Diese Dinge darfst du im ersten Semester ruhig bleiben lassen

Eine kleine “Not-To-Do-Liste”

Das erste Semester an einer Uni kann überwältigend sein – und das Studienfach Rechtswissenschaften mit seinen Besonderheiten ganz besonders. 

In diesem Beitrag möchte ich dir fünf Tipps an die Hand geben: mit lauter Dingen, die du im ersten Semester ohne schlechtes Gewissen sein lassen kannst. 

1. Bücher kaufen  Fast alle ProfessorInnen beginnen ihre Vorlesungen mit Buchempfehlungen, bei denen sie eine Hand voll Lehrbücher präsentieren und nicht selten auch zum Kauf eines der Bücher raten. 

Ich habe das in meinem ersten Semester brav befolgt und einen Batzen Geld in der Universitätsbuchhandlung gelassen – und das später bereut. 

Abgesehen von Gesetzbüchern würde ich im Nachhinein wirklich davon abraten, Literatur neu zu kaufen. Vielmehr würde ich auf den Bestand der Unibibliothek zurückgreifen. Dort gibt es alles kostenlos und du wirst nicht von deinem schlechten Gewissen eingeholt, wenn du zum wiederholten Male ein Buch nur kurz aufschlägst und dann rasch beiseite legst. Außerdem rauben ausgeliehene Bücher dir nicht dauerhaft Platz im Bücherregal.

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2. Sich von panischen KomilitonInnen nervös machen lassen Ich kann inzwischen an zwei Händen abzählen, wie oft ich von KommilitonInnen “Tipps” und gut gemeinte Ratschläge erhalten habe, die sich im Nachhinein als falsch oder nutzlos herausgestellt haben. 

Natürlich ist es hilfreich, sich mit Mitstudierenden auszutauschen – ganz häufig bekommt man dadurch wertvolle Hinweise. 

Wovon du dich allerdings fernhalten solltest, sind die Panik-Macher. Das sind die, die vorgeben, sich schon seit Jahren im Recht auszukennen, die von morgens bis abends in der Bibliothek sitzen und die ständig Horrorszenarien über das Studium von sich geben. 

Aus eigener Erfahrung weiß ich: oft ist das Gerede nur heiße Luft und man kommt auch mit einem durchschnittlichen Lernaufwand gut durch die ersten Semester. 

3. Ungeplant ins Studium Als Ersti musst du ganz sicher nicht dein gesamtes Studium durchgetaktet haben. Viele Möglichkeiten ergeben sich erst im Laufe des Studiums und natürlich kann auch immer etwas passieren, dass den Ablauf deines Studiums verändert.

Was ich jedoch unbedingt empfehlen würde, ist dir einen groben Plan über das Studium zu machen. Dafür kannst du dich am Regelstudienplan deiner Uni orientieren und außerdem zusätzliche Verpflichtungen einplanen. Wenn du also im Hinterkopf hast 

-außergewöhnliche Praktika

-ein Auslandssemester 

zu absolvieren, beachte, dass dafür oft eine langwierige Vorbereitung nötig ist. 

Wenn du dir von Anfang an grob überlegst, wann du in etwa ins Ausland gehen oder deine Praktika absolvieren möchtest, hast später kaum Stress mit der Organisation. Als Plan reicht übrigens eine kurze Notiz im Handy, in der du ungefähr einteilst, was du in welchem Semester schaffen möchtest. 

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4. Deine gesamte Freizeit opfern Als großer Fan einer gesunden “Jura-Life-Balance” muss ich das natürlich sagen: Mach nicht zu viel. Ein gesunder Fleiß hat noch niemandem geschadet, aber achte darauf, dich nicht in der Fülle des Lernstoffes zu verlieren.

Jura ist ein so umfassendes Fach, dass es theoretisch immer noch etwas gibt, das du lernen könntest. Statt dich am Anfang jedoch mit Detailfragen zu quälen, arbeite im ersten Semester lieber an einem soliden Grundlagenwissen. Das wird dich weit bringen und lässt dir außerdem genug Zeit für Freunde, Familie, Freizeit und Hobbies. 

5. Alles sofort verstehen wollen  Jura ist ein wahnsinnig umfassendes Studienfach. Es ist deswegen gar nicht von der Studienordnung vorgesehen, dass du sofort alles verstehst. In jedem Semester wirst du dein Wissen weiter aufbauen, bis du dich irgendwann auskennst. Mach dich deswegen im ersten Semester nicht verrückt, wenn du nicht sofort alles verstehst – das juristische Denken kommt mit der Zeit.

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Mindset: So meisterst du das erste Semester

Oft haben wir Angst vor dem Unbekannten und Unerforschten. Befürchtungen und Unsicherheiten sind im Studium – gerade am Anfang – absolut normal. Hier haben wir ein paar kleine Reminder und Mindsets gesammelt, die vielleicht zu deiner Entspannung beitragen können. 

  1. „Ich schaffe das und lasse mich nicht von anderen verunsichern“

Fühlst du dich überfordert mit der komplizierten Prüfungsordnung, dem Uni-Alltag oder den ersten Klausuren? Kein Problem, alles ist gut! So geht es gerade vielen, auch wenn sie es nicht zugeben wollen und die eigene Unsicherheit mit großspurigem Angeben und Klugscheißen überspielen. Wenn andere Erst- oder Zweitsemester dir erklären wollen, wie der Hase läuft und was du alles zu lernen und zu wissen hast – hör am besten nicht hin. In den ersten Semestern hat kaum einer den Durchblick und das ist auch okay und genau richtig so. 

Wenn die ersten Klausurergebnisse eintreffen und du durchfällst, während der Freundeskreis sehr gut bestanden hat, darfst du dich davon nicht verunsichern lassen. Jura erfordert viel Durchhaltevermögen und „Dranbleiben“. Eine exzellente Leistung im ersten Semester nützt nicht viel, wenn man im nächsten aufgibt, weil man z.B. nicht die Disziplin aufbringen kann, für ein Thema zu lernen, das einen nicht interessiert. Bleib also ganz entspannt und schaue, wie du unter anderem an deinem Stil oder deinem Tempo in Klausuren arbeiten kannst, ohne nach links und rechts zu blicken. Je weniger du dich von anderen verunsichern oder in einen toxischen Konkurrenzkampf mit hineinziehen lässt, desto nachhaltiger werden auch deine Erfolge. 

2. „Mein Lerntyp ist individuell und das ist in Ordnung“

Jeder lernt auf unterschiedliche Art und Weise und verarbeitet Informationen unterschiedlich schnell. Wenn KommilitonInnen acht Stunden am Tag lernen und jede Vorlesung vor- und nacharbeiten, muss das nicht der Weg sein, der auch für dich zu deinen gewünschten Ergebnissen im Studium führen wird. Ich habe lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass ich nicht der auditive Lerntyp bin, der aus einer Vorlesung viel für sich mitnehmen kann. Seitdem lerne ich nur noch für mich allein und habe mein eigenes Lernsystem entwickelt, welches keine Vorlesungen und Seminare beinhaltet. Überlege dir, welche Methode für dich am effizientesten ist, ohne dich von Vorgaben der Profs („Ich empfehle Ihnen, diese 500-seitigen Bücher durchzuarbeiten“) und deines Umfelds verunsichern zu lassen. Am Ende zählt deine Zufriedenheit mit deinen Leistungen.

3. „Ich konzentriere mich auf das Hier und Jetzt“

Mit Zukunftsängsten à la „Ich schaffe das Examen bestimmt nicht“ und „Diese Stoffmengen werde ich nie beherrschen“ kannst du dir nur das Leben und Studieren schwer machen. Eine Taktik, die mir immer wieder hilft, um aus Angstspiralen herauszukommen, ist der Blick auf das Hier und Jetzt. Ich beschränke mein Gedankenkarussell, indem ich nur die nächste Prüfung oder Hausarbeit vor Augen habe und nicht das „große Ganze“. Schritt für Schritt arbeitet man so seine Stationen im Studium entspannter ab und setzt sich mit dem Examen dann auseinander, wenn es relevant wird. 

Planlos? Wie du ab dem ersten Semester den Durchblick behältst

Das erste Semester ist für alle ein Sprung ins kalte Wasser. In diesem Beitrag möchte ich dir meinen Nummer eins Tipp verraten, der mich bisher reibungslos durch das Studium gebracht hat: Plane dein Studium!

1.Warum solltest du dein Studium planen? Es gibt in meinen Augen drei Hauptgründe, sich bereits früh mit der Planung des Studiums zu befassen. 

Du bekommst erstens einen richtig guten Überblick, was dich in den nächsten Jahren so erwartet.

Zweitens hilft ein Plan bei der Einhaltung von Fristen. Viele Praktika und Auslandssemester erfordern eine recht lange Vorbereitungszeit. Mit einem Plan vergisst du diese nicht.

Der dritte Vorteil: Du hast immer dein nächstes Ziel vor Augen. Statt überwältigt davon zu sein, was du noch alles unter einen Hut bringen musst, kannst du viele To-Dos ganz entspannt auf die späteren Semester vertagen. So bist du mit voller Konzentration im Hier und Jetzt.

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2. Wie solltest du bei der Planung vorgehen?  Generell gilt: Der Plan im ersten Semester ist natürlich nicht in den Stein gemeißelt und wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch einmal ändern. Das ist auch gut so, denn viele Möglichkeiten werden sich erst im Verlauf deines Studiums ergeben. Vielmehr soll dir der Plan dabei helfen, nicht blindlings ins Studium zu stolpern und am Ende womöglich wichtige Fristen etc. zu verpassen. 

Ich persönlich habe meinen Studienverlauf bisher immer so geplant: 

a) Orientiere dich am Musterstudienplan Zuerst kannst du dir den Musterstudienplan der Uni ausdrucken. Diesen findest du auf der Website der juristischen Fakultät deiner Uni. Nicht erschrecken: Diese Pläne sind meistens sehr ehrgeizig angelegt und stopfen den gesamten Stoff in sechs Semester. Du musst dich nicht immer daran halten; bis zur Zwischenprüfung würde ich diesen Plan jedoch ziemlich strikt befolgen. 

Dem Plan kannst du entnehmen, welche Fächer du ungefähr in welchem Semester belegen solltest und wann du welche Prüfungsleistungen erbringen musst. 

b) Entwirf deinen optimalen Studienverlauf Überlege dir zunächst grundlegend, wie du dir dein Wunschstudium vorstellst. Möchtest du in wenigen Semestern und ohne große Umschweife zum Ziel? Oder möchtest du viel erleben, ins Ausland gehen, dich studentisch engagieren,…?  Hier gibt es selbstverständlich weder richtig noch falsch – es kommt allein auf deine Vorstellung eines gelungenen Studiums an. 

c) Individualisiere deinen Musterstudienplan  Wenn du dir einen Überblick über den grundlegenden Aufbau gemacht hast, ist es Zeit, den Plan mit Leben zu befüllen. 

Folgende Faktoren kannst du dabei berücksichtigen 

  • Klausuren
  • Hausarbeiten
  • Praktika
  • Auslandsaufenthalte
  • Schwerpunktsemester
  • Nebenaktivitäten mit Jurabezug
  • Nebenjob

Nimm dir Zeit nach spannenden Aktivitäten, Praktika, Auslandssemestern, etc. zu recherchieren. So vermeidest du, zu spät auf tolle Angebote deiner Uni aufmerksam zu werden. Falls du dazu Inspirationen suchst, guck doch mal in unserer Rubrik Aktivitäten neben dem Studium vorbei.

Jetzt schnappst du dir deinen Musterstudienplan (oder malst dir einen eigenen) und notierst alle angestrebten Aktivitäten in die Zeile des jeweiligen Semesters.

Was du dabei beachten solltest: Deine Planung sollte sich auch auf die Semesterferien erstrecken. Das ist der Zeitpunkt, an dem Hausarbeiten geschrieben und Praktika absolviert werden müssen. 

Wenn du ausrechnen möchtest, wann du frühestens dein Examen schreiben möchtest, beachte, dass man sich in der Regel ca. ein Jahr darauf vorbereitet.

Besonders heiß umkämpfte Praktika und Auslandssemester haben oft einen Bewerbungszeitraum von einem Jahr im Voraus. Es hilft also, diese Frist auch mit in deinen Plan einzutragen.

Als Daumenregel würde ich dir empfehlen, pro Semester nicht mehr als eine Nebentätigkeit einzuplanen. So hast du trotzdem genug Freizeit.

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Interview: Der Weg zur eigenen Kanzlei

mit Norina Köslich, Jacqueline Dunker und Mareike Coordes

Die Gründung der eigenen Kanzlei ist für viele Studierende ein Traum. Norina und Jacqueline haben sich diesen im Jahr 2020 erfüllt und sich mit der Kanzlei Köslich & Dunker selbständig gemacht. Inzwischen ist das Team zu dritt und vertritt bundesweit MandantInnen. Wir haben sie für euch rund ums Thema „Kanzleigründung“ ausgefragt.

1. Ihr habt im Jahr 2020 eure eigene Kanzlei Köslich und Dunker gegründet. Wie kam es dazu?  Wir haben unsere eigene Kanzlei gegründet, um auch in einer eher konservativen Branche nach unseren Werten und Idealen leben und arbeiten zu können. Unsere Tätigkeit als angestellte Rechtsanwältinnen in einem Legal Tech Startup hat uns Spaß gemacht – wir wollten aber mehr Dinge selbst ausprobieren.

2. Viele Studierenden streben einen Job in einer Großkanzlei oder im Staatsdienst an. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, euch selbständig zu machen? Die Arbeit in einer Großkanzlei haben wir nie angestrebt. Auch da gibt es verschiedene Arbeitsverhältnisse – aber der Ruf von starken Hierarchien und 60 – 80 Stundenwochen hat uns eher abgeschreckt. Auch vertritt man in einer Großkanzlei häufig große Firmen – also diejenigen, die ohnehin schon in einer sehr starken Position sind. Der Staatsdienst erschien uns zu unflexibel. Als Selbstständige hat man eher die Möglichkeit über seine Mandate und Arbeitszeiten zu bestimmen.

Foto: Kanzlei Köslich & Dunker

3. Welche Vorteile bringt die Selbständigkeit mit sich? Natürlich muss man als Selbstständige für ein ausreichendes Einkommen sorgen. Darüber hinaus ist es einem jedoch selbst überlassen, wie viele und welche Mandate man annimmt. Bei der Tages-und Termingestaltung kann man mehr Rücksicht auf seine eigenen Bedürfnisse nehmen.

4. Von der Idee der Selbständigkeit bis zur tatsächlichen Kanzleieröffnung vergeht sicherlich eine Menge Zeit. Welche Schritte befolgt man, wenn man eine Kanzlei gründet? Wie lange dauert dieser Prozess?  Bei uns waren es circa drei Monate. Die waren wir aber auch wirklich schwer beschäftigt. Angefangen haben wir dann mit der Bürosuche. Wir haben alles selbst renoviert. Was uns auch wirklich lange aufgehalten hat,  war das Logo und generell der Außenauftritt inklusive Homepage etc. Aber auch hier haben wir fast alles selbst gemacht.

Zudem gibt es natürlich einige formale Hürden wie Steuern und Versicherungen. Einen Gründungszuschuss zu beantragen, empfiehlt sich auf jeden Fall.

Wir fanden es aber schon hilfreich, einen Zeitraum zu haben, wo man sich ausschließlich mit diesen Themen beschäftigen konnte. Wenn man erstmal in der Mandatsarbeit steckt, ist es schon schwieriger sich die Zeit zu nehmen.

5. So eine Gründung kostet neben Zeit wahrscheinlich auch Nerven. Welche Fehler können bei der Gründung einer Kanzlei unterlaufen?      Die Fehlerquellen sind vielfältig. Grundsätzlich sollte man etwas mehr Zeit einplanen, häufig dauert es doch etwas länger, bis man mit den Ergebnissen zufrieden ist. Bei der nächsten Gründung würden wir uns definitiv früher um Telefonnummer bzw. Telefonanschluss kümmern. Hier gab es Probleme. Und dass wir unsere Telefonnummer noch nicht hatten, hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht: ohne Telefonnummer keine Fensterbeklebung, keine Flyer, keine Visitenkarten etc.

6. Nachdem alle Prozesse der Gründung durchlaufen sich: Wie erreicht man seine ersten MandantInnen? Wir bekommen relativ viele Mandate über Empfehlungen. Entweder von früheren MandantInnen oder auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Sonst auch über Google Ads oder Anwalt.de. Auch über Instagram werden regelmäßig MandantInnen auf uns aufmerksam. Aber hier muss man echt am Ball bleiben.

7. Welche Tipps habt ihr für Jurastudierende, die mit dem Gedanken spielen, sich nach dem Studium ebenfalls selbständig zu machen?  Wir haben uns zwar nicht gleich nach dem Studium selbstständig gemacht. Dennoch: so viele finanzielle Mittel braucht es gar nicht für eine Selbstständigkeit. Man kann auch erstmal ohne Angestellte loslegen. Auch die Büroräume müssen am Anfang ja nicht riesig sein – manche starten sogar von zu Hause aus und mieten bei Bedarf Besprechungsräume an. Der Gründungszuschuss hilft auch ganz gut. Ansonsten macht aus unserer Sicht eine Spezialisierung schon früh Sinn – ansonsten verzettelt man sich mit seinen Rechtsgebieten.

Ihr wollt noch mehr über die Kanzlei Köslich & Dunker erfahren? Auf dem Instagramkanal @kanzlei_kornstraße teilen die drei neben Eindrücken aus dem Anwältinnenalltag auch regelmäßig „lawhacks“ in denen sie aktuelle Rechtsprobleme erklären.

Warum Rückschläge normal sind und wie du aus ihnen lernen kannst

Ein kurzer Motivationskick für den Semesterstart

Lief das letzte Semester nicht besonders gut bei dir? Hast du versucht, dich für einen spannenden Nebenjob oder ein Praktikum zu bewerben und wurdest abgelehnt? Hast du das Gefühl, nicht mehr hinterher zu kommen und abgehängt zu sein? Kein Problem, dann ist dieser Artikel genau das richtige für dich.

Dieses Jahr fing nicht besonders einfach bei mir an. Ich war krank, fiel durch die erste Klausur, schrieb die zweite gar nicht mehr mit und stand kurz davor, meinen Schein für das Semester nicht zu erhalten. Kurz danach bewarb ich mich für einen Nebenjob, der mich sehr interessierte und mir wurde nach dem Vorstellungsgespräch abgesagt. Das war keine tolle Zeit, aber wisst ihr, wie es geendet ist?

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Ich habe die dritte Klausur ziemlich gut bestanden und das erste Mal das Gefühl gehabt, das Fach richtig verstanden zu haben. Ein paar Wochen später bewarb ich mich auf eine neue Stelle und wurde ohne Umschweife angenommen: eine Stelle mit mehr Eigenverantwortung und Flexibilität. Übrigens hat sich der erste Arbeitgeber dann noch einmal bei mir gemeldet und wollte, dass ich mich doch für eine weitere Stelle bei ihm bewerbe, aber zu diesem Zeitpunkt war ich bereits sehr glücklich mit meinem neuen Nebenjob.

Was ich euch damit sagen will? Bestimmt nicht, wie gut alles bei mir lief (weil es das teilweise überhaupt nicht tat). Ich will euch damit sagen, dass es in diesem Studium absolut normal ist, hinzufallen und wieder aufzustehen. Wie sagt man so schön:

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Meine Freundinnen machen zurzeit genau dieselben Erfahrungen: immer wenn sie irgendwo abgelehnt wurden, haben sie kurz darauf ein besseres Angebot erhalten und waren viel glücklicher. Immer, wenn eine Klausurenphase schlecht lief, war die nächste umso besser. 

Die Lehre, die ich daraus gezogen habe, ist, dass ich einfach nicht mehr aufgebe und immer weitergehe, auch wenn es noch so schwierig zu sein scheint. Manchmal kommen zum regulären Unistress auch noch persönliche Probleme hinzu – das sind dann Zeiten, in denen ich versuche, die Uni erst recht nicht aus den Augen zu verlieren. Es nützt nichts, in Selbstmitleid zu versinken und alles restliche schleifen zu lassen. 

(Wenn es natürlich wirklich ernst ist, kann man sich immer ein Urlaubssemester nehmen. Wir plädieren immer für Jura-Life-Balance und manchmal muss Life komplett priorisiert werden.)

Falls du das Gefühl hast, aus einem Tief überhaupt nicht mehr rauszukommen, gibt es außerdem an fast jeder Uni die Möglichkeit, kostenlose und unverbindliche psychologische Beratung zu erhalten. Ein solches Angebot anzunehmen ist überhaupt kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil: Es beweist, dass du deine mentale Gesundheit und deine Zukunft ernst nimmst und bereit bist, etwas dafür zu tun.

Legal Bookclub: Corpus Delicti – Ein Prozess

Ein Roman von Juli Zeh (Unbezahlte Werbung)

Für den Oktober habe ich „Corpus Delicti – Ein Prozess“ von der Bestsellerautorin Juli Zeh gelesen. Der Roman handelt von Mia, die in einer Gesellschaft in der Zukunft lebt, deren oberstes Gut die Gesundheit aller BürgerInnen ist.

Mias Bruder ist Opfer der Hygiene-Ideologie geworden. Im Laufe des Buches gerät Mia ins Visier der Strafverfolgungsbehörden und ist Teil nicht nur eines Gerichtsprozesses, der gegen sie geführt wird. Sie durchlebt auch einen persönlichen Prozess, in welchem sie die rigorosen Gesundheitsregeln und das staatliche System hinterfragt.

„Logisches Denken liegt Ihnen, genau wie mir. Deshalb werden Sie mühelos Ihren Denkfehler erkennen. Kausalität ist keineswegs identisch mit Schuld. Sonst müssten Sie auch den Urknall für den Tod Ihres Bruders verantwortlich machen.“

-„Vielleicht tue ich das.“

Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess

Beide Themenstränge haben mich zum Nachdenken angeregt. Zum einen, weil Zeh verdeutlicht, wie wenig es in einem Unrechtsregime braucht, um einen vermeintlich fairen Gerichtsprozess in eine Hexenjagd zu verwandeln.

Zum anderen, weil ich mir im Verlaufe des Buches die Frage gestellt habe, wie weit ein Recht auf Gesundheit auch ein Recht auf Krankheit umfasst und wie viel Entscheidungsgewalt dem Staat in dieser Frage eingeräumt werden darf.

Insgesamt ist das Buch trotz der komplexen Thematik sehr verständlich, wahnsinnig packend und obwohl es vor über zehn Jahren erstveröffentlicht wurde, in seiner Thematik nach wie vor aktuell.

Mein Praktikum beim Strafverteidiger

Ich habe den ganzen September in der Kanzlei eines Strafverteidigers verbracht. Heute erzähle ich euch davon, was ich im Rahmen meines Praktikums dort gesehen und gelernt habe.

Die ersten Tage

Das erste, was ich an Tag eins meines Praktikums erlebt habe, war ein Mandantengespräch. Es war kein gewöhnliches, da es um den Vorwurf der Vergewaltigung ging. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, war das nicht der einfachste Start, aber dennoch fand ich es nicht verkehrt, einmal so ins kalte Wasser geworfen zu werden. Nach diesem Gespräch war ich nämlich hellwach und realisierte, dass wirklich sehr lehrreiche und interessante Wochen auf mich warten.

Ich freute mich zuallererst sehr darüber, dass ich ein eigenes Büro mit einem großen Schreibtisch und zwei Computer-Bildschirmen überlassen bekam. Dadurch hatte ich die Freiheit, ungestört zu arbeiten und nicht zwischen Tür und Angel zu sitzen. Ich hatte auch mein eigenes Telefon, um mit den MandantInnen in Kontakt zu treten.

Mein Büro

Die Rechtsanwaltsfachangestellte der Kanzlei half mir in diesen ersten Tagen ungemein, in den Arbeitsalltag zu finden und die nötigen Grundkenntnisse im Büro zu erlangen – selbst wenn es nur um den Umgang mit dem Drucker zum Scannen und Faxen ging. Sie war sehr geduldig und gelassen und erklärte mir Aufgaben gerne doppelt, falls ich beim ersten Mal nicht alles verstanden hatte. Langsam, aber sicher bekam ich meine ersten Aufgaben übertragen, von denen ich gleich ausführlicher berichte.

Wie mein Alltag aussah

Insgesamt waren wir mehrmals die Woche und manchmal sogar mehrmals am Tag bei unterschiedlichen Gerichtsterminen in ganz Mecklenburg-Vorpommern und einmal in Niedersachsen. Mein Lieblingsgericht ist übrigens das Amtsgericht Güstrow gewesen, weil es von innen wunderschön ist und tolle, farbenfrohe Gerichtssäle vorzuweisen hat.

Was noch beinahe jeden Tag auf meiner To-Do-Liste stand, war die ganz normale Büroarbeit. In einer Kanzlei umfasst das: Ermittlungsakten von Staatsanwaltschaft und Polizei scannen, Post stempeln, sortieren und bearbeiten, Schreiben an MandantInnen vorbereiten, mit Gerichten telefonieren, Kostenrechnungen erstellen und vieles mehr. Das erste Mal, als ich mit einer Richterin telefoniert habe, war sehr aufregend, weil ich mit ihr einen Verhandlungstermin vereinbaren durfte. Diese objektiven Kleinigkeiten wirken am Anfang des Praktikums trotzdem sehr spannend, weil man doch viel Verantwortung übertragen bekommt. Wenn du die Akte nicht richtig einscannst, können dem Anwalt am Ende wichtige Informationen für die Verteidigungsstrategie fehlen. Wenn du den Termin falsch vereinbarst und es eine Terminkollision gibt, lässt du MandantIn und alle Anwesenden im Gericht hängen.

Wie ich mit Mandanten und Mandantinnen umgegangen bin

Die meisten StraftäterInnen, die ich kennenlernte, waren halbwegs sympathisch und durchweg freundlich. Einige waren ruhig und schüchtern, andere laut und chaotisch, aber im Grunde war hier auch ein Querschnitt durch die gesamte Gesellschaft zu sehen. Das Bild vom „bösen Kriminellen“, welches in vielen Köpfen so verfestigt ist, habe ich schnell verworfen, weil ich den jeweiligen Hintergrund und die Geschichte zu jeder Tat erfuhr. Einige MandantInnen von uns waren in der Kindheit auf die schiefe Bahn geraten und hatten nie die Chance, etwas aus ihrem Leben zu machen. Manchmal ging mir deren Situation so nahe, dass ich ein Problem damit hatte, die nötige professionelle Distanz aufzubauen und mich von den Gefühlen der Personen abzugrenzen. Wenn die Mandantin vor euch sitzt und aus Verzweiflung weint, müsst ihr auch mit solchen Situationen zurechtkommen und Menschlichkeit beweisen, indem ihr sie beruhigt und ihr Perspektiven für die Zukunft aufzeigt. Als StrafverteidigerIn muss man also nicht nur durchsetzungsfähig und gut in Jura, sondern auch empathisch sein und Sicherheit vermitteln können.

Einige MandantInnen waren z.B. Russisch-Muttersprachler und so hatte es sich angeboten, dass ich mit ihnen auf Russisch gesprochen habe, um eine Ebene zu ihnen aufzubauen. Ich habe unterschätzt, was es für einen Unterschied ausmacht, wenn ein Mensch sich richtig gehört und verstanden fühlt. Wenn ihr also einmal die Möglichkeit habt, euch auf der Muttersprache der MandantInnen zu unterhalten, werdet ihr merken, wie sehr das beiderseits die Laune hebt und auch die professionelle Beziehung zueinander stärkt.

Meine Highlights

Besonders gut an dem Praktikum fand ich, dass ich wirklich überall eingebunden wurde und der Anwalt sogar meinen größten „Wunsch“ erfüllt hat, und zwar den Besuch in der JVA. Den Artikel dazu findet ihr hier. Wir waren ständig unterwegs und haben unterschiedliche Städte gesehen, was mir unheimlich viel Spaß bereitet hat. Jede Woche gab es neue Locations, neue Erledigungen und Herausforderungen.

Es war auch sehr sinnvoll, dass ich manchmal Rückschläge im Verteidigungsalltag miterlebte und lange Tage mitmachte, die über reguläre acht Stunden hinausgingen. Nur so konnte ich mir ein realistisches Bild vom Beruf machen. Jetzt weiß ich genau, dass Strafverteidigung definitiv in die engere Berufsauswahl gelangt, wenn ich mit dem Studium fertig bin. Es ist so ein mobiler und abwechslungsreicher Job, welcher einem (wie ich finde) viel zurückgibt. Man hat jeden Tag die Chance, jemandem zu helfen oder für Gerechtigkeit zu sorgen. Wenn wir auf dem Weg zu entscheidenden Terminen waren, hatte ich immer das Gefühl, etwas sehr Sinnvolles und Erfüllendes mitzuerleben. Dann war es auch kein Problem, auch mal um 5 Uhr morgens aufzustehen, da man weiß, dass man das für eine sehr wichtige Sache tut und wirklich gebraucht wird.

Fazit

Abschließend kann ich ein Praktikum in diesem Bereich wirklich allen empfehlen – auch (und vielleicht erst recht dann,) wenn man sich im Studium eher nicht mit Strafrecht anfreunden kann. Man lernt jeden Tag mindestens eine neue Sache aus der StPO und sieht diese dann angewandt im Gerichtssaal. Ich habe auch einen anderen Blick und Motivationskick in Bezug auf das Studium erhalten, aber davon werde ich euch noch bald in einem separaten Artikel erzählen…

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Mein Vormittag im Gefängnis

Heute, an einem Freitagmorgen, klingelt mein Wecker um 05:45 Uhr. Eigentlich stehe ich nie so früh auf, aber heute lag ich schon seit 04:00 Uhr wach im Bett.

Heute geht es zum ersten Mal in eine JVA für mich.

Der Strafverteidiger, bei dem ich mein Praktikum mache, hatte mich im Vorfeld extra im Gefängnis anmelden müssen. „Einfach so mitzukommen“ ist bei den strengen Sicherheitsvorkehrungen kaum möglich.

Um 07:00 Uhr morgens treffen wir uns vor der Kanzlei und fahren los: etwa zwei Stunden dauert die Fahrt in die Justizvollzugsanstalt. Pünktlich um 09:00 Uhr sind wir da und laufen zum Eingang – der Strafverteidiger tiefenentspannt und ich sichtlich nervös. Von außen ist die JVA fast unscheinbar. Wäre ich hier lediglich vorbeigefahren, hätte ich die hohen weißen Mauern vielleicht noch für einen Fabrikkomplex gehalten. Erst als wir auf dem Innenhof sind, sehe ich auch stellenweise Stacheldrahtzaun, der über den Mauern gespannt ist.

picture by Isabella Mendes, https://www.pexels.com/de-de/foto/98c-platte-auf-zaun-340585/

Angekommen im Empfangsraum geben wir erst einmal unsere Ausweise ab. Wir erhalten ein Besucherkärtchen und einen Schlüssel für unseren Spind. Ein Justizvollzugsbeamter führt uns in den nächsten Raum, in dem wir die Gelegenheit haben, unsere Taschen in den Spind zu legen. Alle unsere Wertsachen, Schmuck und den Inhalt unserer Taschen füllen wir in einen blauen Korb. Danach werden wir einzeln in einen Raum geführt, in dem ein Ganzkörper-Metalldetektor steht. Ich muss meine Schuhe ausziehen, auf die gelb markierten Flächen im Detektor treten und meine Arme heben. Meine Schuhe werden durchsucht und der Inhalt meiner Taschen wird begutachtet.

Wir werden in den nächsten Gebäudekomplex geführt und mein erster Eindruck des Besuchergebäudes ist, dass es mich an ein Kinderkrankenhaus erinnert. Es riecht gut hier, irgendwie sauber; die Wände sind orange gestrichen und mit farbenfrohen Bildern bedeckt. So habe ich es mir hier nicht vorgestellt. Der Beamte öffnet jede Tür und verschließt jede Tür einzeln und wir werden in einen engen Korridor geführt. Vor dem Besprechungsraum schaue ich durch die Tür hinein und denke: „Jetzt geht es also los“. Wegen der Infektionsgefahr erhalten wir keinen offenen Besprechungsraum, sondern einen, in dem der Mandant uns hinter einer Glasscheibe gegenübersitzen wird.

Der Besprechungsraum beinhaltet auf unserer Seite einen kleinen Raum mit einem Tisch und drei Stühlen. Auf der anderen Seite der Glasscheibe ist der Raum des Mandanten. Zur Verständigung gibt es eine Gegensprechanlage, die von allein funktioniert, also ohne einen Knopf beim Sprechen drücken zu müssen.

„Unser“ Mandant ist noch nicht da, deshalb setzen wir uns und warten. Währenddessen schaut sich der Strafverteidiger noch einmal die Akte an und geht Zeugenaussagen durch. Der Vorwurf an unseren Mandanten wiegt relativ schwer. Aufgrund der hohen Straferwartung (über drei Jahre) und der daher vermuteten Fluchtgefahr nach § 112 II Nr. 2 StPO sitzt er nun in U-Haft. Ich höre den Mandanten, noch bevor ich ihn tatsächlich sehe. Das Geräusch von Fußfesseln, die über den Boden schleifen, höre ich zum ersten Mal, aber kann es dennoch direkt zuordnen. Er tritt hinein und setzt sich. Er ist groß, breit gebaut, tätowiert und trägt einen dunkelblauen Gefängnisanzug. Sein Aussehen wirkt respekteinflößend auf mich. In den folgenden anderthalb Stunden geht der Strafverteidiger mit ihm die Akte durch, liest ihm die Zeugenaussagen vor, zeigt ihm die Bildbände der Polizei und bespricht den bevorstehenden Gerichtstermin. Der Mandant sieht abgeschlagen und erschöpft aus. Ich merke ihm an, dass er jetzt gerne woanders wäre. Er ist sehr freundlich, aufgeschlossen und respektvoll. Ich merke, dass ich will, dass ihm geholfen wird und sage zum Abschluss ein paar aufmunternde Worte. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er jetzt ein wenig Menschlichkeit gebrauchen könnte – jemanden, der ihn nicht behandelt wie einen gefesselten Kriminellen, sondern wie einen ganz normalen Menschen, der sich in einer misslichen Lage befindet. Ob er das, was ihm vorgeworfen wird, tatsächlich getan hat, weiß ich nicht und vielleicht wird sich das beim Gerichtstermin auch nicht zweifelsfrei bestätigen oder dementieren lassen.

Während ich im Besprechungsraum sitze, sehe ich andere Häftlinge mit Handschellen vor dem Raum entlanggehen, vermutlich auch zu Terminen mit ihren AnwältInnen. Einige sind noch sehr jung und schauen mich im Vorbeigehen durch das Sichtfenster in der Tür an. Wir verabschieden und von dem Mandanten und werden auf exakt demselben Weg wieder hinausgeleitet. Dadurch, dass es so viele Gebäudekomplexe gibt, kommt man als Besucher gar nicht dazu, den Zellentrakt oder den Hof der Häftlinge zu sehen. Dass man nicht in Ruhe herumspazieren und sich umschauen darf, ist ja klar.

Am Eingang erhalte ich meinen Personalausweis zurück und gehe durch das Tor an die frische Luft. Ich muss erstmal tief durchatmen und fühle mich befreit. Auf der Rückfahrt denke ich unentwegt an unseren Mandanten: wie er jetzt zurückgeführt wurde und was wohl beim Gerichtstermin passieren würde. Es sind eine Menge Zeugen und Zeuginnen geladen, daher wird es wohl eine lange Verhandlung. An das Opfer denke ich eher weniger – vielleicht, weil ich doch unserem Mandanten glaube und nicht davon ausgehe, dass die ihm vorgeworfene Tat auch wirklich in der Form stattgefunden hat. Ich merke, wie schwer es mir fällt, eine professionelle Distanz zu halten, weil ich noch so sehr unter dem bedrückten Eindruck stehe, den der Mandant auf mich gemacht hat.

Im Verlauf der Fahrt stelle ich fest, dass mich dieser Tag heute wohl noch länger beschäftigen wird. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die bevorstehende Verhandlung und hoffe, dass dort viele der offenen Fragen, die geblieben sind, noch beantwortet werden können.

Legal Bookclub: Elemente einer Theorie der Menschenrechte

Ein Aufsatz von Amartya Sen (Unbezahlte Werbung)

Ein theoretisches Konzept für Menschenrechte entwickeln – das ist das Ziel, das der Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen in seinem Aufsatz anstrebt.

Sen sieht Menschenrechte als moralische Forderungen nach bestimmten, grundsätzlichen Freiheiten. Seinen Ansatz begründet Sen auch durch Bezugnahme auf andere Philosophen wie Adam Smith, John Rawls, Karl Marx und vielen andere.

„Eine Theorie der Menschenrechte lässt sich vernünftigerweise nicht auf das juristische Modell beschränken, in das es oft gepresst wird“

Amartya Sen

Sens Text ist dank seiner wissenschaftlichen Tiefe keine leichte Lektüre – aber dennoch sehr lesenswert. Der Autor regt zu einem rationalen bzw. „vernünftigen öffentlichen“ Diskurs an. Er ermutigt die Lesenden, möglichst objektiv über Menschenrechte nachzudenken und angesichts der globalen Herausforderungen weder zu resignieren, noch sich für alles verantwortlich zu fühlen.

Für seine Forschung wurde Sen 1998 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

Fünf Dinge, die ich bei meinem Praktikum gelernt habe

Ich bin derzeit in meiner dritten Woche im Anwaltspraktikum – und habe einiges dazu gelernt. Hier sind fünf meiner größeren und kleineren Erkenntnisse. 

1.So viele Überraschungen 

Eigentlich logisch, dass der Tag eines Stafverteidigers nicht in so geregelten Bahnen abläuft wie der von Studierenden. Dennoch war ich von der Alltagsspontanität überrascht.

Während Gerichtstermine wie in den Stein gemeisselt sind, verändern sich andere Aufgaben ständig: Hier kommt die Mail einer Mandantin an, die unbedingt Hilfe braucht, dort klingelt das Telefon mit einem neuen Mandat und irgendwo ist auch noch eine Hausdurchsuchung, die begleitet werden soll. Es ist quasi vorhersehbar, dass etwas unvorhergesehenes passiert – und darauf reagiert werden muss.

2.So viel zu lesen

Ein Großteil der anwaltlichen Tätigkeit spielt sich auf dem Papier ab. Eigentlich logisch: Verträge, Mahnungen, Klagen, Protokolle, Urkunden, Akten – all das sind Schriftdokumente, die gelesen oder geschrieben werden müssen und deswegen viel Arbeitszeit in Anspruch nehmen. 

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3. So viele Gesetze 

Auch das war mir eigentlich schon lange bewusst: Das “echte Jura” besteht nicht nur aus BGB, Strafgesetzbuch, Prozessordnungen und Grundgesetz. Im Berufsalltag spielen – je nach Spezialisierung – ganz andere Vorschriften eine große Rolle, von denen man (bzw. ich) im Studium noch nie gehört hat. 

4. So viele Orte 

Je nach Berufsfeld kann sich der Arbeitsalltag eines Anwaltes an vielen verschiedenen Orten abspielen. Da wären neben der Arbeit in der Kanzlei beispielsweise Außentermine, Gerichtstermine, Besuche der MandantInnen in der JVA zu nennen. 

5. So viel neues

Selbst erfahrene JuristInnen müssen sich in Fälle neu einarbeiten und lernen dabei teilweise einiges dazu. Besonders spannend finde ich, wie JuristInnen unterschiedlicher Spezialisierungen zusammen arbeiten, wenn sie merken, dass ein Kollege/eine Kollegin in einem Rechtsgebiet versierter ist als er/ sie.

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