Warum ich dieses Jahr keine Workation mache

Wie Hustle Culture sogar unseren Urlaub beeinflusst

Der Hashtag #workation ist zurzeit sehr beliebt auf Instagram. Fast 200.000 Beiträge wurden bisher dazu veröffentlicht. Teilweise wird Workation sogar als der Trend des Jahres 2021 beschrieben.[1]

Doch was versteht man eigentlich unter dem Begriff „Workation“? Workation meint die Verschmelzung von Arbeit (work) und Urlaub (vacation).[2] Diverse Reiseanbieter werben damit, dass man zwischen Palmen sitzend alkoholfreie Cocktails genießen kann und gleichzeitig gut gelaunt seiner Arbeit nachgehen kann. Das klingt paradiesisch, luxuriös und gleichzeitig produktiv, oder? Leider nur auf den ersten Blick, wie ich finde. 

Abschalten ist wichtig – diesen Satz hört ihr immer wieder auf unserem Blog. Und mit Abschalten meinen wir nicht, dass man nach einem achtstündigen Arbeitstag angespannt und müde am Strand sitzt und sich Gedanken zum morgigen Meeting und den vierundzwanzig unbeantworteten Mails macht. Oder dass man entscheiden muss, ob man abends beim Barhopping durch die Altstadt mitmacht oder schon ins Bett geht, da am nächsten Morgen wegen der Zeitverschiebung um fünf Uhr der nächste Zoom-Call stattfindet. Das alles ist höchstens „Arbeitsalltag an einem anderen Ort“. 

Burnout-Risiko statt Erholung?

Die Psychologin und Urlaubsforscherin an der University of Tampere, Jessica de Bloom, ist sich sicher: Die Pause, die uns ein Urlaub bieten kann, soll uns dabei helfen, sich psychologisch von der Arbeit abzulösen.[3] Es komme beim Urlaub machen gerade darauf an, seinen eigenen Interessen verstärkt nachzugehen oder bewusst Zeit mit der Familie, Freunden oder sich selbst zu verbringen. Auch Prof. Dr. Michael Stark, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, unterstreicht die Wichtigkeit der bewussten Abgrenzung vom Alltag im Urlaub, um Stresssymptome und etwaige psychologische Krankheitsbilder zu vermeiden.[4]

Die Burnout Fachberatung listet „keine klare Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben“ sogar als einen Risikoerhöhungsfaktor für das Burnout-Syndrom auf.[5]

Photo by Tara Winstead on pexels.com

Der Spagat zwischen perfekt erledigter Arbeit und gleichzeitig wohltuender Erholung, der von Reiseveranstaltern von Workations propagiert wird, löst wohl mehr Stressgefühle aus, als er jemals nehmen könnte. Das erwartete Idealbild von ArbeitnehmerInnen, die nach getaner Arbeit im Urlaubsort energiegeladen wieder zu Hause weiterarbeiten, ist in meinen Augen Utopie.

Diese Hustle Culture macht uns vielleicht effizient und erfolgreich, aber auf lange Sicht und mit unzureichender Entspannung vor allem eines: Krank. Die Mentalität „schneller, besser, weiter“ ist auch einer der Gründe, warum es unseren Blog gibt. Wir wollen euch zeigen, dass man leistungsstark Jura studieren kann, ohne seinen Schönfelder und fünf Skripte mit in den einzigen Urlaub nehmen zu müssen, den man gerade so vor lauter Stress noch einplanen konnte. Work-Life-Balance oder auch Jura-Life-Balance wollen wir daher in dieser neuen Themenwoche weiterhin normalisieren. 

Habt ihr bereits Erfahrungen mit Workations gemacht? Teilt uns das gerne auf Instagram unter unserem neuen Post auf @goldwaage.jura mit. 


[1] https://www.wilde.de/trend-des-jahres-2021-workation-die-acht-besten-destinationen-um-arbeit-und-urlaub-zu-verbinden/

[2] https://unternehmer.de/lexikon/existenzgruender-lexikon/workation

[3] https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychologie-so-gelingt-der-perfekte-urlaub-a-912704.html

[4] https://www.psychologiebringtdichweiter.de/persoenlichkeit/tiefenentspannung-im-urlaub-wie-geht-das

[5] https://www.burnout-fachberatung.de/burnout-syndrom/burnout-ursachen.htm

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