Examensbaukasten: So gestaltest du eine Routine fürs 1. StEx, die zu dir passt

Du hast gerade deine Examensvorbereitung begonnen und kriegst ständig ungefragte Ratschläge, wie eine Vorbereitung auszusehen hat? Wir sind der Meinung, dass nur du am besten weißt, welche Lernroutine zu dir passt. Deshalb stellen wir dir heute zehn Lernmöglichkeiten vor, aus denen du dir deine eigene Examensvorbereitung zusammenstellen kannst.

Kurz vorab noch etwas zur Routine:

Lernen ist höchst individuell. Es bringt wenig, sich ständig mit anderen ExamenskandidatInnen zu vergleichen (auch wenn es natürlich schwer ist, sich ganz davon frei zu machen).

Allerdings sind besonders die Parameter, hinsichtlich derer man sich vergleicht, wenig aussagekräftig. Möglicherweise verbringen andere Personen mehr Zeit in der Bibliothek als du – aber das heißt ja nicht, dass sie diese Zeit effizient nutzen.

Frag dich selbst diese 5 Dinge

Es ist vor allem hilfreich, seine eigenen Fähigkeiten zu kennen und eine Routine darum zu bauen. Hilfreich sind folgende Fragen:

  • Wie viele Stunden am Tag kannst du dich wirklich konzentrieren?
  • Zu welcher Uhrzeit bist du am fokussiertesten?
  • Lernst du lieber zu Hause oder in der Bibliothek?
  • Lernst du lieber alleine oder in der Gruppe?
  • Brauchst du eine rigide Routine oder nur einen losen Plan?

So erkennst du, ob deine Routine etwas taugt

Du erkennst eine gute Routine an drei Dingen:

  1. Sie überfordert dich nicht.
  2. Sie ist (auch an schlechten Tagen) einfach zu befolgen.
  3. Sie bietet so viel Abwechslung, dass sie dich nicht langweilt, aber so viel Regelmäßigkeit, dass du messbare Fortschritte erzielst.
Photo by Pixabay on Pexels.com

10 Inspirationen, für deine Lernroutine

1. Lernplan

    Von allen Methoden, die ich heute vorstelle, ist der Lernplan die einzige, die ich zwingend empfehle. Bei einer monate- bzw. jahrelangen Vorbereitung brauchst du einen roten Faden, an dem du dich orientierst. Das bedeutet keinesfalls, dass du einen rigoros getakteten Plan brauchst, der für jeden Tag eine Lerneinheit vorsieht – im Gegenteil. Was du aber brauchst ist eine Übersicht mit allen examensrelevanten Fächern, in dem die wichtigsten Themen aufgelistet sind. So hast du einen Überblick darüber, wie weit du schon gekommen bist und was noch vor dir liegt. Es lohnt sich zudem, Themen, die du dir kurz vor dem Examen noch einmal ansehen willst, rot zu markieren.

    Du kannst dir den Plan selbst erstellen, oder aber auf Listen anderer zurückgreifend. Ich persönlich habe den Lernplan von Repetitorium Hofmann als sehr hilfreich empfunden.

    2. Kurse

    Die meisten Studierenden besuchen ein kommerzielles oder universitäres Repetitorium. Einerseits erklären dir dort Profis noch einmal den examensrelevanten Stoff, andererseits hast du dadurch schon eine Struktur an der Hand, mit der du einzelne Fächer wiederholst. 

    3. Karteikarten-Apps

    Mittlerweile ist es wirklich kein Geheimtipp mehr: Aber spaced repetition, also regelmäßiges Wiederholen durch Abfragen, ist so ziemlich die effektivste Lernmethode. Dafür gibt es einige Karteikarten-Apps. Die wohl gängigste ist die Plattform “Anki”, für die verschiedene Anbieter bereits fertige Jura-Pakete anbieten. Das ist zwar nicht ganz billig, spart aber eine Menge Zeit in der Vorbereitung. 

    4. Karteikarten auf Papier

    Neben digitalen Angeboten kann es auch hilfreich sein, einige Karteikarten schriftlich anzufertigen und z.B. unterwegs zu lernen. Mir persönlich hat es geholfen, die wichtigsten Schemata aller Fächer auf Karteikarten zu notieren und am Ende jedes Lerntages zwei, drei davon zu wiederholen. 

    5. Lernzettel und Mindmaps

    Um gelerntes festzuhalten, kannst du dir Lernzettel oder Mindmaps erstellen. Mit der Hilfe von KI geht das inzwischen sogar ohne großen Zeitaufwand. 

    6. Klausuren schreiben

    Hier dran führt in einer sinnvollen Examensvorbereitung (leider) kein Weg vorbei. Denn obwohl ich es ungerne zugebe: Probeklausren zu schreiben ist unglaublich effektiv. Du wendest den gelernten Stoff an, erschließt dir noch fremde Themen und bekommst vor allem eine Idee dafür, wie die 5 Stunden so ablaufen. Du wirst einen enormen Fortschritt verzeichnen, wenn regelmäßig, d.h. idealerweise wöchentlich, Klausuren schreibst. 

    7. Lerngruppe

    Vielen Studierenden hilft es, in der Gruppe zu lernen. Im besten Fall trefft ihr euch zu zweit oder maximal zu viert und sprecht Fälle durch oder fragt euch den Stoff ab. Wichtig ist nur, dass ihr euch untereinander gut versteht und kein unnötiger Wettbewerb entsteht. Sobald sich jeder traut, auch mal eine “dumme” Frage zu stellen, habt ihr ein gutes Gruppenklima erreicht. 

    8. Podcasts

    Als gute Ergänzung zu einem Lerntag bietet es sich an, Podcasts zu hören. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an spannend aufbereiteten Rechtsprechungs- und Lernpodcasts auf Spotify und Co. Dank KI kannst du dir jedoch auch zu deinem Wunschthema einen Podcast erstellen und so dein Wissen vertiefen. 

    9. Zeitungsartikel

    Um bezüglich der Rechtsprechung auf dem neusten Stand zu bleiben, lohnt sich ab und an ein Blick in eine juristische Ausbildungszeitschrift. Diese stehen in der Regel über die Uni digital und analog zur Verfügung.

    10. Abfragen lassen (von KI)

    Du kannst deinen Lerntag abwechslungsreicher gestalten, indem du dich Gelerntes abfragen lässt. Wenn dir das unangenehm ist, besteht auch die Möglichkeit, dir von KI ein Quiz erstellen zu lassen und so dein Wissen zu testen. 

    Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit deinen Kommilitoninnen und folge uns auf Instagram @goldwaage.jura.

    Wir wünschen dir viel Erfolg und starke Nerven für die Examensvorbereitung!

    So hast du KI noch nie genutzt – 5 Funktionen, die dir das Jurastudium extrem erleichtern 

    Auch, wenn die Nutzung von künstlicher Intelligenz beim Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten oder bei der juristischen Recherche ihre Schwachpunkte hat, gibt es viele tolle Funktionen, die dir das Lernen echt erleichtern können. Unsere Autorin Sophia stellt dir in diesem Beitrag fünf KI-Funktionen vor, mit denen du beim Lernen viel Zeit sparen kannst. 

    Photo by cottonbro studio on Pexels.com

    1. Podcasts

    Du hörst in deiner Freizeit gerne Laber-Podcasts? Warum nicht auch zum Lernen?

    Wie wir alle wissen, kann es helfen beim Lernen nicht nur ein Skript oder Lehrbuch nach dem anderen zu lesen, sondern auch mal mit jemandem über die Lerninhalte zu sprechen oder sie sich von jemandem erklären zu lassen. Im Zeitalter der KI gibt es sogar die Möglichkeit, sich ein Podcast-Skript erstellen zu lassen und dies in einen Podcast umwandeln zu lassen. Beispielsweise kannst du ChatGPT1 bitten, dir ein Skript zum Thema Vertragsschluss zu erstellen oder du nimmst direkt das Skript aus der BGB AT – Vorlesung. Dies kannst du dann zum Beispiel mit NotebookLM2 in einen Podcast umwandeln lassen. Dann kannst du ganz ohne schlechtes Gewissen deinen Schreibtisch verlassen, dir deine Kopfhörer schnappen und bei einem Spaziergang in der Sonne, auf dem Laufband im Gym oder auf der Picknickdecke im Park deinen persönlichen Lernpodcast hören. 

    2. Karteikarten

    Du bist der Lerntyp, der stundenlang Karteikarten schreibt und nach dem Schreiben dann keine Zeit mehr für den wichtigen Part – das eigentliche Lernen hat?

    Dann lass dir aus deinen Mitschriften oder den Unterlagen der Vorlesung doch einfach digital Karteikarten erstellen. Bestimmt hast du schon mal von Anki gehört. Bei Anki kannst du dir selbst Karteikarten erstellen, die du dann systematisch in Stapeln lernen kannst oder bereits erstellte Stapel käuflich erwerben. Nun gibt es z.B. den sogenannten AnkiBuddy3. Hier kannst du ganz einfach eine Datei, wie z.B. die Powerpoint der Vorlesung Sachenrecht hochladen und die KI erstellt dir hieraus in Sekundenschnelle personalisierte Karteikarten nach deinen Vorstellungen.

    3. Lernpläne

    Du startest in die Examensvorbereitung und brauchst einen Lernplan, der auf dich, deinen Kalender und deinen Lerntyp abgestimmt ist?

    Die Lernpläne, die im Internet existieren, sind um ehrlich zu sein teilweise sehr erschlagend, unübersichtlich und nicht besonders realistisch, wenn man neben dem Studium noch ein Sozialleben haben möchte. Auch hier kann dir die KI helfen. Bitte die KI deiner Wahl, dir einen Lernplan pro Woche, pro Monat oder für die gesamte Zeit deiner Examensvorbereitung zu erstellen. Gib an, an welchen Tagen und zu welchen Tageszeiten du lernen möchtest, wann du Probeklausuren schreiben möchtest und lade den Pflichtfachstoff deines Bundeslandes hoch. Zusätzlich kannst du der KI deines Vertrauens verraten, was für ein Lerntyp du bist und mit welchen Methoden du am effektivsten lernst. Dann bekommst du vielleicht sogar noch ein paar wertvolle Tipps mit auf den Weg und schon hast du einen Erfolgsplan bis zum 1. Staatsexamen. Den musst du dann im Optimalfall nur noch einhalten – dabei kann dir die KI noch nicht helfen…

    4. Korrekturlesen

    Du hast eine Hausarbeit oder eine Seminararbeit geschrieben und bist dir unsicher, was Rechtschreibung und Formulierungen angeht?

    Nicht jeder hat eine Lehrerin als Mutter, so wie ich, die damals in meiner allerersten Anfängerhausarbeit beim Korrekturlesen sogar Rechtschreibfehler im Sachverhalt markierte oder an den Rand schrieb: „das ist kein Deutsch“. Ich musste ihr dann erstmal erklären, dass der Sachverhalt nicht von mir, sondern vom zuständigen Lehrstuhl stammt und, dass wir Juristen das nun mal so sagen… naja, Lehrer halt. Mittlerweile müssen wir zu Glück, nicht mehr das eigene Umfeld 30 Seiten juristischer Sprache quälen, sondern können ganz einfach die KI unsere Texte auf Grammatikfehler überprüfen lassen. Hierzu gibt es zahlreiche KI-tools, die ich hier jetzt nicht alle aufzählen werde. 

    5. Zusammenfassungen

    Dein Prof oder AG-Leiter haben dir zum „Nachlesen bei einem Glas Wein“, so wie es mein ehemaliger Repititor zu sagen pflegte einen 50-Seiten langen Aufsatz mitgegeben und du willst bei dem Glas Wein lieber die neueste Folge Trash-TV gucken anstatt tiefer ins Gesellschaftsrecht einzutauchen?

    Dann lass dir den Aufsatz doch einfach mithilfe von KI zusammenfassen und du bist trotzdem in der nächsten AG-Stunde bestens informiert. Auch YouTube-Videos lassen sich mittlerweile mithilfe von KI-tools zusammenfassen. Selbst in meinem Mail-Programm kann ich mir seit neuestem meine eingegangenen Mails zusammenfassen lassen. Auch, wenn ich das etwas übertrieben finde. Wer schreibt schon Mails im Umfang eines 50-seitigen Aufsatzes? Und mal ehrlich: ein kleines bisschen Eigeninitiative wird von uns trotz all der Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz immer noch erwartet. 

    Lernst du schon mithilfe von KI? Wenn die der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit KomillitonInnen und folge Goldwaage auf Instagram. 

    1. https://use.ai/de ↩︎
    2. https://notebooklm.google ↩︎
    3. https://ankibuddy.com/ ↩︎



    Diese Fehler verraten, dass du ChatGPT für deine Hausarbeit nutzt

    KI als Recherchetool zu nutzen, ist an den meisten Unis nicht verboten. Brenzlig wird es erst, wenn ein Großteil deiner Hausarbeit von einer KI verfasst wird. In diesem Beitrag erklärt dir unsere Autorin Stine, woran man einen von ChatGPT erstellten Text enttarnen kann.

    Photo by Vinu00edcius Trindade on Pexels.com

    Manchmal steht man vor juristischen Fragestellungen im Studium und findet einfach keinen Einstig in die Materie. Da kommt einem schnell in den Sinn die allwissende KI zu fragen. Meistens klingen die Antworten bei dem ersten Lesen auch so überzeugend, dass man sich fragt: „wozu überhaupt noch anstrengen?“. Und weil es so viel einfacher ist, liegt der Wunsch nahe, die Hausarbeit doch gleich vollständig von einer KI schreiben zu lassen. Warum das gerade mit Hilfe von ChatGPT im Jurastudium keine gute Idee ist, erzähle ich dir jetzt. 

    Spiegelstriche

    Noch nie habe ich in meinen juristischen Hausarbeiten oder anderen verschriftlichten Werken mit Spiegelstrichen gearbeitet. Frage ich aber ChatGPT nach einer besseren Formulierung, baut das Programm in nahezu jeden Absatz mindestens einen ein. Manchmal ist das ganz sinnvoll, meist tut es aber auch ein Komma.

    Quellen

    ChatGPT kann keine zuverlässige Quellenarbeit im Jurastudium ersetzen. Wer einer Angabe dieser KI ohne eigene Recherche glaubt, ist meist schon durchgefallen. Das Programm vertauscht Absätze, Seitenzahlen, Gerichte und kann Primär- nicht von Sekundärquellen unterscheiden. Gar nicht so selten existieren die angegebenen Quellen überhaupt nicht. Weist man das Programm darauf hin, dass die Quelle in dieser Form nicht existiert, denkt es sich kurzerhand einen neuen Fundort aus. 

    Zweifelhafte juristische Schlüsse

    Dieser Fehler zeigt besonders deutlich, warum KI (noch) keine Juristen ersetzen kann. Insbesondere ChatGPT kann nicht juristisch „denken“. Trotzdem liest man regelmäßig gut klingende und sauber argumentierte Schlussfolgerungen aus Urteilen oder Gesetzeswortlauten, die bei genauerer Betrachtung wenig Sinn ergeben. Dementsprechend sollte man jede juristische Behauptung von ChatGPT überprüfen. 

    In meinem Fall hat die KI sich einmal eine zivilprozessrechtliche Maxime ausgedacht. Kurz war ich davon sehr überzeugt und hätte mich beinahe vor meinem ausbildenden Richter lächerlich gemacht. Ein Glück bin ich dem Ganzen noch rechtzeitig auf die Schliche gekommen. 

    Kein Faktencheck

    ChatGPT checkt keine Fakten. Gerade bei juristischen Fragestellungen fällt auf, dass das Programm im Wesentlichen auf freizugängliche Quellen zurückgreift. Inhalte hinter Paywalls bleiben außen vor. Dadurch gibt die KI ungefiltert alle im Internet frei zugänglichen Meinungen wieder, ohne deren Qualität oder Tragfähigkeit zu prüfen. Das Bild, dass das Programm von bestimmten Ansichten zeichnet, weicht daher häufig signifikant vom tatsächlichen Meinungsbild in Fachliteratur und Rechtsprechung ab. Das liegt an der Arbeitsweise der KI. Diese filtert die gefundenen Informationen gerade nicht nach wissenschaftlicher Qualität, sondern eher nach quantitativen Kriterien.

    Überperfekte Sprache

    Fragt man die KI wie sie eine Formulierung findet oder ob sie Verbesserungsvorschläge hat, antwortet diese häufig mit nahezu gleichlautenden Sätzen, die nur geringfügig abweichen. Selbst Sätze die ChatGPT erstellt hat, werden wieder abgeändert. Ob das immer zur Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit des Geschrieben beiträgt, wage ich zu bezweifeln. 

    In erster Linie führt es eher zur Verunsicherung derjenigen, die ohnehin schon nach der „schönsten“ Formulierung suchen. Teilweise kann das Programm wirklich gut formulieren, aber man sollte sich nicht von den eigenen stilistischen Ansprüchen abbringen lassen. Manchmal kritisiert ChatGPT nur, weil keine Vorschläge keine Option sind. 

    Außerdem lassen überperfekte Formulierungen schnell auf die Nutzung von KI schließen. Vor allem orthographische und stilistische Fehler unterlaufen schließlich jedem Menschen.

    Screenshot

    Fehlende Entscheidungsfreude

    ChatGPT bezieht nie Stellung. Bei der Nutzung des Programms fällt die sprachliche Vorsicht auf. Klare juristische Aussagen findet man selten. Stattdessen wird fast alles relativiert. Das klingt zunächst wissenschaftlich, stellt aber keine klare Entscheidung in den Mittelpunkt. 

    Gerade in Hausarbeiten im Jurastudium wird erwartet, dass man eine klare Position. Die Texte wirken zwar sauber formuliert, bleiben aber inhaltlich unentschlossen. 


    Sich Inspiration von ChatGPT für die Hausarbeit oder andere juristische Fragestellungen zu holen kann sinnvoll sein, sollte aber niemals ungeprüft übernommen werden. Teilweise ist die KI so überzeugt von ihrer eigenen Ansicht, dass sie auch auf mehrmaligen Hinweis nicht davon abrückt. Das sollte dich jedoch nicht beirren. Besonders in letzter Zeit habe ich häufiger das Gefühl, dass ich in juristischen Fragestellungen klüger bin als ChatGPT und dass zumindest meine Quellenarbeit, die des Programms um Meilen übertrifft. Gleiches gilt übrigens für die Planung von Reisen 😉

    Welche Fehler hast du schon mal mit ChatGPT gemacht? 

    Folge uns auf Instagram @Goldwaage für mehr Tipps und Erfahrungen rund um das Jurastudium.

    Künstliche Intelligenz für die Recherche? Wie die KI unsere juristischen Fähigkeiten auf die Probe stellt

    In Zeiten, in denen Künstliche Intelligenz juristische Hausarbeiten bestehen soll und juristische Datenbanken beginnen, KI-Tools einzusetzen müssen wir uns fragen: Wie sehr bereichert die KI uns in unserer rechtlichen Recherche wirklich? Verlieren wir durch sie unseren juristischen Scharfsinn? Diesen Fragen geht unsere Autorin Sophia in diesem Beitrag auf den Grund. 

    Photo by Solen Feyissa on Pexels.com
    Eine Zeit vor KI

    Ich habe mein Studium abgeschlossen, bevor Künstliche Intelligenz durch die Decke ging. 

    Bevor Videos von trampolinspringenden Kaninchen existierten und bevor ich mir ständig die Frage stellen musste, ob das, was ich vor mir habe, nun real oder KI-generiert ist. Um eine Hausarbeit zu schreiben, hatte ich die dürftige Auswahl unserer Bib, die juristischen Datenbanken und Online-Suchmaschinen zur Verfügung. Ich hatte keinen „KI-Buddy“, dem ich den Sachverhalt präsentieren konnte und der mir daraufhin in Sekundenschnelle eine vollständige Falllösung ausspuckte. 

    Erst in der Zeit meiner Examensvorbereitung bekam ich in meinem Umfeld mit, dass plötzlich die KI statt Google gefragt wurde, dass man die KI bloß mit ein paar Informationen zu seinem Lerntyp füttern brauchte und diese einem einen vollständigen und personalisierten Erfolgsplan zum Bestehen des 1. Staatsexamens ausspuckte.

    Plötzlich konnte durch die Nutzung von KI enorm viel Zeit gespart werden. Innerhalb von Sekunden waren Lernzettel oder Karteikarten geschrieben und man hatte vermeintlich die Antworten auf jede seiner Fragen. 

    Ich bemerkte zwar im privaten Bereich, wie künstliche Intelligenz langsam die Google-Suche ablöste, doch bei der Nutzung zur juristischen Recherche blieb ich skeptisch. 

    Urteile schreiben mit Hilfe von KI?

    Als ich dann Mitte letzten Jahres ins Referendariat startete wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen. Ich sollte plötzlich und ohne viel theoretischen Vorwissens zivilrechtliche Urteile für meinen Ausbilder verfassen. So begann auch ich für die juristische Recherche statt Google, die KI zu fragen. 

    Ich war zunächst begeistert darüber, wie schnell sie mir Antworten auf meine Fragen lieferte. Schön übersichtlich, durchnummeriert und mit Beispielen. Doch, wie sagt man so schön? Zwei Juristen – drei Meinungen? Schnell musste ich feststellen, dass die KI nur wahrscheinlichkeitsbasiert die Fähigkeiten eines „zweiten“ Juristen simuliert. Stellt man einfache Fragen wie: „wie lautet die zivilrechtliche Definition zum Schaden?“ ist die KI hilfreich und spuckt ziemlich sicher eine richtige Antwort aus. Fragt man allerdings nach ihrer Einschätzung zu einer rechtlichen Fragestellung, so entwickelt sie hierzu eine Meinung anhand aller Meinungen mit denen sie jemals „gefüttert“ wurde. Sie erfindet Gerichtsurteile, Aktenzeichen und verkauft ihre Meinung, wie es jeder Jurist und jede Juristin tun würde, als die Richtige. 

    Ehrlich gesagt bereitete mir die KI irgendwann nur mehr Aufwand als hätte ich direkt selbstständig nach vergleichbaren Gerichtsurteilen und Beschlüssen gesucht. Ständig ertappte ich mich dabei, wie ich eine Frage stellte, daraufhin eine Antwort ausgespuckt bekam und direkt ein Störgefühl in mir hochkam: „hm, stimmt das wirklich so?“ , „ist das nicht eigentlich anders?“, „komisch, würde ich irgendwie anders einschätzen.“

    Ein Training für unser Problembewusstsein

    Man könnte meinen, die Nutzung von KI lässt uns unseren juristischen Scharfsinn verlieren. Erst neulich las ich von einer Studie, die aufzeigte, wie sehr die Hirnaktivität durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz abnehmen soll. 1

    Doch ich bin der Meinung die KI fordert unser juristisches Problembewusstsein bei geschickter Nutzung geradezu heraus. Es ist, als würde man sich mit einem juristischen Gegenüber unterhalten, das seine ganz eigene Ansicht hat. Man darf nur nicht alles glauben, was die KI einem erzählt. Wie gesagt: zwei Juristen – drei Meinungen. Es gibt zu jeder juristischen Fragestellung unterschiedlichste Antworten und wie wir alle wissen „kommt es drauf an“. Die KI mag hier zwar oft inhaltlich keine größere Unterstützung bieten als der Blick in ein höchstrichterliches Urteil. Dennoch fordert sie uns heraus. Sie bringt uns dazu, konkreter zu hinterfragen, schärft unser Problembewusstsein und hilft uns unsere ganz eigene Ansicht zu entwickeln. Und DARAUF kommt es doch an.

    Ein positiver Ausblick?

    Zugegebenermaßen habe ich die jüngst veröffentlichte KI-Funktionen der beiden großen juristischen Datenbanken noch nicht getestet und kann daher nur von meiner Erfahrung mit den gängigen, kostenlosen KI-Tools sprechen. Ich werde dem Ganzen jedoch mal eine Chance geben und vielleicht wird durch sie die KI-gestützte Recherche ja gerade auf ein ganz neues Level gehoben? Es bleibt also spannend, die Entwicklungen zu verfolgen. Urteile erfinden werden sie zumindest hoffentlich nicht. 😉

    Nutzt du Künstliche Intelligenz für die rechtliche Recherche? Teile gerne deine Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema mit uns auf Instagram @goldwaage.jura .

    1. https://www.media.mit.edu/publications/your-brain-on-chatgpt/ ↩︎

    Vom ersten Semester bis zum Examen – wie läuft das Jurastudium ab?

    Du hast gerade mit dem Jurastudium begonnen und hast trotz diverser Einführungsveranstaltungen keine Ahnung wie das Ganze jetzt abläuft? Oder du bist bereits im Hauptstudium und lebst immer noch von Tag zu Tag ohne einen richtigen Plan zu haben? Mit diesem Beitrag gibt dir unsere Autorin Sophia einen roten Faden an die Hand, damit du in Zukunft den Durchblick hast. 

    Photo by Tatiana Syrikova on Pexels.com

    1. Die ersten Wochen als StudentIn

    In den ersten Wochen gibt es neben dem aufregenden neuen Studentenleben auch ein paar organisatorische Dinge, die du erledigen solltest:

    • Immatrikulation abschließen (inklusive Zahlung des Semesterbeitrags)
    • Uni-Accounts aktivieren
    • Studien- und Prüfungsordnung lesen (ja, wirklich! Hier steht schon ganz viel Wertvolles drin, damit du den Überblick behältst)
    • Stundenplan erstellen (hierfür haben die meisten Unis Musterstudienpläne anhand derer du deinen perfekten Stundenplan erstellen kannst)
    • Herausfinden:

             •       Wie funktioniert die Kurs- und Klausuranmeldung?

             •       Gibt es Anmeldefristen für AGs, VKs oder Tutorien?

             •       Welche Leistungsnachweise sind Pflicht und was ist freiwillig?

    2. Grundstudium (1.–4. Semester): Orientierung und Grundlagen

    Im Grundstudium lernst du die Basics und legst damit ein wichtiges Fundament für dein Studium. Noch in der Examensvorbereitung oder schließlich in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung wird dir jeder sagen, dass es vor allem auf die Basics und ein gutes juristisches Handwerkszeug ankommt und da haben sie recht.

    Inhalte typischerweise:

    • BGB AT, Schuldrecht AT
    • Grundrechte
    • Staatsorganisationsrecht
    • Strafrecht AT
    • Grundlagen des Rechts

    Diese Inhalte erarbeitest du dir in den Vorlesungen und den dazugehörigen Arbeitsgemeinschaften (AGs) bzw. Vorlesungsbegleitenden Kolloquien (VKs).

    Was du erledigen musst:

    • Kurse & AGs/VKs rechtzeitig anmelden 
    • Leistungsnachweise (Kleine Scheine) erwerben (meist durch Klausuren + Hausarbeiten)

    Hier lohnt es sich mal bei Tutoren oder älteren StudentInnen nachzufragen, ob sie AG- oder VK-Leiter empfehlen können. Wenn du dich frühzeitig anmeldest, hast du es außerdem in der Hand, wann deine AG oder dein VK stattfindet und du schaffst es eventuell den Freitag oder Montag für ein langes Wochenende freizuhalten 😎

    Zwischenprüfung:

    Die Zwischenprüfung wird meist nach dem 3. oder 4. Semester relevant und besteht je nach Uni aus einer bestimmten Anzahl von Klausuren (und Hausarbeiten). An meiner Uni war der Begriff Zwischenprüfung damals z.B. etwas irreführend. Bei uns handelte es sich nicht um eine gesonderte Prüfung, sondern das Ergebnis der Zwischenprüfung setzte sich aus den Ergebnissen der Prüfungsleistungen der ersten vier Semester (Kleine Scheine und Grundlagenschein) zusammen. Auch hierfür lohnt sich wieder ein Blick in die Studien- und Prüfungsordnung deiner Uni.

    3. Hauptstudium (5.-7. Semester): Vertiefung und Schwerpunkt

    Inhalte typischerweise:

    • Schuldrecht BT
    • Sachenrecht
    • Verwaltungsrecht AT/BT
    • Strafrecht BT
    •  Schwerpunktbereich (z. B. Wirtschaftsrecht, Kriminologie, Europarecht)

    Schwerpunktbereich: 

    4. Examensvorbereitung: Der Endgegner

    Wann anfangen?

    • realistisch ca. ab dem 6./7. Semester
    • Dauer: ca. 12-18 Monate (kann man sehr individuell gestalten)

    Optionen:

    Was jetzt wichtig ist:

    • Lernplan erstellen
    • Regelmäßig Probeklausuren schreiben
    • Stoff systematisch wiederholen

    5. Anmeldung zum Staatsexamen: Formales nicht unterschätzen

    Die Anmeldung zum Examen ist verbunden mit viel Papierkram und hier ist es von Vorteil, wenn man bereits während des Studiums alle wichtigen Unterlagen in einem Ordner sammelt und sich erinnert wo man damals das Abizeugnis verstaut hat.

    Wann, wie, wo?

    • bis ca. 3 Monate vor den schriftlichen Examensprüfungen
    • meist auf Website des Justizprüfungsamtes (JPA) deines Bundeslandes veröffentlicht
    • in manchen Bundesländern kommt das JPA auch für einen Anmeldetermin vor Ort an die Uni
    • ansonsten postalische Anmeldung unter Zusendung des Antragsformulars und aller erforderlichen Unterlagen (Originale, die du verschickst bekommst du meist nach dem Examen wieder zurückgeschickt – vergewissere dich hierbei aber am besten bei deinem JPA)

    Typischerweise benötigte Unterlagen:

    • Leistungsübersichten
    • Leistungsnachweise (Große Scheine, evtl. Fremdsprachen- oder Rhetorikschein)
    • Immatrikulationsbescheinigung
    • Schwerpunktnachweise (falls schon absolviert)
    • Nachweis über Praktika (hier legen die Prüfungsämter oft sehr penibel Wert auf die genaue Anzahl der absolvierten Praktikumstage. Beachte dies also bereits, wenn du dir nach den jeweiligen Praktika diese schriftlich bescheinigen lässt)
    • Abiturzeugnis
    • Tabellarischer oder sogar handschriftlicher Lebenslauf (dieser wird deinem Prüfer bei der mündlichen Prüfung vorgelegt)

    6. Nach dem ersten Examen: Kurzer Ausblick

    • Referendariat (Zweites Staatsexamen)
    • Berufsstart
    • Promotion
    • LL.M.

    Aber: Eins nach dem anderen 😉

    Das Jurastudium wirkt oft chaotisch und unübersichtlich, ist aber mit dem richtigen Überblick gut zu strukturieren. Wer sich mit der Studien- und Prüfungsordnung auseinandersetzt, Fristen und Voraussetzungen im Blick behält und sich rechtzeitig Gedanken über das Examen macht, nimmt sich viel Stress. Wie so oft im Leben es ist außerdem gut, sich einfach mal mit anderen auszutauschen, die vielleicht schon etwas weiter im Jurastudium sind oder das Ganze schon hinter sich haben. 

    Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit deinen KommilitonInnen und folg uns auch auf Instagram @goldwaage.jura.

    Motivationstief? 6 Tipps wieder Spaß am Lernen im Jurastudium zu finden

    Kennst du das: Du startest motiviert in ein neues Semester, hast viele gute Vorsätze und plötzlich beginnt die Klausurenphase – und nichts geht mehr. Du kannst dich nicht konzentrieren und auch die Lust, ein bestimmtes Rechtsgebiet zu lernen, bleibt aus. Das muss nicht so bleiben! In diesem Beitrag hat unsere Autorin Carla 6 Tipps für dich, wieder mehr Spaß am Lernen zu finden.

    1. Entwickle eine gute Strategie

    Zunächst ist es hilfreich, dass du dir eine Strategie überlegst. Plane nicht nur, was du lernst, sondern auch, wie du lernst – vielleicht sogar heruntergebrochen auf jeden einzelnen Lerntag. Am besten beginnst du mit einer Übersicht über dein Klausurthema. Als Anhaltspunkt können Fallbücher helfen, aber auch Vorlesungsskripte und zB. Mindmaps wie diese von Juralib.*

    Sobald du eine Übersicht hast, überlege dir eine Strategie, wie du dir den Stoff aneignen willst. Erfahrungsgemäß eignet sich eine Mischung aus verschiedenen Lernmethoden. Du könntest zB. Fälle lösen, einzelne Streitstände in Lehrbüchern oder Zeitschriften nachlesen und besonders wichtige Themen mit Karteikarten wiederholen.

    Wenn du eine Strategie entwickelt hast, heißt es: Routinen festlegen. Es hilft ungemein, nicht jeden Tag aufs neue zu überlegen, was du wann lernst. Überlege dir einen täglichen Ablauf, der dich zwar fordert aber machbar ist. Du könntest zB. morgens eine halbe Stunde Karteikarten lernen, mittags zwei kleine Fälle lösen und im Anschluss einzelne Themen mittels Lehrbuch oder Podcast vertiefen. Wichtig ist nur, dass du dir realistische Ziele setzt. Nichts ist demotivierender, als ein viel zu langer Lernplan, der schon ab dem ersten Tag nicht umgesetzt werden kann.

    2. Tausche langweilige Routinen aus

    Fühlst du dich festgefahren? Oder gelangweilt? Wenn jeder deiner Lerntage gleich aussieht und dir das die Motivation raubt, bringe ein bisschen Abwechslung in deinen Alltag.

    Wie wäre es, statt zu Hause mal in der Bibliothek zu lernen – oder umgekehrt? Vielleicht kannst du vor deinem Lerntag morgens einen kleinen Spaziergang einplanen, um einen klaren Kopf zu bekommen? Oder dir am Abend davor ein leckeres Mittagessen vorbereiten? Du könntest auch deine Lernzeiten umstellen – vielleicht hilft es ja, ein bisschen früher oder sogar später anzufangen. Dabei ist es gar nicht wichtig, deinen ganzen Lerntag auf den Kopf zu Stellen. Kleine, gezielte Veränderungen machen deinen Tagesablauf wieder spannender und helfen so, wieder mehr Freude im Alltag zu haben.

    3. Kleine Erfolge feiern

    Um die Motivation nicht zu verlieren, ist es wichtig, sich regelmäßig seine kleinen Erfolge vor Augen zu führen – und sich auch zu belohnen. Gönn dir zB. nach einem anstrengenden Lerntag einen gemütlichen Abend mit FreundInnen oder ein langes Bad. Wichtig ist, nicht nur die Meilensteine, wie die bestandene Klausur, zu feiern. Auch kleine Erfolge, wie die Lösung eines besonders kniffligen Falls, die kurze Lernsession trotz fehlender Motivation oder der gelernte Karteikartenstapel, verdienen Anerkennung. Du könntest dir auch täglich drei kleine Etappenziele setzen, die du als Erfolg anerkennst. So hast du bildlich vor Augen, was du geschafft hast.

    4. Geteiltes Leid,…

    Das Jurastudium gilt oft als Einzelkampf – das muss es aber gar nicht sein. Es hilft ungemein, sich mit anderen auszutauschen: ob über leidige Erfahrungen, Lerntipps oder fachliche Inhalte. Ganz egal, ob du eine Lerngruppe gründest oder nur mal einen kurzen Plausch mit anderen Studierenden hältst, es lohnt sich immer, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Schnell wirst du merken, dass alle Studierenden vor ähnlichen Problemen stehen. Diese nicht alleine lösen zu müssen, nimmt eine unglaubliche Last von den Schultern.

    5. Mach mal Pause!

    Häufig ist der Grund für deine fehlende Motivation nicht, dass du zu wenig machst, sondern zu viel. Das menschliche Gehirn ist nicht in der Lage, sich dauerhaft zu konzentrieren und neue Inhalte aufzunehmen. Wenn du merkst, dass du dich tagelang nicht konzentrieren kannst, brauchst du vielleicht einfach eine Lernpause.

    Ähnlich, wie Sportler wöchentlich ein oder mehrere Restdays benötigen, braucht auch dein Gehirn regelmäßig Pausen. Klappe also deine Bücher zu und beschäftige dich bewusst ein oder mehrere Tage nicht mit Jura. Schiebe dein schlechtes Gewissen beiseite – du kannst früh genug wieder mit einem frischem und erholten Geist mit dem Lernen anfangen.

    6. Mach es dir gemütlich

    Zwischen all den Erwartungen an uns selbst, unsere Leistungen und unsere Produktivität, kann der Sinn Ästhetik gerne mal auf der Strecke bleiben. Aber warum eigentlich?

    Es lernt sich doch viel besser, wenn es um dich herum sauber und gemütlich ist. Wenn du zu Hause lernst, nimm dir Zeit, deinen Schreibtisch aufzuräumen, zünde dir eine Kerze an und bereite dir einen Tee oder Kaffee zu. Wenn du in der Bibliothek lernst, höre vielleicht ein gemütliches Study-Asmr über Kopfhörer. Das alles hilft dabei, Lernen mit Gemütlichkeit zu verknüpfen und die Hemmschwelle, Zeit am Schreibtisch zu verbringen zu senken.

    Was sind deine besten Tipps für Lernmotivation? Teile sie gerne hier mit uns oder auf Instagram @goldwaage.jura.

    *Dies ist eine unbeauftragte und unbezahlte Empfehlung. Ich bin lediglich seit meiner Exaensvorbereitung großer Fan der Website.

    Nach den Schriftlichen ist vor der Mündlichen – 4 Tipps um gelassen in die mündliche Prüfung zu gehen

    Du hast die Examensklausuren endlich hinter dir und befindest dich in der Phase, in der die Ergebnisse noch nicht bekannt gegeben wurden, du aber eigentlich schon wieder für die mündliche Prüfung lernen solltest? Unsere Autorin Sophia gibt dir in diesem Beitrag vier wertvolle Tipps an die Hand, mit denen du gelassener in die mündliche Prüfung gehen kannst.

    Photo by Maksim Goncharenok on Pexels.com

    1. Mach mal Pause

    Klingt banal, ist aber nicht zu unterschätzen. Mach bewusst Pause (gerne auch einfach mal etwas länger als in irgendeinem Skript oder Lehrbuch empfohlen wird 😌 ). Ich konnte damals zum Beispiel erst wirklich fokussiert lernen, als ich die Ergebnisse meiner Klausuren in der Hand hatte und wusste, dass ich überhaupt zur Mündlichen zugelassen bin. Ich glaube, das ist auch nur menschlich, dass man nicht voll bei der Sache sein kann, wenn man nicht weiß, ob man gerade für die Mündliche oder für seinen Wiederholungsversuch lernt. Gerade, jetzt wo Weihnachten und Silvester vor der Tür stehen, nutze diese Zeit also um einfach mal gar nicht über Jura nachzudenken. Verbanne deine Gesetzestexte und Lernunterlagen irgendwohin, wo du sie nicht siehst, hör auf, darüber nachzudenken, ob du in dieser einen Klausur eventuell gegen das Trennungs- und Abstraktionsprinzip verstoßen hast und widme dich all den schönen Dingen, die vor den Klausuren auf der Strecke geblieben sind. Die Klausuren sind geschrieben, ändern kannst du daran eh nichts mehr. 

    2. Vertraue auf deinen Lerntyp

    Du hast nun mindestens ein Jahr intensiv gelernt und, ob es dir selbst bewusst ist oder nicht wirst du in dieser Zeit deinen ganz eigenen Lerntyp entwickelt haben. Na klar, mündliche Prüfungen sind etwas anderes als fünf Stunden eine Klausur zu schreiben. Trotzdem musst du in der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung nicht plötzlich panisch werden und alle möglichen neuen Lernmethoden ausprobieren. Wenn du in der Examensvorbereitung der Typ warst, der am liebsten für sich alleine gelernt hat, dann funktioniert das genauso gut für die Mündliche. Es kann vielleicht von Vorteil sein aber du musst dir keine Lerngruppe suchen und eine mündliche Prüfung simulieren oder anfangen, laut zu sprechen beim Lernen. Setz auf deine altbewährten Methoden. Die Basics, auf die es nun mal in der mündlichen Prüfung ankommt, sind mittlerweile eh so fest drin, dass es gar nicht mehr viel braucht. Glaub mir, ich selbst dachte am Abend vor meiner mündlichen Prüfung noch, ich weiß absolut gar nichts und während ich am Morgen der Prüfung unter der Dusche stand, kam mir plötzlich Wissen aus den tiefsten Ecken meines Gehirns in den Kopf geschossen, von dem ich nicht mal wusste, dass ich es auswendig kann. 

    3. Lerne deine Mitprüflinge kennen

    Mein Prüfungsvorsitzender hat mich damals zusammen mit meinen drei Mitprüflingen (ja, waren alle drei männlich, was mich zuerst etwas eingeschüchtert hat) zu einem Kennenlerngespräch eingeladen. Und obwohl ich ziemlich schnell festgestellt habe, dass ich diejenige mit den schlechtesten Vornoten in der Gruppe bin, tat mir dieses Kennenlernen sehr gut. Wir alle wissen, im Jurastudium ist man dem ständigen Vergleich zu KommilitonInnen ausgeliefert. Sollte also über Vornoten gesprochen werden, lass dich nicht von den Noten deiner Mitprüflinge verunsichern. Schnell werdet ihr merken, ihr sitzt alle im selben Boot. Ihr seid alle aufgeregt und selbst ein kurzer Austausch vor der Prüfung kann enorm dabei helfen, sich während der Prüfung selbst gegenseitig Sicherheit zu geben (insbesondere, wenn sich die Minuten auf dem Flur, während sich die Prüfer besprechen, anfühlen wie Stunden). 

    4. Sei dir deiner selbst bewusst

    Du hast bereits einen so großen Teil deines Examens geschafft, da sollte die mündliche Prüfung nur noch die Kirsche auf der Sahnetorte sein. Versuche also genau dieses Selbstbewusstsein auszustrahlen. Vertraue auf dein Wissen und lass das auch die Prüfer spüren. Lieber selbstbewusst eine falsche Antwort als zögerlich eine richtige. Schau mal in den Spiegel und sag dabei „ich kann das!“ – Klingt wie ein blöder Tipp aus irgendeinem Ratgeber, aber hilft erstaunlicherweise wirklich. 

    Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit deinen KommilitonInnen und folge uns auf Instagram @goldwaage.jura. 



    Deine ideale Vorbereitung auf die Mündliche im 1.Examen

    Sind die schriftlichen Prüfungen erstmal geschafft, ist gefühlt (und tatsächlich) der größte Teil des staatlichen Examens geschafft.Doch wie geht es jetzt eigentlich weiter? Wann beginnst du mit der Vorbereitung auf die Mündliche und wie genau machst du das eigentlich?

    *Dieser Beitrag enthält aufgrund der Nennung einiger Bücher unbezahlte und umbeauftragte Werbung.

    Ich persönlich hatte mich vor den Schriftlichen quasi gar nicht mit der Mündlichen auseinandergesetzt und habe da ziemlich blauäugig – mit dem Motto „ach, mein Zukunfts-Ich macht das dann schon” – auf die Mündliche geschaut.

    Doch als es plötzlich an die Vorbereitung ging, wurde ich panisch und fand keinen wirklichen Einstieg. Viele Bücher (ganz im Gegensatz zur Vorbereitung auf die Schriftlichen) gibt es ja nicht, was es nicht gerade einfacher gemacht hat.

    Im Folgenden gebe ich dir deshalb ein paar meiner Ideen weiter, die für mich gut funktioniert haben und dir hoffentlich mehr Struktur geben, als ich sie hatte.

    1. Beginn der Vorbereitung

    Wann man nach den Schriftlichen wieder anfängt zu lernen, ist eine wahnsinnig individuelle Entscheidung. Ich persönlich hab nach gut 2,5 Monaten erst wieder angefangen, weil ich nach der Examensvorbereitung und den Prüfungen dringend eine längere Jurapause brauchte. Je länger du wartest, desto höher ist zwar die (vermeintliche) „Gefahr“ mehr Stoff zu vergessen. Nach jahrelangem Lernen kommt man jedoch so fix wieder rein, dass das meiner Meinung nach kein Grund gegen eine längere Pause sein sollte.

    Als Faustformel würde ich dir mitgeben, dass du spätestens ca. 8 Wochen vor der Mündlichen wieder anfangen solltest zu lernen. Damit hast du genug Zeit den Stoff generell mit Karteikarten bzw. kleinen Fällen zu wiederholen und dich die letzten Wochen aber auch speziell auf deine konkreten Prüfer/innen vorzubereiten.

    Photo by Andrea Piacquadio on Pexel.com

    2. Beginn der Vorbereitung

    Ich habe es ja schon kurz anklingen lassen, dass die Lehrbuchsituation nicht sonderlich vielfältig ist.

    Jedoch ist ein Lehrbuch speziell für die Mündliche definitiv empfehlenswert. Meist werden gute Hinweise für häufig geprüfte Themenkomplexe oder spezielle Fragen wie „Wer sind die aktuellen Präsident/innen der obersten Gericht“ gegeben. Meist findet sich mindestens ein Lehrbuch auch im OPAC deiner Bibliothek.

    Eine persönliche Empfehlung (und das schon seit Studienbeginn) sind die Fallbücher von Schwabe. Seit 2023 gibt es in allen drei Rechtsgebieten auch konkret Bücher für die Mündliche, die sich sowohl zum Selbststudium eignen, als auch ideal in einer Lerngruppe genutzt werden können.

    Der Prüfungsstil in der Mündlichen ist logischerweise ganz anders als in den Schriftlichen. Da es eher ein Gespräch mit der Möglichkeit ist, Fragen außerhalb der Falllösung zu stellen, sollte darauf bei der Vorbereitung Rücksicht genommen werden. Geh daher eher in die Breite anstatt in die Tiefe. Dafür eignen sich am besten kleine Fälle, bei denen du, deine Lerngruppe oder KI dir mögliche Fragen rund um die Fallschwerpunkte überlegen kannst.

    Auch eignen sich Examinatorien oder gar Anfängerlehrbücher, die im Frage-Antwort-System aufgebaut sind ideal, um dir den Stoff über eine individuelle Falllösung hinaus mehr in die Breite anzuschauen.

    Daneben kannst und solltest du deine Lernmaterialien/Karteikarten der Examensvorbereitung weiter nutzen, um im Stoff zu bleiben.

    3. Prüfungsprotokolle

    Neben den genannten Lernmaterialien – die dem Grunde nach bereits aus dem bisherigen Studium bekannt sein dürften – gibt es bei der Mündlichen die Besonderheit der Prüfungsprotokolle. Dies sind Gedächtnisprotokolle von vorherigen Prüflingen, aus denen sich im besten Fall Lieblingsthemengebiete oder -fragen konkret deiner Prüfer/innen ergeben.

    Die Arbeit mit den Protokollen ist natürlich erst nach Bekanntgabe deines Prüfungstermins und der Prüfer/innen möglich. Es ist trotzdem durchaus sinnvoll, sich schonmal im Vorfeld bei deinem FSR zu erkundigen, ob dieser aktuelle Prüfungsprotokolle hat oder ob du dich an die kommerziellen Anbieter halten musst. Denn je nach Prüfungsamt und -ordnung betragen die minimalen Fristen zwischen Ladung zur Mündlichen und der Prüfung meist nur wenige Wochen (für MV z.B. lediglich 2 Wochen sh. § 19 II JAPO M-V). Zudem musst du bei den kommerziellen Anbietern mit ca. 40 € planen und du solltest dir die Vertragsbedingungen für die Verpflichtung von eigenen Protokollen nach der Mündlichen anschauen. Die Vertragsstrafen bei Verletzungen können durchaus nochmal für die Verdopplung der Kosten sorgen. Diese Kosten kannst du dir idealer Weise sparen, wenn dein FSR aktuelle Protokolle kostenfrei zur Verfügung stellen kann.

    Hast du nun Protokolle, ist die Frage, wie genau du am effektivsten mit ihnen umgehst bzw. lernst. Ich muss ehrlich sagen, dass ich extrem viel Angst vorm Lesen der Protokolle hatte, weil ich dachte, die Fragen niemals gut genug oder überhaupt beantworten zu können. Falls du anfangs gehemmt bist, ist das völlig normal. Versuche mit möglichst wenig Leistungsdruck an das Durchlesen der Protokolle zu gehen und sei einfühlsam mit dir selbst, wenn du die Fragen nicht beantworten konntest.

    Wie genau du die Protokolle bearbeitest, liegt ganz in deiner Entscheidung. Ich persönlich habe mir die neusten sechs oder sieben Protokolle je Prüfer genommen und in einer Tabelle notiert, welche Rechtsgebiete sie am häufigsten geprüft haben. So habe ich versucht ein Muster zu erarbeiten. Insbesondere bei Professor/innen kannst du zudem noch schauen, welche Vorlesungen sie im aktuellen Semester gegeben habe. Oder auch wo ihre Forschungsschwerpunkte liegen. Auf die Gebiete, die ich dadurch eingegrenzt hatte, habe ich mein Lernen besonders fokussiert. Damit pokert man zwar ziemlich, doch man kann sich sowieso nicht auf alles im Detail vorbereiten innerhalb weniger Wochen. Außerdem hat man durch die Examensvorbereitung ein so solides Grundwissen, dass man erstaunlich viele Fragen beantworten kann.

    4. Das Vorgespräch

    Zudem gibt es noch das Vorgespräch bei deinem/deiner Prüfungsvorsitzenden. Dieses ist nicht zwingend klassischer Teil der Vorbereitung, doch dort wird dir der grobe Ablauf der Mündlichen erklärt, du sprichst mit oder ohne deine Mitprüflinge über deine Vornoten aus den Schriftlichen bzw. Studium und kannst Notenwünsche äußern.

    Insbesondere zu Letzterem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass du durchaus mutig sein darfst, Notenwünsche zur Verbesserung der Examensnote zu äußern. Schau aber, dass dein Wunsch im Vergleich zu deinen Vornoten nicht gänzlich unrealistisch ist. Forderst du zu “viel”, wird die Schwierigkeit der gestellten Fragen auch entsprechend sein. Das solltest du auf jeden Fall bedenken, um dir im Zweifel die bestmögliche Note sichern zu können und nicht auf die Nase zu fallen. Rechne daher im Vorfeld zum Gespräch am Besten einmal aus, welche Note du in der Mündlichen für deinen gewünschten Gesamtschnitt brauchen würdest. Aber Achtung: nicht jede/r Prüfer/in möchte dies von dir wissen. Schau vor dem Gespräch sicherheitshalber in den Prüfungsprotokollen einmal nach, wie dein/e Vorsitzende/r das handhabt.

    Picture by Yan Krukau on Pexel.com

    5. Der Umgang mit Mitprüflingen

    Mit Ladung zur Mündlichen werden dir auch deine Mitprüflinge mitgeteilt. Je größer deine Fakultät bzw. die Anzahl der Mitprüflinge ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass du sie persönlich kennst oder gar ihren Wissensstand einschätzen kannst. Grundsätzlich ist es auch nicht super wichtig, letzteres einschätzen zu können. Jedoch hat es mir mehr Sicherheit in Hinblick auf die Prüfung gegeben, selbst einschätzen zu können, in welchem Niveau der Schwierigkeitsgrad der Fragen an mich im Vergleich zu den anderen voraussichtlich liegen wird.

    Idealerweise werdet ihr gemeinsam zum Vorgespräch eingeladen und sprecht auch in Anwesenheit aller Mitprüflinge über die Vornoten. Dann hast du alle zumindest schon mal gesehen. Ich selbst bin mit der Einstellung in die Prüfung gegangen, dass wir eine Leidensgemeinschaft sind und uns in den Pausen durch diese Prüfung tragen. Ein nettes Feedback nach z.B. der zivilrechtlichen Prüfung oder ein kleiner Plausch über die nächsten Tage helfen die Stimmung aufzulockern und vom Ernst der Prüfung abzulenken. Deshalb ist es meiner Meinung nach besser die anderen nicht als direkte Konkurrenten anzusehen, sondern sich miteinander darüber zu freuen, dass man nur noch den Tag hinter sich bringen muss, um das 1. Examen in der Tasche zu haben.

    Um sich deshalb ein bisschen besser kennen zu lernen, könntet ihr nach dem Vorgespräch Nummern austauchen und vor der Prüfung einen Kaffee trinken oder sogar einen Probedurchlauf der Mündlichen simulieren. So bekommt ihr ein Gefühl für die Art und Weise der anderen, auf Fragen zu antworten und könnt gemeinsam üben auf direkte Fragen zu reagieren, auch wenn man die Antwort nicht ad hoc weiß.

    6. Fazit

    Es gilt wie immer, wenn es um Prüfungen geht, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Prüfer/innen möchten dir nichts böses, sondern schauen “nur”, ob du praxisgeeignet bist. Zudem bietet die Mündliche eine super Möglichkeit, deine Gesamtnote nochmal deutlich nach oben ziehen zu können. Gehe mit einem positiven Mindset und einer guten Portion Selbstbewusstsein in die Prüfung und ich bin sicher, du wirst am Ende – auch wenn du nicht alle Fragen (richtig) beantworten konntest – mit einem zufriedenstellenden Ergebnis bestehen.

    Hast du Fragen, Anmerkungen oder möchtest deine eigenen Erfahrungen teilen, dann schreib doch einen Kommentar. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gern und folge uns auf Insta @goldwaage.jura.

    1. Staatsexamen ohne Repetitorium – ist das möglich?

    Du willst das Erste juristische Staatsexamen ohne kommerzielles Repetitorium bestehen? In diesem Beitrag teilt unsere Autorin Stine ihre Erfahrungen eines alternativen Weges.


    Bevor ich euch mit Erfahrungen über das Referendariat versorge, möchte ich ein Thema ansprechen, das mir besonders am Herzen liegt: das Erste Staatsexamen absolvieren ohne ein kommerzielles Repetitorium besucht zu haben.

    Nicht nur einmal habe ich während der Vorbereitung an dieser Entscheidung gezweifelt. Auslöser zum Grübeln gibt es viele. Schlechte Noten in den Probeklausuren. Kommiliton*innen die scheinbar weiter sind oder (gefühlt) mehr wissen. Das Gefühl, mit der Entscheidung allein zu sein. Darum habe ich häufig online nach positiven Erfahrungen zur Examensvorbereitung ohne Repetitorium gesucht, wurde aber selten fündig. Stattdessen begegnete man immer wieder Erfolgsgeschichten von Leuten, die ein kommerzielles Rep besucht haben. 

    Kein Wunder, dass die Zweifel blieben und mein Selbstvertrauen gelitten hat. Dabei sind Mut und Vertrauen essenziell für eine gute Vorbereitung auf das Erste juristische Staatsexamen. 

    Darum möchte ich heute ein paar positive Aspekte mit euch teilen. Als kleine Erinnerung, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, auch wenn er anders aussieht.

    Photo by Prateek Katyal on Pexels.com

    Das Beste (ausnahmsweise) zuerst: Ja, es ist möglich. 

    Ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen, dass es funktioniert. Nicht nur bei mir, sondern auch bei einigen Kommiliton*innen, die sich bewusst gegen ein kommerzielles Repetitorium entschieden haben.

    Wichtig: Ich will dich nicht überreden oder dir einreden, dass das der einzige richtige Weg ist. Vielmehr möchte ich ein paar unterstützende Worte für diejenigen dalassen, die mit dem Gedanken spielen oder sich bereits dazu entschieden haben. Die Examensvorbereitung ist sehr individuell. Den einen richtigen Weg gibt es nicht!

    Warum ich den Weg ohne kommerzielles Rep gegangen bin und was dafür spricht:

    • Kostenersparnis

    Hier das offensichtliche: du sparst dir einen Haufen Geld. Ein kommerzielles Rep kostet monatlich zwischen 150-200€. Das sind auf ein Jahr gerechnet Summen, die besser investiert werden können oder einigen schlicht nicht möglich sind. 

    • Individualität und Flexibilität

    Ohne Rep hast du mehr Kontrolle über deinen Zeitplan. Zwei bis drei Tage pro Woche, die sonst durch feste Kurse blockiert wären, kannst du frei gestalten. Natürlich nur, wenn du auch das Unirep flexibel nutzt oder darauf verzichtest. Statt dich an einen allgemeinen Zeitplan zu klammern, kannst du deine Stärken und Schwächen gezielt in den Fokus rücken. Deine Lernstrategie für das Jura-Examen passt du individuell an, statt einem starren Standardplan zu folgen.

    • Du bist nicht mehr allein

    Immer mehr Studierende entscheiden sich bewusst gegen kommerzielle Anbieter in der Examensvorbereitung. Man ist also kein Einzelfall mehr, die Wahrscheinlichkeit von Gleichgesinnten in deinem Umfeld steigt[1].

    • Die Unis holen auf

    Viele Universitäten haben inzwischen den Handlungsbedarf erkannt. Kommerzielle Reps tragen oft dazu bei, das Jurastudium noch elitärer wirken zu lassen, als es ohnehin schon ist. Das Unirep-Programm wird vielerorts ausgebaut: begleitende Vorlesungen, Klausurenkurse und Probeexamina. Natürlich ist noch immer Luft nach oben, aber in Verbindung mit Eigeninitiative und einer Lerngruppe ist das Unirep für Jura häufig eine echte Alternative. Zumal Universitätsprofessor*innen die Prüfungen, auf die sich dich vorbereiten, auch abnehmen. Sie sollten also wissen, worauf es ankommt.

    • Künstliche Intelligenz

    Noch vor kurzer Zeit war es mühsam, an gute Lernpläne zu kommen. Heute kannst du dir mithilfe von KI in der Jura-Examensvorbereitung deinen eigenen, individuellen Lernplan erstellen lassen. Genau auf dich und deine Bedürfnisse zugeschnitten. Daran halten musst du dich immer noch selbst ;). Aber die technischen Möglichkeiten sind da und werden stetig besser. 

    Ich hoffe du siehst, dass es für das Bestehen des Examens keines kommerziellen Reps bedarf, wenn du das nicht möchtest. Lass dich von Momenten der Unsicherheit nicht aus der Bahn werfen.

    Bedenken sind menschlich.

    Hör auf sie, aber lass sie nicht dominieren. Nur du weißt, wann es Zeit ist etwas zu ändern. 

    Ich für meinen Teil wünsche mir, dass sich mehr Studierende trauen den Weg zu gehen, der wirklich zu ihnen passt. Und sich nicht von Profs., Mitstudierenden oder Werbeversprechen verunsichern lassen.

    Und ich wünsche mir von den Unis, dass sie das Potential ihrer Unireps erkennen und weiter ausbauen.  Denn eine erschwingliche Examensvorbereitung im Jurastudium ist nicht nur gerechter, sie hilft auch die Angst und die Mythen rund um das Erste Examen abzubauen.

    Wie bereitest du dich auf den staatlichen Teil des 1. Staatsexamens vor – mit oder ohne kommerzielles Rep? 

     Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Für wöchentliche Tipps, Motivation und Erfahrungen aus dem Jurastudium folge @Goldwaage auf Instagram. 


    [1] https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/studium-und-referendariat/4-punkte/prüfungen-examen/details/traut-euch-jura-examen-ohne-repetitorium

    Bist du der Imposter? Das Imposter-Syndrom im Jurastudium

    „Bald fliegt auf, dass ich eigentlich gar nichts weiß oder kann“ – Ein Gedanke, den viele Jurastudierende kennen und der auch nach dem absolvierten ersten Staatsexamen nicht unbedingt verschwindet. Unsere Autorin Sophia hat das sogenannte Imposter-Syndrom für euch von ganz verschiedenen Seiten beleuchtet.

    Wer ist der Imposter? Diese Frage stellt sich aktuell ganz Tik Tok. Aber worum geht es bei diesem Trend?

    Mehrere Personen sitzen in einem Raum und erhalten einen Begriff. Runde für Runde nennt nun jeder einen weiteren Begriff, der thematisch mit Diesem verwandt ist.

    Doch Vorsicht – eine Person im Raum ist der sogenannte Imposter. Diese weiß nicht, um welchen Begriff es sich handelt. Sie hat schlichtweg keine Ahnung, muss sich dennoch unauffällig verhalten und anhand der bereits genannten Begriffe, einen eigenen nennen, um nicht von der Gruppe als Imposter enttarnt zu werden. 

    Aber was ist ein Imposter eigentlich?

    Der Begriff Imposter kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt Hochstapler.

    Und was hat das Ganze jetzt mit dem Jurastudium zu tun?

    Vielleicht hast du schon mal vom sogenannten Imposter-Syndrom oder auch Hochstapler-Syndrom gehört. Laut den EURES (EURopean Employment Services) handelt es sich hierbei um ein Phänomen, bei welchem sich Betroffene trotz ihres (beruflichen) Erfolgs unzulänglich fühlen und das Gefühl haben, ihren Erfolg nicht zu verdienen bzw. nicht so begabt, wie andere zu sein. 

    Nina Chuba setzt sich in ihrem Song „Unsicher“ mit eben diesen Gefühlen des Selbstzweifels und der Orientierungslosigkeit von jungen Erwachsenen auseinander. 

    Sie singt:

    „Ich greife nach den Sternen und wenn ich’s schaff, dann nenn‘ ich’s Glück.“

    Und das beschreibt es ziemlich treffend. 

    Betroffene des Imposter-Syndroms glauben, ihren Erfolg dem Zufall zu verdanken zu haben und irgendwann als BetrügerIn entlarvt zu werden. 

    Vermutlich hast du derartige Gedanken im Laufe deines Studiums auch schon mindestens einmal gehabt.

    Kein Wunder – das Jurastudium hat so einiges zu bieten, was dieses Gefühl fördert: 

    Die juristische Notengebung. Ständig „leider nur 3 Punkte“ und keine sichtbare Steigerung, umso größere Freude bei 4 von 18 Punkten und das pure Misstrauen gegenüber der eigenen Leistung, wenn plötzlich einmal die 9 Punkte oder mehr unter der Klausur stehen. „Ist das wirklich meine Klausur oder liegt hier ein Fehler vor?“

    Auch die Randbemerkungen der Korrektoren wie „Nein“, „Grob falsch“ oder kurz und knapp „???“, sowie kaum Verbesserungsvorschläge fördern das eigene Selbstvertrauen wohl kaum. Ganz im Gegenteil.

    Hinzu kommen das enorm hohe Konkurrenzniveau und der ständige Vergleich mit anderen Jurastudierenden. 

    Es ist und bleibt nun einmal so: Noten spielen weiterhin eine wichtige Rolle im Hinblick auf die eigene juristische Zukunft (auch wenn Notenanforderungen, beispielsweise für eine Karriere in der Justiz vielerorts zunehmend immer weiter abgesenkt werden). 

    Im Studium werden wir ständig allein anhand unserer Noten mit anderen Studierenden verglichen, ob wir es wollen oder nicht. 

    Was kannst du also tun, um dem Imposter-Syndrom entgegenzuwirken?

    Sprich mit anderen Jurastudierenden. Schnell wirst du merken, diese Gefühle treten früher oder später bei fast jedem von ihnen einmal auf – unabhängig davon, ob sie konstant „gute“ Noten schreiben oder regelmäßig Rückschläge erleben. 

    Feiere deine Erfolge also. Und zwar nicht nur die großen. Du hast endlich das eine Problem durchdrungen? Du hast die Zwischenprüfung geschafft? Du hast das erste Mal eine Klausur im Klausurenkurs für’s Examen mit „knapp 4 Punkten“ bestanden? All das sind deine ganz eigenen Erfolge und nicht etwa nur Glück. 

    Auch das Gespräch mit Nicht-Juristen hilft oft. Bewegst du dich zu sehr in der Jura-Bubble verlierst du schnell den Bezug zur Realität vor lauter Leistungsdruck. Da hilft es manchmal, durch Freunde oder Bekannte wieder zurück auf den Boden der Tatsachen gebracht zu werden. (Obwohl diese nicht selten selbst im beruflichen Umfeld vom Imposter-Syndrom betroffen sind).

    Was mir Persönlich außerdem sehr hilft, ist ein Jahresrückblick. Ich versetze mich in mein Ich von vor einem Jahr hinein und frage mich: Wo stand ich heute vor einem Jahr und was habe ich seitdem eigentlich alles erreicht? Und ich sage dir, da kommt eine ganze Menge zusammen, die man schnell als selbstverständlich abtut. Das Jahr besteht aber aus vielen kleinen und großen Erfolgen, auf die wir stolz sein sollten. Wenn es dir hilft schreib dir diesen Jahresrückblick zusätzlich auf, damit du dir deine Erfolge bei Bedarf immer wieder in Erinnerung rufen kannst. 

    Von uns Jurastudierenden wird viel Können erwartet aber egal in welchem Stadium deines Studiums du auch gerade steckst, ruf dir in Erinnerung: du kannst bereits verdammt viel!

    Um mit einem weiteren Song-Zitat aus meiner Motivations-Playlist abzuschließen:

    „Glück nie verwechseln mit Können aber dein Können niemals anzweifeln.“ (Kontra K – „Erfolg ist kein Glück“)

    Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit deinen KommilitonInnen und folg uns auch auf Instagram @goldwaage.jura.