Legal Bookclub: Der schlechteste Jura-Ratgeber, den ich je gelesen habe

Vor gar nicht allzu langer Zeit stieß ich im Internet auf ein kleines Büchlein. Da ich für den Legal Bookclub immer auf der Suche nach Literatur bin, die irgendwie etwas mit Jura zu tun hat, wurde ich neugierig. 

Der Titel des Buches lautete: „Party, Party Prädiktsexamen„, geschrieben von einem „Daniel Jurecks“.

Das klang vielversprechend. Denn während ich bezüglich Partys im Studium schon einiges an Erfahrungen sammeln konnte, steht mir mein erstes Examen ja noch bevor. 

Ohne groß zu zögern, drückte ich also auf “Bestellen”. 

Und dann wurde ich überrascht. Negativ. 

Das hatte mehrere Gründe. 

Zum einen, weil ich das Buch in der Erwartung kaufte, ich würde darin Tipps rund ums Studium und einen guten Ausgleich im Studierendenleben finden – und NICHTS dazu fand. 

Stattdessen fand ich eine Aneinanderreihung einfältiger Partyanekdoten. (Diese laufen nebenbei immer gleich ab: Der Autor kommt auf die Party und erfreut sich dort an Drogen oder Frauen, oder beleidigt dort auf Drogen Frauen). Das Prädikatsexamen wird auf den letzten Seiten mal kurz erwähnt. 

Damit hätte ich noch leben können. 

Der Hauptgrund für meine Ablehnung war ein anderer: der Autor vertritt in seinem Buch Ansichten, die einfach nicht mehr in dieses Jahrhundert passen. Was ich anfangs noch für einen Ausrutscher hielt, wurde mit jeder Seite schlimmer. 

Falls ihr mir nicht glaubt, hier ein paar Auszüge: 

“Ich gesellte mich daher zu dem weiblichen Partyrest auf ein Sofa. Ohne jeglichen Hintergedanken, denn sie sahen auch aus wie Reste.” -S, 43 

“Potenzielle Gespielinnen waren zumindest schon zu erblicken. Keine Erstklassigen, aber wenigstens keine Dicken.”  S. 46 

“Nach zwei Vodka-O gewöhnte ich mich an den etwas unterschiedlichen Körperbau einer Chinesin. Das ist jetzt nicht böse gemeint. Es gibt halt Unterschiede. Asiatinnen sind zumeist flacher,…” S, -79 

Es geht noch weiter. Ich erspare euch die Ausführungen darüber, “wie hart im Nehmen Asiatinnen” seien, wie wenig ausländerfeindlich der Autor ist, sich aber dennoch auf einer Party in New York umgeben von Schwarzen unwohl fühlt und so weiter. Ihr könnt es euch denken. 

Rückblickend hätte ich schon stutzig werden sollen, als der Autor auf Seite eins das Gendern als “Sprachvergewaltigung” bezeichnete. 

Das Buch bietet keinerlei Anleitung für ein erfolgreiches Studium, verblüfft aber durch immer neue Kreationen diskriminierender Anekdoten. Das ist wohl auch eine Leistung. 

Für den Fall, dass der Autor das hier zu lesen bekommen sollte, habe ich noch eine persönliche Nachricht an Sie.  

Es mag ein Zufall sein, dass dieses Buch in die Hände einer weiblichen Jurastudentin fiel (die ausgerechnet nicht nur studiert, um einen reichen Anwalt als Partner zu finden- nach ihren Angaben sind wir ja rar gesäht) und einer anderen weiblichen Jurastudentin, die auch noch Asiatin ist. 

Ihr Buch verletzt uns nicht persönlich. Obwohl es das vielleicht sollte. Ihr Buch ist stattdessen eine perfekte Dokumentation dafür, welches Gedankengut bis heute auch in den Köpfen fertig ausgebildeter Juristen schlummert. 

Es ist genau das schriftliche Zeugnis, das wir Studentinnen brauchen, um zu sagen: Seht ihr, wir haben uns das alles nicht eingebildet. Wir werden wirklich so behandelt. 

Für Sie, “Herr Jurecks”, ist das alles vielleicht ein großer Spaß. An einer Stelle im Buch beschweren Sie sich sogar über die Humorlosigkeit ihrer Ex-Freundin, die über ihre diskriminierenden Witze nicht lachen kann. 

Ich will Ihnen an dieser Stelle mal verraten, warum. 

Auch heute, zehn Jahre nach Erscheinen Ihres Meisterwerkes, sind 44 von 50 der Partner in Großkanzleien männlich. Rund 93 der Professuren in Deutschland werden von Männern gehalten. 

Noch heute kriegen Studentinnen von Vorgesetzten zu hören, dass Ihre Noten zwar herausragend seien, aber Strafverteidigung nunmal ein Männerjob sei. 

Uns Frauen – um Gottes Willen noch mit Migrationshintergrund -, werden über das gesamte Studium verteilt genau durch solches Gedankengut unnötig viele Steine in den Weg gelegt. 

Steine, die Sie wahrscheinlich nie wahrgenommen, oder wenn, dann lustig gefunden haben. „Weiber“ eben. 

Und dafür möchte ich Ihnen danken. 

Danke, dass sie auch 2011 nicht müde waren, ein Buch voller Rassismus und Frauenhass im Selbstverlag zu veröffentlichen. Danke, dass Sie bis heute dafür sorgen, dass es sich im Sortiment wichtiger großer Buchläden befindet. 

Denn so können wir als Juristinnen in einigen Jahren noch erzählen: Guck mal, wir haben es trotzdem geschafft. 

Legal Bookclub: Jura geht auch anders!

Ein Ratgeber von Florian Specht, Alexader Bleckat und Madia Jacobs

Auf der Suche nach einem kurzen und übersichtlichen Studienratgeber ist mir “Jura geht auch anders” in die Hände gefallen. Ein Glücksgriff. 

Der Ratgeber schlüsselt auf seinen 150 Seiten das Studium vom ersten Semester bis zum Staatsexamen sehr strukturiert auf. Dabei ermutigen die AutorInnen den Lesenden, neben dem Studium das Privatleben nicht außen vor zu lassen, an juristischen Nebenaktivitäten teilzunehmen und ein ehrliches Interesse am Studium zu gewinnen. 

Daneben beinhaltet das Buch Tabellen, die je nach Bundesland bestimmte Prüfungsanforderungen aufschlüsseln, Anleitungen für Remonstrationen, Klausurentipps, alternative Karrierevorschläge und Interviews mit bekannten JuristInnen. 

“Jura geht auch anders” ist in einem sehr verständlichen Stil gehalten. Horrorszenarien und schreckliche Schilderungen von Lernstress und Examensvorbereitung sucht man indes vergebens. Stattdessen findet man hilfreiche Tricks, Strategien und darüber hinaus Inspiration für einen spannenden Studienverlauf und mögliche Karrierewege. 

Das Buch überzeugt insbesondere durch die Glaubwürdigkeit seiner AutorInnen. Alexander Bleckat ist Richter, Florian Specht Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter an der Uni Hannover und Madia Jacobs ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und hat außerdem einen L.L.M. 

“Wir können dir wirklich nur empfehlen, nicht durchgängig Jura zu betreiben, sondern deinem Gehirn auch die nötigen Pausen zu geben, damit Platz für neuen Input geschaffen werden kann.” 

Jura Geht auch Anders!

Ich persönlich würde das Buch jedem Studienanfänger (und jeder Person, die überlegt, das Studium aufzunehmen) und einen kurzen und realistischen Einblick ins Jurastudium sucht, wärmstens empfehlen. 

Legal Bookclub: „Recht und Gerechtigkeit – Ein Märchen aus der Provinz“

Ein autobiografisches Sachbuch von Jörg und Miriam Kachelmann

In diesem Monat gibt es zum ersten Mal in der Geschichte des Legal Bookclubs eine Gastrezension. Unser Kommilitone Erik Meiners hat für euch das Buch des Ehepaars Kachelmann gelesen und wir freuen uns sehr, seinen Beitrag mit euch teilen zu dürfen.

Zum Inhalt

Nur wenige Gerichtsverfahren haben in den letzten Jahren eine solche mediale Aufmerksamkeit erfahren wie jenes um den Wettermoderator Jörg Kachelmann. 2010 wurde er unter dem Verdacht, er habe seine Expartnerin vergewaltigt, festgenommen und angeklagt. Kachelmann wurde freigesprochen, hat aber noch heute unter den Folgen der damaligen Berichterstattung zu leiden. Seine Frau und er schildern in diesem Buch ihre Erlebnisse und stellen dem Rechtsstaat ein vernichtendes Zeugnis aus.

Chronologisch verfolgt das Buch die Ereignisse in sieben Teilen ab dem Tag der Verhaftung bis zum Freispruch und noch darüber hinaus. Es ist mit vielen Abbildungen von Originaldokumenten versehen; aus wieder anderen Dokumenten wird ausführlich zitiert. Von insgesamt zweiundvierzig Kapiteln hat Miriam Kachelmann lediglich fünf verfasst.

Zur Kritik

Den Autoren geht es nicht darum, Zeugnis abzulegen, um dem Leser ein objektives Urteil über das Vorgehen der Behörden zu ermöglichen. Vielmehr dient das Buch offenbar beiden dazu, sich Luft zu machen. 

Zwischen den Zeilen stehen all der Zorn und die Wut, die sich in den Monaten der Untersuchungshaft und des Prozesses angestaut haben, mehr aber leider nicht. Das Buch wirkt wie eine bloße Aneinanderreihung von Erlebnissen, denen lediglich gemein ist, dass sie den Leser mit dem unbehaglichen Gefühl zurücklassen, irgendetwas müsse hier falsch gelaufen sein. Kachelmann gelingt es nicht, das Zusammenspiel der Einzelfaktoren des systemischen Unrechts darzustellen. 

Das liegt zum einen an seiner fehlenden Expertise und zum anderen an seinem subjektiven Standpunkt. Beides kann Kachelmann nicht vorgehalten werden. Es hindert jedoch daran, dem Buch eine abstrakte Essenz zu entnehmen. So empfindet Kachelmann etwa seine Inhaftierung, überhaupt seine Festnahme, als Ungerechtigkeit und bemängelt in der U-Haft die fehlenden Anstrengungen zur Resozialisierung der Gefangenen. Dabei vergisst er, dass die Untersuchungshaft keine Strafe ist, sondern dazu dient, die Flucht- oder Verdunkelungsgefahr zu minimieren und daher zu diesem Zeitpunkt aus objektiver Sicht geboten war. Zur Resozialisierung ist die U-Haft nicht verpflichtet – schließlich handelt es sich hierbei nicht um Schuldige, sondern um Verdächtige unter dem Schutz der Unschuldsvermutung, die sich also nie außerhalb der Gesellschaft befanden. Ungerechtigkeit mag hingegen etwa in der unverhältnismäßigen Dauer der Untersuchungshaft und in den Haftbedingungen liegen. Die Darstellung lässt an solchen Stellen die Differenzierungen vermissen, deren Abwesenheit andererseits bei der Berichterstattung selbst bemängelt wird. Es fällt daher schwer, sie tatsächlich ernst zu nehmen. 

Erst der allerletzte Teil des Buches lässt aufatmen. Miriam Kachelmann beschreibt, „was sich ändern muss“ und übt erfrischende Kritik. Sie zeigt, dass das Bild, das die StPO von der Richterpersönlichkeit zeichnet, unzutreffend ist, dass das Jurastudium nicht ausreichend auf die Tätigkeit als RichterIn vorbereitet und dass die Rechtspraxis nur diesem Idealbild entsprechen kann, wenn sie sich sehr anstrengt.

„Richter sind leider nicht so übermenschlich, wie unsere Strafprozessordnung es sich wünscht.“

S. 292

Es ist der Teil des Buches, der nicht nur hätte nachgeschoben werden sollen, sondern über den gesamten Text verteilt das Fundament hätte darstellen müssen.

Kachelmann will an seinem Beispiel eine Analyse des Rechtsstaates und dessen Problemen liefern. Leider verfängt er sich auf dem Weg dorthin in Kleinigkeiten und zwingt den Leser, seine stetigen Beschwerden und Selbstbemitleidungen zu ertragen. Dies tut dem Buch einen gewaltigen Abbruch. Kachelmann schafft es nicht, über das große Ganze zu sprechen, weil es ihm wichtiger ist, über sich selbst zu reden. Das Buch zeigt daher nur noch die Scherben, die eine Falschbeschuldigung, Mediendruck und die darunter einknickende Justiz zurücklassen. 

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal bei Erik für seine kritische und authentische Rezension und werden nach Möglichkeit auch in Zukunft diverse Gastrezensionen veröffentlichen.

Legal Bookclub: Inside Strafverteidigung – Advokaten des Bösen

Ein Sachbuch von Burkhard Benecken und Hans Reinhardt*

(Werbung wegen Nennung des Buches)

Im November stellen wir euch diesmal „Inside Strafverteidigung“ vor, welches erst im Herbst dieses Jahres erschienen ist. Das Sachbuch handelt vom Berufsbild und -alltag aus Sicht eines Strafverteidigers. Herr Benecken und Herr Reinhard räumen mit Vorurteilen zu ihrem Berufsstand auf und zeigen auf 320 Seiten, wie sehr sie für ihren Beruf brennen.

„Strafverteidigung ist eine der wichtigsten Säulen des Rechtsstaates und nebenbei eine unglaublich spannende Welt, die es verdient, differenziert betrachtet zu werden.“

Anhand aufregender, deutschlandweit berühmter Fälle erläutern die Autoren die unterschiedlichen Strategien in der Strafverteidigung und gewähren den Lesenden einen Blick hinter die Kulissen der Justiz. Außerdem werden im Rahmen dieser Fälle die juristischen Besonderheiten und Einzelheiten erläutert, welche für NichtjuristInnen oder StudienanfängerInnen separat erklärt werden. Damit ist das Buch nicht nur eine wunderbare Lektüre für JuristInnen, die sich mit Strafverteidigung auseinander setzen wollen, sondern auch für Laien, welche noch keine Vorkenntnisse auf diesem Bereich aufweisen.

Ein Highlight des Buches stellt für mich das Kapitel 7 dar: „Eine Woche im Leben eines Strafverteidigers“, in dem man erkennt, wie arbeitsintensiv und abwechslungsreich die Strafverteidigung sich darstellt. Ein weiteres lesenswertes Kapitel ist das elfte, in dem ein brisanter Fall mit einer sehr bekannten Frau beleuchtet wird und anhand dessen aufgezeigt wird, wie schwierig die Verteidigung von Prominenten sich bei erhöhter Medienaufmerksamkeit darstellen kann.

Ich persönlich war sehr begeistert von diesem Buch und habe es förmlich verschlungen. Dadurch, dass es durch die immer anders gelagerten Fälle so kurzweilig ist, würde man am liebsten gar nicht mehr aufhören, zu lesen. Mit großer Spannung erwarte ich daher weitere Bücher von Herrn Benecken und Herrn Reinhardt und wünsche euch bis dahin viel Spaß beim Lesen.

Habt ihr das Buch bereits gelesen? Dann schreibt uns gerne einen Kommentar auf Instagram dazu auf @goldwaage.jura.

*Dieses Buch wurde uns vom Verlag Benevento Publishing kostenlos zur Verfügung gestellt; die Rezension beruht selbstverständlich auf unserer Eigenwahrnehmung ohne den Einfluss des Verlages.

Legal Bookclub: Corpus Delicti – Ein Prozess

Ein Roman von Juli Zeh (Unbezahlte Werbung)

Für den Oktober habe ich „Corpus Delicti – Ein Prozess“ von der Bestsellerautorin Juli Zeh gelesen. Der Roman handelt von Mia, die in einer Gesellschaft in der Zukunft lebt, deren oberstes Gut die Gesundheit aller BürgerInnen ist.

Mias Bruder ist Opfer der Hygiene-Ideologie geworden. Im Laufe des Buches gerät Mia ins Visier der Strafverfolgungsbehörden und ist Teil nicht nur eines Gerichtsprozesses, der gegen sie geführt wird. Sie durchlebt auch einen persönlichen Prozess, in welchem sie die rigorosen Gesundheitsregeln und das staatliche System hinterfragt.

„Logisches Denken liegt Ihnen, genau wie mir. Deshalb werden Sie mühelos Ihren Denkfehler erkennen. Kausalität ist keineswegs identisch mit Schuld. Sonst müssten Sie auch den Urknall für den Tod Ihres Bruders verantwortlich machen.“

-„Vielleicht tue ich das.“

Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess

Beide Themenstränge haben mich zum Nachdenken angeregt. Zum einen, weil Zeh verdeutlicht, wie wenig es in einem Unrechtsregime braucht, um einen vermeintlich fairen Gerichtsprozess in eine Hexenjagd zu verwandeln.

Zum anderen, weil ich mir im Verlaufe des Buches die Frage gestellt habe, wie weit ein Recht auf Gesundheit auch ein Recht auf Krankheit umfasst und wie viel Entscheidungsgewalt dem Staat in dieser Frage eingeräumt werden darf.

Insgesamt ist das Buch trotz der komplexen Thematik sehr verständlich, wahnsinnig packend und obwohl es vor über zehn Jahren erstveröffentlicht wurde, in seiner Thematik nach wie vor aktuell.

Legal Bookclub: Elemente einer Theorie der Menschenrechte

Ein Aufsatz von Amartya Sen (Unbezahlte Werbung)

Ein theoretisches Konzept für Menschenrechte entwickeln – das ist das Ziel, das der Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen in seinem Aufsatz anstrebt.

Sen sieht Menschenrechte als moralische Forderungen nach bestimmten, grundsätzlichen Freiheiten. Seinen Ansatz begründet Sen auch durch Bezugnahme auf andere Philosophen wie Adam Smith, John Rawls, Karl Marx und vielen andere.

„Eine Theorie der Menschenrechte lässt sich vernünftigerweise nicht auf das juristische Modell beschränken, in das es oft gepresst wird“

Amartya Sen

Sens Text ist dank seiner wissenschaftlichen Tiefe keine leichte Lektüre – aber dennoch sehr lesenswert. Der Autor regt zu einem rationalen bzw. „vernünftigen öffentlichen“ Diskurs an. Er ermutigt die Lesenden, möglichst objektiv über Menschenrechte nachzudenken und angesichts der globalen Herausforderungen weder zu resignieren, noch sich für alles verantwortlich zu fühlen.

Für seine Forschung wurde Sen 1998 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

Legal Bookclub: Der Richter und sein Henker

Ein Kriminalroman von Friedrich Dürrenmatt [Unbezahlte Werbung]

Die Geschichte spielt, anders als der Titel vermuten lässt, nicht in einem Gerichtssaal, sondern rund um ein Polizeirevier in Bern in der Schweiz.

Als dort ein junger Polizist tot aufgefunden wird, macht sich der Kriminalkommissar Bärlach auf die Suche nach dem Täter, zusammen mit seinem Kollegen Tschanz.

Die Geschichte nimmt eine unvorhergesehene Wendung, als die beiden auf einen Geschäftsmann namens Gastmann stoßen, denn viele Spuren deuten auf ihn als Täter hin. Doch nichts ist so eindeutig in “Der Richter und sein Henker”, wie es auf den ersten Blick scheint und die Trennlinie zwischen Tätern und Opfern wird immer unschärfer.

Dürrenmatt behandelt in dieser kurzen Geschichte mit seinem prägnanten und manchmal fast minimalistischen Stil verschiedenste Themen. Neben der Jagd nach Verbrechern geht es um alte Rivalitäten, Krankheit und Selbstjustiz.

„Dann waren Sie der Richter, und ich der Henker“, keuchte der andere.

„Es ist so“, sagte der Alte.

„Und ich, der ich nur Ihren Willen ausführte, ob ich wollte oder nicht, bin nun ein Verbrecher, ein Mensch, den man jagen wird!“

Friedrich Dürrenmatt in „Der Richter und sein Henker“

Ich persönlich habe mich etwas von dem Titel des Buchs leiten lassen und mit einer weitaus Jura-lastigeren Geschichte gerechnet. Dennoch hat mich die kurze Erzählung zum Nachdenken gebracht: Geht es bei Bestrafungen von Verbrechern um den Schutz der Bevölkerung, oder vielmehr um das eigene, sehr subjektive Gefühl von Gerechtigkeit?!  

Legal Bookclub: Der Vorleser

Ein Roman von Bernhard Schlink [unbezahlte Werbung]

Diesen Monat habe ich ein etwas anderes Buch für den Legal Bookclub gelesen. „Der Vorleser“ beginnt zunächst mit einer verbotenen Liebe, entpuppt sich jedoch rasch als ernstes Werk, das sich auch mit den Schicksalen der Opfer und Täter des Nationalsozialismus auseinandersetzt.

Der Autor Bernhard Schlink analysiert als ehemaliger Richter und Professor für Öffentliches Recht, aber vor allem als sehr genauer Beobachter, einen NS-Prozess mit seinen emotionalen und juristischen Facetten.

„Daß einige wenige verurteilt und bestraft und daß wir, die nachfolgende Generation, in Entsetzen, Scham und Schuld verstummen würden – das sollte es sein?“

Bernhard Schlink über die Erinnerungskultur und den Generationenkonflikt
Eine Geschichte über Liebe, Schuld, Verantwortung und Gerechtigkeit

Am meisten fasziniert hat mich die ungewöhnlich tiefe und unerschütterliche Liebe des Protagonisten zu seiner Partnerin. Eine Verbindung, die sich keiner Zeit, keinem Ort und keiner Lebenslage beugt.

Insgesamt ist der Roman keine leichte Lektüre, aber eine, die zum Nachdenken anregt, an Verdrängtes erinnert und an Bestehendem zweifeln lässt.

„SA

Neun Empfehlungen Jura zu lernen, ohne zu lernen

Du willst dich neben deinem Studium noch über juristische Themen auf dem Laufenden halten? In diesem Post stellen wir dir neun Möglichkeiten vor, bei denen du etwas lernst, ohne an den Schreibtisch gefesselt zu sein. 

I. Jura zum Hören

Sprechen wir über Mord?!

In Sprechen wir über Mord von SWR2 bespricht Journalist Holger Schmidt, zusammen mit Prof. Thomas Fischer – ganz genau, der ehemalige Richter am BGH – Kriminalfälle aus Deutschland. Das Tolle: Hier trifft sorgfältige Recherche auf eine juristische Expertenmeinung. Thomas Fischer erklärt sehr verständlich komplexe strafrechtliche Themen und gewährt spannende Einblicke in den Richteralltag.

Kurzerklärt

Was passiert, wenn ein Jurastudent und Wirtschaftsstudent einen Podcast aufnehmen? Genau das haben sich wohl auch Basti und Kourosh gefragt – heraus kam Kurzerklärt. Ein Podcast, in dem die beiden sehr konkrete Studieninhalte erklären, spannende Interviews führen und auch mal über eigene Prüfungserfahrungen quatschen. Dadurch, dass die beiden verschiedene Fächer studiert haben, ist der Podcast besonders interessant – denn so sind die beiden gezwungen, dem Gegenüber abstrakte Themen möglichst einfach zu erklären, was das Hören nicht nur einfach, sondern wirklich unterhaltsam macht. 

#Fußnote

Prof. Martien Fries, der derzeit in München lehrt und Anwalt Dr. Dominik Herzog beantworten in #Fußnote Fragen rund ums Studium. Dabei schaffen es die beiden, ihre Begeisterung für die Rechtswissenschaften zu teilen, wichtige Tipps zu geben – und das ganze auch noch ziemlich humorvoll. Am Ende jeder Folge stellt Prof. Martin Fries außerdem zwei aktuelle Gerichtsentscheidungen aus dem Zivilrecht vor, sodass man auch fachlich etwas für sich mitnehmen kann. 

FAZ Einspruch

Die Redakteure Constantin van Lijnden und Corinna Budras haben beide selbst Jura studiert und sprechen im wöchentlichen Podcast FAZ Einspruch über aktuellste Gerichtsentscheidungen. In regelmäßigen Abständen laden sie Interview-Gäste ein und befragen hochrangige Juristen zu viel-diskutierten Themen.

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II. Jura zum Lesen

Legal Tribune Online (LTO)

LTO ist ein Online-Magazin, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, über aktuelle politische und juristische Nachrichten Bericht zu erstatten. Zudem findest du hier regelmäßig Beiträge zu Karriere, Beruf und Jurastudium

FAZ Einspruch

Neben dem Podcast gibt es FAZ Einspruch auch noch als Print, beziehungsweise Online-Medium. Auch hier gibt es aktuelle Berichterstattung rund um die Justiz, sowie Beiträge zu Beruf und Ausbildung. 

Jurios 

Du suchst nach ein wenig Abwechslung zwischen den ernsten Jura-Nachrichten? Dann schau mal auf der Website von JURios vorbei. JURios ist ein Online-Magazin, dass über kuriose, skurrile und brisante Meldungen aus der Justiz berichtet. Wusstest du zum Beispiel, dass einem Mieter das Mietverhältnis fristlos gekündigt werden kann, wenn er in Verdacht steht, den Vermieter getötet zu haben? Wir wissen es jetzt – dank JURios.

Newsletter des BGH und BVerfG 

Wenn du Informationen aus erster Hand suchst, kannst du auch die Newsletter des BGH oder des BVerfG abonnieren, um immer die aktuellsten Pressemitteilungen direkt per E-Mail zu erhalten. 

The Hip-Hop-Law Journal

Hiphop und Jura zusammen? Das geht, beweisen die Blogger von The Hip-Hop-Law-Journal. Auf ihrem Blog berichten sie von Nachrichten aus der Rap und Jura-Welt und greifen dabei zB Themen wie den Strafprozess des Rappers Bushido auf. Besonderes Highlight: Auf ihrem Instagram Kanal teilen sie regelmäßig Eselsbrücken, die juristische Streitstände durch Songtexte erklären.

Du suchst nach Literatur, die mit Jura zu tun hat? Du willst Klassiker lesen, die keine Lehrbücher sind? Dann schau mal in unserer Rubrik Legal Bookclub vorbei.

Legal Bookclub: Der Fall Collini

Ein Roman von Ferdinand von Schirach [unbezahlte Werbung]

“Der Fall Collini” zieht einen schnell in seinen Bann. Der Protagonist,Caspar Leinen, ein junger Anwalt aus Berlin, übernimmt ein Mandat und ahnt noch gar nicht, welche Abgründe sich in dessen Verlauf auftun werden.

Sein Mandant, Fabrizio Collini, schein vollkommen willkürliche einen alten Geschäftsmann ermordet zu haben. Der Anwalt und die Staatsanwaltschaft können sich aus den Beweggründen für die Tat keinen Reim machen, bis Leinen seine Recherche beginnt. Dabei stößt er auf die dramatische Vergangenheit seines Mandanten, die seine Tat in einem ganz anderen Licht dastehen lassen, 

“Jahrelang hatte er seinen Professoren zugehört, er hatte Gesetze und ihr Auslegung gelernt, er hatte versucht, den Strafprozess zu begreifen – aber erst heute, erst bei seinem eigenen Antrag begriff er, dass es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes ging: den geschundenen Menschen” 

Ferdinand von Schirach in „Der Fall Collini“

Das Buch streift nicht nur dramatische Entwicklungen der deutschen (bzw. nationalsozialistischen) Rechtsgeschichte, sondern thematisiert auch auf unaufdringliche Weise den Verlauf eines Strafprozess. Von Schirachs Schreibstil ist schlicht und markant. Der Autor schafft es, komplette strafrechtliche Themen in eine packende Geschichte zu bauen. 

Ferdinand von Schirachs Bücher gehören wohl zu den Klassikern der Romane mit Jurabezug – und das zu Recht. Das Buch ist lesenswert und definitiv nicht nur spannend für Jurastudierende. 2019 erschien die Verfilmung des Buches mit Elyas M’Barek in der Hauptrolle.

„Der Fall Collini“ erscheint im btb-Verlag und kostet 10,00 Euro.