So hast du KI noch nie genutzt – 5 Funktionen, die dir das Jurastudium extrem erleichtern 

Auch, wenn die Nutzung von künstlicher Intelligenz beim Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten oder bei der juristischen Recherche ihre Schwachpunkte hat, gibt es viele tolle Funktionen, die dir das Lernen echt erleichtern können. Unsere Autorin Sophia stellt dir in diesem Beitrag fünf KI-Funktionen vor, mit denen du beim Lernen viel Zeit sparen kannst. 

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1. Podcasts

Du hörst in deiner Freizeit gerne Laber-Podcasts? Warum nicht auch zum Lernen?

Wie wir alle wissen, kann es helfen beim Lernen nicht nur ein Skript oder Lehrbuch nach dem anderen zu lesen, sondern auch mal mit jemandem über die Lerninhalte zu sprechen oder sie sich von jemandem erklären zu lassen. Im Zeitalter der KI gibt es sogar die Möglichkeit, sich ein Podcast-Skript erstellen zu lassen und dies in einen Podcast umwandeln zu lassen. Beispielsweise kannst du ChatGPT1 bitten, dir ein Skript zum Thema Vertragsschluss zu erstellen oder du nimmst direkt das Skript aus der BGB AT – Vorlesung. Dies kannst du dann zum Beispiel mit NotebookLM2 in einen Podcast umwandeln lassen. Dann kannst du ganz ohne schlechtes Gewissen deinen Schreibtisch verlassen, dir deine Kopfhörer schnappen und bei einem Spaziergang in der Sonne, auf dem Laufband im Gym oder auf der Picknickdecke im Park deinen persönlichen Lernpodcast hören. 

2. Karteikarten

Du bist der Lerntyp, der stundenlang Karteikarten schreibt und nach dem Schreiben dann keine Zeit mehr für den wichtigen Part – das eigentliche Lernen hat?

Dann lass dir aus deinen Mitschriften oder den Unterlagen der Vorlesung doch einfach digital Karteikarten erstellen. Bestimmt hast du schon mal von Anki gehört. Bei Anki kannst du dir selbst Karteikarten erstellen, die du dann systematisch in Stapeln lernen kannst oder bereits erstellte Stapel käuflich erwerben. Nun gibt es z.B. den sogenannten AnkiBuddy3. Hier kannst du ganz einfach eine Datei, wie z.B. die Powerpoint der Vorlesung Sachenrecht hochladen und die KI erstellt dir hieraus in Sekundenschnelle personalisierte Karteikarten nach deinen Vorstellungen.

3. Lernpläne

Du startest in die Examensvorbereitung und brauchst einen Lernplan, der auf dich, deinen Kalender und deinen Lerntyp abgestimmt ist?

Die Lernpläne, die im Internet existieren, sind um ehrlich zu sein teilweise sehr erschlagend, unübersichtlich und nicht besonders realistisch, wenn man neben dem Studium noch ein Sozialleben haben möchte. Auch hier kann dir die KI helfen. Bitte die KI deiner Wahl, dir einen Lernplan pro Woche, pro Monat oder für die gesamte Zeit deiner Examensvorbereitung zu erstellen. Gib an, an welchen Tagen und zu welchen Tageszeiten du lernen möchtest, wann du Probeklausuren schreiben möchtest und lade den Pflichtfachstoff deines Bundeslandes hoch. Zusätzlich kannst du der KI deines Vertrauens verraten, was für ein Lerntyp du bist und mit welchen Methoden du am effektivsten lernst. Dann bekommst du vielleicht sogar noch ein paar wertvolle Tipps mit auf den Weg und schon hast du einen Erfolgsplan bis zum 1. Staatsexamen. Den musst du dann im Optimalfall nur noch einhalten – dabei kann dir die KI noch nicht helfen…

4. Korrekturlesen

Du hast eine Hausarbeit oder eine Seminararbeit geschrieben und bist dir unsicher, was Rechtschreibung und Formulierungen angeht?

Nicht jeder hat eine Lehrerin als Mutter, so wie ich, die damals in meiner allerersten Anfängerhausarbeit beim Korrekturlesen sogar Rechtschreibfehler im Sachverhalt markierte oder an den Rand schrieb: „das ist kein Deutsch“. Ich musste ihr dann erstmal erklären, dass der Sachverhalt nicht von mir, sondern vom zuständigen Lehrstuhl stammt und, dass wir Juristen das nun mal so sagen… naja, Lehrer halt. Mittlerweile müssen wir zu Glück, nicht mehr das eigene Umfeld 30 Seiten juristischer Sprache quälen, sondern können ganz einfach die KI unsere Texte auf Grammatikfehler überprüfen lassen. Hierzu gibt es zahlreiche KI-tools, die ich hier jetzt nicht alle aufzählen werde. 

5. Zusammenfassungen

Dein Prof oder AG-Leiter haben dir zum „Nachlesen bei einem Glas Wein“, so wie es mein ehemaliger Repititor zu sagen pflegte einen 50-Seiten langen Aufsatz mitgegeben und du willst bei dem Glas Wein lieber die neueste Folge Trash-TV gucken anstatt tiefer ins Gesellschaftsrecht einzutauchen?

Dann lass dir den Aufsatz doch einfach mithilfe von KI zusammenfassen und du bist trotzdem in der nächsten AG-Stunde bestens informiert. Auch YouTube-Videos lassen sich mittlerweile mithilfe von KI-tools zusammenfassen. Selbst in meinem Mail-Programm kann ich mir seit neuestem meine eingegangenen Mails zusammenfassen lassen. Auch, wenn ich das etwas übertrieben finde. Wer schreibt schon Mails im Umfang eines 50-seitigen Aufsatzes? Und mal ehrlich: ein kleines bisschen Eigeninitiative wird von uns trotz all der Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz immer noch erwartet. 

Lernst du schon mithilfe von KI? Wenn die der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit KomillitonInnen und folge Goldwaage auf Instagram. 

  1. https://use.ai/de ↩︎
  2. https://notebooklm.google ↩︎
  3. https://ankibuddy.com/ ↩︎



Effizienter studieren durch digitales Lernen (Teil 1/2)

Ein Beitrag von Aurelio Diamanti

In Jahr 2022 haben wir Studierenden technologische Möglichkeiten, auf die unsere Vorgänger in ihren kühnsten Träumen nicht gekommen wären. In meinen Augen sind diese technologischen Möglichkeiten aber gerade für Studierende der Rechtswissenschaften notwendig. Denn mit jedem Jahr wächst der Stoff, der Examenskandidat*innen in Klausuren über den Weg laufen kann.

Es ärgert mich immer wieder, wenn ich mit frustrierten Kommiliton*innen spreche, die ihre Papierkarteikarten verloren, Rückenschmerzen von schweren Ringordnern bekommen oder Sehnenscheidenentzündungen vom Schreiben ewig langer handschriftlicher Zusammenfassungen bekommen haben. Da denke ich mir immer: Es geht auch anders, vor allem digital! Bisher habe ich gemeinsam mit unserem Gründungsmitglied Lena Weißkopf im Herbst einen Workshop zum digitalen Lernen organisiert, freue mich jetzt aber, euch mit diesem einen Überblick über die Thematik zu geben. Der Beitrag wird in zwei Teile aufgeteilt, wobei der zweite Teil im Verlauf der kommenden Wochen erscheint. Folgt also Goldwaage und disrUPt auf Instagram, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Was bedeutet eigentlich digitales Lernen?

„Digitalisierung“ ist ein Buzzword schlechthin! Alle wollen „digitaler“ sein und das Wort ist zu einem Synonym für Aufbruch und Erneuerung geworden. Wenn man jedoch durch die gekonnten Marketingstrategien hindurch schaut, merkt man, dass die „Digitalisierung“ deutlich weniger mystisch ist, als man denkt: Aus Brief wird E-Mail, aus Aktenablage ein digitaler Cloud-Speicher, händisch eingetippte Bestellungen werden automatisiert ausgefüllt oder Meetings, die vorher aufgenommen wurden, werden durch von den Teilnehmenden aufgenommene Kurzvideos ersetzt.

Und wie sieht es im Bereich digitales Lernen aus?

In meinen Augen sehr ähnlich: Lehrbücher werden nicht mehr händisch herumgetragen und mit Textmarkern markiert, sondern am Laptop oder Tablet durch ein PDF-Tool bearbeitet. Karteikarten schreibt man nicht mehr auf kleine Papierkärtchen, sondern tippt diese digital am Laptop. Und Zusammenfassungen werden nicht mehr mühsam handschriftlich geschrieben, sondern mit einem anständigen Texteditor geschrieben. Und Lernpläne und -tabellen, die vorher mühsam aus 8 DIN-A4 Zetteln zusammengeklebt und an eine Wand montiert wurden, werden durch smarte Tabellen und Datenbanken angefertigt.

Die Vorteile sind evident: Man muss nicht kiloweise Papier mehr herumschleppen, Dateien werden sicher in einer Cloud abgelegt und stehen auf diversen Geräten zu Verfügung und das eine Stichwort, was man sucht, findet man durch eine gekonnte Suche im Dokument in Windeseile.

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Zwei Prinzipien des digitalen Lernens

Bevor wir in die Materie selber einsteigen, gibt es in meinen Augen zwei Prinzipien, die man beachten sollte, wenn man vom Papierdschungel zur Tastatur wechseln möchte.

Weniger ist meistens mehr!

Viele Menschen, die sich mit digitaler Produktivität auseinandersetzen, sind zunächst überwältigt: komplexe Anwendungen, Dashboards, der Wahn nach ästhetischen Zusammenfassungen und zehnstündige Tutorials und vieles mehr erwecken den Eindruck, dass die analoge Welt deutlich effektiver ist als die digitale. Hier gilt es: Abstand nehmen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Meistens reicht es schon, analoge Prozesse digital abzubilden, um in den Genuss diverser Vorteile zu kommen. Weniger ist, wie so häufig, mehr!

Papier als gesunde Abwechslung

Ca. 90% meiner Lerntätigkeit findet digital statt. Umso mehr genieße ich es, hin und wieder einen Aufsatz in einer Zeitschrift zu lesen oder meine Gedanken auf einem Blatt Papier aufzuschreiben. Bei digital und analog handelt es sich nicht um ein „entweder oder“. Wenn ihr also auf digitales Lernen umsteigen wollt, Lehrbücher aber weiterhin gerne in Papierform lest, ist das überhaupt nicht schlimm!

Digitales Lernen in der Anwendung

Im Folgenden werden wir nun schrittweise verschiedene Aspekte und Anwendungen des digitalen Lernens anhand eines klassischen Lernflusses beleuchten. Dabei werden wir nicht nur die „essentialia“ eines jeden digitales Set-Ups aufzeigen, sondern auch konkrete Anwendungsbeispiele aus unserer Erfahrung aufzeigen. Der Beitrag wird sich anhand folgender sechs Ratschläge orientieren, die man in meinen Augen auch so chronologisch durchgehen sollte:

  1. Benutzt einen Cloudspeicher
  2. Habt eine digitale Inbox
  3. Organisiert euch mit Tabellen/Notion
  4. Benutzt Apps zur Visualisierung
  5. Führt ein digitales Fallbuch
  6. Benutzt nicht zu wenige und nicht zu viele Apps

Der Cloudspeicher als Rückgrat

Als ich meiner Familie und meinen Freunden mitteilte, dass ich Jura studieren möchte, wurde mir zunächst entgegen geworfen: Mensch, da wirst du eine große Menge an Büchern und Papier mit dir rumtragen müssen!

Hinsichtlich der Gesetzestexte, die ich im Rahmen meiner Examensvorbereitung von A nach B tragen muss, hat sich diese Aussage leider bewahrheitet. Hierbei handelt es sich aber um ein anderes Thema. Was jedoch allgemein Skripte, Lehrbücher, Fälle und sonstige Materialien angeht, bin ich weitestgehend von Papier und Rückenschmerzen befreit. Das hat einen simplen Grund: Soweit möglich, speichere ich alle Dokumente als PDF ab bzw. scanne sie ein und speichere sie digital in der Cloud. Dies hat folgende Vorteile: 1) Ich kann auf allen meinen Geräten über die Cloud jederzeit auf die Dokumente zugreifen und 2) durch Backups kann ich meine Dateien langfristig gut sichern. Während meiner Hausarbeitsphasen habe ich alle Dokumente, die ich benötigt habe, direkt digital abgespeichert. So konnte ich immer überall auf diese zugreifen und musste nicht fürchten, bei der finalen Literaturkontrolle Inhalte nicht wieder zu finden.

Deshalb ist mein erster (und wahrscheinlich auch zentralster Ratschlag): Legt euch einen Cloudspeicher zu! Hier gibt es diverse Angebote von den großen Unternehmen wie Apple, Google oder Microsoft. Gerade Google bietet mit Drive auch großzügige 15 GB kostenlosen Speicher an, was für die meisten als Ablage für Dokumente fürs Erste reichen sollte. Ich wünschte, ich hätte seit dem ersten Semester (mit der Cloud habe ich selbst erst im dritten Semester gestartet) diszipliniert alle meine Dokumente aufbewahrt, um jetzt im Rahmen der Examensvorbereitung auf diese zugreifen zu können. Daher mein Ratschlag an euch: Legt eure Dokumente digital ab! Hierdurch habt ihr auch den weiteren großen Vorteil: Die Dokumente werden in der Cloud suchbar. Sofern ihr also ein spezielles Dokument (bspw. einen Schuldrecht AT Fall mit Schwerpunkt im Leistungsstörungsrecht) sucht, könnt ihr diesen einfach suchen und finden. Viele Cloudanwendungen machen auch den Inhalt eines Dokumentes maschinenlesbar, wodurch ihr auch Inhalte innerhalb von Dokumenten suchen könnt.

Die digitale Inbox

Ich vermute, die meisten habe diese Situation schon erlebt: Man schreibt an einem Skript, löst einen Fall oder ist in der Privatrecht AG und plötzlich taucht eine wichtige Aufgabe auf oder man hat eine geniale Idee. Hier bietet es sich an, eine digitale Ablage/Inbox zu führen, in der man schnell diese Eingebungen ablegen kann. Es gilt: Je schneller und einfacher, desto besser! Vor allem Anwendungen wie Todoist oder Things 3 bieten die Möglichkeit, über Keyboard Shortcuts schnell und effizient Aufgaben abzulegen. Selbstverständlich kann man hier auch auf Stickynotes oder ein Notizbuch zurückgreifen. Digitale Anwendungen haben jedoch den Vorteil, dass die Aufgaben dann über mehrere Geräte abrufbar sind und man nicht Gefahr läuft, wie bei einer Stickynote, diese zu verlieren.

Hier seht ihr das Eingabefenster, was ich über ein Tastaturkurzbefehl schnell systemweit in der App Things 3 öffnen kann.

Der Beitrag wird an dieser Stelle beendet und nächste Woche weitergeführt.