Eine Woche im Leben einer Referendarin: Strafrecht, Stress und Sitzungsdienst

Wie viele Zeit bleibt im Referendariat für die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen? Die kurze Antwort: meistens wenig. In diesem Beitrag berichtet unsere Autorin Stine über Ihre Erfahrungen, Referendariat, Lernzeiten und Alltag unter einen Hut zu bringen.

Die schriftlichen Prüfungen des zweiten Staatsexamens liegen noch ein bisschen weiter in der Zukunft als der Start des Referendariats her ist. Ein Tipp, den ich jedoch ständig zu hören bekomme ist: „Schreiben Sie Klausuren.“ 

Aber schafft man das mitten im Referendariat überhaupt? Und wie schlecht ist eigentlich das Gewissen, wenn man es nicht schafft?

Um das aufzuklären, nehme ich euch mit durch eine Woche in meiner Strafrechtsstation. 

Eine typische Woche in der Strafrechtsstation

Ganz so typisch ist die Woche nicht, wenn man im Referendariat, denn von „typisch“ sprechen kann. Meistens gleicht keine der anderen. Diese ist allerdings doch eher voll, das liegt unter anderem am zusätzlichen Sitzungsdienst. Aber je nachdem wo du dein Referendariat absolvierst, kommt der häufiger auf dich zu.

Montag

Erstmal langsam in der Woche ankommen. Es gibt sicher ReferendarInnen die stets strikt einem Lernplan folgen und so jede Sekunde effizient nutzen. Ich bin diese Referendarin leider nicht und deshalb nach sieben Monaten noch immer genauso unstrukturiert wie zu Beginn. 

An terminlosen Tagen widme ich mich meistens der Aufgabe meines betreuenden Staatsanwalts. Dabei mache ich mir leider noch immer, viel zu viele Gedanken. Ich muss mir jedes Mal aktiv in den Kopf rufen, dass es am Ende um ein Stationszeugnis geht, das wenig Bedeutung hat. Natürlich kann man an den Aufgaben vom Ausbilder sehr gut die Formalien üben, aber bestehen wird man das zweite Staatsexamen nur damit nicht. 

Danach musste ich den Sitzungsdienst vorbereiten. Die Angst, sich zu blamieren, ist riesig. Also habe ich mir für jeden erdenklichen Ausgang Vorlagen gebastelt.

Das Ganze geht bestimmt auch viel schneller, aber die Unerfahrenheit drängt zur Perfektion. 

Dienstag

Der Dienstag ist weiterhin geprägt von der Vorbereitung auf den Sitzungsdienst am Mittwoch. Ich hole meine Robe ab, gehe mein Plädoyer nochmal durch. Als Mensch mit ausgeprägter Aufregung ist das kein besonders produktiver Tag. 

Wenn ich das bis mittags geschafft habe, bleibt der Nachmittag zum Lernen. Ich versuche dann, stationsfremde Rechtsgebiete zu wiederholen, um nicht alles zu vergessen. Wenn ich ehrlich bin, suche ich immer noch nach einem guten Plan. Anders als fürs erste Examen gibt es gefühlt weniger durchstrukturierte Materialien. Und auch Lerngruppen sind schwierig – allein schon die Terminfindung ist bei den unterschiedlichen Wochen aller Mitreferendare ein kleines Projekt für sich.

Mittwoch

Der Tag des Sitzungsdienstes. Heute muss ich nur einen Fall bearbeiten. An anderen Tagen können es aber auch vier sein. Dann sitzt man schnell bis 14 oder 15 Uhr da. 

Es folgt die Nachbesprechung mit dem betreuenden Staatsanwalt.

Im Anschluss bin ich damit beschäftigt, meine Nervosität abzuschütteln. An effektives Lernen ist für mich nicht zu denken. 

Donnerstag

Der Donnerstag bringt diese Woche auch etwas Neues. Als Referendarin in der Staatsanwaltsstation stehen zahlreiche interessante Punkte auf dem Programm, die man ansonsten niemals miterleben dürfte. Heute nehme ich an einer Obduktion teil. Superspannend, aber ebenfalls zumindest den halben Tag ausfüllend. 

Freitag

Freitags ist AG. Meine StrafrechtsAG ist wirklich hilfreich und sehr examensorientiert. Dafür beansprucht sie aber ihre Zeit. Aber immerhin gehe ich mit dem Gefühl raus, wirklich etwas gemacht zu haben. Das ist leider nicht bei jeder AG der Fall ;).

Wann bleibt Zeit fürs Klausuren schreiben im Referendariat?

Es bleibt also, wie auch schon im Studium, meistens der Samstag. 

Unter der Woche fünf Stunden freizuräumen ist bei all den Terminen und Eindrücken einfach schwierig. 

Ich schaffe es momentan nicht, jedes Wochenende auf einen freien Tag zusätzlich zu verzichten – steckt mir der Verzicht aus dem Ersten Examen doch noch spürbar in den Knochen. Früher oder später muss ich wohl in den sauren Apfel beißen. Bis dahin nehme ich mir jede Woche fest vor, diesmal wirklich eine Klausur zu schreiben.

Und manchmal klappt es sogar.

Bis ich meine Routine gefunden habe, halte ich mich an einen simplen Ansatz, mich möglichst wenig mit anderen zu vergleichen. 

Das funktioniert mal besser, mal schlechter.

Am meisten hilft mir tatsächlich, mit anderen Mitleidenden über die Situation herzuziehen. Dabei wird einem sehr bewusst, dass man nicht allein ist. 

Ich merke jedenfalls, dass die Zeit im juristischen Referendariat auch so schon schnell genug vergeht. Die muss ich nicht noch zusätzlich damit verbringen, mir ein schlechtes Gewissen einzureden.

 Mal sehen was zuerst kommt: die Routine oder das Examen. 

Wie läuft es bei euch? Teilt eure Erfahrungen aus Studium, Referendariat und Arbeitsleben mit uns.

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Was ziehe ich an? Ein juristischer Outfitcheck

Dein erster Praktikumstag steht an und mit ihm kommt die Frage – welche Kleidung ist angemessen? Deine mündliche Prüfung steht kurz bevor und du fragst dich, was du tragen solltest? Kein Problem! In diesem Beitrag gibt unsere Autorin Stine dir ein paar Richtlinien an die Hand, wie du rausfindest, ob dein Outfit juratauglich ist – mitsamt ein paar Beispielfotos der Redaktion.

Kaum ein Berufsfeld kämpft mit so vielen Vorurteilen wie das der JuristInnen. Nicht wenige davon beziehen sich auf die Kleidung. Kein Wunder: Der Beruf ist traditionsreich und steckt voller alteingesessener Regeln. Ein Beispiel: Die Richterrobe in ihrer heutigen Form stammt schon aus dem 18. Jahrhundert.

Dazu kommt, dass uns einige KommilitonInnen bereits ab dem ersten Semester im Hörsaal mit Anzügen „beeindrucken“. Da fragt man sich schnell, was ist angemessen um im Praktikum, Referendariat und der mündlichen Prüfung einen guten Eindruck zu hinterlassen. Die Qual der Outfitwahl kenne ich nur zu gut. Wie oft habe ich mir noch in letzter Minute eine Bluse gekauft, weil ich Angst hatte, nicht passend genug angezogen zu sein.

Um euch diese Unsicherheit zu nehmen, haben wir im Team ein paar Inspirationen gesammelt, in denen wir uns passend angezogen fanden. Denn am Ende zählt nicht, wie teuer oder elegant das Outfit ist – sondern, dass ihr euch darin wohlfühlt. Verkleiden hilft auf Dauer nur selten.

Die Tipps sind für alle gedacht, die bald ihre mündliche Prüfung, den ersten Praktikumstag oder den Start ins Referendariat vor sich haben. Im Unialltag müsst ihr hingegen niemanden beeindrucken, da geht’s entspannt zu.

Obenrum – zwischen Blazer und T-Shirt

Abseits von wirklich besonderen Terminen wie der mündlichen Prüfung oder Vorstellungsgesprächen ist die Wahl im Alltag erstaunlich locker. Im Sommer sind auch T-Shirts oder Tops kein Problem – selbst bei Gerichtsterminen, solange sie nicht durch schrille Farben oder wilde Muster auffallen. Mit einem schlichten Blazer oder einer Strickjacke liegt man fast immer richtig. Blusen? Habe ich persönlich nicht als notwendig empfunden.

Untenrum – Hosen, Röcke und Co.

Eine klassische Anzughose ist eine sichere Wahl – muss aber keineswegs schwarz sein. Grau, Blau oder sogar Grün funktionieren genauso gut. Schließlich verschwinden die Beine bei Terminen ohnehin meistens unter dem Tisch. Ein langer Rock ist ebenfalls völlig in Ordnung, nur fehlt mir da die persönliche Erfahrung – ich bin ein absoluter Hosenmensch.

Schuhe – Hauptsache sauber

Loafer sind immer eine gute Idee. Ebenso gediegene Absätze oder schlichte, saubere Sneaker. Wichtig ist weniger die Form als vielmehr, dass die Schuhe gepflegt aussehen.

Fazit: Wohlfühlen schlägt Etikette

„Kleider machen Leute“ – aber zum Glück längst nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vor 20 Jahren. Wer einmal RichterInnen außerhalb des Verhandlungssaals beobachtet, wird überrascht sein, wie schlicht und alltagsnah deren Outfits ausfallen. Hosenanzüge sieht man fast nie, auch vollständige Anzüge bei den männlichen Kollegen sind selten.

Fragt die RichterInnen und AusbilderInnen ruhig nach ihren Erwartungen – das kann helfen, die morgendliche Outfit-Qual deutlich zu verringern. Vor meinem ersten AG-Termin habe ich mir auch viele Gedanken über den richtigen Auftritt gemacht. Im Nachhinein kann ich sagen: völlig unnötig. Es gilt: Come as you are. Solange man die grundlegenden Gepflogenheiten respektiert, spielt die Kleidung im juristischen Alltag eine untergeordnete Rolle.