10 Dinge, die dir im Jurastudium niemand sagt (aber im Berufsalltag entscheidend sind)

Photo by Jeswin Thomas on Pexels.com

Du glaubst, im (gefühlt endlosen) Jurastudium alles Wichtige für den Berufsalltag als Jurist zu lernen?

Dann muss ich dich enttäuschen. Hier kommen 10 Dinge, die im späteren Berufsalltag als Jurist/in überraschend viel wichtiger sind, als es im Jurastudium den Anschein hat. Und dazu für den Alltag zweifelsohne nützlicher sind, als zu wissen viele Verträge an der Kasse geschlossen werden. 

1. Prozessrecht

Die Ausschnitte, die man für das Staatsexamen im Zivilrecht, Strafrecht oder Verwaltungsrecht lernt, sind oft oberflächlich. Ohne solide Kenntnisse des Prozessrechts bist du im Berufsalltag schnell verloren. Egal ob als Anwalt, Richterin oder Staatsanwalt. 

2. Mathe

Du hast Jura studiert, um nie wieder rechnen zu müssen? Schlechte Nachrichten: Kostenfestsetzung, Gebührenberechnung oder Buchhaltung. Mathe ist Bestandteil des juristischen Alltages. Und zwar häufiger, als man denkt. 

3. Kommunikation

Nach Jahren im Jura Studium könnte man annehmen, man kommt auch ohne große Kommunikation aus. Die Realität sieht anders aus. Egal ob Mandantengespräch, Verhandlung oder Verständigung. Kommunikation ist im Berufsalltag als Jurist oder Juristin zentral. Ohne klare Kommunikation scheitert es schnell. 

4. Selbstbewusstsein

Sehr viel häufiger, als man denkt, hat man keine Ahnung und muss trotzdem überzeugend wirken. Ob in der Sitzungsvertretung oder im Mandantengespräch. Es darf nur niemand merken. Das Auftreten ist mindestens genauso wichtig Wissen. 

5. Spontanität

Im Studium bestimmst du deinen Tagesablauf selbst. Der Berufsalltag hängt aber von unzähligen Menschen ab, denen ständig was dazwischenkommt. Flexibilität ist also Voraussetzung, um trotzdem produktiv zu sein.

6. Entscheidungen

Im Jurastudium wägt man seitenlang ab. Im juristischen Alltag musst du schnelle Entscheidungen ohne perfekte Informationslage treffen. 

7. Sicherheit

Wenn du im „echten“ Leben so lange sucht, bis eine 100% richtige juristische Lösung hast, suchst du für immer. Es gibt fast immer mehrere vertretbare Ansichten. Es zählt nicht mehr die Meinung des Professors, sondern deine (solange der BGH keine hat). 

8. Steuern und Finanzen

Im Studium spielt das Steuerrecht doch nur sehr selten eine Rolle. Im Alltag schon häufiger. Einkommenssteuer, Selbstständigkeit, Abrechnungen, über all das verliert im Jurastudium niemand ein Wort.

9. Sozialkompetenz

Das Studium bringt dir viel bei, aber garantiert keine Sozialkompetenz. Dabei arbeitest du ständig mit Menschen. Und es hilft enorm, wenn nicht alle innerlich die Augen verdrehen, sobald dein Name auf dem Display erscheint. 

10. Stress

Spaß. Stresserprobt ist man. Es heißt nicht umsonst: „das Staatsexamen ist ein Stresstest“

Das bedeutet aber auch, dass es für den Berufsalltag als Jurist nicht nur auf die Noten aus dem 1. Staatsexamen ankommt. 

Die Hoffnung besteht, also auch ohne 18 Punkte Examen mit den richtigen Fähigkeiten (hervorragende Mathekenntnissen und ausgezeichneten Sozialkompetenzen) deinen Job mehr als nur befriedigend zu erledigen. 

Welche Kompetenz fehlt deiner Meinung nach im Jurastudium? 

Für mehr Einblicke folge @Goldwaage auf Instagram.

1. Staatsexamen ohne Repetitorium – ist das möglich?

Du willst das Erste juristische Staatsexamen ohne kommerzielles Repetitorium bestehen? In diesem Beitrag teilt unsere Autorin Stine ihre Erfahrungen eines alternativen Weges.


Bevor ich euch mit Erfahrungen über das Referendariat versorge, möchte ich ein Thema ansprechen, das mir besonders am Herzen liegt: das Erste Staatsexamen absolvieren ohne ein kommerzielles Repetitorium besucht zu haben.

Nicht nur einmal habe ich während der Vorbereitung an dieser Entscheidung gezweifelt. Auslöser zum Grübeln gibt es viele. Schlechte Noten in den Probeklausuren. Kommiliton*innen die scheinbar weiter sind oder (gefühlt) mehr wissen. Das Gefühl, mit der Entscheidung allein zu sein. Darum habe ich häufig online nach positiven Erfahrungen zur Examensvorbereitung ohne Repetitorium gesucht, wurde aber selten fündig. Stattdessen begegnete man immer wieder Erfolgsgeschichten von Leuten, die ein kommerzielles Rep besucht haben. 

Kein Wunder, dass die Zweifel blieben und mein Selbstvertrauen gelitten hat. Dabei sind Mut und Vertrauen essenziell für eine gute Vorbereitung auf das Erste juristische Staatsexamen. 

Darum möchte ich heute ein paar positive Aspekte mit euch teilen. Als kleine Erinnerung, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, auch wenn er anders aussieht.

Photo by Prateek Katyal on Pexels.com

Das Beste (ausnahmsweise) zuerst: Ja, es ist möglich. 

Ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen, dass es funktioniert. Nicht nur bei mir, sondern auch bei einigen Kommiliton*innen, die sich bewusst gegen ein kommerzielles Repetitorium entschieden haben.

Wichtig: Ich will dich nicht überreden oder dir einreden, dass das der einzige richtige Weg ist. Vielmehr möchte ich ein paar unterstützende Worte für diejenigen dalassen, die mit dem Gedanken spielen oder sich bereits dazu entschieden haben. Die Examensvorbereitung ist sehr individuell. Den einen richtigen Weg gibt es nicht!

Warum ich den Weg ohne kommerzielles Rep gegangen bin und was dafür spricht:

  • Kostenersparnis

Hier das offensichtliche: du sparst dir einen Haufen Geld. Ein kommerzielles Rep kostet monatlich zwischen 150-200€. Das sind auf ein Jahr gerechnet Summen, die besser investiert werden können oder einigen schlicht nicht möglich sind. 

  • Individualität und Flexibilität

Ohne Rep hast du mehr Kontrolle über deinen Zeitplan. Zwei bis drei Tage pro Woche, die sonst durch feste Kurse blockiert wären, kannst du frei gestalten. Natürlich nur, wenn du auch das Unirep flexibel nutzt oder darauf verzichtest. Statt dich an einen allgemeinen Zeitplan zu klammern, kannst du deine Stärken und Schwächen gezielt in den Fokus rücken. Deine Lernstrategie für das Jura-Examen passt du individuell an, statt einem starren Standardplan zu folgen.

  • Du bist nicht mehr allein

Immer mehr Studierende entscheiden sich bewusst gegen kommerzielle Anbieter in der Examensvorbereitung. Man ist also kein Einzelfall mehr, die Wahrscheinlichkeit von Gleichgesinnten in deinem Umfeld steigt[1].

  • Die Unis holen auf

Viele Universitäten haben inzwischen den Handlungsbedarf erkannt. Kommerzielle Reps tragen oft dazu bei, das Jurastudium noch elitärer wirken zu lassen, als es ohnehin schon ist. Das Unirep-Programm wird vielerorts ausgebaut: begleitende Vorlesungen, Klausurenkurse und Probeexamina. Natürlich ist noch immer Luft nach oben, aber in Verbindung mit Eigeninitiative und einer Lerngruppe ist das Unirep für Jura häufig eine echte Alternative. Zumal Universitätsprofessor*innen die Prüfungen, auf die sich dich vorbereiten, auch abnehmen. Sie sollten also wissen, worauf es ankommt.

  • Künstliche Intelligenz

Noch vor kurzer Zeit war es mühsam, an gute Lernpläne zu kommen. Heute kannst du dir mithilfe von KI in der Jura-Examensvorbereitung deinen eigenen, individuellen Lernplan erstellen lassen. Genau auf dich und deine Bedürfnisse zugeschnitten. Daran halten musst du dich immer noch selbst ;). Aber die technischen Möglichkeiten sind da und werden stetig besser. 

Ich hoffe du siehst, dass es für das Bestehen des Examens keines kommerziellen Reps bedarf, wenn du das nicht möchtest. Lass dich von Momenten der Unsicherheit nicht aus der Bahn werfen.

Bedenken sind menschlich.

Hör auf sie, aber lass sie nicht dominieren. Nur du weißt, wann es Zeit ist etwas zu ändern. 

Ich für meinen Teil wünsche mir, dass sich mehr Studierende trauen den Weg zu gehen, der wirklich zu ihnen passt. Und sich nicht von Profs., Mitstudierenden oder Werbeversprechen verunsichern lassen.

Und ich wünsche mir von den Unis, dass sie das Potential ihrer Unireps erkennen und weiter ausbauen.  Denn eine erschwingliche Examensvorbereitung im Jurastudium ist nicht nur gerechter, sie hilft auch die Angst und die Mythen rund um das Erste Examen abzubauen.

Wie bereitest du dich auf den staatlichen Teil des 1. Staatsexamens vor – mit oder ohne kommerzielles Rep? 

 Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Für wöchentliche Tipps, Motivation und Erfahrungen aus dem Jurastudium folge @Goldwaage auf Instagram. 


[1] https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/studium-und-referendariat/4-punkte/prüfungen-examen/details/traut-euch-jura-examen-ohne-repetitorium