Hat man sich einmal für eine Promotion entschieden und eine Betreuung gefunden, steht meist schon grob das Rechtsgebiet fest – manchmal sogar eine erste thematische Richtung. Doch wie beginnt man mit der konkreten Themensuche? Und woran erkennt man, ob sich ein Thema für eine Dissertation eignet?
Das Beruhigende ist: Anders als bei einer Seminararbeit steht dir eine erfahrene Betreuungsperson zur Seite. Auch wenn sie sich typischerweise nicht im Detail mit deinem konkreten Thema auskennt, kann sie doch einschätzen, ob sich daraus wissenschaftlicher Mehrwert gewinnen lässt. Ebenso hilft sie dabei, das Themas so zuzuspitzen, dass es weder zu weit ausholt noch am Ende nur Stoff für einen Aufsatz bietet.
Die Wege zur Themenfindung sind so vielfältig wie die Themen selbst.
Ein klassischer Ansatz ist der Blick in Zeitschriften und Kommentare. Dort finden sich immer wieder Hinweise auf ungelöste Probleme oder offene Meinungsstreitigkeiten. Im zweiten Schritt ist allerdings zu schauen, ob das Thema nicht bereits zur Genüge ausgeschöpft ist, weil der Streit schon seit Jahren oder Jahrzehnten bestehen und eher als „akademischer Natur“ bezeichnet werden könnte.
Hat man im Rahmen von Praktika, beruflicher Tätigkeiten, Ehrenamt etc. Einblicke in die praktische Rechtsanwendung und trifft so auf ein Anwendungsproblem, kann sich aus diesem konkreten Beispiel eine tolle Möglichkeit für die Auseinandersetzung mit einem größeren, dahinterstehenden Problem ergeben.
Auch aus persönlichen Gesprächen mit etwa deiner Betreuungsperson, anderen DoktorandInnen, PraktikerInnen oder FreundInnen können Impulse für das Thema kommen. Oder aber ein Bereich deiner Seminararbeit, auf das du gestoßen warst, ist noch nicht erforscht und bietet sich als Thema an.
Die „füllenswerte Lücke“
Ausgehend von diesen Zugängen stellt sich irgendwann die zentrale Frage: Was soll die Dissertation eigentlich leisten?
Im Idealfall stellt sich eine konkrete übergeordnete Frage, für die man eine Hypothese aufstellen kann und die als Grundlage der Dissertation dient. Und genau hier taucht sie wieder auf: die berühmte „Lücke“, die es zu füllen gilt.
In der Vorstellung soll diese Lücke etwas sein, das wissenschaftlich relevant, noch nicht entdeckt, gedacht oder bearbeitet wurde. Fehlt sie, wirkt das eigene Thema schnell unzureichend.
Doch mit Blick auf unser gewachsenes und gelebtes Rechtssystem, zeigt sich schnell ein anderes Bild. Kaum ein Bereich ist wirklich unbearbeitet. In Aufsätzen, Kommentaren, Sammelwerken , etc. wurde bereits vieles diskutiert, eingeordnet oder zumindest angedeutet. Manche Fragen sind durch Rechtsprechung oder Gesetzgebung längst weiterentwickelt worden.
Die große, offensichtlich offene Lücke, die nur darauf wartet, endlich geschlossen zu werden, ist wohl eher ein Mythos.
Was stattdessen zählt
Was stattdessen erwartet wird, ist oft weniger spektakulär – und gleichzeitig anspruchsvoller: ein Thema aus einer eigenen Perspektive zu betrachten.
Das kann bedeuten, Zusammenhänge neu herzustellen, bekannte Probleme konsequent weiterzudenken oder unterschiedliche Diskussionsstränge miteinander zu verknüpfen. Häufig geht es nicht darum, etwas völlig Neues zu „erfinden“, sondern Bestehendes neu zu durchdringen und in einen anderen Kontext zu stellen.
Gerade in der Phase der Literaturrecherche und bei der Erstellung eines Exposés oder einer Gliederung entsteht dabei oft ein unangenehmes Gefühl: das Gefühl, nichts Neues mehr beitragen zu können.
Auch mir geht es regelmäßig so. Beim Lesen denke ich oft, dass andere das Thema bereits präziser, klarer und umfassender formuliert haben. Dass ich eigentlich zu spät dran bin. Und vielleicht ist dieses Gefühl auch wenig überraschend – schließlich stammen viele Beiträge von Personen, die sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte mit genau diesem Thema beschäftigt haben und als Koryphäen auf ihrem Gebiet gelten.
Vielleicht muss man die „füllenswerte Lücke“ also ein Stück weit entzaubern.
Sie ist nichts, was man während der Recherche plötzlich findet wie einen verborgenen Schatz. Vielmehr entsteht der wissenschaftliche Mehrwert einer Dissertation durch den eigenen Zugriff auf das Thema mittels des gewählten Zuschnitts, der Perspektive und der Art der Auseinandersetzung.
Die Leistung besteht daher nicht zwingend darin, eine offensichtlich leere Stelle zu füllen. Sondern viel mehr darin, as Thema mit einen neuen Zugriff zu durchdringen.
Du suchst ein Geschenk für einen Jurastudierenden oder eine/n frisch gebackenen Juristen/in? Kein Problem! In diesem Post haben wir die besten Geschenkideen gesammelt.
(Disclaimer: Werbung wegen Markennennung. Alle Produkte wurden ohne Gegenleistung von uns empfohlen)
Kleine Aufmerksamkeiten
1. Care-Pakete (Insbesondere in Prüfungsphasen)
Eine unkomplizierte und günstige Geschenkidee ist ein kleines Care-Paket. Kaufe dem Beschenkten einfach ein paar leckere Snacks, vielleicht etwas Kosmetik, schreib eine kurze Karte und zack – hast du ein Geschenk, das jedem Empfänger ein Lächeln auf das Gesicht zaubert.
2. Belletristik
Vielen Studis vergeht – vor allem in der Examensvorbereitung – irgendwann die Lust am Lesen in der Freizeit. Für die, die dennoch gerne mal ein wenig schmökern, gibt es jedoch eine riesige Auswahl an Literatur mit Jurabezug.
Klassiker sind unter anderem: Bernhard Schlink, Der Vorleser. Die verschiedenen Bücher von Ferdinand von Schirach, John Grisham, und viele weitere.
3. Kalender / Notizbücher
Natürlich lässt sich heutzutage alles digital organisieren. Viele Studis freuen sich jedoch auch über schöne Kalender oder Notizbücher um zu planen.
Für wen ist das geeignet? Mit netten Aufmerksamkeiten, die an den Charakter der beschenkten Person angepasst sind, macht man nie etwas falsch! Das gute an kleinen – nicht ganz auf Jura bezogenen Aufmerksamkeiten- ist, dass du nicht Gefahr läufst etwas zu schenken, das die Person nicht gebrauchen kann.
In den letzten Jahren hat sich ein richtiger Markt für Jura-Merchandise etabliert. Inzwischen gibt esTassen,Bekleidung,Schmuck und Zubehör wie zB. Taschen für große Gesetzestexte.
2. Merchandise aus Serien
Auch Fanartikel aus Suits, How to get away with murder oder anderen Anwaltsserien erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Einem großen Fan kann man damit sicher eine Freude machen.
Für wen ist das geeignet? Diese Art von Geschenk eignet sich meines Erachtens nach nicht für jeden Studi. Denn nicht jeder möchte auf dem Campus direkt anhand seiner Accessoires als JuristIn oder Jurastudi ausgemacht werden. Für alle anderen ist es eine nette Aufmerksamkeit.
Nützliche Geschenke
Studienmaterialien sind irre teuer. Wer nicht unbedingt ein kreatives, dafür aber sehr nützliches Geschenk machen möchte, kann zB Lernmaterialien schenken. Für Studis, die ja häufig nicht auf besonders große Ersparnisse zurückgreifen können, sind Lernunterlagen häufig kein schlechtes Geschenk.
Wohl kaum ein Student wird seine Studienzeit als durchgehend schön in Erinnerung haben. Leistungsdruck, Stress, Unzufriedenheit mit Ergebnissen gehören leider zum Studium genauso dazu wie die schönen ersten Frühlingstage auf dem Campus und die ein oder andere geschwänzte Vorlesung. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – bleiben viele Studis ihrer Alma Mater für immer verbunden. Ein Artikel aus dem Souvenirshop der Uni kann daher ein schönes Andenken an die Studienzeiten sein.
2. Das bestandene Examen feiern
Das Staatsexamen und den Übergang ins Berufsleben wollen die meisten Studis gebührend feiern, ganz egal ob durch Anstoßen nach der letzten Prüfung, eine richtige Party oder ein schönes Dinner im Restaurant.
Viele Absolventinnen bekommen von Ihren Angehörigen richtig großzügige Geschenke. Aber auch eine kleine Aufmerksamkeit kann wirklich eine Menge bedeuten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem selbstgebackenen Examens-Kuchen? Oder einer Einweg-Kamera, auf der die Momente nach der mündlichen Prüfung oder der Zeugnisverleihung festgehalten werden?
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Du hast gerade deine Examensvorbereitung begonnen und kriegst ständig ungefragte Ratschläge, wie eine Vorbereitung auszusehen hat? Wir sind der Meinung, dass nur du am besten weißt, welche Lernroutine zu dir passt. Deshalb stellen wir dir heute zehn Lernmöglichkeiten vor, aus denen du dir deine eigene Examensvorbereitung zusammenstellen kannst.
Kurz vorab noch etwas zur Routine:
Lernen ist höchst individuell. Es bringt wenig, sich ständig mit anderen ExamenskandidatInnen zu vergleichen (auch wenn es natürlich schwer ist, sich ganz davon frei zu machen).
Allerdings sind besonders die Parameter, hinsichtlich derer man sich vergleicht, wenig aussagekräftig. Möglicherweise verbringen andere Personen mehr Zeit in der Bibliothek als du – aber das heißt ja nicht, dass sie diese Zeit effizient nutzen.
Frag dich selbst diese 5 Dinge
Es ist vor allem hilfreich, seine eigenen Fähigkeiten zu kennen und eine Routine darum zu bauen. Hilfreich sind folgende Fragen:
Wie viele Stunden am Tag kannst du dich wirklich konzentrieren?
Zu welcher Uhrzeit bist du am fokussiertesten?
Lernst du lieber zu Hause oder in der Bibliothek?
Lernst du lieber alleine oder in der Gruppe?
Brauchst du eine rigide Routine oder nur einen losen Plan?
So erkennst du, ob deine Routine etwas taugt
Du erkennst eine gute Routine an drei Dingen:
Sie überfordert dich nicht.
Sie ist (auch an schlechten Tagen) einfach zu befolgen.
Sie bietet so viel Abwechslung, dass sie dich nicht langweilt, aber so viel Regelmäßigkeit, dass du messbare Fortschritte erzielst.
Von allen Methoden, die ich heute vorstelle, ist der Lernplan die einzige, die ich zwingend empfehle. Bei einer monate- bzw. jahrelangen Vorbereitung brauchst du einen roten Faden, an dem du dich orientierst. Das bedeutet keinesfalls, dass du einen rigoros getakteten Plan brauchst, der für jeden Tag eine Lerneinheit vorsieht – im Gegenteil. Was du aber brauchst ist eine Übersicht mit allen examensrelevanten Fächern, in dem die wichtigsten Themen aufgelistet sind. So hast du einen Überblick darüber, wie weit du schon gekommen bist und was noch vor dir liegt. Es lohnt sich zudem, Themen, die du dir kurz vor dem Examen noch einmal ansehen willst, rot zu markieren.
Du kannst dir den Plan selbst erstellen, oder aber auf Listen anderer zurückgreifend. Ich persönlich habe den Lernplan von Repetitorium Hofmann als sehr hilfreich empfunden.
2. Kurse
Die meisten Studierenden besuchen ein kommerzielles oder universitäres Repetitorium. Einerseits erklären dir dort Profis noch einmal den examensrelevanten Stoff, andererseits hast du dadurch schon eine Struktur an der Hand, mit der du einzelne Fächer wiederholst.
3. Karteikarten-Apps
Mittlerweile ist es wirklich kein Geheimtipp mehr: Aber spaced repetition, also regelmäßiges Wiederholen durch Abfragen, ist so ziemlich die effektivste Lernmethode. Dafür gibt es einige Karteikarten-Apps. Die wohl gängigste ist die Plattform “Anki”, für die verschiedene Anbieter bereits fertige Jura-Pakete anbieten. Das ist zwar nicht ganz billig, spart aber eine Menge Zeit in der Vorbereitung.
4. Karteikarten auf Papier
Neben digitalen Angeboten kann es auch hilfreich sein, einige Karteikarten schriftlich anzufertigen und z.B. unterwegs zu lernen. Mir persönlich hat es geholfen, die wichtigsten Schemata aller Fächer auf Karteikarten zu notieren und am Ende jedes Lerntages zwei, drei davon zu wiederholen.
5. Lernzettel und Mindmaps
Um gelerntes festzuhalten, kannst du dir Lernzettel oder Mindmaps erstellen. Mit der Hilfe von KI geht das inzwischen sogar ohne großen Zeitaufwand.
6. Klausuren schreiben
Hier dran führt in einer sinnvollen Examensvorbereitung (leider) kein Weg vorbei. Denn obwohl ich es ungerne zugebe: Probeklausren zu schreiben ist unglaublich effektiv. Du wendest den gelernten Stoff an, erschließt dir noch fremde Themen und bekommst vor allem eine Idee dafür, wie die 5 Stunden so ablaufen. Du wirst einen enormen Fortschritt verzeichnen, wenn regelmäßig, d.h. idealerweise wöchentlich, Klausuren schreibst.
7. Lerngruppe
Vielen Studierenden hilft es, in der Gruppe zu lernen. Im besten Fall trefft ihr euch zu zweit oder maximal zu viert und sprecht Fälle durch oder fragt euch den Stoff ab. Wichtig ist nur, dass ihr euch untereinander gut versteht und kein unnötiger Wettbewerb entsteht. Sobald sich jeder traut, auch mal eine “dumme” Frage zu stellen, habt ihr ein gutes Gruppenklima erreicht.
8. Podcasts
Als gute Ergänzung zu einem Lerntag bietet es sich an, Podcasts zu hören. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an spannend aufbereiteten Rechtsprechungs- und Lernpodcasts auf Spotify und Co. Dank KI kannst du dir jedoch auch zu deinem Wunschthema einen Podcast erstellen und so dein Wissen vertiefen.
9. Zeitungsartikel
Um bezüglich der Rechtsprechung auf dem neusten Stand zu bleiben, lohnt sich ab und an ein Blick in eine juristische Ausbildungszeitschrift. Diese stehen in der Regel über die Uni digital und analog zur Verfügung.
10. Abfragen lassen (von KI)
Du kannst deinen Lerntag abwechslungsreicher gestalten, indem du dich Gelerntes abfragen lässt. Wenn dir das unangenehm ist, besteht auch die Möglichkeit, dir von KI ein Quiz erstellen zu lassen und so dein Wissen zu testen.
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Wir wünschen dir viel Erfolg und starke Nerven für die Examensvorbereitung!
Unser Autor Robert ist gerade Anwalt geworden und im Alltag mit den neuen Möglichkeiten von KI konfrontiert. In diesem Beitrag geht er den Chancen und Risiken auf den Grund – und verrät auch, welche fatalen Folgen der falsche Einsatz von KI haben kann.
Wer aktuell in Kanzleien als BerufseinsteigerIn anfängt, hat eine gute Chance, in seinen ersten Tagen das Folgende so oder so ähnlich zu hören:
„Du bist hier, um nachzudenken, denn recherchieren und zusammenschreiben kann ja bald auch die KI.“
Warum dann trotzdem noch junge AnwältInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen eingestellt werden, scheint vor diesem Hintergrund mysteriös.
Was jedoch allgemein feststeht: Künstliche Intelligenz verändert juristische Arbeitsprozesse. Potentielle Anwendungen reichen inzwischen von automatisierter Dokumentenanalyse über Vertragsprüfung und Recherche bis hin zu ersten Ansätzen von Entscheidungsentwürfen. Während internationale Großkanzleien KI-Systeme bereits produktiv einsetzen oder sogar selbst entwickeln, stehen Behörden und kleinere Kanzleien noch am Anfang dieser Transformation. Die Debatte wird häufig von Effizienzversprechen dominiert. Tatsächlich wirft der Einsatz von KI jedoch komplexe datenschutzrechtliche Fragen auf, die die Verbreitung in der Arbeitswelt hemmen.
Im juristischen Umfeld berührt der Einsatz KI-gestützter Systeme unmittelbar einen Kern anwaltlicher Berufsausübung, die Verschwiegenheitspflicht. Nach § 43a Abs. 2 BRAO sowie § 203 Abs. 1 Nr. 3 StGB sind Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zur strikten Geheimhaltung mandatsbezogener Informationen verpflichtet. Sobald sensible Sachverhalte in cloudbasierte KI-Systeme von Drittanbietern eingegeben werden, stellt sich die Frage, ob eine unzulässige Offenbarung gegenüber Dritten vorliegt.
Besonders problematisch sind Konstellationen, in denen Daten auf Servern außerhalb der Europäischen Union verarbeitet werden oder unklar bleibt, ob eine Nutzung zu Trainingszwecken erfolgt. Schnell mal die chaotischen 40 Seiten unsortierter Informationen des Mandanten über den privaten ChatGPT-Account auswerten lassen, dürfte bei Bekanntwerden zu erheblichen berufsrechtlichen Folgen und Haftungen führen. Auch wenn bisher keine entsprechenden Haftungsfälle in Deutschland allgemein bekannt sind, führt dieses Risiko zumindest bei größeren Kanzleien dazu, dass oftmals strikte Verbote der Nutzung privater Chatbots, sog. Large Language Models (LLMs) bestehen. Dies verhindert eine faktische Nutzung zwar nicht unbedingt, wälzt aber zumindest die Verantwortung auf die ArbeitnehmerInnen ab.
Hinzu kommt, dass juristische Tätigkeit regelmäßig besondere Kategorien personenbezogener Daten im Sinne von Art. 9 DSGVO betrifft – etwa Gesundheitsdaten, strafrechtliche Vorwürfe oder finanzielle Informationen. Und welche Hürden der Umgang mit Datenschutz allgemein bereitet, ist mittlerweile auch juristischen Laien bekannt.
Peinliche Halluzinationen – Von Urteilen, die es nicht gibt
Ein weiteres, mittlerweile auch der Rechtsprechung angelangtes, Problem sind sogenannte „Halluzinationen“ generativer KI-Systeme. Diese können überzeugend formulierte, aber inhaltlich falsche Rechtsprechungsnachweise oder Normverweise produzieren. Jüngst führte dies sogar beim LG Frankfurt dazu, dass eine Berufung zurückgenommen wurde, weil die diese tragenden vermeintlichen BGH-Urteile nicht mit diesem Inhalt existierten.[1]
Die Verantwortung für die Richtigkeit eines Schriftsatzes liegt stets bei der unterzeichnenden Person. KI ist ein Werkzeug, berufsrechtlich belangt wird aber am Ende eine Richterin oder ein Anwalt, der seine Quellen nicht kontrolliert hat.
Unfairer Wettkampf – KI in kleinen Kanzleien oder Behörden
Während große Wirtschaftskanzleien über eigene IT-Abteilungen, Innovationsbudgets und spezialisierte Legal-Tech-Teams verfügen, um eigene datenschutzkonforme KI-Systeme zu entwickeln und implementieren[2], ist die Situation in Behörden und kleineren Kanzleien strukturell anders gelagert.
Behörden sind in komplexe Vorgaben des Bundes- und Landesdatenschutzrechts eingebunden. Jede größere Softwareanschaffung erfordert Ausschreibungen, Sicherheitsprüfungen und häufig Zertifizierungen nach BSI-Standards, da hier regelmäßig Daten von nationaler Relevanz verarbeitet werden. Hinzu treten haushaltsrechtliche Restriktionen und Mitbestimmungsrechte von Personalvertretungen. Entscheidungsprozesse sind daher zwangsläufig langsamer und stärker formalisiert. Der Einsatz selbstlernender Systeme, deren Funktionsweise nicht vollständig nachvollziehbar ist, kollidiert zudem mit dem verwaltungsrechtlichen Gebot der Nachvollziehbarkeit und Begründbarkeit von Entscheidungen. Dies sind zumindest einige der Gründe, die neben fehlenden personellen Kapazitäten und finanziellen Ressourcen zur Lizenzierung bestehender Modelle angeführt werden.
Kleinere Kanzleien sehen sich ähnlichen wirtschaftlichen und organisatorischen Hürden gegenüber. Oft fehlt es an technischer Infrastruktur und an Ressourcen für die Integration entsprechender Systeme. Ein Rückgriff auf allgemeine Systeme wie ChatGPT zur umfassenden Arbeit mit mandantenbezogenen Daten ist aus den oben stehenden Gründen ausgeschlossen. Was aber aus eigener Erfahrung regelmäßig stattfindet, ist der Einsatz von Privataccounts zu LLMs beispielsweise für die Recherche von Normen oder Gesetzesbegründungen auf den Servern des Bundestages, die über Google nur mit erheblichem Aufwand zu finden sind. Ein solcher Umgang wird kanzleiseitig oft geduldet, wenn keine Mandatsdaten preisgegeben werden und bisher keine lizenzierten Systeme hausintern zur Verfügung stehen.
Wie jedoch in diesem Beitrag bereits erwähnt, hat jede/r mit einem Beck-Online-Zugang mittlerweile Zugriff auf den Beck-Chat. Dieser ermöglicht die Recherche nach Urteilen und Aufsätzen, auf die ChatGPT und Co. aufgrund der umfassenden Paywall des Beck-Verlages keinen Zugriff haben. Auch hier scheint die Nutzung im Kreis der Anwältinnen und Anwälte nach meinem persönlichen Eindruck bisher überschaubar.
Aus der Vogelperspektive zeichnet sich hier aber die Gefahr einer technologischen Divergenz im Rechtsmarkt ab. Großkanzleien steigern Effizienz in der Recherche und Skalierbarkeit in Form von riesigen Schriftsätzen oder weitgehend automatisierten Massenverfahren wie bei den sog. „Dieselklagen“ gegen VW, während kleinere Einheiten Gefahr laufen, strukturell zurückzufallen. Das Problem, von einer KI „über den Haufen geschrieben“ zu werden stellt sich jedoch insbesondere auf staatlicher Seite. Denn ohne digitale Waffengleichheit droht hier insbesondere der ohnehin belasteten Justiz eine Überwältigung durch Verfahren, die ohne Sortierung durch KI kaum zu überblicken sind.[4]
KI nimmt dir den Job weg? Auswirkungen auf Berufseinsteiger
Besonders sensibel ist die Frage nach den Konsequenzen am Arbeitsmarkt. Traditionell beginnen juristische Karrieren mit den Eingangs erwähnten Tätigkeiten: Aktenauswertung, Literatur- und Rechtsprechungsrecherche, Entwurf einfacher Schriftsätze oder Teile von Due-Diligence-Prüfungen. Genau diese in der Herangehensweise standardisierten Tätigkeiten sind durch KI besonders gut automatisierbar.
Neben den drohenden Kommentaren an NeueinsteigerInnen, dass Sie sich ja freuen könnten, trotz KI noch angestellt worden zu sein, zeigt sich bisher auf dem Arbeitsmarkt keine signifikante Veränderung der Einstellungszahlen von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Associates. Dies gilt im Übrigen für große und kleine Kanzleien wie auch den öffentlichen Dienst. Vielfach wird dies jedoch zurückgeführt auf eben jene schleppende Etablierung umfassend einsetzbarer KI-Systeme in Kanzleien und für die Zukunft eine Reduzierung des „Unterbaus“ an NachwuchsjuristInnen prognostiziert.[5]
Langfristig entstünde dabei jedoch ein Ausbildungsparadox. Die routinemäßige Fallbearbeitung bildet neben zwischenmenschlichen Kompetenzen traditionell das Fundament juristischer Expertise. Wird diese Phase der Routinearbeit teilweise automatisiert, besteht die Gefahr, dass praktische Erfahrungswerte fehlen. Diese sind aber für komplexe Mandate oder auch als Erfahrungspool für richterliche Entscheidungen unerlässlich.
Es spricht also vieles dafür, dass es weniger zu einer Verdrängung als vielmehr zu einer Qualifikationsverschiebung kommen wird. Gefragt sein werden junge Juristinnen und Juristen, die neben den originär menschlichen Fähigkeiten wie Beweiswürdigung und Mandatsakquise auch technologische Werkzeuge souverän einsetzen, ihre Grenzen erkennen und regulatorische Rahmenbedingungen mitgestalten können. Und hierfür seid ihr als Lesende nach dieser KI-Themenwoche schon solide aufgestellt!
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[1] LG Frankfurt a. M., Beschluss vom 25.9.2025 – 2-13 S 56/24.
Auch, wenn die Nutzung von künstlicher Intelligenz beim Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten oder bei der juristischen Recherche ihre Schwachpunkte hat, gibt es viele tolle Funktionen, die dir das Lernen echt erleichtern können. Unsere Autorin Sophia stellt dir in diesem Beitrag fünf KI-Funktionen vor, mit denen du beim Lernen viel Zeit sparen kannst.
Du hörst in deiner Freizeit gerne Laber-Podcasts? Warum nicht auch zum Lernen?
Wie wir alle wissen, kann es helfen beim Lernen nicht nur ein Skript oder Lehrbuch nach dem anderen zu lesen, sondern auch mal mit jemandem über die Lerninhalte zu sprechen oder sie sich von jemandem erklären zu lassen. Im Zeitalter der KI gibt es sogar die Möglichkeit, sich ein Podcast-Skript erstellen zu lassen und dies in einen Podcast umwandeln zu lassen. Beispielsweise kannst du ChatGPT1 bitten, dir ein Skript zum Thema Vertragsschluss zu erstellen oder du nimmst direkt das Skript aus der BGB AT – Vorlesung. Dies kannst du dann zum Beispiel mit NotebookLM2 in einen Podcast umwandeln lassen. Dann kannst du ganz ohne schlechtes Gewissen deinen Schreibtisch verlassen, dir deine Kopfhörer schnappen und bei einem Spaziergang in der Sonne, auf dem Laufband im Gym oder auf der Picknickdecke im Park deinen persönlichen Lernpodcast hören.
2. Karteikarten
Du bist der Lerntyp, der stundenlang Karteikarten schreibt und nach dem Schreiben dann keine Zeit mehr für den wichtigen Part – das eigentliche Lernen hat?
Dann lass dir aus deinen Mitschriften oder den Unterlagen der Vorlesung doch einfach digital Karteikarten erstellen. Bestimmt hast du schon mal von Anki gehört. Bei Anki kannst du dir selbst Karteikarten erstellen, die du dann systematisch in Stapeln lernen kannst oder bereits erstellte Stapel käuflich erwerben. Nun gibt es z.B. den sogenannten AnkiBuddy3. Hier kannst du ganz einfach eine Datei, wie z.B. die Powerpoint der Vorlesung Sachenrecht hochladen und die KI erstellt dir hieraus in Sekundenschnelle personalisierte Karteikarten nach deinen Vorstellungen.
3. Lernpläne
Du startest in die Examensvorbereitung und brauchst einen Lernplan, der auf dich, deinen Kalender und deinen Lerntyp abgestimmt ist?
Die Lernpläne, die im Internet existieren, sind um ehrlich zu sein teilweise sehr erschlagend, unübersichtlich und nicht besonders realistisch, wenn man neben dem Studium noch ein Sozialleben haben möchte. Auch hier kann dir die KI helfen. Bitte die KI deiner Wahl, dir einen Lernplan pro Woche, pro Monat oder für die gesamte Zeit deiner Examensvorbereitung zu erstellen. Gib an, an welchen Tagen und zu welchen Tageszeiten du lernen möchtest, wann du Probeklausuren schreiben möchtest und lade den Pflichtfachstoff deines Bundeslandes hoch. Zusätzlich kannst du der KI deines Vertrauens verraten, was für ein Lerntyp du bist und mit welchen Methoden du am effektivsten lernst. Dann bekommst du vielleicht sogar noch ein paar wertvolle Tipps mit auf den Weg und schon hast du einen Erfolgsplan bis zum 1. Staatsexamen. Den musst du dann im Optimalfall nur noch einhalten – dabei kann dir die KI noch nicht helfen…
4. Korrekturlesen
Du hast eine Hausarbeit oder eine Seminararbeit geschrieben und bist dir unsicher, was Rechtschreibung und Formulierungen angeht?
Nicht jeder hat eine Lehrerin als Mutter, so wie ich, die damals in meiner allerersten Anfängerhausarbeit beim Korrekturlesen sogar Rechtschreibfehler im Sachverhalt markierte oder an den Rand schrieb: „das ist kein Deutsch“. Ich musste ihr dann erstmal erklären, dass der Sachverhalt nicht von mir, sondern vom zuständigen Lehrstuhl stammt und, dass wir Juristen das nun mal so sagen… naja, Lehrer halt. Mittlerweile müssen wir zu Glück, nicht mehr das eigene Umfeld 30 Seiten juristischer Sprache quälen, sondern können ganz einfach die KI unsere Texte auf Grammatikfehler überprüfen lassen. Hierzu gibt es zahlreiche KI-tools, die ich hier jetzt nicht alle aufzählen werde.
5. Zusammenfassungen
Dein Prof oder AG-Leiter haben dir zum „Nachlesen bei einem Glas Wein“, so wie es mein ehemaliger Repititor zu sagen pflegte einen 50-Seiten langen Aufsatz mitgegeben und du willst bei dem Glas Wein lieber die neueste Folge Trash-TV gucken anstatt tiefer ins Gesellschaftsrecht einzutauchen?
Dann lass dir den Aufsatz doch einfach mithilfe von KI zusammenfassen und du bist trotzdem in der nächsten AG-Stunde bestens informiert. Auch YouTube-Videos lassen sich mittlerweile mithilfe von KI-tools zusammenfassen. Selbst in meinem Mail-Programm kann ich mir seit neuestem meine eingegangenen Mails zusammenfassen lassen. Auch, wenn ich das etwas übertrieben finde. Wer schreibt schon Mails im Umfang eines 50-seitigen Aufsatzes? Und mal ehrlich: ein kleines bisschen Eigeninitiative wird von uns trotz all der Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz immer noch erwartet.
Lernst du schon mithilfe von KI? Wenn die der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit KomillitonInnen und folge Goldwaage auf Instagram.
KI kann man in fast jedem Kontext benutzen. Auch im Rahmen vom wissenschaftlichen Arbeiten lässt sie sich an verschiedenen Stellen einsetzen. Neben dem klassischen Optimieren von Formulieren, könnte man sie auch im Schritt davor – der Gliederung – verwenden. In diesem Beitrag zeigt dir unsere Autorin Lea, wie das geht.
Wissenschaftliches Arbeiten setzt neben der Themensuche (oder bei Seminararbeiten dem schon vorgegebenen Thema) voraus, dass man das Thema logisch aufbaut und den roten Faden durch die Arbeit laufen lässt. Neben der Materialsuche ist die Gliederung somit der zentrale Schritt, auf dem das Ergebnis aufbaut.
Nicht verwunderlich ist es daher, dass man gerade beim Gliederungsprozess an die ein oder andere Grenze stößt oder mit Unsicherheiten zu kämpfen hat. Typische Fragen können dabei sein: ziehe ich einen allgemeinen Punkt vor die Klammer (also in den Grundlagenteil); habe ich alle relevanten Aspekte bedacht; wie vermeide ich unnötige Wiederholungen und viele mehr.
Der Einsatz von KI kann daher – in geeignetem Maße – sinnvoll sein. Im Folgenden stelle ich ein paar Einsatzfelder vor mit einer Einschätzung, was gut funktioniert und wo die KI an Grenzen stößt.
1. Themenüberblick verschaffen und Material sammeln
Steht man noch ganz am Anfang seiner Arbeit, hat sein Forschungsfeld aber bereits gefunden, möchte und muss man nun die inhaltliche Ausrichtung näher konkretisieren. Dazu bietet es sich an, zunächst einmal selbst ohne großen fachlichen Hintergrund, ganz klassisch zu brainstormen z.B. in Mindmaps oder Tabellen. Anschließend kann man die Fragen, die man sich selbst gestellt hat, auch der KI stellen. Hier geht es eher darum möglichst viele Ideen zu sammeln und dafür auch gern auf das Wissen aus allen möglichen Quellen und Datenbanken zugreifen zu können.
Runter gebrochen könnte man es damit vergleichen, als würde man in einer größeren Gruppe Ideen sammeln, anstatt die KI zu fragen. Man setzt also auf Schwarmintelligenz.
2. Material sortieren
Im nächsten Schritt muss man sich mit den gesammelten Ideen auseinandersetzen. Nicht jeder Vorschlag, den die KI macht ist sinnvoll oder gar direkt verständlich. Die Aufgabe ist es dann also, für sich zu entscheiden, welche Vorschläge Teil der Materialsammlung werden und welche nicht. Dazu bedarf es meist einer kurzen Recherche und Einordnung in das Themenfeld. Und diese Einordnung führt weiter in die grobe Unterteilung der Hauptkapitel der wissenschaftlichen Arbeit. Dazu werden im nächsten Schritt durch die KI Oberbegriffe und zentrale Aspekte aus dem gesammelten Material bildet. Auch hier bieten sich visuellen Darstellung, welche die KI erstellen kann, ganz gut an.
3. Erstellung der Gliederung aus der Materialsammlung
3.1. KI-gestützte Gliederungserstellung
Ist man an diesem Punkt anbekommt, lässt man sich gern dazu verleiten, die KI nun auch die Gliederung erstellen zu lassen (unter Hinweis darauf den roten Faden zu beachten). KI denkt jedoch (noch) nicht selbstständig und basiert die Ergebnisse auf Wahrscheinlichkeiten. Eine wissenschaftliche Arbeit sollte aber gut durchdacht sein. Die von der KI vorgeschlagene Gliederung sollte daher höchstens als Ausgangspunkt betrachtet werden. Trügerisch ist hier häufig, dass das Ergebnis der KI auf den ersten Blick gut aussieht. Doch spätestens dann, wenn man die Überschriften mit Inhalt füllen muss, stößt man an Grenzen. Bis zu dieser Erkenntnis hat man aber wertvolle Zeit verloren, die gerade bei den Seminararbeiten besonders kostbar ist.
Hilfreich kann es daher sein, die Vorschläge der KI immer weiter zu verfeinern. Das kann gelingen, indem man die Gliederung der KI selbst durchdenkt und immer gezieltere Fragen stellt. Vielen fällt es leichter Bestehendes zu verbessern, anstatt selbst von Null Neues zu schaffen. Das wird durch den Einsatz von KI möglich. Wichtig ist aber auch hier, dass man im Hinterkopf behält, dass man selbst die höheren Kompetenzen als die KI hat und gegebenenfalls auch alles Vorgeschlagene unbrauchbar verwerfen muss.
3.2. KI als Sparringspartner
Neben der Möglichkeit, dass KI grundsätzlich die Gliederung erstellt, besteht natürlich auch der traditionelle Weg, es selbst zu machen. Wie anfangs gesagt, kann es aber passieren, dass man irgendwann auf Grenzen und Unsicherheiten stößt. Nach der Sichtung von Literatur z.B. hat man häufig viel Wissen und steht dann vor dem Problem es zu ordnen. Hier kann es hilfreich sein, der KI den eigenen Knoten im Kopf darzustellen. Das hilft zum einen, die eigenen Gedanken zu sortieren, weil man sie verschriftlicht und dadurch teils der Knoten schon gelockert oder gelöst wird. Und zum anderen, indem die KI die Gedanken für einen sortiert. Auch hier kann man dann immer genauer sein Störgefühl beschreiben oder kleinteiliger Nachfragen. Nach der Methode erstellt man die Gliederung zu größerem Teil selbst und nimmt nur ausgewählte von der KI eingebrachte Element mit auf.
Ein wichtiger Aspekt der Gliederung – neben dem roten Faden – sind prägnante Überschriften. Gemeint sind damit solche, die verständlich auf den Punkt bringen, worum es im kommenden Abschnitt geht und somit den roten Faden der Arbeit erkennen lassen. Fehlt einem die nötige Kreativität, kann es auch hier sinnvoll sein, seine eigenen Überschriften von der KI optimieren zu lassen. Damit jedoch der angestrebte Zweck erreicht werden kann, ist es meist notwendig, der KI kurz zu beschreiben, worum es in dem Abschnitt gehen wird. Teils werden auch hier mehrfache Nachfragen und Verfeinerungen notwendig sein.
5. Tücken
Wirklich tückisch kann es sein, dass man zu Beginn schon zu stark auf die KI baut. Entweder um Zeit zu sparen oder aus Unsicherheiten und deshalb direkt auf die KI zurückgreift. Die Gefahr ist dann groß, dass man sich nicht intensiv genug mit seinem Thema auseinandersetzt und daher gar nicht so recht weiß, worüber man überhaupt schreibt oder wesentliche Aspekte übersieht. Um dieses Gefühl zu vermeiden, bietet es sich an, dass man zunächst eine ganz simple Ideensammlung ohne Einsatz von KI macht, dann in die Literaturrecherche startet. Während man überblicksartig liest, Themenfelder ausmacht und diese festhält. Und anschließend erst die KI mit einbezieht.
6. Fazit
Gliedern ist eine Fertigkeit und bedarf viel Übung. Studium und Promotion sind als Qualifikationsphasen gerade dazu da, diese zu erwerben. Deshalb ist ein Rückgriff auf die KI immer mit Bedacht zu wählen. Es wäre jedoch auch nicht sonderlich zukunftsgewandt, würde man sich den Möglichkeiten, die KI mit sich bringt, verwehren. In unterstützender Funktion, z.B. als Gedankenanstoß oder zur Verfeinerung der eigenen Ideen kann der Einsatz von KI daher sehr sinnvoll sein und den Gliederungsprozess effizienter gestalten.
Hast du KI schon mal zum Gliedern von Seminararbeiten, Aufsätzen, etc. genutzt? Teile gern deine Erfahrungen mit uns und der Community auf Goldwaage.jura bei Instagram.
KI als Recherchetool zu nutzen, ist an den meisten Unis nicht verboten. Brenzlig wird es erst, wenn ein Großteil deiner Hausarbeit von einer KI verfasst wird. In diesem Beitrag erklärt dir unsere Autorin Stine, woran man einen von ChatGPT erstellten Text enttarnen kann.
Manchmal steht man vor juristischen Fragestellungen im Studium und findet einfach keinen Einstig in die Materie. Da kommt einem schnell in den Sinn die allwissende KI zu fragen. Meistens klingen die Antworten bei dem ersten Lesen auch so überzeugend, dass man sich fragt: „wozu überhaupt noch anstrengen?“. Und weil es so viel einfacher ist, liegt der Wunsch nahe, die Hausarbeit doch gleich vollständig von einer KI schreiben zu lassen. Warum das gerade mit Hilfe von ChatGPT im Jurastudium keine gute Idee ist, erzähle ich dir jetzt.
Spiegelstriche
Noch nie habe ich in meinen juristischen Hausarbeiten oder anderen verschriftlichten Werken mit Spiegelstrichen gearbeitet. Frage ich aber ChatGPT nach einer besseren Formulierung, baut das Programm in nahezu jeden Absatz mindestens einen ein. Manchmal ist das ganz sinnvoll, meist tut es aber auch ein Komma.
Quellen
ChatGPT kann keine zuverlässige Quellenarbeit im Jurastudium ersetzen. Wer einer Angabe dieser KI ohne eigene Recherche glaubt, ist meist schon durchgefallen. Das Programm vertauscht Absätze, Seitenzahlen, Gerichte und kann Primär- nicht von Sekundärquellen unterscheiden. Gar nicht so selten existieren die angegebenen Quellen überhaupt nicht. Weist man das Programm darauf hin, dass die Quelle in dieser Form nicht existiert, denkt es sich kurzerhand einen neuen Fundort aus.
Zweifelhafte juristische Schlüsse
Dieser Fehler zeigt besonders deutlich, warum KI (noch) keine Juristen ersetzen kann. Insbesondere ChatGPT kann nicht juristisch „denken“. Trotzdem liest man regelmäßig gut klingende und sauber argumentierte Schlussfolgerungen aus Urteilen oder Gesetzeswortlauten, die bei genauerer Betrachtung wenig Sinn ergeben. Dementsprechend sollte man jede juristische Behauptung von ChatGPT überprüfen.
In meinem Fall hat die KI sich einmal eine zivilprozessrechtliche Maxime ausgedacht. Kurz war ich davon sehr überzeugt und hätte mich beinahe vor meinem ausbildenden Richter lächerlich gemacht. Ein Glück bin ich dem Ganzen noch rechtzeitig auf die Schliche gekommen.
Kein Faktencheck
ChatGPT checkt keine Fakten. Gerade bei juristischen Fragestellungen fällt auf, dass das Programm im Wesentlichen auf freizugängliche Quellen zurückgreift. Inhalte hinter Paywalls bleiben außen vor. Dadurch gibt die KI ungefiltert alle im Internet frei zugänglichen Meinungen wieder, ohne deren Qualität oder Tragfähigkeit zu prüfen. Das Bild, dass das Programm von bestimmten Ansichten zeichnet, weicht daher häufig signifikant vom tatsächlichen Meinungsbild in Fachliteratur und Rechtsprechung ab. Das liegt an der Arbeitsweise der KI. Diese filtert die gefundenen Informationen gerade nicht nach wissenschaftlicher Qualität, sondern eher nach quantitativen Kriterien.
Überperfekte Sprache
Fragt man die KI wie sie eine Formulierung findet oder ob sie Verbesserungsvorschläge hat, antwortet diese häufig mit nahezu gleichlautenden Sätzen, die nur geringfügig abweichen. Selbst Sätze die ChatGPT erstellt hat, werden wieder abgeändert. Ob das immer zur Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit des Geschrieben beiträgt, wage ich zu bezweifeln.
In erster Linie führt es eher zur Verunsicherung derjenigen, die ohnehin schon nach der „schönsten“ Formulierung suchen. Teilweise kann das Programm wirklich gut formulieren, aber man sollte sich nicht von den eigenen stilistischen Ansprüchen abbringen lassen. Manchmal kritisiert ChatGPT nur, weil keine Vorschläge keine Option sind.
Außerdem lassen überperfekte Formulierungen schnell auf die Nutzung von KI schließen. Vor allem orthographische und stilistische Fehler unterlaufen schließlich jedem Menschen.
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Fehlende Entscheidungsfreude
ChatGPT bezieht nie Stellung. Bei der Nutzung des Programms fällt die sprachliche Vorsicht auf. Klare juristische Aussagen findet man selten. Stattdessen wird fast alles relativiert. Das klingt zunächst wissenschaftlich, stellt aber keine klare Entscheidung in den Mittelpunkt.
Gerade in Hausarbeiten im Jurastudium wird erwartet, dass man eine klare Position. Die Texte wirken zwar sauber formuliert, bleiben aber inhaltlich unentschlossen.
Sich Inspiration von ChatGPT für die Hausarbeit oder andere juristische Fragestellungen zu holen kann sinnvoll sein, sollte aber niemals ungeprüft übernommen werden. Teilweise ist die KI so überzeugt von ihrer eigenen Ansicht, dass sie auch auf mehrmaligen Hinweis nicht davon abrückt. Das sollte dich jedoch nicht beirren. Besonders in letzter Zeit habe ich häufiger das Gefühl, dass ich in juristischen Fragestellungen klüger bin als ChatGPT und dass zumindest meine Quellenarbeit, die des Programms um Meilen übertrifft. Gleiches gilt übrigens für die Planung von Reisen 😉
Welche Fehler hast du schon mal mit ChatGPT gemacht?
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Noch vor kurzem war ChatGPT in aller Munde, inzwischen steht der KI-Assistent aber aus verschiedenen Gründen in der Kritik. Doch auf KI verzichten musst du deshalb auf keinen Fall! In diesem Beitrag stellen wir dir daher drei Plattformen vor, die dein Lernen und deine Recherche revolutionieren.
Was spricht gegen ChatGPT?
Der erste Hype um ChatGPT ist abgeflacht und vielen fallen immer merh Schwächen des KI-Assistenten auf. Da wären beispielsweise die sogenannten Halluzinationen, bei denen sich die KI Quellen und Fundstellen (zB von Gerichtsurteilen) einfach ausdenkt. Die KI ist zudem darauf ausgelegt, deine Aussagen zu bestätigen. ChatGPT bastelt Antworten, die dir als User gefallen, aber nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Viele Nutzer stören sich zudem daran, dass der Chef von Open AI, dem Unternehmen hinter ChatGPT, 25 Millionen Dollar für Trumps Wahlkampf gespendet hat.
Es wird also Zeit, den Blick auf andere Plattformen zu werfen, die dein Jurastudium auf ein neues Level haben können.
1. Perplexity
Auf den ersten Blick unterscheidet sich Perplexity optisch kaum von ChatGPT. Anders als ChatGPT basiert die KI aber auf vielen verschiedenen Sprachmodellen. Während ChatGPT als Kommunikationstool oft lange Dialoge mit seinen Nutzern hält, ist Perplexity als Recherchetool darauf ausgelegt, kurze Antworten mit der Angabe von Quellen zu geben.
Besonders praktisch: Die KI hat einen Suchmodus namens “Lerne Schritt für Schritt”, in der sie Sachverhalte detailliert erklärt. Die KI kann dir zudem Quizzes erstellen, indem du dein Wissen überprüfen und den Schweregrad der Fragen anpassen kannst.
2. Notebook LM
Ich wünschte, dieses Tool hätte es schon viel früher gegeben – ich hätte Unmengen an Zeit gespart! Bei Notebook LM kannst du dir Dokumente oder Suchanfragen als Audio, Video, Mindmap, Bericht oder Karteikarte zusammenfassen lassen. Die Qualität der Unterlagen überzeugt, insbesondere die Audiodateien sind von Lernpodcasts kaum zu unterscheiden. In der Bezahlversion gibt es zudem die Möglichkeit, Infografiken und Tabellen zu erstellen. Die App verlinkt außerdem, welche Quellen sie als Grundlage benutzt.
Besonders praktisch: Mit der KI kannst du in kürzester Zeit Lernmaterialien erstellen, die auf dich und deinen Lernstil zugeschnitten sind.
3. Beck-Chat
Die KI von beckonline ist ein guter Startpunkt für eine Recherche. Sie benutzt nur Quellen, die auf der Plattform existieren und verlinkt diese. Allerdings lohnt es sich, die Quellen zu prüfen, denn bei besonders seltenen Fragen liest die KI Dinge in ihre Quellen hinein, die dort nicht unbedingt stehen. Für die klassischen Fragen aus dem Studium, zu denen viel Literatur existiert, eignet sie sich jedoch allemal.
Besonders praktisch: Du findest in kürzester Zeit eine Menge zitierfähiger Fundstellen aus dem deutschen Recht – ein Gamechanger für Haus- und Seminararbeiten.
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Über das Jurastudium gibt es so manche (Vor-)Urteile. Spielt man ernsthaft mit dem Gedanken, Jura zu studieren, stößt man zweifelsohne auf den ein oder anderen Mythos. Vor allem sein Ruf als trockenes, lernintensives und mit enormen Belastungen verbundenes Studium eilt Jura voraus. In diesem Beitrag geht unsere Autorin Lea den hartnäckigsten Klischees auf den Grund.
Wie toll es doch wäre, wenn tatsächlich alles im Gesetz stünde. Das hätte mir unzählige Stunden des Auswendiglernens von Streitständen erspart. Tatsächlich ist es aber so, dass die abstrakt-generellen Normen, d.h. Vorschriften die auf unzählige Fälle anwendbar sind, teils auslegungsbedürftig sind. Nur so gelingt es in der Rechtsanwendung „gerechte“ Lösungen zu finde.
In der Konsequenz bedeutet es dann aber auch, dass es verschiedene Interpretationsmöglichkeiten mit entsprechenden Argumentationen gibt. Je weiter man in der juristischen Ausbildung voranschreitet, desto leichter mag es einem fallen, diese Interpretationen selbst zu entwickeln. Bis dahin bleibt einem aber selten etwas anders übrig, als die bestehenden Meinungen auswendig zu lernen. Der Gesetzeswortlaut an sich ist dafür zwar eine gute Grundlage, aber meist nicht ausreichend. Nicht grundlos dürfen im Zweiten Staatsexamen Kommentare bei der Bearbeitung der Klausuren verwendet werden.
Im Ergebnis kommen wir JuristInnen mit dem Gesetzestext allein ungefähr so weit, wie die NaturwissenschaftlerInnen mit dem angedruckten Periodensystem.
2. Jura ist furchtbar trocken
Wohl DIE Aussage über das Jurastudium ist, dass es super trocken ist. Ehrlich gesagt, weiß ich bis heute nicht so genau, was damit eigentlich gemeint ist. Bezieht man es darauf, dass man viel Theorie und (vermeintlich) abstrakte Streitstände lernt, so mag das wohl sein. Doch die Streitstände sind typischerweise der Praxis entsprungen oder ihr zumindest angelehnt, weil sie im Rahmen eines realen Sachverhaltes aufgetaucht sind. Auch steht durch die Bearbeitung von Fällen und der Erstellung von Gutachten als Prüfungsleistungen stetig die Anwendung der Gesetze und des juristischen Handwerkzeugs im Vordergrund.
Die Vermittlung von theoretischem Wissen steht zwar im Mittelpunkt des Studiums. Den Vorwurf es sei so „trocken“, könnte man dann wohl jedoch an jedes beliebige Studienfach richten, da dies charakteristisch für das Studieren an sich ist. Der großen Unterschied zum Jurastudium könnte jedoch in der Masse an Stoff liegen, die man im Laufe des Jurastudiums zu bewältigen hat.
3. Nur mit Prädikatsexamen kann man Karriere machen
Auch der Mythos, dass man nur mit einem Prädikat, d.h. mindestens 9 Punkten im Examen, Karriere machen kann, hält sich wacker. Die Durchschnittsergebnisse beider Examina zeigen aber deutlich, dass das in der Praxis faktisch nicht (mehr) so ist. Und auch der stetige „Juristenmangel“ – durch Pensionierungswellen und demographischen Wandel – tut sein übriges dafür, dass man „auch“ mit einem Examen unterhalb des Prädikats eine breite Auswahl auf dem Arbeitsmarkt und damit zur beruflichen Selbstverwirklichung hat. Die Aussage, dass man entweder Taxifahrer oder reich wird, ist tatsächlich nur ein Mythos. Dies dürfte hoffentlich dem ein oder anderen den Druck hinsichtlich der Examensnote etwas nehmen.
4. Jurastudierende sind EinzelkämpferInnen
Irgendwann im Studienverlauf hört man davon, dass Hausarbeiten geklaut, Zeitschriften versteckt oder Seiten herausgerissen werden. Wie viel da tatsächlich dran ist oder ob es zu großen Teilen nur Urban Legends sind, lässt sich schwer sagen. Jedoch bilden sich schon früh im Studium Freundschaften oder auch Lerngruppen. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass wenn man die für sich „richtigen“ KommilitonInnen gefunden hat, man sich gegenseitig unterstützt und motiviert. Sicherlich mag es den ein oder anderen Studierenden geben, der egozentrisch sein mag, doch auch das ist kein Alleinstellungsmerkmal für JuristInnen.
Auch die Vorstellung, dass man extrem intelligent sein oder ein einser Abischnitt haben muss, um das Examen zu bestehen, hält sich beständig.
Wer diesen Schnitt erreicht hat, hat zwar bereits in der Schule gezeigt, dass er oder sie diszipliniert viele Themenbereiche erarbeiten kann. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass das ein Garant oder gar die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Jurastudium ist. Jura ist ein Marathon, bei dem man sich über Jahre stetig bereit gefächertes Wissen aneignet. Dafür braucht es vor allem Durchhaltevermögen und hohe intrinsische Motivation. Auch ein Schüler, der sein Abi mit einer Null-Bock-Einstellung bestanden hat und dann aber seine Leidenschaft für Jura entdeckt, wird das Studium (besser) meistern können, als ein/e AbiturientIn mit einem Schnitt von 1,0.
6. Mut zur Lücke
Allein die im Studium und Examen vorausgesetzte Stoffmenge sorgt dafür, dass es faktisch unmöglich ist, alles im Detail zu beherrschen. Folglich ist es unverzichtbar, schon früh den Stoff zu priorisieren und herauszufinden, was „relevant“ ist. „Mut zur Lücke“ als Motto im Studium ist daher meiner Ansicht nach Interpretationssache. Versteht man es so, dass man sich Themen gar nicht anschaut, kann man damit ziemlich auf die Nase fallen. Beherzigt man es jedoch, indem man nicht allzu streng mit sich selbst ins Gericht geht und es als in der Natur der Sache liegend ansieht, dass man nicht alles gleich gut können kann, kann es ein gesunder Weg sein, mit den Erwartungen und dem Druck, den das Studium mit sich bringt, umzugehen.
Fazit
Über das Jurastudium existieren weit mehr, als die hier angesprochenen Mythen. Doch wirklich viel, scheint an diesen nicht dran zu sein. Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst entscheiden, wie er sich das Studium gestaltet, und damit auch, wieweit eines dieser Mythen auf ihn oder sie und sein oder ihr Studium zutrifft.
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Einen Doktorvater, bzw. eine Doktormutter zu finden, ist oft gar nicht so einfach. Unsere Autorin Lea hat für dich einen Fragebogen entwickelt, anhand dessen du herausfinden kannst, welche Art der Betreuung für dich die richtige ist.
Neben der Entscheidung deines konkreten Promotionsthemas, ist die Wahl für eine Betreuungsperson entscheidend. Sie kann nicht nur über die Note, sondern auch das Gelingen oder gar Scheitern der Promotion entscheiden.
Umso maßgeblicher ist es, die vermeintlich richtige Wahl für das Betreuungsverhältnis zu treffen.
Den wohl häufigsten Tipp, den ich dazu bekommen habe, war, dass ich mit den wissenschaftlichen Mitarbeitenden oder DoktorandInnen sprechen soll.
Dieser Rat hat mir ehrlich gesagt gar nicht weiter geholfen. Entweder weil ich selbst an dem Lehrstuhl gearbeitet und so einen verhältnismäßig guten Einblick hatte, wie die Betreuung so abläuft. Oder aber meine favorisierte/r Doktormutter bzw. -vater so weit weg war, dass ich weder wusste, wie ich mit den Doktorand:innen in Kontakt kommen sollte, noch ob sie mir eine ehrliche Antwort geben würden.
Mittlerweile habe ich mich für eine Betreuung entschieden und bin dabei nach meinem Bauchgefühl gegangen. Jetzt als Teil dieser neuen Welt der DoktorandInnen – die ich zugegebenermaßen ziemlich glorifiziert hatte im Vorfeld – kann ich sagen, dass das passende Betreuungsverhältnis stark vom individuellen Arbeitsstil geprägt ist.
Es gibt nicht das perfekte Betreuungsmodell, sehr wohl aber das passende für dich!
Der Beitrag soll dir helfen ein Gespür dafür zu bekommen, welches am ehesten zu dir passen könnte.
Arten von Betreuungsmodellen
Jede Betreuung ist individuell und nicht nur von Doktormutter oder – vater abhängig, sondern entscheidend auch vom Betreuten. Pauschale Betreuungsmodelle lassen sich daher nur schwer festmachen. Jedoch gibt es grobe Leitlinien anhand derer man die Betreuungsmodelle unterscheiden kann:
1. Die „lockere“ Betreuung
Die „lockere Betreuung ist geprägt durch viel Freiraum, wenig Treffen und primär auf Eigenständigkeit des Promovierenden ausgelegt.
2. Die „engmaschige“ Betreuung
Die „engmaschige“ Betreuung ist das genaue Gegenteil. Sie zeichnet sich durch regelmäßige, zeitnahe Treffen mit konkrete Zwischenzielen aus. Der Einfluss des Betreuenden auf Inhalt und Stil ist dementsprechend höher.
3. Die „strukturierte“ Betreuung
Die „strukturierte“ Betreuung ist die goldene Mitte aus „lockerer“ und „engmaschiger“ Betreuung. Es erfolgen regelmäßige Treffen mit Feedback, es werden Zwischenziele gesetzt und Angebote für Nachfragen gemacht. Jedoch nicht in der Intensität wie beim „engmaschigen“ Modell.
Mache jetzt den Selbsttest welcher dieser Betreuungsmodelle am besten zu dir passen könnte. Antworte möglichst spontan und aus dem Bauch heraus. Vielleicht helfen dir ja deine Erfahrungen aus der Seminararbetszeit bei der Beantwortung.
1. Wie gehst du mit Motivationstiefs um? A) Ich habe genug intrinsische Motivation um selbst wieder reinzufinden B) Ich brauche einen kleinen Impuls von außen C) Ich baue eine innere Hürde auf und breche extrinsische Motivation
2. Wie gehst du mit Unsicherheiten um? A) Gut – sie kurbelt meinen Selbstanspruch an B) Ich halte sie aus, brauche aber ab und zu Bestätigung oder einen Denkansatz C) Unsicherheiten hemmen mich und sorgen für (Schreib-)blockaden
3. Wie wichtig ist dir Bestätigung, dass dein Ansatz „richtig“ ist? A) Eher unwichtig B) Wichtig, aber nur bei grundsätzlichen Entscheidungen C) Sehr wichtig
4. Wie gehst du mit widersprüchlichen Meinungen zu einer Entscheidung um? A) Ich bleibe bei meiner Ansicht B) Ich erwäge die andere Meinung und entscheide mich für das, was im am sinnvollsten finde C) Ich brauche eine Zweitmeinung, um nicht verunsichert zu sein
5. Wie wichtig ist dir regelmäßiges Feedback? A) Nicht wichtig. Ich arbeite lieber frei und ungestört von Meinungen anderer B) Wichtig, aber entscheidend ist, dass ich für die zentralen Punkten Feedback bekomme C) Regelmäßiges Feedback ist mir sehr wichtig bei allen Schritten
6. Wie wichtig ist dir Erreichbarkeit der Betreuungsperson? A) Lege ich kaum wert drauf. Hauptsache eine Rückmeldung kommt noch innerhalb des Quartals B) Eine zeitnahe Rückmeldung und Möglichkeit für Gespräche ist mir wichtig C) Eine Rückmeldung möglichst noch am selben Tag ist für meine Weiterarbeit zentral
Auswertung
Überwiegend A: Du arbeitest gern möglichst frei und selbstständig. Meinungen von außen hemmen dich eher. Zu dir passt eine „zurückhaltende“ Betreuung vermutlich am besten.
Überwiegend B: Du brauchst sowohl deine Freiheiten, als auch eine lenkende Hand an den richtigen Stellen. Eine „strukturierte“ Betreuung dürfte für dich passen.
Überwiegend C: Du bist von zu viel Freiheit überfordert, brauchst viel Feedback und Rückversicherung. Deshalb scheint ein „engmaschiges“ Betreuungsmodell dich am effektivsten zu unterstützen.
Fazit
Es gibt nicht das eine Betreuungsmodell, sondern es sollte auf dich und deine Bedürfnisse zugeschnitten sein. Meist lässt sich das, worauf man Wert legt, erst während der Promotionszeit so wirklich benennen. Doch auch dann kannst du mit deiner gewählten Betreuungsperson noch besprechen, wie du dir die Betreuung vorstellst und ob nicht etwas abgeändert werden kann. Die Promotion ist ein individueller Prozess, der von Wandel und Entwicklung geprägt ist. Scheue dich daher nicht, Wünsche anzusprechen.
Wir freuen uns über deine Erfahrungen und Ergebnisse des Selbsttest auf Insta @goldwaage.jura.