Nebenjob – No Jura Edition: Warum du keinen rein juristischen Lebenslauf brauchst

Wir alle kennen die unausgesprochene Erwartung: Praktika in Kanzleien, Mitarbeit am Lehrstuhl, wissenschaftliche Hilfskraft – möglichst früh möglichst nah am Recht. Wer Karriere machen möchte, soll bereits neben dem Studium juristische Erfahrung sammeln. Aber ist das wirklich immer der beste Weg? Unsere Autorin Sophia beantwortet das mit einem klaren Nein! und verrät in diesem Beitrag, warum.

1. Du lernst eben nicht alles imm Studium

Das Jurastudium vermittelt analytisches Denken, strukturiertes Argumentieren und stärkt die Frustrationstoleranz. Was dabei häufig auf der Strecke bleibt, ist der Umgang mit Menschen außerhalb der juristischen Bubble.

Wer im Café arbeitet, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder im Kundenservice tätig ist, erwirbt soziale Kompetenzen, die später in der juristischen Praxis enorm wertvoll werden: Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Zeit- und Stressmanagement, so wie souveränes Auftreten unter Druck.

JuristInnen arbeiten schließlich nicht nur mit Normen, sondern vor allem mit Menschen.

MandantInnen sind selten klar strukturiert wie eine Examensklausur. Sie sind aufgeregt, emotional, unsicher oder wütend. Wer gelernt hat, schwierige Gespräche zu führen oder in stressigen Situationen ruhig zu bleiben, bringt dafür bereits eine wichtige Grundlage mit.

2. Der Kopf braucht Ablenkung von Jura

Viele Jurastudierende verbringen ihre Tage zwischen Vorlesungen, Lernplan, Karteikarten und schlechtem Gewissen.

Ein Nebenjob außerhalb der juristischen Fakultät kann dabei überraschend entlastend wirken.

Das klingt zunächst paradox, denn wie soll mehr Arbeit soll entlasten? Aber gemeint ist etwas anderes. Wer nach mehreren Stunden Gutachtenstil noch drei Stunden in einem Café arbeitet oder im Fitnessstudio an der Rezeption sitzt, beschäftigt den Kopf anders. Statt weiterer Definitionen geht es um konkrete Aufgaben, echte Menschen und unmittelbare Ergebnisse.

Diese mentale Abwechslung kann helfen, Abstand zu gewinnen und langfristig motivierter zu bleiben.

Denn gerade im Jurastudium ist Durchhaltevermögen oft wichtiger als kurzfristige Produktivität.

3. Weil du die Jura-Bubble auch mal verlassen darfst

Jurastudierende verbringen viel Zeit mit anderen Jurastudierenden. Da kommt man nicht drum herum, ist aber manchmal auch einfach anstrengend.

Notenvergleiche, Examensdruck, Diskussionen über Schwerpunktbereiche oder die Frage, wer schon wo sein Praktikum gemacht hat. All das kann ungewollt zusätzlichen Leistungsdruck erzeugen.

Ein Nebenjob außerhalb der juristischen Welt schafft einen Gegenpol.

Dort interessiert es meistens niemanden, ob du gerade Deliktsrecht lernst oder im Öffentlichen Recht hinterherhängst. Menschen definieren dich nicht über deine Punktzahl, sondern darüber, ob du zuverlässig bist, freundlich kommunizierst und Verantwortung übernimmst.

Das kann erstaunlich erdend sein.

4. Weil gute JuristInnen Lebensrealitäten verstehen sollten

Juristische Arbeit bedeutet oft, Entscheidungen über Konflikte, Verträge oder existenzielle Probleme anderer Menschen einzuordnen.

Wer ausschließlich in akademischen Räumen unterwegs ist, verliert manchmal den Blick dafür, wie unterschiedlich Lebenswirklichkeiten aussehen.

Ein Nebenjob im Service, im Einzelhandel oder in sozialen Bereichen bringt dich mit Menschen in Kontakt, deren Perspektiven sich stark von der eigenen unterscheiden. Das fördert Empathie, aber auch juristische Sensibilität.

Spätestens wenn einem im Sitzungsdienst in der Strafstation des Refs der oder die erste Angeklagte gegenübersitzt, merkt man, wie sehr die unterschiedlichsten Lebensrealitäten auseinander fallen können.

Gute JuristInnen müssen nicht nur dogmatisch sauber argumentieren, sondern auch die praktischen Auswirkungen von Anträgen und Entscheidungen verstehen.

5. Weil dein Lebenslauf kein Wettbewerb sein muss

Ein Gedanke, der viele Jurastudierende begleitet: „Sieht das gut im Lebenslauf aus?“

Die Wahrheit ist: Dein Lebenslauf muss nicht aussehen wie eine Checkliste aus Großkanzlei-Praktika.

Natürlich können juristische Nebentätigkeiten sehr sinnvoll sein. Wer wissenschaftlich arbeiten möchte oder früh Praxiserfahrung sucht, profitiert davon und auch künftige Arbeitgeber werden dies bestimmt honorieren.

Aber ein Nebenjob im Café, Einzelhandel oder Veranstaltungsbereich macht deinen Lebenslauf nicht schlechter.

Im Gegenteil: Er kann zeigen, dass du organisiert bist, eigenverantwortlich arbeiten kannst und neben einem anspruchsvollen Studium Belastbarkeit bewiesen hast.

Viele Arbeitgeber, insbesondere auch die Justiz achten längst nicht mehr nur auf klassische Stationen, sondern schauen vor allem auch auf Persönlichkeit und soziale Kompetenzen.

Fazit: Vielleicht muss nicht alles nach Jura aussehen

Es gibt nicht den einen Nebenjob für Jurastudierende. Ein juristischer Nebenjob kann sinnvoll sein. Ein nicht juristischer Nebenjob aber ebenso – manchmal sogar viel mehr.

Wenn er dir finanzielle Stabilität gibt, mentale Abwechslung schafft, soziale Kompetenzen stärkt und dich aus der Jura-Bubble herausholt, ist das keine Ablenkung, sondern eine wertvolle Ergänzung.

Vielleicht ist die bessere Frage also nicht: „Passt dieser Job perfekt zum Jurastudium?“, sondern: „Hilft mir dieser Job dabei, langfristig eine gute und belastbare Juristin zu werden?“

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Wie ein juristisches Hobby dein Studium bereichert

Ich bin davon überzeugt, dass eine Aktivität neben deinem Studium, die etwas mit Jura zu tun hat, dich wirklich weiterbringen wird.

Vielleicht denkst du dir gerade: Das Studium ist doch schon zeitintensiv genug – wieso sollte ich mich noch in meiner Freizeit juristischen Themen widmen? 

Genau das habe ich mir in meinem ersten Semester auch gedacht. 

Dann habe ich bei einer “Model United Nations” Aktion teilgenommen – und seitdem kann ich mir mein Studium ohne Nebenaktivitäten nicht mehr vorstellen. Über die Jahre habe ich die verschiedensten juristischen „Hobbys“ ausprobiert – und habe folgendes dabei gelernt:

1.Neue Inhalte

Die Auswahl an juristischen Nebentätigkeiten ist groß. Je nachdem, wofür du dich interessierst und was deine Uni anbietet, kannst du dir etwas aussuchen. Klassische Angebote sind:

  • Moot Courts (simulierten Gerichtsverhandlungen)
  • Debattierclubs
  • Studentische Rechtsberatung
  • Model United Nations (simulierte Verhandlung der Vereinten Nationen)
  • Sprachkurse für JuristInnen
  • Auslandssemester
  • Mitwirkung an einer juristischen Zeitschrift
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2.Neue Leute 

Bei diesen Aktivitäten triffst du natürlich neue Leute und kommst ins Gespräch mit KommilitonInnen, die du sonst nur flüchtig aus dem Hörsaal kennst. Das ist nicht nur eine ideale Grundlage neue FreundInnen zu finden, sondern auch Leidensgenossen aus höheren Semestern, die den ein oder anderen Tipp für dich und dein Studium haben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viele der studentischen Vereine auch über ihre Veranstaltungen hinaus Kontakt pflegen und zusammen feiern gehen, Ausflüge machen, etc.

3.Neue Kontakte 

Neben den Teilnehmern an derartigen Veranstaltungen, die meistens StudentInnen sind, gibt es die LeiterInnen – und das sind nicht selten ProfessorInnen oder erfahrene AnwältInnen. Zu denen einen guten Draht zu haben, ist aus vielerlei Gründen vorteilhaft. Oft geben sie in Randbemerkungen wertvolle Tipps für Klausuren, oder Hinweise für Praktika und Nebenjobs.

4. Vorteile im Lebenslauf

Das Nebenaktivitäten bei Bewerbungen gut ankommen, habe ich inzwischen von mehreren ProfessorInnen und ArbeitgeberInnen gehört. Es ergibt ja auch Sinn: Denn ganz gute Noten haben viele Studierende – aber wer sich auch noch nach der Uni mit Jura beschäftigt zeigt, dass er/ sie Durchhaltevermögen hat und sich wirklich interessiert. Noch dazu stichst du natürlich unter anderen BewerberInnen hinaus, wenn du bereits Praxiserfahrungen sammeln konntest oder eine Fremdsprache beherrschst.

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5.Neue Erfahrungen 

Nicht zuletzt machen diese Nebenaktivitäten einfach Spaß und ermöglichen dir neue Einblicke, die du sonst vielleicht nicht bekommen hättest. Ich selbst war im Rahmen von Model United Nations in New York City, habe mir die Stadt angesehen, habe an einer Debatte mit Studierenden aus der ganzen Welt teilgenommen, war im Hauptquartier der Vereinten Nationen, – kurzum, ich hatte eine tolle Zeit.

Solche und andere eindrucksvolle Gelegenheiten gibt es für Jurastudierende vielfach, dennoch trauen sich viele nicht, sie wahrzunehmen. Dabei ist die Teilnahme oft leicht und weniger arbeitsintensiv als gedacht. Fast jede Uni in Deutschland bietet die genannten Aktivitäten für angehende JuristInnen an – alles was du tun musst, ist, zu den Kennlern-Treffen zu gehen

Das Beste an diesen Hobbys ist: Du kannst sie frei gestalten. Du kannst dir selbst überlegen, wie viel Zeit du dem Ganzen einräumst, wie intensiv du arbeitest und vor allem, was du machst.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Du erwirbst bei Nebenaktivitäten nicht nur beeindruckende Zertifikate, sondern ganz viel zusätzliches Wissen, ohne aktiv zu lernen. Das steigert die Motivation im Studium ungemein!

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag ein wenig von meiner Begeisterung teilen. Vielleicht ziehst du es ja in Erwägung, selbst an einer derartigen Aktivität teilzunehmen – zum Glück ist so etwas nie verpflichtend. Du kannst also auch in die verschiedenen Bereiche reinschnuppern und ausprobieren, ob das etwas für dich ist.