Jura, mein Leben oder Jura und mein Leben? Warum eine gesunde Work-Life-Balance kein Luxus, sondern notwendig ist 

„Jura ist kein Studium, sondern ein Lebensstil“ – Sätze wie diesen hört man oft bereits in den ersten Wochen des Studiums. Gesetzestexte, Hausarbeiten, Praktika, Klausurenphasen und das allgegenwärtige Staatsexamen scheinen schnell den gesamten Alltag einzunehmen. Doch genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Ist Jura mein Leben – oder ist Jura ein Teil meines Lebens? Dieser Frage geht unsere Autorin Sophia im heutigen Blogpost auf den Grund.

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Als ich vor ein paar Tagen wieder einmal dabei war, mir meine tägliche Dosis Social Media Content abzuholen, scrollte ich durch Instagram und das erste Reel, das mir vorgeschlagen wurde startete mit den Worten: „Wisst ihr, was im Jurastudium wirklich underrated ist? Normale Leute, mit denen man eine normale Unterhaltung führen kann, bei der es nicht nur um Jura geht.“ Und irgendwie habe ich mich dabei ertappt, diesen Gedanken auch schon mal gehabt zu haben. Manchmal ist man beim Mittagessen in der Mensa oder bei der Houseparty mit Kommilitoninnen einfach nur dankbar dafür, wenn es mal nicht um Jura geht und ich glaube, so geht es Vielen.

Wenn Jura das ganze Leben bestimmt

Das Jurastudium ist anspruchsvoll und zeitintensiv. Klausuren, Hausarbeiten und das Hinarbeiten aufs Staatsexamen können schnell den gesamten Alltag einnehmen. Freizeit fühlt sich dann wie verlorene Zeit an, Pausen machen permanent ein schlechtes Gewissen, soziale Kontakte und Hobbys geraten in den Hintergrund. Auf Dauer führt dieser Druck jedoch oft zu Erschöpfung und sinkender Motivation, was sich ironischerweise dann eher negativ auf die Lernleistung auswirkt.

Jura UND mein Leben – ein gesunder Ansatz

Eine gesunde Work-Life-Balance bedeutet nicht, weniger engagiert zu sein. Sie bedeutet vielmehr, Jura als wichtigen Teil des Lebens zu sehen, vielleicht sogar als Leidenschaft, aber eben nicht als den einzigen Teil des Lebens. Erfolg im Studium und im Beruf entstehen nicht nur durch lange Lernzeiten, sondern auch durch Konzentration, mentale Stärke und Ausgleich.

Wer regelmäßig Pausen einplant, Sport treibt, Freundschaften pflegt und Zeit für sich selbst nimmt, schafft die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit. Ein Spaziergang, ein Abend mit Freunden oder ein Wochenende ohne Gesetzestexte sind keine verlorene Zeit. Auch auf Urlaube sollte man nicht verzichten, nur weil man Jura studiert. All das sind Investitionen in die eigene Energie und Motivation.

Die Illusion der ständigen Produktivität

In der juristischen Ausbildung herrscht oft das Gefühl, man müsse 24/7 produktiv sein. Lernpläne, Repetitorien und der ständige Vergleich verstärken diese Wahrnehmung. Doch wer kann schon dauerhaft auf Höchstleistung arbeiten? Superhelden vielleicht. Aber das sind wir nicht (auch, wenn manch ein Jurist sich als Superheld sehen mag).

Man sollte sich bewusst machen: Qualität ist wichtiger als Quantität. Vier konzentrierte Lernstunden können oft wertvoller sein als zehn Stunden am Schreibtisch ohne Fokus. Eine strukturierte Planung mit festen Lernzeiten und klar definierten Pausen hilft dabei, produktiv zu bleiben und gleichzeitig gesund zu leben. Und Gesundheit ist meiner Meinung nach das A und O. Das habe ich zum Glück aus meiner Vorbereitung auf’s erste Examen mitgenommen: Ich würde nie wieder Jura über meine Gesundheit stellen. Wenn mein Körper gerade nicht kann, dann zwinge ich ihn auch nicht, nur weil ein Staatsexamen kurz bevor steht.

Grenzen setzen lernen

Ein wichtiger Schritt zu einer gesunden Work-Life-Balance ist es, sich selbst Grenzen setzen zu können. Das bedeutet zum Beispiel:

– feste Lernzeiten statt rund um die Uhr Lernen  

– bewusste Freizeit ohne schlechtes Gewissen  

– realistische Ziele statt Perfektionismus  

– Zeit für Familie, Freunde und Hobbys  

– ausreichend Schlaf und Bewegung  

Grenzen zu setzen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstmanagement und Verantwortung gegenüber der eigenen Gesundheit.

Warum eine Work-Life-Balance gerade für Juristen so wichtig ist

Der juristische Beruf (angefangen mit der Ausbildung) ist langfristig anspruchsvoll – egal ob in Kanzlei, Unternehmen, Verwaltung oder Justiz. Wer schon im Studium lernt, auf sich selbst zu achten, entwickelt wichtige Fähigkeiten für das spätere Berufsleben: Stressmanagement, Belastbarkeit, Zeitmanagement und Selbstfürsorge (und neben der Examensnote werden diese Fähigkeiten für Arbeitgeber immer relevanter).

Eine gesunde Balance sorgt nicht nur für bessere Leistungen, sondern auch für mehr Zufriedenheit und langfristige Motivation. Jura kann ein erfüllender und spannender Lebensweg sein – aber nur, wenn genügend Raum für das eigene Leben bleibt.

Fazit: Jura ist ein Teil deines Lebens – nicht dein ganzes Leben

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob Jura wichtig ist, sondern welchen Platz Jura im eigenen Leben einnehmen soll.  Jura darf fordern, aber es sollte nicht alles bestimmen. Erfolg entsteht nicht durch Selbstaufgabe, sondern durch Balance.

Jura mein Leben oder Jura und mein Leben? Meine Antwort ist klar: Jura und mein Leben. Denn nur wer auch lebt (und ab und zu mal eine Unterhaltung führt, bei der es nicht um Jura geht), bleibt im Jurastudium als auch im Beruf langfristig erfolgreich.

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Jura-Examen: Wie findest du ein passendes Repetitorium?

Im April diesen Jahres habe ich mein Repetitorium begonnen. Seit dem werde ich immer wieder gefragt, wie ich es finde und anhand welcher Faktoren ich mich für ein Rep entschieden habe. In diesem Post teile ich meine Erfahrungen und Gedanken zu dem Thema. Zum Schluss des Beitrags findest du einen Fragenkatalog mit Dingen, die du bei der Wahl eines Reps berücksichtigen solltest.

Aber eins nach dem anderen:

Was ist ein juristisches Repetitorium?

Viele Jurastudierende besuchen, ein bis zwei Jahre bevor sie das Examen antreten, ein Repetitorium. Das ist ein Kurs, in dem der wichtigste Stoff aus allen Pflichtfächern noch einmal wiederholt wird. Er wird in der Regel von Diplom- oder VolljuristInnen geleitet. An vielen Unis gibt es ein eigenes Rep, darüber hinaus gibt es externe Anbieter, die für (nicht wenig) Geld Kurse anbieten. Zu den bekanntesten kommerziellen Repetitorien in Deutschland gehören Alpmann Schmidt, Hemmer und die Kiss-Akademie. Darüber hinaus gibt es eine Volljuristen, die private, kleinere Repetitorien leiten. Inzwischen gibt es auch einige Online-Repetitorien, die versprechen, eine Examensvorbereitung im eigenen Tempo von zu Hause aus zu ermöglichen. Dazu gehören zum Beispiel Jura.online, Lecturio, Juracademy und die Akademie Kraatz.

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Was kostet ein juristisches Repetitorium?

Juristische Repetitorien, mit Ausnahme des Uni-Reps, sind teuer. Hier kann man gut und gerne zwischen 100,00 und 200,00 Euro monatlich auf den Tisch legen. Online ist es gelegentlich etwas weniger. Hinzu kommen Extras, die man dazu buchen kann wie Klausuren- und Intensivkurse und Einzelunterricht. Ich glaube preislich sind nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Ich selbst habe mich für einen Basiskurs, indem die Unterlagen und Stunden beinhaltet waren, entschieden und werde in den kommenden Monaten noch einen Klausurenkurs hinzubuchen. So bin ich im Schnitt derzeit bei knapp über 130,00 Euro. Bei einer Laufzeit von einem Jahr kommt so eine ordentliche Summe zusammen. Ich kenne viele Jurastudierende, die bereits im Studium Geld beiseite gelegt haben, um sich das Rep zu finanzieren.

Für welches Rep habe ich mich entschieden?

Ich persönlich habe mich für einen der großen, kommerziellen Anbieter entschieden. Mir war wichtig, dass ich dort mehrmals die Woche hingehen kann (denn eins weiß ich seit Corona: beim Online Lernen bin ich sehr schnell abgelenkt, zudem mag ich den Austausch mit KommilitonInnen vor Ort). Ich habe mich außerdem sicherer gefühlt, zu einem Anbieter zu gehen, der über langjährige Expertise verfügt und gute Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellt. Zu guter Letzt wäre ich gerne ins Uni-Rep gegangen, allerdings pausiert dieses im Rahmen der Semesterferien immer für einige Monate am Stück. Ich wollte jedoch eine stetige Routine in meiner Examensvorbereitung. Somit blieben am Ende in Greifswald nur noch eine Hand voll Anbieter und zwischen denen habe ich mich dann nach Bauchgefühl entschieden.

Bevor ich dir meine Liste an Dingen vorstelle, anhand du ausmachen kannst, welches Rep etwas für dich ist, ist es mir ein Anliegen folgendes zu betonen: Eine gute Examensvorbereitung erkennt man nicht an den Kosten. Ich kenne einige PrädikatsjuristInnen, die sich in alleiniger Vorbereitung – ganz ohne Rep – super Noten erarbeitet haben. Ich kenne auch einige VolljuristInnen, die ohne jegliche Vorbereitung ins Examen gegangen sind und bestanden haben. Das ist, wie so vieles im Studium, eine ganz individuelle Entscheidung, die nur der/die ExamenskandidatIn selbst treffen sollte.

Fragen Vorab:

  • Möchtest du überhaupt ein kommerzielles Rep besuchen?
  • Gibt es an deiner Uni ein gutes Repetitorium? (Wenn ja, kommst du mit den Profs, die es leiten und deren Didaktik gut zurecht?)

Wenn du zwischen mehreren Anbietern schwankst:

  • Wie sind die Preise?
  • Wie gut sind die Unterlagen?
  • An wie vielen Tagen die Woche finden die Kurse statt?
  • Kann man auch online an den Kursen teilnehmen?
  • Wie groß sind die Gruppen?
  • Wie qualifiziert sind die Dozierenden?
  • Gibt es einen Klausurenkurs?
  • Wie anspruchsvoll sind die Stunden und die bearbeiteten Fälle?
  • Wird dein Landesrecht unterrichtet?! (Meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Faktor! Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Kommunalrecht, Baurecht, Polizeirecht rankommt und regionale Bezüge aufweist)

Individuelle Faktoren:

  • Sind Freunde oder Kommilitonen in dem Kurs, sodass man sich gegenseitig motivieren kann?
  • Gibt es Erfahrungsberichte von Leuten, die dort bereits ein Rep abgeschlossen haben?
  • Kannst du dir vorstellen, dort ein Jahr lang regelmäßig hinzugehen?
  • Wenn du bei einem Probehören warst: Was sagt dein Bauchgefühl? Ist das eine Atmosphäre in der du dich wohl fühlst und dich konzentrieren kannst?

Vielleicht helfen dir ein paar dieser Fragen, ein passendes Rep zu finden. Ich wünsche dir viel Erfolg, ganz gleich ob du dich allein, mit dem Uni-Rep oder einem kommerziellen Anbieter auf die Prüfungen vorbereitest.

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