Interview: Legally Female

Den Monat Dezember nutzen wir dazu, euch neue StartUps und Vereine im juristischen Bereich vorzustellen. Heute freuen wir uns darüber, euch Legally Female zu präsentieren.

Legally Female wurde von Ann-Kathrin Ludwig, Marcelina Puchalski und Felicitas Famulla ins Leben gerufen. Die drei haben sich zum Ziel gesetzt, ein Netzwerk für angehende Juristinnen zu gründen, in dem der vorurteilsfreie Austausch über das Studium und Karriereoptionen im Vordergrund steht.

Goldwaage: Wer steckt hinter Legally Female und wie kamt ihr auf die Idee, das Netzwerk zu gründen?

Legally Female: Wir sind drei Gründerinnen – Ann-Kathrin Ludwig, Marcelina Puchalski und Felicitas Famulla. Ann-Kathrin hatte seit Jahren den Wunsch, Legally Female zu gründen und hierbei andere Juristinnen auf dem Weg zum Erfolg zu unterstützen. Hierbei hat sie sich Marcelina Puchalski, die bereits zweifach erfolgreich gegründet hat und Felicitas Famulla, welche seit Jahren neben ihrer juristischen Tätigkeit im Social Media Bereich tätig ist, ins Boot geholt.

Die Idee kam aus der langjährigen beruflichen Erfahrung in diversen Kanzleien und anderen juristischen Tätigkeiten, wo wir gemerkt haben, wie sehr wir selbst dazu neigen, uns zu wenig zuzutrauen und unsere Leistungen nicht objektiv zu bewerten und dass Förderung meistens erst dann ermöglicht wird, wenn man bereits objektive Kriterien für diese aufweist.  

Marcelina Puchalski, Ann-Kathrin Ludwig und Felicitas Famulla

Goldwaage: Was sind die Hauptziele eures Projekts?

Gemeinsam wollen wir die Förderung angehender Juristinnen ohne Wenn und Aber ermöglichen. Wir glauben fest daran, dass die Rechtswissenschaft starke Juristinnen braucht und wollen den juristischen weiblichen Nachwuchs ermutigen, ihr Potential vollkommen auszuschöpfen. 

Natürlich ist es beeindruckend, wenn juristischer Nachwuchs gute Noten, spannende Lebensläufe und beeindruckende Praktika und erste Berufserfahrungen aufweisen kann. Wir wollen von diesen objektiven Kriterien jedoch nicht die Förderungsmöglichkeit abhängig machen und für die Bildungsgleichheit kämpfen. Es ist für uns gerade nicht Voraussetzung, einen beeindruckenden Lebenslauf und herausragende Noten aufweisen zu können, sondern wir wollen mit der Förderung frühzeitig beginnen – ab dem ersten Semester. Dadurch soll kein Potential verloren gehen und dem entstehenden Förderbedarf Rechnung getragen werden. 

Goldwaage: Wie sieht eine Förderung durch euch konkret aus? Angenommen man ist Jurastudentin im ersten Semester und meldet sich bei euch – wie geht es dann weiter? 

Unsere Förderung beruht auf drei Grundsäulen.

Die Hauptsäule ist das LF (Legally Female) Mentoring.
Zunächst bewirbt sich eine potentielle Mentee bei uns per E-Mail. Daraufhin wird ein kurzes, unbürokratisches Vorstellungsgespräch geführt, um zu schauen, ob eine etwaige Zusammenarbeit persönlich passt. Das Grundkonzept von Legally Female ist kostenlos und unbürokratisch. Durch die Informationen aus dem Bewerbungsverfahren führen wir ein passendes Pairing mit einer geeigneten Mentorin durch und geben beiden einen Mentoring-Leitfaden mit an die Hand. Zudem veranstalten wir eine Einführungsveranstaltung – sowohl für Mentorinnen als auch Mentees, damit die Eckpfeiler des Programms transparent umrissen werden. Aus der persönlichen Mentorin-Mentee-Beziehung halten wir uns aber natürlich heraus, um ein Safe-Space-Networking zu gewährleisten. Sollte es aus irgendeinem Grund Probleme geben, stehen wir natürlich immer als Ansprechpartner parat.

Ansonsten wird es noch das LF Developing und LF Networking geben.

Im Rahmen des LF Networking bieten wir einen Safe-Networking-Space im Rahmen einer geschlossenen Linked-In Gruppe, wo ein vertrauensvoller Austausch über sensible Themen und ein regelmäßiger Austausch mit inspirierenden Persönlichkeiten stattfindet.

Im Rahmen des LF Developing veranstalten wir – teils kostenpflichtige – Workshops mit spannenden Speakern, die nicht nur Mentorinnen und Mentees, sondern allen offensteht.

Goldwaage: Wie schafft ihr es, jeweils euren Hauptberuf und eure Firma unter einen Hut zu bringen? 

Bisher klappt das noch ganz gut,  weil wir alles auf die Wochenenden, frühen Morgenstunden und späten Abendstunden legen. Unsere Hauptjobs sind nicht von Legally Female betroffen, obwohl wir durch unsere Arbeitgeber sehr viel Unterstützung erfahren.

Goldwaage: Durch die gemeinsame Arbeit an Goldwaage wissen wir, dass es manchmal kompliziert ist, bei allen Abläufen Rücksprache zu halten und immer die Meinung des anderen einzuholen. Wie koordiniert ihr euer Unternehmen zu dritt? Habt ihr fest zugewiesene Arbeitsbereiche?

Da wir noch ganz am Anfang stehen, läuft das Ganze bisher ausschließlich unter uns dreien durch E-Mails und Whatsapp ab. Dadurch stehen wir täglich in engem Austausch und sind auch privat eng verbunden.  

Goldwaage: Wo seht ihr Legally Female in der Zukunft?

Legally Female soll die Rolle der Frau in der Rechtswissenschaft stärken und einen umfassenden Überblick über die möglichen Berufsbilder in der Juristerei bieten. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt und bereiten uns bereits auf die ersten Präsenzveranstaltungen und -workshops vor.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Ann-Kathrin, Marcelina und Felicitas bedanken und wünschen ihnen noch viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Visionen in der Zukunft.

Falls ihr Legally Female weiter mitverfolgen wollt, gelangt ihr hier zum dazugehörigen Instagram-Account.

Interview: Max und Daniel von Lexoni

Max und Daniel haben vor kurzem ihr zweites juristisches Staatsexamen absolviert. Schon während des Referendariats hatten die beiden eine Idee für Lexoni, eine Website, auf der Laien Auskunft zu juristischen Fragen erhalten und sich außerdem über eine Vermittlungsplattform passenden Rechtsbeistand suchen können.

Goldwaage: Eure Website verbindet die laienfreundliche Erklärungen von juristischen Themen mit einer Suchplattform für AnwältInnen. Wie seid ihr auf die Idee für dieses Konzept gekommen? Lexoni: Zunächst einmal macht es uns Spaß, alltägliche rechtliche Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Die meisten Juristen dürften die Situation kennen, dass sie aus dem Freundes- und Bekanntenkreis öfter mal beiläufig zu einem juristischen Thema befragt werden. Uns war also klar, dass der Bedarf für unsere Erklärungen da ist. Hinzu kommt, dass Antworten auf rechtliche Fragen, die man im Internet in der Regel findet, häufig eher oberflächlich ausfallen. Das wollen wir mit Lexoni besser machen.

Dazu kam uns dann der Gedanke, dass wir neben den Artikeln in unserem Magazin auch eine Plattform für Anwälte und auch Steuerberater etablieren wollen. Denn wir können mit unseren Erklärungen zwar einige juristische Tipps geben, aber natürlich keine umfassende Rechtsberatung liefern.

Ihr habt beide vor kurzem euer zweites Staatsexamen hinter euch gebracht. Arbeitet ihr auch in einer Kanzlei (oder ähnliches)? Max arbeitet mittlerweile im IT- und Datenschutzrecht bei einer Hamburger Großkanzlei. Daniel absolviert momentan einen LL.M. und kümmert sich daneben um das Tagesgeschäft bei Lexoni.

Außerdem schreibt ihr gerade jeweils an eurer Promotion. Worüber promoviert ihr? Und ist es schwer, das mit Lexoni unter einen Hut zu bringen? Max promoviert zu einem strafrechtlichen Thema. Daniel promoviert zu einem rechtsvergleichenden Thema im internationalen Schiedsverfahrensrecht. Beide Arbeiten befinden sich zum Glück im Endstadium.

Wir sind es beide gewohnt, neben der Promotion zu arbeiten und weitere Projekte zu verfolgen. Das ist sicher nicht immer ganz einfach miteinander zu vereinbaren und unsere Promotionszeit ist dadurch natürlich länger als bei anderen geworden. Allerdings haben wir durch Lexoni und andere Projekte die Möglichkeit, auch über den Tellerrand der Unis und juristischen Bibliotheken hinauszuschauen. 

Von der ersten Idee bis zum Launch – wie lange dauerte es bis zur Veröffentlichung von Lexoni? Tatsächlich gar nicht so lange. Die Idee in der jetzigen Form entstand im Frühjahr 2021, im Juni 2021 sind wir mit der Seite dann schon online gegangen. 

Lexoni ist ja noch relativ jung. Was ist eure Vision für die Zukunft?  Wir wollen uns zum einen als ernstzunehmende Plattform für Anwälte und Steuerberater etablieren und diesen dabei helfen, neue Mandanten zu gewinnen. Umgekehrt sollen natürlich Ratsuchende über uns passende Anwälte oder Steuerberater finden. Zum anderen wollen wir Antworten auf rechtliche Fragen liefern, die jedermann bewegen. Dabei ist es uns wichtig, Beiträge nicht nur juristisch präzise und korrekt, sondern auch leicht verständlich zu verfassen. Wir glauben, dass Lexoni so zu einer zentralen Anlaufstelle für all diejenigen werden kann, die Antworten auf rechtliche oder steuerliche Fragen suchen.

Ihr habt beide sowohl das Jurastudium als auch eine Gründung hinter euch. Welchen Tipp würdet ihr Studierenden geben, die ebenfalls ihr eigenes Startup gründen wollen?  Tatsächlich ist Lexoni schon unsere zweite Gründung. Seit 2017 haben wir bereits den deutschlandweit größten Transfermarkt im Amateurfußball, Transferiva, aufgebaut.

„Wir können es absolut empfehlen, sich neben Jura auch nich einem anderen Projekt zu widmen“

Wir können es absolut empfehlen, sich neben Jura auch noch einem anderen Projekt zu widmen, zum Beispiel in Form einer eigenen Gründung. Wenn ihr also eine gute Idee habt, dann am besten einfach mal machen. Ob es dann funktioniert, hängt von ganz vielen Dingen ab und ist häufig nicht planbar. Aber der Spaß und Lerneffekt dabei sind unbezahlbar, ganz egal, ob das Startup letztlich erfolgreich wird oder nicht!

Wir bedanken uns bei Max und Daniel für das spannende Interview. Klick hier, wenn du direkt auf die Lexoni-Website gelangen möchtest.

Free Template: Semesterplaner

Planung ist das halbe Jurastudium – deshalb haben wir auch schon das ein oder andere Mal auf dem Blog darüber berichtet.

Heute haben wir ein Template für euch, das die Planung eurer Semester erleichtern kann. Die Anwendung ist super leicht: In die linke Spalte trägst du die Semesterzahlen. Dabei kannst du in deinem aktuellen Semester beginnen, oder auch bereits vergangene Semester mit aufnehmen.

In den gelben Kasten schreibst du deine Ziele, Klausen und Fächer auf die du dich in dem jeweiligen Semester besonders fokussieren willst. In die weiße Zeile darunter kannst du deine Pläne und To-Dos für die Semesterferien eintragen. Hier ist also z.B. Platz für geplante Praktika, Hausarbeiten und Urlaube.

Der Planer bietet Platz für vier Semester. Falls du weit im Voraus planen möchtest, drucke dir das Dokument einfach zwei Mal aus. So kannst du vier weitere Semester planen.

Eine ausführliche Anleitung, wie du dein Studium optimal planen kannst, findest du hier.

Interview: Aurelio Diamanti von DisrUPt Law e.V.

Aurelio Diamanti ist Jurastudent in Heidelberg und hat sich schon zu Beginn seines Studiums für technische Innovationen im juristischen Bereich interessiert. Im Sommer 2020 gründete er den Verein DisrUPt Law e.V., um ein Angebot zu schaffen, bei dem sich Studierende zum Thema Legal Tech austauschen und weiterbilden können.

Wir haben mit ihm über Digitalisierung, die Gründung eines studentischen Vereins und die Zukunft des Rechts geredet.

Goldwaage: DisrUPt Law ist ein studentischer Verein, der sich mit Legal Tech beschäftigt. Was ist denn eigentlich Legal Tech? Aurelio: Legal Tech per se ist noch nicht richtig definiert. Wir schließen uns der gängigsten Definition an, dass es darum geht, juristische Arbeitsprozesse durch Nutzung der Digitalisierung und moderner Technologien zu rationalisieren und der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen.

Das kann so aussehen, dass ich als Anwalt die Digitalisierung nutze, um meine Dienstleistungen der Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen. Das geht zum Beispiel, indem ich einen Vertragsgenerator erstelle. Oder mithilfe von Chatbots, die MandantInnen nutzen können, um erste Fragen abzuklären und ein besseres Bild zu bekommen. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist FlightRight

Legal Tech kann auch so aussehen, dass eine Großkanzlei große Mengen an Vertragsdaten analysiert, um die besten Klauseln für künftige Verträge zu finden. Legal Tech ist also die Digitalisierung der juristischen Arbeit selber.

Wie bist du darauf gekommen, den Verein zu gründen? Ich habe schon früh im Studium gemerkt, dass Apps und ein gewisses Verständnis von Technik den Studienalltag unheimlich vereinfachen können. So habe ich schon 2019 Kommilitonen gezeigt, wie man digital lernen kann, zum Beispiel mit digitalen Karteikarten. Zeitgleich war ich bei einem Legal Tech Start-Up in in Heidelberg für ein Praktikum. Dort habe ich sehr viel zu Legal Tech mitbekommen, da auch der Gründer sehr aktiv in der Szene ist. Insgesamt habe ich gemerkt, dass im Bereich der Digitalisierung allgemein und im Legal Tech-Bereich sehr viel passiert.

Die Digitalisierung birgt viel Potenzial für Studierende: Sowohl für das Studium als auch für die beruflich Zukunft. Aber es gibt im juristischen Studium eigentlich kaum etwas dazu.

Im Februar 2020 habe ich dann gesehen, dass es Legal Tech Initiativen an anderen Unis gibt. Da dachten einige Kommilitonen und ich: warum nehmen wir das als Studierende nicht einfach selbst in die Hand und schaffen einen Rahmen, in dem sich Jurastudierende mit der Digitalisierung auseinandersetzen können?

Was genau macht ihr bei DisrUPt law? DisrUPt law ist eine Vereinigung von Studierenden jeglichen Wissenstands im Bereich Digitalisierung, die selber mehr über die Digitalsierung (des Rechts) lernen wollen, erlangtes Wissen schon im Studium anwenden möchten und andere Studierende für die Themen der Zukunft begeistern möchten. Es war von Anfang an klar, dass wir sowohl Leute abholen wollen, die schon viel Wissen mitbringen wollen, als auch Leute, die gar kein Hintergrundwissen mitbringen. 

Dort können Studenten sich einerseits fachlich mit der Materie der Digitalisierung im Recht allgemein auseinandersetzen, aber auch mit der sich verändernden Rechtspraxis, in der sich die Sachverhalte mehr und mehr ändern. Vor allem wollen wir durch Veranstaltungen Studierenden die Möglichkeit geben, sich mit der Digitalisierung und Legal Tech auseinander zu setzen und sich in dem Bereich aktiv weiterzubilden. 

Hierdurch schließen wir die Lücke, die momentan zwischen juristischer Praxis und einer immer digitaler werdender Gesellschaft auf der einen Seite und der juristischen Ausbildung auf der anderen Seite besteht. Denn durch disrUPt können (Jura-)Studierende sich schon im Studium in der Digitalisierung des Rechts weiterbilden, ohne irgendwo Mitglied sein zu müssen oder Geld zu bezahlen.

Ihr sitzt in Heidelberg. Kann man bei euch auch mitmachen, wenn man woanders studiert?  Der Stamm und die meisten Mitglieder sitzen in Heidelberg. Aber wir arbeiten digital, einige unserer Mitglieder sind derzeit auch im Ausland oder leben außerhalb von Heidelberg. Deshalb ist unser Credo: Jeder in ganz Deutschland kann mitmachen. Das geht ja dank der Digitalisierung. Wir haben vereinzelt Präsenzveranstaltungen, bei denen wir versuchen, dass die Mitglieder von außerhalb in Heidelberg untergebracht werden. Wir sehen das als Bereicherung, dass Mitglieder dabei sind, die nicht aus Heidelberg kommen. Hierdurch können alle den eigenen Horizont erweitern.

Wo siehst du DisrUPt law in der Zukunft? Wir haben es in den letzten Jahren schon ganz gut etabliert, Wissen an Studierende heranzutragen. Ein Meilenstein war unsere erste “Akademie” mit dem Oberthema “Alternative Karrierewege für Juristen und Juristinnen”, bei der es verschiedenen Seminare gab, um tiefgreifendes Wissen im Bereich Unternehmertum, Gründung von (Legal Tech) Start-Ups und der Arbeit als Legal Engineer zu vermitteln. Im Zentrum stand die Frage, welche Möglichkeiten für Juristinnen außerhalb des klassischen Anwaltsberufes gibt. Die AbsolventInnen erhalten auch ein Zertifikat, auf dem die Experten, die wir eingeladen haben, die Teilnahme bestätigen.

Unser nächstes Ziel ist, neben der Wissensvermittlung – die kostenlos und für alle zugänglich bleiben soll – das Gelernte auch aktiv anzuwenden. Hier erarbeiten wir gerade ein Konzept mit Unterstützung aus der Praxis, von dem ich aber noch nicht zu viel berichten darf.

Und wo siehst du die Zukunft des Legal Techs Ich bin der Auffassung, dass wir noch ganz am Anfang sind, auch wenn Legal Tech sehr viele Fortschritte macht. Obwohl es schon viele Initiativen dazu deutschlandweit gibt, merkt man, diplomatisch ausgedrückt, eine gewisse Technologie-Ferne, die gerade noch im juristischen Studium und juristischen Berufen besteht. 

„Bisher merkt man die Tendenz noch sehr stark: Jurastudierende – Buch, Stift, Papier, andere Studierende – Laptop und moderne Apps.“

Aurelio Diamanti

Bisher merkt man die Tendenz noch sehr stark: Jurastudierende – Buch, Stift, Papier, andere Studentierende – Laptop und moderne Apps. Selbstverständlich bringen andere Studiengänge auch andere Herausforderungen als das Jurastudium mit sich, die technologischer Lösungen bedürfen. Aber auch der klassiche Jurastudierende kann von Technik profitieren. 

Deshalb sehe ich in den nächsten Jahren einen großen Mentalitätsshift, einfach durch die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bringt. 

Dazu kommt eine gewisse Öffnung in der Rechtsausbildung, indem zum Beispiel mehr Materialien gut zugänglich sind. Dadurch wird das Rechtswissen der Allgemeinheit und auch den Studierenden besser zugänglich, was ich sehr begrüße. Aber ich sehe auch eine große Entwicklung, dass schon existierende Rechtspraktiker sich sehr viel weiterbilden müssen, um die komplexen Probleme der Zukunft zu verstehen. Um zum Beispiel künstliche Intelligenz, Blockchain und alles was damit einhergeht zu verstehen, reicht es nicht nur, Grundlagenwissen zu haben. Dafür wird es Juristen brauchen, die sich tief mit Technologie auskennen und einerseits das Recht anwenden können und andererseits das Recht schaffen können, um den Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden. 

Auch im Rechtsmarkt sehe ich einiges an Wandel. Aus meiner subjektiven Perspektive gibt es eine junge Generation an heranwachsenden AbsolventInnen, die einen gewissen Schwung in die Praxis bringen werden. 

Zusammenfassend sehe ich einen ganz großen Transformationsprozess in unsere Gesellschaft und auch speziell im juristischen Bereich. Und dieser Transformationsprozess birgt natürlich für jeden Jurastudierenden eine Chance. Deshalb würde ich auch jeden Jurastudierenden ermutigen, sich mehr mit Technologie und Digitalem auseinandersetzen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Aurelio für das spannende Interview. Mehr zu DisrUpt Law findet ihr auf der Website und auf Instagram @disrupt_law.

Legal Bookclub: „Recht und Gerechtigkeit – Ein Märchen aus der Provinz“

Ein autobiografisches Sachbuch von Jörg und Miriam Kachelmann

In diesem Monat gibt es zum ersten Mal in der Geschichte des Legal Bookclubs eine Gastrezension. Unser Kommilitone Erik Meiners hat für euch das Buch des Ehepaars Kachelmann gelesen und wir freuen uns sehr, seinen Beitrag mit euch teilen zu dürfen.

Zum Inhalt

Nur wenige Gerichtsverfahren haben in den letzten Jahren eine solche mediale Aufmerksamkeit erfahren wie jenes um den Wettermoderator Jörg Kachelmann. 2010 wurde er unter dem Verdacht, er habe seine Expartnerin vergewaltigt, festgenommen und angeklagt. Kachelmann wurde freigesprochen, hat aber noch heute unter den Folgen der damaligen Berichterstattung zu leiden. Seine Frau und er schildern in diesem Buch ihre Erlebnisse und stellen dem Rechtsstaat ein vernichtendes Zeugnis aus.

Chronologisch verfolgt das Buch die Ereignisse in sieben Teilen ab dem Tag der Verhaftung bis zum Freispruch und noch darüber hinaus. Es ist mit vielen Abbildungen von Originaldokumenten versehen; aus wieder anderen Dokumenten wird ausführlich zitiert. Von insgesamt zweiundvierzig Kapiteln hat Miriam Kachelmann lediglich fünf verfasst.

Zur Kritik

Den Autoren geht es nicht darum, Zeugnis abzulegen, um dem Leser ein objektives Urteil über das Vorgehen der Behörden zu ermöglichen. Vielmehr dient das Buch offenbar beiden dazu, sich Luft zu machen. 

Zwischen den Zeilen stehen all der Zorn und die Wut, die sich in den Monaten der Untersuchungshaft und des Prozesses angestaut haben, mehr aber leider nicht. Das Buch wirkt wie eine bloße Aneinanderreihung von Erlebnissen, denen lediglich gemein ist, dass sie den Leser mit dem unbehaglichen Gefühl zurücklassen, irgendetwas müsse hier falsch gelaufen sein. Kachelmann gelingt es nicht, das Zusammenspiel der Einzelfaktoren des systemischen Unrechts darzustellen. 

Das liegt zum einen an seiner fehlenden Expertise und zum anderen an seinem subjektiven Standpunkt. Beides kann Kachelmann nicht vorgehalten werden. Es hindert jedoch daran, dem Buch eine abstrakte Essenz zu entnehmen. So empfindet Kachelmann etwa seine Inhaftierung, überhaupt seine Festnahme, als Ungerechtigkeit und bemängelt in der U-Haft die fehlenden Anstrengungen zur Resozialisierung der Gefangenen. Dabei vergisst er, dass die Untersuchungshaft keine Strafe ist, sondern dazu dient, die Flucht- oder Verdunkelungsgefahr zu minimieren und daher zu diesem Zeitpunkt aus objektiver Sicht geboten war. Zur Resozialisierung ist die U-Haft nicht verpflichtet – schließlich handelt es sich hierbei nicht um Schuldige, sondern um Verdächtige unter dem Schutz der Unschuldsvermutung, die sich also nie außerhalb der Gesellschaft befanden. Ungerechtigkeit mag hingegen etwa in der unverhältnismäßigen Dauer der Untersuchungshaft und in den Haftbedingungen liegen. Die Darstellung lässt an solchen Stellen die Differenzierungen vermissen, deren Abwesenheit andererseits bei der Berichterstattung selbst bemängelt wird. Es fällt daher schwer, sie tatsächlich ernst zu nehmen. 

Erst der allerletzte Teil des Buches lässt aufatmen. Miriam Kachelmann beschreibt, „was sich ändern muss“ und übt erfrischende Kritik. Sie zeigt, dass das Bild, das die StPO von der Richterpersönlichkeit zeichnet, unzutreffend ist, dass das Jurastudium nicht ausreichend auf die Tätigkeit als RichterIn vorbereitet und dass die Rechtspraxis nur diesem Idealbild entsprechen kann, wenn sie sich sehr anstrengt.

„Richter sind leider nicht so übermenschlich, wie unsere Strafprozessordnung es sich wünscht.“

S. 292

Es ist der Teil des Buches, der nicht nur hätte nachgeschoben werden sollen, sondern über den gesamten Text verteilt das Fundament hätte darstellen müssen.

Kachelmann will an seinem Beispiel eine Analyse des Rechtsstaates und dessen Problemen liefern. Leider verfängt er sich auf dem Weg dorthin in Kleinigkeiten und zwingt den Leser, seine stetigen Beschwerden und Selbstbemitleidungen zu ertragen. Dies tut dem Buch einen gewaltigen Abbruch. Kachelmann schafft es nicht, über das große Ganze zu sprechen, weil es ihm wichtiger ist, über sich selbst zu reden. Das Buch zeigt daher nur noch die Scherben, die eine Falschbeschuldigung, Mediendruck und die darunter einknickende Justiz zurücklassen. 

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal bei Erik für seine kritische und authentische Rezension und werden nach Möglichkeit auch in Zukunft diverse Gastrezensionen veröffentlichen.

Wie schreibe ich ein Prädikatsexamen?

Ein Interview mit Arian Birth

Diesen Monat hatten wir die Chance, Arian Birth zu interviewen.

Er ist 23 Jahre alt, kommt aus Stralsund und hat sein Jurastudium an der Universität Greifswald mit einer zweistelligen Note abgeschlossen.[1] Seinen Schwerpunkt legte er in „Europarecht und Rechtsvergleichung“ ab und absolvierte zusätzlich ein Auslandssemester in Lund, Schweden.

Wir sind sehr froh darüber, dass wir ihm eure vielen Fragen zu seinem Examen stellen durften, die ihr uns über Instagram zukommen lassen habt. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Arian, vielleicht fangen wir ganz vorne an: wie kamst du überhaupt dazu, Jura zu studieren?

Ich habe tatsächlich vor dem Jurastudium ein Semester lang BWL studiert, aber das war mir zu mathelastig. Danach musste ich mich umorientieren und habe überlegt „Eigentlich interessierst du dich sehr für gesellschaftliche Themen, Politik, Wirtschaft.“ Ich wollte etwas studieren, bei dem ich das Gefühl hatte, das größere Ganze überblicken zu können und da schien mir Jura eine gute Wahl zu sein. Außerdem fand ich Jura sehr praxisbezogen, da man von Tag eins an Dinge lernt, die man auch in seinem Alltag gut gebrauchen kann.

Wie waren deine Noten im Studium?

Am Anfang mittelmäßig. In meiner ersten Hausarbeit hatte ich 4 Punkte. Bis zur Zwischenprüfung hatte ich so meine Startschwierigkeiten. Je mehr ich aber gelernt und verstanden habe, desto besser wurden auch die Noten.  

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, abzubrechen?

Ich glaube jeder von uns hat sich diese Frage schon gestellt, und nicht nur ein Mal (lacht). Es gab häufiger Zeiten, gerade in Richtung der großen Scheine, in denen ich mich überfordert gefühlt habe und mich gefragt habe „Warum mache ich das hier überhaupt?“. Auch in der Examensvorbereitung gab es Momente, die schwierig waren, aber ich bin einfach drangeblieben. Das war auch sehr gut so, denn irgendwann kommt immer eine gute Note in einer Probeklausur, die einen weiter motiviert. 

Hast du in Regelstudienzeit studiert?

Ja, ich habe nach neun Semestern mein Examen geschrieben. Ich hatte Glück, dass ich relativ schnell durch die Übungen kam und nichts wiederholen musste. Dazu muss ich aber auch sagen, dass meine Examensvorbereitung vergleichsweise kurz war. 

Wie lang war deine Examensvorbereitung?

Ich kam damals aus dem Auslandssemester und wollte gerne möglichst schnell fertig werden, da das permanente Lernen schon sehr anstrengend war. Ich habe mir deshalb einen Examenstermin herausgesucht, der für mich machbar wirkte und das war dann der für April 2021. Ich habe mir quasi bis Weihnachten eine Frist gesetzt, bis zu der ich mich endgültig entscheiden musste, ob ich zum Examen antrete und wollte diese Entscheidung dann von den Ergebnissen der Probeklausuren abhängig machen. Im Endeffekt habe ich mich acht Monate lang intensiv auf das Examen vorbereitet. Dazu muss ich sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon vieles ausgearbeitet hatte und fast die gesamte Zeit nur zum Lernen nutzen konnte. Ich habe versucht, mir so viel wie möglich während der großen Übungen an Wissen anzueignen, um dann später eine gute Grundlage für die Examensvorbereitung zu haben.

Hast du digitale oder analoge Notizen benutzt?

Ich habe alles auf eigenen Karteikarten notiert. Im ersten Semester hatte mir eine Seminarleiterin zu Karteikarten geraten und diesen Rat habe ich dann befolgt. Dazu hatte ich noch extra Definitionskarteikarten, das müssten allein schon mindestens 350 gewesen sein… 

Digitale Notizen waren nicht meins, da ich die Karteikarten gerne in der Hand halte beim Lernen. 

Wie war deine Lernroutine im Examen? 

Ich habe morgens mit 20 Minuten Definitionenlernen angefangen. Danach habe ich eine Lösungsskizze für einen Fall erstellt und die Skizze dann mit der Musterlösung abgeglichen. Den Rest des Tages bin ich dann meine Karteikarten durchgegangen: also Schemata, Streitstände, etc. Insgesamt habe ich pro Tag ca. acht Stunden lang gelernt, mit zwischenzeitlichen Pausen.

Hattest du einen Lernplan?

Die Lernpläne, die ich z.B. im Internet gefunden habe, waren alle nicht auf die kurze Zeitspanne ausgelegt, in der ich mich vorbereitet habe. Daher habe ich mir als eigenen Lernplan festgelegt, dass ich jede Woche alle Stoffgebiete bearbeite, sodass ich im Stoff bleibe. Zwei bis zweieinhalb Tage die Woche habe ich mich mit Zivilrecht beschäftigt, dann zwei Tage mit öffentlichem Recht und ca. einen Tag mit Strafrecht. Samstags habe ich Probeklausuren im Examensklausurenkurs meiner Universität geschrieben, insgesamt waren es vielleicht 15 Probeklausuren.

An einem Tag in der Woche war ich beim Öffrecht-Repetitorium meiner Uni, aber ich habe kein privates Repetitorium besucht. Öffentliches Recht war eigentlich nie meine Stärke, daher brauchte ich da mehr Input als in den anderen Fächern. Den Rest des Stoffs habe ich mir über Bücher mehr oder weniger selbst beigebracht, da ich nicht der Typ für Vorlesungen war. Einen Tag in der Woche habe ich mir komplett frei genommen.

Eine Lerngruppe hatte ich nur für den Schwerpunkt, aber nicht für das Examen selbst.

Ich habe inhaltlich in der Examensvorbereitung ganz bewusst mit BGB AT gestartet und habe nicht erst bei den Spezialgebieten angefangen zu lernen, um die Themen wirklich von Grund auf zu verstehen. 

Was Lernpläne angeht, muss man da wirklich schauen, dass man für sich einen individuellen Lernplan erstellt und nicht danach schaut, was von irgendjemand anderem vorgegeben wurde.

Welche Materialien kannst du empfehlen (Bücher, Zeitschriften, Skripte)?

Ich habe viel mit den Übungsklausuren der JuS gearbeitet, die haben mir gefallen. Mit dem Klausurenfinder habe ich mir dann speziell Klausuren zu den Themengebieten herausgesucht, die ich gerade bearbeitet habe. Die ZJS fand ich auch sehr gut, die Zeitschrift ist online frei abrufbar. Dort sind wirklich extrem anspruchsvolle Klausuren dabei – wer die gut lösen kann, braucht vor dem Examen wirklich keine Angst zu haben. Was Bücher angeht, habe ich viel mit den Büchern aus dem Nomos-Verlag gearbeitet. Das Nomos-Lehrbuch von Faust zum BGB AT kann ich z.B. sehr empfehlen. 

Spezielle Probleme habe ich in der Examensvorbereitung gerne im Kommentar nachgelesen, am liebsten im Beck-Onlinekommentar, da er sehr verständlich geschrieben ist und man darauf so einfach zugreifen konnte.

Was war dein Lieblingsrechtsgebiet?

Ich habe sehr gerne Europarecht gemacht. Ansonsten war Zivilrecht mein Lieblingsgebiet. 

Was würdest du im Rückblick anders machen und was hat gut funktioniert?

Rückblickend hätte ich vielleicht ein bis zwei Monate länger für das Examen lernen können, da es schon eine stressige Zeit war. Insgesamt war aber meine Lernstrategie auf mich persönlich optimal zugeschnitten und ich war mit dem Ergebnis so weit zufrieden.

Was aber gut funktioniert hat, war es, mir ca. alle fünf bis sechs Wochen die gesamten Karteikarten in dem jeweiligen Rechtsgebiet anzuschauen und zu wiederholen. Wenn man das nicht tut, vergisst man den Stoff leider sehr schnell.

Wie waren die letzten Wochen vor dem Examen für dich?

In den letzten zwei Wochen habe ich versucht, nichts mehr für Jura zu machen und mir die Dinge nur noch einmal im Kopf zurechtzulegen und zu ordnen. Ich war kaputt und hatte das Gefühl, dass wenn ich mir nicht endlich mal die Zeit nehme, um runterzukommen und mich mental auf die Situation vorzubereiten, dass es dann schiefgeht. Ich glaube, wenn man bis zum letzten Tag noch lernt, ist man zu nervös und im Kopf nicht frei genug für die Klausur. Ich habe mich dann mit ein paar Freunden getroffen, habe ausgeschlafen und Netflix geschaut. Das hat mir wirklich sehr geholfen. 

Hattest du die Erwartungshaltung, ein Prädikatsexamen zu schreiben?

Natürlich wünscht man sich das… Ich wollte das gerne schaffen. Ich hatte auch ein paar gute Probeklausuren geschrieben. Dadurch wusste ich, dass es theoretisch möglich wäre, so ein Ergebnis zu erzielen. Ich wusste aber auch, dass meine Vorbereitung sehr kurz war und viel an Normalität und Präsenz an der Uni durch Corona weggefallen war. So ca. acht Punkte insgesamt waren vorher mein Ziel. Hätte ich das nicht geschafft, hätte ich vermutlich die Möglichkeit genutzt, mich zu verbessern, da das ja mein Freiversuch war. 

Mit welchem Gefühl bist du in die Examensklausuren reingegangen?

Vor der ersten Klausur waren wir natürlich alle sehr nervös. Ich habe mir gedacht „Oh Gott, wie wird das hier wohl heute?“. Man kennt die Situation einfach nicht und kann sie auch im Kopf vorher nicht durchspielen. Letztendlich versteht man erst, wie es ist, wenn man selbst dort gesessen hat. Ich habe versucht, mich darauf zu besinnen, dass meine Probeklausuren ganz gut gelaufen sind und dass ich sehr viel gelernt habe. Ich hatte eine ganze Zeit lang vor der endgültigen Anmeldung zum Examen das Gefühl „Ich weiß nicht genug. Das wird jetzt nichts…“ – das war eigentlich das viel schlimmere Gefühl. Als ich mich dann dazu entschieden hatte, anzutreten, war ich relativ entschlossen, dass das jetzt irgendwie klappen muss. Ich wollte einfach nur noch, dass es endlich losgeht.

Wie ging es dir nach der letzten Klausur?

Die letzte Klausur war wirklich nicht schön, ich war dort sehr in Zeitbedrängnis. Als ich dann aus dem Raum rausging, habe ich gemerkt, wie die komplette Anspannung von mir abgefallen ist. Ich hatte danach so ca. drei Wochen lang nicht viel mit Jura zu tun, sondern war viel unterwegs und habe meine Familie und Freunde besucht; also alles nachgeholt, was ich in der Zeit davor nicht geschafft habe. 

Wie geht es jetzt beruflich für dich weiter?

Ich habe mich dafür entschieden, erst einmal an der Universität Greifswald zu bleiben und arbeite als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Schinkels am Lehrstuhl. Ich bin gerade dabei, meine Doktorarbeit im Internationalen Privatrecht vorzubereiten. Wahrscheinlich wird es für mich langfristig in Richtung Anwaltschaft gehen. Aber meine Pläne für die Zukunft würde ich noch als entwicklungsoffen beschreiben.

Welchen Tipp möchtest du unseren LeserInnen abschließend geben?

Fürs Examen würde ich den Tipp geben, dass man sich nicht zu sehr verunsichern lassen darf von dem, was andere machen. Man muss für sich selbst herausfinden, was für einen gut funktioniert und was nicht. 

„Ich habe gelernt, dass man nie alles können kann. Und davon darf man sich nicht entmutigen lassen.“

Das ist ganz wichtig. Was ich außerdem für das persönliche Leben empfehlen kann: ich würde probieren, wenigstens an einem Tag in der Woche ein bisschen Abstand von Jura zu bekommen und etwas anderes zu machen. Man darf sich nicht verrückt machen lassen von dem, was andere sagen oder was man so liest.

Erstsemestern kann ich nur empfehlen, irgendwo mit dem Lernen anzufangen und einfach weiterzumachen. So banal es klingen mag, aber man sollte immer dranbleiben, egal wie es gerade läuft. 

 

An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal bei Arian für seine Zeit und die vielen Antworten, die er uns gegeben hat. Einen Instagram-Post zu dem Interview findest du unter @goldwaage.jura, wo du uns gerne einen Kommentar hinterlassen kannst. 


[1] Seine genaue Examensnote möchte Arian nicht veröffentlichen, aber da wir ihn persönlich kennen, können wir seine Leistung bestätigen.

Trotz Lernstress bei Laune bleiben? – Meine sechs Tipps

Vielleicht kennst du das: die ersten Wochen des Semesters verlaufen entspannt und ohne viel Lernaufwand. Bis du plötzlich in den Kalender schaust und siehst, bis zur nächsten Klausur sind nur noch wenige Wochen Zeit. (An unserer Uni schreibt man die Klausuren übrigens während des Semesters, im Abstand von einigen Wochen)

Früher hat mich das wahnsinnig nervös gemacht, ständig Deadlines und Prüfungen im Hinterkopf zu haben und schlagartig viel Zeit in der Bibliothek zu verbringen. 

Das führte oft zu Stress und Folgeerscheinungen, wie Kopfschmerzen, Verspannungen und nicht selten innerer Unruhe. 

Während der letzten Semester möchte ich behaupten, habe ich jedoch eine Routine entwickelt und einige Kniffe gelernt, die Prüfungsphasen um einiges leichter machen. Diese möchte ich heute mit dir teilen. 

1. Gut planen Setze dir am Anfang der Woche realistische Ziele und notiere feste Lern- und Pausenzeiten in deinen Kalender. So überlässt du nichts dem Zufall und hast, wenn du die eine Auszeit nimmst, kein schlechtes Gewissen. 

2. Ein großer Wocheneinkauf  Es gibt wenig, was meine Stimmung so schnell kippen lässt, wie ein leerer Magen. Nach einem langen Tag in der Bibliothek nach Hause zu komme und nichts zu Essen im Kühlschrank zu finden ist für mich ein absoluter Albtraum.

Deswegen mache ich in arbeitsintensiven Zeiten gerne einen großen Wocheneinkauf (und wenn ich ganz besonders ambitioniert bin, koche ich sogar schon ein Gericht vor). So muss ich mir nach getaner Arbeit nicht noch den Kopf darüber zerbrechen, was ich koche oder mir zum dritten Mal in der Woche einen Döner holen. 

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3. Top Drei des Tages  Den Tipp habe ich aus einem Podcast von Mia Keller, der Betreiberin des Erfolgsblogs Kochkarussel. Ihr Produktivitätshack ist so einfach wie genial. Statt ellenlangen To-Do-Listen notierst du dir täglich deine Top Drei Dinge, die du erledigen möchtest. Das sind sozusagen die Pflichtübungen, alles was du darüber hinausgehend machst ist Kür. 

Ich nutze diese Technik jetzt seit einigen Wochen und bin so viel motivierter und produktiver. Denn durch diese überschaubare Menge an Aufgaben bist du nicht schon morgens gehemmt, überhaupt anzufangen und hast auch einen Schutzmechanismus, der dich vor Überarbeitung bewahrt. 

4. Schöne Dinge einplanen  Auch wenn du einen vollen Stundenplan hast – vergiss nicht, dir täglich Zeit für ein paar schöne Erlebnisse zu nehmen. Triff Freunde, lies ein gutes Buch, schau einen Film, mach einen Spaziergang, …. Das ganze muss weder teuer noch zeitintensiv sein: Schon eine gemütliche Mittagspause mit KommilitonInnen, eine halbstündige Auszeit im Park oder einem Café können aus einem stressigen einen erholsameren Tag machen. 

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5. Genug schlaf Zugegeben, das ist wirklich kein Geheimtipp… Aber obwohl wir alle wissen, wie essentiell guter Schlaf für die Gemütslage und die Konzentrationsfähigkeit sind, neigen viele von uns dazu, Schlaf als erstes zu vernachlässigen, wenn viel ansteht. Dabei ist nichts frustrierender, als kaputt in der Bibliothek zu sitzen und den gleichen Satz zum vierten Mal zu lesen, weil einem vor Müdigkeit die Augen zufallen. Also: arbeite lieber ein, zwei Stunden weniger, dafür aber im wachen Zustand. 

6. Fortschritt festhalten Notiere dir in regelmäßigen Abständen, was du schon geschafft hast. Durch die Fülle des Lernstoffs verliert man in Jura schnell den Überblick über all die Dinge, die man schon verstanden und gelernt hat. Es schadet deshalb nicht, regelmäßig zum eigenen Cheerleader zu werden und sich selbst vor Augen zu führen, wie weit man es schon geschafft hat.

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Legal Bookclub: Inside Strafverteidigung – Advokaten des Bösen

Ein Sachbuch von Burkhard Benecken und Hans Reinhardt*

(Werbung wegen Nennung des Buches)

Im November stellen wir euch diesmal „Inside Strafverteidigung“ vor, welches erst im Herbst dieses Jahres erschienen ist. Das Sachbuch handelt vom Berufsbild und -alltag aus Sicht eines Strafverteidigers. Herr Benecken und Herr Reinhard räumen mit Vorurteilen zu ihrem Berufsstand auf und zeigen auf 320 Seiten, wie sehr sie für ihren Beruf brennen.

„Strafverteidigung ist eine der wichtigsten Säulen des Rechtsstaates und nebenbei eine unglaublich spannende Welt, die es verdient, differenziert betrachtet zu werden.“

Anhand aufregender, deutschlandweit berühmter Fälle erläutern die Autoren die unterschiedlichen Strategien in der Strafverteidigung und gewähren den Lesenden einen Blick hinter die Kulissen der Justiz. Außerdem werden im Rahmen dieser Fälle die juristischen Besonderheiten und Einzelheiten erläutert, welche für NichtjuristInnen oder StudienanfängerInnen separat erklärt werden. Damit ist das Buch nicht nur eine wunderbare Lektüre für JuristInnen, die sich mit Strafverteidigung auseinander setzen wollen, sondern auch für Laien, welche noch keine Vorkenntnisse auf diesem Bereich aufweisen.

Ein Highlight des Buches stellt für mich das Kapitel 7 dar: „Eine Woche im Leben eines Strafverteidigers“, in dem man erkennt, wie arbeitsintensiv und abwechslungsreich die Strafverteidigung sich darstellt. Ein weiteres lesenswertes Kapitel ist das elfte, in dem ein brisanter Fall mit einer sehr bekannten Frau beleuchtet wird und anhand dessen aufgezeigt wird, wie schwierig die Verteidigung von Prominenten sich bei erhöhter Medienaufmerksamkeit darstellen kann.

Ich persönlich war sehr begeistert von diesem Buch und habe es förmlich verschlungen. Dadurch, dass es durch die immer anders gelagerten Fälle so kurzweilig ist, würde man am liebsten gar nicht mehr aufhören, zu lesen. Mit großer Spannung erwarte ich daher weitere Bücher von Herrn Benecken und Herrn Reinhardt und wünsche euch bis dahin viel Spaß beim Lesen.

Habt ihr das Buch bereits gelesen? Dann schreibt uns gerne einen Kommentar auf Instagram dazu auf @goldwaage.jura.

*Dieses Buch wurde uns vom Verlag Benevento Publishing kostenlos zur Verfügung gestellt; die Rezension beruht selbstverständlich auf unserer Eigenwahrnehmung ohne den Einfluss des Verlages.

Fünf Gründe, das Jurastudium zu lieben

Ich bin inzwischen in meinem siebten Semester. Neben der (teilweise sehr berechtigten) Kritik am Studium, gibt es so einiges, das ich die letzten Jahre an dem Studiengang zu schätzen gelernt habe. Das habe ich für euch in diesem Post gesammelt.

1. Flexibilität In kaum einem anderen Studium kannst du dir deine Zeit so frei einteilen wie im Jurastudium. Du kannst Vorlesungen eigentlich gänzlich aus deinem Stundenplan streichen, falls du der Typ Selbstlerner bist und nur die Pflichtveranstaltungen (AGs, VKs) belegen. Da der Lernstoff bundesweit fast identisch ist, hängt relativ wenig von den einzelnen Dozierenden und deren vorlesungsbegleitendem Material ab. Etwas anderes gilt natürlich, wenn es z.B. um den Schwerpunktbereich oder Zusatzqualifikationen wie den Fremdsprachenschein geht.

Bei vielen Pflichtveranstaltungen kannst du dir darüber hinaus die Zeiten selbst aussuchen. Du bist Frühaufsteher und hast dann gerne den Nachmittag frei? Kein Problem, leg dir deine AGs und Seminare auf 8:00 Uhr morgens. 

2. The sky ist the limit Eine Sache wird dir im Jurastudium und späteren Berufsleben nie passieren: Unterforderung. Durch die unzähligen Rechts- und Spezialgebiete gibt es immer etwas neues zu lernen, was für wissbegierige Menschen extrem viele Möglichkeiten bietet. Mit Jura wirst du nie das Gefühl haben, dein volles Potenzial nicht entfalten zu können und in einer Tätigkeit stecken zu bleiben. Die Karriereoptionen sind so vielfältig, dass du keine Stagnation in der Zukunft befürchten musst.

3. Alle Türen stehen dir offen Dieser Punkt leitet sich aus dem vorherigen ab und verdeutlicht noch einmal, wie viel du eigentlich mit Jura anfangen kannst. Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Strafverteidigung, Rechtsanwaltstätigkeit, Behördenarbeit, Gerichtspraxis, Verlagswesen, Journalismus, Arbeit an der Universität – das sind Möglichkeiten, die dir mit zwei Examen offen stehen, wobei natürlich klar ist, dass einige Wege nur mit Prädikatsexamen zu meistern sind. Genau dieser Aspekt des Jurastudiums war es am Ende, der mich davon überzeugt hat, da ich nicht wie bei anderen Studiengängen das erdrückende Gefühl hatte „Oh nein, wie soll ich mit meinen 18 Jahren genau entscheiden, was ich die nächsten zehn bis 50 Jahre beruflich machen möchte?“. Genau das musst du mit Jura nämlich nicht.

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4. Allgemeinbildung Jura hilft ungemein dabei, die komplexen Zusammenhänge zwischen Politik, Recht, Verwaltung, Gesellschaft, Philosophie und Geschichte zu verstehen. Durch die Fremdsprachenqualifikation wirst du auch sprachlich ausgebildet und deine Rhetorikqualifikation befähigt dich dazu, noch selbstbewusster und kompetenter aufzutreten. Das alles sind unglaublich wichtige Erkenntnisse und Schlüsselkompetenzen, die einem das Jurastudium vermittelt und die ich in meinem Alltag nicht missen möchte.

5. Kontakte Im Laufe deines Studiums wirst du viele sehr wichtige und gute Kontakte knüpfen können. Ob zu deinen Kommilitonen, die später am Lehrstuhl arbeiten, zu den Dozierenden, zu deinen PraktikumsleiterInnen usw. Es ist wirklich sehr hilfreich, wenn man am Studienende bereits einen Rechtsanwalt aus seinem Nebenjob kennt, einen Wirtschaftsstrafrechtler, der an der Uni Dozent ist oder eine Staatsanwältin aus seinem Praktikum. All das sind Menschen, die dich sowohl karrieretechnisch als auch persönlich bereichern können und in Zukunft vielleicht den ein oder anderen Rat für dich haben – ganz egal in welche Berufsbahn es dich letztlich verschlägt.

Diese Dinge darfst du im ersten Semester ruhig bleiben lassen

Eine kleine “Not-To-Do-Liste”

Das erste Semester an einer Uni kann überwältigend sein – und das Studienfach Rechtswissenschaften mit seinen Besonderheiten ganz besonders. 

In diesem Beitrag möchte ich dir fünf Tipps an die Hand geben: mit lauter Dingen, die du im ersten Semester ohne schlechtes Gewissen sein lassen kannst. 

1. Bücher kaufen  Fast alle ProfessorInnen beginnen ihre Vorlesungen mit Buchempfehlungen, bei denen sie eine Hand voll Lehrbücher präsentieren und nicht selten auch zum Kauf eines der Bücher raten. 

Ich habe das in meinem ersten Semester brav befolgt und einen Batzen Geld in der Universitätsbuchhandlung gelassen – und das später bereut. 

Abgesehen von Gesetzbüchern würde ich im Nachhinein wirklich davon abraten, Literatur neu zu kaufen. Vielmehr würde ich auf den Bestand der Unibibliothek zurückgreifen. Dort gibt es alles kostenlos und du wirst nicht von deinem schlechten Gewissen eingeholt, wenn du zum wiederholten Male ein Buch nur kurz aufschlägst und dann rasch beiseite legst. Außerdem rauben ausgeliehene Bücher dir nicht dauerhaft Platz im Bücherregal.

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2. Sich von panischen KomilitonInnen nervös machen lassen Ich kann inzwischen an zwei Händen abzählen, wie oft ich von KommilitonInnen “Tipps” und gut gemeinte Ratschläge erhalten habe, die sich im Nachhinein als falsch oder nutzlos herausgestellt haben. 

Natürlich ist es hilfreich, sich mit Mitstudierenden auszutauschen – ganz häufig bekommt man dadurch wertvolle Hinweise. 

Wovon du dich allerdings fernhalten solltest, sind die Panik-Macher. Das sind die, die vorgeben, sich schon seit Jahren im Recht auszukennen, die von morgens bis abends in der Bibliothek sitzen und die ständig Horrorszenarien über das Studium von sich geben. 

Aus eigener Erfahrung weiß ich: oft ist das Gerede nur heiße Luft und man kommt auch mit einem durchschnittlichen Lernaufwand gut durch die ersten Semester. 

3. Ungeplant ins Studium Als Ersti musst du ganz sicher nicht dein gesamtes Studium durchgetaktet haben. Viele Möglichkeiten ergeben sich erst im Laufe des Studiums und natürlich kann auch immer etwas passieren, dass den Ablauf deines Studiums verändert.

Was ich jedoch unbedingt empfehlen würde, ist dir einen groben Plan über das Studium zu machen. Dafür kannst du dich am Regelstudienplan deiner Uni orientieren und außerdem zusätzliche Verpflichtungen einplanen. Wenn du also im Hinterkopf hast 

-außergewöhnliche Praktika

-ein Auslandssemester 

zu absolvieren, beachte, dass dafür oft eine langwierige Vorbereitung nötig ist. 

Wenn du dir von Anfang an grob überlegst, wann du in etwa ins Ausland gehen oder deine Praktika absolvieren möchtest, hast später kaum Stress mit der Organisation. Als Plan reicht übrigens eine kurze Notiz im Handy, in der du ungefähr einteilst, was du in welchem Semester schaffen möchtest. 

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4. Deine gesamte Freizeit opfern Als großer Fan einer gesunden “Jura-Life-Balance” muss ich das natürlich sagen: Mach nicht zu viel. Ein gesunder Fleiß hat noch niemandem geschadet, aber achte darauf, dich nicht in der Fülle des Lernstoffes zu verlieren.

Jura ist ein so umfassendes Fach, dass es theoretisch immer noch etwas gibt, das du lernen könntest. Statt dich am Anfang jedoch mit Detailfragen zu quälen, arbeite im ersten Semester lieber an einem soliden Grundlagenwissen. Das wird dich weit bringen und lässt dir außerdem genug Zeit für Freunde, Familie, Freizeit und Hobbies. 

5. Alles sofort verstehen wollen  Jura ist ein wahnsinnig umfassendes Studienfach. Es ist deswegen gar nicht von der Studienordnung vorgesehen, dass du sofort alles verstehst. In jedem Semester wirst du dein Wissen weiter aufbauen, bis du dich irgendwann auskennst. Mach dich deswegen im ersten Semester nicht verrückt, wenn du nicht sofort alles verstehst – das juristische Denken kommt mit der Zeit.

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