Die 4 größten Konzentrationskiller im Jurastudium – du kennst sie alle

Im Jurastudium brauchen wir vor allem eins: Konzentration – und insbesondere in der Examensvorbereitung ganz schön viel davon. Blöd nur, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne in Zeiten von Social Media oftmals nicht mal mehr länger als 30 Sekunden reicht. In diesem Beitrag geht unsere Autorin Sophia den vier größten Konzentrationskillern auf den Grund. Und ja, du wirst dich wahrscheinlich in (fast) jedem dieser Punkte wieder erkennen. 

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1. Das Smartphone – dein größter Feind

Du wolltest nur mal kurz auf die Uhr schauen oder nur eben diese eine Nachricht beantworten? Eine halbe Stunde später weißt du, was deine ehemalige Schulfreundin heute morgen gefrühstückt hat und was irgendeine Influencerin gestern bei dm gekauft hat, weißt aber immer noch nicht, was ein Verwaltungsakt ist. 

Das Problem ist nicht das Smartphone an sich. Das Problem ist, dass unser Gehirn dieses kurzfristige Dopamin mehr liebt als das Auswendiglernen von Definitionen. 

Die Lösung: Schalte dein Smartphone in den Flugmodus oder sogar ganz aus, lege es in einen anderen Raum oder lösche Instagram und co. temporär von deinem Handy. Glaub mir – all das habe ich schon durch. Es hilft aber tatsächlich. Du musst es nur tun (und du wirst es überleben). 

2. „Ich mach kurz Pause“

Die klassische Lüge: „Ich lerne noch diesen Abschnitt und mache dann fünf Minuten Pause.“ Aus fünf Minuten werden 45, aus 45 Minuten wird ein Kaffee und ein Snack, dazu dann eine kurze Folge der Lieblingsserie und plötzlich ist eigentlich schon wieder Zeit für’s Abendbrot. 

Pausen sind extrem wichtig. Aber unkontrollierte Pausen sind getarnte Prokrastination. Besonders gefährlich werden sie, wenn du von Zuhause aus lernst. Wenn du feststellst, dass du immer wieder in diese Falle tappst, probiere es doch zumindest mal aus, in der Bib zu lernen. 

3. Perfektionismus – der heimliche Produktivitätskiller

„Ich fange erst an, wenn ich alles perfekt vorbereitet habe.“

Der Arbeitsplatz muss ordentlich sein, die krakeligen Mitschriften aus der Vorlesung müssen nochmal in Schönschrift abgeschrieben werden, der Lernplan muss zu 100 % eingehalten werden, sonst kannst du wieder von vorne anfangen. Spoiler: all diese vermeintlichen Vorbereitungshandlungen fühlen sich zwar produktiv an, gelernt hast du aber immer noch nicht. 

Denk immer daran: nicht alles perfekt sein. Der eine Tag läuft besser, der andere schlechter aber sei nicht so hart zu dir selbst. Auch mit krakeligen Mitschriften kann man lernen und dein Lernplan muss auch noch nicht bis zum letzten Tag vor der ersten Examensklausur genau durchgeplant sein.  

4. Müdigkeit – nicht zu unterschätzen

Insbesondere in der Examensvorbereitung denken wir ständig, wir machen viel zu wenig und müssten eigentlich gerade am Schreibtisch sitzen. Wenn du aber übermüdet bist, bringt dir auch der beste Lernplan nichts. Im Jurastudium geht es darum, das Gelernte zu verstehen und anzuwenden. Das funktioniert nicht mit drei Stunden Schlaf und dem vierten Energy.

Solltest du an diesem Punkt sein und dir die Frage stellen, ob du früh aufstehen solltest, um weiter zu lernen oder lieber ein paar Stunden länger liegen bleibst: Bleib liegen. Diese Zeit mag sich wie verschwendete Lernzeit anfühlen, kommt dir und deiner Konzentration am Ende jedoch bloß zugute. 

Fazit: Konzentration ist kein Zufall

Die schlechte Nachricht zuerst: All diese Konzentrationskiller verschwinden nicht von allein. Du musst selbst aktiv werden und etwas ändern. 

Die gute Nachricht: Du kannst sie ziemlich gut kontrollieren, wenn du sie erst einmal erkannt hast. Manchmal reicht es schon, das Handy auszuschalten, einen klaren (aber nicht zu perfekten) Plan zu haben und sich realistische Lernziele zu setzen. Und plötzlich läuft es besser, als du gedacht hättest. 

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Jura, mein Leben oder Jura und mein Leben? Warum eine gesunde Work-Life-Balance kein Luxus, sondern notwendig ist 

„Jura ist kein Studium, sondern ein Lebensstil“ – Sätze wie diesen hört man oft bereits in den ersten Wochen des Studiums. Gesetzestexte, Hausarbeiten, Praktika, Klausurenphasen und das allgegenwärtige Staatsexamen scheinen schnell den gesamten Alltag einzunehmen. Doch genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Ist Jura mein Leben – oder ist Jura ein Teil meines Lebens? Dieser Frage geht unsere Autorin Sophia im heutigen Blogpost auf den Grund.

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Als ich vor ein paar Tagen wieder einmal dabei war, mir meine tägliche Dosis Social Media Content abzuholen, scrollte ich durch Instagram und das erste Reel, das mir vorgeschlagen wurde startete mit den Worten: „Wisst ihr, was im Jurastudium wirklich underrated ist? Normale Leute, mit denen man eine normale Unterhaltung führen kann, bei der es nicht nur um Jura geht.“ Und irgendwie habe ich mich dabei ertappt, diesen Gedanken auch schon mal gehabt zu haben. Manchmal ist man beim Mittagessen in der Mensa oder bei der Houseparty mit Kommilitoninnen einfach nur dankbar dafür, wenn es mal nicht um Jura geht und ich glaube, so geht es Vielen.

Wenn Jura das ganze Leben bestimmt

Das Jurastudium ist anspruchsvoll und zeitintensiv. Klausuren, Hausarbeiten und das Hinarbeiten aufs Staatsexamen können schnell den gesamten Alltag einnehmen. Freizeit fühlt sich dann wie verlorene Zeit an, Pausen machen permanent ein schlechtes Gewissen, soziale Kontakte und Hobbys geraten in den Hintergrund. Auf Dauer führt dieser Druck jedoch oft zu Erschöpfung und sinkender Motivation, was sich ironischerweise dann eher negativ auf die Lernleistung auswirkt.

Jura UND mein Leben – ein gesunder Ansatz

Eine gesunde Work-Life-Balance bedeutet nicht, weniger engagiert zu sein. Sie bedeutet vielmehr, Jura als wichtigen Teil des Lebens zu sehen, vielleicht sogar als Leidenschaft, aber eben nicht als den einzigen Teil des Lebens. Erfolg im Studium und im Beruf entstehen nicht nur durch lange Lernzeiten, sondern auch durch Konzentration, mentale Stärke und Ausgleich.

Wer regelmäßig Pausen einplant, Sport treibt, Freundschaften pflegt und Zeit für sich selbst nimmt, schafft die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit. Ein Spaziergang, ein Abend mit Freunden oder ein Wochenende ohne Gesetzestexte sind keine verlorene Zeit. Auch auf Urlaube sollte man nicht verzichten, nur weil man Jura studiert. All das sind Investitionen in die eigene Energie und Motivation.

Die Illusion der ständigen Produktivität

In der juristischen Ausbildung herrscht oft das Gefühl, man müsse 24/7 produktiv sein. Lernpläne, Repetitorien und der ständige Vergleich verstärken diese Wahrnehmung. Doch wer kann schon dauerhaft auf Höchstleistung arbeiten? Superhelden vielleicht. Aber das sind wir nicht (auch, wenn manch ein Jurist sich als Superheld sehen mag).

Man sollte sich bewusst machen: Qualität ist wichtiger als Quantität. Vier konzentrierte Lernstunden können oft wertvoller sein als zehn Stunden am Schreibtisch ohne Fokus. Eine strukturierte Planung mit festen Lernzeiten und klar definierten Pausen hilft dabei, produktiv zu bleiben und gleichzeitig gesund zu leben. Und Gesundheit ist meiner Meinung nach das A und O. Das habe ich zum Glück aus meiner Vorbereitung auf’s erste Examen mitgenommen: Ich würde nie wieder Jura über meine Gesundheit stellen. Wenn mein Körper gerade nicht kann, dann zwinge ich ihn auch nicht, nur weil ein Staatsexamen kurz bevor steht.

Grenzen setzen lernen

Ein wichtiger Schritt zu einer gesunden Work-Life-Balance ist es, sich selbst Grenzen setzen zu können. Das bedeutet zum Beispiel:

– feste Lernzeiten statt rund um die Uhr Lernen  

– bewusste Freizeit ohne schlechtes Gewissen  

– realistische Ziele statt Perfektionismus  

– Zeit für Familie, Freunde und Hobbys  

– ausreichend Schlaf und Bewegung  

Grenzen zu setzen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstmanagement und Verantwortung gegenüber der eigenen Gesundheit.

Warum eine Work-Life-Balance gerade für Juristen so wichtig ist

Der juristische Beruf (angefangen mit der Ausbildung) ist langfristig anspruchsvoll – egal ob in Kanzlei, Unternehmen, Verwaltung oder Justiz. Wer schon im Studium lernt, auf sich selbst zu achten, entwickelt wichtige Fähigkeiten für das spätere Berufsleben: Stressmanagement, Belastbarkeit, Zeitmanagement und Selbstfürsorge (und neben der Examensnote werden diese Fähigkeiten für Arbeitgeber immer relevanter).

Eine gesunde Balance sorgt nicht nur für bessere Leistungen, sondern auch für mehr Zufriedenheit und langfristige Motivation. Jura kann ein erfüllender und spannender Lebensweg sein – aber nur, wenn genügend Raum für das eigene Leben bleibt.

Fazit: Jura ist ein Teil deines Lebens – nicht dein ganzes Leben

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob Jura wichtig ist, sondern welchen Platz Jura im eigenen Leben einnehmen soll.  Jura darf fordern, aber es sollte nicht alles bestimmen. Erfolg entsteht nicht durch Selbstaufgabe, sondern durch Balance.

Jura mein Leben oder Jura und mein Leben? Meine Antwort ist klar: Jura und mein Leben. Denn nur wer auch lebt (und ab und zu mal eine Unterhaltung führt, bei der es nicht um Jura geht), bleibt im Jurastudium als auch im Beruf langfristig erfolgreich.

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Bewirb dich- wie du die Angst vor einem anspruchsvollen Praktikum überwindest

Tag eins meines Praktikums. Ich bin nervös und mir ist flau im Magen. Ich hab das schließlich noch nie gemacht. Ich gebe mir einen Ruck und betrete die Kanzlei. Ein Sprung ins kalte Wasser.

Ging es dir auch schon so?

Kennst du Gedanken wie: Da brauche ich mich gar nicht bewerben, die nehmen mich eh nicht. Oder: Ich kann doch noch gar nichts?

Es ist schon ein starker Kontrast zwischen Hörsaal-Alltag und dem juristischen Berufsleben. Im Studium lernen wir den ganzen Tag Jura-Theorie. Deshalb ist es kein Wunder, dass uns die Praxis zu Beginn einschüchtert.

Viele Studierende neigen aufgrund dieser fehlenden Praxiserfahrung dazu, ihr Praktikum so schnell wie möglich irgendwo abzuarbeiten (oder den Nachweis von einem bekannten Juristen ausfüllen zu lassen, ohne je dessen Kanzlei betreten zu haben). Jeder regelt das eben auf seine Weise.

Aber vielleicht verpasst der ein oder andere dadurch eine Chance.  

Denn: Natürlich wissen die erfahrenen ArbeitgeberInnen (die ja selbst Jura studiert haben), dass Studierende keine fertig ausgebildete Fachkräfte sind. Sie tolerieren Nachfragen also nicht nur – sie erwarten sie. Sie kalkulieren kleine Fehler ein, die AnfängerInnen machen. Und sie wissen auch, dass du natürlich nicht alle Rechtsgebiete fehlerfrei beherrschst.

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Daneben (so habe ich das jedenfalls schon häufig mitbekommen) neigen viele Studierende dazu, bei Praktika tief zu stapeln.

Sie wollen eigentlich in eine große Kanzlei, in Medienhäuser, oder zu hohen Gerichten – aber schicken ihre Bewerbungen nie ab, aus Angst, eine Absage zu bekommen oder sich im Falle einer Zusage ganz schrecklich zu blamieren.

Mir selbst ging es genauso. Deswegen habe ich mein erstes Praktikum bei einem sehr netten Anwalt in freundlichem Umfeld gemacht und dort gemerkt: So schlimm ist es ja gar nicht. Anschließend war ich schon etwas selbstbewusster und habe mich in einer relativ großen Kanzlei beworben.

Das ist eine gute Möglichkeit, sein Selbstbewusstsein zu stärken. Klar – irgendwann muss jeder ins kalte Wasser springen. Aber wer sagt, dass es gleich der Atlantik sein muss?

Gerade wenn du am Anfang deines Studiums stehst, trau dich und bewirb dich. Ein Praktikum kann wirklich viel Spaß machen und ungemein bereichernd sein. 

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