Fünf Dinge, die ich gerne vor meinem Jurastudium gewusst hätte

Falls du gerade deine Abiturprüfungen schreibst und nun überlegst, ob ein Jurastudium für dich in Betracht kommt, bist du hier genau richtig. 

Ich erzähle dir hier von einigen Dingen, die ich gern gewusst hätte, bevor ich mit Jura angefangen habe. 

  1. Die Studieninhalte sind nicht wie bei „Suits“

Was selbstverständlich klingt, wird von einigen AbiturientInnen – wie mir damals – leider oft vernachlässigt: Die Studieninhalte vor der Bewerbung um einen Studienplatz genau anzuschauen. Viele haben, wenn sie an Jura denken, bereits ein völlig falsches Bild vor Augen: „Jura ist trocken; man muss Gesetze auswendig lernen; später arbeitet man wie bei Suits oder How to get away with murder“. Das Studium ist aber überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich hätte nicht gedacht, dass es so extrem theoretisch, dogmatisch und teilweise kleinkariert wird und dachte, dass man von Tag eins an in den Vorlesungen spannende Kriminalfälle bespricht. Es lohnt sich also, sich vor der Bewerbung ein wenig in BGB AT, Grundrechte oder Strafrecht AT hineinzulesen, weil das der tatsächliche Stoff sein wird, den man im ersten Semester lernt. 

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2. Das Studium ist länger, als du denkst

Ich dachte damals, dass man mit Jura bestimmt nach etwa fünf Jahren fertig sei. Das stimmte leider nicht so ganz. Das Hauptstudium dauert nach der Regelstudienzeit 9 Semester, realistisch sind jedoch im Durchschnitt 11,3 Semester – also etwa fünfeinhalb bis sechs Jahre. Dann wird das erste Staatsexamen geschrieben. Hiernach absolviert man ein zweijähriges Referendariat an unterschiedlichen Stationen (z.B. Gericht, Staatsanwaltschaft,..). Darauf folgt logischerweise das zweite Staatsexamen. Insgesamt ist man also, bis man tatsächlich VolljuristIn ist, durchschnittlich ca. siebeneinhalb bis acht Jahre in der Ausbildung. Wer gern lange studieren möchte, ist mit Jura gut beraten. Wer aber relativ schnell Geld verdienen möchte, muss hier eventuell noch einmal die Prioritäten überdenken. 

3. Jura hat eine eigene Sprache

Vor Antritt des Studiums war mir weiterhin nicht bewusst, dass man im Jurastudium fast ausschließlich im Gutachtenstil arbeitet. Alle Klausuren und Hausarbeiten werden nach einem bestimmten Muster verfasst: Obersatz, Definition, Subsumtion, Ergebnis. Was kompliziert klingt, ist eigentlich ziemlich nachvollziehbar, wenn man sich eine Beispielklausur anschaut. Es muss dir aber bewusst sein, dass du im Jurastudium normalerweise z.B. keine Essays schreibst und somit nicht dazu kommst, in Klausuren und Hausarbeiten deinen Gedanken und deinem Schreibstil freien Lauf zu lassen. Es gibt genaue Vorgaben für den Stil, den man einzuhalten hat, was sicherlich auf kreativ Schreibende und Denkende abschreckend wirken mag.

4. Hausarbeiten sind keine Aufsätze

Es ist nicht möglich, wie in anderen Studiengängen mithilfe von drei bis fünf Lehrbüchern eine ganze Hausarbeit innerhalb einiger Tage zu verfassen. Als Richtwert für eine Anfängerhausarbeit kann man ca. 20 Lehrbücher & Gesetzeskommentierungen und einige Aufsätze und Gerichtsurteile nehmen. Eine typische Bearbeitungszeit für eine Hausarbeit liegt bei ca. vier Wochen, inklusive genauester Recherche und Zitation, bei deren Nichtbeachtung es Punktabzug gibt. Wenn man sich aber einmal in das Thema Hausarbeit eingearbeitet hat, findet man sich auch hier gut zurecht. Formal und inhaltlich saubere Ausarbeitungen werden definitiv belohnt, sodass du in den Hausarbeiten oftmals bessere Punktzahlen als bei Klausuren erreichen kannst.

5. Ständig muss man Fälle lösen

Typische Klausuren (außer eventuell im Schwerpunktbereich) laufen niemals im Multiple-Choice-Format oder durch eine „offene Fragestellung“ ab. Wie in den Hausarbeiten liegt auch bei den Klausuren für die Bearbeitung ein Fall zugrunde, den du hier innerhalb von zwei Stunden zu lösen hast. Oft lautet die Fragestellung z.B.: „Welche Ansprüche stehen K (Käufer) gegen V (Verkäufer) zu?“ oder „Wie hat sich T (Täter) strafbar gemacht?“. Für die Lösung dieser Fragen darfst du den Gesetzestext benutzen – um den richtig anwenden zu können, benötigst du jedoch einiges an Hintergrundwissen.

6. Fazit

Das Ziel des Artikels ist trotz der vielen Informationen auf keinen Fall, dir vom Jurastudium abzuraten. Ich möchte dir vielmehr ein realistisches Bild von dem vermitteln, was auf dich zukommt. So kannst du dir genau überlegen, ob Jura die richtige Studienwahl für dich ist. Ein Spruch, der sich immer wieder in allen Lebenslagen bewahrheitet, ist: „Wo ein Wille, da ein Weg“. Wenn du dich belesen hast und immer noch für die Idee brennst, JuristIn zu werden, dann kann ich dir definitiv zu diesem Studium raten. Wer die Motivation und das nötige Interesse besitzt, kann mit Jura sehr glücklich werden und durchstarten.

Solltest du Jura studieren? So findest du es heraus

Ist Jura das richtige Studienfach für dich? Wir haben in diesem Post allerhand Möglichkeiten zusammengetragen, anhand derer du das herausfinden kannst.

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Selbsttests 

Viele Universitäten bieten online Tests an, anhand derer du abgleichen kannst, ob deine Vorstellung von einem Jurastudium mit der Realität übereinstimmt. Diese Angebote sind im kostenlos und enthalten Informationen zum Aufbau und Ablauf des Studiums, Anschauungsstundenpläne und Beispiele für die juristische Arbeitsweise. Ich selbst habe vor meinem Studium mehrere solcher Tests gemacht und fand sie wirklich gut, um ein Bild vom Studiengang zu bekommen. Hier findest du:

Vorlesungen

Hilfreich ist es auch, sich einmal eine Vorlesung anzuhören. Normalerweise ist es möglich, sich einfach in einen Hörsaal hineinzusetzen. Während der Pandemie finden jedoch die Vorlesungen online statt. Zum Glück gibt es im Internet einige Aufzeichnungen, die ebenfalls ein gutes Bild vermitteln. Es ist durchaus sinnvoll, sich mal einige Minuten davon anzuhören – nur mach dir keine Sorgen, falls der Stoff für dich anfangs nicht super einleuchtend erscheint. Richtig lernen, sollst du ja erst ab dem ersten Semester.

YouTube

Dank YouTube kannst du dir auch von erfahrenen Juristen erklären lassen, warum sie Jura studiert haben und was für sie der Schlüssel zu einem erfolgreichen Studium war.

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Werde dir deiner Motivation klar

Du kannst dich zwar im Voraus schon viel informieren – aber das Jurastudium ist laaang. Mit großer Wahrscheinlichkeit wirst du an einen Punkt stoßen, an dem du mal an deiner Studienwahl zweifelst. Deshalb ist es gut, dich schon früh zu fragen, was dich antreibt? Hier ein paar Fragen, die du dir selbst stellen kannst:

-Warum ausgerechnet Jura? Wird es in deiner Familie von dir erwartet? Machst du es wegen der Jobaussichten? Aus politischem Interesse? Gibt es andere Studienfächer die dich auch, bzw. mehr interessieren? (Keine der Antworten ist gut oder schlecht – du solltest dir nur im Klaren darüber sein)

-Wie stellst du dir deinen Studienalltag vor? Bist du bereit in den Semesterferien Praktika zu absolvieren und Hausarbeiten zu schreiben? Kannst du mit der oft sehr strengen Bewertung von Prüfungen leben?

-Bist du bereit, dich einzuarbeiten? Gehst du gerne mit Sprache um? Bist du bereit, dich intensiv in neue Themen einzulesen und lange Texte im Gutachtenstil zu schreiben?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Sich im Voraus schlau machen ist sinnvoll. Aber kein Testergebnis, kein Reinschnuppern in eine Vorlesung kann ein echtes Jurastudium simulieren. Ich habe eine Freundin, die sich seit Kindheitstagen sicher war: Sie wird Juristin. In allen Tests der Berufsberatung waren ihre Ergebnisse überragend. Wir waren uns sicher, dass Jura genau ihr Ding ist. Nach zwei Semestern an der Uni hat sie abgebrochen – es hat ihr einfach nicht gefallen. Jetzt studiert sie etwas anderes und ist sehr glücklich.

Bei mir war es genau andersherum. Viele in meinem Bekanntenkreis schlugen mir nach dem Abi vor: Mach doch Jura. Und mein Standardspruch war „Ich studiere alles außer Medizin, BWL und Rechtswissenschaften.“ Tja- nach zwei Semestern Sprachstudium gestand ich mir dann ein: Ich will doch Jura studieren. Eigentlich schon die ganze Zeit. Ich habe mich schließlich für Rechtswissenschaften an meiner Uni eingeschrieben und es seither keine Sekunde bereut.

Was ich damit sagen will ist: Mach dich im Voraus nicht verrückt. Wenn du Lust hast, Jura zu studieren, probiere es aus. Du kannst daraus so oder so nur lernen.

Mehr zu dem Thema: Das erste Semester Jura: Das erwartet dich

Wie ist das Jurastudium aufgebaut?

Du hast dich schon immer gefragt, warum das Jurastudium so lang ist? Das wollen wir dir in diesem Beitrag, anhand des genauen Aufbau des Studiums, erklären. 

Vorweg muss angemerkt werden: Die Ausbildung unterscheidet sich teilweise stark von Bundesland zu Bundesland. Das betrifft nicht nur die Fächer, sondern auch den Ablauf des Studiums. Wir möchten dir hier die Grundbausteine, aus denen das Studium besteht, erläutern. Falls du genaue Angaben suchst, wirf mal einen Blick in die JAPO (Juristenausbildungs- und Prüfungsordnung) deines Bundeslandes. Dort steht alles im Detail. 

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Die ersten Semester an der Uni  Wie jeder Studiengang beginnt auch das Jurastudium mit Semestern an der Uni. In Vorlesungen und kleineren Unterrichtseinheiten lernst du die Grundlagen der deutschen Rechtswissenschaft. In einigen deiner Semesterferien musst du zudem Pflichtpraktika absolvieren. 

Die Zwischenprüfung  Nach einigen Semestern (an den meisten Unis ab dem vierten Semester) trittst du deine Zwischenprüfung an. Dafür musst du Klausuren und Hausarbeiten in den Grundlagenfächern bestehen. Der Zeitraum, diese Prüfungen abzulegen, ist oftmals begrenzt. Wenn du die Prüfung bestanden hast, geht dein Studium mit den Vorlesungen für Fortgeschrittene weiter. 

Der Schwerpunkt  Ab ca. dem fünften Semester kannst du beginnen, Vorlesungen zu einem Schwerpunkt deiner Wahl zu hören und Prüfungen zu schreiben. Jede Uni bietet verschiedene Schwerpunkte an, dazu gehören beispielsweise Kriminologie, Europarecht oder Medienrecht. Einige Studierende wechseln extra für ihren Schwerpunkt noch einmal die Uni. Andere entscheiden sich, den Schwerpunktbereich nach dem ersten Staatsexamen zu absolvieren. 

Das Repetitorium  Wenn du alle Grundlagen- und Fortgeschrittenenübungen bestanden hast, kannst du mit der intensiven Vorbereitung auf das Examen beginnen. Viele Studierende besuchen hierfür ein sogenanntes Repetitorium, bei dem sie den Examensstoff wiederholen, Probeklausuren schreiben und sehr viel lernen. Die meisten Studierenden bereiten sich sechs bis 18 Monate auf die Examina vor. 

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Der Freischuss  Wenn du schnell genug mit dem Studium fertig bist, kannst du den sogenannten “Freischuss” antreten. Dabei handelt es sich um einen zusätzlichen Examensversuch. Im Regelfall hat jeder Studierende zwei Versuche, mit dem Freischuss jedoch einen Versuch mehr. Falls du diesen nicht bestehen solltest, kannst du deine weiteren zwei Versuche noch antreten, ohne dass dem ersten Versuch weitere Beachtung geschenkt wird. In vielen Bundesländern muss der Freischuss bis zum zehnten Semester geschrieben werden. Jedoch werden Auslandsaufenthalte davon abgezogen und Engagement, wie Arbeit beim Fachschaftsrat, Teilnahmen am Mootcourt u.ä. werden mit einem Extrasemester vergütet. 

Das erste Staatsexamen  Dann ist es soweit. Das erste Examen steht an. Dieses setzt sich aus sechs bis sieben schriftlichen Klausuren und einer mündlichen Prüfung zusammen. Wenn du es bestanden hast, kannst du den praktischen Teil der Juraausbildung beginnen. 

Das Referendariat  Im Referendariat beginnst du nun endlich, als Jurist zu arbeiten – und wirst dafür auch bezahlt. Das Referendariat erstreckt sich über zwei Jahre, die du an verschiedenen Stationen (in der Regel Zivilrecht-, Strafrecht-, Verwaltungsrecht und Wahlstation) verbringst. 

Das zweite Staatsexamen  Um VolljuristIn zu werden und als AnwältIn, RichterIn oder StaatsanwältIn zu arbeiten, musst du auch noch ein zweites Staatsexamen absolvieren. Dieses besteht ebenfalls aus sieben Klausuren und einer mündlichen Prüfung. Danach hast du es (endlich) geschafft und bist Volljurist. 

Du siehst – nicht nur der Aufbau, sondern auch die Länge des Studiums kann stark variieren. Du selbst kannst auch Einfluss darauf nehmen und entscheiden, so schnell wie möglich alle Prüfungen zu absolvieren und dich ins Berufsleben zu stürzen – oder dir Zeit zu lassen, eventuell einen Auslandsaufenthalt oder andere Aktivitäten in dein Studium einzubauen und die Studienzeit dadurch verlängern.

Das erste Semester Jura: Das erwartet dich

Du hast dich bei einer Uni für den Studiengang „Rechtswissenschaften“ eingeschrieben, aber weißt gar nicht genau, was jetzt auf dich zukommt? Kein Problem! In diesem Beitrag erklären wir es dir, anhand der wichtigsten Bausteile, aus denen sich das Studium zusammensetzt.

Vorlesungen Ganz klassisch besteht das Jurastudium zu einem Großteil aus Vorlesungen. Im ersten Semester wirst du dir wahrscheinlich einen Überblick über die drei Rechtsgebiete Strafrecht, Privatrecht und Öffentliches Recht verschaffen und lernen mit den vorerst wichtigsten Gesetzen (dem StGB, dem BGB und dem Grundgesetz) umzugehen. Zusätzlich besuchst du im ersten Semester sogenannte Grundlagenvorlesungen zu Fächern wie Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte oder Recht und Wirtschaft. 

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AG/ Seminare/ VKs Diese Begriffe meinen dasselbe, werden nur von Uni zu Uni verschieden angewandt. Eine AG erinnert ein wenig an den Unterricht in der Schule. Zusammen mit einer Lehrperson geht ihr hier in einer kleineren Gruppe Fälle durch und wendet den theoretischen Stoff aus den Vorlesungen an. An einigen Unis ist die Anwesenheit in solchen Veranstaltungen Pflicht. 

Fälle In den AGs oder VKs wirst du das, was du in der Vorlesung an Theorie gelernt hast, an Fällen üben. Hierbei sollst du lernen, den Gutachtenstil richtig anzuwenden und dein Wissen praktisch umsetzen. 

Ein Fall im Privatrecht kann zum Beispiel so aussehen:  Person A sieht in einem Schaufenster ein Handy liegen. Auf einem kleinen Schild darunter steht „Handy: Kaufpreis 400 Euro“. A betritt den Laden und möchte von B, dem Verkäufer, das Handy kaufen. Dieser weigert sich jedoch und sagt, das Handy sei nur zu einem Preis von 500 Euro erhältlich. Hat A Ansprüche gegen den B?

Hausarbeit Im Regelfall schreibst du bereits nach dem ersten Semester, in deiner vorlesungsfreien Zeit, deine erste Hausarbeit. Die Hausarbeit ist ein Aufsatz, bei dem du auf 15-25 Seiten (je nach Semester und Uni) einen juristischen Fall löst. Dabei sollst du beweisen, dass du die Grundlagen des Gutachtenstils drauf hast und mit juristischer Literatur arbeiten kannst. 

Klausuren Neben einer Hausarbeit schreibst du im Regelfall bereits am Ende des ersten Semesters eine Klausur in einem der Grundlagenfächer (z.B. Rechtsphilosophie). Je nach Uni, wird möglicherweise auch von dir erwartet, eine Klausur in einem der Rechtsgebiete zu schreiben. An vielen Universitäten folgt dies aber erst im zweiten Semester.  

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Musterstudienplan Sehr hilfreich, um dir einen Überblick zu verschaffen, sind sogenannte Musterstudienpläne. Diese findest du auf der Website deiner Fakultät. Hier wird genau aufgeschlüsselt, welche Kurse du in welchem Semester belegen kannst, um in der Regelstudienzeit dein Studium zu absolvieren. Es lohnt sich besonders in den ersten Semestern daran zu halten – es ist allerdings nicht verpflichtend. 

Andere Notengebung Vielleicht hast du schon davon gehört: Die Notenskala im Jurastudium ist gänzlich anders als die im Bachelor-System. Die Skala reicht von 0 bis 18 Punkten. Mit vier Punkten ist eine Prüfung bestanden, ab neun Punkten spricht man von einem “Prädikat”, was für viele Studierende das Äquivalent zu einer richtig guten Note ist – denn 18 oder auch nur über 10 Punkte zu erreichen, ist wirklich schwer und definitiv nicht der Durchschnitt. 

Was musst du vor dem Jurastudium tun? Gar nichts! Du kannst dir Vorlesungen oder Jurapodcasts online anhören und dir ein Bild davon verschaffen, ob das etwas für dich ist. Du kannst dir überlegen, was deine Motivation ist und was du machst, falls es dir doch nicht gefällt. Aber mach dich nicht verrückt. Alle fangen im ersten Semester bei Null an und du gehst zur Uni, um dort zu lernen – nicht, weil du schon so viel Verständnis von den Rechtswissenschaften hast. 

Keine Sorge, das hört sich zuerst viel auf einmal an – aber wir versprechen, es bleibt bei alledem noch genug Zeit, neue Freunde zu finden, Spaß außerhalb der Uni zu haben und sich langsam an die neuen Studienfächer heranzutasten.

Legal Bookclub: Der Vorleser

Ein Roman von Bernhard Schlink [unbezahlte Werbung]

Diesen Monat habe ich ein etwas anderes Buch für den Legal Bookclub gelesen. „Der Vorleser“ beginnt zunächst mit einer verbotenen Liebe, entpuppt sich jedoch rasch als ernstes Werk, das sich auch mit den Schicksalen der Opfer und Täter des Nationalsozialismus auseinandersetzt.

Der Autor Bernhard Schlink analysiert als ehemaliger Richter und Professor für Öffentliches Recht, aber vor allem als sehr genauer Beobachter, einen NS-Prozess mit seinen emotionalen und juristischen Facetten.

„Daß einige wenige verurteilt und bestraft und daß wir, die nachfolgende Generation, in Entsetzen, Scham und Schuld verstummen würden – das sollte es sein?“

Bernhard Schlink über die Erinnerungskultur und den Generationenkonflikt
Eine Geschichte über Liebe, Schuld, Verantwortung und Gerechtigkeit

Am meisten fasziniert hat mich die ungewöhnlich tiefe und unerschütterliche Liebe des Protagonisten zu seiner Partnerin. Eine Verbindung, die sich keiner Zeit, keinem Ort und keiner Lebenslage beugt.

Insgesamt ist der Roman keine leichte Lektüre, aber eine, die zum Nachdenken anregt, an Verdrängtes erinnert und an Bestehendem zweifeln lässt.

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Neun Empfehlungen Jura zu lernen, ohne zu lernen

Du willst dich neben deinem Studium noch über juristische Themen auf dem Laufenden halten? In diesem Post stellen wir dir neun Möglichkeiten vor, bei denen du etwas lernst, ohne an den Schreibtisch gefesselt zu sein. 

I. Jura zum Hören

Sprechen wir über Mord?!

In Sprechen wir über Mord von SWR2 bespricht Journalist Holger Schmidt, zusammen mit Prof. Thomas Fischer – ganz genau, der ehemalige Richter am BGH – Kriminalfälle aus Deutschland. Das Tolle: Hier trifft sorgfältige Recherche auf eine juristische Expertenmeinung. Thomas Fischer erklärt sehr verständlich komplexe strafrechtliche Themen und gewährt spannende Einblicke in den Richteralltag.

Kurzerklärt

Was passiert, wenn ein Jurastudent und Wirtschaftsstudent einen Podcast aufnehmen? Genau das haben sich wohl auch Basti und Kourosh gefragt – heraus kam Kurzerklärt. Ein Podcast, in dem die beiden sehr konkrete Studieninhalte erklären, spannende Interviews führen und auch mal über eigene Prüfungserfahrungen quatschen. Dadurch, dass die beiden verschiedene Fächer studiert haben, ist der Podcast besonders interessant – denn so sind die beiden gezwungen, dem Gegenüber abstrakte Themen möglichst einfach zu erklären, was das Hören nicht nur einfach, sondern wirklich unterhaltsam macht. 

#Fußnote

Prof. Martien Fries, der derzeit in München lehrt und Anwalt Dr. Dominik Herzog beantworten in #Fußnote Fragen rund ums Studium. Dabei schaffen es die beiden, ihre Begeisterung für die Rechtswissenschaften zu teilen, wichtige Tipps zu geben – und das ganze auch noch ziemlich humorvoll. Am Ende jeder Folge stellt Prof. Martin Fries außerdem zwei aktuelle Gerichtsentscheidungen aus dem Zivilrecht vor, sodass man auch fachlich etwas für sich mitnehmen kann. 

FAZ Einspruch

Die Redakteure Constantin van Lijnden und Corinna Budras haben beide selbst Jura studiert und sprechen im wöchentlichen Podcast FAZ Einspruch über aktuellste Gerichtsentscheidungen. In regelmäßigen Abständen laden sie Interview-Gäste ein und befragen hochrangige Juristen zu viel-diskutierten Themen.

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II. Jura zum Lesen

Legal Tribune Online (LTO)

LTO ist ein Online-Magazin, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, über aktuelle politische und juristische Nachrichten Bericht zu erstatten. Zudem findest du hier regelmäßig Beiträge zu Karriere, Beruf und Jurastudium

FAZ Einspruch

Neben dem Podcast gibt es FAZ Einspruch auch noch als Print, beziehungsweise Online-Medium. Auch hier gibt es aktuelle Berichterstattung rund um die Justiz, sowie Beiträge zu Beruf und Ausbildung. 

Jurios 

Du suchst nach ein wenig Abwechslung zwischen den ernsten Jura-Nachrichten? Dann schau mal auf der Website von JURios vorbei. JURios ist ein Online-Magazin, dass über kuriose, skurrile und brisante Meldungen aus der Justiz berichtet. Wusstest du zum Beispiel, dass einem Mieter das Mietverhältnis fristlos gekündigt werden kann, wenn er in Verdacht steht, den Vermieter getötet zu haben? Wir wissen es jetzt – dank JURios.

Newsletter des BGH und BVerfG 

Wenn du Informationen aus erster Hand suchst, kannst du auch die Newsletter des BGH oder des BVerfG abonnieren, um immer die aktuellsten Pressemitteilungen direkt per E-Mail zu erhalten. 

The Hip-Hop-Law Journal

Hiphop und Jura zusammen? Das geht, beweisen die Blogger von The Hip-Hop-Law-Journal. Auf ihrem Blog berichten sie von Nachrichten aus der Rap und Jura-Welt und greifen dabei zB Themen wie den Strafprozess des Rappers Bushido auf. Besonderes Highlight: Auf ihrem Instagram Kanal teilen sie regelmäßig Eselsbrücken, die juristische Streitstände durch Songtexte erklären.

Du suchst nach Literatur, die mit Jura zu tun hat? Du willst Klassiker lesen, die keine Lehrbücher sind? Dann schau mal in unserer Rubrik Legal Bookclub vorbei.

Legal Bookclub: Was ist Gerechtigkeit?

Ein Aufsatz von Hans Kelsen [unbezahlte Werbung]

Nachdem ungefähr vier Profs wiederholt auf diesen Aufsatz verwiesen haben („Das müssen Sie gelesen haben!”) habe ich mich diesen Monat entschieden “Was ist Gerechtigkeit?”  von Hans Kelsen zu lesen. 

“Was ist Gerechtigkeit” ist ein Standardwerk, das theoretische und philosophische Antworten auf die uralte Frage nach Gerechtigkeit sucht.  

„Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist des Menschen ewige Sehnsucht nach Glück. Da er dieses Glück nicht als isoliertes Individuum finden kann, sucht er es in der Gesellschaft.“

Hans Kelsen

Kelsen, der als einer der bedeutendsten Rechtstheoretiker des vergangenen Jahrhunderts gilt, macht darin einen Querschlag durch verschiedene Philosophien und Weltanschauungen und erklärt, wie diese Gerechtigkeit definieren. 

Besonders auf den letzten Seiten nimmt Kelsen Fahrt auf und kommt zu seinem eigenen Fazit: Er selbst kenne keine ultimative Antwort auf die große Frage – aber eine Annäherung. Diese läge immer in der Toleranz. 

Ich kann das Lesen des Aufsatzes wirklich empfehlen. Ich bin selbst oft gehemmt, theoretische Bücher oder “schwere Kost” zu lesen – aber genau das ist der Aufsatz nicht. Kelsen schafft es, große Gedanken verständlich wiederzugeben, und das auf weniger als 100 Seiten. 

Eine Ausgabe des Aufsatzes gibt es im Reclam Verlag für 4,80€. (Keine Werbung)

Der größte Trugschluss im Studium

Oder: Wie Druck deine Leistung killt

Wir glauben an einen Trugschluss. Viele von uns so sehr, dass sie lieber im Burn-Out enden würden, als ihn zu hinterfragen. Der Gedankengang, von dem ich spreche, lässt sich in eine einfache Formel herunterbrechen: Mehr Stress/Druck = bessere Leistung.

Dass diese Rechnung nicht unbedingt aufgeht, habe ich, wie viele andere, schon selbst erfahren – und ertappe mich dennoch immer wieder dabei, selbst unglaublichen Druck auf mich auszuüben.

Jeder von uns kennt Sätze wie: “Ich kann nur unter Stress gut arbeiten.” 

Tatsächlich gibt es viele wissenschaftliche Studien, die den Zusammenhang von zu viel Druck und schlechten Leistungen beweisen. Eine davon hat meine Einstellung zu Leistungsdruck extrem verändert. 

Es handelt sich dabei um das Yerkes-Dodson-Gesetz. (Einen sehr ausführlichen Beitrag dazu habe ich beim Blog Motiviert Studiert gefunden). Vereinfacht gesagt, haben die Forscher entdeckt, dass Leistung mit zunehmendem Druck nicht immer besser wird, sondern ab einem bestimmten Punkt stetig wieder abnimmt. Die Idee ”Mehr Stress = mehr Leistung” ist also nur bis zu einem bestimmten Punkt wahr – ab dann bewirkt mehr Druck genau das Gegenteil: Nämlich weniger Leistung.

Unsere Aufgabe ist es also, die richtige Balance zu finden. Ein Mindset, das uns gerade so viel stresst, dass es uns anspornt, aber niemals zur Überforderung führt. 

Bei mir persönlich löst der Gedanke an eine Klausur noch keinen Stress aus. Erst wenn ich anfange, extreme Maßstäbe an mich zu setzen (“Das muss ein Prädikat werden”…), entsteht bei mir übermäßiger Druck. Ich weiß also, wie ich das umgehen kann: Statt meinen Fokus auf die Endnote zu setzen, probiere ich mich bestmöglich vorzubereiten. Sodass ich weiß, dass ich alles verstanden haben. Das gibt eine unheimliche Ruhe. Umgekehrt spornt es mich an, zu wissen, dass bald eine Klausur vor der Tür steht. Es motiviert mich, zu lernen und am Ball zu bleiben – ohne jedoch starken Druck auf mich auszuüben.

Falls du also merkst, dass du bereits an einem Punkt bist, an dem der Druck dich nicht mehr anspornt, sondern lähmt, unternimm etwas dagegen! Gönne dir eine Pause, hinterfrage die Ursachen für deinen Druck, mache etwas, das dir Spaß macht – bis du das Gefühl hast, dass der Druck sinkt.

Eine einzige Frage, die dir helfen wird, deine Ängste im Studium zu überwinden

Angst ist ein schlechter Ratgeber, das ist kein Geheimnis. Als ich mein Studium begann, überkam mich regelmäßig ein Anflug von Panik, der sich schnell zu einer ausgewachsenen Zukunftsangst entwickelte. Anfangs dachte ich noch, ich sei die Einzige mit solchen Befürchtungen: 

-Was ist, wenn ich nicht genug mache? -Was ist, wenn ich durch die Prüfung falle?  -Was ist, wenn ich mein Examen nicht bestehe?  -Was ist, wenn ich später keinen Job finde? 

Im Verlauf meines weiteren Studiums wurde mir allerdings klar, dass ich nicht allein war – viele meiner Freunde und KommilitonInnen machten sich die gleichen Sorgen. 

Ziemlich irrational, oder? 

Diese Befürchtungen kommen jedoch nicht von irgendwo her. Der rechtswissenschaftliche Studiengang ist in Deutschland so aufgebaut, dass alle Bemühungen und jahrelanges Studieren bei einem verpatzten Staatsexamen für die Katz waren. Das wissen wir JurastudentInnen – denn daran werden wir ab Beginn des Studiums ständig von ProfessorInnen und StudentInnen aus höheren Semestern erinnert. 

Es ist also nicht verwunderlich, dass viele Studierende, bei der Abgabe einer einfachen Hausarbeit oder spätestens mit Aufnahme der Examensvorbereitungen, in einen extremen Stress verfallen, der sich bei einigen zu starken Ängsten entwickelt. 

Irgendwann, ich schätze es war im dritten Semester, als mich gerade wieder einen Anschub von Zukunftsängsten beschlich, fragte ich mich jedoch: 

“Was ist das Schlimmste, das passieren kann?” 

Diese Frage (und insbesondere ihre Antwort) änderte vieles. Was ist denn das Schlimmste, das einem im Jurastudium passieren kann? 

-Durchzufallen in einer Klausur?  -Keine Top-Noten im Lieblingsfach zu schreiben?  -Das Staatsexamen nicht zu bestehen? 

Klar, diese Dinge sind alle wahnsinnig unangenehm, niederschmetternd oder zermürbend. Aber sie wären auch nicht das Ende der Welt. 

Was mir damals klar wurde, ist, dass ich nicht vorhersehen kann, was in der Zukunft geschieht. Es kann sein, dass ich jetzt “nicht richtig lerne” und mir das im Examen zum Verhängnis wird. Es kann auch sein, dass ein Schicksalsschlag geschieht, ich in schlechter Verfassung meine Prüfung antrete muss, etc. 

Aber es wäre nicht das Ende. 

Es gibt Zweitversuche, nicht nur für verpatzte Prüfungen während des Studiums, sondern auch für das Examen. Es gibt Berufe und Perspektiven außerhalb von Jura.  

Als mir das klar wurde, fiel ein riesiger Druck von mir ab. Ich stresse mich seitdem weniger wegen Noten – und erhalte auch ohne die ständige Anspannung Ergebnisse, mit denen ich zufrieden bin. Vor allem aber, gehe ich nicht mehr vom Hundertsten ins Tausendste und kann dadurch verhindern, in die Panik-Falle zu tappen. 

Hat dir der Beitrag geholfen? Dann teile ihn gerne oder schreib uns deine Gedanken dazu via Instagram @goldwaage.jura oder per Mail @goldwaage.jura[at]gmail.com

Falls du das Gefühl hast, dass deine Ängste jedoch über ein erträgliches Maß hinausgehen, suche dir Hilfe. Sprich mit Freunden und Familienmitgliedern darüber oder mit einem Profi, wie einem Unipsychologen. Ein bisschen Druck gehört im Studium dazu – aber du solltest nicht darunter leiden.

Legal Bookclub: Stress yourself (law)less

Ein E-Book von Felicitas Famulla [unbezahlte Werbung]

In Ihrem E-Book “Stress yourself (law)less” plaudert die Rechtsreferendarin Felicitas aus dem Nähkästchen und erklärt, wie Stress und Ängste im Studium und der Examensvorbereitung verringert werden können.

Felicitas gibt in dem E-Book nicht nur Tipps, sondern regt in Form von Aufgaben dazu an, diese direkt umzusetzen. Vor allem erzählt sie aber von ihren Erfahrungen und gibt ehrliche Einblicke in das oftmals nicht perfekt laufende Studium. Durch ihre eigenen Eindrücke kann sie so vor allem angehenden ExamenskandidatInnen in vielerlei Hinsicht die Angst nehmen.

„Ich wollte mein Prädikatsexamen aus mir selbst heraus (…) Nicht um anderen zu gefallen, um es meinen Eltern, Freunden oder Bekannten zu beweisen, sondern weil ich es (…) selbst wollte“

Felicitas Famulla

In dem Buch werden neben der inneren Einstellung, Zielsetzung und Planung auch gesundheitliche Themen angesprochen, wie ein gesunder Lebensstil, genügend Schlaf, Sport und mentale Gesundheit. Jedes Kapitel endet mit Aufgaben und Denkanstößen, mithilfe derer reflektiert werden kann. 

Alles in allem ist „Stress yourself (law)less“ ein kompaktes, sehr ästhetisch gestaltetes E-Book, perfekt geeignet für alle, die neue Inspiration im Studium brauchen oder ihre Stressbewältigung im Studium verbessern möchten. Felicitas schafft es, anzuregen, die eigene Jura-Life-Balance zu überdenken. Uns gefällt dabei besonders ihre Ehrlichkeit. Sie gibt zu, dass weder im Studium noch im Alltag immer alles glatt läuft und motiviert zu kleinen und größeren Veränderungen, ohne jedoch utopische Maßstäbe anzulegen.

Das Buch kann über die Plattform „digistore24.com“ zu einem Preis von 12 Euro erworben werden.