Interview: Psychotherapeutin Anna Lübberding

Depressionen im Jurastudium

Anna Lübberding ist Psychotherapeutin und Coach und betreibt eine Praxis in Hamburg. Im Interview hat sie mit uns darüber gesprochen, wie man eine Depression erkennt, wann und wo man sich Hilfe suchen sollte und ob eine Therapie die juristische Karriere negativ beeinflussen kann.

Psychotherapeutin Anna Lübberding

Goldwaage: Das Wort “Depression” wird seit einigen Jahren vermehrt inflationär gebraucht. Woran kann ich erkennen, ob ich selbst eine Depression habe? Und was ist der Unterschied zwischen ein paar “schlechten Tagen” und einer klinischen Depression?

Anna Lübberding: Eine Depression geht eben deutlich über ein paar schlechte Tage mit Traurigkeit hinaus. Es müssen verschiedene Kriterien erfüllt und auch ein gewisser Zeitaspekt vorhanden sein, um von einer Depression sprechen zu können. Depression drückt sich bei Menschen unterschiedlich aus: ein Patient von mir beschrieb es mal, als würde man durch ein verregnetes Fenster auf den grauen Himmel schauen, eine Patientin sagte sie fühle sich wie abgeschirmt von der Umgebung; eine andere, dass ihr alles irreal und sinnlos vorkomme. Auch wenn eine Depression viele Gesichter hat, sind die Symptome einer Depression klar definiert (zu finden im ICD-10 der WHO). Es zeigt sich, dass sich eine Depression sowohl psychisch, körperlich als auch emotional bemerkbar macht. Es gibt drei Hauptsymptome:

  • gedrückte Stimmung/Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, manchmal auch Gefühlslosigkeit
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Verminderter Antrieb mit erhöhter Ermüdbarkeit

Dann gibt es noch eine Reihe an Zusatzsymptome wie verminderte Konzentration, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Schlafstörungen und/oder verminderter Appetit (in selteneren Fällen auch erhöhter Appetit.) Bei Frauen sind Menstruationsbeschwerden keine Seltenheit, bei Männern leidet oft die Libido und damit die Erektionsfähigkeit.

Aufgrund der Vielfalt der individuellen Variationen wird eine Depression manchmal als solche verkannt. Wenn du eine Kombination dieser Symptome über mindestens 14 Tage oder länger bei dir feststellst, sollte das als Anlass dienen, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Goldwaage: Jura ist ein Studiengang, in dem hoher Druck herrscht. Viele psychisch gesunde Studierende stoßen in der Examensvorbereitung an ihre Grenzen und berichten beispielsweise von Angst und chronischem Stress. Als depressive Person ist es ja möglich, diese Erfahrungen wesentlich intensiver wahrzunehmen. Worauf sollte ich also achten, wenn ich trotz Diagnose ein sehr forderndes Studium wähle?

Es ergibt Sinn, sich einmal genauer die Ursachen einer Depression anzuschauen, um diese Frage zu beantworten. Es spielen sowohl innere als auch äußere Faktoren zusammen – genetische als auch psychosoziale Faktoren. Gegen genetische Faktoren wie z.B. ein erhöhtes Risiko an Depression zu erkranken, wenn jemand in der Familie erkrankt ist, können wir wenig machen. Worauf wir allerdings einen Einfluss haben, ist sich frühzeitig behandeln zu lassen – denn je eher wir handeln, desto besser die Heilungschancen.

Um die Faktoren einer Depression besser zu verstehen, hilft es sich das „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“ näher anzusehen. Das besagt, dass alle Menschen psychisch erkranken können, wenn eine gewisse Belastungsgrenze erreicht ist. Man kann sich das wie ein Fass vorstellen, das unterschiedlich schnell zum Überlaufen gebracht werden kann. Manchmal passt viel Wasser hinein (Klausuren, privater Stress, Trennung, Einsamkeit), manchmal weniger. Jeder Mensch ein hat unterschiedliches Fassungsvermögen („Anfälligkeit/Vulnerabilität“), ist also unterschiedlich belastbar. Um die eigene mentale Gesundheit nun bei einem sehr schweren und stressigen Studium, in dem hoher Druck herrscht, zu schützen, gilt es drauf zu achten dieses Fass nicht zum Überlaufen zu bringen.

Hier hilft es den „Energieräubern“ (Belastungen) „Energiegebern“ (Ressourcen) gegenüber zustellen: kurze Mittagspausen mit Freunden, 10 Minuten Meditieren am Tag, kleine Auszeiten, wie ein schneller Spaziergang um den Block, generell Sport (übrigens das beste Antidepressivum, was es auf dem Markt gibt), Auszeiten, Selbstfürsorge etc.

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Oftmals höre ich dann „Ich habe so viel Stress, wie soll ich das noch mit in den Alltag einbringen?“ und dazu erzähle ich immer folgende Geschichte:

Es war einmal ein Holzfäller, der bei einer Holzgesellschaft um Arbeit vorsprach. Das Gehalt war in Ordnung, die Arbeitsbedingungen verlockend, also wollte der Holzfäller einen guten Eindruck hinterlassen. Am ersten Tag meldete er sich beim Vorarbeiter, der ihm eine Axt gab und ihm einen bestimmten Bereich im Wald zuwies. Begeistert machte sich der Holzfäller an die Arbeit. An einem einzigen Tag fällte er achtzehn Bäume. »Herzlichen Glückwunsch«, sagte der Vorarbeiter. »Weiter so.« Angestachelt von den Worten des Vorarbeiters, beschloss der Holzfäller, am nächsten Tag das Ergebnis seiner Arbeit noch zu übertreffen. Also legte er sich in dieser Nacht früh ins Bett.

Am nächsten Morgen stand er vor allen anderen auf und ging in den Wald. Trotz aller Anstrengung gelang es ihm aber nicht, mehr als fünfzehn Bäume zu fällen. »Ich muss müde sein«, dachte er. Und beschloss, an diesem Tag gleich nach Sonnenuntergang schlafen zu gehen. Im Morgengrauen erwachte er mit dem festen Entschluss, heute seine Marke von achtzehn Bäumen zu übertreffen. Er schaffte noch nicht einmal die Hälfte.

Am nächsten Tag waren es nur sieben Bäume, und am übernächsten fünf. Seinen letzten Tag verbrachte er fast vollständig damit, einen zweiten Baum zu fällen. In Sorge darüber, was wohl der Vorarbeiter dazu sagen würde, trat der Holzfäller vor ihn hin, erzählte, was passiert war, und schwor Stein und Bein, dass er geschuftet hatte bis zum Umfallen.

Der Vorarbeiter fragte ihn: »Wann hast du denn deine Axt das letzte Mal geschärft?« »Die Axt schärfen? Dazu hatte ich keine Zeit, ich war zu sehr damit beschäftigt, Bäume zu fällen.«

Das heißt Energie aufladen ist kein „Nice to have“, sondern ein Muss und steigert sowohl unser Wohlbefinden als auch die Effizienz.

Goldwaage: Was kann ich tun, wenn ich von Schuldgefühlen geplagt werde, weil ich z.B. das Gefühl habe, nicht genug zu lernen?

Schuld ist evolutionstechnisch gesehen ein sehr sinnvolles Gefühl. Wir fühlen uns schuldig, wenn wir denken, etwas nicht gemacht zu haben, obwohl wir es machen sollen. Oder wenn wir etwas getan oder gesagt haben, aber glauben, dass wir es nicht tun oder sagen hätten sollen. Wenn wir also, wie in eurem Beispiel, zu wenig gelernt haben, kann die Schuld uns antreiben, mehr für die Uni zu tun – eine Art Wiedergutmachung zu leisten, was für das Studium förderlich ist.

Wenn die Schuld allerdings zum ständigen Begleiter wird, wird es problematisch, denn dann wirkt das Gedankenkarussell blockierend. Es führt dazu, dass wir die Freizeit nicht mehr entspannend erleben, und kann zu Schlafstörungen führen.

Ich finde es in dieser Situation hilfreich festzulegen, was „genug gelernt“ bedeuten soll. D.h. einen klaren Lernplan zu schreiben, der realistisch und machbar ist, in dem Pausen und Puffertage vorkommen, in dem das zu lernende Themengebiet über Wochen aufgeteilt ist und hier Schwerpunkte gesetzt werden. Was ist das nötigste und was würde ich noch lernen falls ich „gut durchkomme“? Klarheit hilft nämlich bei diffusen, unbegründeten Schuldgefühlen Abhilfe zu leisten.

Des Weiteren kann es helfen, mit anderen darüber zu sprechen, um einen kurzen Stopp im Gedankenkarussell einzulegen und sich nicht weiter in quälenden Schuldgedanken zu verfangen. Sei gnädig mit dir, wir sind keine Maschinen, die ständig auf 110 Prozent laufen. Manchmal kommt man eben gut durch, und manchmal nicht.

„Sei gnädig mit dir, wir sind keine Maschinen, die ständig auf 110 Prozent laufen.“

Psychotherapeutin Anna Lübberding

Ich erlebe es auch als hilfreich, sich klar zu machen, dass wir eben verschiedene Bedürfnisse haben, was auch gut und gesund ist. Das kann dann eben bedeuten, dass wir statt zu lernen doch mal mit ins Café fahren – und das darf auch so sein.

Goldwaage: Wie kann ich lernen, mit Niederlagen im Studium umzugehen und resilienter zu werden?

Du hast etwas ausprobiert und es hat nicht geklappt – das passiert eben. Manchmal mühen wir uns ab und dennoch bestehen wir die Klausur nicht. Das kann das Selbstwertgefühl mit voller Wucht treffen.

Ich finde es hilfreich, es anzunehmen und genau zu schauen, woran es gelegen hat. Blackout? Zu wenig gelernt? Das „falsche“ gelernt? Momentan viele andere private Themen? Und je nachdem kann man dann handeln. Wenn du beispielswiese gerade eine Trennung hinter dir hast, dann ergibt es keinen Sinn, sich auch noch wegen einer verpatzen Klausur zu geißeln. Oder vielleicht bist du gerade erst neu in die Stadt gezogen und brauchtest deine Energie, um dich zurecht zu finden und neue Freundschaften aufzubauen. Deine Priorität ist eben nicht immer und nur das Studium. Akzeptanz ist hier das Stichwort.

Es kann auch helfen, sich Erfolge und Stärken aufzuschreiben, um sich noch einmal vor Augen zu führen, dass wir so viel mehr sind als nur diese eine verpatzte Klausur.

Goldwaage: Wenn ich als Studierender vermute, dass ich an Depressionen leide, an welche Stellen kann ich mich wenden?

Die psychologischen Beratungsstellen der Uni sind eine gute Anlaufstelle, um eine erste Orientierung zu bekommen und sind ein kostenfreies Angebot der Universitäten. Alternativ kann man sich auch an andere Beratungsstellen der Diakonie beispielsweise, den sozialen Krisendienst oder an PsychotherapeutInnen wenden.

Goldwaage: Einige Studierende befürchten, Nachteile (z.B. bei Krankenkassen oder im Beruf) zu erhalten, wenn sie sich in Therapie begeben. Was würden Sie diesen Studierenden raten?

Die „Nachteile“ werden bei weiten überschätzt. PsychotherapeutInnen unterliegen der Schweigeplicht. Das bedeutet, dass wir nur Auskunft geben dürfen, wenn wir von dem Hilfesuchenden von der Schweigepflicht entbunden werden, weswegen einige auf Selbstzahlerbasis anfangen. Gesetzlich Versicherte haben keinen Nachteil zu erwarten, da die Krankenkasse niemanden aufgrund von Krankheit ausschließen darf. Des Weiteren sind den Krankenkassen auch nicht die Inhalte der Therapie bekannt, sondern lediglich die Diagnose.

Nachteile kann es manchmal bei dem Wechsel in eine private Krankenkasse geben (Risikozuschlag) oder bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Dabei wird von privaten Krankenversicherungen bei den Gesundheitsfragen ein Zeitraum von 5 bis 10 Jahren abgefragt. Wenn also ein Wechsel in die private Krankenkasse ansteht, ergibt es Sinn, diesen abzuwarten oder eben einen Risikozuschlag zu zahlen. Letzterer sollte eher in Kauf genommen werden, anstatt eine psychische Erkrankung weiter chronifizieren zu lassen.

Bei der Verbeamtung gibt es glücklicherweise seit einigen Jahren eine Beweislastumkehr – man muss also dem Amtsarzt/Ärztin nicht beweisen, dass man arbeitsfähig ist, sondern dieser müsste beweisen, dass die Person aufgrund von einer z.B. depressiven Episode, die vor Jahren geheilt wurde, nicht verbeamtet werden könne. Das ist sehr unwahrscheinlich.

Wir danken Frau Lübberding ganz herzlich, dass sie sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen zu beantworten. Falls ihr mehr von ihr sehen möchtet, schaut unbedingt einmal auf ihrem Instagram Kanal @frag_die_psychotherapeutin_ vorbei.

Klausurtaktik: So bewahrst du einen kühlen Kopf

Mit der richtigen Strategie bestmögliche Ergebnisse erzielen (Teil 2/3)

In Teil 1 dieser Serie rund um eine gelungene Juraklausur haben wir uns damit beschäftigt, wie du dich optimal auf eine Klausur vorbereiten kannst. Heute soll es daher darum gehen, wie du die Klausur am besten schreibst. 

1.Die Zeit davor

Idealerweise sitzt du wach und aufmerksam, nicht aber panisch vor Angst oder komplett übermüdet von kurzfristigem Nachtlernen in der Klausur. Am Abend vor einer Klausur bietet es sich also an, früh schlafen zu gehen. Außerdem kannst du am Abend davor deine Tasche packen, um dir am nächsten Tag einige Minuten zu sparen. Im Regelfall benötigst du in der Klausur deine Gesetze, Klausurpapier und Schmierblätter, Stifte und deinen Studierendenausweis.

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2.In der Klausur selbst

Überlege dir zu Beginn deiner Klausur einen groben Zeitplan für die Bearbeitung. In den zweistündigen Anfängerklausuren habe ich mir meistens 30 Minuten Zeit für die Erstellung einer Lösungsskizze genommen und die übrigen 90 Minuten für die Verschriftlichung genutzt.

Ich persönlich bin in den ersten 30 Minuten immer wie folgt vorgegangen:

  1. Den Sachverhalt lesen, Probleme markieren und Stichworte an den Rand schreiben.
  2. Ordnung in meine ersten Überlegungen bringen und eine Lösungsskizze erstellen.
  3. Die Streitstände grob notieren und wichtige Fachwörter aufschreiben, damit ich sie im Eifer des Gefechtes nicht vergesse.
  4. Zuletzt überprüfe ich: Habe ich alle Beteiligten erwähnt? Habe ich alle Aufgaben beachtet (Rückseite!)? Waren bestimmte Dinge vielleicht gar nicht gefragt (ist durch die Fallfrage die Bearbeitung einer Person oder eines Deliktes ausgeschlossen?)

Diese Routine hat mir auch geholfen, nicht zu nervös zu werden und z.B. stressbedingte Fehler und Blackouts zu vermeiden. Denn ich wusste zu Beginn jeder Klausur ganz genau, was ich als erstes machen würde und war dadurch gelassener.

Dann ist es Zeit für die Ausformulierung. Hierbei gilt natürlich, möglichst sauber zu schreiben, die Seitenzahlen nicht zu vergessen und Formulierungen wie „da“, oder „weil“ unbedingt zu vermeiden.

Falls du einmal in Zeitnot geraten solltest, nutze die letzten Minuten deiner Bearbeitung noch, um stichpunktartig die übrigen Paragrafen zu prüfen. Viele Korrektoren lassen auch das in ihre Bewertung einfließen.

Es ist übrigens keine Schande, eine Klausur vorzeitig zu verlassen. Solltest du einmal früher mit der Bearbeitung fertig sein, oder merken, dass du eine bestimmte Klausur auf keinen Fall bestehen kannst, kannst du den Hörsaal einfach verlassen. Dir ist nicht damit geholfen, zwei Stunden lang auf ein leeres Blatt zu starren.

3.Nach der Klausur

Nach Abgabe der Klausur beginnt oft ein ebenfalls stressiger Part: Die Auswertung durch andere Studierende. Natürlich schadet es nicht, sich auszutauschen. Lass dich im Zweifel aber davon nicht nervös machen.

Relevanter ist die Besprechung mit dem Professor, zu der ich stets empfehlen würde, hinzugehen. Denn sie kann dabei helfen, typische Fehler zu erkennen und zukünftig zu vermeiden.

Was sind deine Tipps für eine gelungene Klausur? Teile sie gerne mit uns auf Instagram @goldwaage.jura.

Vielleicht interessiert dich auch, wie man es schafft ein Prädikatsexamen zu schreiben? Dann ist vielleicht unser Interview mit Arian etwas für dich.

In vier Schritten zur gelungenen Anfängerklausur

Mit der richtigen Strategie bestmögliche Ergebnisse erzielen (Teil 1/3)

Ich bin durch meine allererste Klausur im Studium durchgefallen. Rückblickend war das kein Wunder. Obwohl ich damals der Meinung war, top vorbereitet gewesen zu sein, machte ich vieles falsch. Ich lernte ohne Plan einige Schemata und Definitionen auswendig und hoffte auf das Beste.

Inzwischen bin ich einige Semester weiter und habe eine Strategie entwickelt, mit der ich den relevanten Stoff in der Vorbereitung ausreichend vertieft lerne und meine persönlichen Bestleistungen erzielen konnte.

In diesem Beitrag habe ich probiert, die für mich wesentlichen Bestandteile der Klausurvorbereitung, sowie ein paar Literaturtipps zu sammeln. Der Beitrag soll vor allem die Vorbereitung auf Anfängerklausuren abdecken, ein weiterer Post zum Lernen für Fortgeschrittenenklausuren, sowie dem Klausurschreiben selbst wird in Kürze folgen.

*Disclaimer: Lernen ist ein sehr individueller Prozess. Daher deckt der Blogpost meine eigenen persönlichen Erfahrungen ab, die selbstverständlich von Erfahrungen anderer abweichen können.

Schritt 1: Mache dich mit dem Stoff vertraut

Zunächst solltest du dich mit dem relevanten Stoff auseinander setzen. Für einen guten Einstieg ins Thema bieten sich natürlich die Vorlesungen deiner Uni an. Falls du Vorlesungen verpasst hast oder dir der Lehrstil deiner Dozierenden nicht gefallen sollte, gibt es glücklicherweise auch tolle Angebote online. So findest du z.B. von Prof. Martin Fries ganze Vorlesungsreihen im Privatrecht kostenlos auf Youtube. Noch dazu gibt es eine Fülle an hilfreichen Podcasts online.

Falls Zuhören nicht dein Ding ist, kannst du dich auch ins Thema einlesen. Besonders in den ersten Semestern würde ich persönlich jedoch nicht empfehlen, nur mit Literatur zu lernen. Lehrbücher sind in der Regel extrem umfangreich und machen es schwer, die richtigen Schwerpunkte in der Vorbereitung zu setzen. Hilfreich sind Lehrbücher, wenn sie gezielt genutzt werden, dich vertieft mit einem Thema auseinander zu setzen.

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Schritt 2: Erstelle dir einen Plan

Nimm dir im nächsten Schritt Zeit, einen Lernplan, oder zumindest eine Übersicht mit den relevanten Klausurthemen zu erstellen. Das kostet im ersten Moment etwas Zeit, wird sich im Nachhinein auszahlen, wenn du nicht ins Blaue hinein lernst, sondern strukturiert vorgehen kannst.

In einem älteren Beitrag habe ich bereits erklärt, wie ich für die Anfängerklausuren gelernt habe. Für die Fortgeschrittenenklausuren habe ich meinen Lernplan auf Excel erstellt, um dort meinen Lernfortschritt farblich zu markieren. Einer derartige Planung ist aber wirklich kein Muss, sondern lediglich meine Art, mich vorzubereiten. Vielen Studierenden genügt auch eine ganz normale To-Do-Liste.

Schritt 3: Verschriftliche das Wichtigste

Eine meiner Lehrerinnen sage früher immer „Von der Hand in den Verstand“, wenn wir etwas abschreiben mussten. Damals nervte mich dieser Satz, heute weiß ich, das es stimmt: Was ich einmal aufgeschrieben habe, vergesse ich so schnell nicht mehr. Deswegen würde ich immer empfehlen, dir in einer Art, die dir gefällt, Notizen zu machen. Dabei ist es egal, ob du die nur das wichtigste auf Karteikarten notierst, oder dir eigene ausführlichere Skripte schreibst, Mindmaps erstellst, usw… Hauptsache ist, dass du am Ende eine schriftliche Übersicht über das Thema hast.

Meine Mindmaps für Privatrecht

Schritt 4: Übe was das Zeug hält

Dann heißt es: Üben! All das Zuhören und Aufschreiben hat wenig Sinn, wenn du nicht selbst das Gelernte reproduzierst. Denn das menschliche Gehirn lernt am Besten, wenn wir etwas selbst wiedergeben. In Jura bietet es sich an, Fälle zu lösen.

Es gibt eine Fülle an Fallbüchern. Besonders in den ersten Semestern kann ich empfehlen, kürzere Fälle zu lösen, anstatt sich gleich an langen, schweren Fällen die Zähne auszubeißen. Der Vorteil: Du kannst in kleinen Schritten die wichtigsten Grundlagen und Probleme lernen und dich Stück für Stück an ausführliche Lösungen herantasten.

Buchempfehlung zum Üben [unbeauftragte Werbung]: Die Reihe „Die Fälle“ vom „Fall Fallag“ bietet zu fast jedem Rechtsgebiet Fallbücher. Anhand kleiner Fälle kann man so alle wesentlichen Probleme und Schemata üben und hat ständig kleine Erfolgserlebnisse. Die Bücher richten sich wegen ihres Umfangs besonders an Studierende in niedrigen Semestern, sind aus meiner Erfahrung aber wirklich ein guter Einstieg. Ein weiterer Klassiker der leicht zugänglichen Fallbüchern sind die Bücher von Winfried Schwabe. Diese sind etwas ausführlicher als „Die Fälle“, aber in einem leicht verständlichen Stil gehalten. Sie eignen sich auch für Klausuren in späteren Semestern.

Andere Wiederholungsmöglichkeiten, wie das Karteikartenabfragen, Fälle in Lerngruppen zu besprechen, etc. sind ebenfalls tolle Optionen – aber nicht zwingend notwendig. In der Klausur wird schließlich nur eins erwartet: Dass du im sauberen Gutachtenstil einen Fall löst. Deswegen sollte ein Großteil deiner Vorbereitung der Schritt Nr. 4 sein.

Hat dir der Beitrag geholfen? Dann folge uns gerne auch auf Instagram @goldwaage.jura.

Das könnte dich auch interessieren: „Die richtige Gliederung für die Jurahausarbeit“Sechs Hacks für die Jurahausarbeit“

Warum wir toxische Ehrlichkeit in 2021 lassen sollten

Toxische Ehrlichkeit..? Vielleicht fragt ihr euch, was das nun wieder für eine neumodische Erfindung sein soll. Neumodisch ist daran höchstens die Verwendung des Wortes „toxisch“. Als toxisch – also giftig – werden heutzutage viele Dinge bezeichnet, die als besonders destruktiv wahrgenommen werden.

Das, wovon ich euch jetzt erzähle, ist ein Paradebeispiel für toxisches Verhalten. Gemeint sind Menschen, die unter dem Deckmantel der Ehrlichkeit alle möglichen grausigen Äußerungen von sich geben. Hier ein paar Beispiele, die ich genau so schon gehört habe:

„Du würdest es ja nicht einen Tag lang in dem Beruf aushalten, dir fehlt die Disziplin dafür.“

„Eurer Instagram-Seite werden spätestens nach Weihnachten sowieso alle wieder entfolgen.“

„Du brauchst dich auf die Stelle nicht zu bewerben, da gibt es einen viel besseren Kandidaten, habe ich gehört. Das einzige, was du ihm voraus hättest, ist, dass du eine Frau bist und der Frauenanteil an dem Lehrstuhl bei Null liegt.“

on pexels.com by Anna Shvets

Wenn ich so etwas höre, ist meine intuitive Reaktion immer die Schockstarre. Ich versuche zu begreifen, wie man es sich erlauben kann, so etwas von sich zu geben. Wie soll man überhaupt auf Kritik reagieren, die einem gar keine Chance auf Verbesserung einräumt, sondern nur zusammenfasst, dass man eh versagen und es zu nichts bringen wird?

Reagiert man entsetzt oder gar wütend, schützen sich solche Menschen mit den Worten „Ich bin doch nur ehrlich. Das war doch nicht böse gemeint.“ oder in feinster Gaslighting-Manier mit „Das war doch nur ein Scherz. Sei mal nicht so zartbesaitet. Ich kann nichts dafür, wenn du so ein Sensibelchen bist“.

Äußerst hilfreich soll außerdem folgende Gegenfrage sein „Mit welchem Ziel teilst du mir das mit?“. Sie wirkt zum einen wie ein Spiegel und zum anderen hat sie durchaus das Potenzial dazu, einen Menschen zu entlarven. Die Reflektierten unter den Dreisten werden nach dieser Frage ins Stottern kommen und vielleicht Einsicht zeigen; mit dem Rest braucht man nicht zu diskutieren.

In vielen Fällen glaube ich sogar, dass die Aussage nicht primär böse gemeint war. Einige Menschen setzen sich zu wenig mit ihren unbewussten Impulsen auseinander und hinterfragen zu selten, warum genau sie sich so gefühlt oder so etwas gesagt haben. Wenn man lange genug nach der Ursache sucht, findet man sie auch. Vielleicht war es Frust, vielleicht war es Missgunst, weil man selbst in letzter Zeit nicht zufrieden mit sich selbst war. Oder vielleicht war es ja wirklich nur gut gemeint und man hat es unglücklich formuliert.

Heute bereue ich, mich damals tatsächlich von der dritten Aussage verunsichern lassen zu haben und mich nicht beworben zu haben. Nicht, weil ich so gerne dort gearbeitet hätte, sondern aus Prinzip. Ich möchte nicht Teil einer Gesellschaft sein, die anderen Menschen Steine in den Weg legt und sie in ihrer Entwicklung ausbremst. Ich möchte nicht in zwei Jahren eine der Ursachen dafür sein, dass jemand ein Projekt nicht begonnen hat, weil ich die Person entmutigt habe.

Das, was ich als wahr und ehrlich erachte, kann aus einem anderen Standpunkt heraus gesehen auch vollkommener Unsinn sein.

Aber wie soll man denn nun seine Meinung äußern dürfen, ohne dass sie als „toxisch ehrlich“ gilt? Zunächst könnte man sich fragen, welche Reaktion man sich auf die Aussage eigentlich erhofft. Möchte man wirklich nur helfen und einen kleinen Tipp geben? Dann kann man diesen auch freundlich und aufgeschlossen formulieren und idealerweise auch gute Aspekte nennen, bevor man jemanden mit zu viel Kritik erschlägt. Aber auch dann sollte man immer im Blick haben, dass nicht alles, was gedacht wird, auch gesagt werden muss.

In den meisten Fällen möchten Menschen nämlich gar nicht die Meinung anderer hören. Und wenn doch, dann fragen sie danach.

Abschließen will ich mit einem alten, aber dennoch hochaktuellen Zitat aus dem Kinderfilm „Bambi“:

„Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, soll man den Mund halten.“

Der große Goldwaage.jura Jahresrückblick

Diese Themen haben euch und uns beschäftigt

Was. Für. Ein. Jahr.

Mit dem Ende des Jahres 2021 ist auch das erste Jahr von Goldwaagejura.com vorbei. Und – das müssen wir an der Stelle natürlich sagen – wir können gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. 

So vieles ist in diesem Jahr auf dem Blog passiert. Deswegen haben wir für euch ein paar Highlights (und ein Lowlight) in diesem Beitrag gesammelt. 

Am meisten geklickt wurde unser Beitrag “Jura abbrechen – Ja oder Nein”, direkt gefolgt von “Die richtigen Quellen für eine Jura Hausarbeit”. Unser Blog wird übrigens von Google als erstes gelistet, wenn man “Jura abbrechen?” sucht. Wir sind uns nicht sicher, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Da wir beide aber nach wie vor Jura studieren, nehmen wir das einfach positiv.

2021 hatten wir außerdem die Ehre, unser allererstes Interview auf Goldwaagejura.com zu führen. Und zwar mit den tollen Anwältinnen der Kanzlei Köslich und Dunker.

Danach haben wir noch mehr Lust auf Interviews mit spannenden JuristInnen bekommen, und promt Arian ausgefragt, wie er ein Prädikatsexamen geschrieben hat, Aurelio zum Thema “Legal Tech” gelöchert, uns bei Max und Daniel zu ihrer Gründung von Lexoni erkundet und die Gründerinnen von Legally Female zu ihrem Netzwerk für Frauenförderung interviewt.

Das meist gelikte Bild auf Instagram war, abgesehen von den Gewinnspielen, die sich großer Beliebtheit erfreut haben, der Beitrag “Sechs Mindsets gegen Prüfungsangst”.

Sehr haben wir uns auch darüber gefreut, dass auch einige GastautorInnen 2021 bei uns etwas veröffentlicht haben. 

Robert hat uns erklärt, wie spannend die Arbeit bei einer studentischen Law Review ist, Friederike hat von ihren Erfahrungen bei einem MootCourt berichtet, Ida hat uns von ihren Erfahrungen aus dem ersten Semester Jura erzählt und Erik hat für uns eine Rezension im Legal Bookclub geschrieben.

Zum Ende des Jahres wurden wir von der lieben Feli (@beyourbestlawstudent) in ihren Podcast eingeladen und haben mit ihr über mentale Gesundheit im Studium gequatscht. Wir waren zugegeben etwas aufgeregt und noch dazu ohne Mikrofon unterwegs, aber vielleicht habt ihr ja trotzdem Lust, mal reinzuhören.

In unserer Rubrik “Legal Bookclub” hat euch am meisten “Inside Strafverteidigung – Advokaten des Bösen” von Burkhard Benecken und Hans Reinhardt interessiert.

Wo wir gerade beim Legal Bookclub sind. Am wenigsten interessiert hat euch 2021 der Beitrag “Thinking like a lawyer”. Es ist zugegeben auch trockene Materie und noch aus dem Jahr 2020 – also haben wir dafür vollstes Verständnis …

Natürlich interessiert uns auch 2022 eure Meinung. Was fandet ihr bisher auf dem Blog gut? Wovon würdet ihr mehr lesen und was könnten wir auch getrost sein lassen? Schreibt uns gerne eine Mail oder auf Instagram @goldwaage.jura .

Interview: Legally Female

Den Monat Dezember nutzen wir dazu, euch neue StartUps und Vereine im juristischen Bereich vorzustellen. Heute freuen wir uns darüber, euch Legally Female zu präsentieren.

Legally Female wurde von Ann-Kathrin Ludwig, Marcelina Puchalski und Felicitas Famulla ins Leben gerufen. Die drei haben sich zum Ziel gesetzt, ein Netzwerk für angehende Juristinnen zu gründen, in dem der vorurteilsfreie Austausch über das Studium und Karriereoptionen im Vordergrund steht.

Goldwaage: Wer steckt hinter Legally Female und wie kamt ihr auf die Idee, das Netzwerk zu gründen?

Legally Female: Wir sind drei Gründerinnen – Ann-Kathrin Ludwig, Marcelina Puchalski und Felicitas Famulla. Ann-Kathrin hatte seit Jahren den Wunsch, Legally Female zu gründen und hierbei andere Juristinnen auf dem Weg zum Erfolg zu unterstützen. Hierbei hat sie sich Marcelina Puchalski, die bereits zweifach erfolgreich gegründet hat und Felicitas Famulla, welche seit Jahren neben ihrer juristischen Tätigkeit im Social Media Bereich tätig ist, ins Boot geholt.

Die Idee kam aus der langjährigen beruflichen Erfahrung in diversen Kanzleien und anderen juristischen Tätigkeiten, wo wir gemerkt haben, wie sehr wir selbst dazu neigen, uns zu wenig zuzutrauen und unsere Leistungen nicht objektiv zu bewerten und dass Förderung meistens erst dann ermöglicht wird, wenn man bereits objektive Kriterien für diese aufweist.  

Marcelina Puchalski, Ann-Kathrin Ludwig und Felicitas Famulla

Goldwaage: Was sind die Hauptziele eures Projekts?

Gemeinsam wollen wir die Förderung angehender Juristinnen ohne Wenn und Aber ermöglichen. Wir glauben fest daran, dass die Rechtswissenschaft starke Juristinnen braucht und wollen den juristischen weiblichen Nachwuchs ermutigen, ihr Potential vollkommen auszuschöpfen. 

Natürlich ist es beeindruckend, wenn juristischer Nachwuchs gute Noten, spannende Lebensläufe und beeindruckende Praktika und erste Berufserfahrungen aufweisen kann. Wir wollen von diesen objektiven Kriterien jedoch nicht die Förderungsmöglichkeit abhängig machen und für die Bildungsgleichheit kämpfen. Es ist für uns gerade nicht Voraussetzung, einen beeindruckenden Lebenslauf und herausragende Noten aufweisen zu können, sondern wir wollen mit der Förderung frühzeitig beginnen – ab dem ersten Semester. Dadurch soll kein Potential verloren gehen und dem entstehenden Förderbedarf Rechnung getragen werden. 

Goldwaage: Wie sieht eine Förderung durch euch konkret aus? Angenommen man ist Jurastudentin im ersten Semester und meldet sich bei euch – wie geht es dann weiter? 

Unsere Förderung beruht auf drei Grundsäulen.

Die Hauptsäule ist das LF (Legally Female) Mentoring.
Zunächst bewirbt sich eine potentielle Mentee bei uns per E-Mail. Daraufhin wird ein kurzes, unbürokratisches Vorstellungsgespräch geführt, um zu schauen, ob eine etwaige Zusammenarbeit persönlich passt. Das Grundkonzept von Legally Female ist kostenlos und unbürokratisch. Durch die Informationen aus dem Bewerbungsverfahren führen wir ein passendes Pairing mit einer geeigneten Mentorin durch und geben beiden einen Mentoring-Leitfaden mit an die Hand. Zudem veranstalten wir eine Einführungsveranstaltung – sowohl für Mentorinnen als auch Mentees, damit die Eckpfeiler des Programms transparent umrissen werden. Aus der persönlichen Mentorin-Mentee-Beziehung halten wir uns aber natürlich heraus, um ein Safe-Space-Networking zu gewährleisten. Sollte es aus irgendeinem Grund Probleme geben, stehen wir natürlich immer als Ansprechpartner parat.

Ansonsten wird es noch das LF Developing und LF Networking geben.

Im Rahmen des LF Networking bieten wir einen Safe-Networking-Space im Rahmen einer geschlossenen Linked-In Gruppe, wo ein vertrauensvoller Austausch über sensible Themen und ein regelmäßiger Austausch mit inspirierenden Persönlichkeiten stattfindet.

Im Rahmen des LF Developing veranstalten wir – teils kostenpflichtige – Workshops mit spannenden Speakern, die nicht nur Mentorinnen und Mentees, sondern allen offensteht.

Goldwaage: Wie schafft ihr es, jeweils euren Hauptberuf und eure Firma unter einen Hut zu bringen? 

Bisher klappt das noch ganz gut,  weil wir alles auf die Wochenenden, frühen Morgenstunden und späten Abendstunden legen. Unsere Hauptjobs sind nicht von Legally Female betroffen, obwohl wir durch unsere Arbeitgeber sehr viel Unterstützung erfahren.

Goldwaage: Durch die gemeinsame Arbeit an Goldwaage wissen wir, dass es manchmal kompliziert ist, bei allen Abläufen Rücksprache zu halten und immer die Meinung des anderen einzuholen. Wie koordiniert ihr euer Unternehmen zu dritt? Habt ihr fest zugewiesene Arbeitsbereiche?

Da wir noch ganz am Anfang stehen, läuft das Ganze bisher ausschließlich unter uns dreien durch E-Mails und Whatsapp ab. Dadurch stehen wir täglich in engem Austausch und sind auch privat eng verbunden.  

Goldwaage: Wo seht ihr Legally Female in der Zukunft?

Legally Female soll die Rolle der Frau in der Rechtswissenschaft stärken und einen umfassenden Überblick über die möglichen Berufsbilder in der Juristerei bieten. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt und bereiten uns bereits auf die ersten Präsenzveranstaltungen und -workshops vor.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Ann-Kathrin, Marcelina und Felicitas bedanken und wünschen ihnen noch viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Visionen in der Zukunft.

Falls ihr Legally Female weiter mitverfolgen wollt, gelangt ihr hier zum dazugehörigen Instagram-Account.

Free Template: Semesterplaner

Planung ist das halbe Jurastudium – deshalb haben wir auch schon das ein oder andere Mal auf dem Blog darüber berichtet.

Heute haben wir ein Template für euch, das die Planung eurer Semester erleichtern kann. Die Anwendung ist super leicht: In die linke Spalte trägst du die Semesterzahlen. Dabei kannst du in deinem aktuellen Semester beginnen, oder auch bereits vergangene Semester mit aufnehmen.

In den gelben Kasten schreibst du deine Ziele, Klausen und Fächer auf die du dich in dem jeweiligen Semester besonders fokussieren willst. In die weiße Zeile darunter kannst du deine Pläne und To-Dos für die Semesterferien eintragen. Hier ist also z.B. Platz für geplante Praktika, Hausarbeiten und Urlaube.

Der Planer bietet Platz für vier Semester. Falls du weit im Voraus planen möchtest, drucke dir das Dokument einfach zwei Mal aus. So kannst du vier weitere Semester planen.

Eine ausführliche Anleitung, wie du dein Studium optimal planen kannst, findest du hier.

Interview: Aurelio Diamanti von DisrUPt Law e.V.

Aurelio Diamanti ist Jurastudent in Heidelberg und hat sich schon zu Beginn seines Studiums für technische Innovationen im juristischen Bereich interessiert. Im Sommer 2020 gründete er den Verein DisrUPt Law e.V., um ein Angebot zu schaffen, bei dem sich Studierende zum Thema Legal Tech austauschen und weiterbilden können.

Wir haben mit ihm über Digitalisierung, die Gründung eines studentischen Vereins und die Zukunft des Rechts geredet.

Goldwaage: DisrUPt Law ist ein studentischer Verein, der sich mit Legal Tech beschäftigt. Was ist denn eigentlich Legal Tech? Aurelio: Legal Tech per se ist noch nicht richtig definiert. Wir schließen uns der gängigsten Definition an, dass es darum geht, juristische Arbeitsprozesse durch Nutzung der Digitalisierung und moderner Technologien zu rationalisieren und der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen.

Das kann so aussehen, dass ich als Anwalt die Digitalisierung nutze, um meine Dienstleistungen der Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen. Das geht zum Beispiel, indem ich einen Vertragsgenerator erstelle. Oder mithilfe von Chatbots, die MandantInnen nutzen können, um erste Fragen abzuklären und ein besseres Bild zu bekommen. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist FlightRight

Legal Tech kann auch so aussehen, dass eine Großkanzlei große Mengen an Vertragsdaten analysiert, um die besten Klauseln für künftige Verträge zu finden. Legal Tech ist also die Digitalisierung der juristischen Arbeit selber.

Wie bist du darauf gekommen, den Verein zu gründen? Ich habe schon früh im Studium gemerkt, dass Apps und ein gewisses Verständnis von Technik den Studienalltag unheimlich vereinfachen können. So habe ich schon 2019 Kommilitonen gezeigt, wie man digital lernen kann, zum Beispiel mit digitalen Karteikarten. Zeitgleich war ich bei einem Legal Tech Start-Up in in Heidelberg für ein Praktikum. Dort habe ich sehr viel zu Legal Tech mitbekommen, da auch der Gründer sehr aktiv in der Szene ist. Insgesamt habe ich gemerkt, dass im Bereich der Digitalisierung allgemein und im Legal Tech-Bereich sehr viel passiert.

Die Digitalisierung birgt viel Potenzial für Studierende: Sowohl für das Studium als auch für die beruflich Zukunft. Aber es gibt im juristischen Studium eigentlich kaum etwas dazu.

Im Februar 2020 habe ich dann gesehen, dass es Legal Tech Initiativen an anderen Unis gibt. Da dachten einige Kommilitonen und ich: warum nehmen wir das als Studierende nicht einfach selbst in die Hand und schaffen einen Rahmen, in dem sich Jurastudierende mit der Digitalisierung auseinandersetzen können?

Was genau macht ihr bei DisrUPt law? DisrUPt law ist eine Vereinigung von Studierenden jeglichen Wissenstands im Bereich Digitalisierung, die selber mehr über die Digitalsierung (des Rechts) lernen wollen, erlangtes Wissen schon im Studium anwenden möchten und andere Studierende für die Themen der Zukunft begeistern möchten. Es war von Anfang an klar, dass wir sowohl Leute abholen wollen, die schon viel Wissen mitbringen wollen, als auch Leute, die gar kein Hintergrundwissen mitbringen. 

Dort können Studenten sich einerseits fachlich mit der Materie der Digitalisierung im Recht allgemein auseinandersetzen, aber auch mit der sich verändernden Rechtspraxis, in der sich die Sachverhalte mehr und mehr ändern. Vor allem wollen wir durch Veranstaltungen Studierenden die Möglichkeit geben, sich mit der Digitalisierung und Legal Tech auseinander zu setzen und sich in dem Bereich aktiv weiterzubilden. 

Hierdurch schließen wir die Lücke, die momentan zwischen juristischer Praxis und einer immer digitaler werdender Gesellschaft auf der einen Seite und der juristischen Ausbildung auf der anderen Seite besteht. Denn durch disrUPt können (Jura-)Studierende sich schon im Studium in der Digitalisierung des Rechts weiterbilden, ohne irgendwo Mitglied sein zu müssen oder Geld zu bezahlen.

Ihr sitzt in Heidelberg. Kann man bei euch auch mitmachen, wenn man woanders studiert?  Der Stamm und die meisten Mitglieder sitzen in Heidelberg. Aber wir arbeiten digital, einige unserer Mitglieder sind derzeit auch im Ausland oder leben außerhalb von Heidelberg. Deshalb ist unser Credo: Jeder in ganz Deutschland kann mitmachen. Das geht ja dank der Digitalisierung. Wir haben vereinzelt Präsenzveranstaltungen, bei denen wir versuchen, dass die Mitglieder von außerhalb in Heidelberg untergebracht werden. Wir sehen das als Bereicherung, dass Mitglieder dabei sind, die nicht aus Heidelberg kommen. Hierdurch können alle den eigenen Horizont erweitern.

Wo siehst du DisrUPt law in der Zukunft? Wir haben es in den letzten Jahren schon ganz gut etabliert, Wissen an Studierende heranzutragen. Ein Meilenstein war unsere erste “Akademie” mit dem Oberthema “Alternative Karrierewege für Juristen und Juristinnen”, bei der es verschiedenen Seminare gab, um tiefgreifendes Wissen im Bereich Unternehmertum, Gründung von (Legal Tech) Start-Ups und der Arbeit als Legal Engineer zu vermitteln. Im Zentrum stand die Frage, welche Möglichkeiten für Juristinnen außerhalb des klassischen Anwaltsberufes gibt. Die AbsolventInnen erhalten auch ein Zertifikat, auf dem die Experten, die wir eingeladen haben, die Teilnahme bestätigen.

Unser nächstes Ziel ist, neben der Wissensvermittlung – die kostenlos und für alle zugänglich bleiben soll – das Gelernte auch aktiv anzuwenden. Hier erarbeiten wir gerade ein Konzept mit Unterstützung aus der Praxis, von dem ich aber noch nicht zu viel berichten darf.

Und wo siehst du die Zukunft des Legal Techs Ich bin der Auffassung, dass wir noch ganz am Anfang sind, auch wenn Legal Tech sehr viele Fortschritte macht. Obwohl es schon viele Initiativen dazu deutschlandweit gibt, merkt man, diplomatisch ausgedrückt, eine gewisse Technologie-Ferne, die gerade noch im juristischen Studium und juristischen Berufen besteht. 

„Bisher merkt man die Tendenz noch sehr stark: Jurastudierende – Buch, Stift, Papier, andere Studierende – Laptop und moderne Apps.“

Aurelio Diamanti

Bisher merkt man die Tendenz noch sehr stark: Jurastudierende – Buch, Stift, Papier, andere Studentierende – Laptop und moderne Apps. Selbstverständlich bringen andere Studiengänge auch andere Herausforderungen als das Jurastudium mit sich, die technologischer Lösungen bedürfen. Aber auch der klassiche Jurastudierende kann von Technik profitieren. 

Deshalb sehe ich in den nächsten Jahren einen großen Mentalitätsshift, einfach durch die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bringt. 

Dazu kommt eine gewisse Öffnung in der Rechtsausbildung, indem zum Beispiel mehr Materialien gut zugänglich sind. Dadurch wird das Rechtswissen der Allgemeinheit und auch den Studierenden besser zugänglich, was ich sehr begrüße. Aber ich sehe auch eine große Entwicklung, dass schon existierende Rechtspraktiker sich sehr viel weiterbilden müssen, um die komplexen Probleme der Zukunft zu verstehen. Um zum Beispiel künstliche Intelligenz, Blockchain und alles was damit einhergeht zu verstehen, reicht es nicht nur, Grundlagenwissen zu haben. Dafür wird es Juristen brauchen, die sich tief mit Technologie auskennen und einerseits das Recht anwenden können und andererseits das Recht schaffen können, um den Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden. 

Auch im Rechtsmarkt sehe ich einiges an Wandel. Aus meiner subjektiven Perspektive gibt es eine junge Generation an heranwachsenden AbsolventInnen, die einen gewissen Schwung in die Praxis bringen werden. 

Zusammenfassend sehe ich einen ganz großen Transformationsprozess in unsere Gesellschaft und auch speziell im juristischen Bereich. Und dieser Transformationsprozess birgt natürlich für jeden Jurastudierenden eine Chance. Deshalb würde ich auch jeden Jurastudierenden ermutigen, sich mehr mit Technologie und Digitalem auseinandersetzen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Aurelio für das spannende Interview. Mehr zu DisrUpt Law findet ihr auf der Website und auf Instagram @disrupt_law.

Wie schreibe ich ein Prädikatsexamen?

Ein Interview mit Arian Birth

Diesen Monat hatten wir die Chance, Arian Birth zu interviewen.

Er ist 23 Jahre alt, kommt aus Stralsund und hat sein Jurastudium an der Universität Greifswald mit einer zweistelligen Note abgeschlossen.[1] Seinen Schwerpunkt legte er in „Europarecht und Rechtsvergleichung“ ab und absolvierte zusätzlich ein Auslandssemester in Lund, Schweden.

Wir sind sehr froh darüber, dass wir ihm eure vielen Fragen zu seinem Examen stellen durften, die ihr uns über Instagram zukommen lassen habt. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Arian, vielleicht fangen wir ganz vorne an: wie kamst du überhaupt dazu, Jura zu studieren?

Ich habe tatsächlich vor dem Jurastudium ein Semester lang BWL studiert, aber das war mir zu mathelastig. Danach musste ich mich umorientieren und habe überlegt „Eigentlich interessierst du dich sehr für gesellschaftliche Themen, Politik, Wirtschaft.“ Ich wollte etwas studieren, bei dem ich das Gefühl hatte, das größere Ganze überblicken zu können und da schien mir Jura eine gute Wahl zu sein. Außerdem fand ich Jura sehr praxisbezogen, da man von Tag eins an Dinge lernt, die man auch in seinem Alltag gut gebrauchen kann.

Wie waren deine Noten im Studium?

Am Anfang mittelmäßig. In meiner ersten Hausarbeit hatte ich 4 Punkte. Bis zur Zwischenprüfung hatte ich so meine Startschwierigkeiten. Je mehr ich aber gelernt und verstanden habe, desto besser wurden auch die Noten.  

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, abzubrechen?

Ich glaube jeder von uns hat sich diese Frage schon gestellt, und nicht nur ein Mal (lacht). Es gab häufiger Zeiten, gerade in Richtung der großen Scheine, in denen ich mich überfordert gefühlt habe und mich gefragt habe „Warum mache ich das hier überhaupt?“. Auch in der Examensvorbereitung gab es Momente, die schwierig waren, aber ich bin einfach drangeblieben. Das war auch sehr gut so, denn irgendwann kommt immer eine gute Note in einer Probeklausur, die einen weiter motiviert. 

Hast du in Regelstudienzeit studiert?

Ja, ich habe nach neun Semestern mein Examen geschrieben. Ich hatte Glück, dass ich relativ schnell durch die Übungen kam und nichts wiederholen musste. Dazu muss ich aber auch sagen, dass meine Examensvorbereitung vergleichsweise kurz war. 

Wie lang war deine Examensvorbereitung?

Ich kam damals aus dem Auslandssemester und wollte gerne möglichst schnell fertig werden, da das permanente Lernen schon sehr anstrengend war. Ich habe mir deshalb einen Examenstermin herausgesucht, der für mich machbar wirkte und das war dann der für April 2021. Ich habe mir quasi bis Weihnachten eine Frist gesetzt, bis zu der ich mich endgültig entscheiden musste, ob ich zum Examen antrete und wollte diese Entscheidung dann von den Ergebnissen der Probeklausuren abhängig machen. Im Endeffekt habe ich mich acht Monate lang intensiv auf das Examen vorbereitet. Dazu muss ich sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon vieles ausgearbeitet hatte und fast die gesamte Zeit nur zum Lernen nutzen konnte. Ich habe versucht, mir so viel wie möglich während der großen Übungen an Wissen anzueignen, um dann später eine gute Grundlage für die Examensvorbereitung zu haben.

Hast du digitale oder analoge Notizen benutzt?

Ich habe alles auf eigenen Karteikarten notiert. Im ersten Semester hatte mir eine Seminarleiterin zu Karteikarten geraten und diesen Rat habe ich dann befolgt. Dazu hatte ich noch extra Definitionskarteikarten, das müssten allein schon mindestens 350 gewesen sein… 

Digitale Notizen waren nicht meins, da ich die Karteikarten gerne in der Hand halte beim Lernen. 

Wie war deine Lernroutine im Examen? 

Ich habe morgens mit 20 Minuten Definitionenlernen angefangen. Danach habe ich eine Lösungsskizze für einen Fall erstellt und die Skizze dann mit der Musterlösung abgeglichen. Den Rest des Tages bin ich dann meine Karteikarten durchgegangen: also Schemata, Streitstände, etc. Insgesamt habe ich pro Tag ca. acht Stunden lang gelernt, mit zwischenzeitlichen Pausen.

Hattest du einen Lernplan?

Die Lernpläne, die ich z.B. im Internet gefunden habe, waren alle nicht auf die kurze Zeitspanne ausgelegt, in der ich mich vorbereitet habe. Daher habe ich mir als eigenen Lernplan festgelegt, dass ich jede Woche alle Stoffgebiete bearbeite, sodass ich im Stoff bleibe. Zwei bis zweieinhalb Tage die Woche habe ich mich mit Zivilrecht beschäftigt, dann zwei Tage mit öffentlichem Recht und ca. einen Tag mit Strafrecht. Samstags habe ich Probeklausuren im Examensklausurenkurs meiner Universität geschrieben, insgesamt waren es vielleicht 15 Probeklausuren.

An einem Tag in der Woche war ich beim Öffrecht-Repetitorium meiner Uni, aber ich habe kein privates Repetitorium besucht. Öffentliches Recht war eigentlich nie meine Stärke, daher brauchte ich da mehr Input als in den anderen Fächern. Den Rest des Stoffs habe ich mir über Bücher mehr oder weniger selbst beigebracht, da ich nicht der Typ für Vorlesungen war. Einen Tag in der Woche habe ich mir komplett frei genommen.

Eine Lerngruppe hatte ich nur für den Schwerpunkt, aber nicht für das Examen selbst.

Ich habe inhaltlich in der Examensvorbereitung ganz bewusst mit BGB AT gestartet und habe nicht erst bei den Spezialgebieten angefangen zu lernen, um die Themen wirklich von Grund auf zu verstehen. 

Was Lernpläne angeht, muss man da wirklich schauen, dass man für sich einen individuellen Lernplan erstellt und nicht danach schaut, was von irgendjemand anderem vorgegeben wurde.

Welche Materialien kannst du empfehlen (Bücher, Zeitschriften, Skripte)?

Ich habe viel mit den Übungsklausuren der JuS gearbeitet, die haben mir gefallen. Mit dem Klausurenfinder habe ich mir dann speziell Klausuren zu den Themengebieten herausgesucht, die ich gerade bearbeitet habe. Die ZJS fand ich auch sehr gut, die Zeitschrift ist online frei abrufbar. Dort sind wirklich extrem anspruchsvolle Klausuren dabei – wer die gut lösen kann, braucht vor dem Examen wirklich keine Angst zu haben. Was Bücher angeht, habe ich viel mit den Büchern aus dem Nomos-Verlag gearbeitet. Das Nomos-Lehrbuch von Faust zum BGB AT kann ich z.B. sehr empfehlen. 

Spezielle Probleme habe ich in der Examensvorbereitung gerne im Kommentar nachgelesen, am liebsten im Beck-Onlinekommentar, da er sehr verständlich geschrieben ist und man darauf so einfach zugreifen konnte.

Was war dein Lieblingsrechtsgebiet?

Ich habe sehr gerne Europarecht gemacht. Ansonsten war Zivilrecht mein Lieblingsgebiet. 

Was würdest du im Rückblick anders machen und was hat gut funktioniert?

Rückblickend hätte ich vielleicht ein bis zwei Monate länger für das Examen lernen können, da es schon eine stressige Zeit war. Insgesamt war aber meine Lernstrategie auf mich persönlich optimal zugeschnitten und ich war mit dem Ergebnis so weit zufrieden.

Was aber gut funktioniert hat, war es, mir ca. alle fünf bis sechs Wochen die gesamten Karteikarten in dem jeweiligen Rechtsgebiet anzuschauen und zu wiederholen. Wenn man das nicht tut, vergisst man den Stoff leider sehr schnell.

Wie waren die letzten Wochen vor dem Examen für dich?

In den letzten zwei Wochen habe ich versucht, nichts mehr für Jura zu machen und mir die Dinge nur noch einmal im Kopf zurechtzulegen und zu ordnen. Ich war kaputt und hatte das Gefühl, dass wenn ich mir nicht endlich mal die Zeit nehme, um runterzukommen und mich mental auf die Situation vorzubereiten, dass es dann schiefgeht. Ich glaube, wenn man bis zum letzten Tag noch lernt, ist man zu nervös und im Kopf nicht frei genug für die Klausur. Ich habe mich dann mit ein paar Freunden getroffen, habe ausgeschlafen und Netflix geschaut. Das hat mir wirklich sehr geholfen. 

Hattest du die Erwartungshaltung, ein Prädikatsexamen zu schreiben?

Natürlich wünscht man sich das… Ich wollte das gerne schaffen. Ich hatte auch ein paar gute Probeklausuren geschrieben. Dadurch wusste ich, dass es theoretisch möglich wäre, so ein Ergebnis zu erzielen. Ich wusste aber auch, dass meine Vorbereitung sehr kurz war und viel an Normalität und Präsenz an der Uni durch Corona weggefallen war. So ca. acht Punkte insgesamt waren vorher mein Ziel. Hätte ich das nicht geschafft, hätte ich vermutlich die Möglichkeit genutzt, mich zu verbessern, da das ja mein Freiversuch war. 

Mit welchem Gefühl bist du in die Examensklausuren reingegangen?

Vor der ersten Klausur waren wir natürlich alle sehr nervös. Ich habe mir gedacht „Oh Gott, wie wird das hier wohl heute?“. Man kennt die Situation einfach nicht und kann sie auch im Kopf vorher nicht durchspielen. Letztendlich versteht man erst, wie es ist, wenn man selbst dort gesessen hat. Ich habe versucht, mich darauf zu besinnen, dass meine Probeklausuren ganz gut gelaufen sind und dass ich sehr viel gelernt habe. Ich hatte eine ganze Zeit lang vor der endgültigen Anmeldung zum Examen das Gefühl „Ich weiß nicht genug. Das wird jetzt nichts…“ – das war eigentlich das viel schlimmere Gefühl. Als ich mich dann dazu entschieden hatte, anzutreten, war ich relativ entschlossen, dass das jetzt irgendwie klappen muss. Ich wollte einfach nur noch, dass es endlich losgeht.

Wie ging es dir nach der letzten Klausur?

Die letzte Klausur war wirklich nicht schön, ich war dort sehr in Zeitbedrängnis. Als ich dann aus dem Raum rausging, habe ich gemerkt, wie die komplette Anspannung von mir abgefallen ist. Ich hatte danach so ca. drei Wochen lang nicht viel mit Jura zu tun, sondern war viel unterwegs und habe meine Familie und Freunde besucht; also alles nachgeholt, was ich in der Zeit davor nicht geschafft habe. 

Wie geht es jetzt beruflich für dich weiter?

Ich habe mich dafür entschieden, erst einmal an der Universität Greifswald zu bleiben und arbeite als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Schinkels am Lehrstuhl. Ich bin gerade dabei, meine Doktorarbeit im Internationalen Privatrecht vorzubereiten. Wahrscheinlich wird es für mich langfristig in Richtung Anwaltschaft gehen. Aber meine Pläne für die Zukunft würde ich noch als entwicklungsoffen beschreiben.

Welchen Tipp möchtest du unseren LeserInnen abschließend geben?

Fürs Examen würde ich den Tipp geben, dass man sich nicht zu sehr verunsichern lassen darf von dem, was andere machen. Man muss für sich selbst herausfinden, was für einen gut funktioniert und was nicht. 

„Ich habe gelernt, dass man nie alles können kann. Und davon darf man sich nicht entmutigen lassen.“

Das ist ganz wichtig. Was ich außerdem für das persönliche Leben empfehlen kann: ich würde probieren, wenigstens an einem Tag in der Woche ein bisschen Abstand von Jura zu bekommen und etwas anderes zu machen. Man darf sich nicht verrückt machen lassen von dem, was andere sagen oder was man so liest.

Erstsemestern kann ich nur empfehlen, irgendwo mit dem Lernen anzufangen und einfach weiterzumachen. So banal es klingen mag, aber man sollte immer dranbleiben, egal wie es gerade läuft. 

 

An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal bei Arian für seine Zeit und die vielen Antworten, die er uns gegeben hat. Einen Instagram-Post zu dem Interview findest du unter @goldwaage.jura, wo du uns gerne einen Kommentar hinterlassen kannst. 


[1] Seine genaue Examensnote möchte Arian nicht veröffentlichen, aber da wir ihn persönlich kennen, können wir seine Leistung bestätigen.

Trotz Lernstress bei Laune bleiben? – Meine sechs Tipps

Vielleicht kennst du das: die ersten Wochen des Semesters verlaufen entspannt und ohne viel Lernaufwand. Bis du plötzlich in den Kalender schaust und siehst, bis zur nächsten Klausur sind nur noch wenige Wochen Zeit. (An unserer Uni schreibt man die Klausuren übrigens während des Semesters, im Abstand von einigen Wochen)

Früher hat mich das wahnsinnig nervös gemacht, ständig Deadlines und Prüfungen im Hinterkopf zu haben und schlagartig viel Zeit in der Bibliothek zu verbringen. 

Das führte oft zu Stress und Folgeerscheinungen, wie Kopfschmerzen, Verspannungen und nicht selten innerer Unruhe. 

Während der letzten Semester möchte ich behaupten, habe ich jedoch eine Routine entwickelt und einige Kniffe gelernt, die Prüfungsphasen um einiges leichter machen. Diese möchte ich heute mit dir teilen. 

1. Gut planen Setze dir am Anfang der Woche realistische Ziele und notiere feste Lern- und Pausenzeiten in deinen Kalender. So überlässt du nichts dem Zufall und hast, wenn du die eine Auszeit nimmst, kein schlechtes Gewissen. 

2. Ein großer Wocheneinkauf  Es gibt wenig, was meine Stimmung so schnell kippen lässt, wie ein leerer Magen. Nach einem langen Tag in der Bibliothek nach Hause zu komme und nichts zu Essen im Kühlschrank zu finden ist für mich ein absoluter Albtraum.

Deswegen mache ich in arbeitsintensiven Zeiten gerne einen großen Wocheneinkauf (und wenn ich ganz besonders ambitioniert bin, koche ich sogar schon ein Gericht vor). So muss ich mir nach getaner Arbeit nicht noch den Kopf darüber zerbrechen, was ich koche oder mir zum dritten Mal in der Woche einen Döner holen. 

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3. Top Drei des Tages  Den Tipp habe ich aus einem Podcast von Mia Keller, der Betreiberin des Erfolgsblogs Kochkarussel. Ihr Produktivitätshack ist so einfach wie genial. Statt ellenlangen To-Do-Listen notierst du dir täglich deine Top Drei Dinge, die du erledigen möchtest. Das sind sozusagen die Pflichtübungen, alles was du darüber hinausgehend machst ist Kür. 

Ich nutze diese Technik jetzt seit einigen Wochen und bin so viel motivierter und produktiver. Denn durch diese überschaubare Menge an Aufgaben bist du nicht schon morgens gehemmt, überhaupt anzufangen und hast auch einen Schutzmechanismus, der dich vor Überarbeitung bewahrt. 

4. Schöne Dinge einplanen  Auch wenn du einen vollen Stundenplan hast – vergiss nicht, dir täglich Zeit für ein paar schöne Erlebnisse zu nehmen. Triff Freunde, lies ein gutes Buch, schau einen Film, mach einen Spaziergang, …. Das ganze muss weder teuer noch zeitintensiv sein: Schon eine gemütliche Mittagspause mit KommilitonInnen, eine halbstündige Auszeit im Park oder einem Café können aus einem stressigen einen erholsameren Tag machen. 

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5. Genug schlaf Zugegeben, das ist wirklich kein Geheimtipp… Aber obwohl wir alle wissen, wie essentiell guter Schlaf für die Gemütslage und die Konzentrationsfähigkeit sind, neigen viele von uns dazu, Schlaf als erstes zu vernachlässigen, wenn viel ansteht. Dabei ist nichts frustrierender, als kaputt in der Bibliothek zu sitzen und den gleichen Satz zum vierten Mal zu lesen, weil einem vor Müdigkeit die Augen zufallen. Also: arbeite lieber ein, zwei Stunden weniger, dafür aber im wachen Zustand. 

6. Fortschritt festhalten Notiere dir in regelmäßigen Abständen, was du schon geschafft hast. Durch die Fülle des Lernstoffs verliert man in Jura schnell den Überblick über all die Dinge, die man schon verstanden und gelernt hat. Es schadet deshalb nicht, regelmäßig zum eigenen Cheerleader zu werden und sich selbst vor Augen zu führen, wie weit man es schon geschafft hat.

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