Du hast die Examensklausuren endlich hinter dir und befindest dich in der Phase, in der die Ergebnisse noch nicht bekannt gegeben wurden, du aber eigentlich schon wieder für die mündliche Prüfung lernen solltest? Unsere Autorin Sophia gibt dir in diesem Beitrag vier wertvolle Tipps an die Hand, mit denen du gelassener in die mündliche Prüfung gehen kannst.
Klingt banal, ist aber nicht zu unterschätzen. Mach bewusst Pause (gerne auch einfach mal etwas länger als in irgendeinem Skript oder Lehrbuch empfohlen wird 😌 ). Ich konnte damals zum Beispiel erst wirklich fokussiert lernen, als ich die Ergebnisse meiner Klausuren in der Hand hatte und wusste, dass ich überhaupt zur Mündlichen zugelassen bin. Ich glaube, das ist auch nur menschlich, dass man nicht voll bei der Sache sein kann, wenn man nicht weiß, ob man gerade für die Mündliche oder für seinen Wiederholungsversuch lernt. Gerade, jetzt wo Weihnachten und Silvester vor der Tür stehen, nutze diese Zeit also um einfach mal gar nicht über Jura nachzudenken. Verbanne deine Gesetzestexte und Lernunterlagen irgendwohin, wo du sie nicht siehst, hör auf, darüber nachzudenken, ob du in dieser einen Klausur eventuell gegen das Trennungs- und Abstraktionsprinzip verstoßen hast und widme dich all den schönen Dingen, die vor den Klausuren auf der Strecke geblieben sind. Die Klausuren sind geschrieben, ändern kannst du daran eh nichts mehr.
2. Vertraue auf deinen Lerntyp
Du hast nun mindestens ein Jahr intensiv gelernt und, ob es dir selbst bewusst ist oder nicht wirst du in dieser Zeit deinen ganz eigenen Lerntyp entwickelt haben. Na klar, mündliche Prüfungen sind etwas anderes als fünf Stunden eine Klausur zu schreiben. Trotzdem musst du in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung nicht plötzlich panisch werden und alle möglichen neuen Lernmethoden ausprobieren. Wenn du in der Examensvorbereitung der Typ warst, der am liebsten für sich alleine gelernt hat, dann funktioniert das genauso gut für die Mündliche. Es kann vielleicht von Vorteil sein aber du musst dir keine Lerngruppe suchen und eine mündliche Prüfung simulieren oder anfangen, laut zu sprechen beim Lernen. Setz auf deine altbewährten Methoden. Die Basics, auf die es nun mal in der mündlichen Prüfung ankommt, sind mittlerweile eh so fest drin, dass es gar nicht mehr viel braucht. Glaub mir, ich selbst dachte am Abend vor meiner mündlichen Prüfung noch, ich weiß absolut gar nichts und während ich am Morgen der Prüfung unter der Dusche stand, kam mir plötzlich Wissen aus den tiefsten Ecken meines Gehirns in den Kopf geschossen, von dem ich nicht mal wusste, dass ich es auswendig kann.
3. Lerne deine Mitprüflinge kennen
Mein Prüfungsvorsitzender hat mich damals zusammen mit meinen drei Mitprüflingen (ja, waren alle drei männlich, was mich zuerst etwas eingeschüchtert hat) zu einem Kennenlerngespräch eingeladen. Und obwohl ich ziemlich schnell festgestellt habe, dass ich diejenige mit den schlechtesten Vornoten in der Gruppe bin, tat mir dieses Kennenlernen sehr gut. Wir alle wissen, im Jurastudium ist man dem ständigen Vergleich zu KommilitonInnen ausgeliefert. Sollte also über Vornoten gesprochen werden, lass dich nicht von den Noten deiner Mitprüflinge verunsichern. Schnell werdet ihr merken, ihr sitzt alle im selben Boot. Ihr seid alle aufgeregt und selbst ein kurzer Austausch vor der Prüfung kann enorm dabei helfen, sich während der Prüfung selbst gegenseitig Sicherheit zu geben (insbesondere, wenn sich die Minuten auf dem Flur, während sich die Prüfer besprechen, anfühlen wie Stunden).
4. Sei dir deiner selbst bewusst
Du hast bereits einen so großen Teil deines Examens geschafft, da sollte die mündliche Prüfung nur noch die Kirsche auf der Sahnetorte sein. Versuche also genau dieses Selbstbewusstsein auszustrahlen. Vertraue auf dein Wissen und lass das auch die Prüfer spüren. Lieber selbstbewusst eine falsche Antwort als zögerlich eine richtige. Schau mal in den Spiegel und sag dabei „ich kann das!“ – Klingt wie ein blöder Tipp aus irgendeinem Ratgeber, aber hilft erstaunlicherweise wirklich.
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Dieser Beitrag ist Teil II der Serien “Den eigenen Weg gehen im Jurastudium”. In diesem Beitrag stellt sich unsere Autorin Carla die Frage, wie du herausfindest, was „dein eigener Weg“ überhaupt ist. Hier gelangst du zu Teil I der Serie.
Viele Studierende sind zögerlich, ungewöhnliche Wege zu gehen – aus Angst den hohen Anforderungen des Studiums nicht gerecht zu werden. Dohch was ist überhaupt „dein Weg“?
Wenn ich in diesem und dem anderen Beitrag von “deinem Weg” spreche, meine ich, dass du dein Studium,
deine Auslandsaufenthalte
deine Lernmethoden,
deine Arbeitsweise
deine Examensvorbereitung
deine Freizeitgestaltung
die Wahl deiner Praktika,
deines Wahl deines Referendariats
die Wahl deiner Karriere
selbst wählen und gestalten kannst – auch wenn deine Entscheidungen unkonventionell sind.
Hier ein Beispiel: In der Examensvorbereitung ist es die gängigste Methode, sich bei einem Repetitorium anzumelden und angeleitet von einem Volljuristen den examensrelevanten Stoff zu wiederholen. Tausende Studierende erlangen auf diese Weise jährlich ihr Examen. Dementsprechend mutig musst du sein, wenn du dich entscheidest, dich ohne Repetitorium aufs Examen vorzubereiten.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass du dich regelmäßig fragst: War das eine Fehlentscheidung? Habe ich den gleichen Stoff gelernt wie die KommilitonInnen im Rep? Mache ich etwas falsch? (An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass zwar nicht ich, aber mehrere der Goldwaage-AutorInnen sich ohne Repaufs Examen vorbereitet haben und dieses mit Bravour bestanden haben. – Falls du dir also gerade diese Fragen stellst, trau dich!)
Woher weißt du, was dein Weg ist?
Vorab lohnt sich zu erwähnen: Den einen Weg gibt es nicht. Im Jurastudium genauso wenig wie im Leben abseits davon. Es gibt fast immer dutzende Möglichkeiten, an ein Ziel zu gelangen. Daher lasse dich nicht von der Suche nach “dem einen richtigen Weg” oder “der richtigen Methode” ablenken.
Ein paar Faktoren, die du bei der Suche nach deinem Weg berücksichtigen kannst sind:
Interessen, die du bereits hast
Bauchgefühl
Ausprobieren
mit Leuten reden, die diese Erfahrung gesammelt haben
Mut
Interesse und Bauchgefühl
Einige der Punkte sind recht selbsterklärend. Ein riesiges Interesse an True Crime verleitet dich vielleicht dazu, den Schwerpunkt Kriminologie zu wählen. Ein Bauchgefühl, dass du Italienisch lernen willst, bringt dich dazu, dich für ein Erasmussemester in Rom einzuschreiben. Diese Art von Entscheidungsfindung ist unkompliziert und meiner Erfahrung nach wahnsinnig wertvoll.
Trial and Error
Die meiste Erfahrung sammelst du jedoch, indem du dich ausprobierst. Traue dich, immer wieder neue Dinge auszuprobieren und evaluiere im Anschluss, wie sie dir gefallen oder geholfen haben.
In Bezug auf Lerntipps, lohnt es sich beispielsweise, regelmäßig zu analysieren: Wie kannst du dir Dinge am besten merken, zu welchen Zeiten am Tag kannst du dich am besten konzentrieren, lernst du am besten zu Hause oder in der Bibliothek?
Mit Leuten reden
Bei ungewöhnlichen Schritten hilft es ungemein, mit Leuten zu reden, die diese Wege bereits gegangen sind. Falls du niemanden kennst, suche Online nach Erfahrungsberichten oder nutze KI um eine kleine Kosten-Nutzen-Abwägung darzustellen.
Mut, Entscheidungen zu fällen
Zuletzt bleibt zu sagen: Trau dich! Es gehört immer etwas Mut dazu:Mut, abseits der gewöhnlichen Pfade zu gehen und Mut, Entscheidungen zu fällen.
Aber ich verspreche dir: Ab dem Moment, wo du für dich eine Entscheidung getroffen hast, wird dein Weg entstehen und du wirst eine gewisse Klarheit empfinden.
Mir großer Sicherheit haben die Leute in deinem Umfeld dazu eine Meinung – aber die hätten sie auch, wenn du dich anders entschieden hättest.
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Unser Autor Robert hat vor kurzem seinen Berufseinstieg vollbracht und festgestellt: Die mühsam erlernte Theorie aus dem Jurastudium hat mit wichtigen praktischen Fragen als JuristIn oft gar nichts zu tun. In diesem Beitrag gibt er deshalb Tipps, damit du für den ersten Realitätscheck in der Arbeitswelt gewappnet bist.
Die juristische Ausbildung ist in Deutschland eine faszinierende Sache. Wir wälzen jahrhundertealte Streitstände, sezieren Normen wie ChirurgInnen mit Telos und Historie und entwickeln dabei ein Feingefühl dafür, auf welchem Subsumtionsschritt ein Argument gerade passt. Was wir dabei oft nicht lernen? Wie man organisiert. Wie man in Teams kommuniziert (jenseits der gemeinsamen Lösung der Hausarbeit in der Lerngruppe). Und vor allem: wie man durch einen Fall als Prozess nicht nur juristisch, sondern operativ steuert.
Der Realitätsschock kommt meistens im Berufseinstieg. Zumindest bei fähigen Ausbildern kommen im Referendariat die Fälle und Aufgaben noch eher dosiert und mehr oder minder deinem Ausbildungsstand angepasst. An einem festen Arbeitsplatz (egal ob Kanzlei, Dezernat oder Lehrstuhl), an dem du letztlich für deine Leistung bezahlt wirst, geht es weniger um deine fachliche Entwicklung, sondern um Ergebnisse. Plötzlich dreht sich nicht mehr alles um ein perfekt ausformuliertes Gutachten, sondern um E-Mails, die sofort beantwortet werden wollen, Mandanten, die ungeplant anrufen und dich aus dem Flow bringen und Teams, die parallel auf Ergebnisse warten. Sehr schnell wird klar: Jura ist nicht nur Rechtswissenschaft. Es ist auch Projektmanagement in Robe.
Fälle sind Projekte. Punkt.
Kaum jemand sagt dir das als Neuling, aber jedes Mandat und jede Akte ist ein Projekt. Es hat ein Ziel, ein Ergebnis, Fristen, Beteiligte, Risiken – und jemanden (oder besser ein Team), der oder das dafür verantwortlich ist, dass alles zu einem Abschluss kommt. Das bist früher oder später in verschiedenen Rollen du.
Doch während andere Branchen Projektmanagement in Seminaren erklären oder allein darauf zugeschnittene Managerrollen haben, neigen Kanzleien oft zur Annahme, dass man „da schon reinwächst“. Das stimmt theoretisch und tatsächlich ist mit dem Referendariat und der Examensvorbereitung eine Lernkurve dahingehend angelegt. Praktisch kostet es aber bereits im Studium viele Abende, Nerven und manchmal auch eine Portion Selbstzweifel, bis man merkt: Struktur ist kein Luxus, sondern eine Überlebensstrategie.
Wer seinen Arbeitsprozess strukturiert, hält das Steuer selbst in der Hand. Auch dann, wenn es mal wackelig wird. Ehrlich muss man aber auch sagen, dass der juristische Alltag nicht immer planbar ist und die Prozessordnungen und nicht der eigene Kalender viele Fristen für uns setzt.
Scope: Was genau soll geliefert werden?
Eine der wichtigsten Fragen zu Beginn eines Mandats ist erstaunlich einfach – und wird doch selten gestellt:
„Was genau soll ich eigentlich abgeben?“
Jurist:innen neigen dazu, tief zu gehen – manchmal tiefer, als es der Mandant jemals wollte oder bezahlen möchte. Projektmanagement heißt daher zunächst: Auftragsklärung. Ist ein kurzes Fazit gewünscht oder eine wissenschaftliche Analyse? Soll die Antwort in Bullet Points per Mail kommen oder als ausformulierter Aktenvermerk? Wer liest es – Partner, juristischer Laie oder die Geschäftsstelle?
Zehn Minuten Klärung am Anfang sparen zehn Stunden Nacharbeit am Ende. Insbesondere diese Fähigkeit erlernt man jedoch im Referendariat. Hier ist man neben dem Gutachten das erste mal mit verschiedenen Aufgabenstellungen à la „Anklage mit A- und B-Gutachten, Ermittlungsvermerk oder nur einer kurzen Zusammenfassung für die mündliche Verhandlung“ konfrontiert. Entsprechend sollte man sich die Nachfrage bei Übergabe der Akte unbedingt beibehalten.
Zeitplanung mit echtem Puffer
Die schönste Struktur hilft nichts ohne realistische Zeitplanung. Es gilt: Alles dauert länger, als man denkt, und Dringendes kommt immer dazwischen. Und wenn wir ehrlich sind, macht der spontane Kontakt mit anderen Prozessparteien den juristischen Beruf doch gerade spannender als die meisten anderen Bürojobs. Daher: Puffer einplanen, und Deadlines Dritter nicht blind akzeptieren, sondern aktiv besprechen und im Sinne deines Zeitrahmens nachverhandeln.
Sätze wie „Schaffe ich bis zum Mittag“ klingen erst mal gut, sind aber selten nachhaltig, wenn du den Fall noch gar nicht durchdrungen hast. Professioneller – und am Ende vertrauensbildender – ist ein klares Erwartungsmanagement:
„Mittwoch 10 Uhr sollte für mich klappen. Ich melde mich aber, sollte etwas Dringendes dazwischenkommen.“
Das ist kein Aufgeben, sondern Priorisierung und das Rechnen mit dem Unberechenbaren. Eine solche Kommunikation ist natürlich nur notwendig, wenn noch kein entsprechendes allgemeines Verständnis im Team besteht.
Auch gegenüber Mandanten ist es wichtig, realistische Einschätzungen des mit dem Einsatz von Zeit und Mitteln möglichen Ergebnissen zu liefern. Denn letztlich braucht es solche Transparenz auf allen Seiten, um die jeweils besten Entscheidungen treffen zu können und letztlich auf allen Seiten Zufriedenheit zu erreichen.
Ressourcen nutzen: Eine Frage des Systems
Delegation ist nicht nur Chefsache. Schon als WissMit lässt sich systematisch arbeiten und so der Aufwand reduzieren: früh Muster einholen, auf bestehende Dokumente zugreifen, Aufgaben ggf. auch die Geschäftsstelle weitergeben und Rückfragen einkalkulieren. Zudem ist es hilfreich, auch Zwischenstände mit dem Team zu teilen, damit niemand Fragen muss, wer eigentlich gerade welchen Stand der Akte hat oder schlimmstenfalls die gleiche Arbeit doppelt gemacht wird.
Anders gesagt: Projektmanagement bedeutet nicht, alles selbst zu können oder zu machen, sondern zu koordinieren.
Dazu gehört auch, anderen den Erfolg zu ermöglichen. Gute AnwältInnen führen – auch ohne Titel.
Tools und Programme
Wer denkt, Projektmanagement setze spezielle Software voraus, kann beruhigt sein. Vieles beginnt mit einfachen Dingen:
Kalender konsequent blocken und mit dem Team teilen
Strukturierte Ordner und Dokumentenversionen pflegen
Kurze regelmäßige Status-Notizen führen oder Teambesprechungen abhalten
OneNote/Teams/Notion für internes Wissens- und Aufgabenmanagement nutzen (über letzteres organisieren wir auch die Goldwaage)
Da du in Kanzleien eher keinen Einfluss auf die verwendete Software hast, läuft es in aller Regel auf eine gute Kenntnis von MS Outlook und Teams hinaus.
Besprechungen, gerade in Person, haben zudem den Vorteil, dass du zwischenmenschliches Vertrauen mit deinem Team aufbaust und gleichzeitig erkennt, wie die Belastung aktuell verteilt ist. So kannst du verlässlicher einschätzen, wen du im Hilfe fragen könntest und wer vielleicht gerade gern ein Projekt abgeben würde. Denn solches Vertrauen ist die Grundlage guter Zusammenarbeit.
Projektmanagement schützt vor Überlastung
Das Spannende ist: Wer Projekte gut steuert, schützt nicht nur Mandanteninteressen, sondern auch die eigene Gesundheit.
Projektmanagement setzt Grenzen: Was muss heute wirklich fertig sein? Was kann morgen erledigt werden? Was wird delegiert? Und wann ist Feierabend?
Diese Fragen klingen banal. Sie sind aber die Grundlage beruflicher Langlebigkeit, weil mit gutem Gewissen Abschalten können einfach wichtig für die Psyche ist.
Man könnte also sagen: Projektmanagement ist die Kunst, nicht nur Recht zu haben – sondern rechtzeitig fertig zu werden.
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In dieser Mini-Serie geht unsere Autorin Carla der Frage auf den Grund, wie du es schaffst, erfolgreich in Studium und Beruf zu sein – und dabei einem Weg zu folgen, der zu dir und deinen Wünschen passt.
Vor kurzem stieß ich auf Instagram auf ein Reel. In einem unverkennbaren österreichischen Dialekt sag darin eine junge Frau:
“Du kurze Frage – vielleicht eine radikale Idee. Aber wie wäre es, wenn du es einfach mal so machst, wie du es machen würdest.”
Aus irgendeinem Grund (und vielleicht auch, weil meine Lieblingssängerin Verifiziert den Ausschnitt in einem ihrer Songs verarbeitete) hallt dieser Satz seit Wochen in meinem Kopf nach.
Einfach mal etwas so machen, wie du es machen würdest – das klingt im Kontext mit dem juristischen Studium und der juristischen Laufbahn fast schon ironisch. Schließlich folgen nicht nur Studium und Referendariat strengen Regeln, auch im klassischen juristischen Arbeitsalltag gibt es eine (teilweise wirklich strenge) Etikette.
Ich bin dennoch der Meinung, dass es hilfreich ist, schon früh im Studium auf sein eigenes Bauchgefühl zu vertrauen und den Mut haben, den eigenen Weg zu gehen.
Zu viele gut gemeinte Ratschläge
Wer ein Jurastudium beginnt, kann sich in der Regel vor mehr oder weniger gut gemeinten Ratschlägen kaum retten. Neben fragwürdigen Lerntipps von Studis, die nur wenige Monate länger Studieren als du (”Vorlesungen brauchst du nicht!”) oder sexistisch Anmutenden Bemerkungen von entfernten Verwandten auf Familienfeiern (”Als Frau kannst du ja dann nur Richterin werden – wegen der Kinder!”) kriegst du Empfehlungen von Eltern, ProfessorInnen und so ziemlich jeder Person, die irgendwann mal etwas über das Jurastudium gelesen hat, zu hören.
Kaum beginnt die Examensvorbereitung hörst du von dutzenden RepetitorInnen und AbsolventInnen Tipps und Herangehensweisen – blöd nur, dass diese sich häufig widersprechen. Mir wurde beispielsweise von einem Professor geraten, mindestens zwei Jahre für die Examensvorbereitung einzuplanen, während mein Repetitor meinte, mehr als ein Jahr Vorbereitung sei schon zu viel.
Leider hören die Ratschläge auch nach dem Studium nicht auf – eher im Gegenteil. Zum perfekten Zeitpunkt, dem Standort, den Stationen fürs Referendariat gibt es ebenfalls eine Menge ungefragter Tipps.Bei der Menge an verschiedenen Ratschlägen und Lebensweisheiten kann man, vor allem in stressigen Lebenssituationen, gerne Mal die Orientierung verlieren.
Genau hier kommt das “Es einfach genau so machen, wie du es machen würdest” in Spiel.
Das gute Gefühl nach einer getroffenen Entscheidung
Das Gefühl der Sicherheit, das du bekommst, wenn du eine Entscheidung triffst und dich danach richtest, ist unbezahlbar.
Hier ein kleines Beispiel: In meiner Examensvorbereitung entwickelte ich eine Lernroutine. Morgens, bevor ich wirklich mit dem Lernen begann, wiederholte ich eine halbe Stunde Karteikarten. Meistens noch im Schlafanzug im Bett und mit einem Kaffee in der Hand. Meine KommilitonInnen fanden das abwechselnd nachvollziehbar, übertrieben oder einfach für sich selbst unpassend. Ich wusste jedoch, dass es mir ein sicheres Gefühl und vor allem eine verlässliche Routine gab, den Tag immer gleich zu beginnen – ganz egal, was andere dachten.
Genauso legte ich irgendwann für mich fest, in welchen Rhythmus ich Probeklausuren schrieb, wie lange ich mich aufs Examen vorbereiten wollte, wie ich das Repetitorium nachbearbeitete, was ich in der Zeit nach dem Examen machte und und und. Das führte letztlich dazu, dass ich mein Examen bestand, mit meiner Leistung zufrieden war und vor allem nicht hinhören musste, wenn mir mal wieder ein/e KommilitonIn ungefragt einen “entscheidenden” Lerntipp gab.
Natürlich solltest du die Ratschläge anderer nicht gänzlich ausblenden. Gerade Menschen, die dich besonders gut kennen, oder aber sich in Jura-/Karrierefragen besonders auskennen, haben oft Ideen, die es sich anzuhören lohnt. Allerdings zeichnen sich gute Ratschläge durch mehrere Faktoren aus. Zum einen stellen sie keinen Anspruch auf Absolutheit (”Jeder Studierende muss 100 Probeklausuren vor dem Examen schreiben”). Zum anderen stützen sie sich auf Tatsachen oder Erfahrungswerte der ratgebenden Person – nicht bloß auf ein Bauchgefühl deines Gegenübers.
Aber woher weißt du, wie du gute Entscheidungen triffst und deinen Weg findest? Genau darum geht es im zweiten Teil der Serie. Dieser erscheint in der kommenden Woche – genau an dieser Stelle.
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Du hast deine Erstiwoche hinter dir? Hast Begriffe wie Anfängerübung, Freischuss, Moot-Court und Kolloquium zum allerersten Mal gehört? Du hast einen Berg an neuen Eindrücken, Stickern, Flyern und Goodies aus sämtlichen Erstibeuteln gesammelt, bist aber eigentlich noch völlig orientierungslos?
Dann bist du hier genau richtig, unsere Autorin Sophia nimmt dich mit diesem virtuellen Erstibeutel an die Hand. Hier findest du mit Links zu allen wichtigen Beiträgen rund um das erste Semester im Jurastudium die nötige Orientierung.
In Zeiten von Social Media und einer Vielzahl an sogenannten Study Accounts hast du dir bestimmt bereits vor der Einschreibung für den Studiengang dein ganz eigenes Bild vom Jurastudium gemacht.
Sicherlich hast du schon die Frage gestellt bekommen, warum denn eigentlich so etwas trockenes wie Jura? Das Jurastudium mag voller Klischees sein – Gesetze auswendig lernen, hochnäsige AnzugträgerInnen und hohe Durchfallquoten. Was da aber wirklich dran ist, gilt es von nun an für dich ganz persönlich herauszufinden.
Auch, wenn dem Studiengang und dessen Studierendenschaft ein gewisser Ruf vorauszueilen scheint, gibt es ebensoviele Gründe, die das Studium besonders liebenswert machen. Am Ende ist es eine Frage des Mindsets und was du daraus machst.
Sieh das erste Semester als Chance
Es ist völlig normal, nicht bereits im ersten Semester alles bis hin zum ersten Examen durchgeplant zu haben. Ich selbst habe mich, wenn ich an die Zeit zurück denke, bestimmt bis zum 5. Semester von Semester zu Semester gehangelt, ohne zu wissen, was mich im nächsten halben Jahr erwartet. Und das ist ok.
Du musst nicht jedes Lehrbuch kaufen, das die ProfessorInnen empfehlen. Du musst dich nicht an KommilitonInnen orientieren, die schon die dicken roten Gesetzestexte vor sich liegen haben und du musst nicht deine gesamte Freizeit für dieses Studium opfern (kleiner Tipp: solltest du übrigens während des gesamten Studiums nicht 😉).
Sieh das erste Semester in erster Linie als Chance. Nutze es, um dich zu orientieren. Es ist dazu da, deine Studienstadt (inklusive Nachtleben 🪩) und deine KommilitonInnen kennenzulernen, sowie dir selbst einen groben Überblick zu verschaffen. Im Gegensatz zu anderen Studiengängen erfordert das erste Semester im Jurastudium nicht bereits einen derart hohen Arbeitsaufwand, dass all das auf der Strecke bleiben muss, nutz diese Chance!
Die ersten Prüfungen
Dennoch erwarten dich gegen Ende deines ersten Semesters natürlich auch im Jurastudium deine ersten Klausuren und Hausarbeiten. Was und in welchem Umfang hier geprüft wird, unterscheidet sich von Uni zu Uni. Schau dir hierzu am besten auf der Website deiner Fakultät mal die Musterstudienpläne oder Studienablaufpläne an.
Wie schon gesagt: Das erste Semester ist zu Orientierung da.
Du musst nicht bereits die perfekte Lernmethode für die Anfängerklausur mitbringen. Finde heraus, ob die Vorlesungen dir etwas bringen. Besuche die vorlesungsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften, Seminare oder Kolloquien (ist alles das Gleiche, heißt nur überall anders 😁) und verzweifle nicht, wenn es mit dem Gutachtenstil nicht direkt klappt. Glaub mir, es kommt alles mit der Zeit (learning bei doing und von Semester zu Semester hangeln).
Sei also geduldig mit dir selbst, du musst und kannst nicht schon im ersten Semester alles wissen. Was du aber kannst, ist das erste Semester als Chance zu nutzen, um das neue Umfeld, dich selbst und deinen Lerntyp kennenzulernen und einen Grundstein für dein Studium zu legen.
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Dein erster Praktikumstag steht an und mit ihm kommt die Frage – welche Kleidung ist angemessen? Deine mündliche Prüfung steht kurz bevor und du fragst dich, was du tragen solltest? Kein Problem! In diesem Beitrag gibt unsere Autorin Stine dir ein paar Richtlinien an die Hand, wie du rausfindest, ob dein Outfit juratauglich ist – mitsamt ein paar Beispielfotos der Redaktion.
Kaum ein Berufsfeld kämpft mit so vielen Vorurteilen wie das der JuristInnen. Nicht wenige davon beziehen sich auf die Kleidung. Kein Wunder: Der Beruf ist traditionsreich und steckt voller alteingesessener Regeln. Ein Beispiel: Die Richterrobe in ihrer heutigen Form stammt schon aus dem 18. Jahrhundert.
Dazu kommt, dass uns einige KommilitonInnen bereits ab dem ersten Semester im Hörsaal mit Anzügen „beeindrucken“. Da fragt man sich schnell, was ist angemessen um im Praktikum, Referendariat und der mündlichen Prüfung einen guten Eindruck zu hinterlassen. Die Qual der Outfitwahl kenne ich nur zu gut. Wie oft habe ich mir noch in letzter Minute eine Bluse gekauft, weil ich Angst hatte, nicht passend genug angezogen zu sein.
Um euch diese Unsicherheit zu nehmen, haben wir im Team ein paar Inspirationen gesammelt, in denen wir uns passend angezogen fanden. Denn am Ende zählt nicht, wie teuer oder elegant das Outfit ist – sondern, dass ihr euch darin wohlfühlt. Verkleiden hilft auf Dauer nur selten.
Die Tipps sind für alle gedacht, die bald ihre mündliche Prüfung, den ersten Praktikumstag oder den Start ins Referendariat vor sich haben. Im Unialltag müsst ihr hingegen niemanden beeindrucken, da geht’s entspannt zu.
Obenrum – zwischen Blazer und T-Shirt
Abseits von wirklich besonderen Terminen wie der mündlichen Prüfung oder Vorstellungsgesprächen ist die Wahl im Alltag erstaunlich locker. Im Sommer sind auch T-Shirts oder Tops kein Problem – selbst bei Gerichtsterminen, solange sie nicht durch schrille Farben oder wilde Muster auffallen. Mit einem schlichten Blazer oder einer Strickjacke liegt man fast immer richtig. Blusen? Habe ich persönlich nicht als notwendig empfunden.
Untenrum – Hosen, Röcke und Co.
Eine klassische Anzughose ist eine sichere Wahl – muss aber keineswegs schwarz sein. Grau, Blau oder sogar Grün funktionieren genauso gut. Schließlich verschwinden die Beine bei Terminen ohnehin meistens unter dem Tisch. Ein langer Rock ist ebenfalls völlig in Ordnung, nur fehlt mir da die persönliche Erfahrung – ich bin ein absoluter Hosenmensch.
Schuhe – Hauptsache sauber
Loafer sind immer eine gute Idee. Ebenso gediegene Absätze oder schlichte, saubere Sneaker. Wichtig ist weniger die Form als vielmehr, dass die Schuhe gepflegt aussehen.
Fazit: Wohlfühlen schlägt Etikette
„Kleider machen Leute“ – aber zum Glück längst nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vor 20 Jahren. Wer einmal RichterInnen außerhalb des Verhandlungssaals beobachtet, wird überrascht sein, wie schlicht und alltagsnah deren Outfits ausfallen. Hosenanzüge sieht man fast nie, auch vollständige Anzüge bei den männlichen Kollegen sind selten.
Fragt die RichterInnen und AusbilderInnen ruhig nach ihren Erwartungen – das kann helfen, die morgendliche Outfit-Qual deutlich zu verringern. Vor meinem ersten AG-Termin habe ich mir auch viele Gedanken über den richtigen Auftritt gemacht. Im Nachhinein kann ich sagen: völlig unnötig. Es gilt: Come as you are. Solange man die grundlegenden Gepflogenheiten respektiert, spielt die Kleidung im juristischen Alltag eine untergeordnete Rolle.
Die Entscheidung für oder gegen eine Promotion ist sehr individuell. Sie kann schon recht früh feststehen, eher spontan nach den Examensergebnissen erstmals als Option in Betracht kommen. In diesem Beitrag geht unsere Autorin Lea der Frage auf den Grund, ob und für wen sich eine Promotion überhaupt lohnt.
Aufgrund der Fülle an Beweggründen und individuellen Ausgangsbedingungen ist dieser Post eher mein persönlicher Erfahrungsbericht, der mit allgemeinen Hinweisen gespickt ist. Mir ist aber wichtig, direkt zu Beginn noch einmal explizit zu sagen, dass die angesprochenen Punkte meine Erfahrungen sind und deine Gewichtung dieser oder ganz anderer Punkte völlig verschieden sein können. Am Ende musst du eine für dich passende Entscheidung treffen und niemand sonst!
1. Eindrücke als studentische Hilfskraft Ich habe bereits im Grundstudium angefangen an einem Lehrstuhl zu arbeiten und dadurch viel von den wissenschaftlichen Mitarbeitenden (WissMits) mitbekommen. Das hat sich über die Jahre, die Nähe zu den WissMits und dem eigenen Fokus auf die Möglichkeit einer Dissertation noch einmal gesteigert. Auch durch regelmäßige Nachfragen vom Lehrstuhl habe ich mich immer intensiver mit der Entscheidung auseinandergesetzt, sowie die Pros und Cons aus erster Reihe quasi mit angesehen.
Allgemein: Sprich mit WissMits deiner Uni oder vereinbare ein Gespräch mit deinem/deiner Lieblingsprofessor/in, die du dir vielleicht sogar schon als Doktormutter/-vater vorstellen könntest. Oder manchmal gibt es niedrigschwelliger Angebote wie z.B. durch Gespräche mit besonderen Lehrbeauftragten, die meist als akademische Räte angestellt sind und selbst auch promotiviert haben.
2. Mentoringprogramm für promotionsinteressierte Studentinnen Zudem hatte ich mich aufgrund einer Empfehlung von Freundinnen dazu entschieden, an einem Mentoringprogramm für promotionsinteressierte Studentinnen teilzunehmen, das die Gleichstellung meiner Uni angeboten hat. Wie der Titel schon sagt, richtet sich das Angebot nur an weiblich gelesene Personen (sorry boys!). Zudem war das Programm fächerübergreifend, sodass nicht alle geplanten Veranstaltungen für eine juristische Promotion relevant waren. Doch innerhalb dieser knapp sechs Monate haben wir verschiedene Bereich einer Promotion durchgesprochen wie beispielsweise möglichen Beweggründen, den rechtlichen Hintergründen zum Wissenschaftszeitgesetz und den gängigen Promotionsmodellen. Darüber hinaus gab es noch Zusatzveranstaltungen die neben der Promotion in jedem Fall nützlich sein werden, wie ein Bewerbungsmappencheck oder einem Training zur Stimmung- und Wahrnehmungspräsenz. Ich selbst habe das Programm von Frühjahr bis Sommer im Jahr meines Examenstermins gemacht. Zum Einen war das eine super Möglichkeit mal aus dem Lerntrott herauszukommen. Und zum Anderen eine tolle Option, leicht neue Kontakt zu wissenschaftlich orientierten Frauen zu knüpfen und Teil eines bestehenden Netzwerkes mit all seinen Möglichkeiten und der draus folgenden Expertise zu werden.
Allgemein: Schau, ob deine Uni eine Infoveranstaltung anbietet oder sogar ein ähnliches Programm. Es schadet auf jeden Fall nicht, sich zu bewerben und neue Eindrücke mitzunehmen. Da das zeitlich meist aber mit der Endphase der Examensvorbereitung zusammenfällt, kannst du da auch transparent sein und ggf. einige der geplanten Termine skippen.
3. Seminararbeit im Schwerpunkt Für mich war auch ein zentraler Punkt, wie ich die Phase während der Seminararbeit empfunden habe. Also ob mir die Recherche und der Schreibprozess so ganz generell (abseits vom Notendruck) „Spaß“ gemacht hat. Fairerweise hatte ich das für mich eher als „ging so“ bewertet. Die Zeit war super stressig, ich war damit überfordert so ganz allein einen wissenschaftlichen Text schreiben zu müssen, ohne wirklich zu wissen, was ich da eigentlich machen muss. Was mir allerdings wirklich gut gefallen hat, war mich mit den bestehenden Ansichten aus Literatur und Rechtsprechung auseinanderzusetzen und meine eigene Meinung aufs Papier zu bringen. Die Art der Betreuung und den zeitlichen Rahmen kann ich während der Promotion auch viel selbstbestimmter mitgestalten und beeinflussen. Sodass die negativen Aspekte aus der Seminararbeit dann gar nicht mehr so wahnsinnig relevant für die Entscheidung für oder gegen die Diss waren. Worauf ich im Grunde hinaus möchte, ist, dass du selbst schauen musst, wie relevant welches Argument für dich ist.
4. Motivationsgründe Ich habe mich über eine längere Zeitspanne (schon so ein gutes Jahr) immer mal wieder selbst gefragt, wieso ich überhaupt eine Doktorarbeit schreiben möchte. Wie oben schon angeteasert, sind die Gründe wahnsinnig vielfältig. Von der Hoffnung seine Chancen für eine Partnerschaft in einer Großkanzlei zu erhöhen, über das individuelle Interesse an einem bestimmten Themenbereich, bis hin dazu, das Referendariat und damit das 2. Examen herauszögern zu können, kann alles dabei sein. Wie schwer du die Punkte jeweils gewichtest, ist komplett dein Ding, egal ob jemand anders das für total bescheuert hält. Deine Gründe müssen dich durch die Promotionszeit (die schon teilweise drei Jahre aufwärts ist) bringen. Genau wie in der Examensvorbereitung auch, musst du durchhalten, aus den Gründen, für die du dich entschieden hast bzw. im Verlauf entscheidest.
5. Noten (Examen und Seminararbeit) Nicht ganz unentscheidend sind natürlich auch deine Noten aus Examen und Schwerpunkt. Schau dir am besten im Vorfeld die Promotionsordnungen deiner favorisierten Unis an und deren individuellen Voraussetzungen. Häufig kannst du „bereits“ mit einem befriedigenden Examen und einer Zusatzleistung (2. Seminararbeit etc.) promovieren. Auch kann es sein, dass du im Bewerbungsprozess zur Promotionsbetreuung gebeten wirst, deine Seminararbeit mitzuschicken, damit der/die potenzielle Betreuung ein Gefühl für deinen Schreibstil bekommen und dein „Potenzial“ einschätzen kann.
6. Dein Charakter Den letzten Grund, könnte man auch mit unter Motivationsgründe fassen. Ich finde ihn aber so relevant, dass er einen eigenen Oberpunkten bekommen hat. Du solltest du dich wirklich selbstkritisch fragen, ob du der Typ für eine Promotion bist. Willst du tatsächlich eine Monografie schreiben, jahrelang Texte lesen und dir Gedanken zu deinem Thema machen? Neben der Finanzierungsstelle (außer du hast dich erfolgreich um ein Stipendium beworben) noch vor- oder nach der Arbeit an der Diss sitzen? Magst du dir den Stress, das Kopfzerbrechen, die Selbstzweifel und sicher auch die ein oder andere Schreibblockade antuen?
Fazit Wenn du für dich sagen kannst, dass du auch die möglichen „Schattenseiten“ mit bedacht hast, du deine Gründe für die Promotion kennst und einfach Bock drauf hast, dann go ahead! Falls du dir unsicher sein solltest, dann wage es doch einfach. Niemand zwingt dich dazu, die Diss zu Ende zu schreiben, wenn du nach sechs Monaten, einem Jahr oder auch später feststellst, dass es doch nicht das war, was du wolltest. Solltest du klar sagen können, dass du dir eine Promotion so gar nicht vorstellen kannst, auch klasse. Dann gehts auf zum Ref, Berufseinstieg oder auf die Weltreise, die dich als Motivator durchs 1. Examen gebracht hat.
Hast du Fragen, Anmerkungen oder möchtest deine eigenen Erfahrungen teilen, dann schreib gern einen Kommentar. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn doch und folge uns auf Insta @goldwaage.jura.
Unser Autor Robert ist in diesem Jahr Volljurist geworden. In diesem Beitrag widmet er sich den schwierigen Zukunftsfragen: Wie geht es weiter? Woher weiß ich, welcher Beruf zu mir passt? Und gibt es so etwas wie den Traumberuf wirklich?
Hand aufs Herz: Kaum hat man das zweite Examen bestanden, steht man vor der berüchtigten Gretchenfrage: „Und was machst du jetzt eigentlich?“ Als JuristIn ist die Auswahl an Berufswegen groß – Richterbank, Staatsanwaltschaft, Kanzlei, Unternehmen, Verwaltung, Politik, Wissenschaft. Klingt erstmal nach einem Luxusproblem. In Wirklichkeit ist es aber eher wie bei Netflix: Zu viele Optionen, und man weiß nie, ob man den falschen Film auswählt.
„In Wirklichkeit ist es aber eher wie bei Netflix: Zu viele Optionen, und man weiß nie, ob man den falschen Film auswählt.“
Brauche ich wirklich das zweite Examen?
Im Referendariat reißt schnell die Euphorie nach der ersten juristischen Prüfung ab und man denkt sich: „Ohne zweites Examen kannst du gar nichts machen!“ Ganz so stimmt das natürlich nicht. Aber die meisten klassischen Wege – Richteramt, Staatsanwaltschaft, und generell die Möglichkeit vor Gericht als Prozessvertreter für Mandanten aufzutreten – setzen es voraus. Wer nur das erste Examen hat, findet zwar Nischen (Legal Tech, Compliance, Wissenschaft, NGOs, Verwaltung), muss aber kreativer sein. Für mich war klar: Ich wollte mir die Türen offenhalten und besonders auch später klassisch konfliktlösend tätig werden.
Also habe ich mich durchgebissen. Aber insbesondere außerhalb des klassischen Justizdienstes ist es im öffentlichen Dienst, und teilweise auch auf dem anwaltlichen WissMit-Markt monetär egal, ob ein zweites Examen vorhanden ist. Für die Einstellung auf eine E13-Stelle ist nur ein Masteräquivalent erforderlich. Dieses liegt bereits mit dem ersten Examen vor. Das zweite Examen findet hier eher keine Berücksichtigung. Wer also von vorherein eine eher lehrende oder unterstützende Tätigkeit anstrebt, vergeudet aus wirtschaftlicher Sicht mit dem Referendariat nur Lebenszeit.
Als Berufseinsteiger habe ich die Justiz oft als Synonym für eine klassische Behörde gesehen: feste Regeln, steife, hierarchische Karriereoptionen, immer dieselbe Routine. Mit der Zeit habe ich aber auch gemerkt, wie viele Vorteile das bietet: Klarheit, Sicherheit, geregelte Arbeitszeiten. Wer Familie plant, hat hier oft die besseren Karten. Die formalistische Kultur beginnt hingegen bereits mit der notenfixierten Einstiegshürde. Wenn man diese genommen hat, hat man entgegen der Kanzleiwelt eher wenig Einfluss auf die fachliche Ausrichtung, allenfalls der Rahmen von StA, Fach- oder ordentlicher Gerichtsbarkeit kann sich festgelegt werden. Wer berufliche Selbstverwirklichung wichtig findet, kommt hier vielleicht schnell an einen Punkt des Desinteresses, wobei die Verwaltungen regelmäßig versuchen, Wünsche zu berücksichtigen. Gerüchte wie: „Als junge/r RichterIn am VG macht man doch immer nur Asylsachen“ halten sich aber wohl nicht ganz ohne Grund hartnäckig.
Wenn man aber abstrakter nur mit dem Ziel der Rechtspflege beginnt, findet man spätestens mit der Ernennung auf Lebenszeit einen Arbeitsplatz, den man ohne wirtschaftliche Ängste mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung gestalten kann. Positiv ist hierzu anzumerken, dass man quasi ab Tag eins als Richter eine Möglichkeit zum eigenverantwortlichen Arbeiten hat, die wohl einzigartig ist. Sowohl in der Arbeitszeiteinteilung, der Möglichkeit zum Homeoffice und der letztlichen Entscheidung des Streits ist man so frei wie wohl kein Associate in Kanzleien. Einziges Manko: Wenn man von Vergleichsverhandlungen absieht, hat man nur wenig Möglichkeit, wirklich gestaltend an Projekten tätig zu werden.
Abschließend zum Gehalt: Gerade abseits der klassischen (juristischen) Ballungsräume ist eine R1-Besoldung so ziemlich das attraktivste, was man als Einsteiger mitnehmen kann. Berücksichtigt man das erheblich größere Netto im Staatsdienst (und langfristig die sichere und durchaus üppige Pension) kann das Gehalt durchaus mit dem von mittelständischen Kanzleien mithalten, die vermutlich nominell das Gros der AssessorInnen anstellen. Der wirkliche wirtschaftliche Vorteil der freien Wirtschaft dürfte sich hier regelmäßig erst nach mehreren Berufsjahren einstellen, da das Karriereende im Justizdienst regelmäßig mir der ersten Beförderung zu R2 erreicht sein dürfte und dann nur noch Erfahrungsstufen hinzukommen.
Kanzleiwelt: Vielfalt mit Preisetikett
Die Kanzleiwelt hat mich anfangs fasziniert – die schicken Büros, die spannenden Mandate, das Prestige. Aber natürlich hat das Ganze seinen Preis: Wer in einer internationalen Großkanzlei einsteigt, verkauft einen guten Teil seiner Zeit, oft auch seine Abende und Wochenenden. Gerade als Associate ist man in der Organisation seiner Mandate und deren Art weniger frei. Auf der anderen Seite gibt es kleinere Kanzleien, in denen man schneller Verantwortung übernehmen kann und der Chef nicht fragt, ob man heute wieder um 19 Uhr geht.
Die Vielfalt ist riesig – aber man sollte sich nicht blenden lassen. Ich musste mir irgendwann ehrlich eingestehen: Reizvoll ist das Prestige, aber will ich dafür dauerhaft meine Freizeit opfern? Neben der Mandatsarbeit (den sog. Billable Hours, bzw. der Zeit, die man nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz investieren will, wenn der Stundenlohn noch passen soll) steht für AnwältInnen als „freier Beruf“ ein gutes Pensum an organisatorischen Tätigkeiten auf dem Programm, spätestens wenn man leitende Funktionen in der Kanzlei übernimmt. Auch wollen die Mandate erst mal beschafft werden. Ob das lästig und sozial anstrengend ist, oder man in Abendgarderobe bei Canapés auf Firmenfeiern erst richtig aufblüht ist natürlich höchst individuell.
Nicht zu vergessen ist auch, dass wie oben erwähnt das Gehalt eine ziemliche Bandbreite darstellt. Von 4000 € in kleinere Kanzleien bis zu den berüchtigten sechsstelligen Jahresgehältern ist alles dabei. Ob man letztere erreicht, hängt letztlich viel an den Noten und der eigenen Leistungsbereitschaft, wenn man die Großkanzlei denn überhaupt anstrebt. Für alle Anwälte gleich sind aber Nebenkosten in Form von Pflichtversicherung, Kammerbeiträgen und beA-Gebühren, die regelmäßig neben den Beiträgen zum Versorgungswerk (der kammereigenen Rentenversicherung) zu entrichten sind und das Einkommen noch einmal mindern können. Bezüglich der oben angesprochenen Rentensicherheit bei Richtern und Beamten sei aber auch hier angemerkt, dass auch das Versorgungswerk regelmäßig mehr im Alter auszahlt als die für unsere Generation eher ungewisse gesetzliche Rente.
Werte, Werte, Werte
Je mehr Gespräche ich geführt habe, Eindrücke im Referendariat sammelte und mir mit Freunden bei einem Glas Wein den Kopf zerbrach, desto klarer wurde mir: Am Ende geht es nicht nur um Titel oder Gehalt, sondern darum, was mir persönlich wichtig ist. Insbesondere zeigte einem jede Station im Ref, dass jedes Berufsbild etwas für sich, aber immer auch seine Mankos hatte. Das Gefühl, dass das Gras anderswo immer grüner ist, wird einen vermutlich nie ganz loslassen, wenn man einmal reflektiert, was man nach der langen juristischen Ausbildung die nächsten 40 Jahre so machen will.
Ich habe gemerkt: Meine Werte verschieben sich. Was mir direkt nach dem ersten Examen wichtig war (Karriere, Auslandsmandate), hat ein paar Jahre später nicht mehr dieselbe Priorität. Das ist okay. Die berühmte „eine richtige Entscheidung“ gibt es nicht.
Mein Fazit nach einigen Umwegen
Den „Traumberuf“ gibt es nicht fertig verpackt. Es gibt nur meinen eigenen Mix aus Sicherheit, Freiheit, Geld, Sinn und Nähe zu den Menschen, die mir wichtig sind. Gerade lockt mich die große Stadt, gleichzeitig genieße ich das Landleben sehr und tanke Kraft im Grünen. Und ja, ich habe Jobs ausprobiert, die nicht gepasst haben – aber genau daraus habe ich gelernt. Jura ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon.
Man darf die Richtung unterwegs ändern – und vielleicht ist genau das der eigentliche Traum. Die Bandbreite an juristischen Berufen kann erschlagend wirken. Aber letztlich ist sie für mich der wahre Preis der langen und mühseligen Ausbildung. Wir leben nicht mehr in dem Arbeitsmarkt unserer Eltern mit „dem Job für’s Leben“. Auch wenn Wechsel zwischen Justiz und Anwaltschaft etwas kompliziert sind, unmöglich sind Sie nicht.
Probiert euch aus, wenn sich etwas richtig anfühlt. Wenn es dass nach ein paar Jahren nicht mehr tut, habt den Mut weiterzuziehen. Denn Jura lebt von der Arbeit mit Menschen und Lebenssachverhalten, und die unterschiedlichen Erfahrungen machen euch eher zu besseren JuristInnen. Lebenslanges Lernen ist eine Realität, und jeder gute Arbeitgeber sollte das mittlerweile auch zu schätzen gelernt haben.
Du willst ein Auslandssemester planen, weißt aber gar nicht, was dabei auf dich zukommt? Kein Problem! In diesem Beitrag erklärt dir unsere Autorin Carla, die selbst ein Semester in Schweden studiert hat, die vier wichtigsten Dinge, die du bedenken musst.
Der Bewerbungsprozess
Ungefähr ein bis anderthalb Jahre vor deiner Ausreise solltest du mit der Planung deines Auslandssemesters beginnen. Informiere dich über den konkreten Bewerbungsverlauf an deiner und der ausländischen Uni. Im ersten Schritt solltest du einen Vortrag oder ein Beratungsgespräch der zuständigen Stelle (zB dem sog. International Office) wahrnehmen, um dich über Fristen, Notenvoraussetzungen, Finanzierung und ähnliches zu informieren.
Der Bewerbungsablauf hängt selbstverständlich von deiner Uni ab. In meinem Fall musste ich eine formelle Bewerbung und ein Motivationsschreiben an meiner deutschen Uni einreichen. Dieses wurde an die ausländische Uni weitergeleitet. In einem weiteren Schritt musste ich mich über ein Online Verfahren der schwedischen Uni immatrikulieren, dh. meine Fächer wählen und einige Formalia ausfüllen.
Den Bewerbungsprozess fand ich recht unkompliziert. Bei Reisen in Länder außerhalb der EU solltest du noch die Beantragung eines Visums und ggf. einen Termin beim Arzt für besondere Impfungen wahrnehmen.
Die Finanzierung
Sofern du in einem Land des Schengen Raumes deinen Austausch machst, steht dir die Förderung des Erasmus+ Programms zur Verfügung. Hier bekommst du sehr unkompliziert bis zu 600 Euro monatlicher Förderung, die du nicht zurückzahlen musst, sofern du das Auslandssemester beendest. Darüber hinaus gibt es (auch für Studierende, die u.U. keinen regulären BAföG-Anspruch haben), die Möglichkeit, AuslandsBAföG zu beantragen.
Die Unterkunft
Die Suche eine Unterkunft war für mich persönlich die größte Herausforderung. In vielen Ländern gibt es günstige Studierendenwohnheime – auf diese muss man jedoch idR recht weit im Voraus bewerben. Andernfalls lohnt es sich sehr, auf dem landestypischen Pendant zu ebay (in Schweden zB Blocket.se) nach Wohnungsanzeigen zu suchen. Ich selbst habe so in Malmö ein Zimmer mitsamt Klavier in einer wunderschönen Altbauwohnung gefunden. Du kannst dich auch auf den Sozialen Medien umhören, ob es noch weitere Wohnungsangebote gibt. In Schweden bieten zB die Studierendenvereine (sog. Nations) häufig erschwingliche Zimmer an – es lohnt sehr, sich ein wenig umzuhören.
Falls du dennoch nichts findest: Keine Panik! Ich kenne einige KommilitonInnen, die sich zunächst in einer Jugendherberge eingemietet haben und dann vor Ort nach einer Unterkunft gesucht haben – auch sie sind schnell fündig geworden. Sobald du die ersten Kontakte im neuen Land geknüpft hast, öffnen sich schnell weitere (Wohnungs-)Türen.
Die Sprache
Ob du die Landessprache im Voraus lernst, hängt von verschiedenen Bedingungen ab. Für die Vorlesungen bestehen häufig feste Anforderungen an das Sprachniveau. Dein Englisch aus der Schule wird hier im Regelfall genügen, um englische Kurse zu besuchen. Bei fremdsprachigen Kursen, sieht es schon anders aus. Sprichst du also (nachweislich) die Landessprache auf einem sehr hohen Niveau, kannst du ggf. auch Vorlesungen in der Sprache besuchen. Falls du noch keine Kenntnisse der Sprache hast, ist dies auch kein Problem – die meisten Unis bieten kostenlose Sprach- und Crashkurse an. Diese sind nicht nur eine tolle Möglichkeit, ein paar Alltagsfloskeln zu lernen, sondern auch, andere Internationale Studierende kennenzulernen.
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Sind die schriftlichen Prüfungen erstmal geschafft, ist gefühlt (und tatsächlich) der größte Teil des staatlichen Examens geschafft.Doch wie geht es jetzt eigentlich weiter? Wann beginnst du mit der Vorbereitung auf die Mündliche und wie genau machst du das eigentlich?
*Dieser Beitrag enthält aufgrund der Nennung einiger Bücher unbezahlte und umbeauftragte Werbung.
Ich persönlich hatte mich vor den Schriftlichen quasi gar nicht mit der Mündlichen auseinandergesetzt und habe da ziemlich blauäugig – mit dem Motto „ach, mein Zukunfts-Ich macht das dann schon” – auf die Mündliche geschaut.
Doch als es plötzlich an die Vorbereitung ging, wurde ich panisch und fand keinen wirklichen Einstieg. Viele Bücher (ganz im Gegensatz zur Vorbereitung auf die Schriftlichen) gibt es ja nicht, was es nicht gerade einfacher gemacht hat.
Im Folgenden gebe ich dir deshalb ein paar meiner Ideen weiter, die für mich gut funktioniert haben und dir hoffentlich mehr Struktur geben, als ich sie hatte.
1. Beginn der Vorbereitung
Wann man nach den Schriftlichen wieder anfängt zu lernen, ist eine wahnsinnig individuelle Entscheidung. Ich persönlich hab nach gut 2,5 Monaten erst wieder angefangen, weil ich nach der Examensvorbereitung und den Prüfungen dringend eine längere Jurapause brauchte. Je länger du wartest, desto höher ist zwar die (vermeintliche) „Gefahr“ mehr Stoff zu vergessen. Nach jahrelangem Lernen kommt man jedoch so fix wieder rein, dass das meiner Meinung nach kein Grund gegen eine längere Pause sein sollte.
Als Faustformel würde ich dir mitgeben, dass du spätestens ca. 8 Wochen vor der Mündlichen wieder anfangen solltest zu lernen. Damit hast du genug Zeit den Stoff generell mit Karteikarten bzw. kleinen Fällen zu wiederholen und dich die letzten Wochen aber auch speziell auf deine konkreten Prüfer/innen vorzubereiten.
Ich habe es ja schon kurz anklingen lassen, dass die Lehrbuchsituation nicht sonderlich vielfältig ist.
Jedoch ist ein Lehrbuch speziell für die Mündliche definitiv empfehlenswert. Meist werden gute Hinweise für häufig geprüfte Themenkomplexe oder spezielle Fragen wie „Wer sind die aktuellen Präsident/innen der obersten Gericht“ gegeben. Meist findet sich mindestens ein Lehrbuch auch im OPAC deiner Bibliothek.
Eine persönliche Empfehlung (und das schon seit Studienbeginn) sind die Fallbücher von Schwabe. Seit 2023 gibt es in allen drei Rechtsgebieten auch konkret Bücher für die Mündliche, die sich sowohl zum Selbststudium eignen, als auch ideal in einer Lerngruppe genutzt werden können.
Der Prüfungsstil in der Mündlichen ist logischerweise ganz anders als in den Schriftlichen. Da es eher ein Gespräch mit der Möglichkeit ist, Fragen außerhalb der Falllösung zu stellen, sollte darauf bei der Vorbereitung Rücksicht genommen werden. Geh daher eher in die Breite anstatt in die Tiefe. Dafür eignen sich am besten kleine Fälle, bei denen du, deine Lerngruppe oder KI dir mögliche Fragen rund um die Fallschwerpunkte überlegen kannst.
Auch eignen sich Examinatorien oder gar Anfängerlehrbücher, die im Frage-Antwort-System aufgebaut sind ideal, um dir den Stoff über eine individuelle Falllösung hinaus mehr in die Breite anzuschauen.
Daneben kannst und solltest du deine Lernmaterialien/Karteikarten der Examensvorbereitung weiter nutzen, um im Stoff zu bleiben.
3. Prüfungsprotokolle
Neben den genannten Lernmaterialien – die dem Grunde nach bereits aus dem bisherigen Studium bekannt sein dürften – gibt es bei der Mündlichen die Besonderheit der Prüfungsprotokolle. Dies sind Gedächtnisprotokolle von vorherigen Prüflingen, aus denen sich im besten Fall Lieblingsthemengebiete oder -fragen konkret deiner Prüfer/innen ergeben.
Die Arbeit mit den Protokollen ist natürlich erst nach Bekanntgabe deines Prüfungstermins und der Prüfer/innen möglich. Es ist trotzdem durchaus sinnvoll, sich schonmal im Vorfeld bei deinem FSR zu erkundigen, ob dieser aktuelle Prüfungsprotokolle hat oder ob du dich an die kommerziellen Anbieter halten musst. Denn je nach Prüfungsamt und -ordnung betragen die minimalen Fristen zwischen Ladung zur Mündlichen und der Prüfung meist nur wenige Wochen (für MV z.B. lediglich 2 Wochen sh. § 19 II JAPO M-V). Zudem musst du bei den kommerziellen Anbietern mit ca. 40 € planen und du solltest dir die Vertragsbedingungen für die Verpflichtung von eigenen Protokollen nach der Mündlichen anschauen. Die Vertragsstrafen bei Verletzungen können durchaus nochmal für die Verdopplung der Kosten sorgen. Diese Kosten kannst du dir idealer Weise sparen, wenn dein FSR aktuelle Protokolle kostenfrei zur Verfügung stellen kann.
Hast du nun Protokolle, ist die Frage, wie genau du am effektivsten mit ihnen umgehst bzw. lernst. Ich muss ehrlich sagen, dass ich extrem viel Angst vorm Lesen der Protokolle hatte, weil ich dachte, die Fragen niemals gut genug oder überhaupt beantworten zu können. Falls du anfangs gehemmt bist, ist das völlig normal. Versuche mit möglichst wenig Leistungsdruck an das Durchlesen der Protokolle zu gehen und sei einfühlsam mit dir selbst, wenn du die Fragen nicht beantworten konntest.
Wie genau du die Protokolle bearbeitest, liegt ganz in deiner Entscheidung. Ich persönlich habe mir die neusten sechs oder sieben Protokolle je Prüfer genommen und in einer Tabelle notiert, welche Rechtsgebiete sie am häufigsten geprüft haben. So habe ich versucht ein Muster zu erarbeiten. Insbesondere bei Professor/innen kannst du zudem noch schauen, welche Vorlesungen sie im aktuellen Semester gegeben habe. Oder auch wo ihre Forschungsschwerpunkte liegen. Auf die Gebiete, die ich dadurch eingegrenzt hatte, habe ich mein Lernen besonders fokussiert. Damit pokert man zwar ziemlich, doch man kann sich sowieso nicht auf alles im Detail vorbereiten innerhalb weniger Wochen. Außerdem hat man durch die Examensvorbereitung ein so solides Grundwissen, dass man erstaunlich viele Fragen beantworten kann.
4. Das Vorgespräch
Zudem gibt es noch das Vorgespräch bei deinem/deiner Prüfungsvorsitzenden. Dieses ist nicht zwingend klassischer Teil der Vorbereitung, doch dort wird dir der grobe Ablauf der Mündlichen erklärt, du sprichst mit oder ohne deine Mitprüflinge über deine Vornoten aus den Schriftlichen bzw. Studium und kannst Notenwünsche äußern.
Insbesondere zu Letzterem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass du durchaus mutig sein darfst, Notenwünsche zur Verbesserung der Examensnote zu äußern. Schau aber, dass dein Wunsch im Vergleich zu deinen Vornoten nicht gänzlich unrealistisch ist. Forderst du zu “viel”, wird die Schwierigkeit der gestellten Fragen auch entsprechend sein. Das solltest du auf jeden Fall bedenken, um dir im Zweifel die bestmögliche Note sichern zu können und nicht auf die Nase zu fallen. Rechne daher im Vorfeld zum Gespräch am Besten einmal aus, welche Note du in der Mündlichen für deinen gewünschten Gesamtschnitt brauchen würdest. Aber Achtung: nicht jede/r Prüfer/in möchte dies von dir wissen. Schau vor dem Gespräch sicherheitshalber in den Prüfungsprotokollen einmal nach, wie dein/e Vorsitzende/r das handhabt.
Mit Ladung zur Mündlichen werden dir auch deine Mitprüflinge mitgeteilt. Je größer deine Fakultät bzw. die Anzahl der Mitprüflinge ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass du sie persönlich kennst oder gar ihren Wissensstand einschätzen kannst. Grundsätzlich ist es auch nicht super wichtig, letzteres einschätzen zu können. Jedoch hat es mir mehr Sicherheit in Hinblick auf die Prüfung gegeben, selbst einschätzen zu können, in welchem Niveau der Schwierigkeitsgrad der Fragen an mich im Vergleich zu den anderen voraussichtlich liegen wird.
Idealerweise werdet ihr gemeinsam zum Vorgespräch eingeladen und sprecht auch in Anwesenheit aller Mitprüflinge über die Vornoten. Dann hast du alle zumindest schon mal gesehen. Ich selbst bin mit der Einstellung in die Prüfung gegangen, dass wir eine Leidensgemeinschaft sind und uns in den Pausen durch diese Prüfung tragen. Ein nettes Feedback nach z.B. der zivilrechtlichen Prüfung oder ein kleiner Plausch über die nächsten Tage helfen die Stimmung aufzulockern und vom Ernst der Prüfung abzulenken. Deshalb ist es meiner Meinung nach besser die anderen nicht als direkte Konkurrenten anzusehen, sondern sich miteinander darüber zu freuen, dass man nur noch den Tag hinter sich bringen muss, um das 1. Examen in der Tasche zu haben.
Um sich deshalb ein bisschen besser kennen zu lernen, könntet ihr nach dem Vorgespräch Nummern austauchen und vor der Prüfung einen Kaffee trinken oder sogar einen Probedurchlauf der Mündlichen simulieren. So bekommt ihr ein Gefühl für die Art und Weise der anderen, auf Fragen zu antworten und könnt gemeinsam üben auf direkte Fragen zu reagieren, auch wenn man die Antwort nicht ad hoc weiß.
6. Fazit
Es gilt wie immer, wenn es um Prüfungen geht, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Prüfer/innen möchten dir nichts böses, sondern schauen “nur”, ob du praxisgeeignet bist. Zudem bietet die Mündliche eine super Möglichkeit, deine Gesamtnote nochmal deutlich nach oben ziehen zu können. Gehe mit einem positiven Mindset und einer guten Portion Selbstbewusstsein in die Prüfung und ich bin sicher, du wirst am Ende – auch wenn du nicht alle Fragen (richtig) beantworten konntest – mit einem zufriedenstellenden Ergebnis bestehen.
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