Ein Tag im Ministerium: Mein Erfahrungsbericht aus der Verwaltungsstation

Unsere Autorin Stine hat Ihre Verwaltungsstation in einem Landesministerium absolviert. In diesem Beitrag berichtet sie von ihren Erfahrungen aus den letzten drei Monaten – zwischen Gesetzesvorhaben, Teamarbeit und politischem Alltag

Das Klischee des kaffeetrinkenden Behördenmitarbeiters hält sich hartnäckig. In meiner Verwaltungsstation während des juristischen Referendariats durfte ich aber eine ganz andere Erfahrung machen. Ich bin inzwischen überzeugt: Man kann in der Verwaltung einen abwechslungsreichen, fordernden Job finden, der nie langweilig wird.

Fast drei Monate durfte ich den Berufsalltag in einem Ministerium miterleben. Tatsächlich stand für mich schon vor Beginn des juristischen Referendariats fest, dass ich meine Verwaltungsstation genau dort absolvieren möchte. Die Arbeit im Ministerium hat mich von Anfang an interessiert, sodass meine Entscheidung sehr bewusst gefallen ist.

Trotz der insgesamt flexiblen Arbeitsweise durch Homeoffice legten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in meiner Abteilung großen Wert darauf, sich mindestens einmal pro Woche persönlich zu treffen. Die große Bedeutung des persönlichen Austauschs passte gut zu meinem positiven Gesamteindruck. Es war den Kolleginnen und Kollegen ein großes Anliegen, auch Referendare bestmöglich in die Arbeit in der Verwaltung einzubeziehen und sie als Teil des Teams zu sehen.

Falls du in deiner Verwaltungsstation überlegst, in eine Behörde oder sogar eine obere Landesbehörde zu gehen, möchte ich hier einmal meinen ganz typischen Montag schildern, wie er für mich im Ministerium aussah.

06:00 Uhr – Aufstehen

Da ich mein juristisches Referendariat in einem Flächenland absolviere, gab es leider kein Ministerium in meiner Stadt. Trotzdem hatte ich sehr konkrete Vorstellungen davon, wie meine Verwaltungsstation aussehen sollte. Also habe ich einen Fahrtweg von etwa einer Stunde pro Strecke in Kauf genommen. Das hieß: früh aufstehen. Und an Tagen, an denen ich mit dem Zug unterwegs war, noch ein bisschen früher.

07:00 Uhr – Fahrtweg

Der Weg war lang, aber zumindest landschaftlich ein guter Start in den Tag. Die Kosten für den Fahrtweg können sogar im Rahmen des Trennungsgeldes ersetzt werden.

08:30 Uhr – Ankommen

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich direkt einen eigenen Arbeitsplatz bekommen. Im Vergleich zu meiner Zeit am Landgericht war das ein großer Unterschied: Ich hatte einen festen Ort, an dem ich jeden Morgen ankam. Der Schreibtisch war sogar mit Stiften und Arbeitsmaterial ausgestattet. So habe ich mich direkt willkommen gefühlt.

09:00 Uhr – kleine Teambesprechung

Die Arbeitswoche begann meist mit einer Besprechung in kleiner Runde. Meine Abteilung bestand aus meiner Ausbilderin und drei weiteren Mitarbeiterinnen. In dieser Runde wurden aktuelle Themen, neue Aufgaben und laufende Projekte besprochen.

Der Austausch war immer offen und herzlich. Ich hatte nie das Gefühl, mich zurückhalten zu müssen. Fragen waren ausdrücklich erwünscht, Meinungen wurden ernst genommen. Einzelkämpferaufgaben gab es kaum, stattdessen war oft das ganze Team gefragt.

11:00 Uhr – Abteilungsbesprechung

In der Abteilungsbesprechung kamen mehrere Bereiche zusammen. Hier ging es um größere Projekte und um Themen, die die Abteilung insgesamt betrafen. Die Abteilungsleiterin berichtete unter anderem aus Gesprächen mit der Staatssekretärin und der Ministerin.

Um das Behördenklischee ein wenig zu bedienen, sei erwähnt, dass selbst während meiner dreimonatigen Zeit regelmäßige gemeinsame Geburtstagsfrühstücke stattfanden. Dann wurde die Besprechung kurzerhand zum Brunch.

12:00 Uhr – Mittagspause

Je nach Länge der Besprechung schloss sich die Mittagspause direkt an. Auch hier war ich meist nicht allein, sondern im Team unterwegs. In der Weihnachtszeit ging es auch mal gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt.

Ab 13:00 Uhr – Aufgabenbearbeitung

Am Nachmittag habe ich an den mir übertragenen Aufgaben gearbeitet. Diese waren sehr abwechslungsreich und längst nicht immer rein juristisch. Ich habe an Gesetzesvorhaben mitgearbeitet, war in einen Entwicklungsplan eingebunden, habe zahlreiche Stellungnahmen zu anderen Gesetzesvorhaben verfasst und mich mit kommunaler Finanzierung beschäftigt.

Das Drumherum

Die restliche Woche wurde stets gemeinsam mit meiner Ausbilderin geplant. Zu interessanten Terminen haben mich die Mitarbeiterinnen jederzeit mitgenommen und sich viel Zeit genommen, mir ihre Themengebiete zu erklären. Ich durfte andere Ministerien kennenlernen und habe einen sehr realistischen Einblick in die oft komplexen Abstimmungs- und Kommunikationsprozesse zwischen Behörden bekommen.

Langweilig wurde mir nicht. Auch weil ich bei der Wahl meiner Verwaltungsstation bewusst meine eigenen Interessen in den Vordergrund gestellt habe, habe ich unglaublich viel über politische Themen gelernt, die mich persönlich wirklich interessieren.

Wer seine Verwaltungsstation allerdings vor allem zur intensiven Examensvorbereitung nutzen möchte, sollte wissen, dass mir in einer oberen Landesbehörde kaum examensrelevante Inhalte begegnet sind. Für mich war genau diese Abwechslung nach der eher eintönigen Zivilstation aber ein echter Gewinn.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Engagement der Mitarbeiterinnen. Auch wenn politische Prozesse manchmal langsam sind, hatte ich nie den Eindruck von Gleichgültigkeit.

Ref im Ministerium – ist das empfehlenswert?

Rückblickend bin ich sehr froh, mich für die Verwaltungsstation im Ministerium entschieden zu haben. Die Zeit war fachlich abwechslungsreich, persönlich bereichernd und hat mir einen Arbeitsbereich nähergebracht, dessen Aufgaben mir im Vorfeld völlig unklar waren. Wer also mit dem Gedanken spielt, seine Verwaltungsstation in einem Ministerium zu absolvieren, sollte sich von Klischees nicht abschrecken lassen, der Blick hinter die Kulissen lohnt sich.

Hast du die Verwaltungsstation ähnlich erlebt – oder ganz anders? Für weitere Einblicke aus dem Referendariat, Studium oder Job folge Goldwaage auf Instagram.

Reality Check: So ist das Referendariat wirklich – 7 (traurige) Erkenntnisse

Unsere Autorin Stine hat im letzten Jahr ihr Referendariat begonnen und schnell gemerkt: Vorstellung und Realität liegen weit auseinander. In diesem Beitrag teilt sie ihre wichtigsten Erfahrungen.

Wer hat vor dem ersten juristischen Staatsexamen nicht von einer besseren Zeit danach geträumt? Und wer hat sich dabei keine Illusionen über das juristische Referendariat gemacht? Mir ging es zumindest so. Wie oft habe ich mich bei dem Gedanken erwischt: „Wenn ich bloß schon im Referendariat wäre.“ 

Dass man in jeder Lebensphase falschen Vorstellungen über den kommenden Abschnitt unterliegt, zeigen meine Top 7 der Illusionen über das Referendariat. 

1. Struktur

Endlich eine feste Struktur, richtig arbeiten, konkrete Ziele haben, die nicht in weiter zeitlicher Ferne liegen – all das habe ich mir unter dem Referendariat vorgestellt. 

Leider ist diese Struktur auf ebenso morschen Pfeilern errichtet wie die im Studium. Der eigene Zeitplan hängt von so vielen anderen Personen ab, dass Termine überaus häufig kurzfristig abgesagt oder verschoben werden. 

Besonders deutlich zeigt sich das bei der Urlaubsplanung. Eigentlich muss der Urlaubsplan spätestens zwei Wochen vor Antritt abgesegnet werden. Aber die zustimmungsberechtigten Personen stehen jedoch teilweise noch zwei Wochen vor Beginn eines neuen Ausbildungsabschnitts nicht fest. Ich bin gespannt, ob mein Skiurlaub dieses Jahr ohne mich stattfinden muss. 

2. Zukunftsplan statt Orientierungslosigkeit

In meiner Vorstellung würde mir im Referendariat mein Berufswunsch klar werden und damit auch das Ziel, auf das ich hinarbeite. Tatsächlich wird jedoch vor allem immer deutlicher, was ich nicht machen möchte. Nach dem großen Traum suche ich noch. Immerhin setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass ein Beruf, der einen vollumfänglich erfüllt, vermutlich nicht existiert.

3. Expertise nach dem ersten Staatsexamen

Man fühlt sich auch nach dem ersten Staatsexamen noch unwissend und hilflos. Das große Selbstbewusstsein kam mit dem Abschluss nicht und auch die Erleuchtung blieb aus. Bleibt zu hoffen, dass beides spätestens mit dem 2. Staatsexamen eintritt.

4. Spannende Fälle

Aus dem Klausurenkurs zum ersten Staatsexamen ist mir ein Fall besonders in Erinnerung geblieben, in dem es um die Erstattung eines Salates ging. Der Streitwert belief sich auf unter 10 € und es drängte sich die Frage auf „Dafür habe ich wirklich Jura studiert?“

Heute kann ich sagen: Ja! 

Zwar sind die Beträge vor dem Zivilgericht selten so gering, von Spannung ist aber trotzdem oft keine Rede. So manches Mal wünscht man sich, die Parteien hätten einmal miteinander telefoniert. 

5. Freizeit

Wohl mein größter Trugschluss. In meiner Vorstellung existierten feste Arbeitszeiten und damit ein Feierabend. Kein schlechtes Gewissen mehr, wenn man vor 20 Uhr die Bibliothek verlässt. 

Tja. Feste Arbeitszeiten gibt es nicht. Das schlechte Gewissen bleibt. Hinzu kommt die Doppelbelastung durch ständige praktische Einarbeitung in neue Rechtsgebiete und gleichzeitiger Vorbereitung auf das zweite juristische Staatsexamen. 

6. Persönliche Betreuung statt Anonymität

In meiner Vorstellung herrschte im Referendariat ein kollegiales Verhältnis zu den Lehrenden und Betreuenden mit individueller Unterstützung. dass diese Vorstellung so abwegig wie absurd ist, ist mir inzwischen aufgefallen. 

Die Anonymität im Studium hatte den Vorteil, dass man sich hinter ihr verstecken konnte. Die Scham bei einer schlechten Klausurlösung hielt sich in Grenzen. Nun haben die Bewertenden meistens ein Gesicht zu den abstrusen Rechtsansichten und in Eile formulierten Sätzen. 

7. Vergütung

Die Vergütung im juristischen Referendariat ist in einigen Bundesländern objektiv gesehen gar nicht so schlecht. Trotzdem bleibt dieses unterschwellige Gefühl, für das bereits Erreichte unfair bezahlt zu werden. 

So richtig beschreiben lässt sich dieses Gefühl nicht. Aber mit abgeschlossenem ersten Staatsexamen knapp über der Armutsgrenze1 zu leben, fühlt sich falsch an. So mancher Verwandte würde das mit dem Satz abtun: „Du leistest doch auch nichts.“ Wie falsch das ist, wissen angehende JuristInnen nur zu gut.


Die Liste ließe sich problemlos fortführen. Aber ich möchte niemanden davon abhalten, weiterhin von einer besseren Zukunft zu träumen! 

Diese Träume und Fehlvorstellungen erleichtern schließlich das Durchhalten. 

Hinweis: Dieser Beitrag ist bewusst etwas überspitzt dargestellt. In keinem Fall sollen Probleme und Sorgen verschiedener Lebensabschnitte gegeneinander aufgewogen oder verglichen werden. Vielmehr dient das Gesagte der Unterhaltung. 

Denn wie oft habe ich inzwischen den Gedanken: „Wenn ich doch bloß schon arbeiten würde.“ Dass mit dem Berufseinstieg ebenfalls nicht alle Sorgen wie weggeblasen sind, ist mir realistisch betrachtet mehr als bewusst. 


Welche Illusionen über das juristische Referendariat hattet ihr? Ich freue mich über eure Gedanken und Erfahrungen.

Mehr Einblicke rund um Studium, Referendariat und juristische Realität teilen wir auch auf Instagram unter Goldwaage.


  1. Sozialverband VdK Deutschland e.V.,https://www.vdk.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/artikel/viele-menschen-rutschen-unter-die-armutsgrenze-armutsbericht/, zuletzt aufgerufen: 29.12.2025. ↩︎

Referendariat: Das habe ich in meiner Zivilstation gelernt

Unsere Autorin Stine hat die erste Station ihres Referendariats hinter sich gebracht – und in der Zeit mehr gelernt, als ihr auf den ersten Blick auffiel. In diesem Beitrag zieht sie eine Bilanz.

Auch wenn ich mir das Ende der Zivilstation fast herbeigesehnt habe, zeigt es mir jetzt, wie schnell die Zeit bis zum zweiten Staatsexamen vergeht.
Nach fünf Monaten habe ich manchmal das Gefühl, keinen Fortschritt gemacht zu haben – als stünde ich noch genau da, wo ich am Anfang des Referendariats war.

Weil ich aber weiß, dass es vielen im juristischen Umfeld ähnlich geht (und dass dieses Gefühl trügt), möchte ich ein paar Dinge aufschreiben, die ich gelernt und geschafft habe oder die mir positiv in Erinnerung geblieben sind. 

1. Urteile schreiben

Ich habe gelernt, Urteile zu schreiben – das konnte ich vor fünf Monaten ganz sicher nicht.
Am Anfang wirkten meine Entwürfe noch holprig, aber mit der Zeit wurde der Aufbau klarer und die Wortwahl sicherer.
Auch bei untypischen Sachverhalten finde ich inzwischen einen vernünftigen Aufbau und komme deutlich schneller in den „Schreibfluss“.

2. Klausuren

Ich habe, mehr oder minder erfolgreich, meine ersten Klausuren hinter mich gebracht. Auch wenn sie nicht perfekt waren, war jede einzelne davon ein Schritt nach vorn. Eine bessere Übung für das 2. Staatsexamen existiert leider nicht.

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3. Zivilprozessrecht verstehen: Theorie wird durch Praxis lebendig

Im ersten Staatsexamen habe ich das Zivilprozessrecht eher vernachlässigt.
Im Referendariat musste ich es mir fast ganz neu erarbeiten – aber diesmal mit Praxisbezug.
Und das macht den Unterschied: Sobald man sieht, wofür eine Norm praktisch relevant ist, wird das Prozessrecht plötzlich greifbar.
Ein Versäumnisurteil zu verstehen oder die kleinen Kniffe des Verfahrens zu lernen, fällt viel leichter, wenn man es einmal live erlebt hat.

4. Prioritäten

Ich habe verstanden, dass die praktische Arbeit wichtig ist, aber für die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen die Theorie Vorrang haben sollte.
Die Fälle in der Praxis unterscheiden sich oft stark von den Examensfällen.
Man sollte also nicht versuchen, jede Ausbilderaufgabe perfekt zu lösen, sondern lieber unperfekte Ergebnisse akzeptieren – und stattdessen die dahinterliegende Theorie wirklich begreifen.

5. Noten sind zweitrangig

Hat mich der Gedanke an die Note in den ersten Wochen noch schier in den Wahnsinn getrieben, konnte ich mit der Zeit begreifen, dass diese zwar eine nette Motivation sein können, die Bedeutung darüber hinaus aber eher gering ist.

Ich habe gelernt, die Noten meiner AG-Leiter:innen und Ausbilder:innen nicht zu ernst zu nehmen.
Sie sind oft subjektiv und sagen wenig über die eigene Zukunft aus.
Gute Noten können motivieren – schlechte sollten einen aber nicht entmutigen.

6. Anpassungsfähigkeit

Im Referendariat muss man sich in kürzester Zeit auf viele neue Situationen und Menschen einstellen.
Auch wenn ich manchmal dachte, ich würde eine Situation nie überstehen, bin ich jedes Mal heil heraus gekommen.
Und mit jeder neuen Begegnung und ungewohnten Situation werde ich ein bisschen selbstsicherer. 

Es gibt natürlich Dinge, die ich gerne schon gelernt hätte, die aber noch auf meiner To-do-Liste stehen, unter anderem:

  • Wie fängt man an, regelmäßig Klausuren zu schreiben?
  • Wie strukturiert man seinen Tag, um sich abends nicht unproduktiv zu fühlen?
  • Wie lernt man am besten für das zweite Staatsexamen?
  • Wo findet man die passende Anwaltsstation?

Aber manchmal muss man sich auf die positiven Dinge konzentrieren, um sich nicht in der endlosen Schleife des Lernens zu verlieren. 

Ständig möchte alles in mir weiter sein, als ich bin, weil man auf seinem Weg leicht vergisst, was man vor zwei Monaten noch nicht konnte. Insbesondere im juristischen Umfeld wird uns viel zu häufig vermittelt, Jura sei ein Konkurrenzkampf und genau deshalb messen wir uns ständig am Fortschritt anderer statt an unserem eigenen.

Sich bewusst zu machen, was man heute schon gelernt hat, ist der erste Schritt, die eigene Leistung wertzuschätzen.
Also: Tu es mir gleich und konzentriere dich einmal mehr auf die Erfolge, ganz egal in welchem Bereich deines Lebens. Wir stapeln alle oft genug viel zu tief.

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Referendariat: Meine erste Verhandlungsleitung in der Zivilstation

Unsere Autorin Stine hat vor kurzem ihr Referendariat begonnen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen. Zuletzt: Von Ihrer ersten selbst geführten Verhandlung. In dem Beitrag teilt sie außerdem praktische Formulierungshilfen fürs Diktieren – damit auch deine erste Verhandlung ein Erfolg wird.

Vor nicht allzu langer Zeit durfte ich meine erste mündliche Verhandlung am Landgericht leiten. Ein Moment, den wohl jede Referendarin oder jeder Referendar im juristischen Vorbereitungsdienst mit Spannung erwartet oder fürchtet, je nachdem. 

Die Vorbereitung

Ich gehörte wohl eher zu der zweiten Gruppe. Schon Tage vorher war ich nervös. Ich wollte alles richtig machen. Also habe ich mich bestmöglich vorbereitet. Das Diktiergerät ausgeliehen, die Formulierungen meines betreuenden Richters analysiert und natürlich, um während der Verhandlung nicht nach Worten suchen zu müssen, akribisch aufgeschrieben, was ich sagen wollte.

Ich war überzeugt davon, meine vorgeschriebenen Zeilen exakt so ins Protokoll übernehmen zu können.
Von dieser Überzeugung musste ich allerdings schon nach wenigen Minuten in der Verhandlung Abstand nehmen.

Der Moment der Wahrheit

Die Verhandlungsleitung dauerte am Ende gerade einmal fünfzehn Minuten. Mein Beitrag war auf ein Minimum reduziert und meiner eigentlichen Aufgabe konnte ich gar nicht nachkommen. Weil, wie so oft im juristischen Alltag, alles anders kam als geplant. Eigentlich sollte ich den Kläger informatorisch anhören, doch dieser erschien schlichtweg nicht. Und so war die Verhandlung schneller vorbei, als ich meine Unterlagen sortieren konnte.

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Doch selbst aus dieser kurzen Praxissituation in der Zivilstation konnte ich etwas lernen.

Was ich dir aus meiner ersten Verhandlungsleitung mitgeben möchte

  • Alle um dich herum sind auch nur Menschen

Niemand ist in schallendes Gelächter ausgebrochen, als ich mich einmal versprochen habe oder etwas länger nach den richtigen Worten suchte. Ganz im Gegenteil! Alle Anwesenden konnten meine Situation nachvollziehen. Einige erzählten sogar von ihren eigenen ersten Verhandlungen im Referendariat. Jeder war einmal in dieser Lage und die meisten können sich noch gut genug daran erinnern, um emphatisch zu reagieren.

  • Das Diktiergerät ist Alltag

Meine größte Angst galt tatsächlich dem Diktiergerät in der mündlichen Verhandlung. Die Vorstellung, vor allen Beteiligten zu diktieren, ließ mir den Magen flau werden. Aber für alle anderen ist das völlig normal, so alltäglich wie Schuhe binden. Niemand legt jedes Wort auf die Goldwaage, niemand achtet auf kleine Unsicherheiten und schon gar nicht wird man währenddessen missgünstig begutachtet.

  • Sei auf alles vorbereitet

Eine gute Vorbereitung ist das A und O, gerade wenn man zum ersten Mal eine Verhandlungsleitung im Referendariat übernimmt. Es lohnt sich, verschiedene Szenarien durchzudenken, denn selten läuft alles so, wie man es sich ausgemalt hat. Wenn man innerlich bereit ist, spontan umzudenken, verliert man auch in überraschenden Momenten nicht die Ruhe.

  • Trau dich

Wenn sich dir in der Zivilstation die Möglichkeit bietet, eine mündliche Verhandlung zu leiten, ergreife sie. Die Hemmung ist groß, das Lampenfieber garantiert, aber der Perspektivwechsel ist es absolut wert. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, einmal selbst vorne zu sitzen. Außerdem merkt man erst durch das eigene Erleben, dass es nur halb so schlimm und weit weniger spektakulär ist, als man es sich vorgestellt hat. 


Formulierungshilfen

Und um dir den Einstieg etwas zu erleichtern, habe ich ein paar gängige Formulierungen für das Protokoll in der Verhandlungsleitung zusammengestellt, die du an die Situation und die Formulierungen der Richter*innen anpassen kannst.

Ich diktiere das Sitzungsprotokoll der öffentlichen Sitzung des Landgerichts X am 24.05.2027 in dem Rechtsstreit Musterfrau gegen Mustermann., Az: 9 O 800/37.

Die Leitung der mündlichen Verhandlung wurde auf die Rechtsreferendarin Frau X gem. § 10 GVG übertragen und erfolgt unter Aufsicht der Richterin am Landgericht Y.

Bei Aufruf der Sache um … erschienen der Kläger Herr X mit seinem Prozessbevollmächtigten RA Z in Person. Sowie für die Beklagte die Prozessbevollmächtigte RAin A im Wege der Videokonferenz.

Der Kläger erklärt angehört nach § 141 ZPO: Ich….

Auf Nachfrage des Klägervertreters erklärt die Klägerin…

Auf Nachfrage der Beklagtenvertreterin erklärt die Klägerin…

Eine gütliche Einigung ist nicht möglich.

Der Klägervertreter stellt die Anträge wie im Schriftsatz vom 19.08.2024 Blatt 135 d. Akte.

Die Beklagtenvertreterin beantragt Klageabweisung.

Beschlossen und verkündet.

Ein Termin zur Verkündung wird anberaumt auf den (Datum) um (Uhrzeit) im Raum X.

Die Verhandlung wir um (Uhrzeit) beendet. 

Wenn eine Partei säumig sein sollte, bietet sich folgende Formulierung an:

Nach erneutem Aufruf der Sache um (Uhrzeit) erscheint für den Beklagten noch immer niemand.

Die ordnungsgemäße Ladung des Beklagten wir festgestellt.

Der Klägervertreter beantragt, Erlass eines Versäumnisurteils. 

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Was ziehe ich an? Ein juristischer Outfitcheck

Dein erster Praktikumstag steht an und mit ihm kommt die Frage – welche Kleidung ist angemessen? Deine mündliche Prüfung steht kurz bevor und du fragst dich, was du tragen solltest? Kein Problem! In diesem Beitrag gibt unsere Autorin Stine dir ein paar Richtlinien an die Hand, wie du rausfindest, ob dein Outfit juratauglich ist – mitsamt ein paar Beispielfotos der Redaktion.

Kaum ein Berufsfeld kämpft mit so vielen Vorurteilen wie das der JuristInnen. Nicht wenige davon beziehen sich auf die Kleidung. Kein Wunder: Der Beruf ist traditionsreich und steckt voller alteingesessener Regeln. Ein Beispiel: Die Richterrobe in ihrer heutigen Form stammt schon aus dem 18. Jahrhundert.

Dazu kommt, dass uns einige KommilitonInnen bereits ab dem ersten Semester im Hörsaal mit Anzügen „beeindrucken“. Da fragt man sich schnell, was ist angemessen um im Praktikum, Referendariat und der mündlichen Prüfung einen guten Eindruck zu hinterlassen. Die Qual der Outfitwahl kenne ich nur zu gut. Wie oft habe ich mir noch in letzter Minute eine Bluse gekauft, weil ich Angst hatte, nicht passend genug angezogen zu sein.

Um euch diese Unsicherheit zu nehmen, haben wir im Team ein paar Inspirationen gesammelt, in denen wir uns passend angezogen fanden. Denn am Ende zählt nicht, wie teuer oder elegant das Outfit ist – sondern, dass ihr euch darin wohlfühlt. Verkleiden hilft auf Dauer nur selten.

Die Tipps sind für alle gedacht, die bald ihre mündliche Prüfung, den ersten Praktikumstag oder den Start ins Referendariat vor sich haben. Im Unialltag müsst ihr hingegen niemanden beeindrucken, da geht’s entspannt zu.

Obenrum – zwischen Blazer und T-Shirt

Abseits von wirklich besonderen Terminen wie der mündlichen Prüfung oder Vorstellungsgesprächen ist die Wahl im Alltag erstaunlich locker. Im Sommer sind auch T-Shirts oder Tops kein Problem – selbst bei Gerichtsterminen, solange sie nicht durch schrille Farben oder wilde Muster auffallen. Mit einem schlichten Blazer oder einer Strickjacke liegt man fast immer richtig. Blusen? Habe ich persönlich nicht als notwendig empfunden.

Untenrum – Hosen, Röcke und Co.

Eine klassische Anzughose ist eine sichere Wahl – muss aber keineswegs schwarz sein. Grau, Blau oder sogar Grün funktionieren genauso gut. Schließlich verschwinden die Beine bei Terminen ohnehin meistens unter dem Tisch. Ein langer Rock ist ebenfalls völlig in Ordnung, nur fehlt mir da die persönliche Erfahrung – ich bin ein absoluter Hosenmensch.

Schuhe – Hauptsache sauber

Loafer sind immer eine gute Idee. Ebenso gediegene Absätze oder schlichte, saubere Sneaker. Wichtig ist weniger die Form als vielmehr, dass die Schuhe gepflegt aussehen.

Fazit: Wohlfühlen schlägt Etikette

„Kleider machen Leute“ – aber zum Glück längst nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vor 20 Jahren. Wer einmal RichterInnen außerhalb des Verhandlungssaals beobachtet, wird überrascht sein, wie schlicht und alltagsnah deren Outfits ausfallen. Hosenanzüge sieht man fast nie, auch vollständige Anzüge bei den männlichen Kollegen sind selten.

Fragt die RichterInnen und AusbilderInnen ruhig nach ihren Erwartungen – das kann helfen, die morgendliche Outfit-Qual deutlich zu verringern. Vor meinem ersten AG-Termin habe ich mir auch viele Gedanken über den richtigen Auftritt gemacht. Im Nachhinein kann ich sagen: völlig unnötig. Es gilt: Come as you are. Solange man die grundlegenden Gepflogenheiten respektiert, spielt die Kleidung im juristischen Alltag eine untergeordnete Rolle.

Urteilsklausur im Referendariat: Aufbau und Tipps fürs Zivilrecht

In den meisten Bundesländern startet das Referendariat mit der Zivilstation – und damit oft auch mit der ersten Urteilsklausur. Damit ihr nicht ganz unvorbereitet vor eurem ersten Urteil sitzt, habe ich hier eine kleine Anleitung für euch. Natürlich kann ich nicht auf jede Besonderheit eingehen, aber die wichtigsten Grundzüge zum Aufbau eines Urteils sind dabei.

Übrigens: Urteilsklausuren sind nicht nur in der Praxis wichtig, sondern auch im zweiten Staatsexamen. Dort erwarten euch neben Anwalts- und Kautelarklausuren auch Urteilsklausuren. Den Aufbau früh zu verinnerlichen, zahlt sich also doppelt aus.

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1. Rubrum

Den Auftakt macht immer das Rubrum. Die Details können sich je nach Bundesland unterscheiden, die Pflichtangaben sind überwiegend dieselben. Enthalten sein müssen:

  • Aktenzeichen
  • „Im Namen des Volkes“
  • Art des Urteils (End-,Zeichen-, oder Teilurteil)
  • Eingangsformel („In dem Rechtsstreit“)
  • Kläger und Beklagte mit Anschrift
  • Prozessbevollmächtigte mit Anschrift
  • ggf. Streithelfer
  • Allgemeiner Satz der das Gericht, den Richter, die Kammer und die letzte mündliche Verhandlung (soweit vorhanden) nennt.

Ein Beispiel:

„Hat das Landgericht Musterstadt – 12. Kammer – durch den Richter am Landgericht Schmidt als Einzelrichter nach der mündlichen Verhandlung am 02.03.2024 für Recht erkannt:“

Beispiel Rubrum

Damit ist das Fundament gelegt – weiter geht’s mit dem Tenor.

2. Tenor

Der Tenor ist das, was man in der Praxis sofort nachschlagen würde – das Ergebnis. Er besteht meistens aus drei Punkten:

  • 1. Entscheidung in der Hauptsache
  • 2. Kostenentscheidung
  • 3. Entscheidung über vorläufige Vollstreckbarkeit

Bei Klageabweisung ist es recht simpel: „Die Klage wird abgewiesen.“ Schwieriger wird es, wenn der Klage (teilweise) stattgegeben wird. Hier müsst ihr euch streng an die Anträge halten (Dispositionsmaxime). Alles, was nicht zugesprochen wird, muss ausdrücklich mit dem Zusatz abgegrenzt werden: „Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.“ Wenn das fehlt, ist das ein echter Kardinalsfehler.

3. Tatbestand

Der Tatbestand beschreibt, worum es im Prozess geht – ohne Wertung, ohne rechtliche Einordnung. Ziel ist es, den Sachverhalt so darzustellen, dass die Entscheidungsgründe nachvollziehbar sind.

Typischer Aufbau:

  1. Einleitender Satz (optional, kurze Einordnung des Rechtsstreits).
  2. Unstreitiger Sachverhalt
    • Alle relevanten Tatsachen, die niemand bestreitet, chronologisch aufgeführt
    • Streng im Imperfekt
  3. Streitiger Vortrag des Klägers
    • Alles, was der Beklagte bestritten hat
    • Perfekt, indirekte Rede
    • Wichtig: Formulierungen wie „Der Kläger behauptet, …“ (Tatsache) oder „Der Kläger ist der Ansicht, …“ (Rechtsauffassung)
    • Beispiel: „Der Kläger behauptet, der Beklagte habe vor Vertragsschluss von dem Umstand gewusst.
  4. Kleine Prozessgeschichte
    • Überhaupt nur das, was man braucht, um die Anträge zu verstehen
    • Perfekt Indikativ
  5. Anträge des Klägers (wie in der Klageschrift)
  6. Anträge des Beklagten
  7. Streitiger Vortrag des Beklagten (gleiche Regeln wie beim Kläger)
  8. Große Prozessgeschichte
    • Der weitere Verfahrensverlauf, z. B. Beweisaufnahmen

Meist reicht dieses Schema. Abwandlungen sind notwendig, wenn besondere Umstände vorliegen – etwa eine Widerklage aus einem völlig anderen Sachverhalt.

4. Entscheidungsgründe

Nach dem Tatbestand folgen die Entscheidungsgründe – hier wird das Ganze rechtlich eingeordnet. Und zwar im Urteilsstil: Ergebnis zuerst, Begründung danach.

Typischer Einstieg:

„Die Klage ist zulässig und begründet.“

Grundprinzipien:

  • Vom Allgemeinen zum Besonderen
  • Zuerst Zulässigkeit, dann Begründetheit
  • Orientierung an Prüfungsschemata
  • Unproblematisches kurz abhandeln, Problematisches ausführlich
  • Wenn der Klage stattgegeben wird, reicht die Prüfung einer Anspruchsgrundlage
  • Wird die Klage abgewiesen, müssen alle infrage kommenden Anspruchsgrundlagen geprüft und verneint werden

Achtet darauf: In einem Urteil gibt es keine Überschriften wie „A. Zulässigkeit“. Eine Untergliederung ist erlaubt, aber nur durch Gliederungspunkte – nicht durch Überschriften

Sprachlich helfen Formulierungen wie „denn“, „weil“ oder „da“, um die Argumentation im Urteilsstil sauber zu verbinden

Fazit

Ein Urteil zu schreiben ist am Anfang ungewohnt – schließlich müsst ihr vom gewohnten Gutachtenstil in den Urteilsstil umdenken. Wichtig sind:

  • prägnantes Formulieren,
  • saubere Trennung von streitigem und unstreitigem Vortrag,
  • schematische, nachvollziehbare Entscheidungsgründe.

Dass die ersten Versuche noch holprig wirken, ist völlig normal. Routine kommt erst mit der Zeit – und ja, hier gilt das altbekannte Motto: üben, üben, üben.

Tipp: Musterurteil vom OLG Sachen

Die ersten Wochen im Referendariat – ein Erfahrungsbericht

Unsere Autorin Stine hat vor kurzem ihr Referendariat begonnen – und wurde ganz schön ins kalte Wasser geworfen. Statt an der Uni in Vorlesungen zu sitzen soll sie plötzlich Urteile schreiben und Verhandlungen leiten. In diesem Beitrag berichtet sie von ihren ersten Eindrücken.

Erwartung vs. Realität

Seit knapp sechs Wochen darf ich nun im Referendariat neue Eindrücke verarbeiten, andere Aufgaben meistern und vor allem feststellen, dass Realität und Vorstellung, wie so oft, meilenweit auseinanderklaffen.

Ich startete mit der Zivilstation und wurde zunächst zwei Wochen im Einführungslehrgang berieselt. Mit den Grundlagen des Prozessrechts, dem gerichtlichen Ablauf und den ersten Kostenberechnungen. Seitdem darf ich am Gericht das prozessuale Recht live erleben und selbst anwenden. Ich schreibe Urteile, halte Aktenvorträge und muss in naher Zukunft eine Verhandlung selbst leiten. Während ich mir diese Aufgaben vor Augen führe, frage ich mich häufiger, ob ich dem Referendariat überhaupt gewachsen bin.

Damit du vielleicht mit einem realistischeren Bild startest, hier meine ganz persönlichen Referendariat-Erfahrungen aus den ersten Wochen! 

Wer auf Anleitung hofft, wird enttäuscht

In der Hoffnung, endlich mehr durch die praktische Anwendung zu lernen und weniger durch das Selbststudium zu erarbeiten, startete ich ins Ref. Allerdings fühlte ich mich beim Schreiben meines ersten Urteils genauso hilflos wie bei der ersten Hausarbeit im Studium.

Zwar gibt es viele Formulierungsbeispiele, aber die Fallvarianten in der Praxis sind zu groß, um für jede Situation eine passende Vorlage zu finden. Ich musste schmerzlich feststellen (obwohl ich es natürlich hätte ahnen können), dass sich auch im Referendariat nichts von allein lernt und der Urteilstil leider auch kein Selbstläufer ist. 

Endlich Struktur? Nicht ganz

Die Vorstellung von durchgeplanten Tagen, festen Terminen und geregeltem Alltag verabschiedete sich schneller, als sie aufgekommen war. Spätestens als der erste Termin keine Woche vorher verschoben wurde, war klar: sogar das größte Organisationstalent stößt hier an seine Grenzen. 

Der Gerichtstag ist häufig unplanbar und damit der Alltag vieler, die dort arbeiten.

Spannende Fälle? Jein

Die Fälle sind nicht weniger absurd als an der Uni. Allerdings wurden an der Uni die arglistigen Intentionen des Verkäufers durch den Sachverhalt vorgegeben. Nun muss dem Gericht bewiesen werden (Beibringungsgrundsatz), dass der Verkäufer arglistig handelte. Die neue Fragestellung, die das Referendariat mitbringt, sorgt für viele Knoten in meinem Kopf. Wer hat was zu beweisen und wie kann der Beweis erbracht werden. Die Probleme sind in der Praxis andere, aber nicht weniger kleinteilig, komplex und absurd. Wobei Absurdität nicht mit Spannung verwechselt werden sollte.

Die AG – Schule 2.0

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Die Arbeitsgemeinschaft ist Schule 2.0. Die schlimmsten und die besten Erinnerungen darfst du nochmal erleben. Man sieht die gleichen Menschen in regelmäßigen Abständen wieder. Arbeitet in Gruppen, bekommt mündliche Noten, hält Kurzvorträge, macht gemeinsam Pause. Es besteht sogar die Möglichkeit eine AG-Fahrt zu unternehmen. Nach dem eher anonymen Jurastudium ist diese Art der Verbundenheit ein großer Umbruch! Ebenso wie das Gefühl, plötzlich wieder für alles bewertet zu werden.

Endlich Zeit für Aufgaben? Von wegen

In der Erwartung hat man endlich genug Zeit für seine Aufgaben.

In der Realität jagt eine Abgabe die nächste. Gerade am Anfang fehlt Routine und die Unsicherheit bringt mich dazu über jede Formulierung mindestens dreimal nachzudenken. So wachsen einem auch die überschaubaren Aufgaben über den Kopf.  

Da kommt schnell das Gefühl auf, dem Ganzen nicht gewachsen zu sein. 

Vielleicht muss man an dieser Stelle wirklich lernen, den eigenen Perfektionismus im Referendariat ein Stück loszulassen, statt Kleinigkeiten über Stunden zu zerdenken. Ich bin mir noch unsicher, aber werde euch auf dem Laufenden halten und mit Updates zum Zeitmanagement und der Struktur im Referendariat versorgen.

Zwischen Ideal und Alltag

Viel im juristischen Referendariat steht und fällt mit den betreuenden RichterInnen und AG-LeiterInnen. Mir macht Mut, dass jede Station nur vorrübergehend ist und somit auch die ungünstigsten Umstände irgendwann vorbei sind. Viele Dingen liegen außerhalb des eigenen Einflusses, aber solange man bereit ist, sich zu bemühen und ein bisschen Anpassungsfähigkeit mitbringt, wird man seinen Platz finden. 

Lass dich von den ersten Wochen nicht entmutigen. Und mach dir bewusst: die höchsten Erwartungen an dich, hast DU!

Seid bereit für Veränderung und neue Perspektiven. Man gewöhnt sich bekanntlich an alles.

Wie lief euer Start ins Referendariat? Teilt gern eure Erfahrungen in den Kommentaren! Ich bin gespannt, wie es euch ergangen ist. 

Für mehr Einblicke, Updates & Realität rund um Jura: 

Folgt: Goldwaage auf Instagram. 

1. Staatsexamen ohne Repetitorium – ist das möglich?

Du willst das Erste juristische Staatsexamen ohne kommerzielles Repetitorium bestehen? In diesem Beitrag teilt unsere Autorin Stine ihre Erfahrungen eines alternativen Weges.


Bevor ich euch mit Erfahrungen über das Referendariat versorge, möchte ich ein Thema ansprechen, das mir besonders am Herzen liegt: das Erste Staatsexamen absolvieren ohne ein kommerzielles Repetitorium besucht zu haben.

Nicht nur einmal habe ich während der Vorbereitung an dieser Entscheidung gezweifelt. Auslöser zum Grübeln gibt es viele. Schlechte Noten in den Probeklausuren. Kommiliton*innen die scheinbar weiter sind oder (gefühlt) mehr wissen. Das Gefühl, mit der Entscheidung allein zu sein. Darum habe ich häufig online nach positiven Erfahrungen zur Examensvorbereitung ohne Repetitorium gesucht, wurde aber selten fündig. Stattdessen begegnete man immer wieder Erfolgsgeschichten von Leuten, die ein kommerzielles Rep besucht haben. 

Kein Wunder, dass die Zweifel blieben und mein Selbstvertrauen gelitten hat. Dabei sind Mut und Vertrauen essenziell für eine gute Vorbereitung auf das Erste juristische Staatsexamen. 

Darum möchte ich heute ein paar positive Aspekte mit euch teilen. Als kleine Erinnerung, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, auch wenn er anders aussieht.

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Das Beste (ausnahmsweise) zuerst: Ja, es ist möglich. 

Ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen, dass es funktioniert. Nicht nur bei mir, sondern auch bei einigen Kommiliton*innen, die sich bewusst gegen ein kommerzielles Repetitorium entschieden haben.

Wichtig: Ich will dich nicht überreden oder dir einreden, dass das der einzige richtige Weg ist. Vielmehr möchte ich ein paar unterstützende Worte für diejenigen dalassen, die mit dem Gedanken spielen oder sich bereits dazu entschieden haben. Die Examensvorbereitung ist sehr individuell. Den einen richtigen Weg gibt es nicht!

Warum ich den Weg ohne kommerzielles Rep gegangen bin und was dafür spricht:

  • Kostenersparnis

Hier das offensichtliche: du sparst dir einen Haufen Geld. Ein kommerzielles Rep kostet monatlich zwischen 150-200€. Das sind auf ein Jahr gerechnet Summen, die besser investiert werden können oder einigen schlicht nicht möglich sind. 

  • Individualität und Flexibilität

Ohne Rep hast du mehr Kontrolle über deinen Zeitplan. Zwei bis drei Tage pro Woche, die sonst durch feste Kurse blockiert wären, kannst du frei gestalten. Natürlich nur, wenn du auch das Unirep flexibel nutzt oder darauf verzichtest. Statt dich an einen allgemeinen Zeitplan zu klammern, kannst du deine Stärken und Schwächen gezielt in den Fokus rücken. Deine Lernstrategie für das Jura-Examen passt du individuell an, statt einem starren Standardplan zu folgen.

  • Du bist nicht mehr allein

Immer mehr Studierende entscheiden sich bewusst gegen kommerzielle Anbieter in der Examensvorbereitung. Man ist also kein Einzelfall mehr, die Wahrscheinlichkeit von Gleichgesinnten in deinem Umfeld steigt[1].

  • Die Unis holen auf

Viele Universitäten haben inzwischen den Handlungsbedarf erkannt. Kommerzielle Reps tragen oft dazu bei, das Jurastudium noch elitärer wirken zu lassen, als es ohnehin schon ist. Das Unirep-Programm wird vielerorts ausgebaut: begleitende Vorlesungen, Klausurenkurse und Probeexamina. Natürlich ist noch immer Luft nach oben, aber in Verbindung mit Eigeninitiative und einer Lerngruppe ist das Unirep für Jura häufig eine echte Alternative. Zumal Universitätsprofessor*innen die Prüfungen, auf die sich dich vorbereiten, auch abnehmen. Sie sollten also wissen, worauf es ankommt.

  • Künstliche Intelligenz

Noch vor kurzer Zeit war es mühsam, an gute Lernpläne zu kommen. Heute kannst du dir mithilfe von KI in der Jura-Examensvorbereitung deinen eigenen, individuellen Lernplan erstellen lassen. Genau auf dich und deine Bedürfnisse zugeschnitten. Daran halten musst du dich immer noch selbst ;). Aber die technischen Möglichkeiten sind da und werden stetig besser. 

Ich hoffe du siehst, dass es für das Bestehen des Examens keines kommerziellen Reps bedarf, wenn du das nicht möchtest. Lass dich von Momenten der Unsicherheit nicht aus der Bahn werfen.

Bedenken sind menschlich.

Hör auf sie, aber lass sie nicht dominieren. Nur du weißt, wann es Zeit ist etwas zu ändern. 

Ich für meinen Teil wünsche mir, dass sich mehr Studierende trauen den Weg zu gehen, der wirklich zu ihnen passt. Und sich nicht von Profs., Mitstudierenden oder Werbeversprechen verunsichern lassen.

Und ich wünsche mir von den Unis, dass sie das Potential ihrer Unireps erkennen und weiter ausbauen.  Denn eine erschwingliche Examensvorbereitung im Jurastudium ist nicht nur gerechter, sie hilft auch die Angst und die Mythen rund um das Erste Examen abzubauen.

Wie bereitest du dich auf den staatlichen Teil des 1. Staatsexamens vor – mit oder ohne kommerzielles Rep? 

 Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Für wöchentliche Tipps, Motivation und Erfahrungen aus dem Jurastudium folge @Goldwaage auf Instagram. 


[1] https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/studium-und-referendariat/4-punkte/prüfungen-examen/details/traut-euch-jura-examen-ohne-repetitorium

Im Dschungel des Referendariats – 5 persönliche Tipps nach dem 1. Examen

Jura Referendariat: Was ich gern vorher gewusst hätte

Weil ich mich vor dem Bestehen des ersten Staatsexamens nicht traute zu planen (aus Angst, das Bestehen des Examens zu „verfluchen“ ) hat mich nach der mündlichen Prüfung die Panik überrollt. Wo sollte ich anfangen? Was ist zu beachten? Was ist wichtig?

Damit du besser vorbereitet bist, kommen hier meine fünf wichtigsten Gedanken – in der Hoffnung dir beim Durchblick im Dschungel juristisches Referendariat zu helfen.

1. Ortswahl – wo soll es hingehen?

Wenn du dir vorstellen kannst, nach dem Studium nochmal den Wohnort zu wechseln, solltest du dich mit den Unterschieden zwischen den Bundesländern beschäftigen.
Die Voraussetzungen, Fristen und Abläufe variieren deutlich.

Auswahlkriterien, die dir eine Orientierung sein können:

  • Notenanforderung & Wartezeiten: beliebte Orte haben lange Wartezeiten
  • Gehälter: in den neuen Bundesländern sind die Bezüge teilweise deutlich höher
  • Ablauf des Refs: manche Länder bieten Probeexamen, Einführungsseminare, bestimmte AG-Strukturen, andere nicht

Wenn dir also bestimmte Inhalte wichtig sind, lohnt sich der Vergleich. Gute Übersichten findest du etwa beim Anwaltsblatt oder auf LTO. Auch ein Blick auf die Durchschnittsnoten der Bundesländer kann helfen.

Was ich aber auch sagen muss: Erfahrungen anderer sind oft sehr subjektiv und die Auswahlkriterien bleiben intransparent. Also lass dich nicht verrückt machen. Du bist niemandem Rechenschaft schuldig.

2. Verbeamtung?

Wenn dein Wunsch-Bundesland die Verbeamtung während des Referendariats anbietet, solltest du dir vorher überlegen, was das konkret bedeutet.

Vorteile:

  • Höhere Bezüge
  • Keine Sozialversicherungsbeiträge
  • Beihilfeanspruch (meist 50% Erstattung der Krankheitskosten)
  • Günstigere private Krankenversicherung (PKV) möglich

Aber du zahlst weder in die Rentenkasse noch in die Arbeitslosenversicherung ein. Das bedeutet du erhältst kein ALG I nach dem Referendariat. Auch die Wahl einer Privaten Krankenversicherung kann verwirrend und unübersichtlich sein.

Wenn du dich für eine Verbeamtung entscheiden solltest, hol dir eine Beratung bei einem seriösen Versicherungsmakler. Es gibt unzählige Tarife und Details.

3. Bürokratie

Je nach Bundesland unterscheiden sich die Unterlagen, die du für die Bewerbung einreichen musst. Umso früher du weißt, welche Unterlagen du benötigst umso eher kannst du anfangen diese wieder zu finden. Meist sind die Fristen Ausschlussfristen, die Unterlagen müssen also bis zum Fristende zwingend vollständig vorliegen. 

Was du (häufig) benötigst:

  • Geburtsurkunde
  • Erweitertes Führungszeugnis (kann meist erst nach Antragseingang beim jeweiligen OLG beantragt werden)
  • Examenszeugnis

Plane zwischen dem Examen und dem Referendariatsstart etwas Luft ein – häufig brauchst du bis zum Ablauf der Frist dein Examenszeugnis.

4. Das große Warten

Ich hatte gehofft, das ewige Warten hat ein Ende. Aber Fehlanzeige, man muss sich auch weiterhin in Geduld üben.

Die Zusage fürs Referendariat kommt oft kurzfristig. Heißt: monatelang Funkstille – dann plötzlich alles auf einmal.
Hab vorsichtshalber einen Plan B in der Hinterhand. Vielleicht ein Praktikum, eine Reise, einen Nebenjob und dabei rutschst du ganz bequem durch die Wartezeit für den nächsten Starttermin nach oben.

Ich habe erlebt, dass die Leute bei den Ausbildungsstellen sehr freundlich sind. Wenn du unsicher bist, ruf einfach an. Meist bekommst du auch eine Einschätzung, wie realistisch dein Wunschstandort mit deiner Note ist.

5. Gönn dir eine Pause

Ich weiß, der Reflex ist groß: „Jetzt schnell das 2. Examen durchziehen!“ Aber eine Pause tut gut.
Du hast eine aufregende und nervenraubende Zeit hinter dir. Es ist völlig okay, mal durchzuatmen.

Mach was, das dir Spaß macht. Hol Hobbys zurück, die in der Examenszeit hinten heruntergefallen sind oder lerne etwas Neues. 

Am Ende interessiert es deinen Arbeitgeber nicht, ob du 29 oder 30 bist, aber dich, ob du mit deinen Kräften am Ende bist. Jeder hat sein eigenes Tempo.

Fazit

Das Referendariat ist ein neuer, spannender, manchmal verwirrender Abschnitt. Ich hoffe, meine Gedanken helfen dir, ein bisschen Struktur reinzubringen oder einfach entspannter zu starten.

Wenn du Fragen hast, eigene Erfahrungen teilen willst oder einfach Feedback dalassen magst schreib gern einen Kommentar. Und folge Goldwaage auf Instagram für noch mehr Juracontent. Ich freu mich auf dich!