Wie ging es dir nach der letzten Klausur?

Die letzte Klausur war wirklich nicht schön, ich war dort sehr in Zeitbedrängnis. Als ich dann aus dem Raum rausging, habe ich gemerkt, wie die komplette Anspannung von mir abgefallen ist. Ich hatte danach so ca. drei Wochen lang nicht viel mit Jura zu tun, sondern war viel unterwegs und habe meine Familie und Freunde besucht; also alles nachgeholt, was ich in der Zeit davor nicht geschafft habe. 

Wie geht es jetzt beruflich für dich weiter?

Ich habe mich dafür entschieden, erst einmal an der Universität Greifswald zu bleiben und arbeite als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Schinkels am Lehrstuhl. Ich bin gerade dabei, meine Doktorarbeit im Internationalen Privatrecht vorzubereiten. Wahrscheinlich wird es für mich langfristig in Richtung Anwaltschaft gehen. Aber meine Pläne für die Zukunft würde ich noch als entwicklungsoffen beschreiben.

Welchen Tipp möchtest du unseren LeserInnen abschließend geben?

Fürs Examen würde ich den Tipp geben, dass man sich nicht zu sehr verunsichern lassen darf von dem, was andere machen. Man muss für sich selbst herausfinden, was für einen gut funktioniert und was nicht. 

„Ich habe gelernt, dass man nie alles können kann. Und davon darf man sich nicht entmutigen lassen.“

Das ist ganz wichtig. Was ich außerdem für das persönliche Leben empfehlen kann: ich würde probieren, wenigstens an einem Tag in der Woche ein bisschen Abstand von Jura zu bekommen und etwas anderes zu machen. Man darf sich nicht verrückt machen lassen von dem, was andere sagen oder was man so liest.

Erstsemestern kann ich nur empfehlen, irgendwo mit dem Lernen anzufangen und einfach weiterzumachen. So banal es klingen mag, aber man sollte immer dranbleiben, egal wie es gerade läuft. 

 

An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal bei Arian für seine Zeit und die vielen Antworten, die er uns gegeben hat. Einen Instagram-Post zu dem Interview findest du unter @goldwaage.jura, wo du uns gerne einen Kommentar hinterlassen kannst. 


[1] Seine genaue Examensnote möchte Arian nicht veröffentlichen, aber da wir ihn persönlich kennen, können wir seine Leistung bestätigen.

Trotz Lernstress bei Laune bleiben? – Meine sechs Tipps

Vielleicht kennst du das: die ersten Wochen des Semesters verlaufen entspannt und ohne viel Lernaufwand. Bis du plötzlich in den Kalender schaust und siehst, bis zur nächsten Klausur sind nur noch wenige Wochen Zeit. (An unserer Uni schreibt man die Klausuren übrigens während des Semesters, im Abstand von einigen Wochen)

Früher hat mich das wahnsinnig nervös gemacht, ständig Deadlines und Prüfungen im Hinterkopf zu haben und schlagartig viel Zeit in der Bibliothek zu verbringen. 

Das führte oft zu Stress und Folgeerscheinungen, wie Kopfschmerzen, Verspannungen und nicht selten innerer Unruhe. 

Während der letzten Semester möchte ich behaupten, habe ich jedoch eine Routine entwickelt und einige Kniffe gelernt, die Prüfungsphasen um einiges leichter machen. Diese möchte ich heute mit dir teilen. 

1. Gut planen Setze dir am Anfang der Woche realistische Ziele und notiere feste Lern- und Pausenzeiten in deinen Kalender. So überlässt du nichts dem Zufall und hast, wenn du die eine Auszeit nimmst, kein schlechtes Gewissen. 

2. Ein großer Wocheneinkauf  Es gibt wenig, was meine Stimmung so schnell kippen lässt, wie ein leerer Magen. Nach einem langen Tag in der Bibliothek nach Hause zu komme und nichts zu Essen im Kühlschrank zu finden ist für mich ein absoluter Albtraum.

Deswegen mache ich in arbeitsintensiven Zeiten gerne einen großen Wocheneinkauf (und wenn ich ganz besonders ambitioniert bin, koche ich sogar schon ein Gericht vor). So muss ich mir nach getaner Arbeit nicht noch den Kopf darüber zerbrechen, was ich koche oder mir zum dritten Mal in der Woche einen Döner holen. 

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3. Top Drei des Tages  Den Tipp habe ich aus einem Podcast von Mia Keller, der Betreiberin des Erfolgsblogs Kochkarussel. Ihr Produktivitätshack ist so einfach wie genial. Statt ellenlangen To-Do-Listen notierst du dir täglich deine Top Drei Dinge, die du erledigen möchtest. Das sind sozusagen die Pflichtübungen, alles was du darüber hinausgehend machst ist Kür. 

Ich nutze diese Technik jetzt seit einigen Wochen und bin so viel motivierter und produktiver. Denn durch diese überschaubare Menge an Aufgaben bist du nicht schon morgens gehemmt, überhaupt anzufangen und hast auch einen Schutzmechanismus, der dich vor Überarbeitung bewahrt. 

4. Schöne Dinge einplanen  Auch wenn du einen vollen Stundenplan hast – vergiss nicht, dir täglich Zeit für ein paar schöne Erlebnisse zu nehmen. Triff Freunde, lies ein gutes Buch, schau einen Film, mach einen Spaziergang, …. Das ganze muss weder teuer noch zeitintensiv sein: Schon eine gemütliche Mittagspause mit KommilitonInnen, eine halbstündige Auszeit im Park oder einem Café können aus einem stressigen einen erholsameren Tag machen. 

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5. Genug schlaf Zugegeben, das ist wirklich kein Geheimtipp… Aber obwohl wir alle wissen, wie essentiell guter Schlaf für die Gemütslage und die Konzentrationsfähigkeit sind, neigen viele von uns dazu, Schlaf als erstes zu vernachlässigen, wenn viel ansteht. Dabei ist nichts frustrierender, als kaputt in der Bibliothek zu sitzen und den gleichen Satz zum vierten Mal zu lesen, weil einem vor Müdigkeit die Augen zufallen. Also: arbeite lieber ein, zwei Stunden weniger, dafür aber im wachen Zustand. 

6. Fortschritt festhalten Notiere dir in regelmäßigen Abständen, was du schon geschafft hast. Durch die Fülle des Lernstoffs verliert man in Jura schnell den Überblick über all die Dinge, die man schon verstanden und gelernt hat. Es schadet deshalb nicht, regelmäßig zum eigenen Cheerleader zu werden und sich selbst vor Augen zu führen, wie weit man es schon geschafft hat.

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Fünf Gründe, das Jurastudium zu lieben

Ich bin inzwischen in meinem siebten Semester. Neben der (teilweise sehr berechtigten) Kritik am Studium, gibt es so einiges, das ich die letzten Jahre an dem Studiengang zu schätzen gelernt habe. Das habe ich für euch in diesem Post gesammelt.

1. Flexibilität In kaum einem anderen Studium kannst du dir deine Zeit so frei einteilen wie im Jurastudium. Du kannst Vorlesungen eigentlich gänzlich aus deinem Stundenplan streichen, falls du der Typ Selbstlerner bist und nur die Pflichtveranstaltungen (AGs, VKs) belegen. Da der Lernstoff bundesweit fast identisch ist, hängt relativ wenig von den einzelnen Dozierenden und deren vorlesungsbegleitendem Material ab. Etwas anderes gilt natürlich, wenn es z.B. um den Schwerpunktbereich oder Zusatzqualifikationen wie den Fremdsprachenschein geht.

Bei vielen Pflichtveranstaltungen kannst du dir darüber hinaus die Zeiten selbst aussuchen. Du bist Frühaufsteher und hast dann gerne den Nachmittag frei? Kein Problem, leg dir deine AGs und Seminare auf 8:00 Uhr morgens. 

2. The sky ist the limit Eine Sache wird dir im Jurastudium und späteren Berufsleben nie passieren: Unterforderung. Durch die unzähligen Rechts- und Spezialgebiete gibt es immer etwas neues zu lernen, was für wissbegierige Menschen extrem viele Möglichkeiten bietet. Mit Jura wirst du nie das Gefühl haben, dein volles Potenzial nicht entfalten zu können und in einer Tätigkeit stecken zu bleiben. Die Karriereoptionen sind so vielfältig, dass du keine Stagnation in der Zukunft befürchten musst.

3. Alle Türen stehen dir offen Dieser Punkt leitet sich aus dem vorherigen ab und verdeutlicht noch einmal, wie viel du eigentlich mit Jura anfangen kannst. Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Strafverteidigung, Rechtsanwaltstätigkeit, Behördenarbeit, Gerichtspraxis, Verlagswesen, Journalismus, Arbeit an der Universität – das sind Möglichkeiten, die dir mit zwei Examen offen stehen, wobei natürlich klar ist, dass einige Wege nur mit Prädikatsexamen zu meistern sind. Genau dieser Aspekt des Jurastudiums war es am Ende, der mich davon überzeugt hat, da ich nicht wie bei anderen Studiengängen das erdrückende Gefühl hatte „Oh nein, wie soll ich mit meinen 18 Jahren genau entscheiden, was ich die nächsten zehn bis 50 Jahre beruflich machen möchte?“. Genau das musst du mit Jura nämlich nicht.

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4. Allgemeinbildung Jura hilft ungemein dabei, die komplexen Zusammenhänge zwischen Politik, Recht, Verwaltung, Gesellschaft, Philosophie und Geschichte zu verstehen. Durch die Fremdsprachenqualifikation wirst du auch sprachlich ausgebildet und deine Rhetorikqualifikation befähigt dich dazu, noch selbstbewusster und kompetenter aufzutreten. Das alles sind unglaublich wichtige Erkenntnisse und Schlüsselkompetenzen, die einem das Jurastudium vermittelt und die ich in meinem Alltag nicht missen möchte.

5. Kontakte Im Laufe deines Studiums wirst du viele sehr wichtige und gute Kontakte knüpfen können. Ob zu deinen Kommilitonen, die später am Lehrstuhl arbeiten, zu den Dozierenden, zu deinen PraktikumsleiterInnen usw. Es ist wirklich sehr hilfreich, wenn man am Studienende bereits einen Rechtsanwalt aus seinem Nebenjob kennt, einen Wirtschaftsstrafrechtler, der an der Uni Dozent ist oder eine Staatsanwältin aus seinem Praktikum. All das sind Menschen, die dich sowohl karrieretechnisch als auch persönlich bereichern können und in Zukunft vielleicht den ein oder anderen Rat für dich haben – ganz egal in welche Berufsbahn es dich letztlich verschlägt.

Diese Dinge darfst du im ersten Semester ruhig bleiben lassen

Eine kleine “Not-To-Do-Liste”

Das erste Semester an einer Uni kann überwältigend sein – und das Studienfach Rechtswissenschaften mit seinen Besonderheiten ganz besonders. 

In diesem Beitrag möchte ich dir fünf Tipps an die Hand geben: mit lauter Dingen, die du im ersten Semester ohne schlechtes Gewissen sein lassen kannst. 

1. Bücher kaufen  Fast alle ProfessorInnen beginnen ihre Vorlesungen mit Buchempfehlungen, bei denen sie eine Hand voll Lehrbücher präsentieren und nicht selten auch zum Kauf eines der Bücher raten. 

Ich habe das in meinem ersten Semester brav befolgt und einen Batzen Geld in der Universitätsbuchhandlung gelassen – und das später bereut. 

Abgesehen von Gesetzbüchern würde ich im Nachhinein wirklich davon abraten, Literatur neu zu kaufen. Vielmehr würde ich auf den Bestand der Unibibliothek zurückgreifen. Dort gibt es alles kostenlos und du wirst nicht von deinem schlechten Gewissen eingeholt, wenn du zum wiederholten Male ein Buch nur kurz aufschlägst und dann rasch beiseite legst. Außerdem rauben ausgeliehene Bücher dir nicht dauerhaft Platz im Bücherregal.

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2. Sich von panischen KomilitonInnen nervös machen lassen Ich kann inzwischen an zwei Händen abzählen, wie oft ich von KommilitonInnen “Tipps” und gut gemeinte Ratschläge erhalten habe, die sich im Nachhinein als falsch oder nutzlos herausgestellt haben. 

Natürlich ist es hilfreich, sich mit Mitstudierenden auszutauschen – ganz häufig bekommt man dadurch wertvolle Hinweise. 

Wovon du dich allerdings fernhalten solltest, sind die Panik-Macher. Das sind die, die vorgeben, sich schon seit Jahren im Recht auszukennen, die von morgens bis abends in der Bibliothek sitzen und die ständig Horrorszenarien über das Studium von sich geben. 

Aus eigener Erfahrung weiß ich: oft ist das Gerede nur heiße Luft und man kommt auch mit einem durchschnittlichen Lernaufwand gut durch die ersten Semester. 

3. Ungeplant ins Studium Als Ersti musst du ganz sicher nicht dein gesamtes Studium durchgetaktet haben. Viele Möglichkeiten ergeben sich erst im Laufe des Studiums und natürlich kann auch immer etwas passieren, dass den Ablauf deines Studiums verändert.

Was ich jedoch unbedingt empfehlen würde, ist dir einen groben Plan über das Studium zu machen. Dafür kannst du dich am Regelstudienplan deiner Uni orientieren und außerdem zusätzliche Verpflichtungen einplanen. Wenn du also im Hinterkopf hast 

-außergewöhnliche Praktika

-ein Auslandssemester 

zu absolvieren, beachte, dass dafür oft eine langwierige Vorbereitung nötig ist. 

Wenn du dir von Anfang an grob überlegst, wann du in etwa ins Ausland gehen oder deine Praktika absolvieren möchtest, hast später kaum Stress mit der Organisation. Als Plan reicht übrigens eine kurze Notiz im Handy, in der du ungefähr einteilst, was du in welchem Semester schaffen möchtest. 

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4. Deine gesamte Freizeit opfern Als großer Fan einer gesunden “Jura-Life-Balance” muss ich das natürlich sagen: Mach nicht zu viel. Ein gesunder Fleiß hat noch niemandem geschadet, aber achte darauf, dich nicht in der Fülle des Lernstoffes zu verlieren.

Jura ist ein so umfassendes Fach, dass es theoretisch immer noch etwas gibt, das du lernen könntest. Statt dich am Anfang jedoch mit Detailfragen zu quälen, arbeite im ersten Semester lieber an einem soliden Grundlagenwissen. Das wird dich weit bringen und lässt dir außerdem genug Zeit für Freunde, Familie, Freizeit und Hobbies. 

5. Alles sofort verstehen wollen  Jura ist ein wahnsinnig umfassendes Studienfach. Es ist deswegen gar nicht von der Studienordnung vorgesehen, dass du sofort alles verstehst. In jedem Semester wirst du dein Wissen weiter aufbauen, bis du dich irgendwann auskennst. Mach dich deswegen im ersten Semester nicht verrückt, wenn du nicht sofort alles verstehst – das juristische Denken kommt mit der Zeit.

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Mindset: So meisterst du das erste Semester

Oft haben wir Angst vor dem Unbekannten und Unerforschten. Befürchtungen und Unsicherheiten sind im Studium – gerade am Anfang – absolut normal. Hier haben wir ein paar kleine Reminder und Mindsets gesammelt, die vielleicht zu deiner Entspannung beitragen können. 

  1. „Ich schaffe das und lasse mich nicht von anderen verunsichern“

Fühlst du dich überfordert mit der komplizierten Prüfungsordnung, dem Uni-Alltag oder den ersten Klausuren? Kein Problem, alles ist gut! So geht es gerade vielen, auch wenn sie es nicht zugeben wollen und die eigene Unsicherheit mit großspurigem Angeben und Klugscheißen überspielen. Wenn andere Erst- oder Zweitsemester dir erklären wollen, wie der Hase läuft und was du alles zu lernen und zu wissen hast – hör am besten nicht hin. In den ersten Semestern hat kaum einer den Durchblick und das ist auch okay und genau richtig so. 

Wenn die ersten Klausurergebnisse eintreffen und du durchfällst, während der Freundeskreis sehr gut bestanden hat, darfst du dich davon nicht verunsichern lassen. Jura erfordert viel Durchhaltevermögen und „Dranbleiben“. Eine exzellente Leistung im ersten Semester nützt nicht viel, wenn man im nächsten aufgibt, weil man z.B. nicht die Disziplin aufbringen kann, für ein Thema zu lernen, das einen nicht interessiert. Bleib also ganz entspannt und schaue, wie du unter anderem an deinem Stil oder deinem Tempo in Klausuren arbeiten kannst, ohne nach links und rechts zu blicken. Je weniger du dich von anderen verunsichern oder in einen toxischen Konkurrenzkampf mit hineinziehen lässt, desto nachhaltiger werden auch deine Erfolge. 

2. „Mein Lerntyp ist individuell und das ist in Ordnung“

Jeder lernt auf unterschiedliche Art und Weise und verarbeitet Informationen unterschiedlich schnell. Wenn KommilitonInnen acht Stunden am Tag lernen und jede Vorlesung vor- und nacharbeiten, muss das nicht der Weg sein, der auch für dich zu deinen gewünschten Ergebnissen im Studium führen wird. Ich habe lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass ich nicht der auditive Lerntyp bin, der aus einer Vorlesung viel für sich mitnehmen kann. Seitdem lerne ich nur noch für mich allein und habe mein eigenes Lernsystem entwickelt, welches keine Vorlesungen und Seminare beinhaltet. Überlege dir, welche Methode für dich am effizientesten ist, ohne dich von Vorgaben der Profs („Ich empfehle Ihnen, diese 500-seitigen Bücher durchzuarbeiten“) und deines Umfelds verunsichern zu lassen. Am Ende zählt deine Zufriedenheit mit deinen Leistungen.

3. „Ich konzentriere mich auf das Hier und Jetzt“

Mit Zukunftsängsten à la „Ich schaffe das Examen bestimmt nicht“ und „Diese Stoffmengen werde ich nie beherrschen“ kannst du dir nur das Leben und Studieren schwer machen. Eine Taktik, die mir immer wieder hilft, um aus Angstspiralen herauszukommen, ist der Blick auf das Hier und Jetzt. Ich beschränke mein Gedankenkarussell, indem ich nur die nächste Prüfung oder Hausarbeit vor Augen habe und nicht das „große Ganze“. Schritt für Schritt arbeitet man so seine Stationen im Studium entspannter ab und setzt sich mit dem Examen dann auseinander, wenn es relevant wird. 

Planlos? Wie du ab dem ersten Semester den Durchblick behältst

Das erste Semester ist für alle ein Sprung ins kalte Wasser. In diesem Beitrag möchte ich dir meinen Nummer eins Tipp verraten, der mich bisher reibungslos durch das Studium gebracht hat: Plane dein Studium!

1.Warum solltest du dein Studium planen? Es gibt in meinen Augen drei Hauptgründe, sich bereits früh mit der Planung des Studiums zu befassen. 

Du bekommst erstens einen richtig guten Überblick, was dich in den nächsten Jahren so erwartet.

Zweitens hilft ein Plan bei der Einhaltung von Fristen. Viele Praktika und Auslandssemester erfordern eine recht lange Vorbereitungszeit. Mit einem Plan vergisst du diese nicht.

Der dritte Vorteil: Du hast immer dein nächstes Ziel vor Augen. Statt überwältigt davon zu sein, was du noch alles unter einen Hut bringen musst, kannst du viele To-Dos ganz entspannt auf die späteren Semester vertagen. So bist du mit voller Konzentration im Hier und Jetzt.

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2. Wie solltest du bei der Planung vorgehen?  Generell gilt: Der Plan im ersten Semester ist natürlich nicht in den Stein gemeißelt und wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch einmal ändern. Das ist auch gut so, denn viele Möglichkeiten werden sich erst im Verlauf deines Studiums ergeben. Vielmehr soll dir der Plan dabei helfen, nicht blindlings ins Studium zu stolpern und am Ende womöglich wichtige Fristen etc. zu verpassen. 

Ich persönlich habe meinen Studienverlauf bisher immer so geplant: 

a) Orientiere dich am Musterstudienplan Zuerst kannst du dir den Musterstudienplan der Uni ausdrucken. Diesen findest du auf der Website der juristischen Fakultät deiner Uni. Nicht erschrecken: Diese Pläne sind meistens sehr ehrgeizig angelegt und stopfen den gesamten Stoff in sechs Semester. Du musst dich nicht immer daran halten; bis zur Zwischenprüfung würde ich diesen Plan jedoch ziemlich strikt befolgen. 

Dem Plan kannst du entnehmen, welche Fächer du ungefähr in welchem Semester belegen solltest und wann du welche Prüfungsleistungen erbringen musst. 

b) Entwirf deinen optimalen Studienverlauf Überlege dir zunächst grundlegend, wie du dir dein Wunschstudium vorstellst. Möchtest du in wenigen Semestern und ohne große Umschweife zum Ziel? Oder möchtest du viel erleben, ins Ausland gehen, dich studentisch engagieren,…?  Hier gibt es selbstverständlich weder richtig noch falsch – es kommt allein auf deine Vorstellung eines gelungenen Studiums an. 

c) Individualisiere deinen Musterstudienplan  Wenn du dir einen Überblick über den grundlegenden Aufbau gemacht hast, ist es Zeit, den Plan mit Leben zu befüllen. 

Folgende Faktoren kannst du dabei berücksichtigen 

  • Klausuren
  • Hausarbeiten
  • Praktika
  • Auslandsaufenthalte
  • Schwerpunktsemester
  • Nebenaktivitäten mit Jurabezug
  • Nebenjob

Nimm dir Zeit nach spannenden Aktivitäten, Praktika, Auslandssemestern, etc. zu recherchieren. So vermeidest du, zu spät auf tolle Angebote deiner Uni aufmerksam zu werden. Falls du dazu Inspirationen suchst, guck doch mal in unserer Rubrik Aktivitäten neben dem Studium vorbei.

Jetzt schnappst du dir deinen Musterstudienplan (oder malst dir einen eigenen) und notierst alle angestrebten Aktivitäten in die Zeile des jeweiligen Semesters.

Was du dabei beachten solltest: Deine Planung sollte sich auch auf die Semesterferien erstrecken. Das ist der Zeitpunkt, an dem Hausarbeiten geschrieben und Praktika absolviert werden müssen. 

Wenn du ausrechnen möchtest, wann du frühestens dein Examen schreiben möchtest, beachte, dass man sich in der Regel ca. ein Jahr darauf vorbereitet.

Besonders heiß umkämpfte Praktika und Auslandssemester haben oft einen Bewerbungszeitraum von einem Jahr im Voraus. Es hilft also, diese Frist auch mit in deinen Plan einzutragen.

Als Daumenregel würde ich dir empfehlen, pro Semester nicht mehr als eine Nebentätigkeit einzuplanen. So hast du trotzdem genug Freizeit.

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Interview: Der Weg zur eigenen Kanzlei

mit Norina Köslich, Jacqueline Dunker und Mareike Coordes

Die Gründung der eigenen Kanzlei ist für viele Studierende ein Traum. Norina und Jacqueline haben sich diesen im Jahr 2020 erfüllt und sich mit der Kanzlei Köslich & Dunker selbständig gemacht. Inzwischen ist das Team zu dritt und vertritt bundesweit MandantInnen. Wir haben sie für euch rund ums Thema „Kanzleigründung“ ausgefragt.

1. Ihr habt im Jahr 2020 eure eigene Kanzlei Köslich und Dunker gegründet. Wie kam es dazu?  Wir haben unsere eigene Kanzlei gegründet, um auch in einer eher konservativen Branche nach unseren Werten und Idealen leben und arbeiten zu können. Unsere Tätigkeit als angestellte Rechtsanwältinnen in einem Legal Tech Startup hat uns Spaß gemacht – wir wollten aber mehr Dinge selbst ausprobieren.

2. Viele Studierenden streben einen Job in einer Großkanzlei oder im Staatsdienst an. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, euch selbständig zu machen? Die Arbeit in einer Großkanzlei haben wir nie angestrebt. Auch da gibt es verschiedene Arbeitsverhältnisse – aber der Ruf von starken Hierarchien und 60 – 80 Stundenwochen hat uns eher abgeschreckt. Auch vertritt man in einer Großkanzlei häufig große Firmen – also diejenigen, die ohnehin schon in einer sehr starken Position sind. Der Staatsdienst erschien uns zu unflexibel. Als Selbstständige hat man eher die Möglichkeit über seine Mandate und Arbeitszeiten zu bestimmen.

Foto: Kanzlei Köslich & Dunker

3. Welche Vorteile bringt die Selbständigkeit mit sich? Natürlich muss man als Selbstständige für ein ausreichendes Einkommen sorgen. Darüber hinaus ist es einem jedoch selbst überlassen, wie viele und welche Mandate man annimmt. Bei der Tages-und Termingestaltung kann man mehr Rücksicht auf seine eigenen Bedürfnisse nehmen.

4. Von der Idee der Selbständigkeit bis zur tatsächlichen Kanzleieröffnung vergeht sicherlich eine Menge Zeit. Welche Schritte befolgt man, wenn man eine Kanzlei gründet? Wie lange dauert dieser Prozess?  Bei uns waren es circa drei Monate. Die waren wir aber auch wirklich schwer beschäftigt. Angefangen haben wir dann mit der Bürosuche. Wir haben alles selbst renoviert. Was uns auch wirklich lange aufgehalten hat,  war das Logo und generell der Außenauftritt inklusive Homepage etc. Aber auch hier haben wir fast alles selbst gemacht.

Zudem gibt es natürlich einige formale Hürden wie Steuern und Versicherungen. Einen Gründungszuschuss zu beantragen, empfiehlt sich auf jeden Fall.

Wir fanden es aber schon hilfreich, einen Zeitraum zu haben, wo man sich ausschließlich mit diesen Themen beschäftigen konnte. Wenn man erstmal in der Mandatsarbeit steckt, ist es schon schwieriger sich die Zeit zu nehmen.

5. So eine Gründung kostet neben Zeit wahrscheinlich auch Nerven. Welche Fehler können bei der Gründung einer Kanzlei unterlaufen?      Die Fehlerquellen sind vielfältig. Grundsätzlich sollte man etwas mehr Zeit einplanen, häufig dauert es doch etwas länger, bis man mit den Ergebnissen zufrieden ist. Bei der nächsten Gründung würden wir uns definitiv früher um Telefonnummer bzw. Telefonanschluss kümmern. Hier gab es Probleme. Und dass wir unsere Telefonnummer noch nicht hatten, hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht: ohne Telefonnummer keine Fensterbeklebung, keine Flyer, keine Visitenkarten etc.

6. Nachdem alle Prozesse der Gründung durchlaufen sich: Wie erreicht man seine ersten MandantInnen? Wir bekommen relativ viele Mandate über Empfehlungen. Entweder von früheren MandantInnen oder auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Sonst auch über Google Ads oder Anwalt.de. Auch über Instagram werden regelmäßig MandantInnen auf uns aufmerksam. Aber hier muss man echt am Ball bleiben.

7. Welche Tipps habt ihr für Jurastudierende, die mit dem Gedanken spielen, sich nach dem Studium ebenfalls selbständig zu machen?  Wir haben uns zwar nicht gleich nach dem Studium selbstständig gemacht. Dennoch: so viele finanzielle Mittel braucht es gar nicht für eine Selbstständigkeit. Man kann auch erstmal ohne Angestellte loslegen. Auch die Büroräume müssen am Anfang ja nicht riesig sein – manche starten sogar von zu Hause aus und mieten bei Bedarf Besprechungsräume an. Der Gründungszuschuss hilft auch ganz gut. Ansonsten macht aus unserer Sicht eine Spezialisierung schon früh Sinn – ansonsten verzettelt man sich mit seinen Rechtsgebieten.

Ihr wollt noch mehr über die Kanzlei Köslich & Dunker erfahren? Auf dem Instagramkanal @kanzlei_kornstraße teilen die drei neben Eindrücken aus dem Anwältinnenalltag auch regelmäßig „lawhacks“ in denen sie aktuelle Rechtsprobleme erklären.

Warum Rückschläge normal sind und wie du aus ihnen lernen kannst

Ein kurzer Motivationskick für den Semesterstart

Lief das letzte Semester nicht besonders gut bei dir? Hast du versucht, dich für einen spannenden Nebenjob oder ein Praktikum zu bewerben und wurdest abgelehnt? Hast du das Gefühl, nicht mehr hinterher zu kommen und abgehängt zu sein? Kein Problem, dann ist dieser Artikel genau das richtige für dich.

Dieses Jahr fing nicht besonders einfach bei mir an. Ich war krank, fiel durch die erste Klausur, schrieb die zweite gar nicht mehr mit und stand kurz davor, meinen Schein für das Semester nicht zu erhalten. Kurz danach bewarb ich mich für einen Nebenjob, der mich sehr interessierte und mir wurde nach dem Vorstellungsgespräch abgesagt. Das war keine tolle Zeit, aber wisst ihr, wie es geendet ist?

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Ich habe die dritte Klausur ziemlich gut bestanden und das erste Mal das Gefühl gehabt, das Fach richtig verstanden zu haben. Ein paar Wochen später bewarb ich mich auf eine neue Stelle und wurde ohne Umschweife angenommen: eine Stelle mit mehr Eigenverantwortung und Flexibilität. Übrigens hat sich der erste Arbeitgeber dann noch einmal bei mir gemeldet und wollte, dass ich mich doch für eine weitere Stelle bei ihm bewerbe, aber zu diesem Zeitpunkt war ich bereits sehr glücklich mit meinem neuen Nebenjob.

Was ich euch damit sagen will? Bestimmt nicht, wie gut alles bei mir lief (weil es das teilweise überhaupt nicht tat). Ich will euch damit sagen, dass es in diesem Studium absolut normal ist, hinzufallen und wieder aufzustehen. Wie sagt man so schön:

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Meine Freundinnen machen zurzeit genau dieselben Erfahrungen: immer wenn sie irgendwo abgelehnt wurden, haben sie kurz darauf ein besseres Angebot erhalten und waren viel glücklicher. Immer, wenn eine Klausurenphase schlecht lief, war die nächste umso besser. 

Die Lehre, die ich daraus gezogen habe, ist, dass ich einfach nicht mehr aufgebe und immer weitergehe, auch wenn es noch so schwierig zu sein scheint. Manchmal kommen zum regulären Unistress auch noch persönliche Probleme hinzu – das sind dann Zeiten, in denen ich versuche, die Uni erst recht nicht aus den Augen zu verlieren. Es nützt nichts, in Selbstmitleid zu versinken und alles restliche schleifen zu lassen. 

(Wenn es natürlich wirklich ernst ist, kann man sich immer ein Urlaubssemester nehmen. Wir plädieren immer für Jura-Life-Balance und manchmal muss Life komplett priorisiert werden.)

Falls du das Gefühl hast, aus einem Tief überhaupt nicht mehr rauszukommen, gibt es außerdem an fast jeder Uni die Möglichkeit, kostenlose und unverbindliche psychologische Beratung zu erhalten. Ein solches Angebot anzunehmen ist überhaupt kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil: Es beweist, dass du deine mentale Gesundheit und deine Zukunft ernst nimmst und bereit bist, etwas dafür zu tun.

Legal Bookclub: Corpus Delicti – Ein Prozess

Ein Roman von Juli Zeh (Unbezahlte Werbung)

Für den Oktober habe ich „Corpus Delicti – Ein Prozess“ von der Bestsellerautorin Juli Zeh gelesen. Der Roman handelt von Mia, die in einer Gesellschaft in der Zukunft lebt, deren oberstes Gut die Gesundheit aller BürgerInnen ist.

Mias Bruder ist Opfer der Hygiene-Ideologie geworden. Im Laufe des Buches gerät Mia ins Visier der Strafverfolgungsbehörden und ist Teil nicht nur eines Gerichtsprozesses, der gegen sie geführt wird. Sie durchlebt auch einen persönlichen Prozess, in welchem sie die rigorosen Gesundheitsregeln und das staatliche System hinterfragt.

„Logisches Denken liegt Ihnen, genau wie mir. Deshalb werden Sie mühelos Ihren Denkfehler erkennen. Kausalität ist keineswegs identisch mit Schuld. Sonst müssten Sie auch den Urknall für den Tod Ihres Bruders verantwortlich machen.“

-„Vielleicht tue ich das.“

Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess

Beide Themenstränge haben mich zum Nachdenken angeregt. Zum einen, weil Zeh verdeutlicht, wie wenig es in einem Unrechtsregime braucht, um einen vermeintlich fairen Gerichtsprozess in eine Hexenjagd zu verwandeln.

Zum anderen, weil ich mir im Verlaufe des Buches die Frage gestellt habe, wie weit ein Recht auf Gesundheit auch ein Recht auf Krankheit umfasst und wie viel Entscheidungsgewalt dem Staat in dieser Frage eingeräumt werden darf.

Insgesamt ist das Buch trotz der komplexen Thematik sehr verständlich, wahnsinnig packend und obwohl es vor über zehn Jahren erstveröffentlicht wurde, in seiner Thematik nach wie vor aktuell.