Legal Bookclub: Der Richter und sein Henker

Ein Kriminalroman von Friedrich Dürrenmatt [Unbezahlte Werbung]

Die Geschichte spielt, anders als der Titel vermuten lässt, nicht in einem Gerichtssaal, sondern rund um ein Polizeirevier in Bern in der Schweiz.

Als dort ein junger Polizist tot aufgefunden wird, macht sich der Kriminalkommissar Bärlach auf die Suche nach dem Täter, zusammen mit seinem Kollegen Tschanz.

Die Geschichte nimmt eine unvorhergesehene Wendung, als die beiden auf einen Geschäftsmann namens Gastmann stoßen, denn viele Spuren deuten auf ihn als Täter hin. Doch nichts ist so eindeutig in “Der Richter und sein Henker”, wie es auf den ersten Blick scheint und die Trennlinie zwischen Tätern und Opfern wird immer unschärfer.

Dürrenmatt behandelt in dieser kurzen Geschichte mit seinem prägnanten und manchmal fast minimalistischen Stil verschiedenste Themen. Neben der Jagd nach Verbrechern geht es um alte Rivalitäten, Krankheit und Selbstjustiz.

„Dann waren Sie der Richter, und ich der Henker“, keuchte der andere.

„Es ist so“, sagte der Alte.

„Und ich, der ich nur Ihren Willen ausführte, ob ich wollte oder nicht, bin nun ein Verbrecher, ein Mensch, den man jagen wird!“

Friedrich Dürrenmatt in „Der Richter und sein Henker“

Ich persönlich habe mich etwas von dem Titel des Buchs leiten lassen und mit einer weitaus Jura-lastigeren Geschichte gerechnet. Dennoch hat mich die kurze Erzählung zum Nachdenken gebracht: Geht es bei Bestrafungen von Verbrechern um den Schutz der Bevölkerung, oder vielmehr um das eigene, sehr subjektive Gefühl von Gerechtigkeit?!  

Legal Bookclub: Der Vorleser

Ein Roman von Bernhard Schlink [unbezahlte Werbung]

Diesen Monat habe ich ein etwas anderes Buch für den Legal Bookclub gelesen. „Der Vorleser“ beginnt zunächst mit einer verbotenen Liebe, entpuppt sich jedoch rasch als ernstes Werk, das sich auch mit den Schicksalen der Opfer und Täter des Nationalsozialismus auseinandersetzt.

Der Autor Bernhard Schlink analysiert als ehemaliger Richter und Professor für Öffentliches Recht, aber vor allem als sehr genauer Beobachter, einen NS-Prozess mit seinen emotionalen und juristischen Facetten.

„Daß einige wenige verurteilt und bestraft und daß wir, die nachfolgende Generation, in Entsetzen, Scham und Schuld verstummen würden – das sollte es sein?“

Bernhard Schlink über die Erinnerungskultur und den Generationenkonflikt
Eine Geschichte über Liebe, Schuld, Verantwortung und Gerechtigkeit

Am meisten fasziniert hat mich die ungewöhnlich tiefe und unerschütterliche Liebe des Protagonisten zu seiner Partnerin. Eine Verbindung, die sich keiner Zeit, keinem Ort und keiner Lebenslage beugt.

Insgesamt ist der Roman keine leichte Lektüre, aber eine, die zum Nachdenken anregt, an Verdrängtes erinnert und an Bestehendem zweifeln lässt.

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Neun Empfehlungen Jura zu lernen, ohne zu lernen

Du willst dich neben deinem Studium noch über juristische Themen auf dem Laufenden halten? In diesem Post stellen wir dir neun Möglichkeiten vor, bei denen du etwas lernst, ohne an den Schreibtisch gefesselt zu sein. 

I. Jura zum Hören

Sprechen wir über Mord?!

In Sprechen wir über Mord von SWR2 bespricht Journalist Holger Schmidt, zusammen mit Prof. Thomas Fischer – ganz genau, der ehemalige Richter am BGH – Kriminalfälle aus Deutschland. Das Tolle: Hier trifft sorgfältige Recherche auf eine juristische Expertenmeinung. Thomas Fischer erklärt sehr verständlich komplexe strafrechtliche Themen und gewährt spannende Einblicke in den Richteralltag.

Kurzerklärt

Was passiert, wenn ein Jurastudent und Wirtschaftsstudent einen Podcast aufnehmen? Genau das haben sich wohl auch Basti und Kourosh gefragt – heraus kam Kurzerklärt. Ein Podcast, in dem die beiden sehr konkrete Studieninhalte erklären, spannende Interviews führen und auch mal über eigene Prüfungserfahrungen quatschen. Dadurch, dass die beiden verschiedene Fächer studiert haben, ist der Podcast besonders interessant – denn so sind die beiden gezwungen, dem Gegenüber abstrakte Themen möglichst einfach zu erklären, was das Hören nicht nur einfach, sondern wirklich unterhaltsam macht. 

#Fußnote

Prof. Martien Fries, der derzeit in München lehrt und Anwalt Dr. Dominik Herzog beantworten in #Fußnote Fragen rund ums Studium. Dabei schaffen es die beiden, ihre Begeisterung für die Rechtswissenschaften zu teilen, wichtige Tipps zu geben – und das ganze auch noch ziemlich humorvoll. Am Ende jeder Folge stellt Prof. Martin Fries außerdem zwei aktuelle Gerichtsentscheidungen aus dem Zivilrecht vor, sodass man auch fachlich etwas für sich mitnehmen kann. 

FAZ Einspruch

Die Redakteure Constantin van Lijnden und Corinna Budras haben beide selbst Jura studiert und sprechen im wöchentlichen Podcast FAZ Einspruch über aktuellste Gerichtsentscheidungen. In regelmäßigen Abständen laden sie Interview-Gäste ein und befragen hochrangige Juristen zu viel-diskutierten Themen.

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II. Jura zum Lesen

Legal Tribune Online (LTO)

LTO ist ein Online-Magazin, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, über aktuelle politische und juristische Nachrichten Bericht zu erstatten. Zudem findest du hier regelmäßig Beiträge zu Karriere, Beruf und Jurastudium

FAZ Einspruch

Neben dem Podcast gibt es FAZ Einspruch auch noch als Print, beziehungsweise Online-Medium. Auch hier gibt es aktuelle Berichterstattung rund um die Justiz, sowie Beiträge zu Beruf und Ausbildung. 

Jurios 

Du suchst nach ein wenig Abwechslung zwischen den ernsten Jura-Nachrichten? Dann schau mal auf der Website von JURios vorbei. JURios ist ein Online-Magazin, dass über kuriose, skurrile und brisante Meldungen aus der Justiz berichtet. Wusstest du zum Beispiel, dass einem Mieter das Mietverhältnis fristlos gekündigt werden kann, wenn er in Verdacht steht, den Vermieter getötet zu haben? Wir wissen es jetzt – dank JURios.

Newsletter des BGH und BVerfG 

Wenn du Informationen aus erster Hand suchst, kannst du auch die Newsletter des BGH oder des BVerfG abonnieren, um immer die aktuellsten Pressemitteilungen direkt per E-Mail zu erhalten. 

The Hip-Hop-Law Journal

Hiphop und Jura zusammen? Das geht, beweisen die Blogger von The Hip-Hop-Law-Journal. Auf ihrem Blog berichten sie von Nachrichten aus der Rap und Jura-Welt und greifen dabei zB Themen wie den Strafprozess des Rappers Bushido auf. Besonderes Highlight: Auf ihrem Instagram Kanal teilen sie regelmäßig Eselsbrücken, die juristische Streitstände durch Songtexte erklären.

Du suchst nach Literatur, die mit Jura zu tun hat? Du willst Klassiker lesen, die keine Lehrbücher sind? Dann schau mal in unserer Rubrik Legal Bookclub vorbei.

Legal Bookclub: Der Fall Collini

Ein Roman von Ferdinand von Schirach [unbezahlte Werbung]

“Der Fall Collini” zieht einen schnell in seinen Bann. Der Protagonist,Caspar Leinen, ein junger Anwalt aus Berlin, übernimmt ein Mandat und ahnt noch gar nicht, welche Abgründe sich in dessen Verlauf auftun werden.

Sein Mandant, Fabrizio Collini, schein vollkommen willkürliche einen alten Geschäftsmann ermordet zu haben. Der Anwalt und die Staatsanwaltschaft können sich aus den Beweggründen für die Tat keinen Reim machen, bis Leinen seine Recherche beginnt. Dabei stößt er auf die dramatische Vergangenheit seines Mandanten, die seine Tat in einem ganz anderen Licht dastehen lassen, 

“Jahrelang hatte er seinen Professoren zugehört, er hatte Gesetze und ihr Auslegung gelernt, er hatte versucht, den Strafprozess zu begreifen – aber erst heute, erst bei seinem eigenen Antrag begriff er, dass es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes ging: den geschundenen Menschen” 

Ferdinand von Schirach in „Der Fall Collini“

Das Buch streift nicht nur dramatische Entwicklungen der deutschen (bzw. nationalsozialistischen) Rechtsgeschichte, sondern thematisiert auch auf unaufdringliche Weise den Verlauf eines Strafprozess. Von Schirachs Schreibstil ist schlicht und markant. Der Autor schafft es, komplette strafrechtliche Themen in eine packende Geschichte zu bauen. 

Ferdinand von Schirachs Bücher gehören wohl zu den Klassikern der Romane mit Jurabezug – und das zu Recht. Das Buch ist lesenswert und definitiv nicht nur spannend für Jurastudierende. 2019 erschien die Verfilmung des Buches mit Elyas M’Barek in der Hauptrolle.

„Der Fall Collini“ erscheint im btb-Verlag und kostet 10,00 Euro.