So findest du heraus, was dein Weg im Jurastudium ist (Teil II)

Dieser Beitrag ist Teil II der Serien “Den eigenen Weg gehen im Jurastudium”. In diesem Beitrag stellt sich unsere Autorin Carla die Frage, wie du herausfindest, was „dein eigener Weg“ überhaupt ist. Hier gelangst du zu Teil I der Serie.

Viele Studierende sind zögerlich, ungewöhnliche Wege zu gehen – aus Angst den hohen Anforderungen des Studiums nicht gerecht zu werden. Dohch was ist überhaupt „dein Weg“?

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Wenn ich in diesem und dem anderen Beitrag von “deinem Weg” spreche, meine ich, dass du dein Studium,

  • deine Auslandsaufenthalte
  • deine Lernmethoden,
  • deine Arbeitsweise
  • deine Examensvorbereitung
  • deine Freizeitgestaltung
  • die Wahl deiner Praktika,
  • deines Wahl deines Referendariats
  • die Wahl deiner Karriere

selbst wählen und gestalten kannst – auch wenn deine Entscheidungen unkonventionell sind.

Hier ein Beispiel: In der Examensvorbereitung ist es die gängigste Methode, sich bei einem Repetitorium anzumelden und angeleitet von einem Volljuristen den examensrelevanten Stoff zu wiederholen. Tausende Studierende erlangen auf diese Weise jährlich ihr Examen. Dementsprechend mutig musst du sein, wenn du dich entscheidest, dich ohne Repetitorium aufs Examen vorzubereiten.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass du dich regelmäßig fragst: War das eine Fehlentscheidung? Habe ich den gleichen Stoff gelernt wie die KommilitonInnen im Rep? Mache ich etwas falsch? (An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass zwar nicht ich, aber mehrere der Goldwaage-AutorInnen sich ohne Repaufs Examen vorbereitet haben und dieses mit Bravour bestanden haben. – Falls du dir also gerade diese Fragen stellst, trau dich!)

Woher weißt du, was dein Weg ist?

Vorab lohnt sich zu erwähnen: Den einen Weg gibt es nicht. Im Jurastudium genauso wenig wie im Leben abseits davon. Es gibt fast immer dutzende Möglichkeiten, an ein Ziel zu gelangen. Daher lasse dich nicht von der Suche nach “dem einen richtigen Weg” oder “der richtigen Methode” ablenken.

Ein paar Faktoren, die du bei der Suche nach deinem Weg berücksichtigen kannst sind:

  • Interessen, die du bereits hast
  • Bauchgefühl
  • Ausprobieren
  • mit Leuten reden, die diese Erfahrung gesammelt haben
  • Mut

Interesse und Bauchgefühl

Einige der Punkte sind recht selbsterklärend. Ein riesiges Interesse an True Crime verleitet dich vielleicht dazu, den Schwerpunkt Kriminologie zu wählen. Ein Bauchgefühl, dass du Italienisch lernen willst, bringt dich dazu, dich für ein Erasmussemester in Rom einzuschreiben. Diese Art von Entscheidungsfindung ist unkompliziert und meiner Erfahrung nach wahnsinnig wertvoll.

Trial and Error

Die meiste Erfahrung sammelst du jedoch, indem du dich ausprobierst. Traue dich, immer wieder neue Dinge auszuprobieren und evaluiere im Anschluss, wie sie dir gefallen oder geholfen haben.

In Bezug auf Lerntipps, lohnt es sich beispielsweise, regelmäßig zu analysieren: Wie kannst du dir Dinge am besten merken, zu welchen Zeiten am Tag kannst du dich am besten konzentrieren, lernst du am besten zu Hause oder in der Bibliothek?

Mit Leuten reden

Bei ungewöhnlichen Schritten hilft es ungemein, mit Leuten zu reden, die diese Wege bereits gegangen sind. Falls du niemanden kennst, suche Online nach Erfahrungsberichten oder nutze KI um eine kleine Kosten-Nutzen-Abwägung darzustellen.

Mut, Entscheidungen zu fällen

Zuletzt bleibt zu sagen: Trau dich! Es gehört immer etwas Mut dazu:Mut, abseits der gewöhnlichen Pfade zu gehen und Mut, Entscheidungen zu fällen.

Aber ich verspreche dir: Ab dem Moment, wo du für dich eine Entscheidung getroffen hast, wird dein Weg entstehen und du wirst eine gewisse Klarheit empfinden.

Mir großer Sicherheit haben die Leute in deinem Umfeld dazu eine Meinung – aber die hätten sie auch, wenn du dich anders entschieden hättest.

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Perfekt strukturiert: Diese Verhaltensweisen erleichtern deine ersten Tage im neuen Job

Unser Autor Robert hat vor kurzem seinen Berufseinstieg vollbracht und festgestellt: Die mühsam erlernte Theorie aus dem Jurastudium hat mit wichtigen praktischen Fragen als JuristIn oft gar nichts zu tun. In diesem Beitrag gibt er deshalb Tipps, damit du für den ersten Realitätscheck in der Arbeitswelt gewappnet bist.

Die juristische Ausbildung ist in Deutschland eine faszinierende Sache. Wir wälzen jahrhundertealte Streitstände, sezieren Normen wie ChirurgInnen mit Telos und Historie und entwickeln dabei ein Feingefühl dafür, auf welchem Subsumtionsschritt ein Argument gerade passt. Was wir dabei oft nicht lernen? Wie man organisiert. Wie man in Teams kommuniziert (jenseits der gemeinsamen Lösung der Hausarbeit in der Lerngruppe). Und vor allem: wie man durch einen Fall als Prozess nicht nur juristisch, sondern operativ steuert.

Der Realitätsschock kommt meistens im Berufseinstieg. Zumindest bei fähigen Ausbildern kommen im Referendariat die Fälle und Aufgaben noch eher dosiert und mehr oder minder deinem Ausbildungsstand angepasst. An einem festen Arbeitsplatz (egal ob Kanzlei, Dezernat oder Lehrstuhl), an dem du letztlich für deine Leistung bezahlt wirst, geht es weniger um deine fachliche Entwicklung, sondern um Ergebnisse. Plötzlich dreht sich nicht mehr alles um ein perfekt ausformuliertes Gutachten, sondern um E-Mails, die sofort beantwortet werden wollen, Mandanten, die ungeplant anrufen und dich aus dem Flow bringen und Teams, die parallel auf Ergebnisse warten. Sehr schnell wird klar: Jura ist nicht nur Rechtswissenschaft. Es ist auch Projektmanagement in Robe.

Fälle sind Projekte. Punkt.

Kaum jemand sagt dir das als Neuling, aber jedes Mandat und jede Akte ist ein Projekt. Es hat ein Ziel, ein Ergebnis, Fristen, Beteiligte, Risiken – und jemanden (oder besser ein Team), der oder das dafür verantwortlich ist, dass alles zu einem Abschluss kommt. Das bist früher oder später in verschiedenen Rollen du.

Doch während andere Branchen Projektmanagement in Seminaren erklären oder allein darauf zugeschnittene Managerrollen haben, neigen Kanzleien oft zur Annahme, dass man „da schon reinwächst“. Das stimmt theoretisch und tatsächlich ist mit dem Referendariat und der Examensvorbereitung eine Lernkurve dahingehend angelegt. Praktisch kostet es aber bereits im Studium viele Abende, Nerven und manchmal auch eine Portion Selbstzweifel, bis man merkt: Struktur ist kein Luxus, sondern eine Überlebensstrategie.

Wer seinen Arbeitsprozess strukturiert, hält das Steuer selbst in der Hand. Auch dann, wenn es mal wackelig wird. Ehrlich muss man aber auch sagen, dass der juristische Alltag nicht immer planbar ist und die Prozessordnungen und nicht der eigene Kalender viele Fristen für uns setzt.

Scope: Was genau soll geliefert werden?

Eine der wichtigsten Fragen zu Beginn eines Mandats ist erstaunlich einfach – und wird doch selten gestellt:

„Was genau soll ich eigentlich abgeben?“

Jurist:innen neigen dazu, tief zu gehen – manchmal tiefer, als es der Mandant jemals wollte oder bezahlen möchte. Projektmanagement heißt daher zunächst: Auftragsklärung.
Ist ein kurzes Fazit gewünscht oder eine wissenschaftliche Analyse? Soll die Antwort in Bullet Points per Mail kommen oder als ausformulierter Aktenvermerk? Wer liest es – Partner, juristischer Laie oder die Geschäftsstelle?

Zehn Minuten Klärung am Anfang sparen zehn Stunden Nacharbeit am Ende. Insbesondere diese Fähigkeit erlernt man jedoch im Referendariat. Hier ist man neben dem Gutachten das erste mal mit verschiedenen Aufgabenstellungen à la „Anklage mit A- und B-Gutachten, Ermittlungsvermerk oder nur einer kurzen Zusammenfassung für die mündliche Verhandlung“ konfrontiert. Entsprechend sollte man sich die Nachfrage bei Übergabe der Akte unbedingt beibehalten.

Zeitplanung mit echtem Puffer

Die schönste Struktur hilft nichts ohne realistische Zeitplanung. Es gilt: Alles dauert länger, als man denkt, und Dringendes kommt immer dazwischen. Und wenn wir ehrlich sind, macht der spontane Kontakt mit anderen Prozessparteien den juristischen Beruf doch gerade spannender als die meisten anderen Bürojobs. Daher: Puffer einplanen, und Deadlines Dritter nicht blind akzeptieren, sondern aktiv besprechen und im Sinne deines Zeitrahmens nachverhandeln.

Sätze wie „Schaffe ich bis zum Mittag“ klingen erst mal gut, sind aber selten nachhaltig, wenn du den Fall noch gar nicht durchdrungen hast. Professioneller – und am Ende vertrauensbildender – ist ein klares Erwartungsmanagement:

„Mittwoch 10 Uhr sollte für mich klappen. Ich melde mich aber, sollte etwas Dringendes dazwischenkommen.“

Das ist kein Aufgeben, sondern Priorisierung und das Rechnen mit dem Unberechenbaren. Eine solche Kommunikation ist natürlich nur notwendig, wenn noch kein entsprechendes allgemeines Verständnis im Team besteht.

Auch gegenüber Mandanten ist es wichtig, realistische Einschätzungen des mit dem Einsatz von Zeit und Mitteln möglichen Ergebnissen zu liefern. Denn letztlich braucht es solche Transparenz auf allen Seiten, um die jeweils besten Entscheidungen treffen zu können und letztlich auf allen Seiten Zufriedenheit zu erreichen.

Ressourcen nutzen: Eine Frage des Systems

Delegation ist nicht nur Chefsache. Schon als WissMit lässt sich systematisch arbeiten und so der Aufwand reduzieren: früh Muster einholen, auf bestehende Dokumente zugreifen, Aufgaben ggf. auch die Geschäftsstelle weitergeben und Rückfragen einkalkulieren. Zudem ist es hilfreich, auch Zwischenstände mit dem Team zu teilen, damit niemand Fragen muss, wer eigentlich gerade welchen Stand der Akte hat oder schlimmstenfalls die gleiche Arbeit doppelt gemacht wird.

Anders gesagt: Projektmanagement bedeutet nicht, alles selbst zu können oder zu machen, sondern zu koordinieren.

Dazu gehört auch, anderen den Erfolg zu ermöglichen. Gute AnwältInnen führen – auch ohne Titel.

Tools und Programme

Wer denkt, Projektmanagement setze spezielle Software voraus, kann beruhigt sein. Vieles beginnt mit einfachen Dingen:

  • Kalender konsequent blocken und mit dem Team teilen
  • Strukturierte Ordner und Dokumentenversionen pflegen
  • Kurze regelmäßige Status-Notizen führen oder Teambesprechungen abhalten
  • OneNote/Teams/Notion für internes Wissens- und Aufgabenmanagement nutzen (über letzteres organisieren wir auch die Goldwaage)

Da du in Kanzleien eher keinen Einfluss auf die verwendete Software hast, läuft es in aller Regel auf eine gute Kenntnis von MS Outlook und Teams hinaus.

Besprechungen, gerade in Person, haben zudem den Vorteil, dass du zwischenmenschliches Vertrauen mit deinem Team aufbaust und gleichzeitig erkennt, wie die Belastung aktuell verteilt ist. So kannst du verlässlicher einschätzen, wen du im Hilfe fragen könntest und wer vielleicht gerade gern ein Projekt abgeben würde. Denn solches Vertrauen ist die Grundlage guter Zusammenarbeit.

Projektmanagement schützt vor Überlastung

Das Spannende ist: Wer Projekte gut steuert, schützt nicht nur Mandanteninteressen, sondern auch die eigene Gesundheit.

Projektmanagement setzt Grenzen: Was muss heute wirklich fertig sein? Was kann morgen erledigt werden? Was wird delegiert? Und wann ist Feierabend?

Diese Fragen klingen banal. Sie sind aber die Grundlage beruflicher Langlebigkeit, weil mit gutem Gewissen Abschalten können einfach wichtig für die Psyche ist.

Man könnte also sagen:
Projektmanagement ist die Kunst, nicht nur Recht zu haben – sondern rechtzeitig fertig zu werden.

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So gehst du deinen eigenen Weg im (und nach) dem Jurastudium (Teil I)

Teil 1: Von der Kunst, Ratschläge zu ignorieren

In dieser Mini-Serie geht unsere Autorin Carla der Frage auf den Grund, wie du es schaffst, erfolgreich in Studium und Beruf zu sein – und dabei einem Weg zu folgen, der zu dir und deinen Wünschen passt.

Vor kurzem stieß ich auf Instagram auf ein Reel. In einem unverkennbaren österreichischen Dialekt sag darin eine junge Frau:

“Du kurze Frage – vielleicht eine radikale Idee. Aber wie wäre es, wenn du es einfach mal so machst, wie du es machen würdest.”

Aus irgendeinem Grund (und vielleicht auch, weil meine Lieblingssängerin Verifiziert den Ausschnitt in einem ihrer Songs verarbeitete) hallt dieser Satz seit Wochen in meinem Kopf nach.

Einfach mal etwas so machen, wie du es machen würdest – das klingt im Kontext mit dem juristischen Studium und der juristischen Laufbahn fast schon ironisch. Schließlich folgen nicht nur Studium und Referendariat strengen Regeln, auch im klassischen juristischen Arbeitsalltag gibt es eine (teilweise wirklich strenge) Etikette.

Ich bin dennoch der Meinung, dass es hilfreich ist, schon früh im Studium auf sein eigenes Bauchgefühl zu vertrauen und den Mut haben, den eigenen Weg zu gehen.

Zu viele gut gemeinte Ratschläge

Wer ein Jurastudium beginnt, kann sich in der Regel vor mehr oder weniger gut gemeinten Ratschlägen kaum retten. Neben fragwürdigen Lerntipps von Studis, die nur wenige Monate länger Studieren als du (”Vorlesungen brauchst du nicht!”) oder sexistisch Anmutenden Bemerkungen von entfernten Verwandten auf Familienfeiern (”Als Frau kannst du ja dann nur Richterin werden – wegen der Kinder!”) kriegst du Empfehlungen von Eltern, ProfessorInnen und so ziemlich jeder Person, die irgendwann mal etwas über das Jurastudium gelesen hat, zu hören.

Kaum beginnt die Examensvorbereitung hörst du von dutzenden RepetitorInnen und AbsolventInnen Tipps und Herangehensweisen – blöd nur, dass diese sich häufig widersprechen. Mir wurde beispielsweise von einem Professor geraten, mindestens zwei Jahre für die Examensvorbereitung einzuplanen, während mein Repetitor meinte, mehr als ein Jahr Vorbereitung sei schon zu viel.

Leider hören die Ratschläge auch nach dem Studium nicht auf – eher im Gegenteil. Zum perfekten Zeitpunkt, dem Standort, den Stationen fürs Referendariat gibt es ebenfalls eine Menge ungefragter Tipps.Bei der Menge an verschiedenen Ratschlägen und Lebensweisheiten kann man, vor allem in stressigen Lebenssituationen, gerne Mal die Orientierung verlieren.

Genau hier kommt das “Es einfach genau so machen, wie du es machen würdest” in Spiel.

Das gute Gefühl nach einer getroffenen Entscheidung

Das Gefühl der Sicherheit, das du bekommst, wenn du eine Entscheidung triffst und dich danach richtest, ist unbezahlbar.

Hier ein kleines Beispiel: In meiner Examensvorbereitung entwickelte ich eine Lernroutine. Morgens, bevor ich wirklich mit dem Lernen begann, wiederholte ich eine halbe Stunde Karteikarten. Meistens noch im Schlafanzug im Bett und mit einem Kaffee in der Hand. Meine KommilitonInnen fanden das abwechselnd nachvollziehbar, übertrieben oder einfach für sich selbst unpassend. Ich wusste jedoch, dass es mir ein sicheres Gefühl und vor allem eine verlässliche Routine gab, den Tag immer gleich zu beginnen – ganz egal, was andere dachten.

Genauso legte ich irgendwann für mich fest, in welchen Rhythmus ich Probeklausuren schrieb, wie lange ich mich aufs Examen vorbereiten wollte, wie ich das Repetitorium nachbearbeitete, was ich in der Zeit nach dem Examen machte und und und. Das führte letztlich dazu, dass ich mein Examen bestand, mit meiner Leistung zufrieden war und vor allem nicht hinhören musste, wenn mir mal wieder ein/e KommilitonIn ungefragt einen “entscheidenden” Lerntipp gab.

Natürlich solltest du die Ratschläge anderer nicht gänzlich ausblenden. Gerade Menschen, die dich besonders gut kennen, oder aber sich in Jura-/Karrierefragen besonders auskennen, haben oft Ideen, die es sich anzuhören lohnt. Allerdings zeichnen sich gute Ratschläge durch mehrere Faktoren aus. Zum einen stellen sie keinen Anspruch auf Absolutheit (”Jeder Studierende muss 100 Probeklausuren vor dem Examen schreiben”). Zum anderen stützen sie sich auf Tatsachen oder Erfahrungswerte der ratgebenden Person – nicht bloß auf ein Bauchgefühl deines Gegenübers.

Aber woher weißt du, wie du gute Entscheidungen triffst und deinen Weg findest? Genau darum geht es im zweiten Teil der Serie. Dieser erscheint in der kommenden Woche – genau an dieser Stelle.

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Referendariat: Meine erste Verhandlungsleitung in der Zivilstation

Unsere Autorin Stine hat vor kurzem ihr Referendariat begonnen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen. Zuletzt: Von Ihrer ersten selbst geführten Verhandlung. In dem Beitrag teilt sie außerdem praktische Formulierungshilfen fürs Diktieren – damit auch deine erste Verhandlung ein Erfolg wird.

Vor nicht allzu langer Zeit durfte ich meine erste mündliche Verhandlung am Landgericht leiten. Ein Moment, den wohl jede Referendarin oder jeder Referendar im juristischen Vorbereitungsdienst mit Spannung erwartet oder fürchtet, je nachdem. 

Die Vorbereitung

Ich gehörte wohl eher zu der zweiten Gruppe. Schon Tage vorher war ich nervös. Ich wollte alles richtig machen. Also habe ich mich bestmöglich vorbereitet. Das Diktiergerät ausgeliehen, die Formulierungen meines betreuenden Richters analysiert und natürlich, um während der Verhandlung nicht nach Worten suchen zu müssen, akribisch aufgeschrieben, was ich sagen wollte.

Ich war überzeugt davon, meine vorgeschriebenen Zeilen exakt so ins Protokoll übernehmen zu können.
Von dieser Überzeugung musste ich allerdings schon nach wenigen Minuten in der Verhandlung Abstand nehmen.

Der Moment der Wahrheit

Die Verhandlungsleitung dauerte am Ende gerade einmal fünfzehn Minuten. Mein Beitrag war auf ein Minimum reduziert und meiner eigentlichen Aufgabe konnte ich gar nicht nachkommen. Weil, wie so oft im juristischen Alltag, alles anders kam als geplant. Eigentlich sollte ich den Kläger informatorisch anhören, doch dieser erschien schlichtweg nicht. Und so war die Verhandlung schneller vorbei, als ich meine Unterlagen sortieren konnte.

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Doch selbst aus dieser kurzen Praxissituation in der Zivilstation konnte ich etwas lernen.

Was ich dir aus meiner ersten Verhandlungsleitung mitgeben möchte

  • Alle um dich herum sind auch nur Menschen

Niemand ist in schallendes Gelächter ausgebrochen, als ich mich einmal versprochen habe oder etwas länger nach den richtigen Worten suchte. Ganz im Gegenteil! Alle Anwesenden konnten meine Situation nachvollziehen. Einige erzählten sogar von ihren eigenen ersten Verhandlungen im Referendariat. Jeder war einmal in dieser Lage und die meisten können sich noch gut genug daran erinnern, um emphatisch zu reagieren.

  • Das Diktiergerät ist Alltag

Meine größte Angst galt tatsächlich dem Diktiergerät in der mündlichen Verhandlung. Die Vorstellung, vor allen Beteiligten zu diktieren, ließ mir den Magen flau werden. Aber für alle anderen ist das völlig normal, so alltäglich wie Schuhe binden. Niemand legt jedes Wort auf die Goldwaage, niemand achtet auf kleine Unsicherheiten und schon gar nicht wird man währenddessen missgünstig begutachtet.

  • Sei auf alles vorbereitet

Eine gute Vorbereitung ist das A und O, gerade wenn man zum ersten Mal eine Verhandlungsleitung im Referendariat übernimmt. Es lohnt sich, verschiedene Szenarien durchzudenken, denn selten läuft alles so, wie man es sich ausgemalt hat. Wenn man innerlich bereit ist, spontan umzudenken, verliert man auch in überraschenden Momenten nicht die Ruhe.

  • Trau dich

Wenn sich dir in der Zivilstation die Möglichkeit bietet, eine mündliche Verhandlung zu leiten, ergreife sie. Die Hemmung ist groß, das Lampenfieber garantiert, aber der Perspektivwechsel ist es absolut wert. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, einmal selbst vorne zu sitzen. Außerdem merkt man erst durch das eigene Erleben, dass es nur halb so schlimm und weit weniger spektakulär ist, als man es sich vorgestellt hat. 


Formulierungshilfen

Und um dir den Einstieg etwas zu erleichtern, habe ich ein paar gängige Formulierungen für das Protokoll in der Verhandlungsleitung zusammengestellt, die du an die Situation und die Formulierungen der Richter*innen anpassen kannst.

Ich diktiere das Sitzungsprotokoll der öffentlichen Sitzung des Landgerichts X am 24.05.2027 in dem Rechtsstreit Musterfrau gegen Mustermann., Az: 9 O 800/37.

Die Leitung der mündlichen Verhandlung wurde auf die Rechtsreferendarin Frau X gem. § 10 GVG übertragen und erfolgt unter Aufsicht der Richterin am Landgericht Y.

Bei Aufruf der Sache um … erschienen der Kläger Herr X mit seinem Prozessbevollmächtigten RA Z in Person. Sowie für die Beklagte die Prozessbevollmächtigte RAin A im Wege der Videokonferenz.

Der Kläger erklärt angehört nach § 141 ZPO: Ich….

Auf Nachfrage des Klägervertreters erklärt die Klägerin…

Auf Nachfrage der Beklagtenvertreterin erklärt die Klägerin…

Eine gütliche Einigung ist nicht möglich.

Der Klägervertreter stellt die Anträge wie im Schriftsatz vom 19.08.2024 Blatt 135 d. Akte.

Die Beklagtenvertreterin beantragt Klageabweisung.

Beschlossen und verkündet.

Ein Termin zur Verkündung wird anberaumt auf den (Datum) um (Uhrzeit) im Raum X.

Die Verhandlung wir um (Uhrzeit) beendet. 

Wenn eine Partei säumig sein sollte, bietet sich folgende Formulierung an:

Nach erneutem Aufruf der Sache um (Uhrzeit) erscheint für den Beklagten noch immer niemand.

Die ordnungsgemäße Ladung des Beklagten wir festgestellt.

Der Klägervertreter beantragt, Erlass eines Versäumnisurteils. 

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Work-Life-Balance im Kanzleialltag – gibt es das?

Wer erste Erfahrungen in der Anwaltskanzlei sammelt, merkt schnell: So einfach ist das mit dem gesunden Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit nicht. In diesem Beitrag teilt unser Autor Robert seine Erfahrungen und Tipps, um die Balance zu halten.

Wenn du als AnwältIn in einer Kanzlei (die nicht deine eigene ist) arbeitest, merkst du schnell: Die Erwartung, quasi permanent verfügbar zu sein, ist vielerorts allgegenwärtig. Mandate brauchen schnelle Rückmeldung, PartnerInnen erwarten, dass Probleme nicht liegenbleiben und fachliche Profilierung soll auch erfolgen – und dann bist du auch 19 Uhr noch am Telefon oder checkst Mails, obwohl du eigentlich schon 10 Stunden im Büro bist. Das kostet nicht nur Energie, sondern kann auch zulasten der psychische Gesundheit gehen. Aber: Es gibt Wege, das so gut wie möglich in Balance zu bringen. Auch die Kanzleien haben erkannt, dass mit einem Burn-Out im Dritten Berufsjahr niemandem geholfen ist.

Arbeitsbelastung und Mandanten-Erwartung

Kanzleien leben vom Vertrauen und Verlässlichkeit. Wenn MandantInnen wissen, dass du erreichbar bist, steigt ihr Anspruch – oft implizit. „Nur eine kurze Rückfrage“, „können Sie bitte noch schnell …“ um 17.30 Uhr und plötzlich ist der geplante Feierabend weg. Das Interesse ist prinzipiell gut nachvollziehbar. In vielen Mandaten besteht ein hohes wirtschaftliches Risiko, Fristen und Konsequenzen sind nicht immer nur in persönlichen Wünschen begründet. Auch bei Strafverteidigern ist die Hausdurchsuchung eher selten abgestimmt mit den üblichen Werkzeiten. Wenn man im Team arbeitet, kommt zudem noch die soziale Erwartung dazu, gut dazustehen und durch unfertige Arbeit den anderen nicht zur Last zu werden.

Strategien um den Anwaltsberuf zu entspannen

Damit diese Erwartungshaltung nicht zur Dauerbelastung wird, helfen ein paar konkrete Strategien, welche sich in Kanzleien etabliert haben:

  1. Mandatsteilung / Parallelbearbeitung: Zwei AnwältInnen oder MitarbeiterInnen arbeiten parallel an einem Mandat. So kann einer aus welchem Grund auch immer (Krankheit, Familie etc.) abwesend sein und der andere übernimmt, ohne dass alles stillsteht. Die Mandantschaft kann weiterhin Fragen beantwortet bekommen, ohne das sich ein Dritter komplett neu in die Akte einarbeiten muss.
  2. Erreichbarkeitsfenster definieren: Klare Zeiten, zu denen du erreichbar bist – und Zeiten, die du dir für Erholung blockst. Diese sollten auch gegenüber Mandant:innen und im Team kommuniziert werden. In größeren Teams könnten beispielsweise auch Zeitfenster bewusst im geteilten Kalender geblockt werden.
  3. Prioritäten setzen: Nicht jeder Auftrag ist gleich wichtig. Mit Vorgesetzten solltest du früh klären, was wirklich ein Eilfall ist. So vermeidest du, dass dein „Sofort“ zum Dauerzustand wird. Letztlich ist dies aber immer Entscheidung desjenigen, der mit dem Mandanten letztlich die Vergütung festlegt und ggf. dafür sorgt, dass Erwartungen erfüllt und zukünftige Mandatierungen gesichert werden. Sollte die Rücksichtnahme hier überschaubar sein, bleibt allenfalls der Wechsel in ein anderes Team mit anderen Verantwortlichen.

HomeOffice und flexible Arbeitszeit

Das Home-Office und flexiblere Arbeitszeiteinteilung sind zumindest in der Coronazeit eigentlich an jedem Arbeitsplatz angekommen. Tendenziell ist insbesondere aber die dauerhafte Gewährung von Home Office durch Arbeitgeber auf dem Rückzug. Inwieweit dies in Kanzleien überhaupt verlässlich möglich ist, hängt auch vom Rechtsgebiet ab. Es wäre wohl weltfremd besonders Aufgaben wie Verhandlungen oder Akquise ausschließlich vom heimischen Küchentisch machen zu wollen. § 27 Abs. 1 BRAO verpflichtet Anwält:innen in Deutschland dazu, eine physische Kanzlei einzurichten und dort auch verlässlich erreichbar zu sein. Nun könnte man meinen, gerade wenn es sich um eine größere Kanzlei handelt, dass diese auch mit Leben gefüllt werden will. Es bleibt also eine Einzelfallbetrachtung. Zu berücksichtigen sind hier generell:

Vorteile:

  • Weniger Fahrtzeit, mehr Zeit und Ruhe zu Hause. Tendenziell entsteht auch weniger Stress durch Parkplatzsuche oder Bahnausfälle, was deine Produktivität verbessern kann.
  • Flexibilität, Termine unabhängig vom Standort zu vereinbaren (Handwerker begleiten o.Ä.).
  • Besserer Übergang bei familiären Aufgaben (Kinder, Pflege etc.), da keine Lange Anfahrt nötig ist.

Nachteile:

  • Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen: Wenn du zuhause bist, ist das Gefühl groß, ständig „on“ sein zu müssen, oder eben doch noch ein Projekt anzufangen. Gleichzeitig wird die Zeiterfassung schwieriger, wenn auf dem Gang zur Toilette eben doch noch schnell die Waschmaschine beladen wird.
  • Urlaub oder freie Tage können weniger erholsam sein, wenn in Gedanken oder via Handy/Teams/Mail durch Nachrichten von der Arbeit immer „noch was hängen bleibt“. Diesem Problem kann aber insbesondere durch technisch separierte Desktopumgebungen oder gleich verschiedene Geräten (Dienstlaptop/Diensthandy) gut gebändigt werden.
  • Gefahr, dass Homeoffice als Vorwand gesehen wird, mehr Aufgaben nach Dienstschluss zu erledigen. Dieses Problem besteht aber auch ohne Home Office, da auch im Büro neben der Essenspause gearbeitet werden kann oder man den Feierabend noch weit in die Nacht schiebt. Die räumliche Trennung von Freizeit und Arbeit hilft hier aber zumindest, da sobald man zuhause ist Partner oder Freunde einen zum Abschalten zwingen.

Nicht vergessen sollte man aber auch den Aspekt, dass man in der Kanzlei eher belastbare Beziehungen zu Kolleg:innen knüpft, die so über digitale Kanäle nicht entstanden wären. Der spontane Austausch an der Kaffeemaschine über das Wochenende oder der mitgebrachte Geburtskuchen sorgen für Solidarität, die sich ggf. auszahlt wenn du doch Hilfe oder Nachsicht für spontane private Flexibilität brauchst.

Teamevents nach Feierabend: Fluch oder Segen?

Viele Kanzleien nutzen Teamevents – gemeinsames Abendessen, Drinks, After-Work-Netzwerken. Diese sind nicht immer nur nach innen gerichtet, sondern regelmäßig auch als Akquiseveranstaltung an potentielle Mandant:innen oder Bewerber:innen gerichtet. Letztere können durchaus Arbeitszeit darstellen, die entspannter als die reine Aktenarbeit ist. Nichtsdestotrotz können die verantwortungsvolle Kontaktpflege mit vielen Menschen und die späteren originären Feierabende eine Belastung darstellen.

Vorteile:

  • Bessere Teamkultur, persönlicher Zusammenhalt durch gemeinsame lockere Erlebnisse.
  • Gelegenheit, Kolleg:innen außerhalb des Arbeitsalltags kennenzulernen.
  • Können Motivation steigern, da schöne Teamevents außerhalb des quasi obligatorischem Weihnachtsessen eine Wertschätzung der eigenen Arbeitsleistung darstellen können.

Nachteile:

  • Meist nicht freiwillig gefühlt („alle gehen hin, also muss ich auch“).
  • Verlorene Freizeit, besonders nach langen Arbeitstagen. Selbst wenn das Event schön ist, konntest du in dieser Zeit weder Sport machen noch deinen Einkauf erledigen.
  • Soziales Pflichtgefühl kann zusätzlichen Stress erzeugen. Nicht jeder ist gleichermaßen begeistert von Menschenmengen, gerade bei Kolleg:innen kommt hinzu dass es vielleicht Phasen gibt, wo man im Team Gewisse Spannungen erzeugt hat und gern etwas Abstand davon hätte.

Generell dürfte aber bei den meisten Jurist:innen davon auszugehen sein, dass sie grundsätzlich gern mit Menschen arbeiten und gerade in der digitalisierten Kanzlei die Chance begrüßen dürften, mal wieder mit Menschen zu „arbeiten“.

Meine Einschätzung zu Ergonomie & Gesundheitschecks

Ich finde, das sind oft unterschätzte Stellschrauben, die gerade lange Arbeitstage erträglicher machen und zeigen, dass es dem Arbeitgeber durchaus um deine langfristige Gesundheit geht:

  • Ergonomie (richtiger Bürostuhl, Bildschirm auf Augenhöhe, höhenverstellbare Schreibtische, gute Beleuchtung etc.) ist nicht sonderlich glamourös, aber essenziell. Wenn du nach 2-3 Stunden Rückenschmerzen hast, leidet nicht nur der Körper, sondern auch die Psyche. Viele Kanzleien machen hier gute Angebote, die etwa in Behörden oft noch nicht so verfügbar sind.
  • Gesundheitschecks / Vorsorgeuntersuchungen: Regelmäßig etwas testen lassen (z. B. Augen, Stressbelastung, Schlaf) kann dich davor schützen, dass kleine Beschwerden eskalieren. Manche Kanzleien bieten solche Angebote auch am Arbeitsplatz an.
  • Impfungen am Arbeitsplatz (z. B. gegen Grippe): Klar, nicht alles ist Kanzleithema, aber wenn Arbeitgeber Impfungen organisieren oder zumindest ermöglichen, zeigt das, dass Gesundheitsförderung kein Lippenbekenntnis ist. Der Kanzlei erspart es ggf. deinen krankheitsbedingten Ausfall und du musst dich nicht erst um einen Arzttermin
  • Es gibt oft Initiativen, stärker auf psychische Gesundheit zu achten: Schulungen für Führungskräfte, Bewusstseinskampagnen, Beratung und Coaching. Allerdings zeigen Studien , dass viele Unternehmen – und wahrscheinlich Kanzleien auch – hier noch deutlich hinter dem Potenzial bleiben.

Fazit

Work-Life-Balance und Gesundheitsangebote in Kanzleien ist kein „nice to have“, sondern notwendig – für die psychische Gesundheit, für die Leistungsfähigkeit und für das berufliche Fortkommen. Die Erwartung permanenter Verfügbarkeit bei Mandant:innen ist real, aber sie lässt sich mit klugen Strategien eingrenzen. Home-Office & flexible Arbeitszeiten helfen, bergen aber auch eigene Herausforderungen.

Trotzdem dürfte die Arbeit als Anwält:in regelmäßig mit einer hohen Verantwortung und Arbeitsbelastung verbunden sein, die sich nur bedingt reduzieren lässt. Nicht umsonst hält sich das Gerücht, dass der öffentliche Dienst gerade eine Familiengründung besser ermöglicht.

Wenn du in einer Kanzlei arbeitest oder arbeitest willst: Setz Grenzen – sprich sie an, verhandle sie, sei klar in deinem Umfeld, wann du erreichbar bist und wann nicht. Gute Kanzleien erkennen zunehmend: dass Mitarbeitende, die mental stabil und zufrieden sind, nicht nur langfristig gesünder sind, sondern auch bessere Arbeit liefern. Darum lohnt es sich, diese Themen offen anzusprechen – im Interesse aller.

Dein erstes Semester im Jurastudium – ein virtueller Erstibeutel

Du hast deine Erstiwoche hinter dir? Hast Begriffe wie Anfängerübung, Freischuss, Moot-Court und Kolloquium zum allerersten Mal gehört? Du hast einen Berg an neuen Eindrücken, Stickern, Flyern und Goodies aus sämtlichen Erstibeuteln gesammelt, bist aber eigentlich noch völlig orientierungslos?

Dann bist du hier genau richtig, unsere Autorin Sophia nimmt dich mit diesem virtuellen Erstibeutel an die Hand. Hier findest du mit Links zu allen wichtigen Beiträgen rund um das erste Semester im Jurastudium die nötige Orientierung.

Zwischen Erwartungen und Realität

In Zeiten von Social Media und einer Vielzahl an sogenannten Study Accounts hast du dir bestimmt bereits vor der Einschreibung für den Studiengang dein ganz eigenes Bild vom Jurastudium gemacht.

Sicherlich hast du schon die Frage gestellt bekommen, warum denn eigentlich so etwas trockenes wie Jura? Das Jurastudium mag voller Klischees sein – Gesetze auswendig lernen, hochnäsige AnzugträgerInnen und hohe Durchfallquoten. Was da aber wirklich dran ist, gilt es von nun an für dich ganz persönlich herauszufinden.

Auch, wenn dem Studiengang und dessen Studierendenschaft ein gewisser Ruf vorauszueilen scheint, gibt es ebensoviele Gründe, die das Studium besonders liebenswert machen. Am Ende ist es eine Frage des Mindsets und was du daraus machst.

Sieh das erste Semester als Chance

Es ist völlig normal, nicht bereits im ersten Semester alles bis hin zum ersten Examen durchgeplant zu haben. Ich selbst habe mich, wenn ich an die Zeit zurück denke, bestimmt bis zum 5. Semester von Semester zu Semester gehangelt, ohne zu wissen, was mich im nächsten halben Jahr erwartet. Und das ist ok.

Du musst nicht jedes Lehrbuch kaufen, das die ProfessorInnen empfehlen. Du musst dich nicht an KommilitonInnen orientieren, die schon die dicken roten Gesetzestexte vor sich liegen haben und du musst nicht deine gesamte Freizeit für dieses Studium opfern (kleiner Tipp: solltest du übrigens während des gesamten Studiums nicht 😉).

Sieh das erste Semester in erster Linie als Chance. Nutze es, um dich zu orientieren. Es ist dazu da, deine Studienstadt (inklusive Nachtleben 🪩) und deine KommilitonInnen kennenzulernen, sowie dir selbst einen groben Überblick zu verschaffen. Im Gegensatz zu anderen Studiengängen erfordert das erste Semester im Jurastudium nicht bereits einen derart hohen Arbeitsaufwand, dass all das auf der Strecke bleiben muss, nutz diese Chance!

Die ersten Prüfungen

Dennoch erwarten dich gegen Ende deines ersten Semesters natürlich auch im Jurastudium deine ersten Klausuren und Hausarbeiten. Was und in welchem Umfang hier geprüft wird, unterscheidet sich von Uni zu Uni. Schau dir hierzu am besten auf der Website deiner Fakultät mal die Musterstudienpläne oder Studienablaufpläne an.

Wie schon gesagt: Das erste Semester ist zu Orientierung da.

Du musst nicht bereits die perfekte Lernmethode für die Anfängerklausur mitbringen. Finde heraus, ob die Vorlesungen dir etwas bringen. Besuche die vorlesungsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften, Seminare oder Kolloquien (ist alles das Gleiche, heißt nur überall anders 😁) und verzweifle nicht, wenn es mit dem Gutachtenstil nicht direkt klappt. Glaub mir, es kommt alles mit der Zeit (learning bei doing und von Semester zu Semester hangeln).

Das erste Semester ist schneller rum als du denkst, also genieß es! Denn ich weiß nicht, ob es dir schon jemand gesagt hat: Semesterferien bedeuten im Jurastudium nicht drei Monate Urlaub. Semesterferienzeit ist Hausarbeitenzeit. Du hast vielleicht in der Schulzeit mal eine wissenschaftliche Arbeit verfassen müssen aber bei einer juristischen Hausarbeit kommen plötzlich ganz neue Fragen auf: Wie gliedere so eine Hausarbeit richtig? Wie spare ich sinnvolle Zeit bei der Formatierung? Und woher nehme ich meine Quellen? Und da man aus den Fehlern anderer am besten lernt, solltest du diese fünf Anfängerfehler auf jeden Fall vermeiden.

Sei also geduldig mit dir selbst, du musst und kannst nicht schon im ersten Semester alles wissen. Was du aber kannst, ist das erste Semester als Chance zu nutzen, um das neue Umfeld, dich selbst und deinen Lerntyp kennenzulernen und einen Grundstein für dein Studium zu legen.

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3 Möglichkeiten, wie du deine Doktorarbeit finanzieren kannst

Wenn deine generelle Entscheidung für die Promotion gefallen ist, kommt es als einer der nächsten Schritte darauf an, wie du dir diese finanzierst. In diesem Beitrag stellt dir unsere Autorin Lea die häufigsten Finanzierungsmethoden vor.

Falls du dir noch unsicher sein solltest, schau doch auch gern den Beitrag „Solltest du promovieren – ja oder nein?“ an.

Es gibt ein paar (klassischere) Möglichkeiten, die ich im Folgenden kurz beschreibe. Diese sind bewusst nicht abschließend, da jeder sein für sich passendes Promotionsmodell finden muss. Aber es soll dir als Ansatz für eine vertiefte Recherche dienen oder zumindest als ersten Gedankenanstoß.

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Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in

Die wohl am häufigste Finanzierungsform läuft über den Job als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in. 

Diese werden zum einen von Universitäten ausgeschrieben, aber auch von Kanzleien.

WissMit an der Uni

Mit den WissMits an der Uni ist man aus dem eigenen Studium gut vertraut. Diese unterstützen die jeweiligen Lehrstühle in Forschung und Lehre. Dies beispielsweise als Dozent/in von vorlesungsbegleitenden Kolloquien bzw. Arbeitsgemeinschaften, Vorlesungsvertretungen oder Unterstützung bei Publikationen des/der Lehrstuhlinhabers/in. Die genaue monatliche Entlohnung ist hier stark von der jeweiligen Stelle abhängig. Dies liegt daran, dass verschiedene Teilzeitanteile (typischerweise 50% oder 75%) oder gar Vollzeit ausgeschrieben und vereinbart werden können. Dabei wird man nach dem erfolgreichen ersten Examen in der Regeln in die Entgeltgruppe 13 TV-L eingruppiert.

Großer Vorteil ist hier, dass du von einigen anderen Doktorand/innen umgeben bist, die dein „Schicksal“ teilen. Du kannst auf kürzestem Weg Tipps erfragen, Probleme beredet und im besten Fall sogar in den fachlichen Austausch gehen. 

Typischerweise ist deine Betreuung auch gleichzeitig dein/e Chef/in, was positive als auch negative Seiten haben kann. Aber auch hier ist der Weg für etwaige Nachfragen kürzer und die Betreuung üblicherweise enger, als bei extern betreuten Dissertationen.

Nachteil kann sein, dass du neben der Promotion arbeitest und dementsprechend weniger Zeit und Fokus für die Erstellung der Arbeit und Vorbereitung auf die spätere Verteidigung an sich hast. Ob das für dich wirklich ein Nachteil ist oder du nach dem Studium etwas Abwechslung zum wissenschaftlichen Arbeiten brauchst, liegt bei dir.

Einen Faktor den man bei der Anstellung an der Uni aber nie vergessen sollte, sind die Vorgaben des Wissenschaftszeitgesetzes. Nach diesem darf nach aktuellem Stand die Befristung der wissMit-Stelle maximal 6 Jahre betragen. Wie das mit Verlängerungen bei z.B. Krankheit, Mutterschutz und Elternzeit aussieht, informierst du dich am besten nochmal bei der Personalabteilung deiner Uni.

WissMit bei einer Kanzlei

Die Arbeit als wissMit in einer Kanzlei kann so vielfältig sein, wie die Ausgestaltung eines jeden anderen Arbeitsverhältnisses dies auch zulässt. Typischerweise unterstützt du, wie der Name der Jobbezeichnung auch bereits impliziert, auch bei der Recherche, sowie Fallvorbereitungen.

Üblicherweise können sich nur Groß- oder mittelgroße Kanzleien den „Luxus“ von wissMits finanziell leisten, sodass vorwiegend in den Spezialisierungen dieser Kanzleitypen dein Aufgabenbereich liegen wird. Weniger Stellen finden sich dann u.a. im Familien-, Erb- oder Sozialrecht, wobei bei intensiver Recherche auch hier Jobs angeboten werden.

Vorteil der eingebundenen Arbeit in eine Kanzlei ist der hohe Praxisbezug und die Möglichkeit zum Networking. Die Vergütung ist auch hier recht unterschiedlich und kann unter dem der wissMits an der Uni liegen oder natürlich auch deutlich darüber. Du musst dann für dich entscheiden, ob du in der Konsequenz dessen auch mehr Stunden arbeiten möchtest. Kontakte zu anderen Doktorand/innen knüpft man hier nicht zwingend, doch bei größeren Kanzleien arbeiten meist mehrere wissMits die auch promovieren und mit denen man ins Gespräch kommen kann.

Stipendium

Eine weitere Möglichkeit der Finanzierung sind Stipendien.

Wie bereits im Studium auch kann zwischen politischen, kirchlich/religiöse oder unabhängige Stipendien unterschieden werden. Bezüglich der Voraussetzungen solltest du dich im Detail mit den Stipendiengebern befassen, die für dich in Betracht kommen. Diese werden hier nur exemplarisch genannt, genaueres findest du aber auch hier.

-Politische

Insoweit sind Stiftungen zu den großen Parteien am bekanntesten wie z.B. die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) oder die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Die Linke). 

-Kirchliche/religiöse

Hierzu gehören beispielhaft evangelisches Studienwerk Villigst, katholisches Cusanuswerk oder muslimisches Avicenna Studienwerk.

-Unabhängige

Für die unabhängigen Stipendien können die Studienstiftung des deutschen Volkes oder die Stiftung der deutschen Wirtschaft genannt werden.

Vorteil ist hier, dass du dich voll auf deine Promotion konzentrieren kannst, ohne nebenbei arbeiten gehen zu müssen. Das spart Zeit, sodass du nicht unbedingt mit mehrere Jahre für den Promotionsprozess rechnen solltest.

Nachteil ist, dass du, während du das Stipendium beziehst, noch nicht wie bei bestehendem Arbeitsvertrag, in die Rentenkasse einzahlst. Auch die Finanzierung der Krankenkasse muss individuell organisiert und von der Stipendiensumme mit bestritten werden.

Auch der Bewerbungsprozess kann einer Art „Bestenauslese“ gleichen und mit hohe Voraussetzungen, was u.a. Noten im Examen oder (politisches) Engagement betrifft, verbunden sein. 

Auch der Kontakt zu anderen Promovierenden ist nicht zwingend gewährleistet. Dieser kann aber über Seminare für Doktorand/innen an der jeweiligen Fakultät der Betreuung hergestellt werden oder natürlich durch Eigeninitiative.

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Studienkredit

Also Promovierende/r kann man durch Einschreibung als solche/r an der Uni, an der du vorhast, die Dissertation einzureichen, auch den Studierendenstatus bekommen. Mit diesem könntest du auch einen Studienkredit in Anspruch nehmen.

Vorteil ist hier, dass du deine Finanzierung gesichert hast. Ggf. kannst du dann zusätzlich den Studienkredit mit z.B. Wohngeld (oder anderen Sozialleistungen) kombinieren.

Nachteil ist aber die Verschuldung, sowie die hohen Zinsen die mit einem Studienkredit einher gehen. Auch bei dieser Finanzierungsform gibt es keinen automatischen Kontakt zu anderen Promovierenden. Zudem wird auch hier nicht zwingend in die Rentenkasse eingezahlt und die Organisation, sowie Finanzierung der Krankenkasse muss selbst ebenfalls selbstständig erfolgen.

Fazit

Welche Methode für dich am ehesten in Betracht kommt, ist eine sehr subjektive Entscheidung. Bedenke aber stets die Vor- und Nachteile jeder Finanzierungsform, wobei hier nur einige aufgelistet sind und zur groben ersten Orientierung dienen.

Hast du Fragen, Anmerkungen oder möchtest eine andere Form der Finanzierung mit der Community teilen, dann schreib gern einen Kommentar. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn doch und folge uns auf Insta @goldwaage.jura.

Die ersten Tage als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Kanzlei– zwischen Infrastrukturprojekten, Kaffee mit Kolleg:innen und Verantwortung

Unser Autor Robert ist nach dem zweiten Examen einen etwas ungewöhnlichen Schritt gegangen: Er hat eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter begonnen. Hier erzählt er von seinen Erfahrungen aus dem Berufseinstieg.

Wenn man das zweite Examen hinter sich hat (oder zumindest kurz davorsteht), stellt sich schnell die Frage: Was kommt als Nächstes? Viele gehen direkt in die Justiz oder in eine Kanzlei als Associate. Ich bin zunächst einen Zwischenschritt gegangen: Ich habe als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Kanzlei für Energie- und Infrastrukturrecht angefangen. Das ist eine Erfahrung, die irgendwo zwischen „akademischer Denker“ und „praktizierender Anwalt“ liegt.

Der Einstieg

Die ersten Tage im Beruf als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer spezialisierten Kanzlei sind eine spannende Mischung aus Aufbruchsstimmung, neuen Eindrücken und unerwarteter Verantwortung. Statt gemächlichem Ankommen (wie es im Referendariat mit den Einführungslehrgängen oft der Fall war) stehst du oft sofort mitten in laufenden Mandaten – und das nicht selten in Projekten mit großer wirtschaftlicher Bedeutung. Infrastrukturvorhaben wie Batteriespeicher, Windparks oder Netzausbau wirken von außen abstrakt, in der täglichen Arbeit wird aber schnell klar, dass sie den Puls unserer Zeit treffen. Plötzlich recherchierst du zu Genehmigungsfragen oder EU-rechtlichen Vorgaben – Themen, die im Rahmen der Energiewende in der Zeitung stehen, laufen bei dir als Akte auf dem Tisch. Diese gesellschaftspolitischen Themen und die rechtlichen Schnittstellen zur Arbeit von Ingenieurinnen und IT-Abteilungen (den echten Praktikern) waren aber genau das, was für mich den Reiz von Infrastrukturprojekten ausgemacht hat.

Wissenschaftliche Arbeit am Puls der Zeit

Parallel dazu kann wissenschaftliche Mitarbeit in einer spezialisierten Kanzlei auch eine Brücke zur Veröffentlichung sein. Gerade im IT-Recht, das sich rasant entwickelt, besteht aktuell gute Gelegenheit, an Aufsätzen oder Kommentaren mitzuwirken. Du vertiefst dich in Datenschutzfragen, Künstliche Intelligenz oder neue Regulierungen und bekommst nicht nur einen Einblick in die Praxis, sondern kannst zugleich an wissenschaftlicher Debatte teilhaben. Das macht die Position besonders attraktiv für alle, die juristische Arbeit nicht nur als Dienstleistung, sondern auch als intellektuelle Auseinandersetzung verstehen, oder sich nicht ganz sicher waren, ob die Mitarbeit an einem Lehrstuhl nicht doch das richtige für sie gewesen wäre.

Hohe Zeitbelastung – ohne den Titel „Rechtsanwalt“

Mit der spannenden Arbeit geht aber auch eine hohe Zeitbelastung einher. Mandate müssen unter engen Fristen bearbeitet werden, die Verantwortung ist groß – und das, obwohl du (noch) nicht als Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin zugelassen bist und auch nicht auf diesem Niveau bezahlt wirst. Denn so tief wie du ist regelmäßig niemand in der Kanzlei in Spezialthemen eingearbeitet, sodass Sie sich auf deine Stellungnahme verlassen müssen. Im Gegensatz zur Uni steht das Geld für Recherche nicht im Rahmen des Lehrstuhlbudgets parat, sondern muss über Mandate erwirtschaftet werden. Es ist ein bewusst gewählter Einstieg: Du entscheidest dich für eine wissenschaftliche Mitarbeit, weil du Praxisnähe erleben willst, ohne dich sofort für die volle Anwaltsrolle mit allen Verpflichtungen zu binden. Und für Kanzleien ist gerade der Punkt, dass du noch weniger verdienst als zugelassene AnwältInnen der Punkt in der Kalkulation, der eine vertiefte Recherche erst möglich macht.

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Freundliche Aufnahme und schnelle Vernetzung

Ein Aspekt, der den Einstieg in diesen neuen Berufsabschnitt erleichtert, ist die Aufnahme in ein freundliches Team. Im Gegensatz zu ehemaligen KommilitonInnen am Lehrstuhl kennt man regelmäßig niemanden in der Kanzlei vorher. In vielen Boutiquen ist die Atmosphäre kollegial, PartnerInnen und Associates binden neue wissenschaftliche MitarbeiterInnen aus den obigen Gründen schnell ein. Schon nach den ersten Tagen fühlt man sich bestenfalls oft nicht wie ein „Externer“, sondern als Teil des Teams. Dies dürfte auch nur im Interesse der Kanzlei sein, denn schließlich will man dich bei entsprechender Qualität der Arbeit längerfristig halten. Zu einem gelungenen Einstieg gehört für mich auch ein Einstandskuchen (also ein Kuchen fürs Team, gebacken von dem/der neue/n Angestellte/n), wobei mir gespiegelt wurde, dass diese Tradition gar nicht mehr so selbstverständlich ist. Bei den ersten Gesprächen bei einem guten Stück Kuchen gewinnt man aber einen guten Eindruck von dem Team, für das man sich für die Zukunft entschieden hat. Denn ein kollegiales Umfeld ist essentiell für das langfristige Wohlbefinden an einem Arbeitsplatz, an dem man den Großteil seines Alltages verbringt und den auch kein Geld der Welt aufwiegen kann.

Warum es sich trotzdem lohnt

Auch wenn der Titel „Wissenschaftlicher Mitarbeiter“ weniger prestigeträchtig wirkt als „Associate“, bietet die Rolle echte Vorteile. Zum einen verdienst du oft immer noch besser als viele Gleichaltrige mit Berufsausbildung – ein Fakt, den man im Alltag leicht vergisst. Zum anderen verschaffst du dir früh wertvolle Kontakte und Fachkenntnisse in spannenden Rechtsgebieten, kannst bestenfalls sogar deine Vita mit ersten Fachartikeln schmücken ohne noch eine nur zeitlich befristete Stelle an der Uni zu haben. Ein weiterer Grund ist ganz banal: Zwischen Klausuren, mündlicher Prüfung und der Bekanntgabe der Noten im Examen klafft ein Loch. Wer in dieser Zeit eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter annimmt, kann nicht nur Geld verdienen, sondern auch eine langfristige Perspektive schaffen und die ungewisse Zeit etwas abfedern. Viele Kanzleien bieten wissenschaftlichen Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten, oft 16 bis 24 Stunden pro Woche. Das erlaubt es, parallel eine Dissertation oder andere berufliche Projekte zu verfolgen – oder einfach durchzuatmen, bevor man sich in den nächsten Karriereschritt stürzt oder auch wenn eigentlich (noch) das Referendariat den Fokus des Lebens bestimmt.

Fazit

Die ersten Tage als wissenschaftlicher Mitarbeiter sind intensiv: spannende Infrastrukturprojekte, wissenschaftliche Arbeit am Puls der Zeit, aber auch hohe Arbeitsbelastung und Verantwortung. Entscheidend ist, dass du diese Position bewusst wählst – als Einstieg in die Praxis, als Möglichkeit zur Publikation, als Chance zur Vernetzung. Zwischen Fußnoten, Fristen und Teamabenden wird schnell klar: Auch ohne Anwaltszulassung kannst du in dieser Rolle mitten im juristischen Geschehen stehen – und Erfahrungen sammeln, die den weiteren Berufsweg prägen.

Was mich interessieren würde: Wie steht ihr zu Einstandskuchen? Schöne Tradition oder ist euch der Abend am Ofen für noch Unbekannte zu viel Stress?

Was ziehe ich an? Ein juristischer Outfitcheck

Dein erster Praktikumstag steht an und mit ihm kommt die Frage – welche Kleidung ist angemessen? Deine mündliche Prüfung steht kurz bevor und du fragst dich, was du tragen solltest? Kein Problem! In diesem Beitrag gibt unsere Autorin Stine dir ein paar Richtlinien an die Hand, wie du rausfindest, ob dein Outfit juratauglich ist – mitsamt ein paar Beispielfotos der Redaktion.

Kaum ein Berufsfeld kämpft mit so vielen Vorurteilen wie das der JuristInnen. Nicht wenige davon beziehen sich auf die Kleidung. Kein Wunder: Der Beruf ist traditionsreich und steckt voller alteingesessener Regeln. Ein Beispiel: Die Richterrobe in ihrer heutigen Form stammt schon aus dem 18. Jahrhundert.

Dazu kommt, dass uns einige KommilitonInnen bereits ab dem ersten Semester im Hörsaal mit Anzügen „beeindrucken“. Da fragt man sich schnell, was ist angemessen um im Praktikum, Referendariat und der mündlichen Prüfung einen guten Eindruck zu hinterlassen. Die Qual der Outfitwahl kenne ich nur zu gut. Wie oft habe ich mir noch in letzter Minute eine Bluse gekauft, weil ich Angst hatte, nicht passend genug angezogen zu sein.

Um euch diese Unsicherheit zu nehmen, haben wir im Team ein paar Inspirationen gesammelt, in denen wir uns passend angezogen fanden. Denn am Ende zählt nicht, wie teuer oder elegant das Outfit ist – sondern, dass ihr euch darin wohlfühlt. Verkleiden hilft auf Dauer nur selten.

Die Tipps sind für alle gedacht, die bald ihre mündliche Prüfung, den ersten Praktikumstag oder den Start ins Referendariat vor sich haben. Im Unialltag müsst ihr hingegen niemanden beeindrucken, da geht’s entspannt zu.

Obenrum – zwischen Blazer und T-Shirt

Abseits von wirklich besonderen Terminen wie der mündlichen Prüfung oder Vorstellungsgesprächen ist die Wahl im Alltag erstaunlich locker. Im Sommer sind auch T-Shirts oder Tops kein Problem – selbst bei Gerichtsterminen, solange sie nicht durch schrille Farben oder wilde Muster auffallen. Mit einem schlichten Blazer oder einer Strickjacke liegt man fast immer richtig. Blusen? Habe ich persönlich nicht als notwendig empfunden.

Untenrum – Hosen, Röcke und Co.

Eine klassische Anzughose ist eine sichere Wahl – muss aber keineswegs schwarz sein. Grau, Blau oder sogar Grün funktionieren genauso gut. Schließlich verschwinden die Beine bei Terminen ohnehin meistens unter dem Tisch. Ein langer Rock ist ebenfalls völlig in Ordnung, nur fehlt mir da die persönliche Erfahrung – ich bin ein absoluter Hosenmensch.

Schuhe – Hauptsache sauber

Loafer sind immer eine gute Idee. Ebenso gediegene Absätze oder schlichte, saubere Sneaker. Wichtig ist weniger die Form als vielmehr, dass die Schuhe gepflegt aussehen.

Fazit: Wohlfühlen schlägt Etikette

„Kleider machen Leute“ – aber zum Glück längst nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vor 20 Jahren. Wer einmal RichterInnen außerhalb des Verhandlungssaals beobachtet, wird überrascht sein, wie schlicht und alltagsnah deren Outfits ausfallen. Hosenanzüge sieht man fast nie, auch vollständige Anzüge bei den männlichen Kollegen sind selten.

Fragt die RichterInnen und AusbilderInnen ruhig nach ihren Erwartungen – das kann helfen, die morgendliche Outfit-Qual deutlich zu verringern. Vor meinem ersten AG-Termin habe ich mir auch viele Gedanken über den richtigen Auftritt gemacht. Im Nachhinein kann ich sagen: völlig unnötig. Es gilt: Come as you are. Solange man die grundlegenden Gepflogenheiten respektiert, spielt die Kleidung im juristischen Alltag eine untergeordnete Rolle.

Solltest du promovieren – ja oder nein?

Die Entscheidung für oder gegen eine Promotion ist sehr individuell. Sie kann schon recht früh feststehen, eher spontan nach den Examensergebnissen erstmals als Option in Betracht kommen. In diesem Beitrag geht unsere Autorin Lea der Frage auf den Grund, ob und für wen sich eine Promotion überhaupt lohnt.

Aufgrund der Fülle an Beweggründen und individuellen Ausgangsbedingungen ist dieser Post eher mein persönlicher Erfahrungsbericht, der mit allgemeinen Hinweisen gespickt ist.
Mir ist aber wichtig, direkt zu Beginn noch einmal explizit zu sagen, dass die angesprochenen Punkte meine Erfahrungen sind und deine Gewichtung dieser oder ganz anderer Punkte völlig verschieden sein können. Am Ende musst du eine für dich passende Entscheidung treffen und niemand sonst!

1. Eindrücke als studentische Hilfskraft
Ich habe bereits im Grundstudium angefangen an einem Lehrstuhl zu arbeiten und dadurch viel von den wissenschaftlichen Mitarbeitenden (WissMits) mitbekommen. Das hat sich über die Jahre, die Nähe zu den WissMits und dem eigenen Fokus auf die Möglichkeit einer Dissertation noch einmal gesteigert.
Auch durch regelmäßige Nachfragen vom Lehrstuhl habe ich mich immer intensiver mit der Entscheidung auseinandergesetzt, sowie die Pros und Cons aus erster Reihe quasi mit angesehen.

Allgemein:
Sprich mit WissMits deiner Uni oder vereinbare ein Gespräch mit deinem/deiner Lieblingsprofessor/in, die du dir vielleicht sogar schon als Doktormutter/-vater vorstellen könntest. Oder manchmal gibt es niedrigschwelliger Angebote wie z.B. durch Gespräche mit besonderen Lehrbeauftragten, die meist als akademische Räte angestellt sind und selbst auch promotiviert haben.

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2. Mentoringprogramm für promotionsinteressierte Studentinnen
Zudem hatte ich mich aufgrund einer Empfehlung von Freundinnen dazu entschieden, an einem Mentoringprogramm für promotionsinteressierte Studentinnen teilzunehmen, das die Gleichstellung meiner Uni angeboten hat. Wie der Titel schon sagt, richtet sich das Angebot nur an weiblich gelesene Personen (sorry boys!). Zudem war das Programm fächerübergreifend, sodass nicht alle geplanten Veranstaltungen für eine juristische Promotion relevant waren. Doch innerhalb dieser knapp sechs Monate haben wir verschiedene Bereich einer Promotion durchgesprochen wie beispielsweise möglichen Beweggründen, den rechtlichen Hintergründen zum Wissenschaftszeitgesetz und den gängigen Promotionsmodellen. Darüber hinaus gab es noch Zusatzveranstaltungen die neben der Promotion in jedem Fall nützlich sein werden, wie ein Bewerbungsmappencheck oder einem Training zur Stimmung- und Wahrnehmungspräsenz.
Ich selbst habe das Programm von Frühjahr bis Sommer im Jahr meines Examenstermins gemacht. Zum Einen war das eine super Möglichkeit mal aus dem Lerntrott herauszukommen. Und zum Anderen eine tolle Option, leicht neue Kontakt zu wissenschaftlich orientierten Frauen zu knüpfen und Teil eines bestehenden Netzwerkes mit all seinen Möglichkeiten und der draus folgenden Expertise zu werden.

Allgemein:
Schau, ob deine Uni eine Infoveranstaltung anbietet oder sogar ein ähnliches Programm. Es schadet auf jeden Fall nicht, sich zu bewerben und neue Eindrücke mitzunehmen. Da das zeitlich meist aber mit der Endphase der Examensvorbereitung zusammenfällt, kannst du da auch transparent sein und ggf. einige der geplanten Termine skippen.

3. Seminararbeit im Schwerpunkt
Für mich war auch ein zentraler Punkt, wie ich die Phase während der Seminararbeit empfunden habe. Also ob mir die Recherche und der Schreibprozess so ganz generell (abseits vom Notendruck) „Spaß“ gemacht hat.
Fairerweise hatte ich das für mich eher als „ging so“ bewertet. Die Zeit war super stressig, ich war damit überfordert so ganz allein einen wissenschaftlichen Text schreiben zu müssen, ohne wirklich zu wissen, was ich da eigentlich machen muss.
Was mir allerdings wirklich gut gefallen hat, war mich mit den bestehenden Ansichten aus Literatur und Rechtsprechung auseinanderzusetzen und meine eigene Meinung aufs Papier zu bringen.
Die Art der Betreuung und den zeitlichen Rahmen kann ich während der Promotion auch viel selbstbestimmter mitgestalten und beeinflussen. Sodass die negativen Aspekte aus der Seminararbeit dann gar nicht mehr so wahnsinnig relevant für die Entscheidung für oder gegen die Diss waren. Worauf ich im Grunde hinaus möchte, ist, dass du selbst schauen musst, wie relevant welches Argument für dich ist.

4. Motivationsgründe
Ich habe mich über eine längere Zeitspanne (schon so ein gutes Jahr) immer mal wieder selbst gefragt, wieso ich überhaupt eine Doktorarbeit schreiben möchte. Wie oben schon angeteasert, sind die Gründe wahnsinnig vielfältig. Von der Hoffnung seine Chancen für eine Partnerschaft in einer Großkanzlei zu erhöhen, über das individuelle Interesse an einem bestimmten Themenbereich, bis hin dazu, das Referendariat und damit das 2. Examen herauszögern zu können, kann alles dabei sein.
Wie schwer du die Punkte jeweils gewichtest, ist komplett dein Ding, egal ob jemand anders das für total bescheuert hält. Deine Gründe müssen dich durch die Promotionszeit (die schon teilweise drei Jahre aufwärts ist) bringen. Genau wie in der Examensvorbereitung auch, musst du durchhalten, aus den Gründen, für die du dich entschieden hast bzw. im Verlauf entscheidest.

5. Noten (Examen und Seminararbeit)
Nicht ganz unentscheidend sind natürlich auch deine Noten aus Examen und Schwerpunkt. Schau dir am besten im Vorfeld die Promotionsordnungen deiner favorisierten Unis an und deren individuellen Voraussetzungen. Häufig kannst du „bereits“ mit einem befriedigenden Examen und einer Zusatzleistung (2. Seminararbeit etc.) promovieren.
Auch kann es sein, dass du im Bewerbungsprozess zur Promotionsbetreuung gebeten wirst, deine Seminararbeit mitzuschicken, damit der/die potenzielle Betreuung ein Gefühl für deinen Schreibstil bekommen und dein „Potenzial“ einschätzen kann.

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6. Dein Charakter
Den letzten Grund, könnte man auch mit unter Motivationsgründe fassen. Ich finde ihn aber so relevant, dass er einen eigenen Oberpunkten bekommen hat. Du solltest du dich wirklich selbstkritisch fragen, ob du der Typ für eine Promotion bist.
Willst du tatsächlich eine Monografie schreiben, jahrelang Texte lesen und dir Gedanken zu deinem Thema machen?
Neben der Finanzierungsstelle (außer du hast dich erfolgreich um ein Stipendium beworben) noch vor- oder nach der Arbeit an der Diss sitzen?
Magst du dir den Stress, das Kopfzerbrechen, die Selbstzweifel und sicher auch die ein oder andere Schreibblockade antuen?

Fazit
Wenn du für dich sagen kannst, dass du auch die möglichen „Schattenseiten“ mit bedacht hast, du deine Gründe für die Promotion kennst und einfach Bock drauf hast, dann go ahead!
Falls du dir unsicher sein solltest, dann wage es doch einfach. Niemand zwingt dich dazu, die Diss zu Ende zu schreiben, wenn du nach sechs Monaten, einem Jahr oder auch später feststellst, dass es doch nicht das war, was du wolltest.
Solltest du klar sagen können, dass du dir eine Promotion so gar nicht vorstellen kannst, auch klasse. Dann gehts auf zum Ref, Berufseinstieg oder auf die Weltreise, die dich als Motivator durchs 1. Examen gebracht hat.

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