Ich habe die Lernroutine eines Harvard-Law-Studenten ausprobiert (und bin gescheitert)

Wie so viele Studierende in Deutschland stellt sich unsere Autorin Carla gerne vor, wie es wohl wäre an einer Elite-Uni wie Harvard oder Oxford zu studieren. Also hat Sie einen Tag lang den Lernplan eines Harvard Studenten befolgt. Spoiler: Es war gar nicht so leicht.

Hand aufs Herz: Hast du nicht schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre in Oxford, Cambridge oder Harvard zu studieren? Hattest du Tagträume, wie du durch die altehrwürdigen Hallen schlenderst, in historischen Bibliotheken lernst oder an Vorlesungen im Stil des sokratischen Dialog teilnimmst? Ich schon. (Wobei seit der zweiten Präsidentschaft Donald Trump mein Interesse eher englischen Unis gilt…)

Mit diesem Promt habe ich die KI gebeten, mit einen Lernplan zu erstellen

Um mich ein wenig in das Gefühl hineinzuversetzen (und auch ein wenig, um aus einem Motivationstief auszubrechen) habe ich mir von KI einen Lernplan erstellen lassen – und diesen auch so gut es ging befolgt.

Das war der Promt, den ich der KI Claude gegeben habe:

„Stelle dir vor du bist ein Student der Harvard Law School an einem gewöhnlichen Lerntag. Plane einen Tag (mit Uhrzeit und Tätigkeit) an dem allerdings keine Vorlesungen stattfinden. Der Einzige feste Termin ist eine Ballettstunde um 18.00- 19.10“.

Der Vormittag:

Der Tagesplan begann zwar etwas eher als ich es gewohnt bin (normalerweise stehe ich zwischen 07.00 und 07.30 auf). Allerdings war ich motiviert, meinen Tag etwas eher zu beginnen. Blöd nur, dass ich am Abend zuvor erst gegen Mitternacht im Bett und dadurch hundemüde war.

Aber als der Wecker klingelte stand ich auf, kochte etwa einen Liter Kaffee, bereitete mein Frühstück vor und hörte parallel einen Podcast der New York Times.

Um 07.15 begann mein erster Lernblock. In den zwei Stunden widmete ich mich statt der Case Readings, die mir die KI vorgeschlagen hatte, Literatur für meine Dissertation.

Meine Konzentrationsfähigkeit war zwar mittelmäßig, aber es fühlte sich ziemlich gut an, bereits so früh am Morgen zwei Stunden gelesen zu haben.

Im Anschluss an die erste Session packte ich meine Sachen und fuhr in die Bibliothek. Dort widmete ich mich meiner zweiten Lerneinheit und spätestens jetzt holte mich die Müdigkeit endgültig ein. Aber ich hielt noch bis zum Mittag durch und genehmigte mir ein Essen in der Cafeteria.

Der Mittag (bzw. das erste mal Schummeln)

Nach meiner Mittagspause sah mein Plan einen Zeitslot von 45 Minuten vor, um mich organisatorischen Dingen zu widmen. Ich schrieb eine einzige Mail uns stellte dann fest, dass es gar nichts zu organisieren gab. Ich nutzte die Gunst der Stunde, um wieder mit dem Rad nach Hause zu fahren und einen kurzen Mittagsschlaf zu machen.

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der Mittagsschlaf meinen Tag rettete. Nach dem Nap setzte ich mich für den Lernblock 3 wieder an meinen heimischen Schreibtisch – und war endlich wach und wirklich konzentriert.

Auf den Lernblock 3 folgte eine Kaffeepause (die ich zugegebenermaßen nicht in der Bibliothek-Lounge sondern auf dem Sofa mit einer Folge Sex and the City verbrachte). Im Anschluss kostete es mich etwas Überwindung, mich für den Lernblock 4 noch einmal an den Schreibtisch zu setzen – aber da dieser nur 45 Minuten lang war, konnte ich mich überwinden.

Danach ging es zum Ballett .

Der Abend

Mein Abendplan sah nach dem Sport und Abendessen eine weitere einstündige Lerneinheit vor. Diese schwänzte ich – möchte aber zu meiner Verteidigung sagen, dass höhere Mächte im Spiel waren. Denn in Meiner Wohnung gab es am zweiten Tag in Folge kein warmes Wasser, sodass ich zum Duschen zu einer Freundin fahren musste. Das brachte den Abendplan gehörig durcheinander und als ich um kurz vor neun zu Hause war, entschied ich, schon zum letzten Punkt des Planes überzugehen: Entspannen und schlafen.

Mein Fazit

Der Tag war vor allem eins: abwechslungsreich. Die vielen kürzeren Lernsessions haben mir wirklich geholfen, mich zu konzentrieren und ich von Anzahl der Stunden nicht überwältigen zu lassen. Auch der erste frühe Lernblock trug dazu bei, dass ich mich motiviert fühlt und das Gefühl hatte, bereits früh am Morgen etwas geschafft zu haben. Ohne den Mittagsschlaf hätte ich den Tag allerdings nur halb so produktiv nutzen können.

Eine Routine für jeden Tag ist das in meinem Fall allerdings nicht – wir sind ja schließlich nicht in Harvard. Ein erfolgreicher Lerntag kann auch zwei Stunden später und mit einem etwas gemütlicherem Pensum stattfinden.

Disclaimer: Wir bei Goldwaage werden nicht müde zu betonen, dass eine gesunde Balance zwischen Studium und Freizeit für ein erfolgreiches Studium essentiell sind – und dass für die meisten Menschen die Konzentrations nach 4-6 Stunden erheblich nachlässt. Ein solcher Tagesplan passt da nicht wirklich rein. Dennoch finden wir es interessant, diese Art von Belastung einmal auszuprobieren.

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne und folge uns auf Instagram @goldwaage.jura.