Warum „Scheitern“ im Jurastudium dazugehört

Bist du gerade zum ersten Mal durch eine Klausur oder hast Prüfungsergebnisse bekommen, die dich ganz und gar nicht glücklich machen? Dann ist dieser Beitrag für dich! Hierin erklärt dir unsere Autorin Lea, warum negative Erfahrungen zum Jurastudium dazugehören und wie du sie verarbeitest.

Im Studium hört man häufiger von denen, die mit Prädikat abschließen und scheinbar geradlinig durchs Studium gekommen sind. Deutlich seltener – und meist eher im eigenen Freundeskreis – erfährt man von denjenigen, die sich gerade so durchgekämpft haben, mit einem „4 gewinnt“ bestehen oder gar durchgefallen sind. Das sorgt für ein verzerrtes Bild und damit auch für verzerrte Erwartungen.

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Es klingt abgedroschen, trifft aber dennoch zu: Man wächst an seinen Herausforderungen – und an seinen Niederlagen oft noch mehr. Im Jurastudium ist das nicht einfach nur ein Spruch, sondern Alltag. Klausuren und Hausarbeiten sind dazu da, dich auf das vorzubereiten, was später kommt: unvorhersehbare Fallkonstellationen, Zeitdruck und Unsicherheiten. Häufig sind es gerade die absurdesten Fälle, bei denen man denkt, sie seien frei erfunden, die es tatsächlich so oder ähnlich gab.

Die eigentliche Herausforderung liegt dann nicht darin, sofort die „richtige“ Lösung zu finden – die es bei Jura ohnehin oft nicht in dieser Eindeutigkeit gibt. Sie liegt vielmehr darin, überhaupt einen Zugang zu entwickeln. Wer schon einmal vor einer Klausur saß und schlicht keinen Ansatz hatte, kennt dieses Gefühl: Frust, Unsicherheit und das Gefühl, gescheitert zu sein. Kommt dann noch eine schlechte Woche dazu, hinterfragt man schnell mal seine gesamten Lebensentscheidungen [Been there, done that].
Doch genau solche Situationen trainieren den Umgang mit unbekanntem Terrain. Du lernst, trotz Unsicherheit strukturiert zu denken, weiterzumachen und darauf zu vertrauen, dass aus der bisherigen Studienzeit mehr hängen geblieben ist, als es sich im Moment anfühlt.

Häufig ist es doch auch so, dass man sich gerade den Stoff besonders intensiv anschaut, durch den man einmal durchgefallen ist oder für den man wenige Punkte bzw. niederschmetternde Korrekturanmerkungen bekommen hat. Und mit etwas Glück wird genau das später nochmal abgeprüft. Doch selbst wenn nicht, fällt eine einzelne schlechte Klausur oder Hausarbeit im Gesamtbild höchstens marginal ins Gewicht.

Gleichzeitig ist die Studienzeit mehr als nur eine Ansammlung von Wissen oder die Summe deiner Noten. Sie ist auch dazu da, sich auszuprobieren, Interessen zu entwickeln und weiterzuverfolgen. Die Balance zwischen Hausarbeit, Praktikum, Klausurenstress, Wiederholen, Nebenjob, Urlaub und dem Versuch, das Privatleben nicht vollständig zu vernachlässigen, fällt dabei nicht immer leicht. Im ungünstigsten Fall muss man die Hausarbeit dann in drei Tagen herunter schreiben, geht unvorbereitet in eine Klausur oder wiederholt sogar am Strand oder Pool noch Karteikarten.
Diese Entscheidungen zu treffen und rückblickend zu merken, dass du eine Priorität „falsch“ gesetzt hast und dadurch nicht die eigene Bestleistung erbracht hast, ist Teil des Studium.

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Das Jurastudium verläuft typischerweise nicht linear. Es ist ein persönlicher Entwicklungsprozess mit Hürden und Zweifeln. Für den einen bedeutet eine schlechte Note zu scheitern, für den anderen ein langes Studium und für den nächsten vielleicht, die Zeit außerhalb der Uni nicht ausreichend genutzt zu haben. „Scheitern“ ist relativ und bedeutet für jeden etwas anderes.

Die entscheidende Frage ist also nicht, ob du scheiterst. Sondern was du daraus machst.

Teile gern deine Erfahrungen auf Instagram @goldwaage.jura.

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