Selbsthilfegruppe: „Du hast doch Jura studiert..?“ – Wie du dich vor Rechtsberatung im Alltag drückst

Egal ob auf Familienfeiern oder dem gemütlichen Zusammensein mit FreundInnen, als (angehender) Jurist ist man vor Rechtsfragen auch in seiner Freizeit nicht gewahrt. In dieser Folge der „Selbsthilfegruppe“ teilen unsere AutorInnen ihre Standardantworten, die helfen, nicht ständig kostenlosen Rechtsrat zu erteilen.

„Kannst du mal meinen Mietvertrag checken?“ oder „Was soll ich auf dieses amtliche Schreiben antworten?“ – wer Jura studiert muss für Freunde und Familie häufig Rede und Antwort stehen. Klar, bei nahem Familienangehörigen oder in akuten Notfällen helfen die meisten JuristInnen gerne aus – aber was, wenn sich entfernte Bekannte plötzlich melden und ganz unverbindlich und vor allem kostenlos einen Rechtsrat möchten? So ziehen sich unsere AutorInnen aus der Affaire:

„Das kommt ganz drauf an“

Unsere Autorin Sophia greift zum Klassiker:

„Die kurze Antwort: Es kommt drauf an. Die lange Antwort würde hier heute den Rahmen sprengen, du weißt ja: wenn Juristen einmal anfangen… Außerdem bin ich heute privat hier und habe ganz andere Themen zu besprechen.

Und wenn schon: Alle Angaben sind eh ohne Gewähr.“

Sophia, Referendarin und Goldwaage-Autorin

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Ich rate zur Hilfe vom Profi

„Ich bin da immer ganz ehrlich. In den meisten Rechtsgebieten kennt man sich nicht vertieft aus. Bei komplexen Fragestellen ist es wichtig, sich beim Fachanwalt zu informieren. Der kennt sich in dem Fachbereich viel besser aus.“

Lea, Doktorandin und Goldwaage-Autorin

Ich probiere, Leuten die Angst zu nehmen

„Ich bin ganz ehrlich, ich bringe es oft nicht übers Herz, gar keinen Tipp zu geben.

Oft sind Menschen, die um Rat fragen wirklich unsicher oder durch ihr Anliegen sehr gestresst. Als JuristIn weiß ich ja, dass sich viele Dinge ganz unkompliziert lösen lassen und ein Schreiben vom Vermieter/ der Behörde/ einem Dritten nicht gleich einen riesigen Gerichtsprozess nach sich zieht. Daher beruhige ich oft Leute und probiere, ihnen die Berührungsängste mit rechtlichen Themen zu nehmen.

Meistens höre ich mir also den Fall in Ruhe an und sage dann, was ich selbst in dieser Situation machen würde – und das ist nicht selten selbst zur Anwältin zu gehen. „

Carla, Doktorandin und Goldwaage-Autorin

Eine kurze Recherche schadet nicht

„Die meisten Rechtsprobleme sind so spezifisch, dass ich auf die Schnelle keine eindeutige Antwort geben kann. Dem Fragenden teile ich dann mit, dass ich von dem Rechtsgebiet keine Ahnung habe.

Meistens lässt mich das Problem aber doch nicht mehr los und ich fange an zu recherchieren. Glücklicherweise sind noch keine Menschen auf mich zugekommen, die es mir nicht wert waren 😉 Ansonsten würde ich wohl bei meiner Ahnungslosigkeit bleiben.“

Stine, Referendarin und Goldwaage-Autorin

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Selbsthilfegruppe: So gewinnst du Selbstvertrauen im Jurastudium und Berufseinstieg

Juhu, wir freuen uns, euch zu verkünden, dass es eine neue Kategorie auf dem Blog gibt: Die Selbsthilfegruppe. In dieser teilen unsere AutorInnen mit euch ihre besten Tipps zu einem eher persönlichen Thema. Kurz und ehrlich geben wir euch Antworten, die wir selbst früher gerne bekommen hätten.

Heute gehen wir der Frage auf den Grund, wie man in einem fordernden und von Vergleichen geprägten und anspruchsvollen Umfeld wie der juristischen Ausbildung Selbstvertrauen gewinnt.

Kennst du eine der folgenden Situationen? Die Professorin stellt dir eine Frage in der Vorlesung und dir bleibt vor Schreck die Stimme weg. Dein erster Praktikumstag steht bevor und dir ist schon am Morgen ganz flau im Magen, weil du nicht weißt was dich erwartet. Oder: Eine wichtige mündliche Prüfung steht an und du würdest lieber im Erdboden versinken, als durch die Tür zu gehen und dich deinen PrüferInnen gegenüber zu stellen.

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Das alles ist ganz normal – Aufregung gehört schließlich dazu. Allerdings willst du im Studium und Berufseinstieg sicher irgendwann Selbstvertrauen gewinnen. Du willst dich schwierigen Situationen stellen und dich diesen gewachsen fühlen, Prüfungssituationen betreten und denken: „Hier bin ich und ich habe juristisch einiges drauf.

Das sind die Tipps unserer AutorInnen, damit du diesem Ziel etwas näher kommst:

Gute Vorbereitung spart eine Menge Nerven

Je besser ich vorbereitet bin, desto sicherer fühle ich mich. Wenn ich jede Situation schon einmal durchdacht habe, kann ich besser und schneller reagieren. Auf Dauer wird das sicher zu zeitintensiv, aber mit der Routine vergehen auch die Selbstzweifel.

Ansonsten mache ich mir auch gerne klar, wo meine Stärken liegen. Nicht jeder ist unglaublich extrovertiert – und das ist auch gut so. Man kann (manchmal) auch durch Zurückhaltung glänzen ;).

Stine, Referendarin und Goldwaageautorin

Finde deine Leute

Umgib dich mit Menschen, die dir auf Augenhöhe begegnen!

Leichter gesagt als getan (gerade unter JuristInnen 😉), denn oft kannst du dir deine ProfessorInnen, AG-LeiterInnen und AusbilderInnen ja nicht selbst aussuchen. 

Aber bei den KommilitonInnen fängt es schon an. Suche dir eine Lerngruppe, in der ihr euch gegenseitig supportet und nicht bloß über Noten profiliert. 

Und spätestens im Ref wirst du merken: wenn du hier auf VolljuristInnen triffst, die dir auf Augenhöhe begegnen, die dich als JuristIn wahrnehmen und nicht als kleinen, unerfahrenen Anfänger, fördert das das Selbstvertrauen enorm. Es kann so einfach sein, denn jeder fängt doch irgendwo mal an oder nicht? 

Genau mit dieser Einstellung solltest du vielleicht auch später an die Jobsuche herangehen. Beziehe die Menschen, mit denen du künftig zusammenarbeiten sollst, als Kriterium mit ein.  Suche dir ein Arbeitsumfeld, in welchem du für das was du tust geschätzt und wahrgenommen wirst und achte vielleicht nicht nur auf’s Einstiegsgehalt. Ich sage dir: Selbstbewusstseins-Boost incoming!

Sophia, Referendarin und Goldwaageautorin

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Fake it til you make it?!

„Eine gesunde Portion „fake it til you make it“-Einstellung hilft über viele anfängliche Unsicherheiten hinweg.
– Bis du plötzlich feststellst dass du du gar nichts vortäuschen musst, um mit diesen Situationen umgehen zu können.“

Lea, Doktorandin und Goldwaageautorin

Du kannst mehr, als du dir zugestehst

Erinnere dich daran: Du kannst sehr wohl schon einiges – und es ist noch kein Meister oder keine Meisterin vom Himmel gefallen.

Gerade, wenn du (wie ich) dich oft wie ein Impostor fühlst mache dir klar, dass du nicht durch Zufall hier gelandet bist. Du hast schon einiges geschafft und bist nicht auf den Kopf gefallen – was soll dir denn schon passieren?

Carla, Doktorandin und Goldwaageautorin

Merke dir, wer du außerhalb von Jura bist

Man lernt als Kind, das man Menschen nicht vergleichen soll. Im Jurastudium wird einem das regelmäßig wieder aberzogen. Beginnend mit ProfessorInnen wir einem regelmäßig gesagt, wie wenige das Studium überhaupt schaffen werden. Und die, die es schaffen, dürfen sich dann anhören, dass trotz eines soliden befriedigend im Examen viele Jobs für sie bereits nicht mehr offen stehen.

So fängt man an, sich selbst im permanenten Vergleich an täglichen Lernzeiten, der Note der Zwischenprüfung oder dem letzten Praktikum mit anderen zu vergleichen. Damit stresst man sich nicht nur, sondern reiht sich auch selbst ein in die Reihe „JuristInnen als austauschbare Subsumtionsmaschinen“.

Deshalb mein Hot Take: Behaltet eure nichtjuristischen Interessen und Hobbys bei. Denn die Erinnerungen und FreundInnen, die ihr darüber habt, kann euch auch eine schlechte Klausur nicht nehmen. Und bestenfalls sind das genau die Fähigkeiten, die euch später nicht nur auf dem Arbeitsmarkt von anderen abheben, sondern auch Spaß bei eurer zukünftigen Tätigkeit, die über die bestmögliche Normauslegung hinaus geht.

Robert, Anwalt und Goldwaageautor