Eine der wichtigsten Lernstrategien im Jurastudium betrifft nicht Karteikarten, Lernpläne oder die perfekte Klausurtaktik. Sie betrifft den Umgang mit Leistungs- und insbesondere Notendruck, mit der Stoffmenge, der langen Studiendauer und natürlich mit der Unvorhersehbarkeit der Examensklausuren und der mündlichen Prüfung. In diesem Beitrag erklärt die unserer Autorin Lea, wie das geht.
Die Bedeutung, die der Examensnote für den späteren beruflichen Weg zugeschrieben wird, ist im Vergleich zu vielen anderen Studiengängen immens. Das erzeugt Druck kann motivierend sein, wirkt oft aber auch belastend. Gleichzeitig braucht niemand Juristinnen und Juristen, die noch vor dem eigentlichen Berufsstart kurz vor dem Burnout stehen.
Natürlich wird psychische Belastbarkeit später Teil des Berufsalltags sein und das Studium bereitet darauf in gewisser Weise auch vor. Trotzdem ist es wichtig, sich frühzeitig mit Strategien auseinanderzusetzen, wie man auf die eigene psychische Gesundheit achtet. Denn mentale Gesundheit ist nichts, was man mal eben für 1,5 Jahre Examensvorbereitung „hintenanstellt“ und danach problemlos wieder hervorholt.

Hier sind drei Dinge, die dabei helfen können, selbstachtsamer durchs Jurastudium zu gehen:
Hab Mitgefühl mit dir selbst
Viele Studierende sind ihr eigener härtester Kritiker. Vielleicht kennst di das ja auch: Man setzt sich selbst Maßstäbe, die man vermutlich nie an Freunde oder Familie anlegen würde. Läuft eine Klausur schlecht oder versteht man ein Thema nicht sofort, werden häufig direkt die eigenen Fähigkeiten infrage gestellt.
Dabei hilft es oft, bewusst einen Schritt zurückzutreten. Würdest du mit einer befreundeten Person genauso sprechen, wie du gerade mit dir selbst sprichst? Vermutlich nicht. Gerade wenn etwas nicht gelingt, sollte man versuchen, nicht zu hart mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Manchmal hilft es auch, sich aktiv Rückmeldung von nahestehenden Personen einzuholen, weil die eigene Wahrnehmung unter Stress oft deutlich negativer ausfällt als die Realität.
Plane aktiv Auszeiten ein
Kaum jemand ist dauerhaft leistungsfähig, und selbst wenn, ist die Frage, wie erstrebenswert das eigentlich wäre. Pausen sind kein Zeichen von Faulheit, sondern notwendig für ein funktionierendes Ressourcenmanagement.
Immer wieder heißt es, das Jurastudium sei ein Marathon. Und wie bei einem Marathon kann man nicht dauerhaft sprinten, ohne irgendwann an Geschwindigkeit zu verlieren. Deshalb sind längere lernfreie Zeiten wichtig: Urlaub, freie Wochenenden oder einfach Tage, an denen man bewusst nicht lernt. Nicht nur zur Erholung, sondern auch, damit Wissen sich setzen kann und das Gehirn überhaupt die Möglichkeit hat, Verbindungen zu bilden.
Auch im Alltag sind unrealistische Erwartungen oft eher kontraproduktiv. Aktive Lernzeiten von acht oder mehr Stunden täglich sind für die wenigsten langfristig realistisch. Entsprechend bringt es wenig, sich einen Lernplan zu schreiben, der schon beim Erstellen kaum erfüllbar wirkt und am Ende nur Frust auslöst, weil die Stoffmenge nicht schaffbar war.
Hilfreicher ist meist eine individuelle Planung, die sich an den eigenen produktiven Lernzeiten orientiert und genügend Abwechslung enthält: Wiederholung, Auffrischung, Falltraining, aber eben auch Zeit für eine entspannte Mittagspause oder ein Kaltgetränk am Abend mit Freunden. Gerade in der Examensvorbereitung kann das helfen, Studium und Sozialleben zumindest ansatzweise miteinander zu vereinen, ohne dass man wochenlang nur noch zwischen Bibliothek und Schreibtisch existiert.
Hinterfrage Lernroutinen -was hilft dir wirklich?
Nicht jede Lernmethode funktioniert für jede Person gleich gut. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich regelmäßig zu fragen: Was stresst mich eigentlich konkret und gibt es Möglichkeiten, das zu verändern?
Vielleicht merkst du, dass dir Lerngruppen nicht guttun, weil ihr mehr redet als arbeitet und du dadurch unzufrieden nach Hause gehst. Dann kann eine andere Gruppendynamik helfen. Oder vielleicht funktioniert Lernen allein für dich tatsächlich besser. Andersherum kann es aber auch sein, dass dir gerade der Austausch fehlt und das Lernen als „Einzelkämpfer“ in der eigenen Wohnung auf Dauer eher belastend als produktiv ist.
Das Schwierige am Jurastudium ist auch, dass es die eine perfekte Lernmethode nicht gibt. Einerseits ist das beängstigend, weil es keine allgemeingültige Anleitung zum Erfolg gibt. Andererseits liegt genau darin auch eine Freiheit. Du kannst lernen, wie es für dich funktioniert. Diese Flexibilität werden viele später im Berufsleben vermutlich nicht mehr in gleichem Maße haben.
Und genau deshalb darfst und solltest du Dinge verändern. Gefällt dir ein Repetitor nicht, kannst du den Anbieter wechseln oder später einen anderen Kurs besuchen. Merkst du, dass du zwar von morgens bis abends in der Bib sitzt, aber trotzdem kaum etwas schaffst, liegt das möglicherweise nicht an mangelnder Disziplin, sondern an einem unrealistischen Lernplan oder daran, dass du mehr Pausen brauchst, als du dir zugestehst.
Gleichzeitig gehört es auch dazu, eigene Grenzen anzuerkennen. Nicht nur zeitlich, sondern auch fachlich. Es ist kaum möglich, jedes Rechtsgebiet gleich gut zu beherrschen und ist wahrscheinlich auch gar nicht der Anspruch. Sich wochenlang an einem Thema festzubeißen, das man in diesem Moment einfach nicht versteht, kann mental enorm belastend sein und gleichzeitig wertvolle Zeit kosten. Zu erkennen, dass man an einem Punkt gerade nicht weiterkommt und später nochmal darauf zurückkommen muss, ist keine Schwäche, sondern oft die sinnvollere Entscheidung. Man ist mehr als das Studium. Und eine einzelne Wissenslücke wird einem nicht das Examen kosten.

Die psychische Gesundheit wirkt weit über das Studium hinaus. Sie beeinflusst unser Wohlbefinden, unsere Beziehungen und letztlich auch unsere Lebensqualität. Gerade deshalb ist es wichtig, selbstachtsames Lernen nicht als „Luxus“, sondern als festen Bestandteil des Studiums zu begreifen. Denn am Ende sollte man nicht nur das Examen bestehen, sondern auch noch etwas von dem Leben danach haben.
Worauf achtet ihr, um eure psychische Gesundheit auch in stressigen Phasen auf einem guten Level zu halten?
Teilt gern eure Erfahrungen auf Instagram @goldwaage.jura
