8 Anzeichen, dass ein Jurastudium zu dir passen könnte

Du bist gerade mit dem Abi fertig geworden, hast eigentlich ganz gute Noten, aber bist dir nicht sicher, ob ein Jurastudium zu dir passt? In diesem Beitrag versucht dir unserer Autorin Stine die Angst vor dem Studium zu nehmen.

Tatsächlich musst du nicht seit der Grundschule den Wunsch haben, einmal Anwältin oder Anwalt zu werden, um eine gute Juristin oder ein guter Jurist zu sein. Zufallsfunde sind manchmal die besten Funde.

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Du schreibst gerne

Super! Denn das wird dich dein ganzes juristisches Leben begleiten. Ob es die erste Klausur ist, die Prüfung im 1. Staatsexamen oder das erste Urteil: Ständig musst du seitenlange Arbeiten verfassen. Großer Pluspunkt für dich, wenn du dabei auch noch schnell bist.

Du interessierst dich für Politik und gesellschaftliche Zusammenhänge

Keine Grundvoraussetzung, aber Politik und staatliche Abläufe wirst du durch das Jurastudium viel besser verstehen. Wer Jura studiert, lernt nicht nur Gesetze kennen, sondern auch, wie unser Staat und unsere Gesellschaft funktionieren.

Du möchtest später einen Job finden möchtest

Du möchtest etwas studieren, womit man am Ende auch einen Job findet? Dann ist Jura eine vielversprechende Option. Die Arbeitslosenquote von Juristen ist gering1 und das Beste: Du musst dich, anders als bei Lehramt, Medizin oder vielen anderen Studiengängen, vorher nicht auf einen bestimmten Beruf festlegen. Mit der Entscheidung kannst du dir noch ein bisschen Zeit lassen.

Auch finanziell stehen die Chancen nach dem Jurastudium grundsätzlich nicht schlecht. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt ist solide und mit zunehmender Berufserfahrung oft noch deutlich ausbaufähig2. Reich wird natürlich nicht jeder Jurist, aber die Wahrscheinlichkeit, später von seinem Beruf gut leben zu können, ist durchaus hoch.

Die Berufsmöglichkeiten nach dem Jurastudium sind außerdem deutlich vielfältiger, als viele denken. Neben den klassischen juristischen Berufen gibt es zahlreiche weitere Tätigkeitsfelder für Juristen.

Du kannst logisch denken, bist ehrgeizig und diszipliniert

Es ist weniger logisches Denken aus Mathe, Physik und Chemie, sondern eher logisches Denken aus Gedichtanalysen und Sozialkunde gefragt. Denn Jura ist nicht bloßes Auswendiglernen, sondern vor allem Zusammenhänge verstehen und viel in wenige Wörter hineinlesen.

Für mich ist Jura kein Studiengang, der unmöglich zu bezwingen ist. Sicher gibt es Menschen mit einem ausgeprägteren Verständnis oder anderen Fähigkeiten, die ihnen helfen, die Materie schneller und besser zu durchdringen. Grundsätzlich ist das Studium der Rechtswissenschaft aber machbar, wenn man fleißig, ehrgeizig und bereit ist, dranzubleiben.

Das gilt besonders für die Examensvorbereitung. Die hat es in sich und verlangt viel Disziplin, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, auch dann weiterzumachen, wenn man eigentlich lieber alles andere tun würde.

Du brauchst viel Platz für freie Entfaltung

Jura ist so umfassend, dass vermutlich jeder irgendwann seine Nische findet. Ob Strafrecht, Familienrecht, Arbeitsrecht oder Wirtschaftsrecht, die Möglichkeiten sind groß.

Du studierst gerne lange

Mit einem Jurastudium schiebst du einen möglichen Erwachsenenjob so weit von dir weg, wie nur möglich. Die Regelstudienzeit ist deutlich länger als bei vielen Bachelorstudiengängen. Für die meisten bleibt es dabei auch nicht.

Du möchtest die Welt besser verstehen

Das gilt nicht für Naturgesetze. Über diese lernst du nichts. Aber das Leben ist an jeder Ecke durch menschengemachte Gesetze und Normen geprägt. An manchen Stellen ist es von Vorteil, zu verstehen, was hinter den Abläufen steckt.

Du willst niemals von deiner Familie und deinen Freunden vergessen werden

Einen Rechtsrat kann wirklich jeder mal gebrauchen. An dieser Stelle werden deine Freunde und Verwandten an dich denken müssen. So gerätst du nie in Vergessenheit und hast immer eine Gegenleistung zum Tausch für deren Expertise.


Jura ist anstrengend, bringt dich an deine Grenzen und fordert viel von dir. Mach dich darauf bereit, all deine Freunde (die keinen juristischen Weg eingeschlagen haben) bereits Geld verdienen zu sehen, obwohl du noch nicht einmal das Ende des Studiums siehst.

Aber mit Jura hat man wirklich viele Möglichkeiten. Das Jurastudium öffnet nicht nur Tür und Tor zu den klassischen Berufen, an die du vielleicht zuerst denkst. Juristen sind in vielen Bereichen gefragt, weil ihnen ein gutes Grundverständnis, analytisches Denken und eine schnelle Auffassungsgabe zugeschrieben werden.

Leider hängt noch immer viel von der Examensnote ab. Dadurch ist der Druck oft höher als in anderen Studiengängen. Aber lass dich nicht von den ganzen Horrorgeschichten abschrecken. Es hat schon der eine oder andere seine Passion in der Rechtswissenschaft gefunden, von dem das vorher niemand erwartet hätte.

Viel wichtiger ist, dass du Spaß daran hast und im juristischen Bereich einen Job für dich siehst, den du bis zur Rente machen kannst. Bis dahin sind die anstrengenden Studienjahre ohnehin längst vergessen.

Viele Juristen sagen nach dem Studium: „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es nicht gemacht.“

Dem schließe ich mich wahrscheinlich an.

Das heißt nicht, dass ich von einem Jurastudium abraten würde, sondern eher, dass es gut ist, vorher nicht genau zu wissen, was auf einen zukommt. Denn ich habe es gemacht, ich muss es nicht nochmal machen und das Beste: Ich lebe noch!

Und falls du ab Oktober im Hörsaal bist, folge gerne Goldwaage auf Instagram für Überlebenstipps aus dem Jurastudium.


  1. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Berufsgruppen/Generische-Publikationen/2-5-Rechtswissenschaften.pdf?__blob=publicationFile ↩︎
  2. https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/news/traumgehaelter-junganwaelte ↩︎

Wie viele Stunden solltest du im Jurastudium täglich lernen? (Und wie viel ist zu viel?)

Kaum ein Thema ist umstrittener im Studium: Wie viel Zeit sollte man mit lernen verbringen? Und wie viel ist zu wenig? Unsere Autorin Stine geht in diesem Beitrag den Mythen rund um die richte Lernzeit auf den Grund.

Du kennst ihn doch auch. Diesen einen Typen in der Bib. 

Er sitzt schon da, wenn du kommst. Und ist immer noch da, wenn du gehst.

Aber du bist nach 5 Stunden nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Ganz egal, wie wichtig die kommende Prüfung oder das Examen ist.

Spoiler: Das ist ganz normal.

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Und der eine Typ in der Bib kämpft höchstwahrscheinlich mit dem gleichen Problem, würde es nur nie zugeben.

Daher stellt sich die Frage: Wie viel Lernzeit ist wirklich effektiv?

Irgendwann ist die Aufnahmekapazität einfach aufgebraucht. Und zwar nicht nach 12 Stunden, sondern bei den meisten deutlich früher. 

Allgemeingültige Aussagen lassen sich zwar nicht treffen, aber Forschungen zur Lern- und Aufmerksamkeitsleistung deuten darauf hin, dass eine effektive Lernzeit bei einem durchschnittlichen Menschen eher im Bereich von 4 bis 6 Stunden netto pro Tag liegt.

Warum nur vier bis sechs Stunden?

Das hat unter anderem einen biologischen Hintergrund. Das menschliche Gehirn arbeitet nicht linear, sondern unterliegt natürlichen Schwankungen in Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit.

In der Psychologie spricht man von kognitiver Ermüdung. Ein Zustand, in dem deine mentale Leistungsfähigkeit messbar sinkt.

Mehr Zeit bedeutet also nicht automatisch mehr Wissen. Oft bedeutet es einfach nur, dass du länger arbeitest, aber weniger effizient aufnimmst.

Je anspruchsvoller die Aufgabe, desto schneller tritt dieser Effekt ein. Das Wiederholen von Karteikarten ermüdet also weniger stark als das Erarbeiten von neuem Stoff. Das sollte man bei seiner Zeitplanung immer beachten. 

Was wirklich funktioniert

Viel wichtiger als die Lernzeit ist das Wie des Lernens.

Forschende zeigen, dass bewusstes, fokussiertes Üben in klar abgegrenzten Zeitblöcken deutlich effektiver ist als stundenlanges, halbkonzentriertes Arbeiten.

Auch aus der Forschung des Psychologen Anders Ericsson wird deutlich, dass hohe Leistungsfähigkeit vor allem durch gezieltes, strukturiertes Training entsteht, nicht durch möglichst lange Anwesenheit am Schreibtisch.

Pausen sind kein Luxus

Pausen fühlen sich oft wie verlorene Zeit an.

Sind sie aber nicht!

Studien zeigen, dass das Gehirn Informationen gerade in Ruhephasen verarbeitet und festigt. Ohne Pausen sinkt daher nicht nur die Konzentration und Motivation, sondern auch die langfristige Speicherung im Gedächtnis, also genau das, worauf es in Prüfungen und letztlich dem Examen ankommt.

Stunden zählen bringt wenig

Daraus folgt, dass das reine Zählen von Lernstunden nur bedingt aussagekräftig ist und in vielen Fällen sogar kontraproduktiv sein kann.

Entscheidend ist nicht die Quantität der Zeit, sondern die Qualität der kognitiven Verarbeitung innerhalb dieser Zeit.

Sinnvoller ist es daher, in klar definierten Lernintervallen zu arbeiten, insbesondere für Aufgaben mit offenem Ende. Methoden wie die Pomodoro-Technik sind so beliebt, weil sie Struktur, Fokus und regelmäßige Pausen fördern. Bei dieser Technik lernst du in festen Intervallen, beispielsweise 25 Minuten und machst im Anschluss fünf Minuten Pause.

Realistisch planen statt vergleichen

Um effektiv zu lernen, ist es von zentraler Bedeutung, die eigene kognitive Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. e

Nur wenn du weißt, wo deine individuelle Aufnahmekapazität liegt, kannst du deine Lernzeit sinnvoll strukturieren.

Auch der Vergleich mit anderen bringt selten viel. Von außen lässt sich nicht beurteilen, ob tatsächlich produktiv gearbeitet wird oder ob lediglich Zeit verbracht wird. Außerdem ist jeder Mensch individuell, für alle funktioniert etwas anderes am besten. 

Fazit

Effektives Lernen bedeutet nicht, möglichst lange durchzuhalten. Es heißt die eigene Energie sinnvoll einzusetzen. 

Gerade für das 1. Staatsexamen muss das Erlernte auch im Langzeitgedächtnis bleiben, abgesessene Stunden reichen also nicht. Durchgemachte Nächte funktionieren also spätestens in der Examensvorbereitung nicht mehr. 

Also organisiere deine Lernalltage anhand deiner individuellen Möglichkeiten und lass dich nicht beirren von dem Typen der vielleicht auch einfach seit acht Stunden Block Blast spielt.

Wie gehst du mit langen Lerntagen um?

Was funktioniert bei dir und was gar nicht?

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Ericsson, K. A., Krampe, R. T., & Tesch-Römer, C. (1993). The Role of Deliberate Practice in the Acquisition of Expert Performance. Psychological Review.

Pashler, H. et al. (2007). Organizing Instruction and Study to Improve Student Learning. Psychological Science in the Public Interest.

Boksem, M. A. S., & Tops, M. (2008). Mental fatigue: costs and benefits. Brain Research Reviews.

Cepeda, N. J. et al. (2006). Distributed Practice in Verbal Recall Tasks. Psychological Bulletin.