Nebenjob – No Jura Edition: Warum du keinen rein juristischen Lebenslauf brauchst

Wir alle kennen die unausgesprochene Erwartung: Praktika in Kanzleien, Mitarbeit am Lehrstuhl, wissenschaftliche Hilfskraft – möglichst früh möglichst nah am Recht. Wer Karriere machen möchte, soll bereits neben dem Studium juristische Erfahrung sammeln. Aber ist das wirklich immer der beste Weg? Unsere Autorin Sophia beantwortet das mit einem klaren Nein! und verrät in diesem Beitrag, warum.

1. Du lernst eben nicht alles imm Studium

Das Jurastudium vermittelt analytisches Denken, strukturiertes Argumentieren und stärkt die Frustrationstoleranz. Was dabei häufig auf der Strecke bleibt, ist der Umgang mit Menschen außerhalb der juristischen Bubble.

Wer im Café arbeitet, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder im Kundenservice tätig ist, erwirbt soziale Kompetenzen, die später in der juristischen Praxis enorm wertvoll werden: Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Zeit- und Stressmanagement, so wie souveränes Auftreten unter Druck.

JuristInnen arbeiten schließlich nicht nur mit Normen, sondern vor allem mit Menschen.

MandantInnen sind selten klar strukturiert wie eine Examensklausur. Sie sind aufgeregt, emotional, unsicher oder wütend. Wer gelernt hat, schwierige Gespräche zu führen oder in stressigen Situationen ruhig zu bleiben, bringt dafür bereits eine wichtige Grundlage mit.

2. Der Kopf braucht Ablenkung von Jura

Viele Jurastudierende verbringen ihre Tage zwischen Vorlesungen, Lernplan, Karteikarten und schlechtem Gewissen.

Ein Nebenjob außerhalb der juristischen Fakultät kann dabei überraschend entlastend wirken.

Das klingt zunächst paradox, denn wie soll mehr Arbeit soll entlasten? Aber gemeint ist etwas anderes. Wer nach mehreren Stunden Gutachtenstil noch drei Stunden in einem Café arbeitet oder im Fitnessstudio an der Rezeption sitzt, beschäftigt den Kopf anders. Statt weiterer Definitionen geht es um konkrete Aufgaben, echte Menschen und unmittelbare Ergebnisse.

Diese mentale Abwechslung kann helfen, Abstand zu gewinnen und langfristig motivierter zu bleiben.

Denn gerade im Jurastudium ist Durchhaltevermögen oft wichtiger als kurzfristige Produktivität.

3. Weil du die Jura-Bubble auch mal verlassen darfst

Jurastudierende verbringen viel Zeit mit anderen Jurastudierenden. Da kommt man nicht drum herum, ist aber manchmal auch einfach anstrengend.

Notenvergleiche, Examensdruck, Diskussionen über Schwerpunktbereiche oder die Frage, wer schon wo sein Praktikum gemacht hat. All das kann ungewollt zusätzlichen Leistungsdruck erzeugen.

Ein Nebenjob außerhalb der juristischen Welt schafft einen Gegenpol.

Dort interessiert es meistens niemanden, ob du gerade Deliktsrecht lernst oder im Öffentlichen Recht hinterherhängst. Menschen definieren dich nicht über deine Punktzahl, sondern darüber, ob du zuverlässig bist, freundlich kommunizierst und Verantwortung übernimmst.

Das kann erstaunlich erdend sein.

4. Weil gute JuristInnen Lebensrealitäten verstehen sollten

Juristische Arbeit bedeutet oft, Entscheidungen über Konflikte, Verträge oder existenzielle Probleme anderer Menschen einzuordnen.

Wer ausschließlich in akademischen Räumen unterwegs ist, verliert manchmal den Blick dafür, wie unterschiedlich Lebenswirklichkeiten aussehen.

Ein Nebenjob im Service, im Einzelhandel oder in sozialen Bereichen bringt dich mit Menschen in Kontakt, deren Perspektiven sich stark von der eigenen unterscheiden. Das fördert Empathie, aber auch juristische Sensibilität.

Spätestens wenn einem im Sitzungsdienst in der Strafstation des Refs der oder die erste Angeklagte gegenübersitzt, merkt man, wie sehr die unterschiedlichsten Lebensrealitäten auseinander fallen können.

Gute JuristInnen müssen nicht nur dogmatisch sauber argumentieren, sondern auch die praktischen Auswirkungen von Anträgen und Entscheidungen verstehen.

5. Weil dein Lebenslauf kein Wettbewerb sein muss

Ein Gedanke, der viele Jurastudierende begleitet: „Sieht das gut im Lebenslauf aus?“

Die Wahrheit ist: Dein Lebenslauf muss nicht aussehen wie eine Checkliste aus Großkanzlei-Praktika.

Natürlich können juristische Nebentätigkeiten sehr sinnvoll sein. Wer wissenschaftlich arbeiten möchte oder früh Praxiserfahrung sucht, profitiert davon und auch künftige Arbeitgeber werden dies bestimmt honorieren.

Aber ein Nebenjob im Café, Einzelhandel oder Veranstaltungsbereich macht deinen Lebenslauf nicht schlechter.

Im Gegenteil: Er kann zeigen, dass du organisiert bist, eigenverantwortlich arbeiten kannst und neben einem anspruchsvollen Studium Belastbarkeit bewiesen hast.

Viele Arbeitgeber, insbesondere auch die Justiz achten längst nicht mehr nur auf klassische Stationen, sondern schauen vor allem auch auf Persönlichkeit und soziale Kompetenzen.

Fazit: Vielleicht muss nicht alles nach Jura aussehen

Es gibt nicht den einen Nebenjob für Jurastudierende. Ein juristischer Nebenjob kann sinnvoll sein. Ein nicht juristischer Nebenjob aber ebenso – manchmal sogar viel mehr.

Wenn er dir finanzielle Stabilität gibt, mentale Abwechslung schafft, soziale Kompetenzen stärkt und dich aus der Jura-Bubble herausholt, ist das keine Ablenkung, sondern eine wertvolle Ergänzung.

Vielleicht ist die bessere Frage also nicht: „Passt dieser Job perfekt zum Jurastudium?“, sondern: „Hilft mir dieser Job dabei, langfristig eine gute und belastbare Juristin zu werden?“

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Wie viele Stunden solltest du im Jurastudium täglich lernen? (Und wie viel ist zu viel?)

Kaum ein Thema ist umstrittener im Studium: Wie viel Zeit sollte man mit lernen verbringen? Und wie viel ist zu wenig? Unsere Autorin Stine geht in diesem Beitrag den Mythen rund um die richte Lernzeit auf den Grund.

Du kennst ihn doch auch. Diesen einen Typen in der Bib. 

Er sitzt schon da, wenn du kommst. Und ist immer noch da, wenn du gehst.

Aber du bist nach 5 Stunden nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Ganz egal, wie wichtig die kommende Prüfung oder das Examen ist.

Spoiler: Das ist ganz normal.

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Und der eine Typ in der Bib kämpft höchstwahrscheinlich mit dem gleichen Problem, würde es nur nie zugeben.

Daher stellt sich die Frage: Wie viel Lernzeit ist wirklich effektiv?

Irgendwann ist die Aufnahmekapazität einfach aufgebraucht. Und zwar nicht nach 12 Stunden, sondern bei den meisten deutlich früher. 

Allgemeingültige Aussagen lassen sich zwar nicht treffen, aber Forschungen zur Lern- und Aufmerksamkeitsleistung deuten darauf hin, dass eine effektive Lernzeit bei einem durchschnittlichen Menschen eher im Bereich von 4 bis 6 Stunden netto pro Tag liegt.

Warum nur vier bis sechs Stunden?

Das hat unter anderem einen biologischen Hintergrund. Das menschliche Gehirn arbeitet nicht linear, sondern unterliegt natürlichen Schwankungen in Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit.

In der Psychologie spricht man von kognitiver Ermüdung. Ein Zustand, in dem deine mentale Leistungsfähigkeit messbar sinkt.

Mehr Zeit bedeutet also nicht automatisch mehr Wissen. Oft bedeutet es einfach nur, dass du länger arbeitest, aber weniger effizient aufnimmst.

Je anspruchsvoller die Aufgabe, desto schneller tritt dieser Effekt ein. Das Wiederholen von Karteikarten ermüdet also weniger stark als das Erarbeiten von neuem Stoff. Das sollte man bei seiner Zeitplanung immer beachten. 

Was wirklich funktioniert

Viel wichtiger als die Lernzeit ist das Wie des Lernens.

Forschende zeigen, dass bewusstes, fokussiertes Üben in klar abgegrenzten Zeitblöcken deutlich effektiver ist als stundenlanges, halbkonzentriertes Arbeiten.

Auch aus der Forschung des Psychologen Anders Ericsson wird deutlich, dass hohe Leistungsfähigkeit vor allem durch gezieltes, strukturiertes Training entsteht, nicht durch möglichst lange Anwesenheit am Schreibtisch.

Pausen sind kein Luxus

Pausen fühlen sich oft wie verlorene Zeit an.

Sind sie aber nicht!

Studien zeigen, dass das Gehirn Informationen gerade in Ruhephasen verarbeitet und festigt. Ohne Pausen sinkt daher nicht nur die Konzentration und Motivation, sondern auch die langfristige Speicherung im Gedächtnis, also genau das, worauf es in Prüfungen und letztlich dem Examen ankommt.

Stunden zählen bringt wenig

Daraus folgt, dass das reine Zählen von Lernstunden nur bedingt aussagekräftig ist und in vielen Fällen sogar kontraproduktiv sein kann.

Entscheidend ist nicht die Quantität der Zeit, sondern die Qualität der kognitiven Verarbeitung innerhalb dieser Zeit.

Sinnvoller ist es daher, in klar definierten Lernintervallen zu arbeiten, insbesondere für Aufgaben mit offenem Ende. Methoden wie die Pomodoro-Technik sind so beliebt, weil sie Struktur, Fokus und regelmäßige Pausen fördern. Bei dieser Technik lernst du in festen Intervallen, beispielsweise 25 Minuten und machst im Anschluss fünf Minuten Pause.

Realistisch planen statt vergleichen

Um effektiv zu lernen, ist es von zentraler Bedeutung, die eigene kognitive Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. e

Nur wenn du weißt, wo deine individuelle Aufnahmekapazität liegt, kannst du deine Lernzeit sinnvoll strukturieren.

Auch der Vergleich mit anderen bringt selten viel. Von außen lässt sich nicht beurteilen, ob tatsächlich produktiv gearbeitet wird oder ob lediglich Zeit verbracht wird. Außerdem ist jeder Mensch individuell, für alle funktioniert etwas anderes am besten. 

Fazit

Effektives Lernen bedeutet nicht, möglichst lange durchzuhalten. Es heißt die eigene Energie sinnvoll einzusetzen. 

Gerade für das 1. Staatsexamen muss das Erlernte auch im Langzeitgedächtnis bleiben, abgesessene Stunden reichen also nicht. Durchgemachte Nächte funktionieren also spätestens in der Examensvorbereitung nicht mehr. 

Also organisiere deine Lernalltage anhand deiner individuellen Möglichkeiten und lass dich nicht beirren von dem Typen der vielleicht auch einfach seit acht Stunden Block Blast spielt.

Wie gehst du mit langen Lerntagen um?

Was funktioniert bei dir und was gar nicht?

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Ericsson, K. A., Krampe, R. T., & Tesch-Römer, C. (1993). The Role of Deliberate Practice in the Acquisition of Expert Performance. Psychological Review.

Pashler, H. et al. (2007). Organizing Instruction and Study to Improve Student Learning. Psychological Science in the Public Interest.

Boksem, M. A. S., & Tops, M. (2008). Mental fatigue: costs and benefits. Brain Research Reviews.

Cepeda, N. J. et al. (2006). Distributed Practice in Verbal Recall Tasks. Psychological Bulletin.

10 Dinge, die dir im Jurastudium niemand sagt (aber im Berufsalltag entscheidend sind)

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Du glaubst, im (gefühlt endlosen) Jurastudium alles Wichtige für den Berufsalltag als Jurist zu lernen?

Dann muss ich dich enttäuschen. Hier kommen 10 Dinge, die im späteren Berufsalltag als Jurist/in überraschend viel wichtiger sind, als es im Jurastudium den Anschein hat. Und dazu für den Alltag zweifelsohne nützlicher sind, als zu wissen viele Verträge an der Kasse geschlossen werden. 

1. Prozessrecht

Die Ausschnitte, die man für das Staatsexamen im Zivilrecht, Strafrecht oder Verwaltungsrecht lernt, sind oft oberflächlich. Ohne solide Kenntnisse des Prozessrechts bist du im Berufsalltag schnell verloren. Egal ob als Anwalt, Richterin oder Staatsanwalt. 

2. Mathe

Du hast Jura studiert, um nie wieder rechnen zu müssen? Schlechte Nachrichten: Kostenfestsetzung, Gebührenberechnung oder Buchhaltung. Mathe ist Bestandteil des juristischen Alltages. Und zwar häufiger, als man denkt. 

3. Kommunikation

Nach Jahren im Jura Studium könnte man annehmen, man kommt auch ohne große Kommunikation aus. Die Realität sieht anders aus. Egal ob Mandantengespräch, Verhandlung oder Verständigung. Kommunikation ist im Berufsalltag als Jurist oder Juristin zentral. Ohne klare Kommunikation scheitert es schnell. 

4. Selbstbewusstsein

Sehr viel häufiger, als man denkt, hat man keine Ahnung und muss trotzdem überzeugend wirken. Ob in der Sitzungsvertretung oder im Mandantengespräch. Es darf nur niemand merken. Das Auftreten ist mindestens genauso wichtig Wissen. 

5. Spontanität

Im Studium bestimmst du deinen Tagesablauf selbst. Der Berufsalltag hängt aber von unzähligen Menschen ab, denen ständig was dazwischenkommt. Flexibilität ist also Voraussetzung, um trotzdem produktiv zu sein.

6. Entscheidungen

Im Jurastudium wägt man seitenlang ab. Im juristischen Alltag musst du schnelle Entscheidungen ohne perfekte Informationslage treffen. 

7. Sicherheit

Wenn du im „echten“ Leben so lange sucht, bis eine 100% richtige juristische Lösung hast, suchst du für immer. Es gibt fast immer mehrere vertretbare Ansichten. Es zählt nicht mehr die Meinung des Professors, sondern deine (solange der BGH keine hat). 

8. Steuern und Finanzen

Im Studium spielt das Steuerrecht doch nur sehr selten eine Rolle. Im Alltag schon häufiger. Einkommenssteuer, Selbstständigkeit, Abrechnungen, über all das verliert im Jurastudium niemand ein Wort.

9. Sozialkompetenz

Das Studium bringt dir viel bei, aber garantiert keine Sozialkompetenz. Dabei arbeitest du ständig mit Menschen. Und es hilft enorm, wenn nicht alle innerlich die Augen verdrehen, sobald dein Name auf dem Display erscheint. 

10. Stress

Spaß. Stresserprobt ist man. Es heißt nicht umsonst: „das Staatsexamen ist ein Stresstest“

Das bedeutet aber auch, dass es für den Berufsalltag als Jurist nicht nur auf die Noten aus dem 1. Staatsexamen ankommt. 

Die Hoffnung besteht, also auch ohne 18 Punkte Examen mit den richtigen Fähigkeiten (hervorragende Mathekenntnissen und ausgezeichneten Sozialkompetenzen) deinen Job mehr als nur befriedigend zu erledigen. 

Welche Kompetenz fehlt deiner Meinung nach im Jurastudium? 

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Jura, mein Leben oder Jura und mein Leben? Warum eine gesunde Work-Life-Balance kein Luxus, sondern notwendig ist 

„Jura ist kein Studium, sondern ein Lebensstil“ – Sätze wie diesen hört man oft bereits in den ersten Wochen des Studiums. Gesetzestexte, Hausarbeiten, Praktika, Klausurenphasen und das allgegenwärtige Staatsexamen scheinen schnell den gesamten Alltag einzunehmen. Doch genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Ist Jura mein Leben – oder ist Jura ein Teil meines Lebens? Dieser Frage geht unsere Autorin Sophia im heutigen Blogpost auf den Grund.

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Als ich vor ein paar Tagen wieder einmal dabei war, mir meine tägliche Dosis Social Media Content abzuholen, scrollte ich durch Instagram und das erste Reel, das mir vorgeschlagen wurde startete mit den Worten: „Wisst ihr, was im Jurastudium wirklich underrated ist? Normale Leute, mit denen man eine normale Unterhaltung führen kann, bei der es nicht nur um Jura geht.“ Und irgendwie habe ich mich dabei ertappt, diesen Gedanken auch schon mal gehabt zu haben. Manchmal ist man beim Mittagessen in der Mensa oder bei der Houseparty mit Kommilitoninnen einfach nur dankbar dafür, wenn es mal nicht um Jura geht und ich glaube, so geht es Vielen.

Wenn Jura das ganze Leben bestimmt

Das Jurastudium ist anspruchsvoll und zeitintensiv. Klausuren, Hausarbeiten und das Hinarbeiten aufs Staatsexamen können schnell den gesamten Alltag einnehmen. Freizeit fühlt sich dann wie verlorene Zeit an, Pausen machen permanent ein schlechtes Gewissen, soziale Kontakte und Hobbys geraten in den Hintergrund. Auf Dauer führt dieser Druck jedoch oft zu Erschöpfung und sinkender Motivation, was sich ironischerweise dann eher negativ auf die Lernleistung auswirkt.

Jura UND mein Leben – ein gesunder Ansatz

Eine gesunde Work-Life-Balance bedeutet nicht, weniger engagiert zu sein. Sie bedeutet vielmehr, Jura als wichtigen Teil des Lebens zu sehen, vielleicht sogar als Leidenschaft, aber eben nicht als den einzigen Teil des Lebens. Erfolg im Studium und im Beruf entstehen nicht nur durch lange Lernzeiten, sondern auch durch Konzentration, mentale Stärke und Ausgleich.

Wer regelmäßig Pausen einplant, Sport treibt, Freundschaften pflegt und Zeit für sich selbst nimmt, schafft die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit. Ein Spaziergang, ein Abend mit Freunden oder ein Wochenende ohne Gesetzestexte sind keine verlorene Zeit. Auch auf Urlaube sollte man nicht verzichten, nur weil man Jura studiert. All das sind Investitionen in die eigene Energie und Motivation.

Die Illusion der ständigen Produktivität

In der juristischen Ausbildung herrscht oft das Gefühl, man müsse 24/7 produktiv sein. Lernpläne, Repetitorien und der ständige Vergleich verstärken diese Wahrnehmung. Doch wer kann schon dauerhaft auf Höchstleistung arbeiten? Superhelden vielleicht. Aber das sind wir nicht (auch, wenn manch ein Jurist sich als Superheld sehen mag).

Man sollte sich bewusst machen: Qualität ist wichtiger als Quantität. Vier konzentrierte Lernstunden können oft wertvoller sein als zehn Stunden am Schreibtisch ohne Fokus. Eine strukturierte Planung mit festen Lernzeiten und klar definierten Pausen hilft dabei, produktiv zu bleiben und gleichzeitig gesund zu leben. Und Gesundheit ist meiner Meinung nach das A und O. Das habe ich zum Glück aus meiner Vorbereitung auf’s erste Examen mitgenommen: Ich würde nie wieder Jura über meine Gesundheit stellen. Wenn mein Körper gerade nicht kann, dann zwinge ich ihn auch nicht, nur weil ein Staatsexamen kurz bevor steht.

Grenzen setzen lernen

Ein wichtiger Schritt zu einer gesunden Work-Life-Balance ist es, sich selbst Grenzen setzen zu können. Das bedeutet zum Beispiel:

– feste Lernzeiten statt rund um die Uhr Lernen  

– bewusste Freizeit ohne schlechtes Gewissen  

– realistische Ziele statt Perfektionismus  

– Zeit für Familie, Freunde und Hobbys  

– ausreichend Schlaf und Bewegung  

Grenzen zu setzen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstmanagement und Verantwortung gegenüber der eigenen Gesundheit.

Warum eine Work-Life-Balance gerade für Juristen so wichtig ist

Der juristische Beruf (angefangen mit der Ausbildung) ist langfristig anspruchsvoll – egal ob in Kanzlei, Unternehmen, Verwaltung oder Justiz. Wer schon im Studium lernt, auf sich selbst zu achten, entwickelt wichtige Fähigkeiten für das spätere Berufsleben: Stressmanagement, Belastbarkeit, Zeitmanagement und Selbstfürsorge (und neben der Examensnote werden diese Fähigkeiten für Arbeitgeber immer relevanter).

Eine gesunde Balance sorgt nicht nur für bessere Leistungen, sondern auch für mehr Zufriedenheit und langfristige Motivation. Jura kann ein erfüllender und spannender Lebensweg sein – aber nur, wenn genügend Raum für das eigene Leben bleibt.

Fazit: Jura ist ein Teil deines Lebens – nicht dein ganzes Leben

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob Jura wichtig ist, sondern welchen Platz Jura im eigenen Leben einnehmen soll.  Jura darf fordern, aber es sollte nicht alles bestimmen. Erfolg entsteht nicht durch Selbstaufgabe, sondern durch Balance.

Jura mein Leben oder Jura und mein Leben? Meine Antwort ist klar: Jura und mein Leben. Denn nur wer auch lebt (und ab und zu mal eine Unterhaltung führt, bei der es nicht um Jura geht), bleibt im Jurastudium als auch im Beruf langfristig erfolgreich.

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Künstliche Intelligenz für die Recherche? Wie die KI unsere juristischen Fähigkeiten auf die Probe stellt

In Zeiten, in denen Künstliche Intelligenz juristische Hausarbeiten bestehen soll und juristische Datenbanken beginnen, KI-Tools einzusetzen müssen wir uns fragen: Wie sehr bereichert die KI uns in unserer rechtlichen Recherche wirklich? Verlieren wir durch sie unseren juristischen Scharfsinn? Diesen Fragen geht unsere Autorin Sophia in diesem Beitrag auf den Grund. 

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Eine Zeit vor KI

Ich habe mein Studium abgeschlossen, bevor Künstliche Intelligenz durch die Decke ging. 

Bevor Videos von trampolinspringenden Kaninchen existierten und bevor ich mir ständig die Frage stellen musste, ob das, was ich vor mir habe, nun real oder KI-generiert ist. Um eine Hausarbeit zu schreiben, hatte ich die dürftige Auswahl unserer Bib, die juristischen Datenbanken und Online-Suchmaschinen zur Verfügung. Ich hatte keinen „KI-Buddy“, dem ich den Sachverhalt präsentieren konnte und der mir daraufhin in Sekundenschnelle eine vollständige Falllösung ausspuckte. 

Erst in der Zeit meiner Examensvorbereitung bekam ich in meinem Umfeld mit, dass plötzlich die KI statt Google gefragt wurde, dass man die KI bloß mit ein paar Informationen zu seinem Lerntyp füttern brauchte und diese einem einen vollständigen und personalisierten Erfolgsplan zum Bestehen des 1. Staatsexamens ausspuckte.

Plötzlich konnte durch die Nutzung von KI enorm viel Zeit gespart werden. Innerhalb von Sekunden waren Lernzettel oder Karteikarten geschrieben und man hatte vermeintlich die Antworten auf jede seiner Fragen. 

Ich bemerkte zwar im privaten Bereich, wie künstliche Intelligenz langsam die Google-Suche ablöste, doch bei der Nutzung zur juristischen Recherche blieb ich skeptisch. 

Urteile schreiben mit Hilfe von KI?

Als ich dann Mitte letzten Jahres ins Referendariat startete wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen. Ich sollte plötzlich und ohne viel theoretischen Vorwissens zivilrechtliche Urteile für meinen Ausbilder verfassen. So begann auch ich für die juristische Recherche statt Google, die KI zu fragen. 

Ich war zunächst begeistert darüber, wie schnell sie mir Antworten auf meine Fragen lieferte. Schön übersichtlich, durchnummeriert und mit Beispielen. Doch, wie sagt man so schön? Zwei Juristen – drei Meinungen? Schnell musste ich feststellen, dass die KI nur wahrscheinlichkeitsbasiert die Fähigkeiten eines „zweiten“ Juristen simuliert. Stellt man einfache Fragen wie: „wie lautet die zivilrechtliche Definition zum Schaden?“ ist die KI hilfreich und spuckt ziemlich sicher eine richtige Antwort aus. Fragt man allerdings nach ihrer Einschätzung zu einer rechtlichen Fragestellung, so entwickelt sie hierzu eine Meinung anhand aller Meinungen mit denen sie jemals „gefüttert“ wurde. Sie erfindet Gerichtsurteile, Aktenzeichen und verkauft ihre Meinung, wie es jeder Jurist und jede Juristin tun würde, als die Richtige. 

Ehrlich gesagt bereitete mir die KI irgendwann nur mehr Aufwand als hätte ich direkt selbstständig nach vergleichbaren Gerichtsurteilen und Beschlüssen gesucht. Ständig ertappte ich mich dabei, wie ich eine Frage stellte, daraufhin eine Antwort ausgespuckt bekam und direkt ein Störgefühl in mir hochkam: „hm, stimmt das wirklich so?“ , „ist das nicht eigentlich anders?“, „komisch, würde ich irgendwie anders einschätzen.“

Ein Training für unser Problembewusstsein

Man könnte meinen, die Nutzung von KI lässt uns unseren juristischen Scharfsinn verlieren. Erst neulich las ich von einer Studie, die aufzeigte, wie sehr die Hirnaktivität durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz abnehmen soll. 1

Doch ich bin der Meinung die KI fordert unser juristisches Problembewusstsein bei geschickter Nutzung geradezu heraus. Es ist, als würde man sich mit einem juristischen Gegenüber unterhalten, das seine ganz eigene Ansicht hat. Man darf nur nicht alles glauben, was die KI einem erzählt. Wie gesagt: zwei Juristen – drei Meinungen. Es gibt zu jeder juristischen Fragestellung unterschiedlichste Antworten und wie wir alle wissen „kommt es drauf an“. Die KI mag hier zwar oft inhaltlich keine größere Unterstützung bieten als der Blick in ein höchstrichterliches Urteil. Dennoch fordert sie uns heraus. Sie bringt uns dazu, konkreter zu hinterfragen, schärft unser Problembewusstsein und hilft uns unsere ganz eigene Ansicht zu entwickeln. Und DARAUF kommt es doch an.

Ein positiver Ausblick?

Zugegebenermaßen habe ich die jüngst veröffentlichte KI-Funktionen der beiden großen juristischen Datenbanken noch nicht getestet und kann daher nur von meiner Erfahrung mit den gängigen, kostenlosen KI-Tools sprechen. Ich werde dem Ganzen jedoch mal eine Chance geben und vielleicht wird durch sie die KI-gestützte Recherche ja gerade auf ein ganz neues Level gehoben? Es bleibt also spannend, die Entwicklungen zu verfolgen. Urteile erfinden werden sie zumindest hoffentlich nicht. 😉

Nutzt du Künstliche Intelligenz für die rechtliche Recherche? Teile gerne deine Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema mit uns auf Instagram @goldwaage.jura .

  1. https://www.media.mit.edu/publications/your-brain-on-chatgpt/ ↩︎

Vom ersten Semester bis zum Examen – wie läuft das Jurastudium ab?

Du hast gerade mit dem Jurastudium begonnen und hast trotz diverser Einführungsveranstaltungen keine Ahnung wie das Ganze jetzt abläuft? Oder du bist bereits im Hauptstudium und lebst immer noch von Tag zu Tag ohne einen richtigen Plan zu haben? Mit diesem Beitrag gibt dir unsere Autorin Sophia einen roten Faden an die Hand, damit du in Zukunft den Durchblick hast. 

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1. Die ersten Wochen als StudentIn

In den ersten Wochen gibt es neben dem aufregenden neuen Studentenleben auch ein paar organisatorische Dinge, die du erledigen solltest:

  • Immatrikulation abschließen (inklusive Zahlung des Semesterbeitrags)
  • Uni-Accounts aktivieren
  • Studien- und Prüfungsordnung lesen (ja, wirklich! Hier steht schon ganz viel Wertvolles drin, damit du den Überblick behältst)
  • Stundenplan erstellen (hierfür haben die meisten Unis Musterstudienpläne anhand derer du deinen perfekten Stundenplan erstellen kannst)
  • Herausfinden:

         •       Wie funktioniert die Kurs- und Klausuranmeldung?

         •       Gibt es Anmeldefristen für AGs, VKs oder Tutorien?

         •       Welche Leistungsnachweise sind Pflicht und was ist freiwillig?

2. Grundstudium (1.–4. Semester): Orientierung und Grundlagen

Im Grundstudium lernst du die Basics und legst damit ein wichtiges Fundament für dein Studium. Noch in der Examensvorbereitung oder schließlich in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung wird dir jeder sagen, dass es vor allem auf die Basics und ein gutes juristisches Handwerkszeug ankommt und da haben sie recht.

Inhalte typischerweise:

  • BGB AT, Schuldrecht AT
  • Grundrechte
  • Staatsorganisationsrecht
  • Strafrecht AT
  • Grundlagen des Rechts

Diese Inhalte erarbeitest du dir in den Vorlesungen und den dazugehörigen Arbeitsgemeinschaften (AGs) bzw. Vorlesungsbegleitenden Kolloquien (VKs).

Was du erledigen musst:

  • Kurse & AGs/VKs rechtzeitig anmelden 
  • Leistungsnachweise (Kleine Scheine) erwerben (meist durch Klausuren + Hausarbeiten)

Hier lohnt es sich mal bei Tutoren oder älteren StudentInnen nachzufragen, ob sie AG- oder VK-Leiter empfehlen können. Wenn du dich frühzeitig anmeldest, hast du es außerdem in der Hand, wann deine AG oder dein VK stattfindet und du schaffst es eventuell den Freitag oder Montag für ein langes Wochenende freizuhalten 😎

Zwischenprüfung:

Die Zwischenprüfung wird meist nach dem 3. oder 4. Semester relevant und besteht je nach Uni aus einer bestimmten Anzahl von Klausuren (und Hausarbeiten). An meiner Uni war der Begriff Zwischenprüfung damals z.B. etwas irreführend. Bei uns handelte es sich nicht um eine gesonderte Prüfung, sondern das Ergebnis der Zwischenprüfung setzte sich aus den Ergebnissen der Prüfungsleistungen der ersten vier Semester (Kleine Scheine und Grundlagenschein) zusammen. Auch hierfür lohnt sich wieder ein Blick in die Studien- und Prüfungsordnung deiner Uni.

3. Hauptstudium (5.-7. Semester): Vertiefung und Schwerpunkt

Inhalte typischerweise:

  • Schuldrecht BT
  • Sachenrecht
  • Verwaltungsrecht AT/BT
  • Strafrecht BT
  •  Schwerpunktbereich (z. B. Wirtschaftsrecht, Kriminologie, Europarecht)

Schwerpunktbereich: 

4. Examensvorbereitung: Der Endgegner

Wann anfangen?

  • realistisch ca. ab dem 6./7. Semester
  • Dauer: ca. 12-18 Monate (kann man sehr individuell gestalten)

Optionen:

Was jetzt wichtig ist:

  • Lernplan erstellen
  • Regelmäßig Probeklausuren schreiben
  • Stoff systematisch wiederholen

5. Anmeldung zum Staatsexamen: Formales nicht unterschätzen

Die Anmeldung zum Examen ist verbunden mit viel Papierkram und hier ist es von Vorteil, wenn man bereits während des Studiums alle wichtigen Unterlagen in einem Ordner sammelt und sich erinnert wo man damals das Abizeugnis verstaut hat.

Wann, wie, wo?

  • bis ca. 3 Monate vor den schriftlichen Examensprüfungen
  • meist auf Website des Justizprüfungsamtes (JPA) deines Bundeslandes veröffentlicht
  • in manchen Bundesländern kommt das JPA auch für einen Anmeldetermin vor Ort an die Uni
  • ansonsten postalische Anmeldung unter Zusendung des Antragsformulars und aller erforderlichen Unterlagen (Originale, die du verschickst bekommst du meist nach dem Examen wieder zurückgeschickt – vergewissere dich hierbei aber am besten bei deinem JPA)

Typischerweise benötigte Unterlagen:

  • Leistungsübersichten
  • Leistungsnachweise (Große Scheine, evtl. Fremdsprachen- oder Rhetorikschein)
  • Immatrikulationsbescheinigung
  • Schwerpunktnachweise (falls schon absolviert)
  • Nachweis über Praktika (hier legen die Prüfungsämter oft sehr penibel Wert auf die genaue Anzahl der absolvierten Praktikumstage. Beachte dies also bereits, wenn du dir nach den jeweiligen Praktika diese schriftlich bescheinigen lässt)
  • Abiturzeugnis
  • Tabellarischer oder sogar handschriftlicher Lebenslauf (dieser wird deinem Prüfer bei der mündlichen Prüfung vorgelegt)

6. Nach dem ersten Examen: Kurzer Ausblick

  • Referendariat (Zweites Staatsexamen)
  • Berufsstart
  • Promotion
  • LL.M.

Aber: Eins nach dem anderen 😉

Das Jurastudium wirkt oft chaotisch und unübersichtlich, ist aber mit dem richtigen Überblick gut zu strukturieren. Wer sich mit der Studien- und Prüfungsordnung auseinandersetzt, Fristen und Voraussetzungen im Blick behält und sich rechtzeitig Gedanken über das Examen macht, nimmt sich viel Stress. Wie so oft im Leben es ist außerdem gut, sich einfach mal mit anderen auszutauschen, die vielleicht schon etwas weiter im Jurastudium sind oder das Ganze schon hinter sich haben. 

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Bist du der Imposter? Das Imposter-Syndrom im Jurastudium

„Bald fliegt auf, dass ich eigentlich gar nichts weiß oder kann“ – Ein Gedanke, den viele Jurastudierende kennen und der auch nach dem absolvierten ersten Staatsexamen nicht unbedingt verschwindet. Unsere Autorin Sophia hat das sogenannte Imposter-Syndrom für euch von ganz verschiedenen Seiten beleuchtet.

Wer ist der Imposter? Diese Frage stellt sich aktuell ganz Tik Tok. Aber worum geht es bei diesem Trend?

Mehrere Personen sitzen in einem Raum und erhalten einen Begriff. Runde für Runde nennt nun jeder einen weiteren Begriff, der thematisch mit Diesem verwandt ist.

Doch Vorsicht – eine Person im Raum ist der sogenannte Imposter. Diese weiß nicht, um welchen Begriff es sich handelt. Sie hat schlichtweg keine Ahnung, muss sich dennoch unauffällig verhalten und anhand der bereits genannten Begriffe, einen eigenen nennen, um nicht von der Gruppe als Imposter enttarnt zu werden. 

Aber was ist ein Imposter eigentlich?

Der Begriff Imposter kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt Hochstapler.

Und was hat das Ganze jetzt mit dem Jurastudium zu tun?

Vielleicht hast du schon mal vom sogenannten Imposter-Syndrom oder auch Hochstapler-Syndrom gehört. Laut den EURES (EURopean Employment Services) handelt es sich hierbei um ein Phänomen, bei welchem sich Betroffene trotz ihres (beruflichen) Erfolgs unzulänglich fühlen und das Gefühl haben, ihren Erfolg nicht zu verdienen bzw. nicht so begabt, wie andere zu sein. 

Nina Chuba setzt sich in ihrem Song „Unsicher“ mit eben diesen Gefühlen des Selbstzweifels und der Orientierungslosigkeit von jungen Erwachsenen auseinander. 

Sie singt:

„Ich greife nach den Sternen und wenn ich’s schaff, dann nenn‘ ich’s Glück.“

Und das beschreibt es ziemlich treffend. 

Betroffene des Imposter-Syndroms glauben, ihren Erfolg dem Zufall zu verdanken zu haben und irgendwann als BetrügerIn entlarvt zu werden. 

Vermutlich hast du derartige Gedanken im Laufe deines Studiums auch schon mindestens einmal gehabt.

Kein Wunder – das Jurastudium hat so einiges zu bieten, was dieses Gefühl fördert: 

Die juristische Notengebung. Ständig „leider nur 3 Punkte“ und keine sichtbare Steigerung, umso größere Freude bei 4 von 18 Punkten und das pure Misstrauen gegenüber der eigenen Leistung, wenn plötzlich einmal die 9 Punkte oder mehr unter der Klausur stehen. „Ist das wirklich meine Klausur oder liegt hier ein Fehler vor?“

Auch die Randbemerkungen der Korrektoren wie „Nein“, „Grob falsch“ oder kurz und knapp „???“, sowie kaum Verbesserungsvorschläge fördern das eigene Selbstvertrauen wohl kaum. Ganz im Gegenteil.

Hinzu kommen das enorm hohe Konkurrenzniveau und der ständige Vergleich mit anderen Jurastudierenden. 

Es ist und bleibt nun einmal so: Noten spielen weiterhin eine wichtige Rolle im Hinblick auf die eigene juristische Zukunft (auch wenn Notenanforderungen, beispielsweise für eine Karriere in der Justiz vielerorts zunehmend immer weiter abgesenkt werden). 

Im Studium werden wir ständig allein anhand unserer Noten mit anderen Studierenden verglichen, ob wir es wollen oder nicht. 

Was kannst du also tun, um dem Imposter-Syndrom entgegenzuwirken?

Sprich mit anderen Jurastudierenden. Schnell wirst du merken, diese Gefühle treten früher oder später bei fast jedem von ihnen einmal auf – unabhängig davon, ob sie konstant „gute“ Noten schreiben oder regelmäßig Rückschläge erleben. 

Feiere deine Erfolge also. Und zwar nicht nur die großen. Du hast endlich das eine Problem durchdrungen? Du hast die Zwischenprüfung geschafft? Du hast das erste Mal eine Klausur im Klausurenkurs für’s Examen mit „knapp 4 Punkten“ bestanden? All das sind deine ganz eigenen Erfolge und nicht etwa nur Glück. 

Auch das Gespräch mit Nicht-Juristen hilft oft. Bewegst du dich zu sehr in der Jura-Bubble verlierst du schnell den Bezug zur Realität vor lauter Leistungsdruck. Da hilft es manchmal, durch Freunde oder Bekannte wieder zurück auf den Boden der Tatsachen gebracht zu werden. (Obwohl diese nicht selten selbst im beruflichen Umfeld vom Imposter-Syndrom betroffen sind).

Was mir Persönlich außerdem sehr hilft, ist ein Jahresrückblick. Ich versetze mich in mein Ich von vor einem Jahr hinein und frage mich: Wo stand ich heute vor einem Jahr und was habe ich seitdem eigentlich alles erreicht? Und ich sage dir, da kommt eine ganze Menge zusammen, die man schnell als selbstverständlich abtut. Das Jahr besteht aber aus vielen kleinen und großen Erfolgen, auf die wir stolz sein sollten. Wenn es dir hilft schreib dir diesen Jahresrückblick zusätzlich auf, damit du dir deine Erfolge bei Bedarf immer wieder in Erinnerung rufen kannst. 

Von uns Jurastudierenden wird viel Können erwartet aber egal in welchem Stadium deines Studiums du auch gerade steckst, ruf dir in Erinnerung: du kannst bereits verdammt viel!

Um mit einem weiteren Song-Zitat aus meiner Motivations-Playlist abzuschließen:

„Glück nie verwechseln mit Können aber dein Können niemals anzweifeln.“ (Kontra K – „Erfolg ist kein Glück“)

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Der größte Trugschluss im Studium

Oder: Wie Druck deine Leistung killt

Wir glauben an einen Trugschluss. Viele von uns so sehr, dass sie lieber im Burn-Out enden würden, als ihn zu hinterfragen. Der Gedankengang, von dem ich spreche, lässt sich in eine einfache Formel herunterbrechen: Mehr Stress/Druck = bessere Leistung.

Dass diese Rechnung nicht unbedingt aufgeht, habe ich, wie viele andere, schon selbst erfahren – und ertappe mich dennoch immer wieder dabei, selbst unglaublichen Druck auf mich auszuüben.

Jeder von uns kennt Sätze wie: “Ich kann nur unter Stress gut arbeiten.” 

Tatsächlich gibt es viele wissenschaftliche Studien, die den Zusammenhang von zu viel Druck und schlechten Leistungen beweisen. Eine davon hat meine Einstellung zu Leistungsdruck extrem verändert. 

Es handelt sich dabei um das Yerkes-Dodson-Gesetz. (Einen sehr ausführlichen Beitrag dazu habe ich beim Blog Motiviert Studiert gefunden). Vereinfacht gesagt, haben die Forscher entdeckt, dass Leistung mit zunehmendem Druck nicht immer besser wird, sondern ab einem bestimmten Punkt stetig wieder abnimmt. Die Idee ”Mehr Stress = mehr Leistung” ist also nur bis zu einem bestimmten Punkt wahr – ab dann bewirkt mehr Druck genau das Gegenteil: Nämlich weniger Leistung.

Unsere Aufgabe ist es also, die richtige Balance zu finden. Ein Mindset, das uns gerade so viel stresst, dass es uns anspornt, aber niemals zur Überforderung führt. 

Bei mir persönlich löst der Gedanke an eine Klausur noch keinen Stress aus. Erst wenn ich anfange, extreme Maßstäbe an mich zu setzen (“Das muss ein Prädikat werden”…), entsteht bei mir übermäßiger Druck. Ich weiß also, wie ich das umgehen kann: Statt meinen Fokus auf die Endnote zu setzen, probiere ich mich bestmöglich vorzubereiten. Sodass ich weiß, dass ich alles verstanden haben. Das gibt eine unheimliche Ruhe. Umgekehrt spornt es mich an, zu wissen, dass bald eine Klausur vor der Tür steht. Es motiviert mich, zu lernen und am Ball zu bleiben – ohne jedoch starken Druck auf mich auszuüben.

Falls du also merkst, dass du bereits an einem Punkt bist, an dem der Druck dich nicht mehr anspornt, sondern lähmt, unternimm etwas dagegen! Gönne dir eine Pause, hinterfrage die Ursachen für deinen Druck, mache etwas, das dir Spaß macht – bis du das Gefühl hast, dass der Druck sinkt.