Interview: Der Weg zur eigenen Kanzlei

mit Norina Köslich, Jacqueline Dunker und Mareike Coordes

Die Gründung der eigenen Kanzlei ist für viele Studierende ein Traum. Norina und Jacqueline haben sich diesen im Jahr 2020 erfüllt und sich mit der Kanzlei Köslich & Dunker selbständig gemacht. Inzwischen ist das Team zu dritt und vertritt bundesweit MandantInnen. Wir haben sie für euch rund ums Thema „Kanzleigründung“ ausgefragt.

1. Ihr habt im Jahr 2020 eure eigene Kanzlei Köslich und Dunker gegründet. Wie kam es dazu?  Wir haben unsere eigene Kanzlei gegründet, um auch in einer eher konservativen Branche nach unseren Werten und Idealen leben und arbeiten zu können. Unsere Tätigkeit als angestellte Rechtsanwältinnen in einem Legal Tech Startup hat uns Spaß gemacht – wir wollten aber mehr Dinge selbst ausprobieren.

2. Viele Studierenden streben einen Job in einer Großkanzlei oder im Staatsdienst an. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, euch selbständig zu machen? Die Arbeit in einer Großkanzlei haben wir nie angestrebt. Auch da gibt es verschiedene Arbeitsverhältnisse – aber der Ruf von starken Hierarchien und 60 – 80 Stundenwochen hat uns eher abgeschreckt. Auch vertritt man in einer Großkanzlei häufig große Firmen – also diejenigen, die ohnehin schon in einer sehr starken Position sind. Der Staatsdienst erschien uns zu unflexibel. Als Selbstständige hat man eher die Möglichkeit über seine Mandate und Arbeitszeiten zu bestimmen.

Foto: Kanzlei Köslich & Dunker

3. Welche Vorteile bringt die Selbständigkeit mit sich? Natürlich muss man als Selbstständige für ein ausreichendes Einkommen sorgen. Darüber hinaus ist es einem jedoch selbst überlassen, wie viele und welche Mandate man annimmt. Bei der Tages-und Termingestaltung kann man mehr Rücksicht auf seine eigenen Bedürfnisse nehmen.

4. Von der Idee der Selbständigkeit bis zur tatsächlichen Kanzleieröffnung vergeht sicherlich eine Menge Zeit. Welche Schritte befolgt man, wenn man eine Kanzlei gründet? Wie lange dauert dieser Prozess?  Bei uns waren es circa drei Monate. Die waren wir aber auch wirklich schwer beschäftigt. Angefangen haben wir dann mit der Bürosuche. Wir haben alles selbst renoviert. Was uns auch wirklich lange aufgehalten hat,  war das Logo und generell der Außenauftritt inklusive Homepage etc. Aber auch hier haben wir fast alles selbst gemacht.

Zudem gibt es natürlich einige formale Hürden wie Steuern und Versicherungen. Einen Gründungszuschuss zu beantragen, empfiehlt sich auf jeden Fall.

Wir fanden es aber schon hilfreich, einen Zeitraum zu haben, wo man sich ausschließlich mit diesen Themen beschäftigen konnte. Wenn man erstmal in der Mandatsarbeit steckt, ist es schon schwieriger sich die Zeit zu nehmen.

5. So eine Gründung kostet neben Zeit wahrscheinlich auch Nerven. Welche Fehler können bei der Gründung einer Kanzlei unterlaufen?      Die Fehlerquellen sind vielfältig. Grundsätzlich sollte man etwas mehr Zeit einplanen, häufig dauert es doch etwas länger, bis man mit den Ergebnissen zufrieden ist. Bei der nächsten Gründung würden wir uns definitiv früher um Telefonnummer bzw. Telefonanschluss kümmern. Hier gab es Probleme. Und dass wir unsere Telefonnummer noch nicht hatten, hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht: ohne Telefonnummer keine Fensterbeklebung, keine Flyer, keine Visitenkarten etc.

6. Nachdem alle Prozesse der Gründung durchlaufen sich: Wie erreicht man seine ersten MandantInnen? Wir bekommen relativ viele Mandate über Empfehlungen. Entweder von früheren MandantInnen oder auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Sonst auch über Google Ads oder Anwalt.de. Auch über Instagram werden regelmäßig MandantInnen auf uns aufmerksam. Aber hier muss man echt am Ball bleiben.

7. Welche Tipps habt ihr für Jurastudierende, die mit dem Gedanken spielen, sich nach dem Studium ebenfalls selbständig zu machen?  Wir haben uns zwar nicht gleich nach dem Studium selbstständig gemacht. Dennoch: so viele finanzielle Mittel braucht es gar nicht für eine Selbstständigkeit. Man kann auch erstmal ohne Angestellte loslegen. Auch die Büroräume müssen am Anfang ja nicht riesig sein – manche starten sogar von zu Hause aus und mieten bei Bedarf Besprechungsräume an. Der Gründungszuschuss hilft auch ganz gut. Ansonsten macht aus unserer Sicht eine Spezialisierung schon früh Sinn – ansonsten verzettelt man sich mit seinen Rechtsgebieten.

Ihr wollt noch mehr über die Kanzlei Köslich & Dunker erfahren? Auf dem Instagramkanal @kanzlei_kornstraße teilen die drei neben Eindrücken aus dem Anwältinnenalltag auch regelmäßig „lawhacks“ in denen sie aktuelle Rechtsprobleme erklären.

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