Gerade VolljuristIn? – So findest du deinen Traumberuf

(Spoiler: Vielleicht gibt es ihn gar nicht.)

Unser Autor Robert ist in diesem Jahr Volljurist geworden. In diesem Beitrag widmet er sich den schwierigen Zukunftsfragen: Wie geht es weiter? Woher weiß ich, welcher Beruf zu mir passt? Und gibt es so etwas wie den Traumberuf wirklich?

Hand aufs Herz: Kaum hat man das zweite Examen bestanden, steht man vor der berüchtigten Gretchenfrage: „Und was machst du jetzt eigentlich?“ Als JuristIn ist die Auswahl an Berufswegen groß – Richterbank, Staatsanwaltschaft, Kanzlei, Unternehmen, Verwaltung, Politik, Wissenschaft. Klingt erstmal nach einem Luxusproblem. In Wirklichkeit ist es aber eher wie bei Netflix: Zu viele Optionen, und man weiß nie, ob man den falschen Film auswählt.

„In Wirklichkeit ist es aber eher wie bei Netflix: Zu viele Optionen, und man weiß nie, ob man den falschen Film auswählt.“

Brauche ich wirklich das zweite Examen?

Im Referendariat reißt schnell die Euphorie nach der ersten juristischen Prüfung ab und man denkt sich: „Ohne zweites Examen kannst du gar nichts machen!“ Ganz so stimmt das natürlich nicht. Aber die meisten klassischen Wege – Richteramt, Staatsanwaltschaft, und generell die Möglichkeit vor Gericht als Prozessvertreter für Mandanten aufzutreten – setzen es voraus. Wer nur das erste Examen hat, findet zwar Nischen (Legal Tech, Compliance, Wissenschaft, NGOs, Verwaltung), muss aber kreativer sein. Für mich war klar: Ich wollte mir die Türen offenhalten und besonders auch später klassisch konfliktlösend tätig werden.

Also habe ich mich durchgebissen. Aber insbesondere außerhalb des klassischen Justizdienstes ist es im öffentlichen Dienst, und teilweise auch auf dem anwaltlichen WissMit-Markt monetär egal, ob ein zweites Examen vorhanden ist. Für die Einstellung auf eine E13-Stelle ist nur ein Masteräquivalent erforderlich. Dieses liegt bereits mit dem ersten Examen vor. Das zweite Examen findet hier eher keine Berücksichtigung. Wer also von vorherein eine eher lehrende oder unterstützende Tätigkeit anstrebt, vergeudet aus wirtschaftlicher Sicht mit dem Referendariat nur Lebenszeit. 

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Justiz: Starre Strukturen – oder sichere Häfen?

Als Berufseinsteiger habe ich die Justiz oft als Synonym für eine klassische Behörde gesehen: feste Regeln, steife, hierarchische Karriereoptionen, immer dieselbe Routine. Mit der Zeit habe ich aber auch gemerkt, wie viele Vorteile das bietet: Klarheit, Sicherheit, geregelte Arbeitszeiten. Wer Familie plant, hat hier oft die besseren Karten. Die formalistische Kultur beginnt hingegen bereits mit der notenfixierten Einstiegshürde. Wenn man diese genommen hat, hat man entgegen der Kanzleiwelt eher wenig Einfluss auf die fachliche Ausrichtung, allenfalls der Rahmen von StA, Fach- oder ordentlicher Gerichtsbarkeit kann sich festgelegt werden. Wer berufliche Selbstverwirklichung wichtig findet, kommt hier vielleicht schnell an einen Punkt des Desinteresses, wobei die Verwaltungen regelmäßig versuchen, Wünsche zu berücksichtigen. Gerüchte wie: „Als junge/r RichterIn am VG macht man doch immer nur Asylsachen“ halten sich aber wohl nicht ganz ohne Grund hartnäckig. 

Wenn man aber abstrakter nur mit dem Ziel der Rechtspflege beginnt, findet man spätestens mit der Ernennung auf Lebenszeit einen Arbeitsplatz, den man ohne wirtschaftliche Ängste mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung gestalten kann. Positiv ist hierzu anzumerken, dass man quasi ab Tag eins als Richter eine Möglichkeit zum eigenverantwortlichen Arbeiten hat, die wohl einzigartig ist. Sowohl in der Arbeitszeiteinteilung, der Möglichkeit zum Homeoffice und der letztlichen Entscheidung des Streits ist man so frei wie wohl kein Associate in Kanzleien. Einziges Manko: Wenn man von Vergleichsverhandlungen absieht, hat man nur wenig Möglichkeit, wirklich gestaltend an Projekten tätig zu werden. 

Abschließend zum Gehalt: Gerade abseits der klassischen (juristischen) Ballungsräume ist eine R1-Besoldung so ziemlich das attraktivste, was man als Einsteiger mitnehmen kann. Berücksichtigt man das erheblich größere Netto im Staatsdienst (und langfristig die sichere und durchaus üppige Pension) kann das Gehalt durchaus mit dem von mittelständischen Kanzleien mithalten, die vermutlich nominell das Gros der AssessorInnen anstellen. Der wirkliche wirtschaftliche Vorteil der freien Wirtschaft dürfte sich hier regelmäßig erst nach mehreren Berufsjahren einstellen, da das Karriereende im Justizdienst regelmäßig mir der ersten Beförderung zu R2 erreicht sein dürfte und dann nur noch Erfahrungsstufen hinzukommen. 

Kanzleiwelt: Vielfalt mit Preisetikett

Die Kanzleiwelt hat mich anfangs fasziniert – die schicken Büros, die spannenden Mandate, das Prestige. Aber natürlich hat das Ganze seinen Preis: Wer in einer internationalen Großkanzlei einsteigt, verkauft einen guten Teil seiner Zeit, oft auch seine Abende und Wochenenden. Gerade als Associate ist man in der Organisation seiner Mandate und deren Art weniger frei. Auf der anderen Seite gibt es kleinere Kanzleien, in denen man schneller Verantwortung übernehmen kann und der Chef nicht fragt, ob man heute wieder um 19 Uhr geht.

Die Vielfalt ist riesig – aber man sollte sich nicht blenden lassen. Ich musste mir irgendwann ehrlich eingestehen: Reizvoll ist das Prestige, aber will ich dafür dauerhaft meine Freizeit opfern? Neben der Mandatsarbeit (den sog. Billable Hours, bzw. der Zeit, die man nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz investieren will, wenn der Stundenlohn noch passen soll) steht für AnwältInnen als „freier Beruf“ ein gutes Pensum an organisatorischen Tätigkeiten auf dem Programm, spätestens wenn man leitende Funktionen in der Kanzlei übernimmt. Auch wollen die Mandate erst mal beschafft werden. Ob das lästig und sozial anstrengend ist, oder man in Abendgarderobe bei Canapés auf Firmenfeiern erst richtig aufblüht ist natürlich höchst individuell. 

Nicht zu vergessen ist auch, dass wie oben erwähnt das Gehalt eine ziemliche Bandbreite darstellt. Von 4000 € in kleinere Kanzleien bis zu den berüchtigten sechsstelligen Jahresgehältern ist alles dabei. Ob man letztere erreicht, hängt letztlich viel an den Noten und der eigenen Leistungsbereitschaft, wenn man die Großkanzlei denn überhaupt anstrebt. Für alle Anwälte gleich sind aber Nebenkosten in Form von Pflichtversicherung, Kammerbeiträgen und beA-Gebühren, die regelmäßig neben den Beiträgen zum Versorgungswerk (der kammereigenen Rentenversicherung) zu entrichten sind und das Einkommen noch einmal mindern können. Bezüglich der oben angesprochenen Rentensicherheit bei Richtern und Beamten sei aber auch hier angemerkt, dass auch das Versorgungswerk regelmäßig mehr im Alter auszahlt als die für unsere Generation eher ungewisse gesetzliche Rente.

Werte, Werte, Werte

Je mehr Gespräche ich geführt habe, Eindrücke im Referendariat sammelte und mir mit Freunden bei einem Glas Wein den Kopf zerbrach, desto klarer wurde mir: Am Ende geht es nicht nur um Titel oder Gehalt, sondern darum, was mir persönlich wichtig ist. Insbesondere zeigte einem jede Station im Ref, dass jedes Berufsbild etwas für sich, aber immer auch seine Mankos hatte. Das Gefühl, dass das Gras anderswo immer grüner ist, wird einen vermutlich nie ganz loslassen, wenn man einmal reflektiert, was man nach der langen juristischen Ausbildung die nächsten 40 Jahre so machen will. 

Ich habe gemerkt: Meine Werte verschieben sich. Was mir direkt nach dem ersten Examen wichtig war (Karriere, Auslandsmandate), hat ein paar Jahre später nicht mehr dieselbe Priorität. Das ist okay. Die berühmte „eine richtige Entscheidung“ gibt es nicht. 

Mein Fazit nach einigen Umwegen

Den „Traumberuf“ gibt es nicht fertig verpackt. Es gibt nur meinen eigenen Mix aus Sicherheit, Freiheit, Geld, Sinn und Nähe zu den Menschen, die mir wichtig sind. Gerade lockt mich die große Stadt, gleichzeitig genieße ich das Landleben sehr und tanke Kraft im Grünen. Und ja, ich habe Jobs ausprobiert, die nicht gepasst haben – aber genau daraus habe ich gelernt. Jura ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon.

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Man darf die Richtung unterwegs ändern – und vielleicht ist genau das der eigentliche Traum. Die Bandbreite an juristischen Berufen kann erschlagend wirken. Aber letztlich ist sie für mich der wahre Preis der langen und mühseligen Ausbildung. Wir leben nicht mehr in dem Arbeitsmarkt unserer Eltern mit „dem Job für’s Leben“. Auch wenn Wechsel zwischen Justiz und Anwaltschaft etwas kompliziert sind, unmöglich sind Sie nicht.

Probiert euch aus, wenn sich etwas richtig anfühlt. Wenn es dass nach ein paar Jahren nicht mehr tut, habt den Mut weiterzuziehen. Denn Jura lebt von der Arbeit mit Menschen und Lebenssachverhalten, und die unterschiedlichen Erfahrungen machen euch eher zu besseren JuristInnen. Lebenslanges Lernen ist eine Realität, und jeder gute Arbeitgeber sollte das mittlerweile auch zu schätzen gelernt haben. 

Bist du der Imposter? Das Imposter-Syndrom im Jurastudium

„Bald fliegt auf, dass ich eigentlich gar nichts weiß oder kann“ – Ein Gedanke, den viele Jurastudierende kennen und der auch nach dem absolvierten ersten Staatsexamen nicht unbedingt verschwindet. Unsere Autorin Sophia hat das sogenannte Imposter-Syndrom für euch von ganz verschiedenen Seiten beleuchtet.

Wer ist der Imposter? Diese Frage stellt sich aktuell ganz Tik Tok. Aber worum geht es bei diesem Trend?

Mehrere Personen sitzen in einem Raum und erhalten einen Begriff. Runde für Runde nennt nun jeder einen weiteren Begriff, der thematisch mit Diesem verwandt ist.

Doch Vorsicht – eine Person im Raum ist der sogenannte Imposter. Diese weiß nicht, um welchen Begriff es sich handelt. Sie hat schlichtweg keine Ahnung, muss sich dennoch unauffällig verhalten und anhand der bereits genannten Begriffe, einen eigenen nennen, um nicht von der Gruppe als Imposter enttarnt zu werden. 

Aber was ist ein Imposter eigentlich?

Der Begriff Imposter kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt Hochstapler.

Und was hat das Ganze jetzt mit dem Jurastudium zu tun?

Vielleicht hast du schon mal vom sogenannten Imposter-Syndrom oder auch Hochstapler-Syndrom gehört. Laut den EURES (EURopean Employment Services) handelt es sich hierbei um ein Phänomen, bei welchem sich Betroffene trotz ihres (beruflichen) Erfolgs unzulänglich fühlen und das Gefühl haben, ihren Erfolg nicht zu verdienen bzw. nicht so begabt, wie andere zu sein. 

Nina Chuba setzt sich in ihrem Song „Unsicher“ mit eben diesen Gefühlen des Selbstzweifels und der Orientierungslosigkeit von jungen Erwachsenen auseinander. 

Sie singt:

„Ich greife nach den Sternen und wenn ich’s schaff, dann nenn‘ ich’s Glück.“

Und das beschreibt es ziemlich treffend. 

Betroffene des Imposter-Syndroms glauben, ihren Erfolg dem Zufall zu verdanken zu haben und irgendwann als BetrügerIn entlarvt zu werden. 

Vermutlich hast du derartige Gedanken im Laufe deines Studiums auch schon mindestens einmal gehabt.

Kein Wunder – das Jurastudium hat so einiges zu bieten, was dieses Gefühl fördert: 

Die juristische Notengebung. Ständig „leider nur 3 Punkte“ und keine sichtbare Steigerung, umso größere Freude bei 4 von 18 Punkten und das pure Misstrauen gegenüber der eigenen Leistung, wenn plötzlich einmal die 9 Punkte oder mehr unter der Klausur stehen. „Ist das wirklich meine Klausur oder liegt hier ein Fehler vor?“

Auch die Randbemerkungen der Korrektoren wie „Nein“, „Grob falsch“ oder kurz und knapp „???“, sowie kaum Verbesserungsvorschläge fördern das eigene Selbstvertrauen wohl kaum. Ganz im Gegenteil.

Hinzu kommen das enorm hohe Konkurrenzniveau und der ständige Vergleich mit anderen Jurastudierenden. 

Es ist und bleibt nun einmal so: Noten spielen weiterhin eine wichtige Rolle im Hinblick auf die eigene juristische Zukunft (auch wenn Notenanforderungen, beispielsweise für eine Karriere in der Justiz vielerorts zunehmend immer weiter abgesenkt werden). 

Im Studium werden wir ständig allein anhand unserer Noten mit anderen Studierenden verglichen, ob wir es wollen oder nicht. 

Was kannst du also tun, um dem Imposter-Syndrom entgegenzuwirken?

Sprich mit anderen Jurastudierenden. Schnell wirst du merken, diese Gefühle treten früher oder später bei fast jedem von ihnen einmal auf – unabhängig davon, ob sie konstant „gute“ Noten schreiben oder regelmäßig Rückschläge erleben. 

Feiere deine Erfolge also. Und zwar nicht nur die großen. Du hast endlich das eine Problem durchdrungen? Du hast die Zwischenprüfung geschafft? Du hast das erste Mal eine Klausur im Klausurenkurs für’s Examen mit „knapp 4 Punkten“ bestanden? All das sind deine ganz eigenen Erfolge und nicht etwa nur Glück. 

Auch das Gespräch mit Nicht-Juristen hilft oft. Bewegst du dich zu sehr in der Jura-Bubble verlierst du schnell den Bezug zur Realität vor lauter Leistungsdruck. Da hilft es manchmal, durch Freunde oder Bekannte wieder zurück auf den Boden der Tatsachen gebracht zu werden. (Obwohl diese nicht selten selbst im beruflichen Umfeld vom Imposter-Syndrom betroffen sind).

Was mir Persönlich außerdem sehr hilft, ist ein Jahresrückblick. Ich versetze mich in mein Ich von vor einem Jahr hinein und frage mich: Wo stand ich heute vor einem Jahr und was habe ich seitdem eigentlich alles erreicht? Und ich sage dir, da kommt eine ganze Menge zusammen, die man schnell als selbstverständlich abtut. Das Jahr besteht aber aus vielen kleinen und großen Erfolgen, auf die wir stolz sein sollten. Wenn es dir hilft schreib dir diesen Jahresrückblick zusätzlich auf, damit du dir deine Erfolge bei Bedarf immer wieder in Erinnerung rufen kannst. 

Von uns Jurastudierenden wird viel Können erwartet aber egal in welchem Stadium deines Studiums du auch gerade steckst, ruf dir in Erinnerung: du kannst bereits verdammt viel!

Um mit einem weiteren Song-Zitat aus meiner Motivations-Playlist abzuschließen:

„Glück nie verwechseln mit Können aber dein Können niemals anzweifeln.“ (Kontra K – „Erfolg ist kein Glück“)

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Wie du in 5 Schritten zu einem schrecklichen Studium gelangst

Du hast den ständigen Optimismus, der ja bekanntlich im Jurastudium vorherrscht, so richtig satt? Du hast genug vom andauernden Hang zur Selbstoptimierung? Dann habe ich heute etwas für dich – 5 Tipps, wie das Studium mit Sicherheit enorm belastend und stressig wird.

Einzelkampf

Das Studium ist, wie das Leben, ein Spiel – und Spiele hat man zu gewinnen. Wer möchte schon auf dem zweiten Platz stehen. Mache nicht den Fehler zu denken, dass das Studium ein Teamsport sei und man von Zusammenarbeit profitieren könnte. Streiche das Wort “KommilitonIn” aus deinem Wortschatz und ersetze es durch “KontrahentIn”. Mache dir bewusst: alles, was anderen zu Gute kommt, geht dir zulasten. Daher ist es auch essentiell, dass du dich nicht für Erfolge anderer freust.

Nutze taktische Züge wie das Verstecken von Büchern, bewusste Verunsicherungsmanöver gegenüber deiner Kontrahenten oder bewusste Desinformationskampagnen, um dir einen Vorteil zu verschaffen. Am Ende zählt nur der Sieg.

Photo by Steve on Pexels.com Werde zum einsamen Jurawolf – eine Erfolgsgarantie

Go with the flow

Planung ist etwas für Anfänger. Aber du bist ein Macher. Bei der aktuellen Verfassung der Weltpolitik ist Planung ohnehin nur eine Illusion, daher vermeide diesen Mehraufwand und lass dich stattdessen vom Leben in die richtige Richtung weisen. Die besten Situationen ergeben sich ohnehin spontan. Dann und wann eröffnen sich ungeahnte Türen, hinter denen sich gute Noten, spannende Praktikumsplätze und kostenlose Auslandssemester verbergen – du musst nur den richtigen Moment abwarten.

Ratschläge tunlichst befolgen

Das Gefährliche am Studium ist, dass du – obwohl du dir als Einzelkämpfer schon viele Vorteile verschafft hast – gelegentlich weniger Erfahrung hast als die anderen. Das kannst du zum Glück kompensieren, indem du alle Tipps und Ratschläge aus deinem Umfeld gnadenlos befolgst.

Wichtig ist hierfür, dass du allen Hinweisen die gleiche Bedeutung beimisst. So mancher Studierende im ersten Semester hat mehr Lebenserfahrung als eine Juraprofessorin. Aber auch deine Eltern, Verwandte dritten Grades, Studierende aus höheren Semestern oder anderen Fachrichtungen wissen mehr als du. Deswegen tu, was sie sagen. Falls du das Gefühl hast, noch immer nicht genug Tipps bekommen zu haben, mache dir die sozialen Medien zunutze, ein wahrer Quell der ungebetenen Ratschläge. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich Tipps mal widersprechen, probiere sie zu kombinieren und nutze dir Kraft der Verunsicherung, sie treibt dich zu Höchstleistungen an.

Analysiere und vergleiche (dich)

Vergleichen ist ein kraftvolles Werkzeug, nein besser, eine Geheimwaffe. Nur durch das ständige Abgleichen mit den Erfolgen, den Noten, den Lebensumständen deiner KontrahentInnen merkst du, wo du tatsächlich stehst (und das ist im Regelfall an einem für dich schlechten Punkt). Das tolle am Vergleich ist, dass du ihn auf wirklich jeden Lebensbereich ausdehnen kannst. Beziehe deswegen auch Faktoren wie sportliche, finanzielle und familiäre Erfolge in die Erhebung deiner Vergleichsstatistik mit ein.

Nutze jede Gelegenheit um zu überprüfen, ob du besser oder schlechter abgeschnitten hast als deine KontrahentInnen. Falls du etwas gut gemacht hast, ruhe dich unter keinen Umständen auf deinem Erfolg aus, sondern führe dir vor Augen, in welchen Bereichen du noch Defizite hast.

Der Tellerrand als natürliche Grenze

Die Welt braucht Spezialisten und keine Generalisten. Suche dir deswegen zu Beginn des Studiums deine Fachrichtung und deinen Karriereweg und beschreite ihn kompromisslos. Falls du währenddessen ein aufkeimendes Interesse an anderen Fächern oder Berufsoptionen verspürst – unterdrücke es, es wird von alleine verschwinden.

Mache dir immer wieder deutlich, dass man als fertiger Jurist genau drei Berufsoptionen hat: Anwalt/ Anwältin, RichterIn oder Staatsanwalt/ Staatsanwältin.

Lasse dich deswegen von anderen nichtjuristischen Interessen nicht ablenken. Die einzigen Vorlesungen die du besuchst – juristische. Die einzigen Bücher die du liest – juristische. Die einzigen Freunde, die du behalten solltest – Jurastudierende. Ich denke, das Prinzip wird klar.

Welche weiteren Tipps hast du, für ein schreckliches Studium? Schreib mir gerne, aber bedenke: ein guter Einzelkämpfer / eine gute Einzelkämpferin behält Hinweise, die einen Vorteil verschaffen, für sich.

4 Dinge, die du tun kannst, um Stress im Studium zu reduzieren (Examensvorbereitungsedition)

Aus gegebenem Anlass habe ich die letzten Wochen und Monate viel darünber philosophiert und ausprobiert, wie ich Stress im Alltag reduzieren kann. Ich bin sicher nicht 24/7 Yoga-Lehrer-entspannt, aber ich habe einige Stellschrauben gefunden, mit denen man Stress und Druck reduzieren kann. Diese will ich im heutigen Post mit dir teilen.

1. Zeit-Tracking vermeiden

Viele Jahre lang war die beliebte App “Forest” mein treuer Begleiter. Die App sperrt dein Handy, während du lernst und pflanzt in der Zeit einen virtuellen Baum. Sehr süß, das gebe ich zu. Allerdings trackt die App auch die Stunden, in denen du lernst; bzw. in denen dein Handy gesperrt ist. Für Leute wie mich, die sich unverhältnismäßig viel an solchen kleinen Ziffern aufhängen, ist das Segen und Fluch zugleich. Anfangs war es für mich einfach nur eine Motivation, eine bestimmte Zeit zu erreichen. Vor einigen Monaten wurde diese “Nettolernzeit”, wie sie in Studygrammerkreisen gerne genannt wird, jedoch ein enormer Stressfaktor für mich.

Es war möglich, dass ich einen sehr produktiven Lerntag hinter mir hatte, an dem ich einiges wiederholt und verstanden hatte – aber gestresst war, weil auf der Uhr nur eine bestimmte Lernzeit stand. Ein klassischer Fall von Quantität vor Qualität.

Irgendwann hatte ich die Nase davon voll, meine Lernerfolge in solch wenig aussagekräftigen Zahlen zu messen – und habe die App deinstalliert. Seitdem bin ich viel entspannter.

Ich setze mir stattdessen Tagesziele, mit Inhalten, die ich an einem Tag verstehen will. Oder nutze Study-with-me-Videos auf Youtube, um mich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren. Das funktioniert auch sehr gut und stellt Lernqualität vor -quantität.

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2. Bewusst Gesprächsthemen meiden

“Lass mal grade nicht drüber reden”, ist ein Satz, den ich eigentlich selten benutze. In den letzten Monaten, hört man ihn mich jedoch öfter sagen. Denn die sechs kleinen Wörtchen lassen sich sehr universell einsetzen (Lass mal grade nicht über [potenzielle Examensergebnisse/ Staatshaftungsrecht/ Nettolernzeiten/ Referendariatsplätze…] reden).

Ich unterhalte mich eigentlich gerne über das Studium (ich weiß, total überraschend für jemanden mit einem Blog darüber) aber bestimmte Themen lösen in mir momentan bestenfalls Stress, schlimmstenfalls Frust aus. Viele Dinge, über die in meinem Umfeld ständig geredet wird, kann ich derzeit einfach noch nicht abschätzen. Woher soll ich wissen, wo ich mein Referendariat mache, wenn ich noch nicht mal weiß, ob ich mein Examen bestehe? Viele dieser Entscheidungen sind von unglaublich vielen Faktoren abhängig; andere schon zigfach besprochen. Zu vielen Themen mache ich mir gerade ausgiebig selbst Gedanken – mache davon möchte ich bequatschen, über andere muss ich mir erst selbst Klarheit verschaffen.

Daher möchte ich an der Stelle wärmstens Empfehlen, die sechs Zauberwörter auch mal auszusprechen, wenn du ein Gesprächsthema rund ums Studium gerade nicht mehr hören kannst.

3. Ausgleich, Ausgleich, Ausgleich

One more time for the people in the back… Ausgleich ist alles. Dein Hirn, dein Körper und dein Umfeld werden es dir danken, wenn du regelmäßig Pausen und Abwechslung in deinen Alltag einbaust. Das kann alles sein: Lesen, Sport, Freunde, Familie, Ausflüge, Kino, Museum – die Möglichkeiten sind endlos. Ich bin regelmäßig überrascht, wie viel Motivation ich nach einem entspannten Wochenende habe und wie viel man in kurzer Zeit erleben kann.

4. Nicht alle Tipps befolgen (auch nicht meine)

Wenn ich jeden Ratschlag befolgen würde, den mir mein Umfeld in Bezug auf die Examensvorbereitung gegeben hat, bräuchte meine Woche 10 statt 7 Tagen. Karteikarten lernen, Rep vor- und nachbereiten, ganze Klausuren lösen, Teile von Klausuren lösen, Klausuren skizzieren, sich mit der Lerngruppe treffen, Mindmaps malen, Zeitungsartikel lesen, eigene Skripte schreiben, auf jeden Fall mit Lehrbüchern lernen, auf keinen Fall mehr mit Lehrbüchern lernen, Podcasts hören, Schemata vorm Schlafengehen wiederholen…

Das einzige, was gegen diese Flut an nett gemeinten – und teilweise auch wirklich hilfreichen – Ratschlägen hilft, ist: eine eigene Routine finden. Mir hat es sehr geholfen, in den ersten Monaten zu evaluieren, was gut für mich funktioniert und dann dabei zu bleiben. Klar modifiziere ich hin- und wieder ein paar Dinge, aber die Säulen meiner Lernroutine sind die selben. Wenn ich dann den vierzigsten Lerntipp bekomme, weiß ich, dass ich diesen nicht noch in meinen Lernalltag einbauen muss. Ich bin mir sicher, dass beim Lernen viele Wege nach Rom führen und jeder Studierende für sich rausfinden darf, was ihm oder ihr gefällt.

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Alles was du über Reisen im Jurastudium wissen musst

Hast du Angst, dass deine Reiseleidenschaft im Jurastudium zu kurz kommt? Mir ging es zu Beginn des Studiums genau so – dabei ist es ein absoluter Irrglaube, dass man im Jurastudium keine Zeit für Urlaub und Reisen hat.

In diesem Post erkläre ich dir, wie ich meine (durchaus großen) Reisen im Studium geplant und finanziert habe.

Ist im Jurastudium Zeit für Reisen? Hat man im Jurastudium überhaupt Zeit, zu reisen oder Urlaub zu machen? Die Antwort darauf ist ein ganz klares JA.*

Ich kann dir das auch ganz einfach vorrechnen. Die Semesterferien – entschuldige, ich meine natürlich die vorlesungsfreie Zeit – geht im Sommer durchschnittlich drei Monate. Wer einen Monat Hausarbeit schreibt, dann einen Monat ein Praktikum absolviert, hat danach theoretisch also noch einen ganzen Monat zum Reisen.

Die Variablen sind hier natürlich austauschbar – und einen Monat lang zu reisen ist auch ganz schön viel, aber ich denke, du verstehst, worauf ich hinaus will.

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Planung ist das halbe Studium

Wie immer im Studium ist gute Vorbereitung hier alles. Es lohnt sich, schon früh im Studium festzulegen, welche Semesterferien eher arbeitsintensiv für dich werden und in welchen du Urlaub oder gar längere Reisen planst. Während sich Kurztrips sehr spontan unterbringen lassen, zahlt es sich aus, bei mehrwöchigen Reisen schon ein halbes Jahr mit der Planung anzufangen – nicht, dass dir kurz vor deiner Abreise einfällt, dass du ja eigentlich eine wichtige Prüfung zu absolvieren hast.

Wie finanziert man Reisen im Studium? Reisen ist bekanntlich teuer – und Studierende verfügen bekanntlich selten über viel Geld. Aber auch hier gibt es natürlich einige Stellschrauben.

  • Plane deine Reisen früh und spare über einen langen Zeitraum monatlich kleine Summen.
  • Wenn du während des Semesterzeit keine Kapazitäten für einen Nebenjob hast, arbeite einige Wochen am Stück in den Semesterferien (aber pass auf, dass du nicht zu viel verdienst und Ärger mit der Krankenkasse/ dem Steuerfreibetrag bekommst)
  • Komme bei Freunden, Familie oder Bekannten unter, um dir zumindest zwischenzeitlich Geld für eine Unterkunft zu sparen.
  • Falls du es dir zutraust, probiere kostenlose Reisemöglichkeiten wie couchsurfing oder workaway. Das ist auch eine tolle Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen.

Wovon ich abraten würde: Workation. Bei mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich das Wort höre. Die Idee, die einzig freie Zeit im Jahr noch mit Arbeit zu füllen ist doch ein Zeichen dafür, wie lange wir schon in einem Produktivitätshamsterrad laufen. Ich schweife ab. Also: wenn du nicht gerade ein unglaublich erfolgreiches Startup gegründet hast, was ohne deine Arbeit in zwei Wochen den Bach herunter geht, oder du in der Examensvorbereitung bist und täglich ein paar Karteikarten wiederholst – dann bitte lass Urlaub Urlaub sein. Nutze die Zeit zum Chillen und Auftanken. Es fördert sogar nachweislich das Konzentrationsvermögen, längere Zeit mal nichts zu tun.

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Jurastudium genießen – geht das überhaupt?

Interview Mireen Lintl: Wie kommt man gesund durchs Examen?

Mireen Lintl hat zunächst die juristische Ausbildung absolviert und sich Stück für Stück dem Coaching zugewandt. Die Nachfrage nach Nachhilfe in Lernstrategien und Stressbewältigung in Jura war so groß, dass sie 2023 das Mindset-Rep ins Leben rief. Sie will angehenden JuristInnen helfen, resilient, motiviert und mit Fokus durch die herausfordernde Studien- und Examenszeit zu kommen. Neben der klassischen juristischen Ausbildung hat sich die Prädikatsjuristin an der Coaching Akademie Berlin zum zertifizierten Personal-, Business- und Karrierecoach ausbilden lassen.

Im Interview habe ich sie – nicht ganz uneigennützig- rund ums Thema Stressbewältigung im Examen mit Fragen gelöchert.

Mireen, wieso ist es so schwer, in der Examensvorbereitung die Nerven zu behalten?

Zum einen liegt das daran, dass man über so einen langen Zeitraum lernen muss. Man kann nicht sagen, „Ich reiße mich jetzt mal zwei, drei Wochen zusammen”. Dazu kommt die hohe Stofffülle, verbunden mit dem Gefühl, dass die Zeit für den Lernstoff nicht reicht. Es wird leider immer irgendetwas geben, das man nicht abgedeckt hat.

Man kann sich das vorstellen wie eine Box, in die man mit einer Taschenlampe hineinleuchtet. Wenn man Glück hat, kann man irgendwann viele Bereiche der Box ausleuchten, aber in die allerletzten Ecken kann man nur schwer gelangen. Es wird immer irgendetwas geben, das man nicht sieht. Wenn man sich damit ein wenig abfinden kann, nimmt das eine Menge Druck.

Außerdem ist die Jurabubble nicht unbedingt für ihren gegenseitigen Support bekannt. Es herrscht oft keine gute Fehlerkultur und viele denken in Extremen – entweder man ist enorm leistungsstark oder kann es direkt vergessen. Dabei wird der individuelle Weg oft vergessen und viele Studierende glauben, sie müssten alles mit sich selbst ausmachen. Das kann nicht zuletzt zu dem klassischen Impostor-Syndrom führen, dass man Angst hat, die anderen würden bald bemerken, dass man eigentlich gar nichts kann.

Ging dir selbst das auch so?

Im ersten Examen fiel es mir noch leichter. Ich habe im Studium auch eher von Klausur zu Klausur gelernt und war dann im Repetitorium zunächst von der Stofffülle erschlagen. Ich habe es dann aber gut geschafft, mich durch regelmäßiges Lernen hochzuarbeiten. Da war ich mental gut aufgestellt. Im zweiten Examen, im Referendariat, wurde allerdings wenige Tage vor meinen Examensklausuren klar, dass Corona nach Deutschland kommen würde und die Examensklausuren um mehrere Monate verschoben werden müssten. Die Ungewissheit, die dadurch herrschte, hat mich total gestresst. Der Stofffülle bin ich durch die Lernstrategien jedoch ganz gut begegnet.

Als Coach hast du sicher einen guten Eindruck von vielen verschiedenen Studierenden. Gibt es klassische Fehler oder Glaubenssätze, die Examenskandidaten mit sich herumtragen?

Ein paar klassische Glaubenssätze sind “Ich bin nicht gut genug”, “Die anderen sind alle besser” oder “Mein Wert ist an meine Leistung geknüpft”. Man kann diesen Gedanken aber gut auf den Grund gehen und sie auflösen. Dahinter steckt häufig der Gedanke “Ich kann es nicht schaffen.” Leistungsdruck und Perfektionismus können dann eine Schutzstrategie sein, um Kontrolle wiederzuerlangen.

Hast du einen Tipp, was ich tun kann, wenn ich bemerke, dass ich dem Druck gerade nicht standhalte? Vielleicht eine Art Notfallplan?

Erstmal würde ich die Gedanken auch als solche identifizieren. Es hilft sich klarzumachen, dass die Ängste und Sorgen wirklich nur ein Gedanke sind und die Perspektive von “Ich bin ein Gedanke” zu “Ich habe einen Gedanken” zu wechseln. Dann kann ich mich von diesem Gedanken auch distanzieren. Im nächsten Schritt kann ich vielleicht sogar feststellen, was für ein Glaubenssatz sich dahinter verbirgt. Außerdem kann ich mir überlegen, wie ich die Situation alternativ bewerten könnte. Ist mein Gedanke die einzige Wahrheit und könnte man das noch anders sehen?

Wie sähe denn eine gesunde Examensvorbereitung aus?

Hier würde ich den Fokus auf zwei Punkte legen, nämlich Lernstrategie und mentale Stärke. Ein wichtiger Teil dabei ist Struktur und Planung. Es hilft ungemeinen einen guten Lernplan sowie eine gute Lernorganisation zu haben. Das Ziel sollte sein, von einem unbewussten Drauf-Los-Lernen weg– und zu einem bewussten Lernen hinzukommen. Dafür kann man analysieren, was für einen persönlich am besten funktioniert: Lerne ich besser in der Bibliothek oder zu Hause? Wie schaffe ich es, nach einem Lerntag abzuschalten? Wie strukturiert ist mein Schreibtisch? Wie sind meine Unterlagen organisiert? Wie ist mein soziales Umfeld? Tun mir die Leute um mich herum gut oder rauben mir die Leute Energie? Was habe ich für einen Lerntyp? Mit was für Materialien lerne ich? Schreibe ich blind viele Karteikarten mit hohem Zeitaufwand und vergesse dabei, aktiv zu lernen?

„Das Ziel sollte sein, von einem unbewussten Drauf-los-lernen weg – und zu einem bewussten Lernen hinzukommen.“

Mireen Lintl

Im Fokus sollte dabei stehen, ein gesundes Lernumfeld ohne Ablenkungen zu kreieren. In Bezug auf Lernzeiten empfehle ich Intervalle von max. 60 bis 90 Minuten, gefolgt von einer Pause. Das Gehirn braucht spätestens dann Ruhe, um überhaupt wieder aufnahmefähig zu sein. Auch Motivation spielt eine große Rolle. Ich empfehle meinen KlientInnen immer sich ein Dokument anzulegen, auf das sie aufschreiben, was sie motiviert. Wer möchte, kann sich auch konkrete Ziele vorstellen und visualisieren, wie es sich anfühlt, diese zu erreichen. Die innere Haltung und das, worauf ich meine Blick richte sind dabei ganz entscheidend. Wer stark an sich zweifelt, dem empfehle ich, mal eine Liste zu schreiben: Was spricht dafür, dass ich dieses Examen bestehe? Oder für Personen die ihren Selbstwert eng mit ihren Leistungen verknüpft haben: Was spricht dafür, dass ich mehr bin als meine Leistungen?

Gibt es denn Not-To-Dos, also Dinge, die man in der Examensvorbereitung unbedingt vermeiden sollte?

Auf Platz eins steht für mich das Vergleichen und ständig an den eigenen Leistungen zu zweifeln. Ich rate auch davon ab, ins Blaue hineinzulernen. Täglich neu zu entscheiden, wann ich in die Bibliothek gehe, dann ewig ohne Pausen zu lernen ist nicht nachhaltig. Auch den Fokus immer nur auf Misserfolge zu richten ist ein Not-To-Do. Und natürlich, viel am Handy zu sein und sich schnell ablenken zu lassen. 

Viele Studierende hadern damit, eine gute Balance zwischen Freizeit und Lernen zu finden. Gibt es einen Maßstab, an dem man sich orientieren kann?

Erholung ist nie wichtiger als in der Zeit, in der man eine so angestrengt arbeitet. Das ist wie beim Spitzensport, wo man Regeneration braucht, um wieder leisten zu können. Es geht darum, in den Fokuszeiten wirklich zu lernen. Dann kann man auch in den Pausenzeiten richtig Pause machen. Ich nenne das immer „Goldene Lernzeit“, in der man ganz bei der Sache ist.

Ich selbst habe in meiner Examensvorbereitung Samstags Probeklausuren geschrieben, im Anschluss gegebenenfalls noch ein paar Dinge nachgelesen und mir dann das Wochenende frei genommen. Man braucht zwischendrin wirklich 24 Stunden „jurafrei“. Nichts steigert die Motivation mehr, als sich das dann auch zu gönnen und sich zu belohnen. Belohnungen sollten nicht an bestimmte Noten geknüpft sein, sondern einen Ausgleich zur harten Lernzeit darstellen.

Ich empfehle außerdem, unter der Woche früh mit dem Lernen anzufangen und früh aufzuhören, um noch etwas vom Nachmittag zu genießen. So kann man auch über einen langen Zeitraum gut durchhalten.

Hast du Empfehlungen, für Leute, die sich mit den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Studium mehr befassen wollen?

Zum Thema Glaubenssätze kann ich die Bücher von der Psychologin Stefanie Stahl sehr empfehlen, zum Beispiel “Das Kind in dir muss Heimat finden.” Sie hat auch zwei Podcasts “Stahl aber herzlich” und “So bin ich eben”, aus denen man sehr viel Grundlegendes über Persönlichkeitsentwicklung mitnehmen kann. Auch Nicole LePera, eine amerikanische Psychologin, hat einen sehr spannenden Instagramkanal und ebenfalls ein Buch geschrieben namens “Heile dich selbst”. Spannend und wissenschaftlich sehr fundiert fand ich das Buch “Besser Fühlen” vom Psychologen Leon Windscheid. Zum Thema Stressbewältigung lege ich jedem auch Bas Kasts “Kompass für die Seele” sehr ans Herz.

Ich bedanke mich herzlich bei Mireen für das spannende Interview. Hier gelangt ihr zu ihrer Website und hier könnt ihr euch für ihren Newsletter anmelden, um nichts mehr zu verpassen.

Diese 3 Dinge würde ich anders machen, wenn ich nochmal Jura studieren würde

Heute will ich drei Strategien und Lerntipps mit dir teilen, deren unglaublicher Nutzen mir leider zu spät aufgefallen ist. Vielleicht kannst du ja aus meinen Fehlern lernen.

1.Ein Karteikartensystem anlegen (oder kaufen)

Ich weiß zugegeben schon sehr lange, wie wichtig aktive Wiederholungen sind, um Gelerntes zu festigen. Zu Beginn meines Studiums schrieb ich mir Karteikarten von der Hand, später nutzte ich die App Anki – tja und dann nutze ich leider einen recht langen Zeitraum gar kein System, um Definitionen, Schemata und Meinungsstreite zu behalten. Bei mir rächte sich das mit Beginn der Examensvorbereitung. Es war frustrierend festzustellen, dass mir schon leichteste Definitionen aus den ersten Semestern nicht mehr einfielen. Deswegen entschied ich mich, mir ein Set Karteikarten mit dem wichtigsten Jurawissen für die Anki zu kaufen. Und ich wünschte, ich hätte es eher getan. Anki ist meiner Meinung nach perfekt, weil ein Algorithmus dir vorgibt, wann es Zeit ist, bestimmte Karten zu wiederholen. Aber auch, weil du die Karten unkompliziert immer wieder anpassen kannst und nicht zuletzt, weil du sie auf deinem Handy/ PC, etc. immer dabei hast. Ach ja, und zerknicken können die Karten auch nicht.

Ich weiß, dass viele Studierende die Haptik echter Karteikarten schätzen oder durch den Akt des Schreibens bereits Inhalte verstehen. Selbstverständlich lässt sich genauso gut hier schon in frühem Semestern ein gutes System anlegen. Wem das zu anstrengend ist, der kann sich natürlich auch bedruckte Karteikarten der namhaften Repetitorien oder Verlage kaufen.

Das Medium ist letztlich egal. Wichtig ist lediglich, regelmäßig die Grundlagen zu wiederholen. Nur die wenigsten von uns holen wahrscheinlich regelmäßig ihre Mitschriften aus den ersten Semestern hervor und pauken nochmal die Grundlagen. Einen Stapel Karteikarten abzuarbeiten hingegen, kann man prima in seine Lernroutine einarbeiten und so immer am Ball bleiben. Ich wünschte, das hätte ich eher beherzigt.

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2. Eine produktive Lerngruppe gründen

Geteiltes Leid ist halbes Leid, nicht wahr? Das gilt erst recht im Jurastudium. Eine Lerngruppe schafft nicht nur dem einsamen Vor-Sich-Hinlernen Abhilfe, sondern bringt Abwechslung in den Studienalltag. Außerdem kann man sich in seinem Wissen, sowohl was fachliches als auch Lernmethoden angeht, unterstützen und ergänzen.

Allerdings ist Lerngruppe nicht gleich Lerngruppe. Um zielführend zu lernen, empfehle ich:

  • Trefft euch mit maximal vier Leuten, idealerweise versteht ihr euch untereinander gut, aber könnt auch produktiv arbeiten.
  • Setzt das Treffen regelmäßig an und nutzt einen Zeitpunkt am Nachmittag, wenn die Konzentration etwas nachlässt und ihr das wichtigste aus dem Selbststudium bereits erledigt habt.
  • Überlegt euch im Voraus, was Inhalt der Stunden werden soll (löst ihr im Voraus einen Fall und besprecht diesen; besprecht ihr ein Urteil, fragt ihr euch Wissen ab?…)

Außerdem behaupte ich (und das ist meine sehr subjektive Meinung) lohnt sich eine regelmäßige Lerngruppe erst ab etwas fortgeschrittenen Semestern. Das Risiko, die Zeit mit Quatschen zu verbringen und sich gegenseitig zu verunsichern ist in den ersten Semestern doch recht groß. Steckt man allerdings schon etwas tiefer im Stoff, kann man besser einschätzen, wie eine zielführende Gestaltung einer Lerngruppenstunde aussieht. Ich bin selbst erst mit Beginn des Repertoriums in den Genuss einer regelmäßigen Lerngruppe gekommen und wünschte, ich hätte das früher probiert.

3.Bewirb dich für spannende Praktika

Bitte nicht falsch verstehen. Ich habe sehr spannende Praktika absolviert. Aber an Großkanzleien, Justiziariate in Medienhäusern, Ministerien, etc. habe ich mich leider nicht herangetraut. Rückblickend weiß ich gar nicht wieso, für einige hatte ich sogar die Bewerbungen bereits geschrieben. Wahrscheinlich hinderte mich die Angst, nicht angenommen zu werden oder noch schlimmer: angenommen zu werden und mich dann dort zu blamieren. Schade, denn vielleicht wäre es ja besser gelaufen als gedacht. Deswegen mein Appell, wenn du mit dem Gedanken liebäugelst, dich auf ein etwas ausgefalleneres oder anspruchsvolles Praktikum zu bewerben: Tu es. In jedem Falle wirst du etwas lernen und – um es mit den Worten eines kitschigen Wandtattoos aus den 2000ern zu sagen „Am Ende bereuen wir nur die Chancen, die wir nicht wahrgenommen haben“.

Was hättest du gerne eher im Studium gewusst? Oder hast du mal einen Tipp bekommen, der dein Studium verändert hat? Schreib mir gerne deine Erfahrungen hier als Kommentar oder bei Instagram @goldwaage.jura.

Wie du endlich zufriedener mit deinen Noten wirst

Lesezeit: 3 Minuten

Neulich erzählte mir Carla von einer interessanten Analogie, die sie im Buch „Besser fühlen“ vom Psychologen und Autor Leon Windscheid gelesen hatte. Kurz gefasst ging es um ein Experiment mit zwei Affen, denen jedes Mal ein Stück Gurke im Tausch gegen einen Stein gegeben wurde. Keiner der Affen schien mit den Gurken unzufrieden zu sein. Plötzlich jedoch wurde einem der Affen im Gegenzug eine Weintraube gegeben. Der Affe war ganz entzückt darüber, diesmal etwas „Süßes“ bekommen zu haben. Daraufhin tauschte der zweite Affe ebenfalls noch einmal einen Stein ein und bekam wider Erwarten ein Stück Gurke und keine Weintraube. Anstatt wie bisher seelenruhig seine Gurke zu akzeptieren, bekam er einen Tobsuchtsanfall angesichts dieser „Ungerechtigkeit“. 

„Im Laufe der Evolution, so die Vermutung, war es wichtig, die eigenen Anstrengungen und deren Ergebnis mit anderen zu vergleichen. […] Aus dieser Grundhaltung entsteht die Gefahr, dass man im Vergleichen nie wirklich zufrieden endet.“

– Leon Windscheid, „Besser Fühlen“ (2021), S. 217.

Das erste, woran ich dabei sofort denken musste, waren die Noten im Jurastudium. Wie oft ist es mir und anderen aus meinem Umfeld passiert, dass man ein an sich passables oder sogar gutes Ergebnis erhielt, über das man sich sonst gefreut hätte, aber im Vergleich mit anderen wirkte es plötzlich unbedeutend und ungenügend. Erst neulich beobachtete ich im Bekanntenkreis ebendiese Situation: ein Kommilitone erhielt eine extrem gute Note und konnte sich nicht eine Sekunde darüber freuen, weil jemand anderes aus dem Kurs (aus seiner Sicht vermutlich ungerechtfertigt) eine noch bessere Note erhalten hatte.

Gäbe es also den ständigen Vergleich nicht, dem wir uns selbst immer wieder aussetzen, könnte sich vielleicht an der ein oder anderen Stelle sogar so etwas wie Zufriedenheit über die eigene Leistung einstellen (unvorstellbar, nicht wahr?). Man könnte sich über die solide und durchaus leckere Gurke freuen, selbst wenn andere auch mal eine Weintraube erhielten.

Was kann man nun aber tun, wenn KommilitonInnen einem ihre Leistungen dennoch ungefragt auf die Nase binden oder sogar damit prahlen und man die eigene Note sofort als minderwertiger betrachtet? Dann hilft nur eine Art Selbst-Coaching, mit dem ich vor vielen Semestern begonnen habe. 

Der Schlüssel lag für mich darin, den Fokus auf mich zu legen und nicht auf andere. Das bedeutet, dass ich jede meiner Leistungen im Lichte meiner Fähigkeiten und Erwartungen betrachte. 

Wie sieht das konkret aus? Nach einer Klausur oder Hausarbeit schätze ich meist mein Gefühl dazu ein. Eine mögliche Abwägung kann so aussehen: „Ich habe für diese Klausur nicht viel lernen können, weil ich lange Zeit krank war und mein Wissen dadurch nicht ganz gefestigt war. Ich bin auf einige Schwerpunkte rückblickend nicht genügend eingegangen, also gehe ich davon aus, dass es wohl um die fünf Punkte werden.“ Damit habe ich mir also einen realistischen Erwartungshorizont an meine Leistung gesetzt. Wenn ich nun tatsächlich fünf Punkte erhalte und ein Kommilitone neun Punkte, packt mich weder ein Vergleichswahn, noch die Missgunst, weil ich weiß: „Ich habe genau das bekommen, was ich auch investiert habe.“ Diese Taktik geht natürlich nicht auf, wenn ich mich ungerecht bewertet fühle. Wenn ich wochenlang an der Ausformulierung meines perfekt anmutenden Gutachtens saß und ein anderer Kommilitone die Hausarbeit innerhalb weniger Tage verfasst und dennoch besser abschneidet. Wenn ich weiß, dass der Kommilitone ein unschlagbares Auffassungsvermögen, Gedächtnis oder Judiz (oder alle drei) besitzt, dann erkenne ich diese Leistung absolut neidlos an und fühle mich sogar inspiriert davon. Intelligente oder fachlich versierte Menschen sehe ich primär nicht als KonkurrentInnen, sondern möchte gerne etwas von ihnen lernen und mich mit ihnen austauschen. Dabei hilft es mir, meinen Selbstwert nicht von juristischen Leistungen abhängig zu machen. Eine nicht bestandene Klausur lässt mich nicht über Nacht inkompetent werden. So abgedroschen es klingen mag, aber seine Schwächen zu kennen und zu ihnen zu stehen, kann eine unglaubliche Stärke darstellen.

Wir fassen zusammen: 

  • Im ersten Schritt erst gar nicht nach links und rechts gucken, 
  • immer einen angemessenen Erwartungshorizont an sich selbst haben, 
  • erfolgreiche Menschen als Vorbild und nicht als Feindbild sehen, 
  • eigene Stärken und Schwächen realistisch einschätzen, 
  • Jura nicht zum Mittelpunkt seiner selbst machen. 

Dieses Mindset führt dazu, dass ich mich seit langem sowohl über die Gurken, als auch über die Weintrauben auf der juristischen Notenskala freuen kann. So oder so – es ist immerhin ein Snack! 😉

Ich hoffe, dass ich dir mit diesen Gedankenanstößen ein wenig weiterhelfen konnte. Wenn du deine Erfahrungen mit dem Thema mit uns teilen möchtest, erreichst du uns auf Instagram unter @goldwaage.jura. 

Jura sportlich nehmen – Eine neue Perspektive auf‘s Studium

Vor nicht allzu langer Zeit war ich morgens joggen. Ich lief am Wasser entlang, die Sonne schien mir ins Gesicht und über meine Kopfhörer hörte ich einen Podcast. Dabei ahnte ich nicht, dass das, was die Sprecherin erzählen würde, meine Perspektive auf das Jurastudium so verändern würde.

Die Sprecherin war English Gardner, Olympiasiegerin im Sprinten und derzeitige Anwärterin auf den Titel “Schnellste Frau der Welt”.

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English ist eine faszinierende Person mit einer sehr bewegten Biografie. Sie stammt aus schwierigen Verhältnissen hatte in ihrer Karriere mehrfach mit Verletzungen, Depressionen und herben Rückschlägen zu kämpfen. Das alles hielt sie jedoch nie von ihrem großen Traum, den Olympischen Spielen, ab.

An einer Stelle im Podcast sagt sie sinngemäß: Ich musste lernen, den Sport von meinem Charakter zu trennen. Danach erläutert sie, dass sie mit der Zeit verstanden hat, schlechte Leistungen nur als solche zu sehen und nicht als persönliche oder charakterliche Schwäche.

Das heißt im Umkehrschluss aber auch, gute Leistungen nicht zu sehr an den eigenen Selbstwert zu koppeln.

Diese Aussage fand ich auch für das Jurastudium sehr zutreffend. Ab Semester eins bereiten wir uns auf den großen Wettbewerb, das Staatsexamen, vor. Dabei trainieren wir ständig unsere Fähigkeiten und für einige wird das Studium zum wichtigsten Lebensinhalt oder Teil des Charakters.

Ich finde den Gedanken, das Studium nicht als Teil der Persönlichkeit, sondern eher als eine Sportart zu sehen, sehr entlastend.

Eine schlechte Note und eine bissige Randbemerkung des Korrektors sind dann nicht mehr ein Angriff auf die erbrachte Leistung, sondern Feedback vom Trainer. Ein verpatzter Freiversuch gleicht dann mehr einer verpassten Olympia-Qualifikation (die man nach erneutem Training wiederholen kann) als einer persönlichen Niederlage.

Jura wird dadurch wieder etwas, das man “macht” und nicht das man “ist”. Das erleichtert den Umgang mit jeder Art von Feedback ungemein.

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Das Jurastudium genießen – geht das überhaupt?

Ein Plädoyer, das Studium nach den eigenen Wünschen zu gestalten

Um ein Haar hätte ich vor ein paar Jahren das Jurastudium nicht begonnen. Denn unter allen Jura-Klischees hält sich dieses wohl am hartnäckigsten: Wer Jura studiert, gibt sein Privatleben auf.

Jetzt, nachdem ich die universitäre Ausbildung zum Großteil hinter mich gebracht habe, kann ich sagen: das ist Quatsch. Das Jurastudium war (bisher) eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Weder war ich chronisch gestresst, noch musste ich Sport, Hobbies und Freundschaften aufgeben – im Gegenteil.

(Kleiner Disclaimer: Meine Erfahrungen beziehen sich noch nicht auf die Examensvorbereitung, diese ist sicherlich um einiges fordernder…)

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Das Studium ist das, was du draus machst

Natürlich möchte ich das Studium nicht verklärt darstellen. Es gibt harte Prüfungsphasen, Rückschläge, wenig „freie“ Semesterferien und im allgemeinen einiges, wann man an Ablauf und Struktur bemängeln kann. Trotzdem konnte ich viel Zeit meines Studiums genießen und bin zu dem Schluss gekommen: Das Jurastudium ist das, was du daraus machst.

Das Studium nach deinen Anforderungen gestalten

Das tolle an Jura ist nämlich, dass du viele Aspekte deines Studienverlaufs selbst einteilen kannst.

1. Die Dauer Du kannst kurz und intensiv studieren und viele Prüfungen so schnell wie möglich hinter dich bringen. Oder aber einige Umwege gehen, ein Auslandssemester machen, wenige Vorlesungen im Semester besuchen und dir Zeit lassen.

2. Fachliche Ausrichtung Du wusstest schon immer, dass du StrafverteidigerIn werden möchtest? Dann wähle deine Praktika und deinen Schwerpunkt so, dass du schon einige Erfahrungen für deinen Traumberuf sammeln kannst. Vielleicht findest du ja auch einen Nebenjob bei einer Strafrechtskanzlei oder kannst ehrenamtlich Gefängnisinsassen unterstützen. Auf jeden Fall kannst du bereits während deines Studiums eine fachliche Richtung einschlagen.

3. Freizeitgestaltung Trotz vieler Vorlesungen und Prüfungen bleibt mit einem guten Zeitmanagement auch im Studium noch Zeit für Hobbies, Nebenjob und Freunde. Außerdem gibt es an den meisten Unis spannende Angebote für juristische Nebenaktivitäten wie Moot Courts, Rechtsberatung, Debattierclubs, Jura-Zeitungen und vieles mehr…

Meine Erfahrungen

Ich habe einen Mittelweg gewählt. Vorlesungen und Prüfungen habe ich innerhalb der Regelstudienzeit besucht bzw. absolviert.

Meine Lernaktivität lässt sich in intensive und weniger intensive Phasen einteilen. Einige Wochen vor Klausuren und Hausarbeiten hatte ich ein relativ strammes Lern- und Arbeitsprogramm, in das ich nach wie vor Zeit für Hobbies und Freunde einplante, aber den ein oder anderen Abstrich machte. In der übrigen Zeit pendelte es sich auf ein entspanntes Pensum ein, bei dem ich ein paar Vorlesungen besuchte und das ein oder andere las – mehr nicht.

Schon zu Beginn meines Studiums war mir klar, dass ich auch eine Zeit lang im Ausland studieren möchte. – Die beste Entscheidung überhaupt. Ich ging für ein halbes Jahr nach Schweden, wo ich nicht nur einiges lernte, sondern auch wundervolle neue Freundschaften schließen konnte und Land und Leute besser kennenlernte.

Außerdem absolvierte ich Praktika in Bereichen, die mich wirklich interessierten. Dadurch war ich nicht nur besonders motiviert, sondern hatte auch Spaß an der Arbeit und nicht das Gefühl, meine Zeit absitzen zu müssen.

Zu guter Letzt habe ich auch proaktiv dafür gesorgt, dass das Studium mein Privatleben nicht einnimmt. Dafür habe ich Urlaube, freie Tage, Zeit für Freunde und Hobbies fest eingeplant und konnte guten Gewissens abschalten.

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