8 Anzeichen, dass ein Jurastudium zu dir passen könnte

Du bist gerade mit dem Abi fertig geworden, hast eigentlich ganz gute Noten, aber bist dir nicht sicher, ob ein Jurastudium zu dir passt? In diesem Beitrag versucht dir unserer Autorin Stine die Angst vor dem Studium zu nehmen.

Tatsächlich musst du nicht seit der Grundschule den Wunsch haben, einmal Anwältin oder Anwalt zu werden, um eine gute Juristin oder ein guter Jurist zu sein. Zufallsfunde sind manchmal die besten Funde.

Photo by Tima Miroshnichenko on Pexels.com

Du schreibst gerne

Super! Denn das wird dich dein ganzes juristisches Leben begleiten. Ob es die erste Klausur ist, die Prüfung im 1. Staatsexamen oder das erste Urteil: Ständig musst du seitenlange Arbeiten verfassen. Großer Pluspunkt für dich, wenn du dabei auch noch schnell bist.

Du interessierst dich für Politik und gesellschaftliche Zusammenhänge

Keine Grundvoraussetzung, aber Politik und staatliche Abläufe wirst du durch das Jurastudium viel besser verstehen. Wer Jura studiert, lernt nicht nur Gesetze kennen, sondern auch, wie unser Staat und unsere Gesellschaft funktionieren.

Du möchtest später einen Job finden möchtest

Du möchtest etwas studieren, womit man am Ende auch einen Job findet? Dann ist Jura eine vielversprechende Option. Die Arbeitslosenquote von Juristen ist gering1 und das Beste: Du musst dich, anders als bei Lehramt, Medizin oder vielen anderen Studiengängen, vorher nicht auf einen bestimmten Beruf festlegen. Mit der Entscheidung kannst du dir noch ein bisschen Zeit lassen.

Auch finanziell stehen die Chancen nach dem Jurastudium grundsätzlich nicht schlecht. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt ist solide und mit zunehmender Berufserfahrung oft noch deutlich ausbaufähig2. Reich wird natürlich nicht jeder Jurist, aber die Wahrscheinlichkeit, später von seinem Beruf gut leben zu können, ist durchaus hoch.

Die Berufsmöglichkeiten nach dem Jurastudium sind außerdem deutlich vielfältiger, als viele denken. Neben den klassischen juristischen Berufen gibt es zahlreiche weitere Tätigkeitsfelder für Juristen.

Du kannst logisch denken, bist ehrgeizig und diszipliniert

Es ist weniger logisches Denken aus Mathe, Physik und Chemie, sondern eher logisches Denken aus Gedichtanalysen und Sozialkunde gefragt. Denn Jura ist nicht bloßes Auswendiglernen, sondern vor allem Zusammenhänge verstehen und viel in wenige Wörter hineinlesen.

Für mich ist Jura kein Studiengang, der unmöglich zu bezwingen ist. Sicher gibt es Menschen mit einem ausgeprägteren Verständnis oder anderen Fähigkeiten, die ihnen helfen, die Materie schneller und besser zu durchdringen. Grundsätzlich ist das Studium der Rechtswissenschaft aber machbar, wenn man fleißig, ehrgeizig und bereit ist, dranzubleiben.

Das gilt besonders für die Examensvorbereitung. Die hat es in sich und verlangt viel Disziplin, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, auch dann weiterzumachen, wenn man eigentlich lieber alles andere tun würde.

Du brauchst viel Platz für freie Entfaltung

Jura ist so umfassend, dass vermutlich jeder irgendwann seine Nische findet. Ob Strafrecht, Familienrecht, Arbeitsrecht oder Wirtschaftsrecht, die Möglichkeiten sind groß.

Du studierst gerne lange

Mit einem Jurastudium schiebst du einen möglichen Erwachsenenjob so weit von dir weg, wie nur möglich. Die Regelstudienzeit ist deutlich länger als bei vielen Bachelorstudiengängen. Für die meisten bleibt es dabei auch nicht.

Du möchtest die Welt besser verstehen

Das gilt nicht für Naturgesetze. Über diese lernst du nichts. Aber das Leben ist an jeder Ecke durch menschengemachte Gesetze und Normen geprägt. An manchen Stellen ist es von Vorteil, zu verstehen, was hinter den Abläufen steckt.

Du willst niemals von deiner Familie und deinen Freunden vergessen werden

Einen Rechtsrat kann wirklich jeder mal gebrauchen. An dieser Stelle werden deine Freunde und Verwandten an dich denken müssen. So gerätst du nie in Vergessenheit und hast immer eine Gegenleistung zum Tausch für deren Expertise.


Jura ist anstrengend, bringt dich an deine Grenzen und fordert viel von dir. Mach dich darauf bereit, all deine Freunde (die keinen juristischen Weg eingeschlagen haben) bereits Geld verdienen zu sehen, obwohl du noch nicht einmal das Ende des Studiums siehst.

Aber mit Jura hat man wirklich viele Möglichkeiten. Das Jurastudium öffnet nicht nur Tür und Tor zu den klassischen Berufen, an die du vielleicht zuerst denkst. Juristen sind in vielen Bereichen gefragt, weil ihnen ein gutes Grundverständnis, analytisches Denken und eine schnelle Auffassungsgabe zugeschrieben werden.

Leider hängt noch immer viel von der Examensnote ab. Dadurch ist der Druck oft höher als in anderen Studiengängen. Aber lass dich nicht von den ganzen Horrorgeschichten abschrecken. Es hat schon der eine oder andere seine Passion in der Rechtswissenschaft gefunden, von dem das vorher niemand erwartet hätte.

Viel wichtiger ist, dass du Spaß daran hast und im juristischen Bereich einen Job für dich siehst, den du bis zur Rente machen kannst. Bis dahin sind die anstrengenden Studienjahre ohnehin längst vergessen.

Viele Juristen sagen nach dem Studium: „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es nicht gemacht.“

Dem schließe ich mich wahrscheinlich an.

Das heißt nicht, dass ich von einem Jurastudium abraten würde, sondern eher, dass es gut ist, vorher nicht genau zu wissen, was auf einen zukommt. Denn ich habe es gemacht, ich muss es nicht nochmal machen und das Beste: Ich lebe noch!

Und falls du ab Oktober im Hörsaal bist, folge gerne Goldwaage auf Instagram für Überlebenstipps aus dem Jurastudium.


  1. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Berufsgruppen/Generische-Publikationen/2-5-Rechtswissenschaften.pdf?__blob=publicationFile ↩︎
  2. https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/news/traumgehaelter-junganwaelte ↩︎

Wie viele Stunden solltest du im Jurastudium täglich lernen? (Und wie viel ist zu viel?)

Kaum ein Thema ist umstrittener im Studium: Wie viel Zeit sollte man mit lernen verbringen? Und wie viel ist zu wenig? Unsere Autorin Stine geht in diesem Beitrag den Mythen rund um die richte Lernzeit auf den Grund.

Du kennst ihn doch auch. Diesen einen Typen in der Bib. 

Er sitzt schon da, wenn du kommst. Und ist immer noch da, wenn du gehst.

Aber du bist nach 5 Stunden nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Ganz egal, wie wichtig die kommende Prüfung oder das Examen ist.

Spoiler: Das ist ganz normal.

Photo by cottonbro studio on Pexels.com

Und der eine Typ in der Bib kämpft höchstwahrscheinlich mit dem gleichen Problem, würde es nur nie zugeben.

Daher stellt sich die Frage: Wie viel Lernzeit ist wirklich effektiv?

Irgendwann ist die Aufnahmekapazität einfach aufgebraucht. Und zwar nicht nach 12 Stunden, sondern bei den meisten deutlich früher. 

Allgemeingültige Aussagen lassen sich zwar nicht treffen, aber Forschungen zur Lern- und Aufmerksamkeitsleistung deuten darauf hin, dass eine effektive Lernzeit bei einem durchschnittlichen Menschen eher im Bereich von 4 bis 6 Stunden netto pro Tag liegt.

Warum nur vier bis sechs Stunden?

Das hat unter anderem einen biologischen Hintergrund. Das menschliche Gehirn arbeitet nicht linear, sondern unterliegt natürlichen Schwankungen in Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit.

In der Psychologie spricht man von kognitiver Ermüdung. Ein Zustand, in dem deine mentale Leistungsfähigkeit messbar sinkt.

Mehr Zeit bedeutet also nicht automatisch mehr Wissen. Oft bedeutet es einfach nur, dass du länger arbeitest, aber weniger effizient aufnimmst.

Je anspruchsvoller die Aufgabe, desto schneller tritt dieser Effekt ein. Das Wiederholen von Karteikarten ermüdet also weniger stark als das Erarbeiten von neuem Stoff. Das sollte man bei seiner Zeitplanung immer beachten. 

Was wirklich funktioniert

Viel wichtiger als die Lernzeit ist das Wie des Lernens.

Forschende zeigen, dass bewusstes, fokussiertes Üben in klar abgegrenzten Zeitblöcken deutlich effektiver ist als stundenlanges, halbkonzentriertes Arbeiten.

Auch aus der Forschung des Psychologen Anders Ericsson wird deutlich, dass hohe Leistungsfähigkeit vor allem durch gezieltes, strukturiertes Training entsteht, nicht durch möglichst lange Anwesenheit am Schreibtisch.

Pausen sind kein Luxus

Pausen fühlen sich oft wie verlorene Zeit an.

Sind sie aber nicht!

Studien zeigen, dass das Gehirn Informationen gerade in Ruhephasen verarbeitet und festigt. Ohne Pausen sinkt daher nicht nur die Konzentration und Motivation, sondern auch die langfristige Speicherung im Gedächtnis, also genau das, worauf es in Prüfungen und letztlich dem Examen ankommt.

Stunden zählen bringt wenig

Daraus folgt, dass das reine Zählen von Lernstunden nur bedingt aussagekräftig ist und in vielen Fällen sogar kontraproduktiv sein kann.

Entscheidend ist nicht die Quantität der Zeit, sondern die Qualität der kognitiven Verarbeitung innerhalb dieser Zeit.

Sinnvoller ist es daher, in klar definierten Lernintervallen zu arbeiten, insbesondere für Aufgaben mit offenem Ende. Methoden wie die Pomodoro-Technik sind so beliebt, weil sie Struktur, Fokus und regelmäßige Pausen fördern. Bei dieser Technik lernst du in festen Intervallen, beispielsweise 25 Minuten und machst im Anschluss fünf Minuten Pause.

Realistisch planen statt vergleichen

Um effektiv zu lernen, ist es von zentraler Bedeutung, die eigene kognitive Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. e

Nur wenn du weißt, wo deine individuelle Aufnahmekapazität liegt, kannst du deine Lernzeit sinnvoll strukturieren.

Auch der Vergleich mit anderen bringt selten viel. Von außen lässt sich nicht beurteilen, ob tatsächlich produktiv gearbeitet wird oder ob lediglich Zeit verbracht wird. Außerdem ist jeder Mensch individuell, für alle funktioniert etwas anderes am besten. 

Fazit

Effektives Lernen bedeutet nicht, möglichst lange durchzuhalten. Es heißt die eigene Energie sinnvoll einzusetzen. 

Gerade für das 1. Staatsexamen muss das Erlernte auch im Langzeitgedächtnis bleiben, abgesessene Stunden reichen also nicht. Durchgemachte Nächte funktionieren also spätestens in der Examensvorbereitung nicht mehr. 

Also organisiere deine Lernalltage anhand deiner individuellen Möglichkeiten und lass dich nicht beirren von dem Typen der vielleicht auch einfach seit acht Stunden Block Blast spielt.

Wie gehst du mit langen Lerntagen um?

Was funktioniert bei dir und was gar nicht?

Für mehr Lerntipps und Erfahrungen rund ums Studium, Referendariat und den Berufsalltag folge @goldwaage auf Instagram.


Ericsson, K. A., Krampe, R. T., & Tesch-Römer, C. (1993). The Role of Deliberate Practice in the Acquisition of Expert Performance. Psychological Review.

Pashler, H. et al. (2007). Organizing Instruction and Study to Improve Student Learning. Psychological Science in the Public Interest.

Boksem, M. A. S., & Tops, M. (2008). Mental fatigue: costs and benefits. Brain Research Reviews.

Cepeda, N. J. et al. (2006). Distributed Practice in Verbal Recall Tasks. Psychological Bulletin.

10 Dinge, die dir im Jurastudium niemand sagt (aber im Berufsalltag entscheidend sind)

Photo by Jeswin Thomas on Pexels.com

Du glaubst, im (gefühlt endlosen) Jurastudium alles Wichtige für den Berufsalltag als Jurist zu lernen?

Dann muss ich dich enttäuschen. Hier kommen 10 Dinge, die im späteren Berufsalltag als Jurist/in überraschend viel wichtiger sind, als es im Jurastudium den Anschein hat. Und dazu für den Alltag zweifelsohne nützlicher sind, als zu wissen viele Verträge an der Kasse geschlossen werden. 

1. Prozessrecht

Die Ausschnitte, die man für das Staatsexamen im Zivilrecht, Strafrecht oder Verwaltungsrecht lernt, sind oft oberflächlich. Ohne solide Kenntnisse des Prozessrechts bist du im Berufsalltag schnell verloren. Egal ob als Anwalt, Richterin oder Staatsanwalt. 

2. Mathe

Du hast Jura studiert, um nie wieder rechnen zu müssen? Schlechte Nachrichten: Kostenfestsetzung, Gebührenberechnung oder Buchhaltung. Mathe ist Bestandteil des juristischen Alltages. Und zwar häufiger, als man denkt. 

3. Kommunikation

Nach Jahren im Jura Studium könnte man annehmen, man kommt auch ohne große Kommunikation aus. Die Realität sieht anders aus. Egal ob Mandantengespräch, Verhandlung oder Verständigung. Kommunikation ist im Berufsalltag als Jurist oder Juristin zentral. Ohne klare Kommunikation scheitert es schnell. 

4. Selbstbewusstsein

Sehr viel häufiger, als man denkt, hat man keine Ahnung und muss trotzdem überzeugend wirken. Ob in der Sitzungsvertretung oder im Mandantengespräch. Es darf nur niemand merken. Das Auftreten ist mindestens genauso wichtig Wissen. 

5. Spontanität

Im Studium bestimmst du deinen Tagesablauf selbst. Der Berufsalltag hängt aber von unzähligen Menschen ab, denen ständig was dazwischenkommt. Flexibilität ist also Voraussetzung, um trotzdem produktiv zu sein.

6. Entscheidungen

Im Jurastudium wägt man seitenlang ab. Im juristischen Alltag musst du schnelle Entscheidungen ohne perfekte Informationslage treffen. 

7. Sicherheit

Wenn du im „echten“ Leben so lange sucht, bis eine 100% richtige juristische Lösung hast, suchst du für immer. Es gibt fast immer mehrere vertretbare Ansichten. Es zählt nicht mehr die Meinung des Professors, sondern deine (solange der BGH keine hat). 

8. Steuern und Finanzen

Im Studium spielt das Steuerrecht doch nur sehr selten eine Rolle. Im Alltag schon häufiger. Einkommenssteuer, Selbstständigkeit, Abrechnungen, über all das verliert im Jurastudium niemand ein Wort.

9. Sozialkompetenz

Das Studium bringt dir viel bei, aber garantiert keine Sozialkompetenz. Dabei arbeitest du ständig mit Menschen. Und es hilft enorm, wenn nicht alle innerlich die Augen verdrehen, sobald dein Name auf dem Display erscheint. 

10. Stress

Spaß. Stresserprobt ist man. Es heißt nicht umsonst: „das Staatsexamen ist ein Stresstest“

Das bedeutet aber auch, dass es für den Berufsalltag als Jurist nicht nur auf die Noten aus dem 1. Staatsexamen ankommt. 

Die Hoffnung besteht, also auch ohne 18 Punkte Examen mit den richtigen Fähigkeiten (hervorragende Mathekenntnissen und ausgezeichneten Sozialkompetenzen) deinen Job mehr als nur befriedigend zu erledigen. 

Welche Kompetenz fehlt deiner Meinung nach im Jurastudium? 

Für mehr Einblicke folge @Goldwaage auf Instagram.

Eine Woche im Leben einer Referendarin: Strafrecht, Stress und Sitzungsdienst

Wie viele Zeit bleibt im Referendariat für die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen? Die kurze Antwort: meistens wenig. In diesem Beitrag berichtet unsere Autorin Stine über Ihre Erfahrungen, Referendariat, Lernzeiten und Alltag unter einen Hut zu bringen.

Die schriftlichen Prüfungen des zweiten Staatsexamens liegen noch ein bisschen weiter in der Zukunft als der Start des Referendariats her ist. Ein Tipp, den ich jedoch ständig zu hören bekomme ist: „Schreiben Sie Klausuren.“ 

Aber schafft man das mitten im Referendariat überhaupt? Und wie schlecht ist eigentlich das Gewissen, wenn man es nicht schafft?

Um das aufzuklären, nehme ich euch mit durch eine Woche in meiner Strafrechtsstation. 

Eine typische Woche in der Strafrechtsstation

Ganz so typisch ist die Woche nicht, wenn man im Referendariat, denn von „typisch“ sprechen kann. Meistens gleicht keine der anderen. Diese ist allerdings doch eher voll, das liegt unter anderem am zusätzlichen Sitzungsdienst. Aber je nachdem wo du dein Referendariat absolvierst, kommt der häufiger auf dich zu.

Montag

Erstmal langsam in der Woche ankommen. Es gibt sicher ReferendarInnen die stets strikt einem Lernplan folgen und so jede Sekunde effizient nutzen. Ich bin diese Referendarin leider nicht und deshalb nach sieben Monaten noch immer genauso unstrukturiert wie zu Beginn. 

An terminlosen Tagen widme ich mich meistens der Aufgabe meines betreuenden Staatsanwalts. Dabei mache ich mir leider noch immer, viel zu viele Gedanken. Ich muss mir jedes Mal aktiv in den Kopf rufen, dass es am Ende um ein Stationszeugnis geht, das wenig Bedeutung hat. Natürlich kann man an den Aufgaben vom Ausbilder sehr gut die Formalien üben, aber bestehen wird man das zweite Staatsexamen nur damit nicht. 

Danach musste ich den Sitzungsdienst vorbereiten. Die Angst, sich zu blamieren, ist riesig. Also habe ich mir für jeden erdenklichen Ausgang Vorlagen gebastelt.

Das Ganze geht bestimmt auch viel schneller, aber die Unerfahrenheit drängt zur Perfektion. 

Dienstag

Der Dienstag ist weiterhin geprägt von der Vorbereitung auf den Sitzungsdienst am Mittwoch. Ich hole meine Robe ab, gehe mein Plädoyer nochmal durch. Als Mensch mit ausgeprägter Aufregung ist das kein besonders produktiver Tag. 

Wenn ich das bis mittags geschafft habe, bleibt der Nachmittag zum Lernen. Ich versuche dann, stationsfremde Rechtsgebiete zu wiederholen, um nicht alles zu vergessen. Wenn ich ehrlich bin, suche ich immer noch nach einem guten Plan. Anders als fürs erste Examen gibt es gefühlt weniger durchstrukturierte Materialien. Und auch Lerngruppen sind schwierig – allein schon die Terminfindung ist bei den unterschiedlichen Wochen aller Mitreferendare ein kleines Projekt für sich.

Mittwoch

Der Tag des Sitzungsdienstes. Heute muss ich nur einen Fall bearbeiten. An anderen Tagen können es aber auch vier sein. Dann sitzt man schnell bis 14 oder 15 Uhr da. 

Es folgt die Nachbesprechung mit dem betreuenden Staatsanwalt.

Im Anschluss bin ich damit beschäftigt, meine Nervosität abzuschütteln. An effektives Lernen ist für mich nicht zu denken. 

Donnerstag

Der Donnerstag bringt diese Woche auch etwas Neues. Als Referendarin in der Staatsanwaltsstation stehen zahlreiche interessante Punkte auf dem Programm, die man ansonsten niemals miterleben dürfte. Heute nehme ich an einer Obduktion teil. Superspannend, aber ebenfalls zumindest den halben Tag ausfüllend. 

Freitag

Freitags ist AG. Meine StrafrechtsAG ist wirklich hilfreich und sehr examensorientiert. Dafür beansprucht sie aber ihre Zeit. Aber immerhin gehe ich mit dem Gefühl raus, wirklich etwas gemacht zu haben. Das ist leider nicht bei jeder AG der Fall ;).

Wann bleibt Zeit fürs Klausuren schreiben im Referendariat?

Es bleibt also, wie auch schon im Studium, meistens der Samstag. 

Unter der Woche fünf Stunden freizuräumen ist bei all den Terminen und Eindrücken einfach schwierig. 

Ich schaffe es momentan nicht, jedes Wochenende auf einen freien Tag zusätzlich zu verzichten – steckt mir der Verzicht aus dem Ersten Examen doch noch spürbar in den Knochen. Früher oder später muss ich wohl in den sauren Apfel beißen. Bis dahin nehme ich mir jede Woche fest vor, diesmal wirklich eine Klausur zu schreiben.

Und manchmal klappt es sogar.

Bis ich meine Routine gefunden habe, halte ich mich an einen simplen Ansatz, mich möglichst wenig mit anderen zu vergleichen. 

Das funktioniert mal besser, mal schlechter.

Am meisten hilft mir tatsächlich, mit anderen Mitleidenden über die Situation herzuziehen. Dabei wird einem sehr bewusst, dass man nicht allein ist. 

Ich merke jedenfalls, dass die Zeit im juristischen Referendariat auch so schon schnell genug vergeht. Die muss ich nicht noch zusätzlich damit verbringen, mir ein schlechtes Gewissen einzureden.

 Mal sehen was zuerst kommt: die Routine oder das Examen. 

Wie läuft es bei euch? Teilt eure Erfahrungen aus Studium, Referendariat und Arbeitsleben mit uns.

Für mehr Einblicke folgt uns auf Instagram @Goldwaage

Diese Fehler verraten, dass du ChatGPT für deine Hausarbeit nutzt

KI als Recherchetool zu nutzen, ist an den meisten Unis nicht verboten. Brenzlig wird es erst, wenn ein Großteil deiner Hausarbeit von einer KI verfasst wird. In diesem Beitrag erklärt dir unsere Autorin Stine, woran man einen von ChatGPT erstellten Text enttarnen kann.

Photo by Vinu00edcius Trindade on Pexels.com

Manchmal steht man vor juristischen Fragestellungen im Studium und findet einfach keinen Einstig in die Materie. Da kommt einem schnell in den Sinn die allwissende KI zu fragen. Meistens klingen die Antworten bei dem ersten Lesen auch so überzeugend, dass man sich fragt: „wozu überhaupt noch anstrengen?“. Und weil es so viel einfacher ist, liegt der Wunsch nahe, die Hausarbeit doch gleich vollständig von einer KI schreiben zu lassen. Warum das gerade mit Hilfe von ChatGPT im Jurastudium keine gute Idee ist, erzähle ich dir jetzt. 

Spiegelstriche

Noch nie habe ich in meinen juristischen Hausarbeiten oder anderen verschriftlichten Werken mit Spiegelstrichen gearbeitet. Frage ich aber ChatGPT nach einer besseren Formulierung, baut das Programm in nahezu jeden Absatz mindestens einen ein. Manchmal ist das ganz sinnvoll, meist tut es aber auch ein Komma.

Quellen

ChatGPT kann keine zuverlässige Quellenarbeit im Jurastudium ersetzen. Wer einer Angabe dieser KI ohne eigene Recherche glaubt, ist meist schon durchgefallen. Das Programm vertauscht Absätze, Seitenzahlen, Gerichte und kann Primär- nicht von Sekundärquellen unterscheiden. Gar nicht so selten existieren die angegebenen Quellen überhaupt nicht. Weist man das Programm darauf hin, dass die Quelle in dieser Form nicht existiert, denkt es sich kurzerhand einen neuen Fundort aus. 

Zweifelhafte juristische Schlüsse

Dieser Fehler zeigt besonders deutlich, warum KI (noch) keine Juristen ersetzen kann. Insbesondere ChatGPT kann nicht juristisch „denken“. Trotzdem liest man regelmäßig gut klingende und sauber argumentierte Schlussfolgerungen aus Urteilen oder Gesetzeswortlauten, die bei genauerer Betrachtung wenig Sinn ergeben. Dementsprechend sollte man jede juristische Behauptung von ChatGPT überprüfen. 

In meinem Fall hat die KI sich einmal eine zivilprozessrechtliche Maxime ausgedacht. Kurz war ich davon sehr überzeugt und hätte mich beinahe vor meinem ausbildenden Richter lächerlich gemacht. Ein Glück bin ich dem Ganzen noch rechtzeitig auf die Schliche gekommen. 

Kein Faktencheck

ChatGPT checkt keine Fakten. Gerade bei juristischen Fragestellungen fällt auf, dass das Programm im Wesentlichen auf freizugängliche Quellen zurückgreift. Inhalte hinter Paywalls bleiben außen vor. Dadurch gibt die KI ungefiltert alle im Internet frei zugänglichen Meinungen wieder, ohne deren Qualität oder Tragfähigkeit zu prüfen. Das Bild, dass das Programm von bestimmten Ansichten zeichnet, weicht daher häufig signifikant vom tatsächlichen Meinungsbild in Fachliteratur und Rechtsprechung ab. Das liegt an der Arbeitsweise der KI. Diese filtert die gefundenen Informationen gerade nicht nach wissenschaftlicher Qualität, sondern eher nach quantitativen Kriterien.

Überperfekte Sprache

Fragt man die KI wie sie eine Formulierung findet oder ob sie Verbesserungsvorschläge hat, antwortet diese häufig mit nahezu gleichlautenden Sätzen, die nur geringfügig abweichen. Selbst Sätze die ChatGPT erstellt hat, werden wieder abgeändert. Ob das immer zur Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit des Geschrieben beiträgt, wage ich zu bezweifeln. 

In erster Linie führt es eher zur Verunsicherung derjenigen, die ohnehin schon nach der „schönsten“ Formulierung suchen. Teilweise kann das Programm wirklich gut formulieren, aber man sollte sich nicht von den eigenen stilistischen Ansprüchen abbringen lassen. Manchmal kritisiert ChatGPT nur, weil keine Vorschläge keine Option sind. 

Außerdem lassen überperfekte Formulierungen schnell auf die Nutzung von KI schließen. Vor allem orthographische und stilistische Fehler unterlaufen schließlich jedem Menschen.

Screenshot

Fehlende Entscheidungsfreude

ChatGPT bezieht nie Stellung. Bei der Nutzung des Programms fällt die sprachliche Vorsicht auf. Klare juristische Aussagen findet man selten. Stattdessen wird fast alles relativiert. Das klingt zunächst wissenschaftlich, stellt aber keine klare Entscheidung in den Mittelpunkt. 

Gerade in Hausarbeiten im Jurastudium wird erwartet, dass man eine klare Position. Die Texte wirken zwar sauber formuliert, bleiben aber inhaltlich unentschlossen. 


Sich Inspiration von ChatGPT für die Hausarbeit oder andere juristische Fragestellungen zu holen kann sinnvoll sein, sollte aber niemals ungeprüft übernommen werden. Teilweise ist die KI so überzeugt von ihrer eigenen Ansicht, dass sie auch auf mehrmaligen Hinweis nicht davon abrückt. Das sollte dich jedoch nicht beirren. Besonders in letzter Zeit habe ich häufiger das Gefühl, dass ich in juristischen Fragestellungen klüger bin als ChatGPT und dass zumindest meine Quellenarbeit, die des Programms um Meilen übertrifft. Gleiches gilt übrigens für die Planung von Reisen 😉

Welche Fehler hast du schon mal mit ChatGPT gemacht? 

Folge uns auf Instagram @Goldwaage für mehr Tipps und Erfahrungen rund um das Jurastudium.

Ein Tag im Ministerium: Mein Erfahrungsbericht aus der Verwaltungsstation

Unsere Autorin Stine hat Ihre Verwaltungsstation in einem Landesministerium absolviert. In diesem Beitrag berichtet sie von ihren Erfahrungen aus den letzten drei Monaten – zwischen Gesetzesvorhaben, Teamarbeit und politischem Alltag

Das Klischee des kaffeetrinkenden Behördenmitarbeiters hält sich hartnäckig. In meiner Verwaltungsstation während des juristischen Referendariats durfte ich aber eine ganz andere Erfahrung machen. Ich bin inzwischen überzeugt: Man kann in der Verwaltung einen abwechslungsreichen, fordernden Job finden, der nie langweilig wird.

Fast drei Monate durfte ich den Berufsalltag in einem Ministerium miterleben. Tatsächlich stand für mich schon vor Beginn des juristischen Referendariats fest, dass ich meine Verwaltungsstation genau dort absolvieren möchte. Die Arbeit im Ministerium hat mich von Anfang an interessiert, sodass meine Entscheidung sehr bewusst gefallen ist.

Trotz der insgesamt flexiblen Arbeitsweise durch Homeoffice legten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in meiner Abteilung großen Wert darauf, sich mindestens einmal pro Woche persönlich zu treffen. Die große Bedeutung des persönlichen Austauschs passte gut zu meinem positiven Gesamteindruck. Es war den Kolleginnen und Kollegen ein großes Anliegen, auch Referendare bestmöglich in die Arbeit in der Verwaltung einzubeziehen und sie als Teil des Teams zu sehen.

Falls du in deiner Verwaltungsstation überlegst, in eine Behörde oder sogar eine obere Landesbehörde zu gehen, möchte ich hier einmal meinen ganz typischen Montag schildern, wie er für mich im Ministerium aussah.

06:00 Uhr – Aufstehen

Da ich mein juristisches Referendariat in einem Flächenland absolviere, gab es leider kein Ministerium in meiner Stadt. Trotzdem hatte ich sehr konkrete Vorstellungen davon, wie meine Verwaltungsstation aussehen sollte. Also habe ich einen Fahrtweg von etwa einer Stunde pro Strecke in Kauf genommen. Das hieß: früh aufstehen. Und an Tagen, an denen ich mit dem Zug unterwegs war, noch ein bisschen früher.

07:00 Uhr – Fahrtweg

Der Weg war lang, aber zumindest landschaftlich ein guter Start in den Tag. Die Kosten für den Fahrtweg können sogar im Rahmen des Trennungsgeldes ersetzt werden.

08:30 Uhr – Ankommen

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich direkt einen eigenen Arbeitsplatz bekommen. Im Vergleich zu meiner Zeit am Landgericht war das ein großer Unterschied: Ich hatte einen festen Ort, an dem ich jeden Morgen ankam. Der Schreibtisch war sogar mit Stiften und Arbeitsmaterial ausgestattet. So habe ich mich direkt willkommen gefühlt.

09:00 Uhr – kleine Teambesprechung

Die Arbeitswoche begann meist mit einer Besprechung in kleiner Runde. Meine Abteilung bestand aus meiner Ausbilderin und drei weiteren Mitarbeiterinnen. In dieser Runde wurden aktuelle Themen, neue Aufgaben und laufende Projekte besprochen.

Der Austausch war immer offen und herzlich. Ich hatte nie das Gefühl, mich zurückhalten zu müssen. Fragen waren ausdrücklich erwünscht, Meinungen wurden ernst genommen. Einzelkämpferaufgaben gab es kaum, stattdessen war oft das ganze Team gefragt.

11:00 Uhr – Abteilungsbesprechung

In der Abteilungsbesprechung kamen mehrere Bereiche zusammen. Hier ging es um größere Projekte und um Themen, die die Abteilung insgesamt betrafen. Die Abteilungsleiterin berichtete unter anderem aus Gesprächen mit der Staatssekretärin und der Ministerin.

Um das Behördenklischee ein wenig zu bedienen, sei erwähnt, dass selbst während meiner dreimonatigen Zeit regelmäßige gemeinsame Geburtstagsfrühstücke stattfanden. Dann wurde die Besprechung kurzerhand zum Brunch.

12:00 Uhr – Mittagspause

Je nach Länge der Besprechung schloss sich die Mittagspause direkt an. Auch hier war ich meist nicht allein, sondern im Team unterwegs. In der Weihnachtszeit ging es auch mal gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt.

Ab 13:00 Uhr – Aufgabenbearbeitung

Am Nachmittag habe ich an den mir übertragenen Aufgaben gearbeitet. Diese waren sehr abwechslungsreich und längst nicht immer rein juristisch. Ich habe an Gesetzesvorhaben mitgearbeitet, war in einen Entwicklungsplan eingebunden, habe zahlreiche Stellungnahmen zu anderen Gesetzesvorhaben verfasst und mich mit kommunaler Finanzierung beschäftigt.

Das Drumherum

Die restliche Woche wurde stets gemeinsam mit meiner Ausbilderin geplant. Zu interessanten Terminen haben mich die Mitarbeiterinnen jederzeit mitgenommen und sich viel Zeit genommen, mir ihre Themengebiete zu erklären. Ich durfte andere Ministerien kennenlernen und habe einen sehr realistischen Einblick in die oft komplexen Abstimmungs- und Kommunikationsprozesse zwischen Behörden bekommen.

Langweilig wurde mir nicht. Auch weil ich bei der Wahl meiner Verwaltungsstation bewusst meine eigenen Interessen in den Vordergrund gestellt habe, habe ich unglaublich viel über politische Themen gelernt, die mich persönlich wirklich interessieren.

Wer seine Verwaltungsstation allerdings vor allem zur intensiven Examensvorbereitung nutzen möchte, sollte wissen, dass mir in einer oberen Landesbehörde kaum examensrelevante Inhalte begegnet sind. Für mich war genau diese Abwechslung nach der eher eintönigen Zivilstation aber ein echter Gewinn.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Engagement der Mitarbeiterinnen. Auch wenn politische Prozesse manchmal langsam sind, hatte ich nie den Eindruck von Gleichgültigkeit.

Ref im Ministerium – ist das empfehlenswert?

Rückblickend bin ich sehr froh, mich für die Verwaltungsstation im Ministerium entschieden zu haben. Die Zeit war fachlich abwechslungsreich, persönlich bereichernd und hat mir einen Arbeitsbereich nähergebracht, dessen Aufgaben mir im Vorfeld völlig unklar waren. Wer also mit dem Gedanken spielt, seine Verwaltungsstation in einem Ministerium zu absolvieren, sollte sich von Klischees nicht abschrecken lassen, der Blick hinter die Kulissen lohnt sich.

Hast du die Verwaltungsstation ähnlich erlebt – oder ganz anders? Für weitere Einblicke aus dem Referendariat, Studium oder Job folge Goldwaage auf Instagram.

Reality Check: So ist das Referendariat wirklich – 7 (traurige) Erkenntnisse

Unsere Autorin Stine hat im letzten Jahr ihr Referendariat begonnen und schnell gemerkt: Vorstellung und Realität liegen weit auseinander. In diesem Beitrag teilt sie ihre wichtigsten Erfahrungen.

Wer hat vor dem ersten juristischen Staatsexamen nicht von einer besseren Zeit danach geträumt? Und wer hat sich dabei keine Illusionen über das juristische Referendariat gemacht? Mir ging es zumindest so. Wie oft habe ich mich bei dem Gedanken erwischt: „Wenn ich bloß schon im Referendariat wäre.“ 

Dass man in jeder Lebensphase falschen Vorstellungen über den kommenden Abschnitt unterliegt, zeigen meine Top 7 der Illusionen über das Referendariat. 

1. Struktur

Endlich eine feste Struktur, richtig arbeiten, konkrete Ziele haben, die nicht in weiter zeitlicher Ferne liegen – all das habe ich mir unter dem Referendariat vorgestellt. 

Leider ist diese Struktur auf ebenso morschen Pfeilern errichtet wie die im Studium. Der eigene Zeitplan hängt von so vielen anderen Personen ab, dass Termine überaus häufig kurzfristig abgesagt oder verschoben werden. 

Besonders deutlich zeigt sich das bei der Urlaubsplanung. Eigentlich muss der Urlaubsplan spätestens zwei Wochen vor Antritt abgesegnet werden. Aber die zustimmungsberechtigten Personen stehen jedoch teilweise noch zwei Wochen vor Beginn eines neuen Ausbildungsabschnitts nicht fest. Ich bin gespannt, ob mein Skiurlaub dieses Jahr ohne mich stattfinden muss. 

2. Zukunftsplan statt Orientierungslosigkeit

In meiner Vorstellung würde mir im Referendariat mein Berufswunsch klar werden und damit auch das Ziel, auf das ich hinarbeite. Tatsächlich wird jedoch vor allem immer deutlicher, was ich nicht machen möchte. Nach dem großen Traum suche ich noch. Immerhin setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass ein Beruf, der einen vollumfänglich erfüllt, vermutlich nicht existiert.

3. Expertise nach dem ersten Staatsexamen

Man fühlt sich auch nach dem ersten Staatsexamen noch unwissend und hilflos. Das große Selbstbewusstsein kam mit dem Abschluss nicht und auch die Erleuchtung blieb aus. Bleibt zu hoffen, dass beides spätestens mit dem 2. Staatsexamen eintritt.

4. Spannende Fälle

Aus dem Klausurenkurs zum ersten Staatsexamen ist mir ein Fall besonders in Erinnerung geblieben, in dem es um die Erstattung eines Salates ging. Der Streitwert belief sich auf unter 10 € und es drängte sich die Frage auf „Dafür habe ich wirklich Jura studiert?“

Heute kann ich sagen: Ja! 

Zwar sind die Beträge vor dem Zivilgericht selten so gering, von Spannung ist aber trotzdem oft keine Rede. So manches Mal wünscht man sich, die Parteien hätten einmal miteinander telefoniert. 

5. Freizeit

Wohl mein größter Trugschluss. In meiner Vorstellung existierten feste Arbeitszeiten und damit ein Feierabend. Kein schlechtes Gewissen mehr, wenn man vor 20 Uhr die Bibliothek verlässt. 

Tja. Feste Arbeitszeiten gibt es nicht. Das schlechte Gewissen bleibt. Hinzu kommt die Doppelbelastung durch ständige praktische Einarbeitung in neue Rechtsgebiete und gleichzeitiger Vorbereitung auf das zweite juristische Staatsexamen. 

6. Persönliche Betreuung statt Anonymität

In meiner Vorstellung herrschte im Referendariat ein kollegiales Verhältnis zu den Lehrenden und Betreuenden mit individueller Unterstützung. dass diese Vorstellung so abwegig wie absurd ist, ist mir inzwischen aufgefallen. 

Die Anonymität im Studium hatte den Vorteil, dass man sich hinter ihr verstecken konnte. Die Scham bei einer schlechten Klausurlösung hielt sich in Grenzen. Nun haben die Bewertenden meistens ein Gesicht zu den abstrusen Rechtsansichten und in Eile formulierten Sätzen. 

7. Vergütung

Die Vergütung im juristischen Referendariat ist in einigen Bundesländern objektiv gesehen gar nicht so schlecht. Trotzdem bleibt dieses unterschwellige Gefühl, für das bereits Erreichte unfair bezahlt zu werden. 

So richtig beschreiben lässt sich dieses Gefühl nicht. Aber mit abgeschlossenem ersten Staatsexamen knapp über der Armutsgrenze1 zu leben, fühlt sich falsch an. So mancher Verwandte würde das mit dem Satz abtun: „Du leistest doch auch nichts.“ Wie falsch das ist, wissen angehende JuristInnen nur zu gut.


Die Liste ließe sich problemlos fortführen. Aber ich möchte niemanden davon abhalten, weiterhin von einer besseren Zukunft zu träumen! 

Diese Träume und Fehlvorstellungen erleichtern schließlich das Durchhalten. 

Hinweis: Dieser Beitrag ist bewusst etwas überspitzt dargestellt. In keinem Fall sollen Probleme und Sorgen verschiedener Lebensabschnitte gegeneinander aufgewogen oder verglichen werden. Vielmehr dient das Gesagte der Unterhaltung. 

Denn wie oft habe ich inzwischen den Gedanken: „Wenn ich doch bloß schon arbeiten würde.“ Dass mit dem Berufseinstieg ebenfalls nicht alle Sorgen wie weggeblasen sind, ist mir realistisch betrachtet mehr als bewusst. 


Welche Illusionen über das juristische Referendariat hattet ihr? Ich freue mich über eure Gedanken und Erfahrungen.

Mehr Einblicke rund um Studium, Referendariat und juristische Realität teilen wir auch auf Instagram unter Goldwaage.


  1. Sozialverband VdK Deutschland e.V.,https://www.vdk.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/artikel/viele-menschen-rutschen-unter-die-armutsgrenze-armutsbericht/, zuletzt aufgerufen: 29.12.2025. ↩︎

Referendariat: Das habe ich in meiner Zivilstation gelernt

Unsere Autorin Stine hat die erste Station ihres Referendariats hinter sich gebracht – und in der Zeit mehr gelernt, als ihr auf den ersten Blick auffiel. In diesem Beitrag zieht sie eine Bilanz.

Auch wenn ich mir das Ende der Zivilstation fast herbeigesehnt habe, zeigt es mir jetzt, wie schnell die Zeit bis zum zweiten Staatsexamen vergeht.
Nach fünf Monaten habe ich manchmal das Gefühl, keinen Fortschritt gemacht zu haben – als stünde ich noch genau da, wo ich am Anfang des Referendariats war.

Weil ich aber weiß, dass es vielen im juristischen Umfeld ähnlich geht (und dass dieses Gefühl trügt), möchte ich ein paar Dinge aufschreiben, die ich gelernt und geschafft habe oder die mir positiv in Erinnerung geblieben sind. 

1. Urteile schreiben

Ich habe gelernt, Urteile zu schreiben – das konnte ich vor fünf Monaten ganz sicher nicht.
Am Anfang wirkten meine Entwürfe noch holprig, aber mit der Zeit wurde der Aufbau klarer und die Wortwahl sicherer.
Auch bei untypischen Sachverhalten finde ich inzwischen einen vernünftigen Aufbau und komme deutlich schneller in den „Schreibfluss“.

2. Klausuren

Ich habe, mehr oder minder erfolgreich, meine ersten Klausuren hinter mich gebracht. Auch wenn sie nicht perfekt waren, war jede einzelne davon ein Schritt nach vorn. Eine bessere Übung für das 2. Staatsexamen existiert leider nicht.

Photo by Pixabay on Pexels.com

3. Zivilprozessrecht verstehen: Theorie wird durch Praxis lebendig

Im ersten Staatsexamen habe ich das Zivilprozessrecht eher vernachlässigt.
Im Referendariat musste ich es mir fast ganz neu erarbeiten – aber diesmal mit Praxisbezug.
Und das macht den Unterschied: Sobald man sieht, wofür eine Norm praktisch relevant ist, wird das Prozessrecht plötzlich greifbar.
Ein Versäumnisurteil zu verstehen oder die kleinen Kniffe des Verfahrens zu lernen, fällt viel leichter, wenn man es einmal live erlebt hat.

4. Prioritäten

Ich habe verstanden, dass die praktische Arbeit wichtig ist, aber für die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen die Theorie Vorrang haben sollte.
Die Fälle in der Praxis unterscheiden sich oft stark von den Examensfällen.
Man sollte also nicht versuchen, jede Ausbilderaufgabe perfekt zu lösen, sondern lieber unperfekte Ergebnisse akzeptieren – und stattdessen die dahinterliegende Theorie wirklich begreifen.

5. Noten sind zweitrangig

Hat mich der Gedanke an die Note in den ersten Wochen noch schier in den Wahnsinn getrieben, konnte ich mit der Zeit begreifen, dass diese zwar eine nette Motivation sein können, die Bedeutung darüber hinaus aber eher gering ist.

Ich habe gelernt, die Noten meiner AG-Leiter:innen und Ausbilder:innen nicht zu ernst zu nehmen.
Sie sind oft subjektiv und sagen wenig über die eigene Zukunft aus.
Gute Noten können motivieren – schlechte sollten einen aber nicht entmutigen.

6. Anpassungsfähigkeit

Im Referendariat muss man sich in kürzester Zeit auf viele neue Situationen und Menschen einstellen.
Auch wenn ich manchmal dachte, ich würde eine Situation nie überstehen, bin ich jedes Mal heil heraus gekommen.
Und mit jeder neuen Begegnung und ungewohnten Situation werde ich ein bisschen selbstsicherer. 

Es gibt natürlich Dinge, die ich gerne schon gelernt hätte, die aber noch auf meiner To-do-Liste stehen, unter anderem:

  • Wie fängt man an, regelmäßig Klausuren zu schreiben?
  • Wie strukturiert man seinen Tag, um sich abends nicht unproduktiv zu fühlen?
  • Wie lernt man am besten für das zweite Staatsexamen?
  • Wo findet man die passende Anwaltsstation?

Aber manchmal muss man sich auf die positiven Dinge konzentrieren, um sich nicht in der endlosen Schleife des Lernens zu verlieren. 

Ständig möchte alles in mir weiter sein, als ich bin, weil man auf seinem Weg leicht vergisst, was man vor zwei Monaten noch nicht konnte. Insbesondere im juristischen Umfeld wird uns viel zu häufig vermittelt, Jura sei ein Konkurrenzkampf und genau deshalb messen wir uns ständig am Fortschritt anderer statt an unserem eigenen.

Sich bewusst zu machen, was man heute schon gelernt hat, ist der erste Schritt, die eigene Leistung wertzuschätzen.
Also: Tu es mir gleich und konzentriere dich einmal mehr auf die Erfolge, ganz egal in welchem Bereich deines Lebens. Wir stapeln alle oft genug viel zu tief.

Wenn die der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit KomillitonInnen und folge uns auf Instagram @goldwaage.jura.

Referendariat: Meine erste Verhandlungsleitung in der Zivilstation

Unsere Autorin Stine hat vor kurzem ihr Referendariat begonnen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen. Zuletzt: Von Ihrer ersten selbst geführten Verhandlung. In dem Beitrag teilt sie außerdem praktische Formulierungshilfen fürs Diktieren – damit auch deine erste Verhandlung ein Erfolg wird.

Vor nicht allzu langer Zeit durfte ich meine erste mündliche Verhandlung am Landgericht leiten. Ein Moment, den wohl jede Referendarin oder jeder Referendar im juristischen Vorbereitungsdienst mit Spannung erwartet oder fürchtet, je nachdem. 

Die Vorbereitung

Ich gehörte wohl eher zu der zweiten Gruppe. Schon Tage vorher war ich nervös. Ich wollte alles richtig machen. Also habe ich mich bestmöglich vorbereitet. Das Diktiergerät ausgeliehen, die Formulierungen meines betreuenden Richters analysiert und natürlich, um während der Verhandlung nicht nach Worten suchen zu müssen, akribisch aufgeschrieben, was ich sagen wollte.

Ich war überzeugt davon, meine vorgeschriebenen Zeilen exakt so ins Protokoll übernehmen zu können.
Von dieser Überzeugung musste ich allerdings schon nach wenigen Minuten in der Verhandlung Abstand nehmen.

Der Moment der Wahrheit

Die Verhandlungsleitung dauerte am Ende gerade einmal fünfzehn Minuten. Mein Beitrag war auf ein Minimum reduziert und meiner eigentlichen Aufgabe konnte ich gar nicht nachkommen. Weil, wie so oft im juristischen Alltag, alles anders kam als geplant. Eigentlich sollte ich den Kläger informatorisch anhören, doch dieser erschien schlichtweg nicht. Und so war die Verhandlung schneller vorbei, als ich meine Unterlagen sortieren konnte.

Photo by KATRIN BOLOVTSOVA on Pexels.com

Doch selbst aus dieser kurzen Praxissituation in der Zivilstation konnte ich etwas lernen.

Was ich dir aus meiner ersten Verhandlungsleitung mitgeben möchte

  • Alle um dich herum sind auch nur Menschen

Niemand ist in schallendes Gelächter ausgebrochen, als ich mich einmal versprochen habe oder etwas länger nach den richtigen Worten suchte. Ganz im Gegenteil! Alle Anwesenden konnten meine Situation nachvollziehen. Einige erzählten sogar von ihren eigenen ersten Verhandlungen im Referendariat. Jeder war einmal in dieser Lage und die meisten können sich noch gut genug daran erinnern, um emphatisch zu reagieren.

  • Das Diktiergerät ist Alltag

Meine größte Angst galt tatsächlich dem Diktiergerät in der mündlichen Verhandlung. Die Vorstellung, vor allen Beteiligten zu diktieren, ließ mir den Magen flau werden. Aber für alle anderen ist das völlig normal, so alltäglich wie Schuhe binden. Niemand legt jedes Wort auf die Goldwaage, niemand achtet auf kleine Unsicherheiten und schon gar nicht wird man währenddessen missgünstig begutachtet.

  • Sei auf alles vorbereitet

Eine gute Vorbereitung ist das A und O, gerade wenn man zum ersten Mal eine Verhandlungsleitung im Referendariat übernimmt. Es lohnt sich, verschiedene Szenarien durchzudenken, denn selten läuft alles so, wie man es sich ausgemalt hat. Wenn man innerlich bereit ist, spontan umzudenken, verliert man auch in überraschenden Momenten nicht die Ruhe.

  • Trau dich

Wenn sich dir in der Zivilstation die Möglichkeit bietet, eine mündliche Verhandlung zu leiten, ergreife sie. Die Hemmung ist groß, das Lampenfieber garantiert, aber der Perspektivwechsel ist es absolut wert. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, einmal selbst vorne zu sitzen. Außerdem merkt man erst durch das eigene Erleben, dass es nur halb so schlimm und weit weniger spektakulär ist, als man es sich vorgestellt hat. 


Formulierungshilfen

Und um dir den Einstieg etwas zu erleichtern, habe ich ein paar gängige Formulierungen für das Protokoll in der Verhandlungsleitung zusammengestellt, die du an die Situation und die Formulierungen der Richter*innen anpassen kannst.

Ich diktiere das Sitzungsprotokoll der öffentlichen Sitzung des Landgerichts X am 24.05.2027 in dem Rechtsstreit Musterfrau gegen Mustermann., Az: 9 O 800/37.

Die Leitung der mündlichen Verhandlung wurde auf die Rechtsreferendarin Frau X gem. § 10 GVG übertragen und erfolgt unter Aufsicht der Richterin am Landgericht Y.

Bei Aufruf der Sache um … erschienen der Kläger Herr X mit seinem Prozessbevollmächtigten RA Z in Person. Sowie für die Beklagte die Prozessbevollmächtigte RAin A im Wege der Videokonferenz.

Der Kläger erklärt angehört nach § 141 ZPO: Ich….

Auf Nachfrage des Klägervertreters erklärt die Klägerin…

Auf Nachfrage der Beklagtenvertreterin erklärt die Klägerin…

Eine gütliche Einigung ist nicht möglich.

Der Klägervertreter stellt die Anträge wie im Schriftsatz vom 19.08.2024 Blatt 135 d. Akte.

Die Beklagtenvertreterin beantragt Klageabweisung.

Beschlossen und verkündet.

Ein Termin zur Verkündung wird anberaumt auf den (Datum) um (Uhrzeit) im Raum X.

Die Verhandlung wir um (Uhrzeit) beendet. 

Wenn eine Partei säumig sein sollte, bietet sich folgende Formulierung an:

Nach erneutem Aufruf der Sache um (Uhrzeit) erscheint für den Beklagten noch immer niemand.

Die ordnungsgemäße Ladung des Beklagten wir festgestellt.

Der Klägervertreter beantragt, Erlass eines Versäumnisurteils. 

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne und folge uns auf Instagram @goldwaage.com

Was ziehe ich an? Ein juristischer Outfitcheck

Dein erster Praktikumstag steht an und mit ihm kommt die Frage – welche Kleidung ist angemessen? Deine mündliche Prüfung steht kurz bevor und du fragst dich, was du tragen solltest? Kein Problem! In diesem Beitrag gibt unsere Autorin Stine dir ein paar Richtlinien an die Hand, wie du rausfindest, ob dein Outfit juratauglich ist – mitsamt ein paar Beispielfotos der Redaktion.

Kaum ein Berufsfeld kämpft mit so vielen Vorurteilen wie das der JuristInnen. Nicht wenige davon beziehen sich auf die Kleidung. Kein Wunder: Der Beruf ist traditionsreich und steckt voller alteingesessener Regeln. Ein Beispiel: Die Richterrobe in ihrer heutigen Form stammt schon aus dem 18. Jahrhundert.

Dazu kommt, dass uns einige KommilitonInnen bereits ab dem ersten Semester im Hörsaal mit Anzügen „beeindrucken“. Da fragt man sich schnell, was ist angemessen um im Praktikum, Referendariat und der mündlichen Prüfung einen guten Eindruck zu hinterlassen. Die Qual der Outfitwahl kenne ich nur zu gut. Wie oft habe ich mir noch in letzter Minute eine Bluse gekauft, weil ich Angst hatte, nicht passend genug angezogen zu sein.

Um euch diese Unsicherheit zu nehmen, haben wir im Team ein paar Inspirationen gesammelt, in denen wir uns passend angezogen fanden. Denn am Ende zählt nicht, wie teuer oder elegant das Outfit ist – sondern, dass ihr euch darin wohlfühlt. Verkleiden hilft auf Dauer nur selten.

Die Tipps sind für alle gedacht, die bald ihre mündliche Prüfung, den ersten Praktikumstag oder den Start ins Referendariat vor sich haben. Im Unialltag müsst ihr hingegen niemanden beeindrucken, da geht’s entspannt zu.

Obenrum – zwischen Blazer und T-Shirt

Abseits von wirklich besonderen Terminen wie der mündlichen Prüfung oder Vorstellungsgesprächen ist die Wahl im Alltag erstaunlich locker. Im Sommer sind auch T-Shirts oder Tops kein Problem – selbst bei Gerichtsterminen, solange sie nicht durch schrille Farben oder wilde Muster auffallen. Mit einem schlichten Blazer oder einer Strickjacke liegt man fast immer richtig. Blusen? Habe ich persönlich nicht als notwendig empfunden.

Untenrum – Hosen, Röcke und Co.

Eine klassische Anzughose ist eine sichere Wahl – muss aber keineswegs schwarz sein. Grau, Blau oder sogar Grün funktionieren genauso gut. Schließlich verschwinden die Beine bei Terminen ohnehin meistens unter dem Tisch. Ein langer Rock ist ebenfalls völlig in Ordnung, nur fehlt mir da die persönliche Erfahrung – ich bin ein absoluter Hosenmensch.

Schuhe – Hauptsache sauber

Loafer sind immer eine gute Idee. Ebenso gediegene Absätze oder schlichte, saubere Sneaker. Wichtig ist weniger die Form als vielmehr, dass die Schuhe gepflegt aussehen.

Fazit: Wohlfühlen schlägt Etikette

„Kleider machen Leute“ – aber zum Glück längst nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vor 20 Jahren. Wer einmal RichterInnen außerhalb des Verhandlungssaals beobachtet, wird überrascht sein, wie schlicht und alltagsnah deren Outfits ausfallen. Hosenanzüge sieht man fast nie, auch vollständige Anzüge bei den männlichen Kollegen sind selten.

Fragt die RichterInnen und AusbilderInnen ruhig nach ihren Erwartungen – das kann helfen, die morgendliche Outfit-Qual deutlich zu verringern. Vor meinem ersten AG-Termin habe ich mir auch viele Gedanken über den richtigen Auftritt gemacht. Im Nachhinein kann ich sagen: völlig unnötig. Es gilt: Come as you are. Solange man die grundlegenden Gepflogenheiten respektiert, spielt die Kleidung im juristischen Alltag eine untergeordnete Rolle.