Du bist gerade mit dem Abi fertig geworden, hast eigentlich ganz gute Noten, aber bist dir nicht sicher, ob ein Jurastudium zu dir passt? In diesem Beitrag versucht dir unserer Autorin Stine die Angst vor dem Studium zu nehmen.
Tatsächlich musst du nicht seit der Grundschule den Wunsch haben, einmal Anwältin oder Anwalt zu werden, um eine gute Juristin oder ein guter Jurist zu sein. Zufallsfunde sind manchmal die besten Funde.

Du schreibst gerne
Super! Denn das wird dich dein ganzes juristisches Leben begleiten. Ob es die erste Klausur ist, die Prüfung im 1. Staatsexamen oder das erste Urteil: Ständig musst du seitenlange Arbeiten verfassen. Großer Pluspunkt für dich, wenn du dabei auch noch schnell bist.
Du interessierst dich für Politik und gesellschaftliche Zusammenhänge
Keine Grundvoraussetzung, aber Politik und staatliche Abläufe wirst du durch das Jurastudium viel besser verstehen. Wer Jura studiert, lernt nicht nur Gesetze kennen, sondern auch, wie unser Staat und unsere Gesellschaft funktionieren.
Du möchtest später einen Job finden möchtest
Du möchtest etwas studieren, womit man am Ende auch einen Job findet? Dann ist Jura eine vielversprechende Option. Die Arbeitslosenquote von Juristen ist gering1 und das Beste: Du musst dich, anders als bei Lehramt, Medizin oder vielen anderen Studiengängen, vorher nicht auf einen bestimmten Beruf festlegen. Mit der Entscheidung kannst du dir noch ein bisschen Zeit lassen.
Auch finanziell stehen die Chancen nach dem Jurastudium grundsätzlich nicht schlecht. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt ist solide und mit zunehmender Berufserfahrung oft noch deutlich ausbaufähig2. Reich wird natürlich nicht jeder Jurist, aber die Wahrscheinlichkeit, später von seinem Beruf gut leben zu können, ist durchaus hoch.
Die Berufsmöglichkeiten nach dem Jurastudium sind außerdem deutlich vielfältiger, als viele denken. Neben den klassischen juristischen Berufen gibt es zahlreiche weitere Tätigkeitsfelder für Juristen.
Du kannst logisch denken, bist ehrgeizig und diszipliniert
Es ist weniger logisches Denken aus Mathe, Physik und Chemie, sondern eher logisches Denken aus Gedichtanalysen und Sozialkunde gefragt. Denn Jura ist nicht bloßes Auswendiglernen, sondern vor allem Zusammenhänge verstehen und viel in wenige Wörter hineinlesen.
Für mich ist Jura kein Studiengang, der unmöglich zu bezwingen ist. Sicher gibt es Menschen mit einem ausgeprägteren Verständnis oder anderen Fähigkeiten, die ihnen helfen, die Materie schneller und besser zu durchdringen. Grundsätzlich ist das Studium der Rechtswissenschaft aber machbar, wenn man fleißig, ehrgeizig und bereit ist, dranzubleiben.
Das gilt besonders für die Examensvorbereitung. Die hat es in sich und verlangt viel Disziplin, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, auch dann weiterzumachen, wenn man eigentlich lieber alles andere tun würde.
Du brauchst viel Platz für freie Entfaltung
Jura ist so umfassend, dass vermutlich jeder irgendwann seine Nische findet. Ob Strafrecht, Familienrecht, Arbeitsrecht oder Wirtschaftsrecht, die Möglichkeiten sind groß.
Du studierst gerne lange
Mit einem Jurastudium schiebst du einen möglichen Erwachsenenjob so weit von dir weg, wie nur möglich. Die Regelstudienzeit ist deutlich länger als bei vielen Bachelorstudiengängen. Für die meisten bleibt es dabei auch nicht.
Du möchtest die Welt besser verstehen
Das gilt nicht für Naturgesetze. Über diese lernst du nichts. Aber das Leben ist an jeder Ecke durch menschengemachte Gesetze und Normen geprägt. An manchen Stellen ist es von Vorteil, zu verstehen, was hinter den Abläufen steckt.
Du willst niemals von deiner Familie und deinen Freunden vergessen werden
Einen Rechtsrat kann wirklich jeder mal gebrauchen. An dieser Stelle werden deine Freunde und Verwandten an dich denken müssen. So gerätst du nie in Vergessenheit und hast immer eine Gegenleistung zum Tausch für deren Expertise.
Jura ist anstrengend, bringt dich an deine Grenzen und fordert viel von dir. Mach dich darauf bereit, all deine Freunde (die keinen juristischen Weg eingeschlagen haben) bereits Geld verdienen zu sehen, obwohl du noch nicht einmal das Ende des Studiums siehst.
Aber mit Jura hat man wirklich viele Möglichkeiten. Das Jurastudium öffnet nicht nur Tür und Tor zu den klassischen Berufen, an die du vielleicht zuerst denkst. Juristen sind in vielen Bereichen gefragt, weil ihnen ein gutes Grundverständnis, analytisches Denken und eine schnelle Auffassungsgabe zugeschrieben werden.
Leider hängt noch immer viel von der Examensnote ab. Dadurch ist der Druck oft höher als in anderen Studiengängen. Aber lass dich nicht von den ganzen Horrorgeschichten abschrecken. Es hat schon der eine oder andere seine Passion in der Rechtswissenschaft gefunden, von dem das vorher niemand erwartet hätte.
Viel wichtiger ist, dass du Spaß daran hast und im juristischen Bereich einen Job für dich siehst, den du bis zur Rente machen kannst. Bis dahin sind die anstrengenden Studienjahre ohnehin längst vergessen.
Viele Juristen sagen nach dem Studium: „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es nicht gemacht.“
Dem schließe ich mich wahrscheinlich an.
Das heißt nicht, dass ich von einem Jurastudium abraten würde, sondern eher, dass es gut ist, vorher nicht genau zu wissen, was auf einen zukommt. Denn ich habe es gemacht, ich muss es nicht nochmal machen und das Beste: Ich lebe noch!
Und falls du ab Oktober im Hörsaal bist, folge gerne Goldwaage auf Instagram für Überlebenstipps aus dem Jurastudium.
