10 Dinge, die dir im Jurastudium niemand sagt (aber im Berufsalltag entscheidend sind)

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Du glaubst, im (gefühlt endlosen) Jurastudium alles Wichtige für den Berufsalltag als Jurist zu lernen?

Dann muss ich dich enttäuschen. Hier kommen 10 Dinge, die im späteren Berufsalltag als Jurist/in überraschend viel wichtiger sind, als es im Jurastudium den Anschein hat. Und dazu für den Alltag zweifelsohne nützlicher sind, als zu wissen viele Verträge an der Kasse geschlossen werden. 

1. Prozessrecht

Die Ausschnitte, die man für das Staatsexamen im Zivilrecht, Strafrecht oder Verwaltungsrecht lernt, sind oft oberflächlich. Ohne solide Kenntnisse des Prozessrechts bist du im Berufsalltag schnell verloren. Egal ob als Anwalt, Richterin oder Staatsanwalt. 

2. Mathe

Du hast Jura studiert, um nie wieder rechnen zu müssen? Schlechte Nachrichten: Kostenfestsetzung, Gebührenberechnung oder Buchhaltung. Mathe ist Bestandteil des juristischen Alltages. Und zwar häufiger, als man denkt. 

3. Kommunikation

Nach Jahren im Jura Studium könnte man annehmen, man kommt auch ohne große Kommunikation aus. Die Realität sieht anders aus. Egal ob Mandantengespräch, Verhandlung oder Verständigung. Kommunikation ist im Berufsalltag als Jurist oder Juristin zentral. Ohne klare Kommunikation scheitert es schnell. 

4. Selbstbewusstsein

Sehr viel häufiger, als man denkt, hat man keine Ahnung und muss trotzdem überzeugend wirken. Ob in der Sitzungsvertretung oder im Mandantengespräch. Es darf nur niemand merken. Das Auftreten ist mindestens genauso wichtig Wissen. 

5. Spontanität

Im Studium bestimmst du deinen Tagesablauf selbst. Der Berufsalltag hängt aber von unzähligen Menschen ab, denen ständig was dazwischenkommt. Flexibilität ist also Voraussetzung, um trotzdem produktiv zu sein.

6. Entscheidungen

Im Jurastudium wägt man seitenlang ab. Im juristischen Alltag musst du schnelle Entscheidungen ohne perfekte Informationslage treffen. 

7. Sicherheit

Wenn du im „echten“ Leben so lange sucht, bis eine 100% richtige juristische Lösung hast, suchst du für immer. Es gibt fast immer mehrere vertretbare Ansichten. Es zählt nicht mehr die Meinung des Professors, sondern deine (solange der BGH keine hat). 

8. Steuern und Finanzen

Im Studium spielt das Steuerrecht doch nur sehr selten eine Rolle. Im Alltag schon häufiger. Einkommenssteuer, Selbstständigkeit, Abrechnungen, über all das verliert im Jurastudium niemand ein Wort.

9. Sozialkompetenz

Das Studium bringt dir viel bei, aber garantiert keine Sozialkompetenz. Dabei arbeitest du ständig mit Menschen. Und es hilft enorm, wenn nicht alle innerlich die Augen verdrehen, sobald dein Name auf dem Display erscheint. 

10. Stress

Spaß. Stresserprobt ist man. Es heißt nicht umsonst: „das Staatsexamen ist ein Stresstest“

Das bedeutet aber auch, dass es für den Berufsalltag als Jurist nicht nur auf die Noten aus dem 1. Staatsexamen ankommt. 

Die Hoffnung besteht, also auch ohne 18 Punkte Examen mit den richtigen Fähigkeiten (hervorragende Mathekenntnissen und ausgezeichneten Sozialkompetenzen) deinen Job mehr als nur befriedigend zu erledigen. 

Welche Kompetenz fehlt deiner Meinung nach im Jurastudium? 

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Jura, mein Leben oder Jura und mein Leben? Warum eine gesunde Work-Life-Balance kein Luxus, sondern notwendig ist 

„Jura ist kein Studium, sondern ein Lebensstil“ – Sätze wie diesen hört man oft bereits in den ersten Wochen des Studiums. Gesetzestexte, Hausarbeiten, Praktika, Klausurenphasen und das allgegenwärtige Staatsexamen scheinen schnell den gesamten Alltag einzunehmen. Doch genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Ist Jura mein Leben – oder ist Jura ein Teil meines Lebens? Dieser Frage geht unsere Autorin Sophia im heutigen Blogpost auf den Grund.

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Als ich vor ein paar Tagen wieder einmal dabei war, mir meine tägliche Dosis Social Media Content abzuholen, scrollte ich durch Instagram und das erste Reel, das mir vorgeschlagen wurde startete mit den Worten: „Wisst ihr, was im Jurastudium wirklich underrated ist? Normale Leute, mit denen man eine normale Unterhaltung führen kann, bei der es nicht nur um Jura geht.“ Und irgendwie habe ich mich dabei ertappt, diesen Gedanken auch schon mal gehabt zu haben. Manchmal ist man beim Mittagessen in der Mensa oder bei der Houseparty mit Kommilitoninnen einfach nur dankbar dafür, wenn es mal nicht um Jura geht und ich glaube, so geht es Vielen.

Wenn Jura das ganze Leben bestimmt

Das Jurastudium ist anspruchsvoll und zeitintensiv. Klausuren, Hausarbeiten und das Hinarbeiten aufs Staatsexamen können schnell den gesamten Alltag einnehmen. Freizeit fühlt sich dann wie verlorene Zeit an, Pausen machen permanent ein schlechtes Gewissen, soziale Kontakte und Hobbys geraten in den Hintergrund. Auf Dauer führt dieser Druck jedoch oft zu Erschöpfung und sinkender Motivation, was sich ironischerweise dann eher negativ auf die Lernleistung auswirkt.

Jura UND mein Leben – ein gesunder Ansatz

Eine gesunde Work-Life-Balance bedeutet nicht, weniger engagiert zu sein. Sie bedeutet vielmehr, Jura als wichtigen Teil des Lebens zu sehen, vielleicht sogar als Leidenschaft, aber eben nicht als den einzigen Teil des Lebens. Erfolg im Studium und im Beruf entstehen nicht nur durch lange Lernzeiten, sondern auch durch Konzentration, mentale Stärke und Ausgleich.

Wer regelmäßig Pausen einplant, Sport treibt, Freundschaften pflegt und Zeit für sich selbst nimmt, schafft die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit. Ein Spaziergang, ein Abend mit Freunden oder ein Wochenende ohne Gesetzestexte sind keine verlorene Zeit. Auch auf Urlaube sollte man nicht verzichten, nur weil man Jura studiert. All das sind Investitionen in die eigene Energie und Motivation.

Die Illusion der ständigen Produktivität

In der juristischen Ausbildung herrscht oft das Gefühl, man müsse 24/7 produktiv sein. Lernpläne, Repetitorien und der ständige Vergleich verstärken diese Wahrnehmung. Doch wer kann schon dauerhaft auf Höchstleistung arbeiten? Superhelden vielleicht. Aber das sind wir nicht (auch, wenn manch ein Jurist sich als Superheld sehen mag).

Man sollte sich bewusst machen: Qualität ist wichtiger als Quantität. Vier konzentrierte Lernstunden können oft wertvoller sein als zehn Stunden am Schreibtisch ohne Fokus. Eine strukturierte Planung mit festen Lernzeiten und klar definierten Pausen hilft dabei, produktiv zu bleiben und gleichzeitig gesund zu leben. Und Gesundheit ist meiner Meinung nach das A und O. Das habe ich zum Glück aus meiner Vorbereitung auf’s erste Examen mitgenommen: Ich würde nie wieder Jura über meine Gesundheit stellen. Wenn mein Körper gerade nicht kann, dann zwinge ich ihn auch nicht, nur weil ein Staatsexamen kurz bevor steht.

Grenzen setzen lernen

Ein wichtiger Schritt zu einer gesunden Work-Life-Balance ist es, sich selbst Grenzen setzen zu können. Das bedeutet zum Beispiel:

– feste Lernzeiten statt rund um die Uhr Lernen  

– bewusste Freizeit ohne schlechtes Gewissen  

– realistische Ziele statt Perfektionismus  

– Zeit für Familie, Freunde und Hobbys  

– ausreichend Schlaf und Bewegung  

Grenzen zu setzen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstmanagement und Verantwortung gegenüber der eigenen Gesundheit.

Warum eine Work-Life-Balance gerade für Juristen so wichtig ist

Der juristische Beruf (angefangen mit der Ausbildung) ist langfristig anspruchsvoll – egal ob in Kanzlei, Unternehmen, Verwaltung oder Justiz. Wer schon im Studium lernt, auf sich selbst zu achten, entwickelt wichtige Fähigkeiten für das spätere Berufsleben: Stressmanagement, Belastbarkeit, Zeitmanagement und Selbstfürsorge (und neben der Examensnote werden diese Fähigkeiten für Arbeitgeber immer relevanter).

Eine gesunde Balance sorgt nicht nur für bessere Leistungen, sondern auch für mehr Zufriedenheit und langfristige Motivation. Jura kann ein erfüllender und spannender Lebensweg sein – aber nur, wenn genügend Raum für das eigene Leben bleibt.

Fazit: Jura ist ein Teil deines Lebens – nicht dein ganzes Leben

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob Jura wichtig ist, sondern welchen Platz Jura im eigenen Leben einnehmen soll.  Jura darf fordern, aber es sollte nicht alles bestimmen. Erfolg entsteht nicht durch Selbstaufgabe, sondern durch Balance.

Jura mein Leben oder Jura und mein Leben? Meine Antwort ist klar: Jura und mein Leben. Denn nur wer auch lebt (und ab und zu mal eine Unterhaltung führt, bei der es nicht um Jura geht), bleibt im Jurastudium als auch im Beruf langfristig erfolgreich.

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Ein Tag im Ministerium: Mein Erfahrungsbericht aus der Verwaltungsstation

Unsere Autorin Stine hat Ihre Verwaltungsstation in einem Landesministerium absolviert. In diesem Beitrag berichtet sie von ihren Erfahrungen aus den letzten drei Monaten – zwischen Gesetzesvorhaben, Teamarbeit und politischem Alltag

Das Klischee des kaffeetrinkenden Behördenmitarbeiters hält sich hartnäckig. In meiner Verwaltungsstation während des juristischen Referendariats durfte ich aber eine ganz andere Erfahrung machen. Ich bin inzwischen überzeugt: Man kann in der Verwaltung einen abwechslungsreichen, fordernden Job finden, der nie langweilig wird.

Fast drei Monate durfte ich den Berufsalltag in einem Ministerium miterleben. Tatsächlich stand für mich schon vor Beginn des juristischen Referendariats fest, dass ich meine Verwaltungsstation genau dort absolvieren möchte. Die Arbeit im Ministerium hat mich von Anfang an interessiert, sodass meine Entscheidung sehr bewusst gefallen ist.

Trotz der insgesamt flexiblen Arbeitsweise durch Homeoffice legten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in meiner Abteilung großen Wert darauf, sich mindestens einmal pro Woche persönlich zu treffen. Die große Bedeutung des persönlichen Austauschs passte gut zu meinem positiven Gesamteindruck. Es war den Kolleginnen und Kollegen ein großes Anliegen, auch Referendare bestmöglich in die Arbeit in der Verwaltung einzubeziehen und sie als Teil des Teams zu sehen.

Falls du in deiner Verwaltungsstation überlegst, in eine Behörde oder sogar eine obere Landesbehörde zu gehen, möchte ich hier einmal meinen ganz typischen Montag schildern, wie er für mich im Ministerium aussah.

06:00 Uhr – Aufstehen

Da ich mein juristisches Referendariat in einem Flächenland absolviere, gab es leider kein Ministerium in meiner Stadt. Trotzdem hatte ich sehr konkrete Vorstellungen davon, wie meine Verwaltungsstation aussehen sollte. Also habe ich einen Fahrtweg von etwa einer Stunde pro Strecke in Kauf genommen. Das hieß: früh aufstehen. Und an Tagen, an denen ich mit dem Zug unterwegs war, noch ein bisschen früher.

07:00 Uhr – Fahrtweg

Der Weg war lang, aber zumindest landschaftlich ein guter Start in den Tag. Die Kosten für den Fahrtweg können sogar im Rahmen des Trennungsgeldes ersetzt werden.

08:30 Uhr – Ankommen

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich direkt einen eigenen Arbeitsplatz bekommen. Im Vergleich zu meiner Zeit am Landgericht war das ein großer Unterschied: Ich hatte einen festen Ort, an dem ich jeden Morgen ankam. Der Schreibtisch war sogar mit Stiften und Arbeitsmaterial ausgestattet. So habe ich mich direkt willkommen gefühlt.

09:00 Uhr – kleine Teambesprechung

Die Arbeitswoche begann meist mit einer Besprechung in kleiner Runde. Meine Abteilung bestand aus meiner Ausbilderin und drei weiteren Mitarbeiterinnen. In dieser Runde wurden aktuelle Themen, neue Aufgaben und laufende Projekte besprochen.

Der Austausch war immer offen und herzlich. Ich hatte nie das Gefühl, mich zurückhalten zu müssen. Fragen waren ausdrücklich erwünscht, Meinungen wurden ernst genommen. Einzelkämpferaufgaben gab es kaum, stattdessen war oft das ganze Team gefragt.

11:00 Uhr – Abteilungsbesprechung

In der Abteilungsbesprechung kamen mehrere Bereiche zusammen. Hier ging es um größere Projekte und um Themen, die die Abteilung insgesamt betrafen. Die Abteilungsleiterin berichtete unter anderem aus Gesprächen mit der Staatssekretärin und der Ministerin.

Um das Behördenklischee ein wenig zu bedienen, sei erwähnt, dass selbst während meiner dreimonatigen Zeit regelmäßige gemeinsame Geburtstagsfrühstücke stattfanden. Dann wurde die Besprechung kurzerhand zum Brunch.

12:00 Uhr – Mittagspause

Je nach Länge der Besprechung schloss sich die Mittagspause direkt an. Auch hier war ich meist nicht allein, sondern im Team unterwegs. In der Weihnachtszeit ging es auch mal gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt.

Ab 13:00 Uhr – Aufgabenbearbeitung

Am Nachmittag habe ich an den mir übertragenen Aufgaben gearbeitet. Diese waren sehr abwechslungsreich und längst nicht immer rein juristisch. Ich habe an Gesetzesvorhaben mitgearbeitet, war in einen Entwicklungsplan eingebunden, habe zahlreiche Stellungnahmen zu anderen Gesetzesvorhaben verfasst und mich mit kommunaler Finanzierung beschäftigt.

Das Drumherum

Die restliche Woche wurde stets gemeinsam mit meiner Ausbilderin geplant. Zu interessanten Terminen haben mich die Mitarbeiterinnen jederzeit mitgenommen und sich viel Zeit genommen, mir ihre Themengebiete zu erklären. Ich durfte andere Ministerien kennenlernen und habe einen sehr realistischen Einblick in die oft komplexen Abstimmungs- und Kommunikationsprozesse zwischen Behörden bekommen.

Langweilig wurde mir nicht. Auch weil ich bei der Wahl meiner Verwaltungsstation bewusst meine eigenen Interessen in den Vordergrund gestellt habe, habe ich unglaublich viel über politische Themen gelernt, die mich persönlich wirklich interessieren.

Wer seine Verwaltungsstation allerdings vor allem zur intensiven Examensvorbereitung nutzen möchte, sollte wissen, dass mir in einer oberen Landesbehörde kaum examensrelevante Inhalte begegnet sind. Für mich war genau diese Abwechslung nach der eher eintönigen Zivilstation aber ein echter Gewinn.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Engagement der Mitarbeiterinnen. Auch wenn politische Prozesse manchmal langsam sind, hatte ich nie den Eindruck von Gleichgültigkeit.

Ref im Ministerium – ist das empfehlenswert?

Rückblickend bin ich sehr froh, mich für die Verwaltungsstation im Ministerium entschieden zu haben. Die Zeit war fachlich abwechslungsreich, persönlich bereichernd und hat mir einen Arbeitsbereich nähergebracht, dessen Aufgaben mir im Vorfeld völlig unklar waren. Wer also mit dem Gedanken spielt, seine Verwaltungsstation in einem Ministerium zu absolvieren, sollte sich von Klischees nicht abschrecken lassen, der Blick hinter die Kulissen lohnt sich.

Hast du die Verwaltungsstation ähnlich erlebt – oder ganz anders? Für weitere Einblicke aus dem Referendariat, Studium oder Job folge Goldwaage auf Instagram.

Was ziehe ich an? Ein juristischer Outfitcheck

Dein erster Praktikumstag steht an und mit ihm kommt die Frage – welche Kleidung ist angemessen? Deine mündliche Prüfung steht kurz bevor und du fragst dich, was du tragen solltest? Kein Problem! In diesem Beitrag gibt unsere Autorin Stine dir ein paar Richtlinien an die Hand, wie du rausfindest, ob dein Outfit juratauglich ist – mitsamt ein paar Beispielfotos der Redaktion.

Kaum ein Berufsfeld kämpft mit so vielen Vorurteilen wie das der JuristInnen. Nicht wenige davon beziehen sich auf die Kleidung. Kein Wunder: Der Beruf ist traditionsreich und steckt voller alteingesessener Regeln. Ein Beispiel: Die Richterrobe in ihrer heutigen Form stammt schon aus dem 18. Jahrhundert.

Dazu kommt, dass uns einige KommilitonInnen bereits ab dem ersten Semester im Hörsaal mit Anzügen „beeindrucken“. Da fragt man sich schnell, was ist angemessen um im Praktikum, Referendariat und der mündlichen Prüfung einen guten Eindruck zu hinterlassen. Die Qual der Outfitwahl kenne ich nur zu gut. Wie oft habe ich mir noch in letzter Minute eine Bluse gekauft, weil ich Angst hatte, nicht passend genug angezogen zu sein.

Um euch diese Unsicherheit zu nehmen, haben wir im Team ein paar Inspirationen gesammelt, in denen wir uns passend angezogen fanden. Denn am Ende zählt nicht, wie teuer oder elegant das Outfit ist – sondern, dass ihr euch darin wohlfühlt. Verkleiden hilft auf Dauer nur selten.

Die Tipps sind für alle gedacht, die bald ihre mündliche Prüfung, den ersten Praktikumstag oder den Start ins Referendariat vor sich haben. Im Unialltag müsst ihr hingegen niemanden beeindrucken, da geht’s entspannt zu.

Obenrum – zwischen Blazer und T-Shirt

Abseits von wirklich besonderen Terminen wie der mündlichen Prüfung oder Vorstellungsgesprächen ist die Wahl im Alltag erstaunlich locker. Im Sommer sind auch T-Shirts oder Tops kein Problem – selbst bei Gerichtsterminen, solange sie nicht durch schrille Farben oder wilde Muster auffallen. Mit einem schlichten Blazer oder einer Strickjacke liegt man fast immer richtig. Blusen? Habe ich persönlich nicht als notwendig empfunden.

Untenrum – Hosen, Röcke und Co.

Eine klassische Anzughose ist eine sichere Wahl – muss aber keineswegs schwarz sein. Grau, Blau oder sogar Grün funktionieren genauso gut. Schließlich verschwinden die Beine bei Terminen ohnehin meistens unter dem Tisch. Ein langer Rock ist ebenfalls völlig in Ordnung, nur fehlt mir da die persönliche Erfahrung – ich bin ein absoluter Hosenmensch.

Schuhe – Hauptsache sauber

Loafer sind immer eine gute Idee. Ebenso gediegene Absätze oder schlichte, saubere Sneaker. Wichtig ist weniger die Form als vielmehr, dass die Schuhe gepflegt aussehen.

Fazit: Wohlfühlen schlägt Etikette

„Kleider machen Leute“ – aber zum Glück längst nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vor 20 Jahren. Wer einmal RichterInnen außerhalb des Verhandlungssaals beobachtet, wird überrascht sein, wie schlicht und alltagsnah deren Outfits ausfallen. Hosenanzüge sieht man fast nie, auch vollständige Anzüge bei den männlichen Kollegen sind selten.

Fragt die RichterInnen und AusbilderInnen ruhig nach ihren Erwartungen – das kann helfen, die morgendliche Outfit-Qual deutlich zu verringern. Vor meinem ersten AG-Termin habe ich mir auch viele Gedanken über den richtigen Auftritt gemacht. Im Nachhinein kann ich sagen: völlig unnötig. Es gilt: Come as you are. Solange man die grundlegenden Gepflogenheiten respektiert, spielt die Kleidung im juristischen Alltag eine untergeordnete Rolle.